Neurofeedback?

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    • Shenya wrote:

      Du beschreibst doch auch viele Schwierigkeiten, die auftreten, wenn du allein bist...
      Ich persönlich sehe es auch so, dass die Schwierigkeiten genauso da sind, wenn ich allein bin. Schwierigkeiten, die Dinge zu tun, die ich tun möchte.
      Ja und nein:
      Ich weiß nicht, inwieweit das nun Asperger oder Hochsensibilität oder andere Persönlichkeitseigenschaften sind, aber bei mir ist es so, daß ich mich emotional sehr schwer beruhigen/abgrenzen kann, wenn etwas Konflikthaftes/Belastendes noch nicht so geklärt ist, daß ich für mich eine sinnvolle Lösung gefunden habe. Und dann belasten diese Grübeleien auch andere Bereiche, die eigentlich "funktionieren", da sie übermäßig "mentale Energie" abziehen (klingt auch esoterisch, ich finde leider keine passendere Formulierung dafür). Außerdem kann ich nur eine gewisse Menge "Unerledigtes" im Kopf haben, ohne gestreßt zu sein. Beispiel Haushalt, ich gebe da schneller entnervt auf, wenn ich insgesamt gestreßt bin. An erfolgreichen oder zufriedenen Tagen oder wenn ich "psychischen Ausgleich" hatte, begegne ich für mch schwierigen Aufgaben auch mit mehr Frustrationstoleranz, was sicher normal ist, aber bei mir stark ausgeprägt.

      Also, ja, ich habe Schwierigkeiten in manchen Bereichen, auch allein, die ich aber mit meinen Ressourcen insgesamt gut kompensieren könnte und früher ja auch größtenteils konnte - wenn, ja, wenn nicht diese widrigen, hindernden Umstände da wären. Früher konnte ich mir z.B. leichter "Erholungsinseln" schaffen, damit meine ich nicht bloßes Rumsitzen, sondern erfüllende, energieaufladende Tätigkeiten/Umfelder, in denen ich teilweise sogar produktiv war - und ich hatte Ziele, Perspektiven, Erfolgsausgleich, Anerkennung, Identifikation, ...das gab mir Energie, unglaublich viel Kraft, die ich nicht mehr habe (warum genau, keine Ahnung, wieviel davon störungsbedingt, umweltbedingt oder altersbedingt ist). Deswegen macht es mich mittlerweile krank, wenn die Flugzeuge nachts übers Haus düsen oder die Wohnung unordentlich aussieht oder ich mich gefühlt im Kreis drehe und Lebenszeit auf Nebenkriegsschauplätzen verplempere. Deshalb habe ich Schlafprobleme, die ich früher nicht hatte, da habe ich trotz Mobbing immer geschlafen wie ein Baby, weil ich mich insgesamt zuversichtlich und energiegeladen und begabt gefühlt habe. Früher war es ja hier nicht viel ruhiger, und die Belastung war eher größer als kleiner, rein organisatorisch oder menschlich gesehen. Als Jugendliche bin ich nach dem Gymnasium zum Leistungssport und hatte noch Hobbys nebenbei, jetzt kommen mir ein paar Termine schon wie ein Kraftakt vor. Wenn das jetzt nur an meiner Behinderung liegt, wieso hat es sich so radikal verändert, wo ich mich doch nicht so sehr verändert habe? Es kann also nur am Umfeld liegen, das immer schlechter wurde.
      Oder ich konnte mir in den Bereichen, in denen ich Hilfe brauchte, auch welche organisieren, ganz ohne Budget oder ABW, teilweise bezahlte ich eben für Dienstleistungen so wie normale Leute das auch in Bereichen tun, die sie nicht gut können oder die sie als anstrengend empfinden. Das geht nicht mehr, da muß ich ein Budget beantragen. Eigentlich kraß.

      Ja, und was ich tun möchte, dürfte ich auch ohne Asperger nicht, und da hilft auch kein Neurofeedback, mich normal zu machen. Manchmal glaube ich sogar, daß ich alle Widrigkeiten und Beschwernisse und Ungerechtigkeiten des Alltags viel leichter hinnehmen könnte, wenn mir das erlaubt wäre. Dann würde mir auch meine Einsamkeit nicht soviel ausmachen, dann wäre ich wirklich glücklicher und hätte einen guten Streß-Ausgleich - und nur darauf kommt es doch an, ob man selbst zufrieden ist, nicht ob das Umfeld meint, man sei dysfunktional oder eingeschränkt oder müsse eigentlich unzufrieden sein.
      Wenn du z.B. in den Urlaub willst und es dir aufgrund deiner Diagnose schwerer fällt als anderen, dann empfindest du dich als behindert. Ich bin genug verreist, mir reicht ein Radausflug, auch wenn ich zu einer passenden Reise nicht "nein" sagen würde. Was ich damit sagen will, man ist ja nur dann behindert, wenn man sich selbst in dem Bereich eingeschränkt fühlt und weniger machen kann, als man will, Dinge, die einem wichtig wären. Wenn ich allein manche Sachen auch nicht so gut kann wie normale Menschen, aber das trotzdem als für mich ausreichend bewältigen kann, finde ich es nicht behindernd. Vermutlich fühle ich mich weniger behindert, weil ich Vieles, was ich nicht oder nur schwer allein kann/könnte, ohnehin nicht so wichtig finde oder nicht will.

      Dagegen empfinde ich meine "Behinderung" sehr stark eben im Umgang mit der Gesellschaft genau hier, genau jetzt, mit dem außen, die ganzen Enttäuschungen um mich herum, die mir so bescheuert, unfähig und dysfunktional vorkommen wie ich ihnen. Und all das würde ich nicht so belastend empfinden, wenn ich ab morgen wieder einen kraft- und/oder sinnspendenden positiven Ausgleich, der auch anerkannt wäre, hätte. Ich fühle mich in eine Rolle gedrängt, mit der ich mich nicht identifizieren kann. Ich könnte durchaus mehr an die Gesellschaft zurückgeben, als sie mir geben muß, aber es wird mir einfach nicht ermöglicht/gestattet. Klar ist keine Einzelperson schuld, und klar ist Vieles einfach Pech (z.B. der Lebenslauf, der Wohnort oder das Geburtsjahr), aber ich bin deshalb im Umkehrschluß auch nicht schuld daran. Klar, daß ein Fisch dysfunktional wird, wenn man ihn nicht ins Wasser läßt.....

      Was ich noch vergessen habe zu erwähnen, ist latente Angst, das Gefühl, als würde sich eine unsichtbare Schlinge immer mehr um den Hals ziehen, der man mit all seinen Tricks immer weniger ausweichen kann. Das kommt sicher von der Planungsunsicherheit und macht mich dann mitunter reizbar oder passiv-aggressiv, was ich früher nicht war. Ich lache auch viel weniger als früher. Klar habe ich auch als Jugendliche manchmal Witze als letzte kapiert, aber dafür war ich insgesamt leicht zu erheitern. Das empfinde ich viel mehr als einschränkend als die Tatsache, daß ich z.B. wirklich nie systematisch das Putzen gelernt habe und es gern würde.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".

      The post was edited 5 times, last by Necroghoul7 ().

    • Necroghoul7 wrote:

      bei mir ist es so, daß ich mich emotional sehr schwer beruhigen/abgrenzen kann, wenn etwas Konflikthaftes/Belastendes noch nicht so geklärt ist, daß ich für mich eine sinnvolle Lösung gefunden habe. Und dann belasten diese Grübeleien auch andere Bereiche, die eigentlich "funktionieren", da sie übermäßig "mentale Energie" abziehen (klingt auch esoterisch, ich finde leider keine passendere Formulierung dafür).
      Ich vermeide Konflikte im RL von vornherein, daher habe ich nur wenige Konflikte, die mich belasten. Das hat allerdings auch viele Nachteile, und sicher wäre es besser, wenn ich häufiger meine Meinung sagen würde statt zu schweigen. Die Frage ist nur, wie macht man es richtig. In Foren geht das bei mir meistens schief, im RL will ich es lieber gar nicht probieren.
      Wenn tatsächlich ein Konflikt entsteht, belastet er mich auch stark und ich kann erstmal an nichts anderes denken, vor allem dann, wenn es jemanden betrifft, dem ich vorher vertraut habe, und der mich nun irgenwie angegriffen hat.

      Necroghoul7 wrote:

      Außerdem kann ich nur eine gewisse Menge "Unerledigtes" im Kopf haben, ohne gestreßt zu sein.
      Das geht mir auch so. Deshalb versuche ich in extremen Situationen, Listen zu führen, damit die Dinge nicht nur irgendwo über meinem Kopf herumschwirren, sondern geordnet auf einem Blatt Papier stehen. Hilft aber auch nur begrenzt.

      Necroghoul7 wrote:

      Früher konnte ich mir z.B. leichter "Erholungsinseln" schaffen, damit meine ich nicht bloßes Rumsitzen, sondern erfüllende, energieaufladende Tätigkeiten/Umfelder, in denen ich teilweise sogar produktiv war - und ich hatte Ziele, Perspektiven, Erfolgsausgleich, Anerkennung, Identifikation, ...das gab mir Energie, unglaublich viel Kraft, die ich nicht mehr habe (warum genau, keine Ahnung, wieviel davon störungsbedingt, umweltbedingt oder altersbedingt ist)
      Anerkennung und Identifikation - war das beruflich dann, oder schulisch? Ich finde nämlich auch, dass ein Beruf einem viel geben kann, wenn man dort Anerkennung bekommt oder zumindest selber fühlt, dass man gut darin ist. Und früher, als ich noch zur Schule ging, waren meine guten Noten durchaus auch eine Quelle von Selbstvertrauen, auch wenn ich sonst nicht besonders selbstsicher war.

      Die Frage ist, wenn man scheitert, sollte man sich selbst dann als nicht gut ansehen? Man definiert dann ja Leistung auch als sehr wichtig, aber man könnte sich selbst auch um anderer Dinge willen anerkennen. Wie man ist, was man tut, ob man zufrieden ist.
      "Scheiß auf Leistung, das Leben soll Spaß machen". Also vielleicht hat man die Einstellung der Gesellschaft, die man kritisiert, selbst bereits zu sehr verinnerlicht.
      Du brauchst Dinge, die dir Spaß machen, nicht unbedingt Dinge, wo du Leistung erbringst.

      Necroghoul7 wrote:

      Deswegen macht es mich mittlerweile krank, wenn die Flugzeuge nachts übers Haus düsen
      Geräusche haben mich auch als Kind schon gestört, aber klar, bei Stress ist sowas dann auch schlimmer. Das Älterwerden scheint auch eine Rolle zu spielen. Ich kann heute manche Dinge nicht mehr, die als Kind noch gingen, z.B. mit anderen in einem Raum schlafen.

      Necroghoul7 wrote:

      Als Jugendliche bin ich nach dem Gymnasium zum Leistungssport und hatte noch Hobbys nebenbei, jetzt kommen mir ein paar Termine schon wie ein Kraftakt vor. Wenn das jetzt nur an meiner Behinderung liegt, wieso hat es sich so radikal verändert, wo ich mich doch nicht so sehr verändert habe? Es kann also nur am Umfeld liegen, das immer schlechter wurde.
      Bei mir war das schon immer so, ich konnte auch früher schon nur einen Termin an einem Tag ertragen, sonst kam es mir wie Extremstress vor. Wenn sich sowas verschlimmert, kann es mit dem Alter zusammenhängen, oder mit vermehrtem Stress oder mit der Stimmung. Oder weil sich Überforderung über Jahre angesammelt hat und man jetzt einfach nicht mehr kann.

      Necroghoul7 wrote:

      Was ich damit sagen will, man ist ja nur dann behindert, wenn man sich selbst in dem Bereich eingeschränkt fühlt und weniger machen kann, als man will, Dinge, die einem wichtig wären. Wenn ich allein manche Sachen auch nicht so gut kann wie normale Menschen, aber das trotzdem als für mich ausreichend bewältigen kann, finde ich es nicht behindernd. Vermutlich fühle ich mich weniger behindert, weil ich Vieles, was ich nicht oder nur schwer allein kann/könnte, ohnehin nicht so wichtig finde oder nicht will.
      Damit hast du recht.

      Necroghoul7 wrote:

      Dagegen empfinde ich meine "Behinderung" sehr stark eben im Umgang mit der Gesellschaft genau hier, genau jetzt, mit dem außen, die ganzen Enttäuschungen um mich herum, die mir so bescheuert, unfähig und dysfunktional vorkommen wie ich ihnen. Und all das würde ich nicht so belastend empfinden, wenn ich ab morgen wieder einen kraft- und/oder sinnspendenden positiven Ausgleich, der auch anerkannt wäre, hätte. Ich fühle mich in eine Rolle gedrängt, mit der ich mich nicht identifizieren kann.

      Hängt das bei dir mit dem Jobcenter zusammen bzw. mit allem, was noch dazukommt (Berater, die nicht hilfreich sind etc.)?
      Ich stelle mir die Situation, keine Arbeit zu finden und dann noch Druck vom Jobcenter zu bekommen, sehr belastend vor. Man bekommt ja dann viel mehr die Rückmeldung, dass man nicht gut genug sei, aber irgendwas machen müsste.

      Aber ich denke immer noch, dass z.B. an den Schwierigkeiten, Arbeit zu finden und zu halten, nicht in erster Linie nur das Umfeld schuld ist, sondern dass die eigenen Probleme dazu führen können. Was aber keine Schande ist.

      Natürlich gibt es, wenn es um Arbeit und Gesellschaft gibt, auch viele Missstände, die politisch bedingt sind, und Einstellungen von Leuten, die eigentlich nicht gut sind, aber in unserer Gesellschaft als normal gelten.

      Necroghoul7 wrote:

      Ich könnte durchaus mehr an die Gesellschaft zurückgeben, als sie mir geben muß, aber es wird mir einfach nicht ermöglicht/gestattet.
      In welchem Bereich denkst du, könntest du der Gesellschaft etwas zurückgeben? Meinst du damit, dass du Talente nicht einsetzen kannst, die, wenn die Umstände anders wären, für die Gesellschaft nützlich wären?
      Alles wird galaktisch gut.
    • Etlam wrote:

      Oh ja da würde ich gegen sprechen. Autismus ist meiner Meinung nach sehr wohl eine Krankheit.
      Und so sehr ich auch verstehen kann wenn man mit dem Konzept der Neurodiversität aus der Schmuddelecke raus zu kommen versucht ist das finde ich auch etwas gefährlich
      Schon heute ist es schwer ne Therapie zu finden. Wenn Autismus nicht mehr als krank gilt wird die Gesellschaft und die Forschung noch defensiver sein und noch weniger Hilfsangebote machen
      Für mich ist das ein bisschen eine Verharmlosung
      Wenn Leute sehr darunter leiden hat es auf jeden Fall krankheitswert
      Da sind wir dann halt verschiedener Meinung. Meine Meinung dazu ist aus dem eigenen Empfinden, den Meinungen von Fachleuten und dem Austausch mit vielen nicht behinderten Autisten entstanden.

      Nun interessiert mich aber, was Du mit Schmuddelecke meinst. Es wirkt so, als würdest Du Autismus in der Schmuddelecke sehen... und das Wort Schmuddelecke definiere ich ziemlich negativ... und Du?
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Chch wrote:

      Nun interessiert mich aber, was Du mit Schmuddelecke meinst
      Bin zwar nicht gefragt, aber das spielt sicher darauf an, dass sich manche geradezu mit Händen und Füßen dagegen wehren, als behindert bezeichnet zu werden, weil sie sich davon herabgesetzt fühlen. Als ob es eine Schande wäre, behindert zu sein (sehe ich nicht so).

      Was Behinderung angeht: von mir aus kann es so sein, dass sich jemand nicht behindert fühlt, obwohl ich auch glaube, dass mancher da Scheuklappen aufhat. Wer sich aber nicht nur nicht behindert fühlt, sondern auch tatsächlich keine Einschränkungen hat, der kann normalerweise keine Diagnose bekommen. Die Diagnose setzt Einschränkungen voraus.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Chch wrote:

      Nun interessiert mich aber, was Du mit Schmuddelecke meinst
      Bin zwar nicht gefragt, aber das spielt sicher darauf an, dass sich manche geradezu mit Händen und Füßen dagegen wehren, als behindert bezeichnet zu werden, weil sie sich davon herabgesetzt fühlen. Als ob es eine Schande wäre, behindert zu sein (sehe ich nicht so).
      Was Behinderung angeht: von mir aus kann es so sein, dass sich jemand nicht behindert fühlt, obwohl ich auch glaube, dass mancher da Scheuklappen aufhat. Wer sich aber nicht nur nicht behindert fühlt, sondern auch tatsächlich keine Einschränkungen hat, der kann normalerweise keine Diagnose bekommen. Die Diagnose setzt Einschränkungen voraus.
      Ja, da kenne ich auch welche von (die autistisch behindet sind und sich dagegen wehren). Da fehlt noch die Selbstakzeptanz.
      Die Autisten, die ich kenne und die sich nicht behindert fühlen, sind auch nicht behindert. Sie meistern ihr Leben mit ihren Einschränkungen. Sie können also so gut wie alles machen, müssen es halt nur irgendwie ausgleichen. Wenn man so leben kann, fühlt man sich meiner Meinung nach zu Recht nicht behindert.
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Shenya wrote:

      Ich vermeide Konflikte im RL von vornherein
      Oder weniger wichtig/problematisch nehmen, also nicht immer für alles eine "Lösung" finden wollen (z.B. unser Müllproblem, das ich gedanklich zu meinem mache, obwohl ich den Müll einfach in den Hof stellen könnte)....
      Interessant wäre zu erfahren, ob Neurofeedback da etwas bewirkt.

      Shenya wrote:

      Wer sich aber nicht nur nicht behindert fühlt, sondern auch tatsächlich keine Einschränkungen hat, der kann normalerweise keine Diagnose bekommen
      Naja, vielleicht gibt es viele Betroffene, die tatsächlich die Diagnose Asperger bekämen oder tatsächlich auch bekommen, aber in ihrem Leben so gut zurechtkommen und zufrieden sind, daß sie sich nicht behindert fühlen, weil sie sozusagen nicht behindert sind, trotz ihrer Einschränkungen. Wenn jemand z.B. eine ruhige Arbeitsstelle hat, wird er sich nicht durch Lärm oder Kollegen behindert fühlen, somit kommt seine Einschränkung gar nicht erst negativ zum Vorschein, weil er ein geeignetes Umfeld hat. So jemand wird sich nicht behindert nennen lassen wollen, weil er nichts davon "fühlt". Normalerweise wird die Diagnose ja auch nicht nach Schwere der Betroffenheit/Symptome, sondern nach Schwere der realen Beeinträchtigung im aktuellen Leben erteilt, d.h. wenn zwei Leute "gleich starke" Symptome von Autismus haben, kann es passieren, daß der eine nie bei einem Diagnostiker vorstellig wird, der andere aber schon. Bei körperlichen oder geistigen Behinderungen ist die Behinderung eben immer präsent und einschränkend, während das bei seelischen Behinderungen stark vom Umfeld und dem aktuellen Leben abhängt. Ich kann schon gut verstehen, daß z.B. ein erfolgreicher ITler, der mit seiner Familie im ruhigen Häuschen lebt, aufgrund seiner komischen Besonderheiten nicht als behindert tituliert werden möchte, da er keinen Leidensdruck verspürt, selbst wenn er die Aspergerdiagnose bekäme.

      Shenya wrote:

      In welchem Bereich denkst du
      Meinst du beruflich? Unter geeigneten Bedingungen könnte ich die meisten Berufe halbwegs vernünftig ausüben, aber ich meinte v.a. meine Fähigkeiten und Persönlichkeit, also keinen speziellen Bereich. Vieles ist mit Geld nicht zu messen. Wenn ich meine Stärken ausspielen kann, schaffe ich auch mehr als Normale, war z.B. in der Schule immer die beste und schnellste, auch wenn es viel Begabtere in jedem Fach gab. Wenn ich weiß, was ich wo tun muß, kann ich effizient darauf hinarbeiten. Aber im nicht-geschützten Umfeld gibt es keine Regeln, an die ich mich halten kann, um Erfolg zu haben. Also da strampele ich mich mit zig Ideen und Versuchen ab, die alle scheitern, weil es eben immer vom Wohlwollen anderer oder wenigstens dem erfolgreichen Umgang mit anderen abhängt. Wenn mir einer sagen würde: "Du mußt das Buch da auswendig lernen, dann kriegst du deinen Traumjob", würde ich es tun - und mit 95%iger Sicherheit schaffen - und wenn es 10 Jahre dauert. Aber so einfach ist es mit den Menschen leider nicht.

      Shenya wrote:

      Wenn tatsächlich ein Konflikt entsteht, belastet er mich auch stark und ich kann erstmal an nichts anderes denken
      Ob da Neurofeedback etwas bringen kann? Also das zu lernen "beiseitezuschieben"?

      Shenya wrote:

      Anerkennung und Identifikation - war das beruflich dann, oder schulisch?
      Meine Leistungen und meine "guten Taten" wurden anerkannt (Schule, Sport, Musik, Privates, Zeichnungen, Ehrenämter, usw...), ich identifizierte mich v.a. mit meinen Zielen und dem, was ich schon geschafft hatte. Somit machte es mir weniger aus, unbeliebt zu sein und manches nicht zu können/lernen (das konnte ich meist delegieren oder vermeiden). Beruflich...da reihte sich ein Mißerfolg an den nächsten.

      Shenya wrote:

      dass z.B. an den Schwierigkeiten, Arbeit zu finden und zu halten, nicht in erster Linie nur das Umfeld schuld ist, sondern dass die eigenen Probleme dazu führen können. Was aber keine Schande ist.
      ICH bin diejenige, die ständig angegriffen wird, nicht die anderen. Wenn es hieße: "Die ist behindert und findet allein nichts Geeignetes, und wir können ihr derzeit auch nichts Geeignetes anbieten, weil wir unsere Energie gerade auf Flüchtlinge/AlkoholikerXY lenken", wäre es auch nicht so wichtig, wessen mangelnde Anpassungsfähigkeit da nun "schuld" ist, aber so ist es nicht. Man geht quasi zum Amt wie ein Krimineller und was man leistet, ist nichts wert (Kindererziehung
      z.B.), und daß man nichts findet, ist eigene Schuld, und Planungssicherheit hat man auch nicht (fühlt sich an wie ein Damoklesschwert), eigene Impulse werden unterdrückt oder ausgebremst usw. Da ich das Kämpfen und Diskutieren leid bin, bin ich halt passiv-aggressiv geworden, d.h. ich tu vordergründig bemüht und versuche hintenrum etwas aufzubauen, das mir hilft. Da das meinem Asperger zuwiderläuft (ehrlich, offen, direkt zu sein), macht es mich krank, z.B. das Lügen/Verschweigen-müssen.

      Ja, ich war früher weniger empfindlich gegen Außenreize. Aber ich war auch noch nie Vollzeit "eingespannt". Ich kann selbstbestimmt spontan und fremdbestimmt geregelt sein, aber nicht fremdbestimmt spontan, jedenfalls nicht Vollzeit, sozusagen.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Biofeedback ist der Oberbegriff für peripheres Biofeedback und Neurofeedback. Beim peripheren Biofeedback wird mit dem autonomen Nervensystem trainiert und beim Neurofeedback mit dem zentralen Nervensystem (Gehirnwellen, EEG). Bio- und Neurofeedback sind wissenschaftlich anerkannte Verfahren, die von Ärzten, Heilpraktikern und weiteren Heilberufen begleitend in der Therapie angewendet wird. Übrigens nicht zu verwechseln mit Bioreseonanz, welches ganz und gar nichts mit den o.g. Verfahren zu tun hat. Wer sich darüber hinaus informieren möchte, kann dies auf der Webseite der Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e.V. tun, siehe www.dgbfb.de.
    • Chch wrote:

      Die Autisten, die ich kenne und die sich nicht behindert fühlen, sind auch nicht behindert. Sie meistern ihr Leben mit ihren Einschränkungen. Sie können also so gut wie alles machen, müssen es halt nur irgendwie ausgleichen. Wenn man so leben kann, fühlt man sich meiner Meinung nach zu Recht nicht behindert.
      Zumindest nach DSM V würden diese Leute womöglich keine Diagnose bekommen, denn da heißt es:

      "Symptoms together limit and impair everyday functioning"

      Das heißt, es kann nicht kompensiert werden (zumindest nicht ständig oder in allen Bereichen), sondern bestimmte Lebensbereiche sind tatsächlich beeinträchtigt.

      Ich glaube, im ICD-10 gibt es etwas ähnliches, aber ich weiß es gerade nicht sicher.

      Das ist auch das, was ich meinte, dass es nicht nur darauf ankommt, ob sich Leute nicht behindert fühlen (subjektiv), sondern darauf, ob sie tatsächlich nicht behindert sind (d.h. nach objektiver Betrachtung). "Sie können so gut wie alles machen" ist für mich tatsächlich keine Behinderung, rechtfertigt aber dann auch keine Diagnose. Und gehen Dinge doch nicht so wie bei anderen Menschen ("müssen es halt nur irgendwie ausgleichen"), dann ist da eben doch eine Behinderung. Ich denke, wenn man so eine Diagnose bekommt, dann kommt man aus der Nummer nicht raus, dass es auch Beeinträchtigungen geben muss, egal ob man dann subjektiv gut damit zurecht kommt oder nicht.

      Beispiel: ich kann auch 80 werden, ohne jemals eine feste Beziehung gehabt zu haben, und ich kann mich dadurch nicht beeinträchtigt fühlen, aber objektiv betrachtet ist es eben eine Beeinträchtigung.

      Die Krönung ist noch, wenn jemand einen Schwerbehindertenausweis hat und trotzdem fröhlich behauptet, keine Behinderung zu haben. Da würde ich doch an der Stelle den Ausweis direkt zurückgeben.

      Necroghoul7 wrote:

      Ob da Neurofeedback etwas bringen kann? Also das zu lernen "beiseitezuschieben"?
      Weiß ich nicht, habe keine Erfahrung dazu.

      berndh wrote:

      Biofeedback ist der Oberbegriff für peripheres Biofeedback und Neurofeedback. Beim peripheren Biofeedback wird mit dem autonomen Nervensystem trainiert und beim Neurofeedback mit dem zentralen Nervensystem (Gehirnwellen, EEG). Bio- und Neurofeedback sind wissenschaftlich anerkannte Verfahren, die von Ärzten, Heilpraktikern und weiteren Heilberufen begleitend in der Therapie angewendet wird. Übrigens nicht zu verwechseln mit Bioreseonanz, welches ganz und gar nichts mit den o.g. Verfahren zu tun hat.
      Danke für die Klarstellung. :thumbup:
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Das heißt, es kann nicht kompensiert werden (zumindest nicht ständig oder in allen Bereichen), sondern bestimmte Lebensbereiche sind tatsächlich beeinträchtigt
      Ich finde diese Bestimmung gerade bei seelischen Diagnosen teilweise sehr schwierig. Beispielsweise müßte bei mir geklärt werden, ob die durch meine Erwerbslosigkeit verminderte Teilnahme am sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen usw... Leben eher durch mein Asperger oder eher durch andere Faktoren verursacht wurde. Oder ob ich in Schule usw. gemobbt und gemieden wurde/war: wegen Asperger oder wegen meines Overachievements und des Altersunterschieds, und sich erst daraus die späteren sozialen Unsicherheiten ergaben. Ich habe aber keinen Zwilling ohne Diagnose. Also würde ich sagen, daß man erst eine Beeinträchtigung haben muß, dann eine mögliche Ursache sucht und dann erst die Diagnose als vermutliche Ursache für den GdB hernehmen kann und nicht "von hinten anfängt" und anhand der erfüllten Symptome eine Behinderung vermutet, obwohl das Leben super funktioniert und der Betroffene zufrieden ist.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Wenn das Leben super funktioniert und der Betroffene zufrieden ist, dann würde derjenige ja normalerweise nicht zum Arzt gehen.

      Ich glaube schon, dass es schwierig sein kann, die Probleme immer einer konkreten Ursache zuzuordnen, weil ja auch vieles sich gegenseitig beeinflusst. Aber wenn die Symptome einer Diagnose da sind, kann man die Diagnose stellen, und wenn es je wichtig ist, kann man dann im Lauf der Zeit immer noch genauer schauen, was woher kommt.

      Ich finde auch, dass wenn man sich die Symptomliste von AS anschaut, dann müssten diese Symptome eigentlich immer Beeinträchtigungen hervorrufen. Einfach weil man nicht folgenlos diese Symptome haben kann. Wie gesagt, objektive Beeinträchtigungen. Subjektiv kann man sich trotzdem immer noch (oder wieder, wenn man ein Tief überwunden hat) wohl fühlen.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Wenn das Leben super funktioniert und der Betroffene zufrieden ist, dann würde derjenige ja normalerweise nicht zum Arzt gehen.
      korrekt.

      Nur in Zeiten der Überforderung und Verzweiflung geht man zum Arzt.

      Und wenn es dann gute Hilfe gibt, können so manche dahin kommen, ein zufriedenes Leben zu führen.
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Shenya wrote:

      Wenn das Leben super funktioniert und der Betroffene zufrieden ist, dann würde derjenige ja normalerweise nicht zum Arzt gehen.

      Ich glaube schon, dass es schwierig sein kann, die Probleme immer einer konkreten Ursache zuzuordnen, weil ja auch vieles sich gegenseitig beeinflusst. Aber wenn die Symptome einer Diagnose da sind, kann man die Diagnose stellen, und wenn es je wichtig ist, kann man dann im Lauf der Zeit immer noch genauer schauen, was woher kommt.

      Ich finde auch, dass wenn man sich die Symptomliste von AS anschaut, dann müssten diese Symptome eigentlich immer Beeinträchtigungen hervorrufen. Einfach weil man nicht folgenlos diese Symptome haben kann. Wie gesagt, objektive Beeinträchtigungen. Subjektiv kann man sich trotzdem immer noch (oder wieder, wenn man ein Tief überwunden hat) wohl fühlen.
      Ja ich glaube das alles passend ist und man 100% keine Probleme hat wird mit AS nicht vorkommen.
      Aber ich denke es ist schon ein unterschiedliches Level an Befinden und Problemen möglich. Und die Diagnose hilft ja auch dabei etwas therapeutisches zu unternehmen damit es zumindest ein Stück weit besser wird.
      Zu AS ist in letzter Zeit viel geforscht worden, man begreift offenbar immer besser wo im Gehirn bei AS eigentlich welche Probleme liegen.
      Gerade mit Neurofeedback ist da ja doch ein Instrument dazu gekommen das ich als recht mächtig einschätze
      Eben weil man Autismus zumindest mittelbar im Gehirn sichtbar macht durch EEG und damit erstmals nicht komplett in der Blackbox agiert sondern etwas sichtbar und messbar verändert
      Und Lebensqualität ist eben auch ein entscheidender Faktor für denjenigen der AS hat. Und da sind eben Beeinträchtigungen. Deswegen tue ich mich ja auch so schwer mit "Neurodiversität" als Konzept.
      Für mich hört sich das beschönigend nach bunter Vielfalt an anstatt nach Menschen die darunter leiden
      Meine Befürchtung ist das sich die Gesellschaft dadurch dazu motiviert sieht weg zu sehen, kein Geld in Forschung für Behandlung und Heilung und Akuthilfe zu stecken.
      Weil es ist ja "Diversität", sowas wie Artenreichtum oder Multikulti und keine Behinderung mehr, nichts wo man investieren muss um zu helfen.
      Ich weiß bei mir nicht ob meine Probleme durch AS allein kommen, dafür würde ich sagen geht es mir eigentlich fast schon zu schlecht denn ich werde so wie es ist gar nichts im Leben erreichen können
      Das kann aber eigentlich nicht nur daran liegen denke ich.
      Keine Gefühle oder Interessen zu haben, auch für andere Menschen und sich einfach kalt zu fühlen und vor Unsicherheit nicht arbeiten zu können ist ja eigentlich nichts was nur durch AS kommt

      Ich habe noch eine Studie gefunden zu Neurofeedback. Dieses Mal auf englisch und veröffentlicht von einer vielleicht nicht 100% objektiven Quelle aber denke ich dennoch interessant
      mentetech.com/wp-content/uploa…705-Frontiers-article.pdf
    • @Ginkgo

      auch wenn die Frage nicht direkt an mich gerichtet ist; da ich auch Erfahrung mit Neurofeedback habe, nur eine kurze Anmerkung: Die Kostenübernahme ist relativ problemlos möglich (müsste auch bei gesetzlicihen Krankenkassen so sein). Man lässt sich vom Psychiater eine Verordnung für psychisch-funkionelle Behandlung geben (in der Regel 10 Einheiten) und löst diese bei einer Ergotherapiepraxis ein, die mit Neurofeedback arbeitet.
      Vorher sollte man checken, wie viel Geld die Ergopraxis verlangt und ob das über den Sätzen liegt, die die KK für psychisch-funkionelle Behandlung erstattet. Dann muss man ggf. etwas draufzahlen, ist aber nicht immer so. Abklären sollte man auch, ob die Ergopraxis für die Ananmnese extra Kosten erhebt und ob das von den KK getragen wird. Soweit ich weiß, ist das in irgendeinem Dokument der gesetzlichen Kassen geregelt, was bei psychisch-funktioneller Behandlung genau (auf den Cent genau) gezahlt wird.
      Die Diagnose auf der VO sollte sicherheitshalber nicht Asperger lauten, sondern z. B. Depressionen (falls man das auch hat). Denn soweit ich weiß, weigern sich ja die gesetzlcihen Kassen Asperger als Krankheit anzusehen, die einer Behandlung bedarf.
    • Ginkgo wrote:

      Etlam wrote:

      Ich habe Heute einen Termin bei einem Neurofeedbacktherapeuten bekommen
      Wie läuft das denn mit der Kostenübernahme oder musst du alles selbst zahlen? Ich finde das sehr interessant aber die Preise sind ja doch recht hoch :?
      Sorry erstmal das es so lange gedauert hat bis zu meiner Antwort

      Als Erstes mal muss ich nen Termin haben bevor mein Psychiater mir das verschreiben kann. Habe ich eine Verschreibung für diese Art der Ergotherapie (darunter läuft Neurofeedback) bekommen ist es wohl möglich das meine Krankenkasse das Ganze übernimmt.
      Insgesamt glaube ich aber auch das NFB die Sache mit Autismus und ADHS signifikant verbessern kann.
      Bisher die einzige Methode die direkt im Hirn funktioniert und damit die Ausprägung des Autismus reduziert.
      Je nach Studie so zwischen 15 (immerhin spürbar) und 40 (ganz massiv einschließlich dem neu erwerben von sozialen Fähigkeiten Prozent Veränderung der Hirnaktivität.
      Ich bin gespannt darauf was es mir bringt. Bisher hatte ich nie eine Therapie und schon das bisschen was ich selbst mache bringt mir ne gute Menge wenn ich ehrlich bin
    • Am 12.12 habe ich einen Termin bei meinem neuen Ergotherapeuten. Dann werden wir über die Möglichkeit von Neurofeedback für mich sprechen und hoffentlich kann es dann los gehen. Falls es jemanden interessiert dann würde ich hier von Zeit zu Zeit etwas darüber schreiben ob und wie NFB für mich funktioniert
    • Ok. Heute war mein erster Termin bei Dr Pfeifenberger in der Praxis
      Es wurde noch nicht viel gemacht, nur vorbesprochen wie es ablaufen wird und es wurden die Geräte einmal vorgezeigt und angetestet (Elektrodenband, Bildschirm ect.)
      Es wird Doppelstunden geben beim Training (also jeweils 2 mal eine halbe Stunde) und das möglichst 2 mal die Woche
      Geplant sind 20 Sitzungen
      Die Therapeutin die ich heute kennen lernen durfte war freundlich und hat viel nachgefragt über meine Beschwerden. Ich bin mal gespannt was die ersten Sitzungen für eine Erfahrung sein werden
      Nächste Woche habe ich den ersten "richtigen" Termin

      Hier noch einmal die Seite der Praxis damit jeder weiß auf wen sich meine zukünftigen Berichte beziehen

      ergo-pfeiffenberger.de/