Eigene Bedürfnisse und Grenzen (er)kennen und akzeptieren

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    • Eigene Bedürfnisse und Grenzen (er)kennen und akzeptieren

      Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit den Themen "Bedürfnisse" und "Grenzen" und insbesondere meinen eigenen Bedürfnissen und Grenzen.

      Meine Bedürfnisse habe ich bisher fast ausschließlich anhand gesellschaftlicher Normen und Erwartungen formuliert, da es mir sehr schwer fällt, "in mich hinein zu fühlen" und ohne konkrete Situation oder konkretes Erlebnis ein Bedürfnis zu erkennen bzw. zu benennen.

      Persönliche Grenzen können für mich u.a. physischer, intellektueller, aber auch psychischer Natur sein. Mir fällt es unglaublich schwer zu erkennen, wo meine eigenen Grenzen liegen, insbesondere in psychischer Hinsicht (das hängt für mich sehr eng mit den Bedürfnissen zusammen). Vorausschauend ist mir das beinahe unmöglich, rückblickend kann ich immerhin einschätzen, in wie weit ich über meine eigenen Grenzen hinaus gegangen bin (und mal wieder meine eigenen Bedürfnisse ignoriert habe).

      Zum Beispiel kann es sein, dass ich den Wunsch verspüre, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Rational kann ich keine Gründe dafür finden, warum ich mir das "wünschen" sollte. Vor allem da ich genügend Gründe finde, warum das eigentlich nichts für mich ist: viele Menschen, damit einhergehend Gedrängel, Geschubse, Körperkontakt; Weihnachten an sich; laute unangenehme Musik, z.T. unangenehme Gerüche; außerdem die Tatsache, dass mir Weihnachtsmarktbesuche bisher nie so gut bekommen sind (währenddessen u.a. Beklemmungen, hinterher außerordentliche Erschöpfung). Und trotzdem kann es passieren, dass ich mich dann doch (wieder) in eine solche Situation begebe, obwohl ich genau weiß, was das anrichtet.

      Ein andere Variante wären in meinem Fall z.B. Theaterbesuche. Das ist etwas, was mich interessiert und mir eigentlich Spaß macht, wären dort nicht so viele Menschen dicht aneinander gedrängt sitzend. Da versuche ich dann, es mir so angenehme wie möglich zu machen, indem ich beispielsweise einen Platz weit hinten und am Gang wähle. Auch hier bin ich während des Besuchs extrem angespannt und hinterher sehr erschöpft. Allerdings möchte ich auch nicht darauf verzichten, sodass ich die Konsequenzen letzlich wider besseren Wissens in Kauf nehme.

      So wie in den beschriebenen Beispielen geht es mir oft. In solchen Fällen kenne ich meine Grenzen und kann sie realistisch einschätzen und dennoch kann ich sie nicht wirklich akzeptieren und ignoriere (so weit möglich) einfach die Signale, die mein Körper mir sendet.

      Ich empfinde diese Grenzen, die mein Körper/Geist mir in derartigen Situationen setzt, ein Stück weit als "Beschränkung meiner Lebensqualität" (ich weiß nicht, wie ich es besser formulieren kann). Ich fühle mich eingeschränkt, eingegrenzt, gefangen und gehe dann, fast schon reflexartig, in eine Widerstandshaltung über. Dieser Widerstand mündet dann letztenendes in fast schon selbstschädigendem Verhalten, da ich mich ja erneut der Belastung aussetze und meine eigenen Grenzen "überschreite".

      Ich habe für mich fest gestellt, dass ich mich selbst immer wieder bis ans Äußerste treibe und dann noch darüber hinaus gehe. So habe ich z.B. trotz größter Ängste bei einer Theateraufführung als Darsteller mitgemacht (vor über 100 Leuten) und auch wenn ich einerseits daran "wachsen" konnte (und "über mich hinaus gewachsen" bin), stellt sich mir doch die Frage, inwieweit mir das tatsächlich gut getan hat. Denn auch mit dem Wissen und der Erfahrung, dass ich "so etwas" schaffen kann, ändert das nichts an meiner persönlichen körperlichen Stressreaktion, die, in Form von Angstzuständen, einschließlich körperlicher Symptome, nicht wirklich gesundheitsförderlich ist. Gedanklich versuche ich dabei den Wert einer Selbstaufwertung/ Steigerung von Selbstbewusstsein bzw. Selbstsicherheit vs. Selbstschädigung (psychischer und physischer Stress) abzuwägen.

      Am Anfang habe ich beschrieben, dass ich nicht (oder nur schwer) abschätzen kann, wie eine Situation für mich sein wird, wenn ich nicht etwas sehr ähnliches bereits durchlebt habe. D.h. einen Kirmesbesuch kann ich mit einem Weihnachtsmarktbesuch vergleichen, einen Kinobesuch zur "Primetime" mit einem Theaterbesuch; aber etwas "Neues", sei es eine Aktivität, eine Sportart, ein Interessengebiet o.ä. kann ich nur durch "Ausprobieren" in Erfahrung bringen und dann rückblickend beurteilen.


      Was mich jetzt interessieren würde, ist Folgendes:
      • Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?
      • Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?
      • Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)
      • Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)
      • Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)
      Birds born in a cage think flying is an illness.
    • Skysurfer schrieb:

      Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?

      Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?

      Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)

      Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)

      Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)
      Ich erkenne sehr gut was mir gut tut und was mir schadet. Das musste ich über viele Jahre und auch über viele Rückschläge und Negativerfahrungen lernen. Darüber muss ich nicht mehr nachdenken das habe ich im Gespür. Dazu muss aber gesagt werden, dass ich bereits seit 17 Jahren psychiatrisch und psychotherapeutisch begleitet werde, auch das wirkt sich aus.
      Situationen kann ich heute gut einschätzen aber auch das musste ich lernen. Ich habe mich lange Zeit auch in gefährliche Situationen begeben, ohne, dass ich die Folgen abschätzen konnte. Beschützt hat mich niemand. Das waren bisher 36 Jahre meines Lebens learning by doing.

      Ich kenne den Wunsch den Weihnachtsmarkt zu besuchen aber dann suche ich mir Zeiten wo vllt. weniger los ist, heißt, unter der Woche statt Wochenende, untertags statt Abends wo viele nach Feierabend Glühwein trinken gehen und dann bleibe ich auch nicht lange. Im Schnitt ist das vllt. eine halbe Stunde bis eine Stunde (wenn ich einen guten Tag habe).
      Wenn man solche Unternehmungen nur meidet tut man sich selbst sicher nichts Gutes, ganz im Gegenteil. Ich gebe fast allen Wünschen von mir nach aber immer unter besonderer Vorsicht und möglichen Alternativen und Ausweichmöglichkeiten.
    • @Skysurfer
      Ich habe oben meinen Text dazwischengeschrieben, weil ich es nicht hinbekomme, die einzelnen Zitate auseinanderzuzerren.

      Skysurfer schrieb:

      Was mich jetzt interessieren würde, ist Folgendes:
      • Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?
      --> Sehr oft erkenne ich meine eigenen Bedürfnisse nicht. Meistens habe ich Vorstellungen im Kopf (Denken), was ich tun sollte. Z. B. dachte ich mehrere Monate lang, nachdem ich meinen Beruf verloren hatte und in der Klinik war, dass ich unbedingt meinen Tag strukturieren sollte (weil es einem in der Klinik so beigebracht wurde). Ich habe dann jeden Tag Aktivititäten und auch Ruhepausen geplant und war nach mehr als einem Jahr so fertig davon, dass ich das abbrechen musste. Auf meine Bedürfnisse hatte ich da keinen Moment gehört. Ich dachte, damit ich nicht in die Depressionen falle, muss ich möglichst viele Aktivitäten unternehmen. Also bin ich in einen sozialpsychiatrischen Verein, obwohl es mir nicht gut tat, blieb in einer Musikgruppe, obwohl ich mich nicht wohl fühlte, plante jeden Tag so viel, dass ich nur noch am Abarbeiten dieser Listen war. Genau das Falsche.

      Früher hatte ich es auch oft, dass ich dachte, samstagsabends dürfe man nicht zu Hause herumsitzen, das machen nur Langweiler :lol: Also habe ich mich jedes Mal schlecht gefühlt, wenn ich Samstags abends zu Hause war und nichts gemacht habe. Egal ob ich erschöpft war und eine Unternehmung gar nicht sinnvoll gewesen wäre. Manchmal bin ich auch weggegangen, nur damit man weggeht (z. B. abends unter der Woche), obwohl ich merkte, ich habe da gar keine Lust drauf. Ich dachte dann aber, dass der Spaß vielleicht dann noch kommt. Vorher steckte ich da nicht drin zu unterscheiden, ob ich nur einen Tritt in den Hintern brauche oder ob ich wirklich zu erschöpft bin.


      Mittlerweile gelingt es mir besser, meinen Zustand wahrzunehmen, also wieviel Energie ich für etwas habe. Auf mein Energielevel konnte ich vor den Zusammenbrüchen gar nicht schauen. Ich habe einfach so lange geschuftet und getan, bis ich dann körperlich krank wurde (Erkältung und mal ne Woche im Bett lag) oder gegen Ende dann nach der Arbeit so fertig war, dass ich einschlief, und dann ging es wieder weiter.

      Es ist für mich sehr frustrierend zu erleben, dass mein Energievorrat manchmal sehr schnell leer ist und ich eigentlich gerne noch etwas unternehmen möchte, aber ich dazu keine Energie mehr habe bzw. ich erst Ruhe für mich brauche.

      Ich glaube, dass ich generell meine Bedürfnisse eher schlecht erkennen kann. Z. B. merke ich nicht wirklich früh, wann ich ein Bedürfnis nach Kontakt habe. Meistens ist es so spät damit, dass ich dann irgendwann hier sitze und mir nichts sehnlicher wünsche, als mich mit jemandem treffen zu können und weinen muss weil ich diese Möglichkeit nicht habe und vor Sehnsucht glaube, kaputtzugehen. :m(: Aber das Bedürfnis in normalem Ausmaß (Wunsch nach Kontakt) kenne ich so nicht. Die meiste Zeit passt mir das so, dass ich hier alleine bin. Offenbar merke ich dieses Bedürfnis erst, wenn es schon sehr "groß" ist.

      Andere körperliche Bedürfnisse wie Toilettengang, Frieren, Hungergefühl sind auch nicht ganz einfach, aber in der letzten Zeit habe ich versucht, etwas darauf zu achten. Sehr oft ignoriere ich so etwas aber einfach, was ich auch ziemlich lange kann, ohne mich beeinträchtigt zu fühlen. Ich weiß aber, dass es mir nicht gut tut. :|

      Beim Bedürfnis nach Ruhe merke ich das glaube ich auch erst meistens dann, wenn ich schon genervt bin von einem Kontakt oder kurz vorm Overload. Ich verstehe nicht ganz, warum ich meine Bedürfnisse nicht wahrnehmen kann, wenn sie noch "kleiner" sind.

      • Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?
      --> Verstehe die Frage nicht ganz. Meistens weiß ich schon, was mit einer Situation auf mich zukommen wird. Ich liege damit selten daneben. z. B. vor dem Besuch eines Weihnachtsmarktes weiß ich ziemlich genau wie sehr mich das stresst, oder ein Theaterbesuch. Da ich das beides schon gemacht habe, weiß ich in etwa wie hoch das Stresslevel ist. Aber es ist auch immer sehr stark abhängig von meiner eigenen Tagesform. Ich muss zugeben, dass ich das manchmal nicht mit einberechne. Das betrifft z. B. das "nach draußen gehen". Manchmal bin ich in so einer schlechten Form, dass schon der Fußmarsch in die Stadt zu einem Spießrutenlaufen wird, weil ich Ängste habe, beobachtet zu werden etc.
      • Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)
      --> Ich kenne solche irrationalen Wünsche nicht. Ich finde die in deinem Fall auch nicht irrational. Du hast einerseits ein Bedürfnis danach (z. B. Weihnachtsmarkt), aber auf der anderen Seite kannst du es nicht gut ertragen. Das ist ein Widerspruch und sehr schwer, das auszuhalten. Aber dennoch kann man das Bedürfnis ja dann nicht irrational nennen. Es ist da.
      Bei mir ist es so ähnlich mit dem Kontaktwunsch. Manchmal habe ich starke Wünsche nach Kontakten mit Menschen in einer Gruppe. Ein paar ganz wenige Male bin ich dem nachgekommen. Ich wusste vorher, dass es schwierig wird, aber wollte das trotzdem probieren. Hinterher war es meistens eine Enttäuschung. Aber ich würde nicht unbedingt sagen, dass es mir geschadet hat. Ich merke dadurch nur, dass das, was ich will, mit dem was ich ertragen kann, oft leider nicht zusammenpasst. :(
      • Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)
      --> Ja. Siehe oben meine Erläuterungen zum eigenen Energielevel. Das fällt mir schwer, das zu akzeptieren, wenn ich wenig Energie habe und mich besser zu Hause ausruhen sollte. Dann kommt direkt so eine Art schlechtes Gewissen oder Antreiber, der mir sagt, man ist langweilig wenn man nur zu Hause rumsitzt (bekam ich früher oft von meinen Eltern zu hören) oder dass man aufpassen muss, dass man nicht faul und depressiv wird (sagt dann der Antreiber).
      Mittlerweile kann ich diese Grenzen besser akzeptieren.

      Bis auf mein Energielevel weiß ich nicht, ob ich so viele meiner Grenzen überschreite. Manchmal zwang ich mich schon dazu, meine Listen (ich muss ja trotzdem noch den Haushalt führen etc.) abzuarbeiten, damit das erledigt ist. Da dreht es sich aber auch wieder um das Energielevel. Mittlerweiile kann ich mir eher sagen "was hab ich davon, wenn ich die Kopien heute gemacht habe, statt morgen? Die Welt geht auch nicht unter, wenn ich das erst morgen erledige" und dann lade ich mir nicht noch mehr auf, wenn ich merke, dass es schon genug ist.

      Oft überschreite ich meine Grenzen, wenn ich denke, ich müsste ein Buch zu Ende lesen oder dürfte an einem Thema nicht locker lassen oder an einem Problem. Dann werde ich verbissen und schade mir damit auch selbst.
      • Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)
      --> Ich kann mich nicht erinnern, wann ich beim Überschreiten meinre Grenzen über mich selbst hinaus gewachsen bin. Ich schade mir glaube ich eher, wenn ich über meine Grenzen gehe. Ich hatte z. B. mal die Abteilung gewechselt, weil ich dachte, wenn ich soziale Ängste habe, sollte ich mich damit konfrontieren und habe in einem Bereich gearbeitet, in dem extrem viel Kundenkontakt war und auch sehr schwierige Kunden. Das ging vollkommen nach hinten los. x( Ich stand nach 2 Monaten wirklich kurz vorm Zusammenklappen, hatte jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit ganz schlimme Ängste, auf der Arbeit nur noch Durchfall vor Angst und war einfach komplett überfordert mit der Betreuung der Kunden. Da bin ich nicht über mich hinausgewachsen. Ich weiß jetzt eher, dass ich bestimmte Sachen nicht aushalte.

      Gut, einmal auf der Arbeit habe ich auch vor sehr schwierigem Publikum einen Vortrag gehalten. Da bin ich über mich hinausgewachsen. Hinterher war ich sehr stolz auf mich, dass ich mich das als Berufsanfängerin getraut habe. Inhaltlich war ich auch nicht schlecht gewesen.

      Man könnte auch sagen, ich bin vor einigen Jahren über mich hinausgewachsen, als ich es riskiert habe, mich überhaupt mit meinen Gefühlen auseinanderzusetzen. Es haben sich ja ganz neue Welten aufgetan. Aber seitdem habe ich sehr viele Probleme mit mir selbst und meinen Mitmenschen. Ohne Gefühle war es wesentlich leichter. :o
      Aber auf irgendeine Art und Weise bin ich schon über mich hinausgewachsen, auch wenn das Resultat leider kein Gutes ist.

      Vor mehreren Jahren habe ich mich auch erstmal getraut, mich körperlich nicht mehr zu genieren (ich bekam früher immer gesagt, dass ich unsportlich sei und mir wurde kein gutes Gespür für meinen Körper mitgegeben). Irgendwann habe ich beschlossen, dass ich nun mal so bin wie ich bin und mich in diesem Körper auch zeigen und bewegen darf. Durch diesen Entschluss bin ich sehr über mich hinausgewachsen. Seitdem gehe ich auf Konzerte, mache Sport (ohne zu denken, dass ich unsportlich sei und diejenige, die früher nie in die Mannschaften gewählt wurde), habe mich auf Körpertherapien eingelassen und liebe meinen Körper auch bei der Begegnung mit anderen Menschen. Damals habe ich eine ganz hohe Grenze überwunden.

      Aber die meisten "Grenzen", die hin zu anderen Menschen bestehen, schützen mich meiner Meinung nach eher. Ich glaube, da würde ich nicht unbedingt über mich hinauswachsen, wenn ich die häufiger überschreiten würde. Die sind bei mir sehr eng, aber doch richtig gesetzt, wie ich finde. Ich merke ja, wie schlecht es mir tut, wenn ich Menschen zu nah an mich heranlasse. Da wird auch das Thema "Abgrenzen" wieder wichtig.
      Aber das Thema "Nähe <-> Distanz" ist für mich auch ein Wichtiges. Manchmal will ich leider mehr Nähe, als ich tatsächlich ertragen kann.



      Na ja, zwei sehr spannende Themen :)

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    • - Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?

      Ganz oft in einer stressigen Situation erkenne ich sie nicht schnell genug oder wenn ich sie erkenne, dann bin ich zu sehr im Anpassungsmodus und im maskieren, als daß ich gut reagieren könnte. In nicht ganz so stressigen Situationen und mit sehr vertrauten Menschen kann ich inzwischen aber sagen wenn mir etwas zu viel wird und ehrlich sagen warum. Umgekehrt können Menschen die mich gut kennen, das inzwischen auch erkennen: Meine Sätze werden immer kürzer, bis ich ganz verstumme. Ich schaue mehr und mehr auf den Boden. Meine Muskeln verkrampfen sich und ich fange an zu Stimmen (Zehen im Schuh bewegen z.B.), ich atme nicht mehr tief aus dem Bauch sondern nur noch ganz oben. Ich werde ungeschickter (Dinge fallen aus der Hand, ich stolpere, stoße mich an Ecken und Kanten)...

      - Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?

      Lernen. Lernen. Lernen. Immer noch lernen.

      - Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)

      Ich nenne es Herausforderungen, aber ich kenne es auch. Weihnachtsmarkt, Konzerte, Kettenkarussel auf dem großen Volksfest, Kino am samstag Abend wenn alles voll ist, verkaufsoffener Sonntag...

      Ich denke es ist nicht schlecht sich dem immer wieder auszusetzen, wenn man sich danach erholen kann. Einfach weil ich Phasen hatte, wo ich nichts dergleichen getan habe und das hat nur dazu geführt, daß ich mich vor immer niedrigschwelligeren Herausforderungen gefürchtet habe. Aso ich ging erst nicht mehr einkaufen wenn viele Leute unterwegs waren und dann nicht mehr wenn wenige unterwegs waren und dann irgendwann nur noch wenig aus dem Haus etc.

      Ich glaube so hin und wieder sich herauszufordern hilft mir Ängste im Griff zu haben und für Notfälle gerüstet zu sein, die man ja nicht vermeiden kann. Wenn man nie freiwillig einen Ort mit vielen Menschen aufsucht, aber plötzlich in der überfüllten Notaufnahme des Krankenhauses sitzt ist das viel schlimmer als wenn man das hin und wieder geübt hat: viele Menschen auf kleinem Raum zu ertragen und zwar geübt in einer Situation, die man selbst gewählt hat und jederzeit verlassen kann.

      Entscheidend ist, daß die Erholungsphase zur Herausforderung gehört und einberechnet sein muss. Eine Hochzeitsfeier braucht für mich nicht nur ein Wochenende, sondern das Wochenende und zwei frei Tage danach zum Erholen, unter Umständen, je älter ich werde, auch länger.

      Es ist übrigens auch nicht irrational am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu wollen. Auch Autisten sind Menschen und der Mensch ist ein Herdentier. Uns belastet die Herde nur eben überdurchschnittlich, deshalb müssen aber die Instinkte dazu gehören zu wollen und Teil von der Herde sein zu wollen nicht völlig fehlen, oder schlicht die Freude die es macht die Lichter an einem Weihnachtsmarkt zu sehen und die Gerüche zu schnuppern und die Stimmung wahrzunehmen.... oder den Geschwindigkeitrausch auf dem Karussell und die schwindelne Höhe, nur gehalten von einer Stahlkette... es ist einfach auch schön, auch für uns Autisten.

      - Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)

      Ja. Bei mir besonders beruflich. Ich kann manche Dinge nicht mehr so wie früher wegstecken, zum Beispiel Konferenzen zu denen man hinreisen muss. Es fällt mir sehr schwer da zurück zu stecken und manchmal mute ich mir definitiv zu viel zu. Da ein Zuviel bei mir Depressionen auslösen kann und schwere Erschöpfungszustände, ist das risikoreich und ein Spagat zwischen dem was ich will und dem was ich kann. Das ist gerade ein ziemliches Thema, auch weil ich Altersteilzeit plane und eigentlich noch nicht kürzer treten will, aber vielleicht sollte....

      - Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)

      Ich habe mir so etwas wie ein monatliches Kontingent "genehmigt". Ich kann über die Strenge schlagen, muss dann aber den Rest des Monats langsamer tun. Also Theater ist fein aber nicht Theater und Kino in einem Monat, also entweder, oder. Ich habe mir dahr auch abgeschminkt lange vorher zu planen, sondern versuche so etwas einzuschieben wenn es mir gut geht und nicht eine Karte zwei Monate im vorraus zu kaufen und dann das Gefühl zu haben ich müsse jetzt auch hingehen, obwohl ich vielleicht gerade in der Woche schon eine harte Arbeitszeit hinter mir hatte, der Schornsteinfeger kam, die Nachbarin mich dumm angemacht hat und ich gerade mal wieder mit den Wechseljahren kämpfe. Lieber morgens im Internet schauen ob noch eine Karte für's Theater zu haben ist, weil es mir gut geht und ich psychische und physische Kapazitäten frei habe und abends hingehen.
      Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave. - Friedrich Nietzsche
      Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen. - Voltaire
    • Nun fällt mir noch ein Beispiel ein, wo ich früher oft eine Grenze überschritten haben. Da ich mich Sonntags oft nicht gut fühlte (Langeweile) dachte ich eine Zeit lang, ich müsste doch wenigstens nach draußen spazieren gehen und wirklich jedes Mal wenn ich das Sonntags machte, fühlte ich mich danach noch schlechter, wenn ich draußen dann merkte, dass ich mich dort noch einsamer fühle, weil Sonntags fast nur Familien unterwegs waren.
      Und trotzdem habe ich mich immer wieder gezwungen, Sonntags raus zu gehen.
      Irgendwann habe ich bewusst gemerkt, wie es in meinem Kopf gerattert hat und ich mir dann bewusst überlegte, ob ich das tatsächlich weiter machen soll, wenn es mir doch eigentlich nicht gut tut. Das hat aber ziemlich lange gedauert. :m(:
      Mittlerweile kann ich Sonntags auch mal drinnen bleiben, wenn ich merke, dass mir ein Spaziergang nicht gut tun würde, weil ich in meiner Verfassung nicht auf andere Menschen treffen möchte. Oder ich wähle dann eine andere Spazierroute, z. B. durch einen Wald, weil da die Wahrscheinlichkeit höher ist, "andere" Menschen zu treffen, also auch mal einzelne Jogger und nicht nur Familien.

      Aber von diesem "merken, das einem etwas nicht gut tu" zu einer alternativen Option zu kommen, war für mich überhaupt nicht einfach. Weil in meinem Kopf irgendwie oft irgendwelche "Stimmen" sind, die mir sagen, was man tun sollte (egal, ob mir das gut tut oder nicht). Das sind wohl die verinnerlichten Elternintrojekte, die ich bis jetzt noch nicht wieder losgeworden bin.


      Liramlis schrieb:

      Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)


      Ich nenne es Herausforderungen, aber ich kenne es auch. Weihnachtsmarkt,
      Konzerte, Kettenkarussel auf dem großen Volksfest, Kino am samstag
      Abend wenn alles voll ist, verkaufsoffener Sonntag...
      Das ist so ähnlich wie das "Sonntagsspaziergang" bei mir. Ich ging früher auch öfters Sonntags zum verkaufsoffenen Sonntag, weil ich dachte, das sei besser, als zu Hause rumzusitzen, man kommt etwas unter Menschen etc. Jedes Mal kam ich mir danach aber schlecht vor, weil an verkaufsoffenen Sonntagen selten Menschen alleine unterwegs sind und weil es auch immer sehr voll war und es mich letztendlich eigentlich nur stresste.
      Für mich ist es eher so, dass es mir nichts nutzt, mich dann an solche Situationen zu gewöhnen oder die als Herausforderung zu sehen. Im Endeffekt schaden sie mir nur. Wenn ich muss, halte ich es auch in einer vollgestopften Stadt aus, aber es tut mir einfach nicht gut, deshalb tue ich das nicht häufiger als ich muss.

      Bei dem Gang über den Weihnachtsmarkt hatte ich es erst neulich wieder, dass ich kurz dachte "ach, das riecht so lecker nach Süßigkeiten, ich könnte doch auch mal drüberlaufen", aber nach 10 Metern war ich so gestresst, dass ich nur noch dort weg musste. Leider gab es dann aber keinen Weg mehr raus, weil in allen Richtungen Menschenmassen waren. Ich habe mich dann brav geduldet, bis ich "durchgeschleust wurde". Wenigstens drängeln die meisten Leute hier nicht, aber meine Anspannung steigt sehr stark, wenn ich merke, dass ich nicht wegrennen kann bzw. zügig wo wegkomme.
      Nun weiß ich auch "Weihnachtsmarkt nur vormittags und nicht am WE". Mittlerweile ist er aber auch vormittags schon gut besucht. Also momentan eher "Weihnachtsmarkt lieber gar nicht".

      Beim Essen merke ich auch manchmal, dass ich gar nicht auf meine Bedürfnisse achten kann. Ich weiß z. B. sehr oft nicht, auf was ich Appetit habe, weil ich so darauf getrimmt war, irgendetwas Vernünftiges zu essen (mittlerweile schaffe ich teilweise das nicht mal) bzw. dass das möglichst günstig sein muss. Wenn es mir heute gut geht, kann ich auch mal sagen "nein, heute muss ich nichts "Vernünftiges" essen, ich gehe jetzt in die Stadt mir eine Portion Pommes holen, damit ich danach noch spazieren kann" (weil ich davon mehr habe, als wenn ich auf niedrigem Energielevel mich in einen Supermarkt schleppe, dann noch kochen muss und essen und hinterher ist es schon dunkel, icih bin erschöpft und den Spaziergang kann man knicken).

      Ich finde solche Entscheidungen generell schwierig. Ich glaube, dass es daran liegt, weil es mir eben so schwer fällt, auf meine Bedürfnisse zu hören. Jemand, der auf seine Bedürfnisse hören kann (also die hört und weiß, wie er sich entscheiden muss), hat vermutlich nicht so viele Entscheidungsschwierigkeiten und quälenden gedanklichen Prozesse. :|


      Liramlis schrieb:

      Ich habe mir dahr auch abgeschminkt lange vorher zu planen, sondern versuche so etwas einzuschieben wenn es mir gut geht und nicht eine Karte zwei Monate im vorraus zu kaufen und dann das Gefühl zu haben ich müsse jetzt auch hingehen, obwohl ich vielleicht gerade in der Woche schon eine harte Arbeitszeit hinter mir hatte, der Schornsteinfeger kam, die Nachbarin mich dumm angemacht hat und ich gerade mal wieder mit den Wechseljahren kämpfe. Lieber morgens im Internet schauen ob noch eine Karte für's Theater zu haben ist, weil es mir gut geht und ich psychische und physische Kapazitäten frei habe und abends hingehen.
      Das "Planen" kann ich vorher auch nicht mehr machen. Früher hat mir das geholfen, wenn ich wirklich wegen Schüchternheit oder sozialer Ängste nicht wegbin. Aber mittlerweile hilft mir das nicht mehr. Dann ärgere ich mich so, dass ich da eine teurere Karte liegen hab, dass ich mich oft zwingen würde, doch zur Veranstaltung zu gehen, obwohl es mir nicht gut tun würde. Leider gibt es hier wo ich wohne, selten spontan noch Karten. Auch deshalb habe ich aktuell starke Depressionen. Denn einerseits belastet es mich, wenn ich mich vorher zu früh festlege (ist das das gleiche mit Besuchsfahrten etc.), andererseits geht es mir schlecht, wenn ich dann spontan etwas unternehmen möchte, aber es ist nicht mehr möglich (da Tickets vergriffen oder Bahnfahrten unterschwinglich teuer). Das belastet mich momentan extrem.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • Skysurfer schrieb:

      Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?

      Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?

      Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)

      Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)

      Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)
      1.) Ich kenne meine Bedürfnisse gut. Ich merke deutlich was mir gut oder nicht gut tut. Ganz einfach an den Gefühlen, die beim Gedanken and die Dinge entstehen. Früher konnte ich das nicht gut deuten und ich möchte meinen, dass ich auch gar keine Gefühle in Bezug auf die meisten Aktivitäten hatte.

      2.) Ja, meistens kann ich das ganz gut einschätzen. Wenn ich mir das vorher vorstelle, habe ich dabei ein gutes oder schlechtes Gefühl (in Bezug auf einzelne Aspekte). Hin und wieder geschieht jedoch etwas völlig Unvorhergesehenes.

      3.) Es kommt ganz oft vor, dass ich mehrere Standpunkte zu einer Sache habe (typischerweise ratio vs. emotio) und diese zu einem vertretbaren Konsens bringen muss. Es gilt alle Vorzüge und Nachteile abzuwägen. Dabei ist das Befinden ganz besonders zu berücksichtigen, aber der Verstand muss entscheiden ob dem Befinden nachgegeben werden muss oder nicht.

      4.) Ich habe nicht das Gefühl, dass mir Grenzen gesetzt sind. Ich kann zwar nicht alles machen, aber dafür kann ich Dinge machen, die andere Leute nicht können. Also ist das OK. Entscheidend ist, dass ich keine Bedürfnisse habe, die Grenzen überschreiten. Alles was meiner autistischen Seite missfällt, erzeugt ein deutliches bis starkes Nein-Gefühl. Also ist ganz klar: ich will das nicht. Auf der anderen Seite ergibt es für mich keinen Sinn etwas zu tun oder zu wünschen, was andere Menschen tun/wünschen. Also mir fehlt da die Vorstellung etwas tun zu müssen, was anderer Leuts Vorstellungen entspricht.

      5.) Über sich hinaus zuwachsen ist eine lebenslange Aufgabe. Das gesteckte Ziel muss realistisch sein, d.h. man muss sich selbst in der Situation vorstellen können, nicht einen beliebigen nt Menschen. Dann müssen die Voraussetzungen stimmen: Entschlossenheit, Zuversicht und Vorbereitung sind absolut notwendig und dann geht man einen kleinen, wirklich kleinen Schritt. Und weil die Schritte so klein und die GewöhnungsZeit so lang ist, macht man das sooft wie möglich (solange die Voraussetzungen erfüllt sind).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Puk ()

    • Hallo Zusammen, Hallo @'Skysurfer!
      • Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?
      Hm. Meine eigenen Bedürfnisse. Ich spüre vieles erst sehr spät oder zu spät, wenn es mir richtig schlecht geht. Also Naja, ich spüre nicht immer meine Bedürfnisse und kann dementsprechend handeln. In Bezug auf Rückzug/ Overload etc. gemeint.
      (Hunger und Durst als Extrembeispiele spüre ich erst, wenn sie sehr deutlich werden. Ich trinke generell viel zu wenig und finde, trinken ist die reinste Qual...fällt mir sehr schwer...)
      • Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?
      Ich kann schwer einschätzen, wie eine Situation wirklich ablaufen wird. Meist kommt es dann nämlich doch anders, als man denkt. Auch wenn man sich noch so gut vorbereitet hat...
      • Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)
      Ja, *seufz*.... Ich wünsche mir auch manchmal so etwas. Letzten Samstag war ich mit sehr guten Freunden auf einem eigentlich sehr schönen Weihnachtsmarkt. Teilweise war dann (drinnen)/ es gab Innen- und Außenbereiche- ziemliches Gewühl und Stimmengewirr. Das wurde mir dann schnell zu viel und ich ertappte mich dabei, wie ich von einem Bein aufs andere wippte und vor mich hin murmelte wann wir denn endlich gehen könnten... Eigentlich möchte ich ja teilhaben und eigentlich ist es doch was schönes, aber es kostet so unendlich viel Kraft... ich war froh als wir wieder im Auto saßen....
      • Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)
      Manche Dinge mache ich einfach trotzdem/ zwinge mich. Ob das immer gut ist, kann ich so nicht sagen. Manchmal fühle mich mich hinterher richtig gut, manchmal denke ich mir: Wärst du gemütlich zu Hause geblieben, wärst du besser dran gewesen...
      Heute habe ich erfahren, dass eine der Weihnachtsfeiern der Arbeit ausfallen muss. Ich konnte meine Freude kaum zurückhalten. :)
      • Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)
      Ich freu mich, wenn ich über mich hinauswachse. Als Kind habe ich beispielsweise irgendwann aufgehört meinen Geburtstag zu feiern, weil ich es so gehasst habe. Seit ein paar Jahren "tue ich es mir wieder an". Viele Leute, Lärm, im Mittelpunkt stehen,... alles was belastend ist eigenlich. Aber ich halte es aus. Und ich freue mich ja auch.
      Von daher wachse ich dabei über mich hinaus. Es kostet natürlich Energie (Kosten) aber es bringt auch Freude und Lebenserfahrung/Qualität (Nutzen).

      Liebe Grüße erstmal, Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)


      "Was ist falsch an sonderbar?"
    • Skysurfer schrieb:

      Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?
      Manche Bedürfnisse erkenne ich sehr gut - z.B. mein relativ großes Bedürfnis nach Ruhe und allein zu sein. Wenn ich dem nicht nachkommen kann, werde ich zappelig und (im Extremfall) aggressiv.

      Grundlegende körperliche Bedürfnisse erkenne ich nicht immer klar, z.B. wann ich Hunger habe oder müde bin. Das liegt teilweise daran, dass beide Bedürfnisse oft von Schmerzen überdeckt werden und da suche ich (immer noch und immer wieder) nach Lösungen, die zu mir passen.

      Skysurfer schrieb:

      Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?
      Manche Situationen kann ich vorher einschätzen, weil ich sie ja aus der Vergangenheit kenne - also definitiv ein Lernprozess. Unbekanntes versuche ich mit Ähnlichem aus der Vergangenheit abzugleichen - also eher rational als intuitiv.

      Dabei kann es natürlich auch zu Fehleinschätzungen kommen, weil keine zwei Situationen ja wirklich gleich sind.

      Skysurfer schrieb:

      Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)
      Oh ja - gerade die Weihnachtsmarktproblematik ist z.Zt. aktuell bei mir. Ich weiß, dass mich solche Veranstaltungen über Gebühr stressen, ich mag Weihnachten eigentlich eh nicht - und trotzdem würde ich gern über einen duftenden Weihnachtsmarkt bummeln.

      Beim stressigen (aber kurzen) Einkaufstrip heute ist mir aufgefallen, dass dort der Weihnachtsmarkt eher 'großzügig' ist. Zum einen sind viele Stände in der Mitte der (mir gut bekannten) Fußgängerzone, zum anderen ist die Stadt insgesamt eher übersichtlich und ich kenne alle ruhigen Seitenstraßen.
      Ich plane irgendwann in den nächsten Wochen einen Weihnachtsmarktbummel dort - falls ich eine Begleitung finde.

      Skysurfer schrieb:

      Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)
      Im allgemeinen kann ich meine Grenzen gut aktzeptieren. Schwierig wird es bei Mittelalterveranstaltungen. Wenn ich eine Begleitung finde (und es mir gleichzeitig finanziell leisten kann), dann mache ich das einfach. Und plane danach mindestens eine Woche Ruhe ein - und achte auch im Vorfeld darauf, dass ich in der folgenden Woche keine Termine habe.

      Skysurfer schrieb:

      Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)
      Wenn ich etwas wirklich machen will, dann mache ich es auch - und pfeife auf die Kosten. 'Bezahlt' wird eh erst hinterher. Aber ob das ein 'über mich hinauswachsen' ist? Eher nicht.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
      • Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?
      Ich habe das Gefühl, dass ich in den letzten Jahren meine Bedürfnisse immer weniger selbst kenne. Das schließt alles ein - also auch Essen, Schlafen etcpp. Ruhe holt sich mein Körper von selbst irgendwann. Ich funktioniere dann einfach nicht mehr.
      Tatsächlich ist das aber furchtbar interessant: Wenn ich nichts mehr hinbekommen, kann ich nur noch "Nein" (möchte ich nicht) sagen - oder zucke mit den Schultern unbewusst. Meist, weil ich es tatsächlich eigtl möchte, aber nicht abschätzen kann, was das für mich bedeuten würde und deswegen Angst davor habe. Wenn man das weiß, kann man aber ziemlich gut erkennen, was ich möchte.

      • Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?
      Kommt auf die Situation an. Generell kann ich Situationen schlecht aufeinander übertragen. Dh ich muss das für viele Situationen neu lernen. Dazu frage ich dann alle Beteiligten und suche möglichst viele Informationen. Ich habe aber eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was ich alles wissen muss.

      • Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)
      Ich vermute mal stark, dass du den Grund für den Wunsch einfach nicht kennst. Persönlich würde ich sagen, dass ich sowas auch habe und durchaus nachgebe - aber nur, wenn es mir im Vorfeld gut geht.
      • Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)
      Bei mir kommt das sehr darauf an, worum es geht. So etwas geplantes wie ein Theaterbesuch mache ich dann meist nicht, weil es mir allerdings nicht so wichtig ist. Also: Auch Dinge, die mir wichtig sind, sind mir dann nicht mehr wichtig. Mir reicht es, zuhause zu sitzen. Teilweise, wenn ich mich relativ spontan entscheiden kann (also wenige Tage vorher) mache ich es trotzdem.
      Ansonsten erkenne ich meine Grenzen meist nicht vorher - die sind mMn aber auch sehr individuell unterschiedlich bei mir.
      • Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung)
      Ich denke, ich mache das intuitiv. Da ist dann ein Gefühl von "das hat sich gelohnt". Das kann subjektiv (Spaß) oder objektiv (Nutzen) sein.
    • Skysurfer schrieb:





      Kennt ihr eure eigene Bedürfnisse? Wie/woran erkennt ihr die?
      Bezüglich Überforderung kenne und vor allem erkenne ich sie nicht bzw. max. 1%.
      Ich glaube, das liegt daran, dass ich meine Gefühle diesbezüglich über 50 Jahre ignoriert habe, zunächst mitmachen sollte und dann auch wollte.
      Es gab ja auch angenehme Erfahrungen. Ich bereue nicht, dass ich das Machen und Mitmachen gelernt habe.
      Nur die Dosierung, wie oft, wie lange, unter welchen Bedingungen muss ich nun wohl einstudieren.


      • Könnt ihr im Voraus Situationen einschätzen? Wenn ja, musstet ihr das erst "lernen" oder könnt ihr das "intuitiv"?
      Bezüglich Überforderung kann ich das nicht.
      Mein Verstand sieht es als nicht so schlimm und ich will.
      • Kennt ihr diese "irrationalen" Wünsche? Gebt ihr dem nach? (Beispiel Weihnachtsmarkt)
      Ja, wenn mein Verstand nichts Schlimmes erkennt oder ich jemandem helfen kann oder wenn es eine wichtige Aufgabe ist. Dann mach ich, selbst wenn ich sogar denke, es ist eigentlich anstrengend. Nicht machen empfinde ich als schlimmer.
      • Kennt ihr es, dass es euch schwer fällt, eigene Grenzen zu akzeptieren? Wie geht ihr damit um (Rücksicht nehmen / trotzdem machen)? (Beispiel Theaterbesuch)
      Ja, ich will keine Grenzen. Solange es geht, mache ich.
      • Wie geht es euch damit, über eigene Grenzen hinaus zu gehen und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen? Wie wägt ihr "Kosten" und "Nutzen" ab? (Beispiel Theateraufführung
      Ein Theaterstück, welches mir nicht gefällt, gucke ich nicht an. Ich gehe dann auch nicht mit jemandem mit, wenn dieser mich bittet. Meine Person ist normaler Weise nicht entscheidend, dass der andere sich das angucken kann.
      Ist es dem Anderen jedoch tatsächlich unmöglich, ohne mich zu gehen, gehe ich mit, wenn es für ihn sehr wichtig ist.