Neurofeedback?

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    • Neurofeedback?

      Hallo

      Ich bin ein bisschen überrascht hier (ok es war auch auf die Schnelle) noch nichts über Neurofeedback gefunden zu haben
      So wie es aussieht schein es ja ziemlich Bewegung auf diesem Feld zu geben
      Unter Anderem "Mente" bringt nun Geräte für die Behandlung von Autismus heraus die die Wahrnehmungsverarbeitung verbessern und damit das "Problem" an sich verringern sollen
      aerztezeitung.de/medizin/krank…lft-kindern-autismus.html

      Was haltet ihr von Neurofeedback? Sinnvoll? Nicht Sinnvoll? Erfahrungen? Und wie effektiv kann so ein Neurofeedback tatsächlich sein?
      Gegeben der Tatsache das es direkt im Hirn eingreift und messbare Veränderungen bewirkt dürften die Potentiale ja erheblich sein, oder?

      mfg
      Etlam
    • Keine Erfahrung in dem Bereich, bin ich zu mindestens der Meinung.
      Also ich bin der Meinung, solange es einem hilft, warum nicht? Solange es nicht schädlich ist, kann man doch alles nutzen was einem angeboten wird.
      Und so verkehrt klingt das nun nicht.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • Chch wrote:

      Diese Therapie erinnert mich an die gut helfende Gehirnwellenmusik. Total unser Ding
      Ich habe da eben mal kurz reingehört. Das klingt für mich absolut schauderhaft und macht mir irgendwie aggressiv.
      ~ Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. ~
    • @DrCarsonBeckett
      Naja Angeboten wird es mir nicht, ich würde eher versuchen welches zu bekommen.
      Insbesondere die Tatsache das ich keine Freunde haben kann stört mich schon sehr in meinem Leben
      Zwar ist bei mir noch keine Diagnose gestellt aber das dauert immer Jahre bis man eine bekommt und es ist ehrlich gesagt bei mir die einzige Erklärung die irgendwie Sinn machen würde
      Würde ja auch zu meinem ADHS passen als "beliebte" Komorbidität

      @Chch
      Gehirnwellenmusik kenne ich nicht. Aber wenn du meinst das hilft dann würde ich mir das mal ansehen.
      Wie, also inwiefern hilft diese Musik denn?
      Dich stört wo dieser Artikel abgelegt wurde?

      Ich persönlich finde die Möglichkeit Hirnaktivität zu verändern einfach großartig und faszinierend. Da ist ne Menge drin denke ich.
      Insgesamt einfach
    • DrCarsonBeckett wrote:

      Hast du dich denn schon um einen Diagnosetermin bemüht?
      Von alleine löst sich das Problem nämlich nicht.
      Wenn du dafür offen und bereit bist, probiere es doch einfach aus.
      Kannst dann ja mal nen Feedback posten.
      Ja ich hab mich schon um nen Diagnosetermin bemüht. Aber ich habe noch keinen. Erst muss man ne ganze Menge an Unterlagen ausfüllen die einem zugeschickt werden
      Wenn mein Problem wirklich Autismus sein sollte dann würde ich natürlich Alles tun um das so weit wie möglich zu bekämpfen. Aber ich hoffe sehr das es vielleicht etwas Anderes ist
      Ich habe schon oft gehört das viele Autisten ihr Leben gar nicht so sehr als schlimm empfinden und gar nicht geheilt werden wollen würden wenn das ginge. Wenn ich auch einer bin dann gehöre ich zu dieser Gruppe auf jeden Fall nicht dazu

      Ich würde aber berichten wenn ich die Gelegenheit bekomme Neurofeedback auszuprobieren
    • Etlam wrote:

      Was haltet ihr von Neurofeedback? Sinnvoll? Nicht Sinnvoll? Erfahrungen? Und wie effektiv kann so ein Neurofeedback tatsächlich sein?
      Meine Tochter hat - leider auf private Rechnung, weshalb wir es nur eine Zeitlang machen konnten - Neurofeedback zur Behandlung ihres ADS und ihrer Rechenschwäche gemacht. Sie hat keine Aspergerdiagnose, aber ich weiß, daß in der Praxis auch Autisten waren, die u.a. Neurofeedback machten.

      Es hat ihr sehr geholfen, wobei ich es wichtig fand, daß sie ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Therapeutin hatte, die auch ergotherapeutische Übungen mit ihr machte und immer offen für Gespräche war.
      Interessant fand ich, daß die Wirkungen teilweise anders waren als erwartet:
      So gab es zwar kaum Effekte auf ihr Mathematikverständnis, aber ihre Konzentration verbesserte sich wie erhofft tatsächlich, und es traten Wirkungen auf, die wohl Nebeneffekte waren:
      Sie wurde z.B. motorisch viel geschickter und reaktionsschneller mit Bällen (mit Händen und Füßen), obwohl sie beim Neurofeedback reglos da saß. Die Veränderung war so rasch und so stark, daß es ursächlich wohl damit zusammenhing. Vorher rollte sozusagen ein Ball an ihr vorbei und sie griff oder trat zeitverzögert völlig daneben oder schaute plötzlich aufgeschreckt hinterher, und ein paar Monate später reagierte sie wie ein völlig normales Kind und traf bzw. fing auch noch.

      Ihre Persönlichkeit veränderte sich auch, aber das kann auch eine normale Reifung während des Wachstums sein, so daß ich nicht einschätzen kann, ob und welcher Anteil durch das Neurofeedback beeinflußt wurde. Gleichzeitig positiv und negativ war die Veränderung, daß sie sich ihrer Schwächen plötzlich bewußt wurde, vorher wußte sie sozusagen gar nicht, daß sie Defizite hatte und es störte sie auch nicht, war sozusagen ein Träumerle und lebte glücklich damit. Danach wurde sie ehrgeiziger, aber auch deprimierter, wobei sich noch andere Eigenschaften änderten (z.B. merkten wir, daß sie bei Filmen nicht nur die flimmernden Bilder toll fand und eher Fetzen der Zusammenhänge mitbekam, sondern hinterher erzählen und Fragen dazu stellen konnte).

      Ich weiß gar nicht, zu welchem Zweck Autisten Neurofeedback machen, auch wegen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen?

      "Gehirnwellenmusik" o.ä. war übrigens nicht dabei. Es gab zu den Spielen und Übungen teilweise Musik, die war wählbar, ebenso wie manche Grafikeffekte, meine Tochter durfte meist aussuchen, was ihre Motivation erhöhte.

      Zusammenfassend hat das Neurofeedback sich für uns trotz der hohen Kosten "gelohnt", auch wenn das Kernsymptom, nämlich die Dyskalkulie dadurch nicht weniger, sondern nur offensichtlicher wurde (indem die anderen Symptome sich besserten und das eben nicht).
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".

      The post was edited 1 time, last by Necroghoul7 ().

    • Etlam wrote:


      @Chch
      Gehirnwellenmusik kenne ich nicht. Aber wenn du meinst das hilft dann würde ich mir das mal ansehen.
      Wie, also inwiefern hilft diese Musik denn?
      Dich stört wo dieser Artikel abgelegt wurde?
      Mich bringen einige Stücke wieder in Einklang mit mir, und das Stück "Einschlaferzwingung" hilft mir sehr beim Einschlafen. Wenn ich Gehirnwellenmusik höre, habe ich das (angenehme) Gefühl, dass mein Gehirn sanft massiert wird.

      Die Ablage des Artikels stört mich, weil Autismus keine Krankheit ist, sondern einfach menschliche Vielfalt (Neurodiversität).

      @Leseratte : ich kann auch nicht alle Stücke ertragen :lol: Ich habe mir vor vielen Jahren mal alles heruntergeladen und mag ungefähr die Hälfte.
      Ich bin ne Ulknudel... aber ich kann auch ernst ^^
    • Necroghoul7 wrote:

      Etlam wrote:

      Was haltet ihr von Neurofeedback? Sinnvoll? Nicht Sinnvoll? Erfahrungen? Und wie effektiv kann so ein Neurofeedback tatsächlich sein?
      Meine Tochter hat - leider auf private Rechnung, weshalb wir es nur eine Zeitlang machen konnten - Neurofeedback zur Behandlung ihres ADS und ihrer Rechenschwäche gemacht. Sie hat keine Aspergerdiagnose, aber ich weiß, daß in der Praxis auch Autisten waren, die u.a. Neurofeedback machten.
      Es hat ihr sehr geholfen, wobei ich es wichtig fand, daß sie ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Therapeutin hatte, die auch ergotherapeutische Übungen mit ihr machte und immer offen für Gespräche war.
      Interessant fand ich, daß die Wirkungen teilweise anders waren als erwartet:
      So gab es zwar kaum Effekte auf ihr Mathematikverständnis, aber ihre Konzentration verbesserte sich wie erhofft tatsächlich, und es traten Wirkungen auf, die wohl Nebeneffekte waren:
      Sie wurde z.B. motorisch viel geschickter und reaktionsschneller mit Bällen (mit Händen und Füßen), obwohl sie beim Neurofeedback reglos da saß. Die Veränderung war so rasch und so stark, daß es ursächlich wohl damit zusammenhing. Vorher rollte sozusagen ein Ball an ihr vorbei und sie griff oder trat zeitverzögert völlig daneben oder schaute plötzlich aufgeschreckt hinterher, und ein paar Monate später reagierte sie wie ein völlig normales Kind und traf bzw. fing auch noch.

      Ihre Persönlichkeit veränderte sich auch, aber das kann auch eine normale Reifung während des Wachstums sein, so daß ich nicht einschätzen kann, ob und welcher Anteil durch das Neurofeedback beeinflußt wurde. Gleichzeitig positiv und negativ war die Veränderung, daß sie sich ihrer Schwächen plötzlich bewußt wurde, vorher wußte sie sozusagen gar nicht, daß sie Defizite hatte und es störte sie auch nicht, war sozusagen ein Träumerle und lebte glücklich damit. Danach wurde sie ehrgeiziger, aber auch deprimierter, wobei sich noch andere Eigenschaften änderten (z.B. merkten wir, daß sie bei Filmen nicht nur die flimmernden Bilder toll fand und eher Fetzen der Zusammenhänge mitbekam, sondern hinterher erzählen und Fragen dazu stellen konnte).

      Ich weiß gar nicht, zu welchem Zweck Autisten Neurofeedback machen, auch wegen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen?

      "Gehirnwellenmusik" o.ä. war übrigens nicht dabei. Es gab zu den Spielen und Übungen teilweise Musik, die war wählbar, ebenso wie manche Grafikeffekte, meine Tochter durfte meist aussuchen, was ihre Motivation erhöhte.

      Zusammenfassend hat das Neurofeedback sich für uns trotz der hohen Kosten "gelohnt", auch wenn das Kernsymptom, nämlich die Dyskalkulie dadurch nicht weniger, sondern nur offensichtlicher wurde (indem die anderen Symptome sich besserten und das eben nicht).

      Oh also die Kernsymptome von Autismus werden dadurch reduziert das die Wahrnehmungsverarbeitung sich verbessert. Und es ist so das die Hirnaktivität sich dauerhaft durch Neurofeedback verändert.
      Soziale Angst und Kommunikationsprobleme werden dadurch angeblich teilweise signifikant reduziert

      zaronews.world/wirtschaft/news…lft-kindern-mit-autismus/


      Schade das ihr das aber komplett selbst bezahlen musstet
      Und Danke natürlich für den Post und die Info. Ermutigt mich es auch zu versuchen wenn ich die Chance dazu bekomme





      Chch wrote:

      Etlam wrote:

      @Chch
      Gehirnwellenmusik kenne ich nicht. Aber wenn du meinst das hilft dann würde ich mir das mal ansehen.
      Wie, also inwiefern hilft diese Musik denn?
      Dich stört wo dieser Artikel abgelegt wurde?
      Mich bringen einige Stücke wieder in Einklang mit mir, und das Stück "Einschlaferzwingung" hilft mir sehr beim Einschlafen. Wenn ich Gehirnwellenmusik höre, habe ich das (angenehme) Gefühl, dass mein Gehirn sanft massiert wird.
      Die Ablage des Artikels stört mich, weil Autismus keine Krankheit ist, sondern einfach menschliche Vielfalt (Neurodiversität).

      @Leseratte : ich kann auch nicht alle Stücke ertragen :lol: Ich habe mir vor vielen Jahren mal alles heruntergeladen und mag ungefähr die Hälfte.
      Oh ja da würde ich gegen sprechen. Autismus ist meiner Meinung nach sehr wohl eine Krankheit.
      Und so sehr ich auch verstehen kann wenn man mit dem Konzept der Neurodiversität aus der Schmuddelecke raus zu kommen versucht ist das finde ich auch etwas gefährlich
      Schon heute ist es schwer ne Therapie zu finden. Wenn Autismus nicht mehr als krank gilt wird die Gesellschaft und die Forschung noch defensiver sein und noch weniger Hilfsangebote machen
      Für mich ist das ein bisschen eine Verharmlosung
      Wenn Leute sehr darunter leiden hat es auf jeden Fall krankheitswert

      Wo kann man sich diese Musik eigentlich runter laden bzw was soll diese Musik im Endergebnis bewirken?
      Ich habe nur den Link von der Seite hier gesehen und der ist ja leider sehr kostspielig und es steht nicht mal geschrieben auf was diese Musik abzielt

      The post was edited 2 times, last by Etlam ().

    • Etlam wrote:

      Soziale Angst und Kommunikationsprobleme werden dadurch angeblich teilweise signifikant reduziert
      Danke für die Info. Bei meiner Tochter gibt es solche Probleme nicht, weshalb das Neurofeedback auf andere Ziele ausgerichtet war.

      Etlam wrote:

      wenn man mit dem Konzept der Neurodiversität aus der Schmuddelecke raus zu kommen
      Ich verstehe das Konzept nicht so, daß damit eine Behinderung kleingeredet/verharmlost werden soll, sondern eher so, daß es sich um eine derzeit nicht ursächlich therapierbare Anomalie handelt, die aber auch evolutionäre Vorteile mit sich bringen kann. Und daß die Behinderung im Gegensatz zu vielen anderen Behinderungen erst durch die anderen entsteht und man sich allein völlig normal/funktional fühlt und es für die eigenen Bedürfnisse auch meist ist. Anders gesagt, jemand im Rollstuhl steht nicht plötzlich auf und schlägt Saltos, wenn er allein oder unter guten Freunden ist, aber ich mit meinem Asperger fühle mich plötzlich völlig unbehindert, wenn ich allein oder unter passenden Leuten bin.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Necroghoul7 wrote:

      Und daß die Behinderung im Gegensatz zu vielen anderen Behinderungen erst durch die anderen entsteht und man sich allein völlig normal/funktional fühlt und es für die eigenen Bedürfnisse auch meist ist.
      Aber ist das denn wirklich so? Du beschreibst doch auch viele Schwierigkeiten, die auftreten, wenn du allein bist...
      Ich persönlich sehe es auch so, dass die Schwierigkeiten genauso da sind, wenn ich allein bin. Schwierigkeiten, die Dinge zu tun, die ich tun möchte.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Shenya wrote:

      Du beschreibst doch auch viele Schwierigkeiten, die auftreten, wenn du allein bist...
      Ja, seitdem mir Leute zigtausendmal vermittelt haben, daß mein Sosein nicht funktional, nicht normal, nicht angemessen ist und mir auch oft genug entsprechende Nachteile bereitet haben - und seit Längerem bin ich auch nicht mehr allein, fast nie. Als Kind, Jugendliche, sogar als junge Erwachsene hatte ich weniger Schwierigkeiten und mehr Erfolge als die meisten Gleichaltrigen, abgesehen vom Sozialen, was mich damals aber auch nicht störte, da ich immer Bezugspersonen hatte und mir die auch ausreichten. Nur das Mobbing verletzte mich, aber das tut es bekanntermaßen auch mit nicht-Aspergern.
      Die Hauptschwierigkeit, die immer da war und immer noch da ist, auch wenn ich allein bin, ist meine gefühlte Einsamkeit - daran wird auch Neurofeedback nichts ändern. Ich kann mir schwer vorstellen, daß ich Neurofeedback mache, dann normal werde und dann plötzlich auch Sex toll wird. Und: Selbst wenn ich besser mit den Leuten kommunizieren würde, würde ich nicht mehr von ihnen halten und sie nicht mehr von mir. ;)
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Etlam wrote:

      Konzept der Neurodiversität aus der Schmuddelecke raus zu kommen versucht ist das finde ich auch etwas gefährlich
      Das bedeuetet ja nicht, dass es nicht krankhafte Züge darin zu finden gibt.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Necroghoul7 wrote:

      Ja, seitdem mir Leute zigtausendmal vermittelt haben, daß mein Sosein nicht funktional, nicht normal, nicht angemessen ist und mir auch oft genug entsprechende Nachteile bereitet haben - und seit Längerem bin ich auch nicht mehr allein, fast nie.
      Was ich meinte, waren z.B. die Schwierigkeiten, Dinge zu planen und durchzuführen im Haushalt, aber auch außerhalb vom Haushalt.

      Bei mir empfinde ich es so, dass ich viele Dinge nicht machen kann, die ich gerne machen würde, z.B. Urlaubsreisen, manchmal ist der Möbelkauf schwierig, weil ich mit der Situation da nicht zurechtkomme, Freundschaften kommen nicht zustande, obwohl ich es gerne so hätte und vieles andere, wo andere überhaupt nichts dafür können, was allein an mir liegt. Gestern war ich emotional ganz durch den Wind, weil ich ein neues Sofa bekommen habe und es anders als das alte war. Ich konnte mich noch gar nicht darüber freuen, weil ich im Moment nur das Gefühl habe, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wegen meinem Autismus habe ich auch schon mal viel Geld verloren, weil ich eine Wohnung gekauft habe und dann nicht darin wohnen konnte, weil sie zu hellhörig war und ich mit den Nachbarn nicht reden konnte, die Gartenpflege nicht auf die Reihe bekam, und sie nach 10 Monaten wieder verkaufen musste. Damals habe ich 10 Monate geheult und brauchte Jahre, um mich zu erholen. Sowas will ich nie wieder. Dass ich schon mit 46 nur noch 3 Tage in der Woche arbeiten kann, liegt auch nicht an den anderen.

      Deshalb ist es ne Behinderung und kein feature.
      Dass man in manchen Bereichen gut ist, macht das nicht wett, denn es gibt genug Leute, die da auch gut sind, ohne die Behinderung zu haben. Natürlich kann man trotzdem auf Fähigkeiten stolz sein, aber mehr noch auf Dinge, die man trotz allem geschafft hat.

      Autistic Pride bedeutet für mich: Selbstbewusstsein trotz Behinderung.
      Es bedeutet nicht, die Behinderung zu verleugnen. Das hat was von "ich steck den Kopf in den Sand, weil ich das nicht sehen will" oder "die anderen sind an allem schuld". Das finde ich wirklich zu kurz gedacht und auch nicht hilfreich. Nur wenn man seine Schwierigkeiten sieht, kann man ja auch daran arbeiten oder sich helfen lassen. Es ist auch nützlich, seine Stärken zu kennen, aber eben nicht nur.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Um noch was zum Thema zu sagen (sorry für das lange Abschweifen im vorigen Beitrag):

      Neurofeedback ist doch das, wo Gehirnströme gemessen werden und man dann lernen soll, diese zu beeinflussen, oder? Ich verwechsle das immer mit dem Biofeedback, aber das ist glaub ich was anderes und eher esoterisch.

      Jedenfalls haben in der SHG, wo ich mal war, mehrere Leute Neurofeedback gemacht und fanden es gut, ich glaube, um die Konzentration zu verbessern. Sie haben es in der Ergotherapie gemacht.
      Alles wird galaktisch gut.
    • @Shenya
      Ich schätze es so ein, daß meine Stärken und Schwächen sich "funktionstechnisch" die Waage halten, so daß meine Gesamtfunktionalität sehr stark vom Umfeld abhängt.

      Shenya wrote:

      Dass ich schon mit 46 nur noch 3 Tage in der Woche arbeiten kann, liegt auch nicht an den anderen.
      Ja, geringere emotionale Belastbarkeit/leichtere Irritierbarkeit sind natürlich "Pech", aber was wiederum an den anderen liegt, ist die Tatsache, daß ich z.B. locker mit drei Tagen Arbeit die Woche auskäme, wenn es Pflege- oder Erziehungsgehalt gäbe, da ich den Staatskassen ja auch viel Geld für Pflegeheime und Betreuungskosten gespart und viel ehrenamtlich und privat zur Gesellschaft beigetragen habe. Oder wenn geeignete Teilzeitarbeitsplätze vorrangig an Leute vergeben würde, die nicht Vollzeit arbeiten können. Was ich damit sagen will, ich bin gar nicht so sicher, ob ich ohne Asperger jetzt soviel besser dastehen würde. Klar, ich könnte mich besser verkaufen, wäre auch seltener betrogen/ausgenutzt worden und würde weniger Energie für den Alltag benötigen, aber es wäre durchaus möglich, daß ich mit meinem Lebenslauf trotzdem zum Amt müßte und wegen meiner Hochsensibilität leichter dadurch aus der Bahn geworfen würde. Viele HartzIVer werden schließlich auch ganz ohne Aspergerdiagnose langfristig depressiv, ausgegrenzt oder leiden an Sinnkrisen oder Selbstwerteinbrüchen und Verlust ihrer Hobbys, Freundschaften oder kriegen nicht aus eigener Kraft den Wiedereinstieg gebacken, weil der Lebenslauf und die aktuellen Bedingungen es erschweren...

      Shenya wrote:

      Dass man in manchen Bereichen gut ist, macht das nicht wett, denn es gibt genug Leute, die da auch gut sind, ohne die Behinderung zu haben
      Das stimmt natürlich, mein Vater war das beste Beispiel, aber ich habe mich jetzt eher mit dem Bevölkerungsdurchschnitt verglichen. Das einzige, was die mir, wenn man plus und minus aufrechnet, wirklich voraus haben, sind ihre sozialen Fertigkeiten, die ich teilweise menschlich gar nicht gut finde, also vielleicht nicht mal ganz nachahmen würde, wenn ich es besser könnte.

      Shenya wrote:

      Bei mir empfinde ich es so, dass ich viele Dinge nicht machen kann, die ich gerne machen würde, z.B. Urlaubsreisen, manchmal ist der Möbelkauf schwierig, weil ich mit der Situation da nicht zurechtkomme, Freundschaften kommen nicht zustande, obwohl ich es gerne so hätte
      OK, das Urlaubsproblem ist mir nicht so wichtig, da ist der limitierende Faktor eher das Finanzielle als die Diagnose. Möbelkäufe und häusliche Dinge fallen mir erst schwer, seitdem ich noch Verantwortung für andere trage und für andere mitdenken muß, ansonsten liegt das Hauptproblem darin, daß ich zu naiv bin. Daß ich eingeschränkt bin, was z.B. Läden/Situationen angeht, die mich stressen, merke ich weniger. Das mit den Freundschaften ist ein sehr wesentlicher Punkt, mit dem du Recht hast, da mir dadurch ein stützendes Umfeld fehlt. Aber ohne Asperger hätte ich ja immer noch die Erwerbslosigkeit, meine oftmals nicht "gesellschaftstauglichen" Einstellungen sowie meine Nekrophilie, die alle nicht förderlich wirken. Was ich derzeit an mir am meisten als "Behinderung" erlebe, sind die Anforderungen von außen, die ich weder hilfreich noch sinnvoll finde. Ich meine, wenn man mir eine passende kleine Teilzeitstelle gäbe und mich nicht stressen würde und etwas mehr gesellschaftliche Achtung anstatt Verachtung für Leute wie mich existieren würde, würde ich den Alltagskram auch hinkriegen. Vielleicht nicht so perfekt wie Normalos, aber gut genug, um mich nicht eingeschränkt zu fühlen. Dann hätte ich z.B. den Kopf auch frei, um mich um meine Familie und meine Angelegenheiten zu kümmern, ich bräuchte höchstens noch jemanden, der mich etwas schützt, also vor Betrug, Grenzüberschreitungen und Ämterstreß.

      Ich will meine Diagnose jetzt nicht kleinreden, ich bin SEHR anders als normale Menschen, aber ich empfinde mich, so wie ich bin, nur in diesem so völlig unpassenden, eher hemmenden als förderlichen Umfeld als problembehaftet, unter anderen Bedingungen würde ich sicher bessere Leistungen bringen als der Durchschnitt und habe das ja lange auch. Wäre ich grundsätzlich mehr behindert als befähigt, hätte ich doch nicht Abi, Studium, Familie usw. hingekriegt, was viele Normalos schließlich nicht packen, obwohl sie keine Aspergerprobleme und dafür oft mehr Unterstützung haben.

      Klar ist es nicht das Problem oder die Schuld anderer, daß ich weitgehend allein dastehe. Aber es die Summe aus DEREN Einzelentscheidungen der Ausgrenzung oder Benachteiligung oder sogar des Mobbings, die mich da stehen läßt, wo ich jetzt bin.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Shenya wrote:

      Ich verwechsle das immer mit dem Biofeedback, aber das ist glaub ich was anderes und eher esoterisch
      Ich dachte, Neurofeedback sei eine Spezialform des Biofeedbacks, und esoterisch finde ich es nicht, bloß weil nicht alle Zusammenhänge genau erforscht sind (z.B. wieso meine Tochter davon plötzlich soviel geschickter wurde).
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Ich meinte, dass Neurofeedback seriös ist, aber Biofeedback eher esoterisch.
      Bei Neurofeedback ist ja alles erforscht und messbar. Vielleicht ist das, was ich als esoterisch in Erinnerung habe, aber auch nochmal etwas ganz anderes. Jedenfalls gibt es etwas, was Heilpraktiker machen, was eher unseriös ist.
      Neurofeedback machen, soviel ich weiß, nicht die Heilpraktiker, sondern die Ergotherapeuten.

      Achja, es gibt etwas, was Bioresonanz heißt, vielleicht ist es das, was die Heilpraktiker machen.
      Alles wird galaktisch gut.