Katharsis?

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    • Cloudactive wrote:

      Wie hast du die Wunden der Patienten wahr genommen?
      Waren sie für die real oder hast du sie irgendwie "virtualisiert", um es eben nicht mehr zu spüren?
      Ich habe sie neutral als Außenstehende wahrgenommen ohne sie zu spüren. Das passierte ganz automatisch, ohne dass ich darüber nachdenken musste.

      Cloudactive wrote:

      Hast du mitgefühlt, also wenn einer geklagt hat und geweint, tat es dir dann selbst leid? (Nicht im Sinne von, du seist Schuld)
      Oder war es dir egal
      Mir taten die Patienten leid. Aber ich habe nicht mitgelitten. Ich konnte nach Feierabend auch meisten gut davon abschalten. Habe selten Gedanken an leidende Patienten "mit nach Hause genommen". Ich denke dieser Filter im professionellen Kontext existiert bei mir als eine Art Selbstschutzmechanismus. Anders wäre es mir kaum möglich gewesen, im medizinischen Bereich zu arbeiten.
    • Cloudactive wrote:

      OK, dann bin ich wohl Masochist?
      Das würde es einigermaßen erklären.
      Naja, wo die Vorlieben halt so hinfallen. ;) :-p

      Aber ich verstehe tatsächlich den Sinn von traurigen, tragischen Filmen mit negativem Ende nicht. Du bist nicht die einzige, die sowas mag, sonst gäbe es diese Filme ja nicht.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Cloudactive wrote:

      Es sind gefühlt 90% der Filme, die ein Happy End haben, wenn nicht mehr.
      Abweichungen finde ich interessant.
      Edit: Außerdem sind Happy Ends, wie ich finde, meist "etwas" unrealistisch und überzeugen mich nicht.
      Wieviel es wirklich ist, kann ich nicht sagen, aber das stimmt schon das zumindest die große mehrheit an Filmen die im normalen gängigen Fernsehen laufen auch genau so sind, jap :nod:

      Das was ich an diesen Filmen mag ist, das sie eben zeigen das es nicht so ist wie es meistens im echten Leben ist.
      Es zeigt das es auch anders gehen kann, wenn Menschen sich vielleicht mal zusammenreißen, mehr Rücksicht nehmen, nachdenken über was sie tun etc blah XD
      Ich glaube die Filmemacher wollen die Leuten vor dem fernseher zeigen wie sie sich verhalten könnten damit mal in ihren Leben Happyends auch stattfinden.
      Ob das stimmt weiß ich nicht aber ich hatte diesen Gedanken schon sehr oft.


      Cloudactive wrote:

      Zum Beispiel Parasiten, da gibt es welche, die sich im Auge des Menschen ansiedeln können.
      Randbemerkung: Das hatte sogar der autistische Junge in der Folge "Lines in the Sand" bei House MD.
      Aber es gibt auch welche, die man aus den Beinen ziehen "muss" oder eben "gewöhnlich" aus dem Darm.
      Ich fände das eher eklig und nicht peinlich oder lustig aber gut, ich hab sowas als Kind/Jugendlicher auch nicht im Unterricht gehabt.
      Ich hab nur mal eine Dokumentation im Fernsehen über solche Parasiten gesehen, weshalb mir diese Beschreibungen bekannt vorkamen, und es ist eklig ja, aber auch interesannt, aber warum andere so reagieren wie du es beschrieben hast weiß ich auch nicht.
    • Also ich schaue mir unheimlich gerne traurige oder auch bis zu einem gewissen Grad verstörende/verwirrende Filme an, weil sie einem die Möglichkeit geben, Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten (z.B. Moral).
      Ich mag keine Happy Ends (außer in Kinderfilmen), weil sie sich für mich aufgesetzt fühlen. Ich finde es faszinierender, wenn ein Film traurig oder sogar offen endet, sodass man am Ende noch etwas hat, woran man knabbern oder worüber man nachdenken kann.

      Den Begriff der Katharsis hattest du ja schon genannt und tatsächlich spielt das dabei eine große Rolle. Siegfried Kracauer hatte zum Beispiel auch geschrieben, dass der Film einem die Möglichkeit gibt, sich (in der Situation emotional) in Gefahr zu begeben und neue Erfahrungen zu sammeln, ohne sich tatsächlich zu gefährden.
      Von daher ist es für mich nichts Komisches oder gar Ungewöhnliches, sich solche Szenen anzusehen/ansehen zu wollen.

      Bei mir ist es interessanterweise so, dass ich im wirklichen Leben ein Problem mit (affektiver) Empathie habe. Ich fühle mit anderen Menschen kaum mit und habe große Schwierigkeiten, emotional überhaupt irgendeine Art von Verbindung aufzubauen. Da passiert bei mir einfach kaum etwas - selbst wenn jemand weint oder aufgelöst ist, kann ich das kaum nachempfinden.
      Im Film (oder bei Musik) kann ich mich aber in die Melancholie oder Trauer richtig reinfallen lassen und genieße es auch, wenn ich das kann. Für mich ist das sehr wichtig.
    • Romeo und Julia ist ja nicht umsonst eine der berühmtesten Geschichten der Welt obwohl sie nicht gut ausgeht. Niemand hat erwartet daß in einem Film der "Titanic" heißt, das Ende gut ausgeht, es ist aber ein Blockbuster... Filme die nicht gut ausgehen können aber trotzdem ein gutes Gefühl hinterlassen. Weil es auf die ganze Geschichte ankommt.

      Romeo und Julia ist eine berührende Liebesgeschichte, Titanic genauso, die Liebe der Protagonisten ist vielleicht gerade, weil sie keine Zukunft hat und mit "drei Kinder, Ehekrach und finanziellen Sorgen" endet dazu geeignet, sie zu etwas sphärischem zu überhöhen.

      Ich mag auch Filme nicht in denen Gewalt und Blut Selbstzweck zu sein scheinen (Tarrantino Filme mag ich daher manchmal sehr und manchmal gar nicht), andererseits mag ich Filme die schon in ihrer Heftigkeit, dem Zuschauen bei einem Autounfall (RW) näher sind, als sonst etwas, mal ein Beispiel:



      "Der Film erzählt die Geschichte von Léo Lauzon, einem 14-jährigen Jungen, der mit seiner dysfunktionalen Familie in ärmlichen Verhältnissen in einem Haus in Montreal lebt. Er benutzt seine Phantasie, um seinem realen Leben zu entfliehen und von Angst frei zu sein. Er träumt und schreibt inmitten von geisteskranken Verwandten. Er entscheidet sich, dass seine geliebte Mutter nicht von seinem Vater geschwängert wurde, sondern - über eine importierte Tomate - von einem Sizilianer, und nennt sich ab sofort Léolo. Seine Sexualität erwacht, während er vom etwas älteren italienischen Nachbarsmädchen Bianca träumt. Am Ende holt ihn die unter seinen Angehörigen verbreitete Krankheit ein und bringt ihn in die Psychiatrie."

      Der Film fängt sehr skuril an und ist eine Abwärtsspirale nach unten. Definitiv nichts für Zartgesottene, dabei ist es kein Film der in Mord und Totschlag ausartet, es ist schlimmer. Ist trotzdem ein Film dem ich jedem empfehlen würde, der so etwas ab kann.

      Ich mag auch 24 Monkeys, Brazil, Trainspotting, 1984... also Happy Ends haben die alle eher nicht. Einzelne Szenen dieser Filme würde ich mir aber nicht immer in Wiederholung anschauen wollen, das wäre mir zu viel.
      Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave. - Friedrich Nietzsche
      Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen. - Voltaire

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    • Der unerträglichste Film für mich persönlich ist Spielbergs AI. Ich finde mich darin anscheinend so sehr wieder, dass ich bei jeder Gelegenheit das Heulen unterdrücken muss. Angenehm ist das nicht. deswegen meide ich den Film wie die Pest.

      Es gibt aber auch Filme, die ich mich nicht einmal traue, zu schauen. Seit Jahren habe ich beispielsweise Schindler's List auf meiner Netflix-Watchlist aber ich traue mich nicht, den Film anzuschauen.

      Interessanterweise sind beide Spielberg-Filme.
      For mash get SMASH!
    • Traurige Szenen und Filme strengen mich an und bedrücken mich. Hormonell bedingt heule ich einmal im Monat sogar bei jedem schmalzigen "Scheiß".
      Open end geht gar nicht.. da muss ich den Film die ganze Zeit weiter denken..

      Dafür tröstet mich traurige Musik ungemein, es befreit mich und nimmt mich irgendwie in den Arm.