Autismus-Diagnostik Norddeutschland - eventuell auf eigene Kosten?

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    • Autismus-Diagnostik Norddeutschland - eventuell auf eigene Kosten?

      Hallo.

      Nach jahrelangen Überlegungen über das Für und Wider habe ich nun den Entschluss gefasst, eine Diagnose zu suchen. Einfach, weil es für mich persönlich eine enorme Erleichterung wäre Gewissheit darüber zu haben. Allerdings zögere ich, dies über die Krankenkasse abwickeln zu lassen. Ich möchte eigentlich nicht, dass eine derartige Diagnose in die Systeme eingeht und sich dadurch eventuell irgendwann Nachteile ergeben. Immerhin habe ich alles was ich bis heute erreicht habe, auch ohne entsprechende Unterstützung geschafft.

      Hat jemand Tipps oder Erfahrungen zur Diagnosesuche in der Region Travemünde/Hamburg? Insbesondere, wenn man dies nicht offiziell machen möchte. Vielleicht auch speziell zur Diagnostik bei erwachsenen Frauen. Hier scheint die Diagnose dank des oft großen Kompensationsvermögens in vielen Fällen ja erheblich schwieriger zu sein.
      Ich weiß nicht, ob dies im offenen Forum erlaubt ist, aber ich wäre auch für Hinweise zu möglichen Kosten dankbar - gegebenenfalls per PN.

      Bisher scheint für mich for allem das Hamburger Autismus Institut in Frage zu kommen, welches Diagnose für Selbstzahler anbietet. Aber ich bin auch an alternativen Anlaufstellen interessiert.
      Silva
    • Ich hatte mich in Hamburg bei der Claudia Eckhardt gemeldet. Sie meinte aber, dass sie keine Diagnosen macht, und ich gerne nach einer Diagnose zu ihr kommen könnte.

      Sie hat mir dann eine Adresse gegeben, wo ich eine Diagnose machen lassen kann:

      psychiatrische Praxis Dr. Tonn in Hamburg
      npz-hamburg.de/

      Dort habe ich im Juli einen Termin gemacht, der früheste war allerdings erst im Januar 2019. Du musst dich also darauf einstellen, dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis du einen Termin bekommst.

      Die Kosten betragen etwa 100€

      Das Hamburger Autismus Institut kannte ich noch garnicht, ich habe dort mal angefragt, wie schnell man einen Termin bekommen könnte und wie teuer es wäre. Ich wäre natürlich auch sehr dankbar, wenn ich vor Januar 2019 einen Termin bekäme, da gerade auch viel davon abhängt und jeder Monat entscheidend ist.

      The post was edited 3 times, last by Dennis82HH ().

    • Silva wrote:

      Bisher scheint für mich for allem das Hamburger Autismus Institut in Frage zu kommen, welches Diagnose für Selbstzahler anbietet.
      Die haben eine zeitlang nur Kinder und Jugendliche diagnostiziert. Aber anscheinend nehmen die inzwischen auch wieder Erwachsene. Ein Erfahrungsbericht wäre schön.

      Dennis82HH wrote:

      Ich hatte mich in Hamburg bei der Claudia Eckhardt gemeldet. Sie meinte aber, dass sie keine Diagnosen macht,
      Das ist neu. Mein letzter Stand war, dass sie auch ewig lange Wartezeiten hat. Ihre Webseite scheint etwas hinterher zu hinken. Da liest es sich noch so, dass sie auch Diagnostik anbietet.

      Ansonsten fällt mir noch die Asklepios Klinik in Harburg ein. Die machen das angeblich auch, aber auf der Webseite habe ich es noch nicht gefunden.
    • Ich habe mal bei dem Hamburger Autismus Institut angefragt. Leider hätten sie auch erst Termine im nächsten Jahr, und die Kosten liegen zwischen 500€ - 840€. Das ist weit weit weit über meinem Budget, da müsste ich einen Kredit aufnehmen. Ich bleibe dann doch lieber bei Praxis Dr. Tonn, die 100€ sind doch machbarer.
    • Dennis82HH wrote:

      Ich hatte mich in Hamburg bei der Claudia Eckhardt gemeldet. Sie meinte aber, dass sie keine Diagnosen macht, und ich gerne nach einer Diagnose zu ihr kommen könnte.
      Mmhh, gut zu wissen, das ist dann aber neu, ich weiss von zwei Menschen, die bei ihr zur Diagnostik waren vor einigen Jahren.
    • ifi wrote:

      Dennis82HH wrote:

      Ich hatte mich in Hamburg bei der Claudia Eckhardt gemeldet. Sie meinte aber, dass sie keine Diagnosen macht, und ich gerne nach einer Diagnose zu ihr kommen könnte.
      Mmhh, gut zu wissen, das ist dann aber neu, ich weiss von zwei Menschen, die bei ihr zur Diagnostik waren vor einigen Jahren.

      Sie hatte nicht explizit gesagt, dass sie keine macht. Auf meine Anfrage kam nur die Antwort, dass ich für eine Diagnose doch bitte mit Dr. Tonn Kontakt aufnehmen soll, und bei einer bestätigten Diagnose mich gerne wieder bei ihr melden kann. Vielleicht ist sie auch im moment einfach nur ausgebucht. Allerdings hätte sie es dann wohl erwähnt, bzw. gesagt, ab wann sie wieder Termine hätte. Daher gehe ich davon aus, dass sie momentan keine Diagnosen mehr macht.
    • Dennis82HH wrote:

      Vielleicht ist sie auch im moment einfach nur ausgebucht.
      Kann sein gut sein.
      Auf ihrer homepage ist sie nicht eindeutig, dort gibt es zwar den Punkt "Diagnostik und Einzeltherapie", darunter schreibt sie aber nur von ihrer Spezialisierung auf die Behandlung von Autismus.
      Diese wird laut homepage bei Autismus wohl seit 2018 von den Krankenkassen übernommen, somit hat sie vermutlich ausreichend Klienten.
    • Das ist in der Tat etwas merkwürdig. Ich würde der Homepage zufolge auch davon ausgehen, dass Frau Eckhardt Diagnostik anbietet.

      Wann hattest du denn bei ihr Eckhardt angefragt, Dennis? Und decken die 100€ eine eingehende Diagnostik ab? Dafür sind nach meinem Wissensstand ja mehrere Termine notwendig.

      Auf jeden Fall kann ich wohl glücklich sein, wenn ich innerhalb eines halben Jahres einen Termin bekomme.
      Silva
    • Bei Frau Eckhardt habe ich im Juni angefragt.

      Es ist nur ein Termin, der dafür aber den ganzen Tag geht. Aber mit der Diagnostik selbst kenne ich mich nicht aus. Genaueres kann ich dann erst im Januar sagen. Aber da Frau Eckhardt mir genau diese Einrichtung empfohlen hat, gehe ich mal davon aus, dass es auch eine brauchbare Diagnose geben wird, schließlich kann man dann aufgrund dieser Diagnose eine Therapie bei ihr beantragen.
    • Frau Eckhardt bietet definitiv auch Diagnostik an. Dafür sind fünf Termine nötig, die jeweils 90€ kosten, sofern man nicht über die Krankenkasse abrechnen möchte. Wenn man einen ausführlichen Abschlussbericht haben möchte, kostet dieser ebenfalls etwas.
      Silva
    • In Hamburg am UKE bei Daniel Schöttle, falls er das noch anbietet. Da ging es zumindest früher auf Kassenkosten. Ebenfalls Uniklinik Hannover. Eventuell muss man lang warten, bei letzterer war ich 1,2 Jahre auf der Warteliste
    • @Dennis82HH

      Kannst du von deiner Erfahrung beim NPZ berichten? Ich habe dort Anfang März einen Termin und bin schon sehr aufgeregt und unsicher. Mich interessiert wie die Diagnose dort abläuft, wie viele Termine, was gemacht wird, etc.

      Ich hatte übrigens auch bei Fr. Eckhardt angefragt und Sie sagte explizit, dass Sie keine Autismus Diagnose mehr anbietet.

      The post was edited 1 time, last by SarahEatWorld ().

    • Ich hatte meinen Termin am 21.01 diesen Jahres. Ich habe mir Tagelang vorher Gedanken gemacht, und wollte schon eine Liste machen. Ich habe dann nochmal hier im Forum geschaut und auch im Internet, und festgestellt, dass es vielen so ging wie mir. Aber alle berichteten, dass man diese Liste nicht bräuchte, weil die Ärzte einem schon die richtigen Fragen stellen.

      Ich kann also deine Aufregung gut verstehen, und berichte mal, wie es bei mir ablief:

      Ich erschien um 10 Uhr in der Klinik. Dort geht man einfach vorne zur Anmeldung und sagt Bescheid. Ich musste dann einen Bogen ausfüllen mit allgemeinen Daten zu meiner Person (wie man es auch von anderen Praxen kennt, wenn man neu ist). Der Warteraum war gut gefüllt, aber alle sind mit Termin da und werden jeweils vom zuständigen Arzt abgeholt. Ich war bei Frau Hoffmann. Sie holte mich dann auch ab, und wir gingen in ihren Raum. Dort hat sie mir dann einmal grob den Ablauf erklärt, und auch nochmal darauf hingewiesen, wieso diese Diagnose Geld kostet. Es folgte ein Gespräch über meine aktuelle Lage, meine Erfahrungen mit Autismus und wie ich zu der Einschätzung gekommen bin. Auch etwas über meine Kindheit und vorherige Therapien. Ich habe ihr den Abschlussbericht der Tagesklinik gegeben. Sie wollte auch gerne meine Zeugnisse haben. Ich habe also die Zeugnisse der letzten Schulen mitgebracht. Allerdings sagte sie mir dann, dass weniger die Abschlusszeugnisse für sie interessant sind, sondern viel mehr die ersten Zeugnisse aus der Grundschule, da diese noch viel Text enthalten und das Verhalten des Kindes beschreiben.
      Danach ging es dann auch schon zum Test. Dafür habe ich von ihr ein kleines gelbes Kärtchen bekommen. Damit sollte ich in den Testbereich gehen, es in einem kleinen Glasbehälter werfen, und die Klingel drücken. Dies hat mich sehr verunsichert, da mir überhaupt nicht klar war, was das nun sollte.
      Ich bin also in den Testbereich gegangen, der gleich um die Ecke war. Dort standen ein paar Stühle zum warten, und an der Wand hing ein kleiner Glaskasten mit einer Klingen darüber sowie einer kurzen Anleitung, was zu tun wäre: Brief einwerfen, Klingeln, Warten.

      Ich habe dies also getan, und kam mir etwas komisch dabei vor. Doch tatsächlich kam dann jemand, hat den Zettel raus genommen, und ist wieder verschwunden. Ein paar Minuten später kam dann eine junge Kollegin (sie kam mir nicht wie eine Ärztin oder Therapeutin vor, eher wie eine Hilfskraft/Praktikantin, da sie auch ab und zu mal nachfragen musste bei einer Kollegin)

      Sie führte mich dann in einen kleinen Raum, mit einem PC und den Fragebögen. Die ersten Test sind sehr ungewöhnlich. Es sind hauptsächlich Erinnerungs- und Reaktionstests, teilweise auf Papier oder am PC mit kleinen "spielchen". Ich fand die Tests zwar teilweise unterhaltsam, aber war mir doch sehr unsicher, ob ich es richtig mache, oder ob da irgend eine Falle hinter steckt.Nervös hat mich auch gemacht, dass sie die ganze Zeit neben mir saß, mich beobachtet hat und die Zeit bei jedem Arbeitsschritt festhielt. Ich wußte dann nicht, ob die Zeit, oder das Ergebnis wichtiger sind. Also ob ich mir lieber Zeit lassen soll, es aber dafür richtig mache, oder ob ich mich beeilen soll, und einige Fehler dafür in kauf nehme.

      Nach diesen Tests kamen dann weitere Tests in einem anderen Zimmer. Auch wieder mit einem PC.

      Und zuletzt wurde ich in einen dritten Raum geführt, wo dann diverse Fragebögen lagen. Ich denke es waren 3 oder 4 Fragebögen, welche ich ausfüllen musste. Dies waren dann die üblichen Fragen, wie man sie auch aus diversen Online-Tests kennt. Da ich schon einige Monate hier im Forum bin, und auch schon den einen oder anderen Online-Test gemacht habe, konnten mich die Fragen auch nicht überraschen, und ich konnte sie schnell beantworten. Besonders da ich mittlerweile schon viel mehr Wahrnehme. So hätte ich noch vor einem Jahr ganz anders geantwortet, da ich vieles verdrängt habe bzw. die Antworten gewählt hätte, die "normaler" wirken. Wenn man ein Lebenlang versucht, nicht aufzufallen, dann geht das in fleisch und Blut über. Selbst wenn es eigentlich ein Test ist, um genau das Gegenteil heraus zu finden. Aber 1 Jahr Therapien hat mir in vielen Aspekten eine neue Perspektive gegeben. Somit konnte ich einige Fragen ganz sicher mit "trifft überhaupt nicht zu" bzw. mit "trifft absolut zu" ankreuzen. Früher hätte ich mich dies nicht getraut, und immer Antworten möglichst in der Mitte gewählt. Also sei hier ruhig mutig genug, ehrlich zu antworten, selbst wenn dich die Antworten erschrecken oder du das Gefühl hast, völlig falsch zu antworten oder die anderen damit zu erschrecken.

      Dann war es auch erstmal vorbei. Ich war dann um 12 Uhr etwa wieder raus. Der ganze Termin dauerte also knapp 1,5-2 Stunden. Eine Woche danach hatte ich dann gleich den nächsten Termin. Sie hatte mir aber auch schon gesagt, dass zwei Termine nur das Minimum sind. In der Regel, gerade bei positiver Diagnose, folgen noch diverse Termine. Leider war aber eine Woche später der Test noch nicht voll ausgewertet, sondern nur teilweise. Die Gedächnis- und Reaktionstests waren schon ausgewertet, aber nicht die Fragebögen. Wir sind trotzdem schon einmal die Teilergebnisse durchgegangen. Ich habe ihr gesagt, dass es mich verunsichert hat, dass ich nicht wusste, ob ich die Tests gut oder schlecht abschließen müsse als Autist, und dass ich auch nicht einschätzen konnte, wie gut ich war (also ob ich zu langsam oder zu schlecht war, oder das Gegenteil).

      Sie erklärte mir dann, dass es bei den Tests nicht unbedingt eindeutige Vorgaben gäbe. Man müsse alle Ergebnisse im Kontext sehen. Ein Autist könnte bei diversen Aufgaben überdurchschnittlich gut sein, ein anderer unterdurchschnittlich, oder eben durchschnittlich. Und besonders die Auswertung des Fragebogens (und somit der Selbsteinschätzung) wäre wichtig. Ihr habe ihr dann noch meine Grundschulzeugnise gegeben. Ich habe nun am 13.11. wieder einen Termin bei ihr. Da bekomme ich dann die Diagnose. Allerdings war sie sich schon sicher, dass ich ins Autismusspektrum falle, auch wenn es eher ein leichter Autismus ist. Ich wäre somit durchaus in der Lage, zu Arbeiten und mich im Leben selbstständig zurecht zu finden, aber es würde mich doch stark genug einschränken, dass mir die Anpassung extrem schwert fällt und ich gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht werden kann. Und somit eben auch alle erforderlichen Förderungen, Therapien und Maßnahmen ergreifen darf (z.B. Umschulungen).

      Ich bin also leider noch nicht ganz durch. Aber nächste Woche kann ich noch weiter berichten. Hier nur einige letzte Tipps:
      - Du brauchst dich nicht irgendwie vorbereiten, alle Tests sind rein Reaktionell bzw. Gedächnistests.
      - Die Fragebögen kann man grundsätzlich auch spontan ausfüllen. Allerdings fand ich es schon Sinnvoll, dass ich mich vorher mit den Themen auseinander gesetzt habe, besonders den ehrlichen Umgang damit. Ich finde es sehr schwer, in solchen Tests, entgegen meinen Instinkten, wirklich ehrlich zu antworten.
      - Nehme Kopien deiner letzten Zeugnisse, Diagnosen, Therapieunterlagen mit. Besonders die Grundschulzeignisse
      - Fertige eine Kopie von allen an, ansonsten müssen die Zettel am empfang kopiert werden. Dies ist unnötig stress und dauert. Daher am besten alles zuhause kopieren und so mitbringen, dass sie es behalten können.
    • Vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung und auch die Tipps! Es beruhigt mich ein wenig, grob zu wissen was auf mich zu kommt. Die letzten Wochen habe ich auch immer wieder Listen gemacht mit Dingen, die ich nicht vergessen möchte zu erwähnen. Aber dann muss ich das nun wohl einfach auf mich zukommen lassen.
    • SarahEatWorld wrote:

      Vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung und auch die Tipps! Es beruhigt mich ein wenig, grob zu wissen was auf mich zu kommt. Die letzten Wochen habe ich auch immer wieder Listen gemacht mit Dingen, die ich nicht vergessen möchte zu erwähnen. Aber dann muss ich das nun wohl einfach auf mich zukommen lassen.
      ich habe auch die email adresse der ärztin bekommen, so dass ich ihr jederzeit schreiben kann. Ich habe diese Möglichkeit auch genutzt, da mir das schreiben viel einfacher fällt als reden. Ich habe also noch einmal alles strukturiert aufgeschrieben, was mir wichtig erschien.

      Seit mittwoch habe ich nun meine autismus diagnose