(Inoffizieller) Nachteilsausgleich im Studium

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    • (Inoffizieller) Nachteilsausgleich im Studium

      Hallo,

      gerade treibt mich das Thema Nachteilsausgleich im Studium etwas um.

      Momentan ist es so, dass ich die längste Zeit meines Studiums eigentlich ganz gut zurechtkam (die Größe des Instituts und der Umfang meines Studiengangs kamen mir da sehr entgegen), sich allerdings über die Zeit ein immer größerer Dauerstress- und Erschöpfungszustand eingesetzt hat.....Sprich: Mich hat das Studium über die letzten Semester nach und nach so viele Nerven gekostet, dass ich jetzt sprichwörtlich "auf dem Zahnfleisch gehe"...meine Toleranz für Stress, volle Seminarräume, Lärm (Tastaturgeklapper, Kugelschreiberklackern, Gespräche hinten in der letzten Reihe, Piepstöne oder Rauschen von der Elektrik) ist momentan praktisch nicht mehr vorhanden.
      Ich habe es über dieses Semester jetzt ein paar Mal versucht, aber innerlich stand ich die ganze Zeit unter Anspannung, jedes unerwartete Geräusch bereitete mir Schmerzen und es fiel mir immer schwerer, dem Gesagten zu folgen und mich nicht "auszuklinken".
      Bei mir äußert sich das ganze hinterher auch in Kopfschmerzen/Migräne und dem extremen Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe (meistens schlafe ich spätestens zu Hause vor Erschöpfung einfach ein).

      Es ist verrückt, weil ich ja die letzten Semester über nicht SO dermaßen empfindlich gewesen bin.
      Mein Zustand hat sich einfach nach und nach immer weiter verschlechtert....es ist praktisch so, als hätte ich meine Anzahl an "Langzeitlöffeln" verbraucht. Hat jemand Ähnliches erlebt?

      Nun habe ich morgen ein Blockseminar (das mehr oder weniger über den ganzen Tag geht) und habe mit der Dozentin bereits geredet, das oben Beschriebene kurz erklärt und sie ist wirklich klasse gewesen. Sie hat mir angeboten, dass ich mich zurückziehen kann, wenn es mir zu viel wird oder mir nur die Referate anzuhören brauche, die mich auch interessieren (da ich keine Prüfungsleistung in dem Seminar erbringen muss, sondern in erster Linie als Hiwi und als Interessierte da bin, geht das auch) und fragte, was man noch alles tun könne, damit die Situation so wenig stressig für mich wird wie möglich. Sie ist auch bereit, bei zukünftigen Projektmeetings darauf zu achten oder mir da etwas Freiraum zu lassen. Ich hätte heulen können vor Freude.
      Die Dozentin, bei der mir noch meine mündliche Prüfung bevorsteht, ist auch sehr zuvorkommend und überlässt mir die Terminbestimmung etc., wofür ich ihr auch unendlich dankbar bin.

      Heute Abend habe ich das alles meinem Freund erzählt, aber er ist alles andere als glücklich darüber. Er denkt halt, dass ich mich in die ganze Sache hineinsteigere und deshalb selbst schuld an meinem jetzigen Zustand sei. Er hält meine Reaktionen für übertrieben.
      Wenn ich ihm sage, dass die Probleme, die ich jetzt habe, im Grunde immer schon dagewesen sind, nur durch meinen momentanen Dauerstress eben besonders schlimm und deutlich zutage treten, hört er mir nicht zu. Er hat keinerlei Probleme mit Lärmbelastung oder Erschöpfungszuständen und kann sich deshalb nicht vorstellen, dass es mir so geht.......
      Sein Kommentar war: "Wenn du meinst, dass du das nötig hast, bitte."

      Autsch.

      Bei einer autismusspezifischen Beratung wurde mir geraten, möglichst offen mit meinen Dozenten über die einzelnen Dinge zu sprechen, die mich belasten und zu sehen, wie weit sie mir entgegen kommen können. Es hat sich ja gezeigt, dass meine Dozentinnen total verständnisvoll sind und meine Studienordnung auch genügend Spielraum lässt, dass ich meine Stressbelastung in Absprache mit den Dozenten in einem gewissen Rahmen selbst steuern kann.

      Wegen des Kommentars meines Freundes bin ich mir jetzt aber wieder unsicher.....übertreibe ich?

      Mir fällt gerade auf, dass in dem ganzen Text kaum eine Frage vorhanden ist...... :oops:
      Vielleicht hat jemand trotzdem Ideen, Erfahrungen oder Meinungen dazu....?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tintenherz ()

    • Dein Freund verhält sich äußerst rücksichtslos. So einen Spruch hat mein Exmann auch mal gebracht. Ich zitiere „Du versteckst dich doch nur hinter deiner Krankheit“. Mit solchen Leuten umgebe ich mich nicht mehr.
      Ist doch super wie die Dozentinnen reagiert haben!
      Une diffamation catégorique... se retourne toujours contre son auteur ( Christine de Pizan)
    • Guten Morgen Tintenherz

      Ich (m, 50J) habe seit 2 Jahren eine Diagnose.
      Du bist sehr erschöpft, deshalb musst du dein Umfeld anpassen und dich erholen.
      Die Anpassungen im Studium sind wichtig.
      Aber sie müssen erst realisiert werden.
      Es muss sich zeigen, ob das genug ist.
      Höre auf deine innere Stimme.
      Lass dich nicht verunsichern.
      Viel Erfolg!
    • Manche Dozenten verhalten sich so vorbildlich. Andere weigern sich selbst mit vorgehaltenem SBA irgendwie von ihrem Schema abzuweichen. Da gibt es die ganze Bandbreite, wie ich hier im Forum gelesen habe.

      Ich drücke Dir die Daumen, dass Du Hilfsmittel findest, die Dich von den Dozenten unabhängig machen. Vielleicht reichen ja Ohrstöpsel bzw. gezielte Pausen.
    • Tintenherz schrieb:

      Heute Abend habe ich das alles meinem Freund erzählt, aber er ist alles andere als glücklich darüber. Er denkt halt, dass ich mich in die ganze Sache hineinsteigere und deshalb selbst schuld an meinem jetzigen Zustand sei. Er hält meine Reaktionen für übertrieben.
      Wenn ich ihm sage, dass die Probleme, die ich jetzt habe, im Grunde immer schon dagewesen sind, nur durch meinen momentanen Dauerstress eben besonders schlimm und deutlich zutage treten, hört er mir nicht zu. Er hat keinerlei Probleme mit Lärmbelastung oder Erschöpfungszuständen und kann sich deshalb nicht vorstellen, dass es mir so geht.......
      Sein Kommentar war: "Wenn du meinst, dass du das nötig hast, bitte."
      Freunde sollten zumindest ein Mindestmaß an Einfühlungsvermögen besitzen.

      Tintenherz schrieb:

      Die Dozentin, bei der mir noch meine mündliche Prüfung bevorsteht, ist auch sehr zuvorkommend und überlässt mir die Terminbestimmung etc., wofür ich ihr auch unendlich dankbar bin.
      Falls dich mündliche Prüfungen zu sehr stressen kannst du die Prüfungsart auch ändern lassen. Ich weiß ja nicht in welchem Bundesland du studierst.
      Was z.B. in NRW möglich ist, wenn man in den Dialog mit dem Prüfungsamt tritt: Änderung der Prüfungsart, Extra-Raum bei Prüfungen, mehr Zeit bei Prüfungen. Was in NRW nicht möglich ist: Befreiung von der Anwesenheitspflicht. Da beißt man auf Granit. In Bayern ist das aber z.B. prinzipiell möglich wenn man entsprechende Einschränkungen nachweisen kann. Ob das jemand nur mit Autismus schon mal gemacht hat weiß ich nicht.

      Tintenherz schrieb:

      Wegen des Kommentars meines Freundes bin ich mir jetzt aber wieder unsicher.....übertreibe ich?
      Ob du übertreibst kann dir keiner sagen der dich nicht gut kennt. Ich bin durchaus der Meinung dass man sich auch mal durch unangenehme Dinge durchbeißen kann und muss ABER nur im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Allerdings muss man dafür auch erst eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen. Teilweise fällt es mir heute noch schwer nicht über meine persönliche Belastungsgrenze zu gehen.
      Une diffamation catégorique... se retourne toujours contre son auteur ( Christine de Pizan)
    • Tintenherz schrieb:

      übertreibe ich?
      Sehr unwahrscheinlich. Das ist ja gerade das Problem - NAs können nicht wirklich nachvollziehen, wie das ist. Nach deiner Beschreibung hast Du ein paar Semester durchgehalten, bis die Reserven verbraucht waren, und jetzt geht es eben nicht mehr ohne Ausgleich. Das ist wohl relativ normal - viele spät Diagnostizierte z.B. haben ja teils jahrzehntelang "funktioniert", bie es irgendwann nicht mehr ging. Bei mir ist es bei weitem nicht so schlimm wie bei Dir (liegt auch an meinen optimalen Arbeitsbedingungen), aber vom Verlauf her ähnlich: seit einem Jahr brauche ich plötzlich mehr Auszeiten als bisher. Irgendwann ist halt der Punkt erreicht, wo man nicht mehr auf "Normalbetrieb" weiterlaufen kann, und das sieht dann für Andere aus wie Übertreibung - und zwar umso mehr, je besser man es bisher geschafft hat, nach außen normal zu wirken.
    • Teebeutel schrieb:

      HCS
      Trotz optimaler Arbeitsbedingungen bist du schwächer geworden. Wie ist denn generell die Prognose? Immer schwächer je älter?
      Irgendwann ist "das Fass voll", dann reicht die bisherige Kompensationsleistung nicht mehr aus. Bei mir spielt Familie eine Rolle - habe ich erst seit 18 Jahren, die ersten Jahre hat die Freude drüber, dass es doch noch geklappt hat, die (von mir überhaupt nicht registrierte) Belastung überwogen, dann kam eine Phase, wo ich durch den Job im Schnitt 8-9 Wochen im Jahr unterwegs war (allein in staubigen Museumsdepots - sehr entspannend), wo ich also relativ viele Auszeiten hatte. Und jetzt schlägt wohl das Alter zu - man ist nicht mehr so belastbar, was solche äußeren Faktoren angeht. Bei manchen passiert das mit 40, bei mir halt erst mit 60, und da ich seit zwei Jahren um AS weiß, trifft es uns auch nicht unvorbereitet, so dass ich gleich angefangen habe gegenzusteuern. Familie ist weiter wunderbar, würde ich auf gar keinen Fall aufgeben wollen, aber ich spüre eben auch die Beanspruchung mehr als früher. Wir versuchen das jetzt mit mehr Auszeiten auszugleichen, und dann ist ja absehbar, dass meine Tochter erwachsen wird und so aus der Drei- wieder eine Zweisamkeit wird. Aber grundsätzlich gehe ich davon aus, dass manche Schwierigkeiten eben mit dem Alter zunehmen. Es lässt ja auch alles andere nach - warum sollte ausgerechnet die Fähigkeit zu kompensieren nicht davon betroffen sein? Alt werden ist halt nichts für Feiglinge.
    • Teebeutel schrieb:

      Entschuldigung Tintenherz wegen De-Railing

      HCS
      Trotz optimaler Arbeitsbedingungen bist du schwächer geworden. Wie ist denn generell die Prognose? Immer schwächer je älter?

      Danke
      JEDER Mensch wird mit dem Älterwerden weniger belastbar, das ist völlig normal.
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    • Tintenherz schrieb:

      .....durch meinen momentanen Dauerstress eben besonders schlimm und deutlich zutage treten, hört er mir nicht zu. Er hat keinerlei Probleme mit Lärmbelastung oder Erschöpfungszuständen und kann sich deshalb nicht vorstellen, dass es mir so geht.......
      Sein Kommentar war: "Wenn du meinst, dass du das nötig hast, bitte."
      Damit gibt er zu verstehen, dass er eben nichts wirklich versteht.
      Und er schiebt dir-gewollt oder nicht- die "Schuld" an deinem Zuustand in die Schuhe (RW!).

      Es kann aber auch heißen: "Ich habe genug mit mir selbst zu tun, also lass mich damit in Ruhe", was auch eine Art autistischer Reaktion wäre. Abwehr, weil es zuviel wäre, sich nun auch noch damit zu beschäftigen.
      Das dich das verunsichert, ist klar.
      Aber andererseits weißt du nun, dass du alleine klar kommen musst. Und das kannst du ja auch!
      Du hast anschaulich beschrieben, woran es bei dir liegt und was du tun musst, um einen Overload zu vermeiden oder abzuschwächen.

      Vom Bundesverband Autimus gibt es drei Broschüren zum Thema Autismus und Hochschule, richten sich vor allem an DozentInnen und Hochschulleitungen.
      Kannst du ja anfordern und weitergeben. Wird wohl nicht schaden, aber du scheinst ja immerhin auf ein wenig Verständnis gestoßen zu sein. Gut so!


      Zebra schrieb:

      JEDER Mensch wird mit dem Älterwerden weniger belastbar, das ist völlig normal.
      Ach! Sag bloß! :irony:

      Aber bei dem Einen passiert das mit 60, beim Anderen mit 75, und das sind schon Unterschiede.
      Kann HCS voll verstehen, geht mir ähnlich.
      Mark Twain: "Never argue with stupid people, they will only drag you down to their level and then beat you with experience."
      (Streite dich nie mit dummen Leuten; sie ziehen dich nur auf ihr Niveau herunter und schlagen dich dann mit ihrer Erfahrung.)
    • @Capricorn und was willst du jetzt mit der Ironie sagen?

      Ich bin mit 30 aus pensioniert worden, weil meine Stressregulation durch die Kombination aus hyperadrenergem P.O.T.S. und AS völlig durchgebrannt ist. Mein Körper gerät schon in Stress wenn ich aufstehe. Da kann man mit Medikamenten auch nicht so viel machen. Muss man den Lebenstil anpassen. Wenn Leute bis 60 durchhalten finde ich das lang.
      Une diffamation catégorique... se retourne toujours contre son auteur ( Christine de Pizan)
    • Tintenherz schrieb:

      Wegen des Kommentars meines Freundes bin ich mir jetzt aber wieder unsicher.....übertreibe ich?
      Das musst du eigentlich selbst am besten wissen, weil ja nur du ganz genau weißt, wie du dich fühlst. Wenn dein Freund tatsächlich so ist, wie du ihn beschreibst, dann glaube ich kaum, dass er das besser einschätzen kann als du.
      Was meine eigenen bisherigen Erfahrungen im Studium betrifft, kann ich sagen, dass mich Prüfungen nie sonderlich gestresst haben (weil ich dafür wusste, was ich lernen muss), dafür aber Hausarbeiten, weil ich für so Sachen wie Themenfindung und Literatursuche extrem lange brauche. Vorlesungen, bei denen man mitschreiben muss, weil es kein Skript gibt, finde ich furchtbar, weil das Zuhören an sich eigentlich schon anstrengend genug ist. Bisher habe ich mich ohne Nachteilsausgleich erfolgreich durchgeschlagen, was wohl zum Teil aber auch daran liegt, dass mein Studium nicht sonderlich anspruchsvoll ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von keinname ()

    • Ich habe mal jemandem, der nicht verstehen konnte was da in meinem Kopf los ist, dieses kurze Video gezeigt. Es ist natürlich nur eine künstlerische Sichtweise auf das Problem, aber ich fand es beschrieb besser das Phänomen als ich es mit Worten und dämlichen Vergleichsversuchen hinbekommen konnte.

      Ich kann schon verstehen, daß jemand mit einem Gehirn, daß Reize ausfiltert und zwar völlig im Hintergrund und ohne viel Anstrengung, nicht verstehen kann wie sich das anfühlt. Manchmal sollte man aber von einem Partner auch erwarten können, daß er dein Wort dafür nehmen kann, wie belastend es ist.

      Für dich zu sorgen ist wichtig. Stress hinterläßt körperliche und seelische Probleme. Man mag die nicht gleich in voller Härte zu spüren bekommen, aber sie addieren sich über die Jahre und irgendwann ist der Eimer/Mensch voll. Du willst ein möglichst langes und erfülltes Arbeitsleben haben und damit muss man als Asperger so früh wie möglich anfangen. Jeder Tag mit weniger Stress ist ein Tag der sich bis ins hohe Alter bezahlt macht und bis dahin gibt es viele einzelne Tage, die dich fix und fertig machen können.

      Das Video:

      Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave. - Friedrich Nietzsche
      Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen. - Voltaire
    • Tintenherz schrieb:

      Hat jemand Ähnliches erlebt?
      Ich empfand Studieren im Laufe der Zeit auch zunehmend als anstrengend.
      Wie mir berichtet wurde, konnte man an meinem Erschöpfungsgrad relativ deutlich erkennen, welches Seminar ich zuvor besucht hatte.


      Irgendwann habe ich herausgefunden, welche Arten von Veranstaltungen für mich geeigneter sind und welche nicht.

      - kleine Gruppen
      - der Seminargröße angemessene Räume mit ausreichend Platz an Tischen
      - Räume die: a) nicht an Hauptstraßen grenzen b) keine laute oder kalte Lüftung haben c) keine surrenden Geräte beinhalten (Falls das nicht möglich ist, versuchte ich innerhalb dieser Räume die Plätze zu ergattern, die am wenigsten von den oben genannten Problemen betroffen waren)
      - Wahlweise auch Sitzen: a) In der Nähe des Dozenten (Akustik) b) weit weg von schwätzenden oder stark parfümierten Kommilitonen c) Außerhalb direkter Sonneneinstrahlung

      Meist fand ich recht schnell heraus, welche Plätze in einem Veranstaltungsraum für mich angenehm waren.

      Manchmal hat man aber leider keinen Einfluss auf die Situation.
      Ich habe mir auch schon Blockseminare angetan (wenn es gar nicht anders ging). Aber danach war ich dann erstmal einige Tage erschöpft.
    • Tintenherz schrieb:

      Heute Abend habe ich das alles meinem Freund erzählt, aber er ist alles andere als glücklich darüber. Er denkt halt, dass ich mich in die ganze Sache hineinsteigere und deshalb selbst schuld an meinem jetzigen Zustand sei. Er hält meine Reaktionen für übertrieben.
      Wenn ich ihm sage, dass die Probleme, die ich jetzt habe, im Grunde immer schon dagewesen sind, nur durch meinen momentanen Dauerstress eben besonders schlimm und deutlich zutage treten, hört er mir nicht zu. Er hat keinerlei Probleme mit Lärmbelastung oder Erschöpfungszuständen und kann sich deshalb nicht vorstellen, dass es mir so geht.......
      Sein Kommentar war: "Wenn du meinst, dass du das nötig hast, bitte."

      Tintenherz schrieb:

      Wegen des Kommentars meines Freundes bin ich mir jetzt aber wieder unsicher.....übertreibe ich?
      Was das Studium angeht: für mich wäre ein Präsenzstudium undenkbar gewesen. Aus dem Grund wurde es bei mir ein Fernstudium und konnte in dem Rahmen, unter Aufsicht, Hausklausuren schreiben. Mündliche Prüfungen sind entfallen und konnte mittels Nachteilausgleich stattdessen eine wissenschaftl. Hausarbeit schreiben. Im Studium musste ich, trotz Sprachschwierigkeiten, 2 Kurzreferate halten. Da kam mir der Seminarleiter auch gut entgegen.

      Was deinen Partner angeht: ein wenig kann ich nachvollziehen, dass es für ihn unverständlich ist, warum es die Jahre vorher für dich weniger problematisch war und jetzt ist es mit einem Schlag belastend. Nicht jeder hat ein Feingespür und die Geduld sich mit Andersartigkeiten auseinander zu setzen, das finde ich per se nicht verurteilenswert. Ich stehe auch nicht allen Dingen des Leben tolerant gegenüber. Es ist schade, dass er so reagiert, du könntest dir von ihm eine andere Reaktion wünschen aber schlussendlich zeigt es doch nur, dass es in der Hinsicht nicht so passt wie es sein sollte.
    • Also so schlimm klingt der Satz von ihm auch wieder nicht.
      Wenn du meinst, er versteht dich nicht, dann ist das so, man kann Leute leider nicht zwingen.
      Man kann nur versuchen, sie in eine ähnliche Situation zu bringen, um eine Basis zur Empathie aufzubauen.
      Dann gibt es aber diejenigen, die einfach nicht verstehen wollen.
      Da kann man nichts machen.
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • Dankeschön für eure Antworten :)
      Ich bin leider gerade im Bus und kann deswegen nicht auf alles antworten, aber ich habe alles gelesen und zur Kenntnis genommen.

      Bei meinem Freund ist es so, dass wir eigentlich ein sehr harmonisches Paar sind (immerhin schon seit fast 7 Jahren). Er meidet nur das ganze Thema und meint, dass eine Diagnose vollkommen unnötig sei, weil ich bisher mit meinen Problemen auch so zurechtgekommen sei und ich in den letzten Jahren so viele Fortschritte gemacht hätte (für mich teilweise nur mit viel Anstrengung und Überwindung, aber das hat er im ganzen Ausmaß ja nicht unbedingt erfasssen können). Seiner Meinung nach müsste ich nur immer weiter an mir arbeiten und dann irgendwann sei alles in Ordnung. Aus seiner Sicht sieht es aus, als hätte ich eine Art "Rückfall" oder würde mir plötzlich keine Mühe geben.......
      Dementsprechend steht er dem Thema Nachteilsausgleich und sonstigen Anpassungen eben auch ablehnend gegenüber, weil das ja hieße, meiner momentan "Schwäche" nachzugeben......

      Ansonsten werde ich es wohl so handhaben, dass ich weiter mit den Dozenten über meine jeweiligen Probleme sprechen und sehen werde, wie das funktioniert. Das Thema Asperger/Autismus möchte ich so noch nicht ansprechen, weil ja noch gar nicht feststeht, ob ich nächstes Jahr wirklich die Diagnose bekomme. Ich möchte halt nicht eventuell viel Wind um nichts machen.

      Jetzt fahre ich erst einmal zum Blockseminar :]
    • FruchtigBunt schrieb:

      Das ist aber sehr fies.
      Nein, ist es nicht.
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • Cloudactive schrieb:

      FruchtigBunt schrieb:

      Das ist aber sehr fies.
      Nein, ist es nicht.
      Wenn du heroinabhängig wärst, würdest du dann wollen, dass die Person das auch wird, nur damit sie dich versteht? Oder war es nur darauf bezogen, dass der Partner die Aspergerprobleme verstehen soll? Aber wie kann man jemandem wünschen, dass er selbst unter so einer grausamen "Erkrankung" wie Asperger leiden muss, damit er es versteht? Das kann ich nicht nachvollziehen, wie man das jemandem antun will, deshalb finde ich das fies.
      Ich finde, die Person sollte dann, wenn sie selbst nicht in der gleichen Lage ist, versuchen, Verständnis aufzubringen oder der anderen Person dann glauben. Man kann doch nicht alles beweisen oder den anderen nachleiden lassen, damit er es glaubt.