Diagnostische Einschätzung bei Frau Dr. Preißmann

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    • Vielen Dank für eure Gedanken!
      Ich gehe davon aus, dass Frau Dr. Preißmann professionell an die Sache herangeht und reflektiert. Dass das leider nicht jeder Berufsausübende tut, ist blöd, aber ja eher nicht die Regel.
      Ja, über die Formulierung "Einschätzung" bin ich eben auch gestolpert. Daher dachte ich, es hat vielleicht schon jemand hier eine Beratung bei ihr gehabt und von ihr selbst Genaueres gehört, was da geplant ist.
      @Happy to be Das hast du nach meinem Empfinden sehr schlüssig dargestellt. So ordne ich die Thematik auch für mich ein.
      Es darf genau so sein.
    • Happy to be wrote:

      Wenn ich mir ansehe, wie "normal" plötzlich allle wrken, wenn sie ein Weile unter Aspies in einem geschützten Rahmen sind, wo einfach akzeptiert wird, dass hier und da eines fehlen könnte,
      wie bestimmte scheinabr typische Symptome sich abmildern, bis sie fast gat nicht mehr auffallen - jemand sagte mal scherzhaft nach einem Treffen, sinngemäß, so wie wir gerade sind, könnten wir die Diagnose auch abgeben".
      Das erlebe ich so nicht. Die meisten Aspies, die ich aus der SHG kenne, sind "nicht normal" und werden es auch nicht dadurch, dass sie akzeptiert werden (was du mit "dass hier und da eines fehlen könnte", verstehe ich nicht). Wenn ich z.B. an die unmodulierte und abgehackte Sprechweise von einem denke - das ist echt wahnsinnig anstrengend, dem zuzuhören und seine Sprechweise ändert sich durch Akzeptanz nicht. Akzeptiert und toleriert wird das in der SHG zwar trotzdem, aber es bleibt auffällig und abseits der Norm.

      Happy to be wrote:

      Ich behaupte mal, dass der überwiegende Anteil der Aspergersymptome nur Reaktionen auf den Druck einer Umwelt sind, die Normal in immer engere Grenzen setzt, deren exakte Einhaltung sie einfordert.
      Ich behaupte mal, nein.

      Sicherlich ist es so, dass sich unter Druck diverse Symptome verstärken können und vermutlich ist es auch so, dass die Umwelt heute engere Grenzen setzt als früher. Die Schlussfolgerung, dass die meisten aspergertypischen Problematiken einfach weg wären, wenn nur die Umwelt tolerant wäre, überzeugt mich aber nicht. Sie entspricht auch nicht meinem eigenen Erleben.
    • filipendula wrote:

      Sicherlich ist es so, dass sich unter Druck diverse Symptome verstärken können und vermutlich ist es auch so, dass die Umwelt heute engere Grenzen setzt als früher. Die Schlussfolgerung, dass die meisten aspergertypischen Problematiken einfach weg wären, wenn nur die Umwelt tolerant wäre, überzeugt mich aber nicht.
      Mich auch nicht. Eher im Gegenteil - "draußen" bemüht man sich doch i.d.R., unauffällig zu sein und Symptome zu unterdrücken. Um mal mein für Außenstehende wohl befremdlichstes Symptom zu nehmen, die Flatterei: die lebe ich nur aus, wenn ich ganz allein bin, selbst meine Frau kriegt nur die durch Selbstbeherrschung reduzierte Form präsentiert.
    • seven_of_nine wrote:

      Der ICD listet (ausschließlich ?) Krankheiten.
      Asperger ist im ICD.
      Asperger ist eine Krankheit.
      Als "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" listet die ICD nicht nur Krankheiten auf. Es gibt zum Beispiel die Eintragungen "Schwangerschaftsdauer", "Nicht durchgeführte Impfung" oder "Zielscheibe feindlicher Diskriminierung und Verfolgung", man kann also nicht rückschließen, dass alles, was drinsteht, eine Krankheit sei.
    • filipendula wrote:

      seven_of_nine wrote:

      Der ICD listet (ausschließlich ?) Krankheiten.
      Asperger ist im ICD.
      Asperger ist eine Krankheit.
      Als "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" listet die ICD nicht nur Krankheiten auf. Es gibt zum Beispiel die Eintragungen "Schwangerschaftsdauer", "Nicht durchgeführte Impfung" oder "Zielscheibe feindlicher Diskriminierung und Verfolgung", man kann also nicht rückschließen, dass alles, was drinsteht, eine Krankheit sei.
      Danke!
    • Wenn man alles pathologisieren würde, was nicht funktioniert, müsste man aber deutlich mehr als krank bezeichnen :d

      Klar, das Wort Krankheit suggeriert "Mitgefühl bekommen, Rücksichtnahme anderer, Entschuldigung, wirkt gegen unberechtigte Angrffe, weil man etwas eben nicht kann", kann gehen bis zu "ich hab keine Lust, etwas damit zu machen, also lass ich es und "mache blau".
      Also sekundärer Krankheitsgewinn.

      Je nachdem, was man erlebt hatte, wurde auf Krankheiten Rücksicht genommen oder nicht, entsteht dann bei diesem Begriff eine andere Erwartungshaltung, an sich selbst und vor allem an andere.
      Doof dann nur, wenn die nicht erwartungsgemäß reagieren, der erhoffte Gewinn ausbleibt.

      Variante 1: Ich erwarte Mitgefühl, Rücksichtnahme, und es kommt ", dann arbeite daran, schaff die das eine oder andere feature drauf, andere kriegen das ja auch hin, es ist ja nicht Krebs im Endstadium.
      Das kann einen echt fertigmachen, man fühlt sich nicht ernst genommen, soll zu den Belastungen, die ja da sind, noch mehr machen....
      Muster ist dann oft "Ich bin sehr krank" - das hatte ja mal Erfolg und bei manchen Menschen hat es das auch, also antesten, bei wen das klappt.

      Variante 2: Ich erwarte ernst genommen zu werden, anerkannt zu werden als gleichwertig betrachtet zu werden, Respekt dazu, dass etwas anders ist, ich eben andere kann bzw nicht kann als die Mehrheit. Ich erwarte Koperation, gemeinsames Wege zu finden bzw ein Mitdenken zu dem, was helfen könnte, die fehlendern features auszugleichen.
      Und jetzt kommt jemand und sagt "du bist krank" :m(: :d

      Variante 1 hofft über das "Krank" ein Verhalten anderer herzustellen, weil davon ausgegangen wird, dass eine Akzeptaz als gleichwertig nicht da sein kann - aus eigenem Denken dazu oder weil andere das immer wieder gesagt haben
      Variante 2 erwartet als gleichwertig betrachtet zu werden, weil sich selbst so betrachtend - niemand kann alles können. Was das Verhalten der anderen angeht, wird dann wieder das Gleiche erhofft.

      Die Gefahr ist dabei, wenn das als "oberste Wahrheit" betrachtet wird

      1. Zieht sich jemand auf "krank" zurück, und dann schafft ein/e andere Aspie mit den gleichen oder sogar mehr fehlenden features etwas, dass jemand, der so krank ist, ja gar nicht können kann....ist das entweder kein/e echte Aspie oder hatte ganz viel Hilfe - hier kann man sich dann prima darüber beklagen, dass einem das ungerechterweise verweigert wurde, schlimmes Schicksal, und noch ein Grund, weniger zu zu machen. Und sich noch kranker denken, dennn jetzt hat man noch das böse ungerechte Schicksal, da einem das beschert hat - man kann so gar nichts mehr dafür, wegen krnak und wegen Schicksal. Kann nichts dagegen machen, es geht verloren, dass man damit etwas machen kann.

      2. Wer dann aber trotz gleicher oder schwieriger Voraussetzungen etwas hingekriegt hat, hält die anderen schnell nur für bequem und unwillig, oder ausnutzend, verfällt der Idee, alles schaffen zu können. Dramatisch, wenn dann Überlastung wirklich krank macht.

      Na ja, und je nachdem, auf was für Menschen man trifft, und welche Einstellung die zu krank haben, wirkt sich dann die eigene so oder so aus - erkennt man erst, wenn man in Kontakt hat, und die eigene für die anderen sichtbar wird. Und je nach setting wird dann eben krank anders bewertet, vor allem wenn es um Jobsuche geht. Was wiederum einen emotional entlastenden Vorteil hat, man kann ja nichts dafür, wenn es nicht klappt.....

      Letztendlich muss jede/r selbst für sich herausfinden, was hier der erfolgreichere Weg ist, mit dem eigenen Asperger klarzukommen und damit zufrieden und glücklich zu werden - was gut tut und auf diesem Weg hilft ist richtig, und bei den einen ist es eben das eine, bei den anderen das andere. Und manchmal auch abwechselnd oder je nach Umfeld was anderes.
      Wenn du meinst, zu klein zu sein, um etwas zu bewegen....dann hattest du noch nie eine Stechmücke im Schlafzimmer

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    • filipendula wrote:

      Happy to be wrote:

      Wenn ich mir ansehe, wie "normal" plötzlich allle wrken, wenn sie ein Weile unter Aspies in einem geschützten Rahmen sind, wo einfach akzeptiert wird, dass hier und da eines fehlen könnte,
      wie bestimmte scheinabr typische Symptome sich abmildern, bis sie fast gat nicht mehr auffallen - jemand sagte mal scherzhaft nach einem Treffen, sinngemäß, so wie wir gerade sind, könnten wir die Diagnose auch abgeben".
      Das erlebe ich so nicht. Die meisten Aspies, die ich aus der SHG kenne, sind "nicht normal" und werden es auch nicht dadurch, dass sie akzeptiert werden (was du mit "dass hier und da eines fehlen könnte", verstehe ich nicht). Wenn ich z.B. an die unmodulierte und abgehackte Sprechweise von einem denke - das ist echt wahnsinnig anstrengend, dem zuzuhören und seine Sprechweise ändert sich durch Akzeptanz nicht. Akzeptiert und toleriert wird das in der SHG zwar trotzdem, aber es bleibt auffällig und abseits der Norm.

      Happy to be wrote:

      Ich behaupte mal, dass der überwiegende Anteil der Aspergersymptome nur Reaktionen auf den Druck einer Umwelt sind, die Normal in immer engere Grenzen setzt, deren exakte Einhaltung sie einfordert.
      Ich behaupte mal, nein.
      Sicherlich ist es so, dass sich unter Druck diverse Symptome verstärken können und vermutlich ist es auch so, dass die Umwelt heute engere Grenzen setzt als früher. Die Schlussfolgerung, dass die meisten aspergertypischen Problematiken einfach weg wären, wenn nur die Umwelt tolerant wäre, überzeugt mich aber nicht. Sie entspricht auch nicht meinem eigenen Erleben.
      Sehe ich auch so.

      Ich verstehe nicht, wieso man sich unter Autisten normaler verhalten sollte als unter NTs.
      Ich verstehe schon, dass weniger Druck herrscht und man dann entspannter sein kann.
      Aber das ändert nichts an AS.
      AS ist durch abnormes Verhalten gekennzeichnet. Daran ändert eine andere Art von Gesellschaft nichts, wenn man den Maßstab der Normalität nicht anpasst.
      Wenn sich Symptome so abschwächen, bis zur Aufhebung der Auffälligkeit, dann klingt das für mich sehr merkwürdig.
      Ich würde eher erwarten, dass man sich unter "Gleichgesinnten" autistischer verhält.

      Ich halte es für keine gute Richtung, AS bald oder schon zu einem "Lifestyle" zu machen, so klingt das nämlich...
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Dass Auffälligkeiten verschwinden, nur weil eine Gruppe Leute mit gleichen Auffälligkeiten zusammenkommt, ist unlogisch und vermutlich so explizit auch nicht gemeint gewesen...? Aber die Wahrnehmung der Auffälligkeiten ändert sich vielleicht schon etwas, wenn z.B. eine Gruppe Rollstuhlfahrer einen Ausflug macht, der von vornherein rollstuhlgerecht geplant wurde. Wenn dann eben die komplette Gruppe den Rollstuhleingang nimmt, ist das eben einfach "normal". Anders, wenn man einen Betriebsausflug macht, alle die Treppe nehmen und der Rollstuhlfahrer fragen muss nach dem Extraeingang hinterm Haus im Hinterhof, der rollstuhlgerecht ist. Dass in der Gruppe der Rollstuhlfahrer, der auch die Hände nicht gut koordinieren kann und daher beim Essen "ungeschickt" agiert, ebenfalls als "normabweichend" wahrgenommen wird, ist mMn auch logisch.

      Mit "Lifestyle" hat das meines Erachtens per se erst mal nichts zu tun, wenn so eine Haltung auch möglicherweise daraus erwachsen kann.
      Es darf genau so sein.
    • filipendula wrote:

      seven_of_nine wrote:

      Der ICD listet (ausschließlich ?) Krankheiten.
      Asperger ist im ICD.
      Asperger ist eine Krankheit.
      Als "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" listet die ICD nicht nur Krankheiten auf. Es gibt zum Beispiel die Eintragungen "Schwangerschaftsdauer", "Nicht durchgeführte Impfung" oder "Zielscheibe feindlicher Diskriminierung und Verfolgung", man kann also nicht rückschließen, dass alles, was drinsteht, eine Krankheit sei.
      Jetzt habe ich noch mal nachgesehen:
      Asperger hat einen F-Code. Die F-Codes definieren psychische Störungen. Falls (!) jede psychische Störung eine Krankheit ist, ist Asperger damit auch eine Krankheit.
    • Verwirrt wrote:

      Aber die Wahrnehmung der Auffälligkeiten ändert sich vielleicht schon etwas,
      Ja, ist doch logisch, wenn alle sich "merkwürdig" verhalten, dann ist das, was sonst eigenartig erscheint, auf einmal normal. Es relativiert sich.
      Es ist eine eine andere Normalität. Und dort fallen dann auch wieder Leute als merkwürdig auf, das sind dann die, die in der sonst vorherrschenden Normalität ganz besonders merkwürdig und auffällig sind. Überall, wo mehrere Menschen zusammenkommmen, entsteht sehr schnell eine eigene Norm. Es ist ganz erstaunlich dies zu beobachten, es ist interessant. Manchmal sind gerade die Leute, die sonst als auffällig gelten, dann diejenigen, die besonders viel Wert auf das Einhalten der eigenen Gruppennorm legen. Das kann man ja auch in Subkulturen so beobachten.
      Sie fordern Toleranz, sind es selbst aber keinesfalls. Sehr interessant ist das.

      Soziologische Studien in der Aspie Subkultur. :d

      Verwirrt wrote:

      Mit "Lifestyle" hat das meines Erachtens per se erst mal nichts zu tun, wenn so eine Haltung auch möglicherweise daraus erwachsen kann.
      Nein, Lifestyle ist es nicht. Arttypisches Verhalten, wie bei Tieren. Katzen benehmen sich auch nicht wie Hunde, üblicherweise, und der Aspie benimmt sich nicht wie der NT.

      Und die Krähe? :fun:
    • Shenya wrote:

      Abgesehen davon sehe ich es wie Regenbogenwusli, es sind doch einfach Tatsachen, dass bestimmte Dinge nicht so funktionieren wie bei der Mehrheit der Menschen, dann gibt es doch keinen Grund, es nicht auch so zu benennen.
      Ja, das auf jeden Fall. Es hat keinen Sinn dies schönzureden (RW), das wäre nicht ehrlich.
      Tiefgreifende Entwicklungsstörung, seelische Behinderung, sind ja auch offizielle Begriffe. Ich finde, dass dadurch eher ausgedrückt wird, dass es ein angeborener, nicht veränderbarer Zustand ist. (Was man verändern kann ist, wie man damit umgeht)
      Bei Krankheit denke ich immer an so etwas wie mögliche Heilung.

      Viele Aspies somatisieren unverarbeitete Konflikte und Emotionen und werden dann krank.

      Ich bin behindert, und gleichzeitig gesund. Derzeit, zum Glück. :)

      Dass der Begriff der Behinderung in diesem Fall auch eine gesellschaftliche Komponente hat ist klar. Aber wir leben hier und heute in dieser Gesellschaft, und in diesem Zusammenhang betrachten wir es ja auch.
      Denke ich jedenfalls.

      So definiere ich das, auf Grund der Dinge die ich bisher gelesen und erfahren habe zu dem Thema, und kann damit verschiedene Aspekte voneinander abgrenzen. Neulich beim Kongress habe ich mit einem Psychiater darüber gesprochen, und der fand das auch zutreffend.
    • Cloudactive wrote:

      Ich verstehe nicht, wieso man sich unter Autisten normaler verhalten sollte als unter NTs.
      Ich verstehe schon, dass weniger Druck herrscht und man dann entspannter sein kann.
      Aber das ändert nichts an AS.
      An AS direkt natürlich nicht, aber einige Auswirkungen und Komorbiditäten wie Kommunikationsprobleme können in einem passenden Umfeld gemildert werden. Wenn sich 10 Autisten treffen und alle klar/direkt kommunizieren, treten weniger Missverständnisse auf als wenn sich ein Autist mit 9 NTs trifft und die Absichten zwischen den Zeilen suchen muss. Natürlich läuft es nicht immer so ab, aber die Tendenz ist (für mich) spürbar.
    • Cloudactive wrote:

      AS ist durch abnormes Verhalten gekennzeichnet. Daran ändert eine andere Art von Gesellschaft nichts, wenn man den Maßstab der Normalität nicht anpasst.
      Das habe ich ja gesagt.

      Wenn geschrieben wird:
      @Happy to be
      "Ich behaupte mal, dass der überwiegende Anteil der Aspergersymptome nur Reaktionen auf den Druck einer Umwelt sind…"

      Dann muss ich das so verstehen, dass im Umkehrschluss, der überwiegende Anteil der AS-Symptome ohne Druck weg war, wenn sie sich da "normal" verhalten haben.
      Ein "normal" im Sinne von dem Maßstab der gesamten Menschheit entsprechend oder zumindest dem jeweiligen Kulturkreis.
      Sonst machte diese Schlussfolgerung keinen Sinn.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Ginkgo wrote:


      An AS direkt natürlich nicht, aber einige Auswirkungen und Komorbiditäten wie Kommunikationsprobleme können in einem passenden Umfeld gemildert werden. Wenn sich 10 Autisten treffen und alle klar/direkt kommunizieren, treten weniger Missverständnisse auf als wenn sich ein Autist mit 9 NTs trifft und die Absichten zwischen den Zeilen suchen muss. Natürlich läuft es nicht immer so ab, aber die Tendenz ist (für mich) spürbar.
      Ich finde überhaupt nicht, dass Autisten sich klarer ausdrücken würden, im Gegenteil. In der SHG musste ich manchmal sehr lange warten und überlegen, bis ich endlich verstanden habe, um was es der Person eigentlich geht. Auch ich selbst drücke mich nicht immer klar aus, weil ich manchmal irgendwas im Kopf habe und irgendwie voraussetze, dass der andere das Bild auch im Kopf hat, und das hat er natürlich nicht. Ich sage dann etwas und es fehlt der Zusammenhang. So erlebe ich es auch bei anderen Autisten.


      Kraehe wrote:

      Bei Krankheit denke ich immer an so etwas wie mögliche Heilung.
      Es gibt aber etliche unheilbare Krankheiten und sogar angeborene, unheilbare Krankheiten.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!

      The post was edited 1 time, last by Shenya ().

    • filipendula wrote:

      seven_of_nine wrote:

      Der ICD listet (ausschließlich ?) Krankheiten.
      Asperger ist im ICD.
      Asperger ist eine Krankheit.
      Als "Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme" listet die ICD nicht nur Krankheiten auf. Es gibt zum Beispiel die Eintragungen "Schwangerschaftsdauer", "Nicht durchgeführte Impfung" oder "Zielscheibe feindlicher Diskriminierung und Verfolgung", man kann also nicht rückschließen, dass alles, was drinsteht, eine Krankheit sei.
      Aber gibt es einen Grund zur Annahme, dass ausgerechnet Asperger bzw. das Kapitel, in dem es steht, keine Krankheiten sein könnten?
      Bei einer nicht durchgeführten Impfung dürfte es einleuchtend sein, dass das keine Krankheit ist, das ist ja noch nicht mal ein Symptom, sondern etwas was von außen unterlassen wurde.

      Mich würde interessieren, wenn das ICD nicht die Definition dessen hergibt, was eine Krankheit ist und was keine: Wo ist das dann geregelt? Im ICF? Was meinen wir hier eigentlich mit Krankheit? Den rechtlichen Begriff oder? Kann es sein, dass es mehrere rechtliche Definitionen für Krankheit gibt, je nachdem, von welchem Regelwerk/Gesetz aus man es betrachtet?
      Wozu sollte nochmal genau geklärt werden, ob es eine Krankheit ist oder nicht? :roll:
    • @FruchtigBunt Es ging um meine Formulierung "hat keinen Krankheitswert", daraufhin meinte @Kraehe, dass AS keine Krankheit sei. Mir ist es schon wichtig, die Begriffe korrekt zu benutzen, und damit meine ich medizinisch und juristisch korrekt, nicht philosophisch korrekt ;)

      Auf die weitere Diskussion bin ich erst mal nicht eingegangen, weil für mich die Frage, ob man persönlich AS als Krankheit ansieht, eine völlig andere ist.
    • @seven_of_nine

      Ah okay, hab die Stelle gerade gefunden


      seven_of_nine wrote:

      Dann kann ich zwar sagen, die Person hat leichte autistische Züge, aber es hat keinen Krankheitswert, ergo würde ich dieser Person auch keine Diagnose geben
      Ich verstehe, was du mit der Aussage schreiben wolltest.

      Ob Asperger nun eine Krankheit ist oder nichts, hat dann nichts mit dem Thread hier zu tun, wenn ich es richtig verstehe. Vielleicht kann man das mal grundsätzlich in einem anderen Thread klären (ich glaube, es gibt sogar einen dazu, hier: aspies.de/selbsthilfeforum/ind…ff-asperger-ass/&pageNo=1). Mich würde es auch interessieren, wie das rechtlich korrekt gesehen wird.
    • FruchtigBunt wrote:

      @seven_of_nine

      Ah okay, hab die Stelle gerade gefunden


      seven_of_nine wrote:

      Dann kann ich zwar sagen, die Person hat leichte autistische Züge, aber es hat keinen Krankheitswert, ergo würde ich dieser Person auch keine Diagnose geben
      Ich verstehe, was du mit der Aussage schreiben wolltest.
      Ob Asperger nun eine Krankheit ist oder nichts, hat dann nichts mit dem Thread hier zu tun, wenn ich es richtig verstehe. Vielleicht kann man das mal grundsätzlich in einem anderen Thread klären (ich glaube, es gibt sogar einen dazu). Mich würde es auch interessieren, wie das rechtlich korrekt gesehen wird.
      Ja, mein übertriebener Rechtfertigungsdrang halt... als ob es nicht egal wäre, was @Kraehe von meinen Diagnostikfähigkeiten hält :oops:
    • Shenya wrote:

      Ich finde überhaupt nicht, dass Autisten sich klarer ausdrücken würden, im Gegenteil.
      Ich meinte eher, dass sie nicht A sagen und B meinen. Schwierigkeiten damit die richtige Menge an Informationen von mir zu geben habe ich auch, einfach weil ich nicht einschätzen kann wo ich anfangen muss damit man mir folgen kann. Aber wenn ich etwas sage, dann ist das ernst gemeint und enthält nicht irgendwelche Zwischenbotschaften die man erraten müsste und notfalls kann man nachfragen.