Mein Tagebuch - Dennis82HH

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Mein Tagebuch - Dennis82HH

      Hallo,

      ich bin gerade über RegenbogenWuslis Tagebuch gestoßen und fand die Idee eigentlich sehr ansprechend. Ich bin nie ein Freund von Tagebüchern gewesen, ich fand es immer albern eine art fiktives Selbstgespräch zu führen. "Liebes Tagebuch...". Allerdings habe ich gemerkt, dass ich sehr gerne in dieses Forum komme, um einfach nur meine Gedanken in Schriftliche Form zu bringen. Das aufschreiben und Ordnen der Gedanken hilft mir doch sehr oft, besonders in Situationen, wo ich überlastet bin. Aber es bringt mir irgendwie nichts, es einfach nur ins "nichts" zu schreiben. Es muss schon real sein, für andere lesbar. Ich hatte mal versucht, einfach nur einen vergleichbaren Text auf dem PC zu schreiben. Aber wenn dieser einfach nur dort liegt, fühlt er sich Sinnlos an, und auch beim schreiben fühlt es sich unecht an. Das Gefühl, dass andere es lesen könnten, die sogar den Inhalt verstehen, ist mir doch wichtig. Auch wenn ich keine Antworten oder Diskussionen damit bewirken möchte. Es ist nur einfach der richtige Ort hier, um meine Gedanken auszusprechen, egal ob es dann tatsächlich jemand liest, oder nicht. Dabei schreibe ich hier ja auch sehr oft, sehr lange beiträge, und gehe garnicht davon aus, dass jemand das alles liest oder darauf antwortet. Ich merke eben nur, dass mich das Schreiben hier im Forum sehr oft etwas entlastet, weil ich nur hier über gewissen Themen sprechen kann, und auch auf ungezwungene Weise.

      ---------

      Heute habe ich mit meiner Freundin recht viel erledigt. Eigentlich ist sie nun meine Frau, nicht mehr Freundin. Aber es fällt mir unglaublich schwer, mich daran zu gewöhnen. Nicht, dass sie meine Frau ist, sondern sie nun "meine Frau" zu nennen. NAch etlichen Beziehungen und Jahren mit "Freundinnen" ist das doch sehr ungewohnt.
      Wir haben vor 3 Wochen geheiratet, und waren dann eine Woche in den Flitterwochen. Danach haben wir uns eine Woche nur noch erholt, was ich auch dringend nötig hatte. 2 Wochenlang permanent unter Menschen, da habe ich es wirklich gebraucht, in ein Zimmer zu gehen, die Tür zu schließen, und alleine zu sein.
      Am Samstag sind die Kollegen meiner Frau eingeladen, darum sind wir nun wieder dabei, die Wohnung etwas herzurichten, aufzuräumen, Getränken zu kaufen usw. Ich habe heute die restlichen Getränkekisten von der Hochzeitsfeier in den Keller gebracht, die vollen Getränke in den Kühlschrank und habe danach meiner Frau etwas geholfen, Erinnerungsposter an unsere Flitterwochen zu basteln. Im Grunde ganz viele kleine Sachen, die in einem großen Bilderrahmen sind. Dann habe ich das Abendessen gemacht, und das war es im Grunde auch. Trotzdem war ich völlig erschöpft, sowohl körperlich als auch geistig. Gestern haben wir auch kleine Glasboxen mit Erinnerungsstücken an die Hochzeit gebastelt. Diese mussten dann an die Wand gebohrt werden. Bohren macht mich völlig nervös. Es ist laut und unangenehm, und ich habe immer das Gefühl, irgendwas falsch zu machen. Ich habe alles ausgemessen, angezeichnet, und dann die 8 Löcher gebohrt. Auch danach war ich ziemlich im Eimer. Und das habe ich auch heute noch gespührt.

      Ich verbringe dann noch viel Zeit mit meiner Frau zusammen. Wir haben nur zusammen Fernsehen geschaut. Aber ich fahre dabei nicht richtig runter. Ich muss richtig alleine sein. Doch dafür hat sich nicht die Gelegenheit ergeben. Zwischen den Bilderrahmen, den Getränkeboxen und dem Abendessen war nie genug zeit, um sich zurück zu ziehen. Und danach haben wir noch Fernsehen geschaut. Eigentlich geht meine Frau immer um 22 Uhr schlafen, und ich gehe danach noch an den PC. Diese Zeit brauche ich, um runter zu kommen. Doch wir waren diesmal bis um 0 Uhr vorm Fernseher, und ich habe gemerkt, dass ich eigentlich nur alleine sein will. Aber sie hat sich auch so über meine Gesellschaft gefreut.

      Nun müssen wir morgen wieder recht früh raus und dann geht es weiter mit erledigungen und vorbereiten für Samstag. Ich habe daher das Gefühl, mir fehlt die Zeit. Ich habe nun eine Stunde gehabt, um noch etwas am PC zu spielen. Doch 1 Stunde reicht nicht wirklich, um mit irgendwas anzufangen und zu entspannen. Ich fühle mich extrem unter Zeitdruck, und habe auch das gefühl, dass mir morgen und übermorgen keine Zeit zum Erholen bleiben wird. Und dieser Gedanke stresst mich jetzt schon.
      Es wird sicherlich mal hier und da eine Stunde übrig sein. Aber das reicht mir nie, um wirklich runter zu kommen. Ich brauche meist einige Stunden, am besten alleine. Doch das wird einfach nicht möglich sein, und das macht mich jetzt schon verrückt. Ich habe das Gefühl, ich muss jetzt in der Zeit ganz schnell und viel Entspannen, um Kraft für die nächsten 2 Tage zu haben. Aber eigentlich will ich nur, dass es schon vorbei ist, und es Sonntag ist.

      Das Gefühl verfolgt mich aber immer. Ich habe immer das Gefühl, mir läuft die Zeit davon, und dass die Zeit zum ausruhen niemals reicht. Es kommt mir immer so vor, als bräuchte ich 2 Stunden ausruhen pro 1 Stunde Leistung. Und das ist unerträglich, besonders da meine Frau dort ganz anders ist. Die macht weiter und weiter, sie steht morgens um 5 Uhr auf und schafft 10 mal so viel wie ich. Ich weiß nicht, wie das funktioniert. Ich schaffe nur einen Bruchteil von dem, was sie macht, und falle schon fast in Depressionen aufgrund der Überforderung und Anspannung. Ich merke auch richtig, wie ich aggressiv und gereizt werde. Als würde mich jemand in die Enge treiben.

      Ich werde morgen mal sehen, wie ich mich da fühle, und am Samstag. Vielleicht kann ich ja doch etwas Zeit einräumen. Aber jede Zeit, die ich mir nehme, bedeutet mehr Arbeit für meine Frau, oder mehr Arbeit für mich später. Daher kann ich keine Entspannungszeit auch wirklich entspannt nutzen, da es sich immer wie geborgte Zeit anfühlt, nicht wie eine verdiente Pause.

      Ich habe auch die letzten Tage wieder etwas angefangen, zu programmieren. Die eine Woche nach unseren Flitterwochen habe ich nur am PC verbracht und gespielt und Entspannt. Und das hat mir richtig gut getan, ich habe wieder Farbe im Gesicht, und kann mich auch wieder konzentrieren und wurde kreativ. Da habe ich auch wieder angefangen, zu programmieren. Da ich Physik und Astronomie sehr gerne mag, und mich in den letzten Jahren etwas mit 3D beschäftigt habe, wurde es auch ein Dreidimensionaler Gravitationssimulator, mit welchem ich das Sonnensystem simulieren kann. Dazu habe ich noch einige weitere Dinge programmiert. Mir macht das auch wirklich spaß, und ich habe auch ein gewisses Talent dazu. Ich kann das auch wirklich stundenlang machen ohne Pause. Aber was ich an Talent habe, das fehlt mir an Leistungsvermögen. Ich habe schon immer ein Talent für Mathematik und Physik gehabt, aber mir fehlt die Leistungskraft, um damit irgendwas Sinnvolles anzufangen. Trotzdem versuche ich es schon mein Lebenlang, aber ohne erfolg. Die Leistung bleibt einfach nicht da. Selbst wenn ich sie mal habe, dann brennt sie extrem schnell aus. Meine Leistung ist schwach und unregelmässig. Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.

      Ich bin Webprogrammierer, doch genau da ist durchgehende Leistung erforderlich. Man kann nicht mit 50% programmieren. Dann klappt es schlichtweg nicht, oder es sind Fehler drin. Es gibt auch nicht wirklich routineaufgaben. Eigentlich muss ich auf der Arbeit mindestens 100% geben, sonst funktioniert es nicht. Aber eigentlich schwankt es eher zwischen 100-200%. Das halte ich 3-4 Stunden durch, und dann bin ich kaputt, will nur noch nach Hause. Und Zuhause will ich dann auch nicht mehr weg, ich brauche dann meist Tage, bis ich wieder aufgeladen bin. Teilweise hat mein Chef dafür verständnis gehabt, teilweise aber auch nicht. Ich bin nun seit einem Jahr Krank gemeldet, da es an irgend einem Punkt dann garnicht mehr ging.

      Ich habe aber keine Ahnung, wie meine Zukunft aussehen wird. Ich würde so vieles gerne machen, ich habe immer davon geträumt, Physik und Astrophysik zu studieren. Aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich zwar das Talent dafür besitze, aber bei weitem nicht die nötige Leistungskraft besitze. Weder um mein Abitur zu beenden, oder um ein Studium zu beginnen. Ich kann nur kurz einmal sehr viel Leistung bringen. Ich brenne einmal in kurzer Zeit komplett aus, und brauche dann doppelt so lange zum erholen. Es ist eine komplett zerstörerische Leistungsfähigkeit. Aber ich habe niemals einen Weg gefunden, damit umzugehen oder es zu verbessern. Meine Taktik bisher war "Augen zu und durch". Man muss sich doch daran gewöhnen können nach 13 Jahren. Aber es klappt nicht. Es ist genau wie vor 13 Jahren, oder vor 26 Jahren.

      Ich stelle mir oft die Frage: "Bin ich ein guter Programmierer?" Manchmal sage ich Ja, denn ich kann sehr oft ziemlich um die Ecke denken, finde für alles Lösungen und kann gut improvisieren. MAnchmal sage ich Nein, denn ich kann keine Leistung bringen, ich kann Projekte beginnen, aber nie abschließen. Ich kann improvisieren, aber mir hat immer das Durchhaltevermögen gefehlt, um Gute durchdachte und Fehlerfreie Arbeit abzuliefern.
      Und das Gefühl habe ich nicht nur beim Programmieren, sondern in allen Bereichen. Ich habe Stärken, ganz sicher sogar. Aber mir fehlt sauberes Arbeiten, Durchhaltevermögen, Disziplin, Sorgfalt, Struktur. Aber alle Versuche, mir diese Fähigkeiten anzueignen, sind furchtbar Fehlgeschlagen. Ich habe aber immer gemerkt, wie meine Mitmenschen darin immer besser wurden mit dem Alter. Selbst die chaotischten Freunde.

      Da ich momentan Krank gemeldet bin, und die Zukunft sehr ungewiss, und ich meinen Diagnosetermin erst im Januar 2019 habe, beschäftigt mich dieses Thema sehr stark. Ich sehe momentan nicht, wo ich im Leben meinen Platz finden werde. Die Talente die ich habe, sind leider oftmals sehr sinnlos, ohne die Fähigkeiten, die ich nicht habe (Leistungsfähigkeit, Sorgfalt, Struktur).

      Jetzt habe ich meine "freie Stunde" im Grund nur mit Gedanken verbracht, und ich fühle mich jetzt schon gestresst, weil ich mich nicht erholt habe. Morgen und Übermorgen wird dann noch stressig. Danach der Sonntag, und ab Montag geht auch meine Frau wieder zur Arbeit. Und ich werde noch nicht wissen, wie es dann weiter geht mit mir. Und ich werde das Gefühl haben, eine Last zu sein und dass ich das irgendwie ausgleichen muss. Meine Freundin geht als einzige Arbeiten, mein Geld reicht nichtmal zum leben und wir haben wirklich Geldprobleme mittlerweile, und ich kann nichts dagegen tun. Und ich bin schon überfordert davon, dass ich Einkaufen gehen muss und für das Abendessen zuständig bin. Etwas, was andere völlig nebenbei machen, ist für mich schon ein Tagesprojekt. Ich werde sicherlich am Montag auch etwas am Pc verbringen und Zeit haben. Aber diese Zeit wird sich falsch anfühlen und geklaut, als hätte ich etwas besseres anstellen müssen in der Zeit.
    • Neu

      Die Zwei Tage vorbereiten waren auch wirklich so stressig, wie ich sie mir vorgestellt habe. Am Freitag haben wir noch aufgeräumt und geputzt. was auch den ganzen Tag ging. Am Samstag haben wir dann auch noch bis 18 uhr alles vorbereitet und Getränke gekauft. Danach waren dann die Kollegen meiner Frau da und wir waren etwas Essen und danach bei uns zuhause bis etwa 23 Uhr.
      Danach war ich dann auch völlig geschafft. Es fällt mir unglaublich schwer, Tagelang durchzuhalten mit einer Tätigkeit, wie z.B. dem Aufräumen oder Putzen. Ich habe gemerkt, dass ich keine Kraft mehr in den Armen und Beinen hatte, als hätte ich eine Woche lang Sport gemacht. Dabei war nun garnichts so anstrengendes dabei, trotzdem ist sowohl mein Körper als auch mein Geist am absolutem Limit. Ich kann nichtmal sagen, ob das erst in den letzten Jahren so war, oder schon immer.

      Heute haben wir dann garnichts gemacht, ich habe auch bis um 15 Uhr geschlafen. Das Problem ist, dass ich wirklich lange schlafe, wenn man mich nicht weckt. Teilweise kann ich 9-12 Stunden schlafen, wenn ich keinen Wecker stelle. Wenn ich weniger als 8 Stunden schlafe bin ich auch ziemlich gereizt und müde. Aber ich habe es heute trotzdem nicht geschafft, mal am PC etwas zu spielen oder zu entspannen. Irgendwie reicht die Zeit immer nicht. Zuerst habe ich Frühstück gemacht, dann mit meiner Frau noch Fernsehen geschaut, dann Abendessen gemacht und die Katzen gefüttert. Zwischen allem war zu wenig Zeit, um mal am PC etwas runter zu kommen. Es bringt mir irgendwie nichts, wenn ich am PC sitze und weiß, dass ich nur 1 Stunde habe, dann bin ich eher noch angespannter. Es ist aber wirklich schwierig, seit wir zusammenleben, wirklich längere Zeit zum Entspannen zu finden. Früher habe ich mich teilweise Tagelang nicht aus den Haus begeben, und von morgens bis abends war ich nur alleine. Das habe ich oftmals wirklich gebraucht, ganz ohne Plan, ohne Zeitdruck, ohne Termine. Schon ein Anruf konnte dann alles kaputt machen. Aber das brauche ich auch schon immer, und es lässt sich mit dem Alltag nun einmal nicht vereinen, dieses Bedürfnis von mir wird daher nie erfüllt, und ich sehe es auch garnicht ein. Trotzdem ist das Bedürfnis aber da, und möchte erfüllt werden, auch wenn ich es ignorieren will.

      Wir haben uns heute etwas um die Finanzen gekümmert. Wir müssen noch einige Rechnungen für die Hochzeit bezahlen. Ich bin momentan am Dispo-Limit und bei meinem Krankengeld komme ich genau auf 0€ im Monat nach allen Kosten. Ich war auch schon 1 Jahr vor der Hochzeit am Dispolimit, da wir so vieles organisieren mussten. Es ist wirklich ein scheußliches Gefühl, zu wissen, dass man im Minus ist, und das sogar so weit, dass man kein Geld mehr abheben kann. Ich habe daher schon alle ausgaben auf ein Minimum reduziert. Aber ich werde noch einige Monate so weiter machen müssen, eventuell einige Jahre. Und das ist ziemlich frustrierend. Ich habe heute geschaut, wie ich noch irgendwie Geld machen kann. Beim Umzug haben wir beide schon alles verkauft, was wir übrig hatten. Ich habe dabei auch viele meiner Sachen verkauft, um den Umzug zu bezahlen. Ich kann daher mit nichts mehr Geld machen. Ich schaue immer, ob ich irgendwie nebenbei Geld machen kann. Aber wirklich Geld verdienen darf ich nicht im moment, und ich finde bisher auch keine kleine Nebentätigkeit, welche ich mit meinen Fähigkeiten und Mängeln machen kann. Ich habe Probleme mit den Rahmenbedingungen der meisten Jobs. Menschen, Telefon, Durchhaltevermögen, Leistungsfähigkeit, Teamfähigkeit, das fehlt mir alles. Und mir ist es immer ein Rätzel, wie andere Menschen das machen. Wie sie 10 mal so viel Leisten wie ich, trotzdem noch Zeit für den Haushalt haben, für Freunde und sich selbst, und sich sogar noch motivieren können. Bei mir sorgt schon die kleinste Leistung für Stress, Depressionen und Motivationslosigkeit, welche mich völlig lähmt. Und ich kann es vom Kopf her nicht verstehen, weil es nicht logisch ist. Ich kann den Fehler nicht finden, ich sehe nicht, woran es immer scheitert. Allerdings brauche ich nun wirklich Geld, und muss irgendeine Lösung finden. Das macht mir sehr zu Schaffen momentan. Ich kenne Leute, die haben garkein Problem damit, Geld zu verdienen. Die haben Ehrgeiz, fleiss, Motivation, und finden immer irgendwas zu tun. Ich habe es nie wirklich geschafft, irgend eine Möglichkeit zu finden. Ich habe nun 13 Jahre in einer kleinen Firma gearbeitet mit 20 Stunden/Woche, und gerade genug verdient zum Überleben. Das war schon das beste, was ich geschafft habe. Und das ärgert mich ungemein.

      Ich würde zu gerne wissen, was es denn genau ist, was mich daran Hindert. Ist es eine art permanente Depression? Ist es eine defekte Motivation? Ist es Faulheit? Ist es irgendeine Unfähigkeit? Kann ich mich einfach aufgrund eines Fehlers in meinem Kopf nicht an die Rahmenbedingungen eines Jobs gewöhnen? Und was bleibt mir für die Zukunft?

      Im moment fühle ich mich 100% ausgelastet, sogar eher 150%. Und das nur dadurch, dass ich zu festen Zeiten mit meiner Frau aufstehe, Frühstück mache, das Abendessen mache, einkaufe und die Katzen füttere. Dazwischen sind immer mal 1-2 Stunden, die aber wie im Flug vorbei sind, und plötzlich ist wieder ein Tag vorbei, ich habe nichts hinbekommen, ich bin gestresst, und kein bißchen voran gekommen und erschöpft. Ich habe keine Ahnung, wie ich jemals mit dieser wirklich grausam geringen Leistung irgendwas schaffen soll. Ich wünschte, es gäbe eine Motivations-Fleiss-Ehrgeiz Tablette, etwas was mit Kraft gibt, was mich durchhalten lässt, und wodurch ich auch Freude an dem habe, was ich mache. Meine Therapie hat in die Richtung leider nicht viel geholfen, nur dass ich all diese Probleme erkenne (was ja auch schonmal wichtig ist). Nur leider weiß kein Therapeut so richtig, wie es mit mir weitergehen soll. Als ich mal vom Autismus anfing zu erzählen, haben alle genickt, und können es sich vorstellen. Von alleine hat mich aber nie einer darauf angesprochen. Ich weiß nicht, ob Therapeuten eher abstand zu dem Thema nehmen, oder Angst haben, es anzusprechen. im Nachhinein betrachtet kann ich es kaum verstehen, denn ich habe mit so vielen Therapeuten gesprochen über meine Probleme, und es fällt wirklich schwer, in den Probleme nicht einen Autisten zu sehen. Am Ende war es ein guter Freund von mir, der selber auch mit Autisten zutun hat, der mich darauf angesprochen hat. Er kennt mich seit der 4. Klasse, und kennt sowohl meine Talente, als auch Probleme. Die meisten durfte er am eigenen Leib erfahren (das sträfliche vernachlässigen von mir eigentlich wichtigen Freundschaften).

      Am Montag habe ich wieder ein Treffen mit der alten Gruppe aus der Tagesklinik, in der ich im März-Juni war. Wir treffen uns immer nochmal alle 1-2 Monate mit einer der Therapeuten aus der Tagesklinik. Die meisten haben wieder in ihrem Beruf angefangen, oder den Job gewechselt. Ich weiß leider garnicht, was ich erzählen soll. Naja, von der Hochzeit kann ich erzählen, einige aus der Gruppe waren sogar als Überraschung aufgetaucht bei der Hochzeit, darüber hatte ich mich auch gefreut. Aber ansonsten hat sich leider nichts bei mir mehr entwickelt. Mein Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben wurde abgelehnt. Ich habe zwar Widerspruch eingelegt, aber nun dauert das ganze wieder Monate (es hat vorher schon fast 3 Monate gedauert, überhaupt die Ablehnung zu bekommen). Sollte es aber weiterhin abgelehnt werden, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht weiter. Alle Therapeuten und Ärzte hatten mir das Empfohlen, und waren sich eigentlich alle einig, dass das keine Probleme machen wird.

      Am Donnerstag dann habe ich meine reguläre Tiefenpsychologische Gruppentherapie. Nach der Tagesklinik habe ich erstmal nach einer weiteren Therapie gesucht, und dabei wurde mir dann eine Gruppentherapie angeboten, gerade wegen meiner sozialen Probleme. Das kann ich einerseits einsehen, doch habe ich eher das Gefühl, dass meine Sozialen Probleme eher ein Symptom, nicht das eigentliche Problem sind.
      In der Gruppe sind wir 8 Leute, und treffen uns alle 1-2 Wochen. Aber bei allen bestehen die Probleme eigentlich aus Partnerschaften oder Eltern. Sie alle haben furchtbare Erfahrungen mit Partnern gemacht, haben gerade Probleme mit dem Partner, oder haben schlimme Erfahrungen mit ihren Eltern gemacht.
      Ich habe zwar auch Beziehungsprobleme gehabt in meinem Leben, aber Beziehungen waren für mich immer ein schöner Zusatz, ich habe nie das gefühl gehabt, ich bräuchte einen Partner um vollständig zu sein. Auch jetzt habe ich sicherlich ein paar Probleme in der Beziehung, aber das alles behindert mich in keiner Weise in meinem Leben, oder hat irgendwie Einfluss auf die Arbeitswelt. Auch habe ich ganz tolle Eltern, es gab keine schlimmen Kindheitserfahrungen. Ich wurde nicht geschlagen, es gab keinen Leistungsdruck usw.
      Daher fühle ich mich immer etwas fehl am Platze in der Gruppe, da die meisten derer Probleme auf so etwas basieren. Mein Problem ist eher, dass ich es nicht schaffe, eine Schüssel ins Regal zu stellen, weil es in meinem Arbeitsablauf nicht so vorgesehen ist, aber um das mich meine Frau bittet. Oder dass es mich überfordert, etwas zu putzen, von dem ich nicht genau weiß, wie ich es putzen muss. Oder dass ich nicht mehr klar denken kann, wenn ich zu viel unter Menschen bin, und danach meistens doppelt so viel Zeit alleine brauche, um mich wieder konzentrieren zu können.
      Doch für all diese Probleme finde ich keine Lösung bei Misshandlung im Kindesalter oder schlechten Beziehungserfahrungen. Ich habe das Gefühl, die probleme fangen schon viel eher an, wie tiefer und Grundlegender.

      Aber das alles ist trotzdem besser als nichts. Nur bin ich jetzt schon gestresst durch die Vorstellung, dass ich am Montag raus muss zur Therapiegruppe, und am Donnerstag auch. Dadurch fühlt sich die ganze Woche schon vernichtet an. Dazwischen werden mich dann diverse andere Termine und Aufgaben auf trapp halten. Wenn ich in mich hinein horche, dann gibt es momentan nur ein Bedürfnis in mir: Alleine sein und am PC spiele spielen, Videos schauen oder Musik hören. Und das nicht nur für 1 oder 2 Stunden, sondern am liebsten 2-3 Wochen. Und ich kriege dieses Bedürfnis einfach nicht unter kontrolle, tatsächlich wird es sogar immer schlimmer. Schon mit meiner Frau zusammen Fernsehen zu schauen für 2 Stunden erzeugt in mir das Bedürfnis, mich in ein Zimmer einzuschließen für 1-2 Tage, und alleine zu sein. Wenn ich dieses Bedürfnis Wochenlang nciht erfülle, dann steigt mein Blutdruck, ich werde blass und unkonzentriert, als hätte ich Tagelang nicht geschlafen. Und wenn ich das Bedürfnis erfülle, stellt sich keinerlei Erfüllung ein. Selbst nach 3 Wochen ist das Bedürfnis nicht befriedigt, es reicht praktisch immer nur für 1 Tag.

      Naja, das sind alles so Gedanken die mir heute durch den Kopf gegangen sind. Am meisten belastet mich aber die Zukunftsaussicht und das Geldproblem. Ich muss umbedingt an Geld kommen, und ich brauche eine Zukunftsperspektive. Aber überall kann ich nur warten. Dabei stimmt das sicher garnicht, ich könnte bestimmt irgendwas tun, nur kann ich mich dazu nicht motivieren, und ich erkenne auch keine Möglichkeiten, selbst wenn sie direkt vor mir liegen würden.
    • Neu

      DrCarsonBeckett schrieb:

      Das mit dem Geld Problemen kenne ich gut, geht mir finanziell auch aktuell nicht viel besser und das ist echt deprimierend.
      Daher kann ich dich da gut verstehen, nur leider habe ich dazu aktuell keine Idee wie man das beheben kann. :(
      Finanziell bin ich eigentlich immer gerade so über die runden gekommen. Aber nun mit Krankengeld reicht es wirklich gerade so zum leben, es darf aber auch nichts dazwischen kommen.

      Ich war heute wieder in meiner Gruppentherapie. Aufgrund der Hochzeit und des Urlaubs unserer Therapeutin, war die letzte Gruppentherapie für mich vor 5 Wochen gewesen (für die anderen Teilnehmer zuletzt vor 4 Wochen, als ich geheiratet habe).
      Es war heute sehr emotional gewesen in der Gruppe. Der eine fing an über seine Sorgen um seine Tochter zu reden. Diese ist 22 Jahre alt, hat vor 7 Jahren die Schule abgebrochen und kann das Haus nicht verlassen aufgrund psychischer Probleme.
      Daraufhin hat sich ein anderer Teilnehmer gemeldet und gefragt, ob wir nun weiter über die Tochter reden wollen, oder über ein Thema, was die ganze Gruppe betrifft. Dies war nicht böse gemeint von ihm, er hat auch erkannt, dass ihm das Thema wichtig war, allerdings geht es in dieser Tiefenpsychologischen Gruppe ja weniger um reale Lösungsfindung zu Problemen, sondern eher um das, was in uns vor sich geht. Dieser Teilnehmer meinte eben, dass es ihn etwas frustriert, weil der erste Teilnehmer wohl beim letzten mal auch die ganze Stunde eingenommen hätte. Wir haben uns also kurz darüber unterhalten, wie man sich seinen Platz in der Gruppe schafft, und sich auch gehör verschafft.
      Danach sprach ein weiterer Teilnehmer (wir sind insgesamt 8 Leute) darüber, wie ihn die Depression im moment runter zieht, und er Tagelang schlafprobleme hatte, und heute bis um 12 Uhr im Bett verbracht hat, weil er einfach nicht rausgekommen ist. Ihm macht die Depression momentan sehr zu schaffen.
      Daraufhin sprach eine andere Teilnehmerin über die Beziehung zu ihrer Mutter. Diese Mutter hat wohl ein sehr gutes verhältnis zu ihrem Exfreund, das viel enger ist, als das zwischen ihrrer Mutter und ihr selbst. Darüber haben wir eine ganze Weile gesprochen. Sie war ziemlich enttäuscht und auch wütend.
      Und zum Ende hin sprach noch eine weitere Teilnehmerin darüber, wie traurig sie im moment ist, weil sie so einsam ist. Sie hat keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern, sie wurde auch enterbt, da sie Homosexuell ist, und sie hat auch keine Partnerin, und fühlt sich daher momentan sehr im stich gelassen. Sie musste auch weinen und wurde dann von einer anderen Teilnehmerin gedrückt.

      Am Ende hat die Therapeutin mich gefragt, wie es mir heute dabei ging, weil ich noch garnichts gesagt habe. Ich habe ihr dann gesagt, dass mich die Stunde (bzw. die 90 Minuten) heute emotional überfordert haben. Erst die Sorge um die Tochter, auf die ich mich eingelassen habe, dann der Wechsel zur Frustration über die Tatsache, nicht genügend Platz in der Gruppe zu erhalten. Und darauf direkt die Depression, dann die Enttäuschung und Wut, bishin zur Traurigkeit. Und dass alles im Minutentakt.

      Ich habe richtig gemerkt, dass meine Emotionen komplett überlastet waren. Ich versetzte mich sehr stark in die Situation hinein, aber ich habe wirklich Probleme damit, eine Emotionale Situation aufzubauen und mich hinein zu versetzen. Und dieser schnelle Wechsel hat mich überfprdert. Ich war am Ende auch nicht mehr fähig, die Traurigkeit der anderen Teilnehmerin mit zu empfinden. Ich bin sonst sehr empfindsam, und es tat mir auch wirklich leid, wie traurig sie war. Aber meine Emotionen waren komplett auf 0 runtergefahren, wie der Notfall-Ausknopf bei einer Maschine. Ich war nicht mehr in der Lage, mich in ihre Situation hinein zu versetzen.

      Nach den 90 Minuten war ich Emotional eigentlich noch immer bei der Tochter, und war dann bereit, über das Thema zu sprechen.

      Dies ganze hatte allerdings auch etwas vorlauf. Ich habe mich schon vorher Gedanken gemacht. Ich denke immer sehr viel nach auf dem Weg zur Therapie. Allerdings bin ich auch zuhause sehr viel am Beobachten. Die Achtsamkeitsübungen aus der Tagesklinik haben tatsächlich etwas gebracht, und es fällt mir viel leichter, Emotionen und Gedanken zu differenzieren und einzuordnen.

      Dabei ist mir die letzten Tage bewußt geworden, dass ich einfach länger brauche für viele Sachen. Besonders für Situationswechsel. Ich verkrafte es furchtbar schlecht, wenn sich eine Situation ändert. Ich brauche viel länger als andere, um wirklich zu raffen, was passiert. Und natürlich ist dies im Umgang mit anderen Menschen am extremsten. Denn Menschen machen andauernd etwas unvorhergesehenes, brechen plötzlich in Emotionen aus usw.

      In der Tagesklinik hatten wir oft das Thema "Telefonieren", da ich telefonieren unglaublich unangenehm finde. Ich hatte die Diagnose "ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung" erhalten, bzw. den Verdacht darauf. Dies hörte sich für mich auch logisch an, aber es passte trotzdem nicht so ganz. Denn ich habe keine Angst vor dem Gesprächspartner am Telefon, und ich fürchte auch nicht, wie er mich bewertet oder was er von mir Denkt, was eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung ausmacht. Was mir angst macht beim telefonieren, ist es, dass ich keine Zeit zum überlegen habe. Man bekommt schlag auf schlag Fragen, und muss diese sofort beantworten. Ich schalte einfach nicht so schnell, kann oftmals die Fragen garnicht beantworten (obwohl ich die antwort eigentlich kenne) und kommt eine unvorhergesehende Frage, dann steh ich völlig auf dem Schlauch. Mir fehlt einfach diese Situations-Dynamik, wenn es ich es mal so nennen kann. Mir fallen auch nicht die richtigen Worte ein. Eigentlich hätte ich beim telefonieren gerne eine Pause-Taste.
      Und beim Telefonieren ist dieser Umstand eben viel extremer als im echten Leben. Am Telefon muss man durchgehend den Redefluss halten. Ich kann nicht mal eben weg gehen, um nach etwas zu suchen usw. Natürlich kann man das alles machen, aber auch diese Fähigkeit fehlt mir in dem Moment. Fragt mich das gegenüber nach einer Information, die ich nicht kenne, dann schaltet mein Gehirn nicht um mir zu sagen, wo ich diese Information finde. Es ist wirklich die komplette überforderung.
      Es ist für mich teilweise so, als würde das leben mit 10 Facher geschwindigkeit ablaufen, und Dinge so schnell passieren und abgefragt werden, dass ich überhaupt nicht darüber nachdenken kann.

      Daher glaube ich nicht, dass ich Angst vor der Bewertung anderer habe, wie es bei der ängstlich-vermeidenen Persönlichkeitsstörung der Fall ist. Ich habe angst vor der Situations-Überforderung. Ich komme einfach nicht so schnell hinterher, wie andere. Dies konnte ich oftmals durch eine gewisse Intelligenz wieder ausgleichen. So liebe ich Mathematik und bin auch wirklich gut darin, aber Kopfrechnen kann ich sehr schlecht. Wenn man mir irgendwelche Zahlen an den Kopf wirft, und ich soll diese dann zusammen rechnen, dann funktioniert im Kopf überhaupt nichts mehr. Wenn ich aber ein Stift, ein Papier und Zeit bekomme, und eine unglaublich komplexe aufgabe, dann ist es für mich kein Problem.
      Das selbe gilt auch für die Arbeit. Ich kann wunderbar eine Sache programmieren, und bin sogar sehr schnell dabei. Aber wenn plötzlich eine neue Situation aufkommt (der chef will was, ein Kollege will was, ein Kunde will was) dann bin ich total raus, ich bin überfordert und brauche sehr lange, um wieder in meinen Fluss zu kommen.

      Mir war nur garnicht bewußt, dass es in so vielen Situationen stattfindet. Dass mich Emotionen überfordern, das habe ich schon immer gewußt. Aber dass mich am meisten der Wechsel überfordert, das merke ich erst in letzter Zeit. Wenn eine Emotion über längere Zeit konstant bleibt, dann komme ich auch gut damit klar.

      Der totale Supergau ist, wenn meine Frau mich auf dem Heimweg anruft, und total sauer ist (nicht auf mich, sie ist auch so gerne mal sauer). Dann werde ich von 0 auf 100 mit Wut konfrontiert, und das auch noch am Telefon. Oftmals bin ich dann ganz stumm und sage nichts mehr am Telefon, weil mein Kopf einfach total überlastet ist, und es kommt nichts vernünftiges mehr raus. Das macht meine Frau dann oftmals noch wütender, dass ich dazu nichts zu sagen habe.
      Und das ist der Grund, weshalb ich telefonieren so unangenehm finde. Nicht weil ich angst vor dem gegenüber habe, oder angst vor der Bewertung oder ähnliches, sondern weil ich weiß, dass ich nicht schnell genug schalte, um auf Situationen am Telefon zu reagieren.

      Darum liebe ich so etwas wie dieses Forum, oder auch chatten. Ich kann die Fragen in ruhe lesen, ich kann mir zeit nehmen sie zu verstehen, ich kann mir eine Antwort überlegen, sie aufschreiben und korrigieren.
      Mir ist klar, dass niemand dies alles im Alltag tut in einem normalen gespräch. Trotzdem merke ich doch, dass meine Fähigkeit, spontan zu reagieren und zu antworten, bei weitem schlechter ist als die aller anderen. Und das in so gut wie allen Bereichen.

      Ich habe gemerkt, dass ich auch eine starke sensibilität entwickelt habe. Ich schaue meine Mitmenschen ganz genau an und strenge mich extrem an, um alles zu bemerken, um praktisch meinen Nachteil wieder auszugleichen. So versuche ich alles mitzubekommen, um nichts zu verpassen. Und dies laugt mich aus. Wenn andere Menschen um mich sind, dann läuft meine Wahrnehmung auf 200%, um jedes Detail mitzubekommen, auf das ich reagieren müsste, um meine langsame Reaktion zu kompensieren. Und wirklich abschalten kann ich erst, wenn ich alleine bin. Und daher ist auch das schreiben hier so entspannend. Ich kann meine Gedanken ordnen, und in meinem Tempo die Worte niederschreiben.

      Ich weiß jetzt nur nicht, was ich mit dieser Erkenntnis anstelle. Allerdings hat es mir sehr weiter geholfen, da ich immer nur die Überforderung gespürt habe, aber niemals, woher sie eigentlich kommt. Jetzt habe ich aber ganz direkt gemerkt, dass die Überforderung emotionaler natur war, dass es einfach zu viel und zu schnell war, und ich habe gemerkt, dass ich generell keine Angst vor Situationen habe, sondern angst vor der Geschwindigkeit, mit der sie kommen.

      Könnte ich das Leben in Zeitlupe laufen lassen, so in halber Geschwindigkeit, dann würde ich wohl auch mit all den Situationen viel besser klar kommen. Es kommt mir wirklich oftmals so vor, als würde mir einfach nochmal die hälfte der Zeit fehlen, oder mehr.

      Und das geht wirklich bis in die jüngste Kindheit zurück. Schon als Kind stand ich immer "auf dem Schlauch", und habe oftmals nicht gerafft, was um mich passiert, oder einfach länger gebraucht. Auch gesprochen habe ich erst mit 4 Jahren. Heute fällt mir zwar das Reden nicht schwer, aber es fällt mir sehr schwer, die richtigen Worte zu finden. Jeder kennt ja diese situation, dass einem nach einem Streit die besten Argumente einfallen, oder die besten Antworten. Doch bei mir ist dies ein Dauerzustand. Oftmals werden mir Situationen auch erst im nachhinein wirklich klar.

      Ich glaube also, dass ich wirklich langsamer bin, und dies bisher nur durch ein paar Talente ausgleichen und verstecken konnte. Sogar vor mir selber. Aber umso mehr ich nun auf einzelne Situationen blicke, die mir Probleme machen, desto mehr sehe ich, dass es nicht die Situationen ansich sind, sondern die unfähigkeit, angemessen und zeitnahe reagieren zu können. Und dieses "hinterher-hinken" gleiche ich mit gesteigerter Leistung wieder aus.

      Dies würde auch erklären, wieso ich es nur schaffe, 50% der Leistung der anderen zu erbringen, bevor ich überfordert bin. Es ist wirklich so, als würde ich 50% langsamer laufen, und leiste daher 200%, um wieder die 100% zu erreichen, nur dass ich eben in der hälfte der Zeit dann ausgebrannt bin, und keine Erklärung dafür habe.

      Aber ich werde das nochmal genauer beobachten die nächsten Tage. Es war eine überraschende Erkenntnis, wie stark mich doch ein Situationswechsel (und wenn er noch so klein ist) überfordert und mich auslaugt. Und wie sehr Emotionen dazu beitragen, und die Situations-Dynamik noch weiter verschlechtern.

      Was mir aber auch noch aufgefallen ist: Dies scheint keine erlernbare Fähigkeit zu sein. Ich habe 13 Jahre fast jeden Tag auf der Arbeit telefoniert, mehrmals täglich. Aber in all den Jahren ist keine verbesserung eingetreten, keine schnellere reaktion oder besser Dynamik. Genau so auch in allen anderen bereichen. Ich konnte in meinem ganzen Leben keine Verbesserung feststellen. Ich konnte nur lernen, damit umzugehen, es zu vermeiden oder durch andere Dinge auszugleichen. Daher habe ich den Eindruck, dass diese Situations-Dynamik nicht trainierbar oder erlernbar ist. Ansonsten hätte ich in den 30 Jahren irgendwann mal eine Änderung feststellen müssen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dennis82HH ()