Lebensbesonderheiten bei spät diagnostizierten Asperger Autisten

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    • Schneckentanz wrote:

      Wie kommst Du darauf, dass das mit dem Gleichgewicht am Asperger Syndrom liegt, hast Du das neurologisch untersuchen lassen? Sorry wenn das jetzt irgendwie provokativ klingen sollte, es ist nicht so gemeint, ich konnte nirgendwo etwas darüber finden, dass bei Menschen mit Asperger 'Syndrom das Gleichgewicht relativ früh nachlässt.
      Zwar glaube ich nicht, dass der Gleichgewichtssinn bei autistischen Menschen per se früher als allgemein nachlässt. Wenn ein Mensch allerdings ohnehin ein schwach ausgeprägtes Körpergefühl hat, was bei nicht wenigen Autisten der Fall ist, kann ich mir vorstellen, dass die gesundheitlichen Probleme und "Verschleißerscheinungen", die im Alter auftreten, sich früher und stärker als bei anderen Menschen auswirken. Wer von vornherein Probleme mit dem Gleichgewicht hat, kann Einschränkungen, die hinzukommen, vermutlich schlechter kompensieren als andere.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Zwar glaube ich nicht...
      Ist plausibel. Ich hab als Kind ewig gebraucht für alle Sachen mit Gleichgewicht. Schwebebalken blieb mir dann mit Attest erspart ("akute Absturzgefahr"). Schwindlig wird mir oft und schnell - zum Glück überrascht es mich nie oder macht mich handlungsunfähig. Ich habe festgestellt, dass mir seit einiger Zeit auf dem Radl schneller schwindlig wird als in einer gut trainierten Phase vor 5 Jahren. War erstmal entsetzt, weiß aber noch nicht, ob das Alter oder mangelnde Übung ist.
    • Matou wrote:

      Ich hab als Kind ewig gebraucht für alle Sachen mit Gleichgewicht.
      Dito. Schlittschuhlaufen und Rollschuhlaufen beispielsweise habe ich nie "richtig" gelernt. Nur so, dass ich mich dabei staksend "auf den Beinen halten" konnte. Sobald ich versuchte, die klassischen, ausholenden Laufschritte zu machen, fiel ich hin, auch nach x Versuchen (ich wollte beides damals unbedingt können). Fahrradfahren dauerte auch "ewig", Schwimmen ging schnell, aber nur das einfache Brustschwimmen, alles andere klappte gar nicht. Und ich erreichte nie eine höhere Geschwindigkeit.

      Matou wrote:

      Schwebebalken blieb mir dann mit Attest erspart ("akute Absturzgefahr"). Schwindlig wird mir oft und schnell - zum Glück überrascht es mich nie oder macht mich handlungsunfähig.
      Schwebebalken wurde mir auch ohne Attest "erlassen" - es ging einfach nicht, so wie vieles im Sport. In der Kindheit wurde mir sehr oft stark schwindlig. Manchmal ohne äußeren Grund so, dass ich richtig "zusammenklappte" und mich hinlegen musste. Eine Ursache dafür wurde nie gefunden (vermutlich aber auch nicht intensiv danach gesucht). Das ging dann aber in der Vorpubertät weg.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora wrote:

      Zwar glaube ich nicht, dass der Gleichgewichtssinn bei autistischen Menschen per se früher als allgemein nachlässt. Wenn ein Mensch allerdings ohnehin ein schwach ausgeprägtes Körpergefühl hat, was bei nicht wenigen Autisten der Fall ist, kann ich mir vorstellen, dass die gesundheitlichen Probleme und "Verschleißerscheinungen", die im Alter auftreten, sich früher und stärker als bei anderen Menschen auswirken. Wer von vornherein Probleme mit dem Gleichgewicht hat, kann Einschränkungen, die hinzukommen, vermutlich schlechter kompensieren als andere.
      Ja, das klingt plausibel, da gebe ich Dir recht. Ich wollte damit auch nur sagen, dass es Sinn machen kann, irgendeine andere Ursache auszuschließen.

      Matou wrote:

      Schwebebalken blieb mir dann mit Attest erspart
      Das habe ich gerade noch hinbekommen, aber keine wilden Übungen, nur einfaches Vorwärtslaufen ..... :d Ich würde mir nur wünschen, es hätte damals für mich ein Attest für das Geräteturnen z.B. Stufenbarren :m(: oder schon einen einfachen Überschlag an der Stange gegeben.

      Leonora wrote:

      Schlittschuhlaufen und Rollschuhlaufen beispielsweise habe ich nie "richtig" gelernt. Nur so, dass ich mich dabei staksend "auf den Beinen halten" konnte. Sobald ich versuchte, die klassischen, ausholenden Laufschritte zu machen, fiel ich hin, auch nach x Versuchen (ich wollte beides damals unbedingt können). Fahrradfahren dauerte auch "ewig", Schwimmen ging schnell, aber nur das einfache Brustschwimmen, alles andere klappte gar nicht. Und ich erreichte nie eine höhere Geschwindigkeit.
      Schlittschuhlaufen, Rollschuhlaufen und Fahrradfahren habe ich mit einiger Übung hinbekommen, natürlich ohne irgendwelche Heldentaten, Stelzenlaufen keine Chance....

      Leonora wrote:

      Schwimmen ging schnell, aber nur das einfache Brustschwimmen, alles andere klappte gar nicht. Und ich erreichte nie eine höhere Geschwindigkeit.
      Ich konnte auch nur Brustschwimmen und auch dabei bin ich nach einer kurzen Strecke einfach untergegangen.... :nerved:
      Völkerballspielen war der pure Horror, ich konnte weder gezielt werfen, noch dem Ball ausweichen. Überhaupt wurde es immer peinlich wenn Mannschaften gebildet wurden, Dann fingen nämlich meine Klassenkameraden an sich darum zu streiten, welche Mannschaft mich aufnehmen musste, so nach dem Motto: Wir haben sie schon beim letzten Mal genommen, jetzt seid ihr mal dran..... :(
      Ich hatte immer Angst vor dem Sportuntterricht.
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • Schneckentanz wrote:

      Ich würde mir nur wünschen, es hätte damals für mich ein Attest für das Geräteturnen z.B. Stufenbarren :m(:
      Das hätte ich mir ganz furchtbar dringend gewünscht. Leider bestand da nicht genug Verletzungsgefahr (von wegen! Ich sag nur: Mühl-Umschwung... ouch im Schritt). Beim Volleyball stauchte ich mir alle Finger und diverse Gehirnerschütterungen waren's wohl auch. Dabei hätte ich das so gern gekonnt... Vor dem Sport war's mir immer schlecht.
    • Matou wrote:

      Das hätte ich mir ganz furchtbar dringend gewünscht. Leider bestand da nicht genug Verletzungsgefahr (von wegen! Ich sag nur: Mühl-Umschwung... ouch im Schritt).
      Autsch! Bei mir gab´s eine Übung, die hieß Felgaufschwung, da haben sie mich mit drei Leuten hoch gehievt..... ich hing dann da wie ein Mehlsack.....was die wohl gedacht haben? Dass ich das davon lerne.....? :m(: Ich, die ich noch nichtmal einen einfachen Überschlag an der Stange ohne Hilfestellung hinbekommen habe?

      Matou wrote:

      Beim Volleyball stauchte ich mir alle Finger und diverse Gehirnerschütterungen waren's wohl auch. Dabei hätte ich das so gern gekonnt... Vor dem Sport war's mir immer schlecht.
      Mehrfach habe ich mir sehr schmerzhaft den Daumen umgeknickt, und ich habe mir genau wie Du solche Mühe gegeben. :(
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • Schneckentanz wrote:

      Ich wollte damit auch nur sagen, dass es Sinn machen kann, irgendeine andere Ursache auszuschließen.
      Da stimme ich natürlich zu.

      Schneckentanz wrote:

      Stelzenlaufen keine Chance....
      Bei mir auch nicht. Seilspringen funktionierte nur, wenn andere das Seil schlugen, selbst mit den Armbewegungen koordinieren konnte ich das nicht.

      Schneckentanz wrote:

      Völkerballspielen war der pure Horror, ich konnte weder gezielt werfen, noch dem Ball ausweichen. Überhaupt wurde es immer peinlich wenn Mannschaften gebildet wurden, Dann fingen nämlich meine Klassenkameraden an sich darum zu streiten, welche Mannschaft mich aufnehmen musste, so nach dem Motto: Wir haben sie schon beim letzten Mal genommen, jetzt seid ihr mal dran.....
      Ich hatte immer Angst vor dem Sportuntterricht.
      Das trifft alles auch auf mich zu. Anderswo hier im Forum schrieb ich schon darüber.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Schneckentanz wrote:

      Bei mir gab´s eine Übung, die hieß Felgaufschwung, da haben sie mich mit drei Leuten hoch gehievt..... ich hing dann da wie ein Mehlsack.....was die wohl gedacht haben? Dass ich das davon lerne.....? :m(:
      Jessesnei, stimmt. Ich wurde da auch immer passiv durchgewrungen - Jahr um Jahr die selbe Niederlage. Es war würdelos.
    • Leonora wrote:

      Seilspringen funktionierte nur, wenn andere das Seil schlugen, selbst mit den Armbewegungen koordinieren konnte ich das nicht.
      Seil schlagen war mir möglich, springen sehr schwierig, auch wenn die anderen das Seil schlugen, schaffte ich es kaum jemals, den richtigen Zeitpunkt abzupassen hineinzulaufen, und an der richtigen Stelle und im richtigen Rhythmus zu springen.

      Matou wrote:

      Jahr um Jahr die selbe Niederlage. Es war würdelos.
      Das trifft es ziemlich genau, ich habe mich jedes Mal entwürdigt gefühlt. Mein Papa war sehr lieb, der hat dann versucht, solche Dinge mit mir zu üben, aber es war hoffnungslos....
      Immer wenn mir jemand sagt ich wäre nicht gesellschaftsfähig, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft und bin sehr erleichtert...... :d
    • Es gibt aber auch viele NAs, die beim Geräteturnen kläglich versagen bzw. total unsportlich sind. Ich bin ziemlich sportlich und einen Felgaufschwung mache ich immer noch aus dem Stehgreif. Dafür bin ich schrecklich ungeschickt. Ständig fällt mir was runter oder ich stoße irgendwo gegen.
      KIRK: Have I ever mentioned you play a very irritating game of chess, Mister Spock?
      SPOCK: Irritating? Ah, yes. One of your Earth emotions.

      SPOCK: I am not capable of that emotion.
    • Obwohl ich spätdiagnostiziert bin , haben es meine Eltern eingesehen gehabt, dass mit mir sportlich nix zu gewinnen war , und mir ab Klasse 7 ein Attest besorgt.
      Ich weiß nicht, wie sie es gemacht haben - Bestechung fällt aus, wir hatten kein Geld. Aber Flehen, Heulen, Betteln..... ja.
      Ich hatte ja auch noch die chronische Bronchitis , und darauf lief es hinaus, stattdessen bin ich ins krankengymnastische "Haltungsturnen". Da waren wir zu f+nft und alle Kinder dort hatten irgendein Problem, ich bin sportlich aufgeblüht.
      Hätten meine Eltern mir kein Attest besorgt, ich hätte die Schule geschmissen, ich wäre nicht mehr hin.

      EINE Sache ist Ungeschicklichkeit und/oder Unsportlichkeit bei Asperger,
      eine ganz andere Sache ist es, dass man deswegen gemobbt und fertig gemacht wird ,
      das müsste nicht sein,

      und mit Geduld, Übung und einem freundlichen Umfeld kann man viele Sachen lernen - nicht dolle, vielleicht, aber auf Basisniveau.
      "Autismusdiagnose - Potius sero quam numquam.
      ( Lieber spät als nie.) "
      :irony:
    • Ich bin auch spät diagnostiziert worden, mit 48. Seitdem (3 Jahre ca) merke ich, dass ich so viele Sachen anders angegangen wäre, wenn ich es früher gewusst hätte.

      Meine Eltern haben sich nicht um mein Inneres gekümmert, dafür waren sie zu praktisch, was ich nicht positiv meine ("sie ist eben komisch").

      Inzwischen geht mir viel mehr am A vorbei, ich kümmere mich nicht mehr darum, "was die Leute sagen" und bin froh, für mich eine "Ausrede" zu haben, nicht so sein zu müssen wie andere. Ich lebe ein bisschen Arroganz und Freiheit, die mir gefühlt gefehlt hatte.

      Von Ungeschicklichkeit oder Unsportlichkeit kann ich nichts sagen. Ich habe als Kind Kunstturnen gemacht, war aber nie richtig gut, aber es ging.

      Was ich schon immer scheisse fand, und jetzt eigentlich noch mehr, ist das Getue und die Rituale umeinander beim Werben um einen Partner. Da wollte ich nie mitmachen.
      bla bla Man bekommt nichts geschenkt
    • hibernation wrote:

      Inzwischen geht mir viel mehr am A vorbei, ich kümmere mich nicht mehr darum, "was die Leute sagen" und bin froh, für mich eine "Ausrede" zu haben, nicht so sein zu müssen wie andere. Ich lebe ein bisschen Arroganz und Freiheit, die mir gefühlt gefehlt hatte.
      WIe schaffst Du das bzw. ging das von jetzt auf gleich, dass Dir "viel mehr am A vorbei" ging?...und fühlst Du Dich jetzt gut? Ich meine, die Einschränkungen bleiben doch bestehen, oder?
    • Darlina wrote:

      hibernation wrote:

      Inzwischen geht mir viel mehr am A vorbei, ich kümmere mich nicht mehr darum, "was die Leute sagen" und bin froh, für mich eine "Ausrede" zu haben, nicht so sein zu müssen wie andere. Ich lebe ein bisschen Arroganz und Freiheit, die mir gefühlt gefehlt hatte.
      WIe schaffst Du das bzw. ging das von jetzt auf gleich, dass Dir "viel mehr am A vorbei" ging?...und fühlst Du Dich jetzt gut? Ich meine, die Einschränkungen bleiben doch bestehen, oder?
      Nein, das hat schon eine ganze Zeit gedauert und ich habe damit auch schon vor der Diagnose begonnen, glaube ich. Die Diagnose war nur noch die Bestätigung dafür, zu akzeptieren, dass man halt so ist wie man ist und sich nicht zu jemandem andern machen kann (auch äußerlich, habe mich immer als unansehnlich gefunden)
      Früher dachte ich auch immer, alle Menschen würden mich ansehen und werten, aber inzwischen denke ich, dass die dazu eh alle zu abgelenkt mit ihren eigenen Angelegenheiten und auch eigentlich kein großes Stück interessiert sind. Seitdem ist mir nicht mehr so viel peinlich zB
      bla bla Man bekommt nichts geschenkt
    • Okay. Danke für die Antwort.

      Ich hab mir das so vorgestellt, dass man nach der Diagnose vielleicht weiß, was ist und sich manches besser erklären kann, aber die Probleme ja die gleichen bleiben. ...und bis man dann ein passendes Umfeld für sich gefunden hat? Dauert. Manches klappt vielleicht auch nicht. ...und dann mit den ganzen Gefühlen zurecht zu kommen, dass man sich auf der einen Seite vielleicht nun besser verstehen und annehmen kann, auf der anderen Seite aber genau wegen dem, was bei einem ist, manches nicht kann, z.T. außen vor ist, auf Dinge verzichten muss, die man an sich auch gern macht?
      Schwierig.
    • Liramlis wrote:

      Ich war vorher offensichtlich anders als die anderen, aber ich wusste nicht warum. Jeder sagte mir ich müsse mich mehr anstrengen und das tat ich, wieder und wieder, bis zur völligen Erschöpfung. Bei manchen Sachen dachte ich auch, daß alle Menschen so empfinden wie ich, zum Beispiel was Lärm und Licht und andere Reize anging, ich dachte die anderen würden nur härter damit kämpfen und ich sei eine Versagerin und zu empfindlich. Ich war nicht gut genug, ich konnte Dinge, die anderen so leicht fielen wie atmen nicht tun, nicht erkennen und nicht aushalten. Dabei war ich intelligent und konnte vieles, aber ich wurde durch Kleinigkeiten immer wieder zurückgeworfen, was unendlich frustrierend ist und Selbsthass erzeugt hat. Mobbing und ständige Zurückweisungen bestätigten mir dann auch noch daß ich mit dem Gefühl recht hatte. Noch verdrehter: Wer mich mochte und mich respektierte, tat das ja nicht gegenüber mir sondern der Maske.

      ...

      Die Diagnose war für mich kein Zettel, kein Wort, nicht nur eine Bezeichnung für eine Behinderung/Krankheit, es war eine zweite Geburt. Schmerzhaft, weil eben auch die Hoffnung ich könnte es schaffen "normal" zu werden weg war, aber auch ein kompletter Neuanfang.


      ...
      Der Post und der Thread sind zwar älter aber ich möchte mich (inspiriert vom Ermutigungs-Thread) für ihn bedanken. Wie an anderer Stelle schon erwähnt, fehlt mir allzu oft die Fähigkeit meine Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen, geschweige denn nieder zu schreiben. Ich habe den Post aufgrund der Forenregeln gekürzt aber er gibt mir viel. In seiner Gesamtheit. Danke.
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus