Diagnostische Einschätzung bei Frau Dr. Preißmann

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    • Diagnostische Einschätzung bei Frau Dr. Preißmann

      Hallo allerseits,

      Ich habe schon einige Tage bei euch gelesen und bin nun an dem Punkt, wo ich mir Klarheit wünsche, nachdem die online verfügbaren Tests ziemlich eindeutig waren.

      Frau Dr. Preißmann bietet laut Webseite ab Anfang 2019 eine "diagnostische Einschätzung" an. Sie selbst ist derzeit nicht da, ich habe einen Termin über die Klinik vereinbart explizit zur diagnostischen Einschätzung Ende Januar, also überraschend schnell. Wie immer fielen mir wesentliche Fragen erst hinterher ein, aber noch mal anrufen und fragen mag ich nicht :roll: . Auf der Webseite der Klinik taucht Autismus auch gar nicht auf...
      Aber vielleicht gibt es hier jemanden, der schon bei ihr in der Sprechstunde war und Bescheid weiß: stellt sie Diagnosen / klärt sie ab, oder ist das eher eine subjektive Einschätzung, die einem helfen soll zu entscheiden, ob eine "offizielle" Diagnostik angeraten ist? Und hat jemand schon in Erfahrung gebracht, wie viele Termine dafür einzuplanen sind?

      Danke :)

      Verwirrt(e)
      Reminder: Dies ist ein Beitrag von Verwirrt - falls er so lang war, dass du vergessen hast, von wem er eigentlich war... (c:
    • Verwirrt schrieb:

      Frau Dr. Preißmann bietet laut Webseite ab Anfang 2019 eine "diagnostische Einschätzung" an.
      Eine Autistin bietet eine Autismus-Diagnostik an? Ich bezweifle, dass es eine gute Idee ist. Nicht aufgrund ihrer Fachkompetenz, denn diese hat sie auf jeden Fall, sondern aufgrund ihrer autistischen Wahrnehmung. Bei der Autismus-Diagnostik müssen im sozial-kommunikativen Bereich auf sehr viele subtile Dinge geachtet werden, die Autisten oft nicht wahrnehmen.
    • Na ja, dafür werden aber manche Ähnlichkeiten besser erkannt - Voraussetzung ist jedoch, auch Nicht-Autistisches Verhalten erkennen zu können und den Unterschied zu sehen.
      Aber vor der Aufgabe stehen ja auch "Naspies".
      Was ist das eine, was ist das andere - Die einen erkennen es, die anderen nicht, egal ob Aspie oder Naspie.
      Wer nur über entgangene Chancen trauert, der verpasst das Leben.
    • Grübler_1988 schrieb:

      Bei der Autismus-Diagnostik müssen im sozial-kommunikativen Bereich auf sehr viele subtile Dinge geachtet werden, die Autisten oft nicht wahrnehmen.
      Sie nehmen es im Alltag nicht wahr.

      Genauso wie ein NT darauf trainiert werden kann autistisches Verhalten zu erkennen kann auch ein Autist lernen die Unterschiede klar zu erkennen, oft sogar besser als der NT.

      Es ist ein Unterschied, ob man sich im eigenen Alltag zurechtfinden muss, oder ob man als Fachkraft arbeitet und genau analysiert.

      Happy to be schrieb:

      Aber vor der Aufgabe stehen ja auch "Naspies".
      Was ist das eine, was ist das andere - Die einen erkennen es, die anderen nicht, egal ob Aspie oder Naspie.
      Genau.

      Happy to be schrieb:

      Na ja, dafür werden aber manche Ähnlichkeiten besser erkannt - Voraussetzung ist jedoch, auch Nicht-Autistisches Verhalten erkennen zu können und den Unterschied zu sehen.
      Ja, das kann man trainieren. Eine Fachkraft macht das normalerweise, und da viele Aspies über stark ausgeprägte analytische Fähigkeiten verfügen sind sie dann mit dem entsprechenden Training, und wenn es möglicherweise ausserdem das SI ist, sehr geeeignet für solche Aufgaben.
      Es ist eine Art der Mustererkennung, im Bereich des menschlichen Verhaltens.
    • Grübler_1988 schrieb:

      Eine Autistin bietet eine Autismus-Diagnostik an? Ich bezweifle, dass es eine gute Idee ist. Nicht aufgrund ihrer Fachkompetenz, denn diese hat sie auf jeden Fall, sondern aufgrund ihrer autistischen Wahrnehmung. Bei der Autismus-Diagnostik müssen im sozial-kommunikativen Bereich auf sehr viele subtile Dinge geachtet werden, die Autisten oft nicht wahrnehmen.
      Ich gehe davon aus (weiß es aber nicht sicher), dass eine Diagnostik dort im Team erfolgen wird. Wenn das gut umgesetzt wird, finde ich es eine hervorragende Lösung: Eine Person schaut aus der autistischen Perspektive, die zweite Person aus der "NT"-Perspektive, dann tauscht man sich aus und nutzt das Beste zweier Welten.

      Soweit ich weiß, ist die Diagnosestelle erst im Aufbau, Erfahrungsberichte wird es darum wohl noch keine geben.
    • Grübler_1988 schrieb:

      Verwirrt schrieb:

      Frau Dr. Preißmann bietet laut Webseite ab Anfang 2019 eine "diagnostische Einschätzung" an.
      Eine Autistin bietet eine Autismus-Diagnostik an? Ich bezweifle, dass es eine gute Idee ist. Nicht aufgrund ihrer Fachkompetenz, denn diese hat sie auf jeden Fall, sondern aufgrund ihrer autistischen Wahrnehmung. Bei der Autismus-Diagnostik müssen im sozial-kommunikativen Bereich auf sehr viele subtile Dinge geachtet werden, die Autisten oft nicht wahrnehmen.
      Meinst du? Ich habe z.B. schon einen regelrechten Zwang, Leute heimlich daraufhin zu untersuchen, ob sie autistische Symptome zeigen. Ich beobachte z.B. grundsätzlich das Stimming-Verhalten von Leuten, wobei ich nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die soziale Akzeptierheit von Stims bewerte. Natürlich achte ich auch auf andere Dinge, z.B. ob die Person intuitiv Smalltalk führt, genügend und angemessene Fragen stellt, Blickontakt und Lautstärke moduliert usw.

      Dadurch, dass ich das so häufig und exzessiv mache, nehme ich denke ich schon viel war. Natürlich achte ich dann auf andere Dinge viel weniger, also ich wüsste dann z.B. nicht, welche Schuhe jemand an hat.
      It's always better on holiday / So much better on holiday / That's why we only work when / We need the money!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von seven_of_nine ()

    • filipendula schrieb:

      Eine Person schaut aus der autistischen Perspektive,
      Sie schaut nicht aus der autistischen Perspektive. Denke ich jedenfalls.
      Eine Fachkraft die professionell arbeitet, ist in der Lage eine Person/den Klienten aus einer neutralen Perspektive zu betrachten. Man begibt sich in eine neutrale Position wenn man dem Klienten gegenübersitzt und führt aus dieser Position auf Grund des Fachwisssens eine Analyse der Muster durch. Dadurch lässt sich ein hohes Mass an Objektivität erreichen.

      Es ist ein Unterschied ob einfach ein Aspie den anderen beobachtet und schaut wie er sich verhält, und das dann mit sich selber vergleicht. Das macht man im Alltag vielleicht, einfach aus Interesse. Dann ist man aber selber involviert und gleicht seine eigenen Befindlichkeiten mit denen des Gegenübers ab, das ist nicht objektiv.

      In einem professionellen Setting schaut die Fachkraft nicht aus ihrer Perspektive als Privatperson auf den Klienten sondern als Profi, aus Distanz. Das ist der Unterschied. Es findet eine Analyse statt, aus fachlicher Sicht.

      Eine Fachkraft die mit Menschen arbeitet sollte in der Lage sein diese Form der professionellen Distanz und Sichtweise zu haben, und ich denke dass Frau Dr. Preißmann eine Person ist die das bestimmt gut kann.
      Denn gerade diese Distanzierung von der eigenen Person und das Einnehmen einer neutralen Beobachterposition ist ja eine autistische Stärke.
    • seven_of_nine schrieb:

      Meinst du? Ich habe z.B. schon einen regelrechten Zwang, Leute heimlich daraufhin zu untersuchen, ob sie autistische Symptome zeigen. Ich beobachte z.B. grundsätzlich das Stimming-Verhalten von Leuten, wobei ich nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die soziale Akzeptierheit von Stims bewerte. Natürlich achte ich auch auf andere Dinge, z.B. ob die Person intuitiv Smalltalk führt, genügend und angemessene Fragen stellt, Blickontakt und Lautstärke moduliert usw.
      Das kenne ich von mir selbst. Ich mache sowas auch sehr oft.
    • Grübler_1988 schrieb:

      seven_of_nine schrieb:

      Meinst du? Ich habe z.B. schon einen regelrechten Zwang, Leute heimlich daraufhin zu untersuchen, ob sie autistische Symptome zeigen. Ich beobachte z.B. grundsätzlich das Stimming-Verhalten von Leuten, wobei ich nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die soziale Akzeptierheit von Stims bewerte. Natürlich achte ich auch auf andere Dinge, z.B. ob die Person intuitiv Smalltalk führt, genügend und angemessene Fragen stellt, Blickontakt und Lautstärke moduliert usw.
      Das kenne ich von mir selbst. Ich mache sowas auch sehr oft.
      Du glaubst aber, dass es ein NT-Diagnostiker besser könnte als du?
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    • „Erst die Selbsterkenntnis und Anerkennung des eigenen Strukturiert- und Gefangen-Seins in den psychobiologischen Gesetzmäßigkeiten der eigenen Persönlichkeit ermöglicht es, die Begrenzungen der anderen zu erkennen und sie zu akzeptieren – und sie nicht als intentionale Angriffe auf die eigene Welt zu deuten, gegen die es sich zu wehren gilt.“
      (Ludger Tebartz-van Elst: Autismus und ADHS. Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und neuropsychiatrischer Krankheit. S. 19.)
    • Naja, als Arzt ist man ja sowiso gezwungen nach dem zu gehen was die Diagnostikschlüssel einem vorgeben, also wenn im ICD bestimmte Symptome stehen die sich dann zusammen setzen um dies oder das zu ergeben, macht es auch wenig Sinn sich selbst als Vergleich zu nehmen, und ich denke auch nicht das Frau Dr. Preismann das so tun würde, sie hat das ganze gelernt und wird wissen wie man da vorgehen muss, denn ich denke nicht das sie als Person alle Symptome im Spektrum selber hat also wäre es dumm sich selbst mit einem Patienten zu vergleichen und daran die Diagnose abzustimmen, genauso sollte ein Nicht-autist als Diagnostiker sagen "Der ist so ganz anders als ich, und ich bin ja normal, also muss er krank sein" waäre genauso unprofessionell, dafür gibt es ja das ICD.
      Ich glaube auch nicht das sie (wenn das im Bereich einer Klinik und nicht eines einzelnen niedergelassenen Psychotherapeuten oder so stattfindet) nicht die einzige ist, die bei der Diagnostik an einem Fall arbeitet.
      Meine Fragebögen wurden auch von ganz anderer Abteilung ausgearbeitet als nur von einer Person und anschließend hat ein Facharzt das ganze begutachtet und mich persönlich gesprochen und mit dem wohl abgeglichen was in den Fragebögen ausgewertet wurde und kam so zu seiner Diagnose.
      Das da eine neue Diagnose-station entstehen soll finde ich gut, die übrigen sind so überlastet. ich würde es jetzt für mich nicht mehr brauchen, aber ich finde es gut das Frau Dr. Preismann so ihr Wissen dazu umsetzen kann und damit auch anderen helfen kann. Bücher schreiben kann man zu dem Thema sicher nicht ewig, außer es erschließen sich irgendwann mal neue Kenntnisse aber das Bücher-schreiben macht man ja auch nur freiberuflich, es ist fraglich wie man damit gut leben kann.
    • Wobei ich manche Autisten im Forum tatsächlich nicht gern als Diagnostiker hätte, also damit meine ich z.B. Personen, die behaupten, als Autist müsse man Routinen haben oder Doppeldiagnosen AS/ADHS seien Unsinn.. ;)
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    • Wie jeder Nichtautist, eignet sich sicher auch nicht jeder Autist als Diagnostiker XD
      Jeder hat halt seine Talente.
      Für mich sind Komorbiditäten ganz normal und offensichtlich, selbst wenn die in den ICD in den Diagnosen nicht vorgesehen sind das man da AS + ADHS haben kann, aber das liegt wohl eher an dem Gesundheitssystem. Die Diagnosen sind nicht dafür da die eine Sache unmöglich zu machen weil man bereits die andere Sache hat. Ich verstehe das eher so, das man eine Sache diagnostiziert bekommt, damit diese dann gezielt behandelt werden kann bzw das man da die fachbezogenen Therapien für beantragen kann. Die Versicherung soll nicht am ende sagen "Ja Sie haben aber auch das, dann bekommen Sie doch erstmal das an den Griff, bevor sie hier mit dem anderen ankommen"
      Die meisten Ärzte mit denen ich bislang ausführlicher über solche Dinge reden konnten, haben mir gesagt, das die Menschen oft Zeichen diverser Störungen zeigen, nicht immer eindeutig nur eine Sache, aber das wäre normal und ein paar andere Symptome machen deswegen noch keine Not diese andere Sache auch zu behandeln.
      Ich vermute das die Krankenkassen bei zu vielen Dingen in einem Diagnoseschreiben überfordert sind und sich quer stellen.
      Jemand aus den USA erzählte mir mal das sie jemanden kannte der Transgender und AS hat und da die Ärzte meinten, er solle erstmal den Autismus in den Griff bekommen, bzw sehen soll das da seine "Beschwerden" weg sind, und danach würden sie das ganze mit dem Transgender neu bewerten wollen, vorher wollten sie ihm nicht wegen Hormonbehandlung bzw Psychotherapie helfen. Die hatten nämlich die Annahme das die Transgender-beschwerden eventuell verschwinden, wenn die person ihre Probleme durch AS in den griff bekommen würde.
    • seven_of_nine schrieb:

      Wobei ich manche Autisten im Forum tatsächlich nicht gern als Diagnostiker hätte, also damit meine ich z.B. Personen, die behaupten, als Autist müsse man Routinen haben oder Doppeldiagnosen AS/ADHS seien Unsinn.. ;)
      Ich würde dich auch nicht als Diagnostiker haben wollen, denn bei dir würde jeder mit Autismusdiagnose da rauslaufen. ;)


      Christine Preißmann wird das wahrscheinlich schon gut machen. Ich an ihrer Stelle hätte nur Bedenken, dass später im Internet gelästert wird, wenn jemand mal keine AS-Diagnose bestätigt bekommt.
      Insofern vielleicht auch gut, dass sie schreibt, es ist nur eine Einschätzung.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Kraehe schrieb:

      Sie schaut nicht aus der autistischen Perspektive. Denke ich jedenfalls.
      Eine Fachkraft die professionell arbeitet, ist in der Lage eine Person/den Klienten aus einer neutralen Perspektive zu betrachten. Man begibt sich in eine neutrale Position wenn man dem Klienten gegenübersitzt und führt aus dieser Position auf Grund des Fachwisssens eine Analyse der Muster durch. Dadurch lässt sich ein hohes Mass an Objektivität erreichen.
      Ich denke, es ist beides. Natürlich betrachten professionelle Fachleute ihre Patienten/Klienten aus einer möglichst neutralen Perspektive, aber 100% Neutralität und Objektivität ist wohl nicht zu erreichen, man kann ja nicht sein eigenes Gehirn verlassen, sondern immer nur innerhalb von dessen Denkstrukturen arbeiten. Frau Preißmann kann möglichst sachlich analysieren, was sie wahrnimmt, aber sie wird sowohl den Wahrnehmungsprozess als auch die Analyse immer mit ihrem autistisch geprägten Gehirn tun. So meinte ich das.

      Dass sie ihre Patienten mit sich selbst vergleicht und allein auf dieser Basis dann Ähnlichkeiten oder Unterschiede erkennt und eine Diagnose darauf aufbaut, glaube ich nicht - das wäre unprofessionell. Aber das habe ich mit "autistische Perspektive" auch nicht gemeint.