Verzögerte Reaktion auf Unerwartetes

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    • Mit den Nachdenksignalen für die Reaktions-/Nachdenkzeit scheint es bei mir auch meist zu klappen. Oder die Menschen sind einfach nur geduldig bei mir. :d

      Schlimm ist es da am Telefon, da sieht mein Gegenüber diese Signale nicht und dann kommt da schon mal die Frage "Hallo, ist da noch jemand?" :oops:
    • Leseratte wrote:

      Bei mir liegt der Grund darin, dass oft nach völlig banalen und unwichtigen Dingen gefragt wird. Dinge, die es anscheinend nicht wert sind, von meinem Gehirn abrufbereit gespeichert zu werden.
      Ich merke mir doch nicht, um wie viel Uhr ich gegessen habe - und was ich gegessen habe. Das bleibt mir allenfalls bei besonderen Mahlzeiten im Gedächtnis (wie letzten Mittwoch, wo ich ab 12 Uhr beim chinesischen Buffet war).
      Ich hab zwar ein recht gutes Gedächtnis für Dinge die mich interessieren aber für so was Unwichtiges auch nicht. Als die bei der Ernährungsberatung wissen wollten was ich so letzten Monat wann und in welcher Menge gegessen haben... WTF? Ich weiß das nicht mal für eine Woche. Und ich mach auch keinen Plan in dem ich das aufschreibe, das ist ne Zeitverschwendung die ich nicht einsehe und dann auch nicht dran denke. Ich denk ja kaum an meine Medikamente.
    • kastenfrosch wrote:

      manchmal sage ich auch, "ich muss grad nachdenken", das scheint auch zu helfen. den zeigefinger an die stirn zu legen und dabei denkfalten zu machen kann auch als "nachdenksignal" funktionieren (habe ich zumindest den eindruck)
      Ich sag auch häufiger so etwas wie "Moment mal..." oder "Da muss ich erst nachdenken..." oder mache so: "".
      In meiner mündichen Abiprüfung wurde ich nachher sogar tatsächlich dafür gelobt, dass ich nicht immer sofort geantwortet habe, sondern mir immer so viel Zeit genommen habe wie nötig. ^^
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt
      Gorgonzola (sächsisch für: Gurkensalat)
    • Wie sieht es bei euch mit Rückfragen aus? Wenn dann mal endlich am antworten bin, bringen mich Rückfragen total aus dem Konzept. Die kommen ja schnell mal, wenn man einen Satz beendet hat, oder im schlimmsten Fall sogar noch mitten im Satz. Und dann beschweren sich die Leute, dass ich die Fragen "nicht richtig" beantworte. Das geht ja auch nicht, wenn man nicht die Möglichkeit hat, umfangreich zu antworten...
    • kastenfrosch wrote:

      ich muss viel nachdenken, was mein gegenüber eigentlich meint, ich verstehe oft nicht, was man von mir will
      Das kann ich nachvollziehen, mich hält es leider nicht vom Antworten/Reden ab. Manchmal merke ich dann hinterher oder werde darauf hingewiesen, daß etwas anderes "gefragt" war. Ist vermutlich ADHS-typisch oder?

      tr909 wrote:

      Die kommen ja schnell mal, wenn man einen Satz beendet hat, oder im schlimmsten Fall sogar noch mitten im Satz
      Ja, mit mir solltest du nicht reden. Mein Problem diesbezüglich ist meine Ungeduld, ich will möglichst alles auf einmal verstehen und weiterkommen, oft weiß ich schon, was als nächstes kommt, oder es geht mir nicht rasch genug weiter. Hat wohl auch mit ADHS zu tun o.ä., vielleicht sollte ich mich doch testen lassen? Es geht mir aber interessanterweise mit manchen Menschen gar nicht so, die unterbreche ich überhaupt nicht, im Gegenteil. Und die erlebe ich oft als sehr bereichernd, weil ich da ausnahmsweise das Gefühl habe, daß die für mich mitdenken und nicht umgekehrt. Wenn die mich unterbrechen, bin ich sogar dankbar, auch wenn es mich aus dem Konzept bringt.

      Leseratte wrote:

      dass oft nach völlig banalen und unwichtigen Dingen gefragt wird
      Da käme sofort die Gegenfrage, was der Sinn der Frage ist.

      Wenn es jemand schafft, mich sprachlos zu machen, ist es ein Kreuzchen im Kalender wert. :d

      A Fistfull of Datas wrote:

      Meist bin ich der Meinung schon alles beantwortet zu haben und wundere mich dann über die "dummen" Rückfragen.
      So geht es mir auch immer, nur leider bin ich diejenige, die die dummen Rückfragen stellt. :sarcasm: :(


      Dr_B wrote:

      In meiner mündichen Abiprüfung wurde ich nachher sogar tatsächlich dafür gelobt, dass ich nicht immer sofort geantwortet habe
      Vor allem hat rasches und schnelles Antworten den großen Nachteil, daß man damit den Umfang der Prüfung verdoppelt, da es meist nach Minuten und nicht Wörterzahl geht. Mir ist es sogar einmal passiert, daß dem Prüfer kaum noch was einfiel. Oder ich hatte alles auswendig gelernt und fing an wie ein Widergabegerät, bis der Prüfer "Stopp" oder "Danke" sagte oder die Richtung "umlenken" mußte. Mitunter wurde ich - nicht nur in Prüfungen - auch gefragt, ob ich was trinken oder mal durchatmen möchte, was mich sehr irritierte, da es meine Konzentration eher gestört hätte.
      Mit dem Nachdenken mache ich es so, daß ich mir während eines Satzes gedanklich den/die nächsten zurechtlege/überdenke/entwerfe, idealerweise komme ich dann in einen nicht abreißenden Fluß, bis mich jemand unterbricht oder ich fertig bin. Schriftlich wie mündlich. Oder ich zwinge mich mich kurz zu fassen, dazu muß ich dann aber wirklich meist zu lange überlegen.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".

      The post was edited 5 times, last by Necroghoul7 ().

    • Necroghoul7 wrote:

      Das kann ich nachvollziehen, mich hält es leider nicht vom Antworten/Reden ab. Manchmal merke ich dann hinterher oder werde darauf hingewiesen, daß etwas anderes "gefragt" war. Ist vermutlich ADHS-typisch oder?
      Richtig, das würde mich auch nicht vom Reden abhalten, eher würde ich dann nach meinem Redeschwall noch mal nachfragen: "Äh, was genau hattest du gemeint?" Wobei ich vielleicht auch nicht so starke Verständnisschwierigkeiten habe wie manch andere.

      Wenn man mich vom Reden abhalten möchte, muss man mich beleidigen, da bin ich so aus dem Konzept gebracht, dass ich nichts dazu sagen kann. Ansonsten muss man mich schon narkotisieren oder knebeln, wenn man will, dass ich den Mund halte :d

      Necroghoul7 wrote:

      Mein Problem diesbezüglich ist meine Ungeduld, ich will möglichst alles auf einmal verstehen und weiterkommen, oft weiß ich schon, was als nächstes kommt, oder es geht mir nicht rasch genug weiter.
      Hab ich auch, und ja, das ist sicherlich ADHS-typisch, aber das heißt denke ich nicht, dass man alle Symptome erfüllen muss, denke ich. Ich bin da auch zwiegespalten, weil ich einfach wirklich keine Konzentrationsschwierigkeiten habe, andere ADHS-Symptome dann aber doch teilweise.

      Das Problem ist wiederum: Wenn ich nervös bin oder ängstlich, dann unterbreche ich Leute viel mehr. Das ist dann wieder der übliche Teufelskreis: Person hat ein Problem mit mir -> Ich werde nervös und unterbreche Person ständig -> Person hat ein noch größeres Problem mit mir und zeigt dies -> Ich unterbreche die Person noch mehr.

      Necroghoul7 wrote:

      Da käme sofort die Gegenfrage, was der Sinn der Frage ist.
      Ganz genau, dann sage ich einfach direkt "Wieso?" oder "Wieso fragst du?", das passiert ganz automatisch, wenn ich mich über eine Frage wundere.

      Necroghoul7 wrote:

      So geht es mir auch immer, nur leider bin ich diejenige, die die dummen Rückfragen stellt.
      Mir wurde schon in der Grundschule vorgeworfen, dass ich immer "Ja, aber..." sagen würde und immer das letzte Wort haben müsste.

      Necroghoul7 wrote:

      Mit dem Nachdenken mache ich es so, daß ich mir während eines Satzes gedanklich den/die nächsten zurechtlege/überdenke/entwerfe, idealerweise komme ich dann in einen nicht abreißenden Fluß, bis mich jemand unterbricht oder ich fertig bin.
      Ist bei mir genauso. Wobei ich anders als wohl viele ADHS-ler keine Gedankensprünge oder sowas mache, das ist dann schon alles relativ stringent, und ich schweife auch nicht ab, sondern gehe in die Tiefe.
      Ich finde auch Freestyle-Rap ganz lustig, das ist noch mal eine zusätzliche Herausforderung, weil man sich Reime überlegen muss :d

      Necroghoul7 wrote:

      Oder ich zwinge mich mich kurz zu fassen, dazu muß ich dann aber wirklich meist zu lange überlegen.
      Kenne ich... ich hatte/habe an der Arbeit öfters das Problem, dass die Leute ungeduldig wurden, weil ich 10 Minuten lang vieeeel zu ausführlich über eine vergleichsweise unwichtige Detailsache geredet habe (Meeting sollte aber nur 15 Minuten insgesamt dauern). Um das nicht zu tun, muss ich mir genau zurechtlegen, was ich sagen möchte und was nicht, dann klappt das.
      Vielleicht sollte ich wirklich mal anfangen, mir sogar schriftlich Stichpunkte zurechtzulegen, und dann wirklich nur die zu bringen. Da muss ich dann wirklich überlegen, welche Dinge ich überhaupt erwähnen möchte, was ich kürzen und zusammenfassen könnte und wo ich sagen sollte: Lass uns das noch mal nach dem Meeting zu zweit anschauen.
      Zu reden finde ich halt überhaupt nicht anstrengend, das ist sowas, was gefühlt fast automatisch abläuft, so wie gehen oder essen. Mich kurz zu fassen hingegen bedeutet für mich zusätzliche kognitive Anstrengung. Referate hab ich auch immer deswegen mehrmals zu Hause geübt, damit ich die Zeit einhalte und nicht zu stark drunter oder drüber liege.

      Necroghoul7 wrote:

      Schriftlich wie mündlich.
      Unterschreibe ich, schreiben ist für mich eigentlich genauso wie sprechen.

      The post was edited 3 times, last by seven_of_nine ().

    • @seven_of_nine

      Da du wirklich extrem paßgenau beschreibst, was alles auch auf mich zutrifft, für Asperger aber nicht gerade typisch zu sein scheint, aber auch nicht zu ADHS paßt, wäre ich dir wirklich sehr dankbar, wenn du mich informierst, falls du jemals dahinterkommst, welche Eigenschaft oder Störung diese Besonderheiten verursacht! Das meine ich wirklich ernst, auch in zehn Jahren.

      Ironie des Schicksals ist, daß die sozialen Konsequenzen denen der Betroffenen mit "Schweigeproblem" oft ähnlich sind. Es macht offenbar für die normale Welt nicht so einen großen soviel Unterschied, ob man falsch oder nicht antwortet/reagiert. :sarcasm:
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Sesambrot wrote:



      Ich frage mich jetzt ob ich ähnlich verzögerte Reaktionen auch auf andere plötzliche Ereignisse habe und ob ich damit alleine bin...

      Ich habe eigentlich den Eindruck auf plötzliche Veränderungen gut reagieren zu können. Wäre beim Motorrad fahren sonst fatal...

      Aber gerade bei solchen Interaktionen wie oben setzt bei mir irgendwas aus. Vllt ist das auch nur ein Tick? Keine Ahnung erscheint mir jedenfalls nicht "normal"...

      Also alleine bist du damit nicht; bei mir passiert das aber nicht unbedingt bei Banalitäten, aber schon bei Sachen, mit denen ich nicht rechne. Wenn mir jemand plötzlich eine persönliche Frage stellt oder mein Gegenüber sehr schnell spricht und auch eine schnelle Reaktion von mir erwartet.

      Deine Reaktionsfähigkeit an sich ist das Eine; verbal reagieren zu können nochmal etwas anderes.

      Ein Tick ist das wahrscheinlich nicht. Ein Tick wäre es, wenn du ständig "Ähm" sagen würdest, ganz ohne Zusammenhang.
      Das Leben ist unendlich viel seltsamer als irgendetwas, das der menschliche Geist erfinden könnte. Wir würden nicht wagen, die Dinge auszudenken, die in Wirklichkeit bloße Selbstverständlichkeiten unseres Lebens sind. - Sir Arthur Conan Doyle