Umgang mit Fehlern

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    • Umgang mit Fehlern

      Leider ist gerade mein kompletter Text verschwunden, weshalb ich mich jetzt etwas kürzer fassen werde:

      Beim Durcharbeiten bzw. Durchlesen des Therapiemanuals der Freiburger-Autismus-Studiengruppe (FASTER-Programm), bin ich auf den Hinweis gestoßen, dass man bei Zeitmangel bzw. Zeitdruck (mehr) Fehler akzeptieren müsse. Leider ersetzt dieses Manual keine Einzel- oder Gruppentherapie, aber da ich mit dem Thema alleine nicht weitergekommen bin, will ich hier mal laut nachdenken und vielleicht hat ja jemand Gedankenanstöße für mich.

      Ich fragte mich, wie im beruflichen Kontext und teils auch im Privaten, diese Einstellung legitim sein könne. (ich hatte hier gerade sehr, sehr viel Text stehen). Ich war eigentlich der Meinung, dass es unter allen Umständen zu vermeiden ist, Fehler zu machen. Dabei denke ich an den Bankbediensteten, dem es möglichst nicht unterlaufen sollte, eine 0 weniger oder mehr beim Geldzählen zu erfassen, an den Bäcker, der aus Zeitdruck nicht das Salz mit dem Zucker verwechseln sollte, den Sachbearbeiter, der keine vor Schreibfehlern strotzenden Briefe wegschicken sollte und dies auch in Hinblick auf inhaltliche Fehler tunlichst vermeiden sollte, weil seinen Arbeitgeber das sonst teuer zu stehen kommen wird. Ich dachte ans Krankenhaus, wo man auch nicht aus Zeitdruck in Kauf nehmen sollte, dass jedem 100. Patienten das falsche Medikament gespritzt wird.
      Nun hatte ich mich gefragt, ob die Verfasser des Buches nun auch schon auf den kapitalistischen Zug aufgesprungen sind und so etwas vor 40 Jahren auch geschrieben hätten (hypothetische Frage), oder wie es legitim sein kann, jemanden aufzufordern, wenn genügend Zeit ist, möglichst wenig Fehler zu machen (oder ist das auch nur mein eigener, kranker Anspruch?), wenn aber Zeitdruck vorherrscht, dann plötzlich Fehler zu akzeptieren.

      Mir widerstrebt diese von etwas "Unlogischem" abhängige Verknüpfungsweise total. Wenn ich eine Arbeit erledige, dann hat die fehlerfrei zu sein, jeder Fehler ist einer zu viel. Das ist für mich auch vollkommen unabhängig davon, ob man viel oder wenig Zeit hat. Der Punkt "Fehler" hat für mich einfach nichts mit "vorhandene Zeit" zu tun. :roll: Wahrscheinlich fällt mir das deshalb so schwer, weil ich keinen Zusammenhang sehe.

      Ich habe mir nun überlegt, ob es als Lösung vielleicht anzustreben ist, dass man sich jedes Mal überlegt, welche Folgen ein Fehler hätte und dann dementsprechend arbeitet. Wenn man weiß, dass die Folge eines fehlerhaft erstellten Briefes nur die Tatsache ist, dass das für den Arbeitgeber und ersteller peinlich ist (diesen aber keine zig Millionen kosten wird), dass man die Fehler dann in Kauf nehmen soll bzw. nicht auf 100%-ige Fehlervermeidung setzen soll? Der Bäcker sollte dann zwar verhindern, dass er das Salz mit dem Zucker verwechselt oder einen Löffel in den Teig verbackt, dafür darf er aber dann nachlässig sein, wenns ums Formen der Brezeln geht (die dürfen dann auch weniger akkurat sein).
      Geht es darum? Dass man lernen soll, abzuwägen, in welchen Fällen Fehlerfreiheit anzustreben ist und in welchen nicht?
      Nun hätte aber dieses Abwägen der Bereiche noch lange nichts damit zu tun, ob gerade Zeitdruck herrscht oder nicht.

      Muss man sich also im Falle des Zeitdruckes dann zusätzlich überlegen, welche Folgen ein Fehler hätte und soll dann entscheiden, wie "nachlässig" man arbeitet?
      Das klingt jetzt sicherlich an den Haaren herbeigezogen, aber ich frage mich das gerade ernsthaft.
      Meine Arbeitsweise war bisher einfach immer so, dass ich Fehlerfreiheit anstrebe. Egal um welche Aufgabe es sich handelt und egal wieviel Zeit ich habe oder nicht. Das kostet sehr viel Energie, aber spart mir auch Energie, weil ich die Regel habe, dass keine Fehler gemacht werden sollen und ich nicht ständig vor jeder Aufgabe abwägen muss, wie sorgfältig ich die jetzt ausführen soll und mir den Kopf drüber zerbrechen muss, welche Folgen ein Fehler hätte.
      Ich sehe ein, dass es sinnvoller und gesünder sein könnte, bei bestimmten Aufgaben (z. B. dem Formen von Brezeln bei Zeitdruck) bei der Fehlerfreiheit Abstriche zu machen.

      Trotzdem verstehe ich das Ganze nicht richtig. Es muss doch dann eigentlich vor jeder Aufgabenausführung eine Betrachtung stattfinden
      • welche Folgen hätte ein Fehler?
      • wieviel Zeitdruck habe ich?
      Wenn ich wenig Zeitdruck hätte und ein Fehler keine Folgen hätte, könnte ich theoretisch dann auf Fehlerfreiheit trotzdem verzichten. Das verwirrt mich, weil das bedeuten würde, dass meine Arbeitsweise nur davon abhinge, welche Folgen ein Fehler hätte. Es ginge dann gar nicht mehr in erster Linie darum, etwas "richtig" zu machen. Ich gebe zu, dass das mein Weltbild vollkommen auf den Kopf stellen würde. Ich könnte so nicht arbeiten (und tue das ja auch nicht mehr zwecks diverser Probleme auf der Arbeit. Dennoch möchte ich eigentlich wieder arbeiten, ohne an diesen ganzen Dingen zu zerbrechen).

      Ich verstehe einfach nicht, wie dieses Arbeitsbuch (und unzählige andere Menschen wie Arbeitskollegen etc.) die Meinung vertreten können, dass man bei Zeitdruck eben weniger Wert auf Fehlerfreiheit legen könne. Erwähnen diese Menschen dabei einfach nicht, dass das natürlich nur für "harmlose" Fehler (wie das "krumme Formen einer Brezel" gilt) oder vertreten die tatsächlich die Auffassung, dass bei Zeitdruck immer Abstriche bei der Fehlerfreiheit gemacht werden müssen? Letzteres kann ich mir nicht vorstellen, weil man dabei ja permanent das Leben von Menschen aufs Spiel setzen würde.


      Wie seht ihr die Aussage, das man in bestimmten Fällen (vielleicht ist auch gar nicht nur Zeitdruck gemeint?) die Fehlerfreiheit hintanstellen müsse bzw. solle?
      Wie kann man sich selbst dazu bekommen, die Fehlerfreiheit hinten anzustellen? Geht es wirklich darum, dass man sich die Folgen der Fehler anschauen muss und dann abwägen muss, was man an Fehlern selbst moralisch akzeptiert oder nicht? Denn der Arbeitgeber wird es einem mit Sicherheit ja auch nicht schriftlich geben, dass man bei Zeitdruck eben weniger genau arbeiten soll (und somit automatisch mehr Fehler machen wird).
      Ich frage mich, wie man das als Arbeitnehmer tragen soll? Ich bin mit dieser Aufgabe schlichtweg überfordert. Nehmen NT diese Abwägung automatisch vor bzw. bereitet es ihnen nicht diese Probleme?
      Ich bin bis jetzt überhaupt nicht auf die Idee gekommen (kam mir erst beim Verfassen des Textes hier), dass ich darauf abstellen könnte, welche Folgen ein Fehler hat. Aber ehrlich gesagt, ist mir das zu kräfteraubend und auch zu viel Verantwortung. :nerved: :| und in meinem Kopf stellt sich irgendwie alles quer beim Gedanken daran.

      Ist das aber der einzige Weg, wie es gehen soll? Ich merke ja, dass mein "keine Fehler erlaubt" mich Energie ohne Ende kostet, aber fühle mich einfach nicht in der Lage, es so zu machen, wie im Buch beschrieben (bei Zeitdruck, Abstriche bei der Fehlerfreiheit machen). Ich denke, dass es daran liegt, dass ich die Begründung einfach nicht kapiere. Würde ich die verstehen, dann könnte ich es vielleicht umsetzen und mir so auch sehr viel Ärger ersparen.

      Habt ihr Erklärungen, die euch helfen, auch Fehler machen zu dürfen? Wie haltet ihr es aus, dass ihr daran schuld sein könntet bzw. seid, dass falsche Dinge, also Unwahrheiten, in die Welt gesetzt werden? Wenn ich z. B. einen Rechtschreibfehler in meinen Schreiben früher sah, konnte ich den unmöglich so rausschicken. So als wäre das ein Betrug an der Menschheit. Ihr könnt euch denken, wenn das schon bei einzelnen Rechtschreibfehlern so ist, wie es dann damit aussieht, bei komplexen Sachverhalten und Auskünften nicht die 100%-ige Fehlerfreiheit anzustreben.

      Ich möchte keine Fehler machen. Aber irgendwie habe ich die Vermutung, dass ich mir mit diesem Vorsatz selbst schade. Ich bin wie gesagt nur noch nicht dahinter gekommen, wie ich davon abrücken kann und ob das wirklich erlaubt sein soll.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • Da du hier nur eine knappe Aussage aus einem umfangreicheren Text ohne Kontext zitiert hast, ist es von außen natürlich schwierig, die passende Interpretation für die Intention der Autoren zu finden.

      Allerdings denke ich, dass du mit deinen Gedanken in die falsche Richtung gehst. Ich vermute eher folgende Kette von Folgerungen:

      Zeitmangel/Zeitdruck führt beim Bearbeiter zu Stress, Stress verringert die Konzentration und durch die verminderte Konzentration und/oder dem erhöhten Stresslevel enstehen mehr Fehler.

      Wenn nun jemand durch Zeitmangel/Zeitdruck gestresst wird, wird die Person nach dieser Schlussfolgerung, wenn auch nicht bewusst oder willentlich, mehr Fehler machen.
    • Das Problem der Fehlerhäufigkeit habe ich - nach Analyse - für mich wie folgt gelöst:
      Da ich mich nicht über längere Zeit konzentrieren kann
      1. bearbeite ich anspruchsvolle komplexe Aufgaben immer Vormittags, wenn ich frisch bin
      2. unterteile ich die Tätigkeit in kleinere Teilabschnitte (da ich mich kurzfristig sehr intensiv fokussieren kann)
      3. konzentriere ich mich auf die inhaltliche Aufgabe, nicht auf die Fehler, die ich machen könnte
      4. vermeide ich Unterbrechungen (Nulltoleranz!)
      5. Wenn ich absehen kann, dass eine Aufgabe länger braucht, als ich Zeit dafür habe, beginne ich erst gar nicht damit, weil ich weiß, dass ich nicht mehr damit aufhören kann und unter Zeitdruck gerate, anfange zu hetzen und Fehler mache. Diese Aufgabe plane ich dann in ein besser passendes Zeitfenster ein und verfahre nach Punkten 1 bis 4.
    • @FruchtigBunt

      Ich kann mich mit Fehlern auch überhaupt nicht "anfreunden". "Schludriges" Arbeiten macht mich total nervös/unruhig.

      Ich könnte mir aber vorstellen, dass solche Notfallsituationen gemeint sind, in denen es erlaubt sein sollte, auf Perfektion zu verzichten.

      Mir fallen 2 Beispiele aus der Krankenpflege ein, auf die der Artikel zutreffen könnte:
      1. In der Nachtschicht im Altenheim ist es üblich, die bettlägerigen Bewohner 3x zu versorgen. Wenn ein Notfall eintritt (Sturz, Notarzt/Rettungsdienst muss kommen), muss es "erlaubt sein" 1 Runde ausfallen zu lassen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen (bisher haben alle meine Bewohner solche Nächte schadlos überstanden ;) ).
      Das gleiche gilt, wenn sich in der ambulanten Pflege morgens vor dem Dienst ein Mitarbeiter krank meldet. Dann müssen dessen Patienten auf alle übrigen Mitarbeiter verteilt werden. Dann wird - in Absprache mit den Patienten - ein "Kurzprogramm" durchgeführt ("unwichtige Dinge wie Duschen, Haarwäsche werden möglichst verschoben).
      2. Ich bin es gewohnt, Verbände ordentlich anzulegen, sie müssen i.d.R. mindestens 1 Tag halten. Wenn ich bei einem Notfall Erste Hilfe leisten und einen Verband anlegen muss, geht es nicht um schön oder ordentlich, der Verband wird spätestens im Krankenhaus nach 1-2 Stunden zur weiteren Versorgung eh wieder entfernt.

      Was meiner Meinung nach natürlich überhaupt nicht geht, ist dass man Zeiten generell so knapp kalkuliert, dass angemessene Arbeit gar nicht erst möglich ist.
    • Schwer zu sagen.
      Ich kann dich da gut verstehen. Ich habe auch den Anspruch an mich keine Fehler zu machen, manchmal lässt sich dies aber nicht vermeiden.
      Ich würde es sagen, dass es immer abgewogen werden muss welche Folgen ein Fehler hat und wie schwer/leicht dieser zu beheben ist und zudem auch was so ein Fehler an Konsequenzen nach sich ziehen würde.
      Generell würde ich dem jedoch widersprechen und sagen, dass man immer besten Gewissens arbeiten sollte.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • @FruchtigBunt
      Alle Fehler kann niemand vermeiden. Das ist einfach eine Tatsache. Seit ich mir das bewusst gemacht habe, kann ich sehr viel gelassener agieren.

      Es gibt Sachverhalte, wo ich mir keine Fehler erlauben kann, weil die sehr schlimm wären. Aktuell gibt es davon aber tatsächlich nur zwei:

      1. die Diabetes meiner Katze - jede Nachlässigkeit bei der Vorbereitung der Insulinspritze oder dem BZ messen könnte für die Kleine tötlich sein. Also muss ich da besonders aufmerksam und sorgfältig sein.

      2. Alles, was mit dem Jobcenter zu tun hat. Da muss ich pünktlich und sorgfältig auf jedes Schreiben reagieren, alles pünktlich und komplett abliefern usw. Ansonsten könnte ich finanziell sanktioniert werden, was in meiner aktuellen Situation (auch mit der kostspielen Diabetes meiner Katze) eine Katastrophe wäre.

      Alles andere könnte zwar unangenehme Folgen haben - aber da ist nichts, wo ein Fehler nicht revidierbar wäre. Wenn ich beim Kochen etwas anbrennen lasse, ist das natürlich doof. Ich muss mir dann vieleiccht ein Brot machen, weil nichts anderes mehr da ist (oder im Zweifelsfall bei meiner Nachbarin etwas zu essen erbitten) und habe natürlich die Sauerei sauber zu machen - aber wirklich schlimm ist das nicht.

      Wenn ich hier im Forum nicht immer 100% fehlerfrei schreibe - Tippfehler, Grammatikfehler, Buchstabendreher... so what? Davon passiert weder mir, noch jemandem der das liest, etwas schlimmes.

      Wenn ich mich beim stricken/häkeln verzähle, vertue, mir eine Masche fällt - ist auch nicht tragisch. Klar, ich habe zusätzliche Arbeit weil ich den Fehler korrigieren muss, es kostet Zeit - aber wirklich schlimm ist das nicht.

      Es gibt viele Fehlerquellen - den ganzen Tag, jeden Tag. Ich konzentriere meine Aufmerksamkeit in erster Linie auf die, die fatale Folgen haben können. Den Rest bügel ich irgendwie aus.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Leseratte schrieb:

      Es gibt viele Fehlerquellen - den ganzen Tag, jeden Tag. Ich konzentriere meine Aufmerksamkeit in erster Linie auf die, die fatale Folgen haben können. Den Rest bügel ich irgendwie aus.
      Ah okay, dann könnte man sagen, dass du mit deinen Fehlern etwas nachsichtiger bist, wenn die Folgen weniger schlimmt sind. Ich möchte gerne auch die Folgen der Fehler mehr bei meinem "Perfektionismus" mit in den Blick nehmen.


      Leseratte schrieb:

      Wenn ich hier im Forum nicht immer 100% fehlerfrei schreibe - Tippfehler, Grammatikfehler, Buchstabendreher... so what? Davon passiert
      weder mir, noch jemandem der das liest, etwas schlimmes.

      Wenn ich mich beim stricken/häkeln verzähle, vertue, mir eine Masche fällt - ist auch nicht tragisch. Klar, ich habe zusätzliche Arbeit weil
      ich den Fehler korrigieren muss, es kostet Zeit - aber wirklich schlimm ist das nicht.
      Ich bin manchmal so übermüdet oder emotional aufgewühlt, dass ich hier im Forum zwar noch die Rechtschreibung einhalte, aber nicht mehr so viel Energie darauf verwende, wie der Satzbau und die Wortwahl ausfallen. Ich bin damit aber sehr unzufrieden und denke, dass das eigentlich nicht sein darf. Bei mir kommen dann direkt Ängste auf, was die anderen nun von mir denken werden, dass sie mich für dumm halten könnten etc. In meinem Kopf passiert dann etwas "Schlimmes", nämlich versetzt es mich in starke innere Anspannung, wenn das was ich glaube zu sein, von dem Eindruck abweicht, den andere Menschen von mir haben könnten. Dieses Problem gibt es bei mir mit allen möglichen Arten von "Widersprüchen". Wenn jemand etwas Falsches behauptet und ich die richtige Lösung kenne (beispielsweise eine Erklärung für ein physikalisches Phänomen) kommt diese Anspannung, wenn etwas ungerecht zugeht z. B. auch. Und genau macht es mich fuchsig, wenn ich einem Dokument Fehler finde, die andere gemacht haben. Diese "Widersprüche" sind für mich total schwer auszuhalten, aber ich verstehe nicht genau warum.
      Da ich hier aber öfters auch einfach drauf los schreibe (und mir nicht so wie anfangs den Kopf darüber zerbreche, dass jeder Satz perfekt und geistreich formuliert sein muss), weißt das ja darauf hin, dass ich schon Fortschritte gemacht habe. :d ;) Ich kann aber nicht wirklich einschätzen, aber welchem Punkt die Schreiberei dann eine Zumutung für andere wird. Denn je strukturierter ein Text ist, desto besser lesbar für die anderen und desto sinnvollere Antworten kommen womöglich zurück.

      Beim Stricken habe ich mich früher öfters vertan und ich bin dabei komplett ausgetickt. :nerved: Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Wenn ich nach 10 Reihen einen Fehler entdeckt hatte, wusste ich meistens nicht, wie man dorthin zurückkommt, um den zu korrigieren und so musste das ganze Strickstück wieder aufgeribbelt werden und die Arbeit war bis dahin "umsonst". Aus Wut habe ich dann oft alles aufgelöst oder den Faden durchgerissen oder sowas. Als ich gelernt habe, wie man fallen gelassene Maschen etc. korrigieren kann, wurde es besser mit der Wut. Also da spielen die Folgen bei mir schon auch eine Rolle. Es könnte sein, dass ich bei der Einstufung der Folgen aber "überreagiere". Für mich war es damals ein Weltuntergang 10 Minuten nochmals stricken zu müssen, weil ich einen Fehler machte.
    • Ich habe zum Thema "Fehler machen" einen für mich sehr beeindruckenden Textteil im Buch "Asperger's Syndrome Workplace Survival Guide" (exzellentes Buch!) gefunden:


      Barbara Bissonnette schrieb:

      Suppose a staff member makes a mistake. The neurotypical manager will consider the severity of the error, the context in which it occurred, and the individuals previous performance. He will probably overlook a minor typo made by an employee with an excellent track record, especially if that person was working under a tight deadline.
      Contrast this with the more rigid, black-and-white thinking of a manger with Aspergers' Syndrome. He may consider a mistake to be a mistake, and not hiestate to point it out.
      Dem Text würde ich auch entnehmen, dass es wichtig ist, die (Folgen)schwere eines Fehlers zu berücksichtigen. Aber auch, unter welchen Umständen der Fehler entstanden ist (z. B. Zeitdruck) und in diesem Fall nicht nur auf den einzelnen Fehler abzielen, sondern etwas mehr bei der Bewertung mit einzubeziehen. Scheinbar darf man es sich eher erlauben, in ein Dokument Fehler zu schreiben, wenn das nicht so oft vorkommt. (wobei mir das jetzt auch nicht hilft, denn wenn ich mir Nachlässigkeit erlaube, dann würde das doch für alle Fälle gelten? :roll: )

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    • Hier noch ein anderer sehr interessanter Textauszug aus dem o. g. Buch:


      Barbara Bissonnette schrieb:


      The weaker your Theory of mind, the more random and confusing the actions of other people will seem. Alice could not reconcile that her supervisor praised her outstanding programming skill, while also insisting that products be released with code that was not perfekt. "Why won't he let me do good work?" she fumed. "It's a lie for the company to say that the products are top quality."


      What Alice didn't recognize was that her supervisor was responsible for releasing products in time to meet quarterly sales targets and promised delivery schedules. From his perspective, the companys products ARE top quality, because they out-sell competing brands and earn high ratings in the trade press and from customers. The supervisor is also aware that customers expect a certain number of imperfections in any piece of software. Alices weak theory of mind ability prevented her from considering her supervisors point of view, and, as a result, his decisions didnt make sense to her.
      Dieser Auszug hat mir wirklich zu denken gegeben. Dieses Beispiel deckt sich fast 1:1 mit meinen frustrierenden Berufserfahrungen. Es geht oft tatsächlich nicht in meinen Kopf, dass andere Menschen Dinge anderes beurteilen als ich. Für mich könnte niemals eine Bewertung in der Presse (die gut ausfällt, weil die vermutlich nur auf oberflächliche Kriterien achten oder geschmiert wurden oder jemandem dumm hinterherplappern) wichtiger sein, als die Qualität einer Ware, die ich selbst als "nicht 100%" beurteilen müsste. Ich kann nicht verstehen, wie es jemandem wichtiger sein kann, was die Presse oder Kunden denken, als daran, ob die Sache an sich einwandfrei ist. Aber vermutlich funktioniert die Welt nur so. :shake: :( Firmen wollen verkaufen und es ist billiger (insgesamt gesehen) Fehler zu machen und diese im Nachhinein evtl. zu korrigieren, als vorher zu viel Energie in Fehlerfreiheit zu stecken. Hm, ich werde diese "Rechnung" wahrscheinlich nie annehmen können, weil es für mich wie im Text, irgendwie eine "Lüge" ist.

      Ich verstehe auch nicht, wie man als Hersteller sagen kann "die Verbraucher sinds doch gewohnt und erwarten es schon, dass die Produkte Fehler enthalten". Mich entsetzt das. Aber auch da denke ich mir jetzt wieder: "Offenbar funktioniert die Welt so." Denn sie funktioniert ja nicht so, wie ich es denke bzw. ich verzweifele mit meiner Denkweise.
      Ich habe mit PC-Programmen gearbeitet, die nach der Veröffentlichung Fehler enthielten, die jenseits von gut und böse waren. Ich habe auch nach vielen überarbeiteten Versionen (als ich neu anfing in einer Abteilung und die Software zu nutzen begann) grobe Fehler gefunden und irgendwann war ich dabei, fast täglich Verbesserungsvorschläge an die Firma zu mailen, weil die Software meiner Meinung nach unbrauchbar war bzw. suboptimal.
      Und nun soll es wirklich so sein, dass NT davon schon von vornerein mit einkalkulieren, dass die Leute wissen, dass Software oft fehlerhaft ist. Mich verwirrt das nun doch. Wenn man so denkt, wird doch die Produktqualität immer weiter sinken? Das erklärt vielleicht auch, warum "Made in Germany" heute kein Qualitätsmerkmal mehr ist ( :d dieser Seitenhieb musste jetzt sein....), aber offenbar kann man in dieser Welt nur noch überleben, wenn man so denkt.
      Vielleicht muss ich das wirklcih lernen, mich in andere hineinzuversetzen und zu kapieren: "Ja, für den Hersteller der Firma XY ist es wichtiger, bestimmte Leute erstmal zu beeindrucken weil das Produkt pünktlich erscheint, als dass nachher 500000 Nutzer mit der Software arbeiten und diese verfluchen, weil sie umständlich ist und Fehler enthält.". Das muss man wirklich erstmal annehmen. Mir fällt das nicht leicht. Da denk ich mir nur wieder "wie kann jemand so denken??!?!", aber drehe mich damit auch nur im Kreis.

      Fazit ist also, dass ich neben dem "Folgen eines Fehlers berücksichtigen bei der Beurteilung der Fehler" auch noch berücksichtigen muss, dass andere Menschen Folgen ganz anders einschätzen können als ich. :? Ich sollte also lernen, da mehr aus der Warte der anderen Person beurteilen zu können. Dass das ganze Thema mit den Fehlern etwas mit der "Theory of Mind" zu tun haben könnte, hätte ich nun nicht gedacht.

      Ich bin jedenfalls dankbar, dass ich dieses Buch gefunden habe, weil es mir doch so Einiges erklärt. Momentan überwiegt aber das Gefühl des "erschlagen-Seins". :| Ich habe aber den Eindruck, dass ich auf dem richtigen Weg bin, die Sache zu verstehen.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Scheinbar darf man es sich eher erlauben, in ein Dokument Fehler zu schreiben, wenn das nicht so oft vorkommt. (wobei mir das jetzt auch nicht hilft, denn wenn ich mir Nachlässigkeit erlaube, dann würde das doch für alle Fälle gelten?
      Ja. Fehler kommen nämlich vor. Das ist normal.

      Wenn jemand ständig viele Fehler macht ist das anders, als wenn jemand mal einen kleinen Fehler macht. Jemand der viele Fehler macht arbeitet eventuell nachlässig, oder hat nicht die nötige Sachkenntnis für die Aufgabe. Da ist Handlungsbedarf.

      Nicht jeder kleine Fehler erfordert Handlungsbedarf. Wenn man als Vorgesetzer oder Auftraggeber die Mitarbeiter wegen jedes noch so kleinen Fehlers gleich kritisiert wirkt das sehr kontrollierend und demotivierend.

      Ausserdem muss man auch das Gesamtziel vor Augen haben. Wenn nur eine begrenzte Zeit für die Arbeitsaufgabe vorhanden ist, dann hat es oberste Priorität dass die Arbeit fertig wird. Sonst ist sie wertlos. Also lieber mit ein paar Fehlern fertig, als ohne Fehler zu spät fertig. Dann muss man gar nicht erst anfangen denn das Ziel ist komplett verfehlt.

      Man muss lernen Prioritäten zu setzen. Und als Vorgesetzer muss man diese vorgeben und die Prozesse entsprechend steuern.

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    • FruchtigBunt schrieb:

      aber offenbar kann man in dieser Welt nur noch überleben, wenn man so denkt.
      Ja. Wegen der Produktionskosten. Ein fehlerfreies Produkt wäre zu teuer, und dann nicht mehr konkurrenzfähig.

      FruchtigBunt schrieb:

      Da denk ich mir nur wieder "wie kann jemand so denken??!?!", aber drehe mich damit auch nur im Kreis.
      Die denken nicht wirklich. :d Sie funktionieren auf eine bestimmte Art und Weise, die dem entspricht was gefordert wird, was den Verhältnissen entsprechend ist, oder einfach aus Gewohnheit.

      Es gibt auch noch eine andere Theorie, ein Produktmanager hat mir mal gesagt dass Fehler da sein müssen damit man etwas zu verbessern hat, das führt zu Kommunikation über das Produkt, ist also eine (etwas eigenartige, finde ich) Form von Marketing. Die Leute reden drüber und dadurch wird das Produkt bekannter. Und wenn dann Dinge verbessert wurden gibt es wieder was zu kommmunizieren, und das Produkt ist wieder in der Presse, irgendwann kennen es alle, alle reden drüber, das treibt den Verkauf an.
    • Kraehe schrieb:

      Ausserdem muss man auch das Gesamtziel vor Augen haben. Wenn nur eine begrenzte Zeit für die Arbeitsaufgabe vorhanden ist, dann hat es oberste Priorität dass die Arbeit fertig wird. Sonst ist sie wertlos.
      Da merke ich auch wieder meine spezielle Denkweise. Wenn die Arbeit nur zu 90% fertig ist, wäre sie für micih nicht wertlos, weil ich ja wüsste, was ich da hineingesteckt habe und weil ich wüsste, dass diese 90% korrekt sind. Also mich befriedigt es sehr viel mehr, eine korrekte Arbeit (die nur zu 90% fertig ist und für die Firma unbrauchbar ist) vor mir zu haben, als eine fertige, die Fehler enthält. :m(: In dem Fall ist mir das Ziel der Firma komplett egal. Auch da fehlt wahrscheinlich wieder der Blickwechsel. Wenn man so denkt, ist die Firma gleich zu und man ist den Job los. Früher habe ich dann eben länger gearbeitet, weil ich es wirklich nicht ertragen konnte, einen schludrigen Text oder Recherche weiterzugeben.


      Kraehe schrieb:

      Es gibt auch noch eine andere Theorie, ein Produktmanager hat mir mal gesagt dass Fehler da sein müssen damit man etwas zu verbessern hat, das führt zu Kommunikation über das Produkt, ist also eine (etwas eigenartige, finde ich) Form von Marketing. Die Leute reden drüber und dadurch wird das Produkt bekannter. Und wenn dann Dinge verbessert wurden gibt es wieder was zu kommmunizieren, und das Produkt ist wieder in der Presse, irgendwann kennen es alle, alle reden drüber, das treibt den Verkauf an.
      Das ist ja schrecklich. :shake: Aber ich würde es den Firmen und Organisationen zutrauen. Wenn man sich schon nicht durch Positives ins Licht rücken kann, dann durch Negatives. Oh wei.
    • Hm, tatsächlich würde ich die Fehler in viele Kategorien einteilen.

      Ich bin Webdesigner, ich erstelle also Webseiten, die von tausenden Menschen gesehen werden. Ich bin aber auch der einzige Webdesigner in unserer Firma, was dazu führt, dass ich sehr oft unter Zeitdruck stehe.

      Nun schleichen sich beim Programmieren eben immer Fehler ein. Aber es gibt viele Unterschiedliche Fehler auf der Arbeit:

      1. Schreibfehler beim Mailverkehr: Diese empfinde ich zwar als schlimm, kann aber gut damit leben, da diese keine richtigen Konsequenzen haben. Ich achte zwar immer auf meine Rechtschreibung im Mailverkehr mit den Kunden, aber investiere auch nicht übermässig viel Zeit darin und kann auch akzeptieren, wenn ich dort mal einen Fehler mache.
      2. Schreibfehler auf der Webseite: Dies ist ein völlig anderes Thema. Ein Schreibfehler auf einer Webseite oder einer Mailvorlage, welche an tausende Kunden geschickt wird ist fatal. Besonders beim Mailversand, denn diese kann man nach dem versenden nicht mehr korrigieren. Eine Webseite kann man notfalls jederzeit korrigieren. Daher bin ich die Texte immer sehr genau durchgegangen, und habe auch meine Kunden immer gebeten, sich alles noch einmal genau durchzulesen, bevor wir es versenden oder online stellen. Und trotzdem haben sich öfters mal Fehler eingeschlichen.
      3. Programmierfehler: Diese sind zum Glück recht "dankbare" Fehler. Denn wenn ich einen Fehler in der Programmierung mache, dann klappt es schlichtweg nicht beim testen, oder wirft eine Fehlermeldung aus. Ich kann den Fehler also direkt korrigieren. Dabei gibt es auch keine Grauzone. Wenn ein Fehler drin ist, dann funktioniert die Funktion nicht.
      4. Programmierfehler 2: Nun sind Programmierfehler zwar recht einfach zu finden und machen sich auch direkt bemerkbar, aber trotzdem gibt es manchmal diese fiesen Programmierfehler, die nur unter ganz bestimmten Konstellationen auftreten. Und obwohl ich alles teste, habe ich vielleicht diese bestimmte Konstellation nicht ausprobiert. Diese Fehler sind Fatal, denn diese Fehler fallen dann erst viel Später bestimmten Besuchern der Webseite auf, welche sich dann bei unserem Kunden melden, und der meldet sich bei uns.

      Also Fehler die ich mache, haben meistens Konsequenzen. Und so gut wie jeder Fehler wird auch gefunden, denn irgend jemanden Fallen diese immer auf.

      Nun aber zu der Eingangsfrage:
      Unter Zeitdruck macht man mehr Fehler. Das klinkt für mich erstmal logisch. Ich würde es nichtmal auf den Zeitdruck begrenzen, sondern bei jeder Überlastung macht man Fehler. Teilweise habe ich auch mal die Nacht durch gemacht, um einen Auftrag fertig zu machen. Dabei hatte ich keinen Zeitdruck, da ich eben die ganze Nacht zeit hatte. Doch habe ich mich trotzdem überlastet, was zu Fehlern führt.

      Aber führt es tatsächlich zu mehr Fehlern? Das weiß ich nicht. Denn sowohl unter Überlastung, als auch im normalen Betrieb mache ich Fehler. Ich könnte nicht sagen, ob es mehr oder weniger sind.

      Sind alle Fehler fatal? Ja, dabei ist es egal, ob es unter Zeitdruck war, oder nicht. Der Chef wird in beiden Fällen nicht erfreut darüber sein, und der Kunde auch nicht. Nur in wirklichen Extremfällen gibt es eine gewisse Toleranz. Zum Beispiel wenn ein riesen Projekt innerhalb eines Tages abgeschlossen werden muss, und sowohl der Kunde, als auch der Chef sich darüber im Klaren sind, dass es eine fast unmögliche Aufgabe ist. Da ist dann die Fehlertoleranz bei allen doch etwas höher als normal.

      Aber ansonsten würde ich sagen, dass Fehler immer Fatal sind, und auch immer auf einen zurück geführt werden. Also wenn ich einen Fehler mache, dann habe ich den gemacht, nicht die Firma, der Zeitdruck oder sonstwas.

      Gerade in den letzten Jahren ist mir aber auch aufgefallen, dass ich immer mehr Fehler mache. Und ich weiß nicht, wieso. Und das ist der Punkt, an dem es wirklich schlimm wird. Denn man macht Fehler ja nicht mit Absicht. Man kann auch nicht einfach immer achtsamer werden und alles mehr überprüfen. Denn wenn man nicht merkt, dass man einen Fehler macht, dann schaut man sich diese Stelle auch nicht auf besondere Weise an. Ich habe schon erlebt, wie ich 10 mal über einen Fehler drüber geschaut habe, und ihn nicht gesehen habe.

      Also nicht nur die Fehler werden mehr, auch die Erkennungsfähigkeit der Fehler sinkt.

      Ich habe für das ganze aber auch keine Lösung. Einerseits fordert mein Chef, dass alles immer schneller geht, andererseits sollen auch immer weniger Fehler passieren. Ich soll weniger Zeit brauchen, aber gleichzeitig mehr kontrollieren und überprüfen. Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Ich bin manchmal so übermüdet oder emotional aufgewühlt, dass ich hier im Forum zwar noch die Rechtschreibung einhalte, aber nicht mehr so viel Energie darauf verwende, wie der Satzbau und die Wortwahl ausfallen. Ich bin damit aber sehr unzufrieden und denke, dass das eigentlich nicht sein darf. Bei mir kommen dann direkt Ängste auf, was die anderen nun von mir denken werden, dass sie mich für dumm halten könnten etc. In meinem Kopf passiert dann etwas "Schlimmes", nämlich versetzt es mich in starke innere Anspannung, wenn das was ich glaube zu sein, von dem Eindruck abweicht, den andere Menschen von mir haben könnten.
      Einfache Möglichkeit: nicht schreiben, wenn du übermüdet oder aufgewühlt bist.

      Bessere Möglichkeit: überprüfe deine eigenen Gedanken. Hälst du andere für dumm, die hier Fehler machen? Wenn ja, dann arbeite an deiner Einstellung und sei nicht so arrogant, dass du von ein paar Tippfehlern auf die Intelligenz schließt. Wenn nein, dann arbeite an deinem Gedanken.

      Die meisten bilden sich kein Urteil wegen ein paar Fehlern im Geschreibsel. Sondern es entsteht ein Gesamteindruck aus allem, was jemand schreibt. Und wenn der größte Teil einen Sinn ergibt, freundlich ist und halbwegs fehlerfrei - dann wird dich keiner verurteilen, nur weil ab und an mal Fehler auftauchen.

      FruchtigBunt schrieb:

      Wenn ich nach 10 Reihen einen Fehler entdeckt hatte, wusste ich meistens nicht, wie man dorthin zurückkommt, um den zu korrigieren und so musste das ganze Strickstück wieder aufgeribbelt werden und die Arbeit war bis dahin "umsonst".
      Okay - Fehler korrigieren ist eine Sache der Übung. Manche Fehler korrigiere ich nicht. 99% der Menschheit und 90% der anderen Strickerinnen würde dieser Fehler niemals auffallen - nur mir - immer wieder. Ich habe also die Wahl mich - auch immer wieder - darüber zu ärgern oder den Fehler einfach Fehler sein zu lassen. Weil es nämlich wirklich im ganzen Strickstück nicht auffällt.

      FruchtigBunt schrieb:

      Für mich war es damals ein Weltuntergang 10 Minuten nochmals stricken zu müssen, weil ich einen Fehler machte.

      Im Moment habe ich aber auch eine Ribbelphase. Ich teste eine ganz neue Art, Socken zu stricken - die Karussel-Socken. Ich habe jetzt bestimmt schon 5mal teilweise geribbelt, weil die Dinger schlicht nicht so saßen wie sie sollen. Aber in diesem Fall ist es mir wichtig - die Socken sollen ja passen. Und weil ich brav aufschreibe, wie viele Maschen es pro Runde und wi viele Zunahmen sind, gehen die nächsten Socken fix. Und passen perfekt.
      Das ist so ein Fall von Fehler korrigieren müssen für mich - egal wie lange es dauert, egal wie aufwändig es ist.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Kennst du das Pareto-Prinzip? "Das Paretoprinzip, auch Pareto-Effekt oder 80-zu-20-Regel genannt, besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen mit 80 % die meiste Arbeit." Wenn man das weiterrechnet, kommt man irgendwo (individuell!) an einen Punkt, an dem der Aufwand das erzielte Ergebnis zu weit übersteigt, um sinnvoll zu bleiben.

      Als Beispiel: Du hast einen Roman auf Rechtschreibfehler zu prüfen. 80% der Fehler herauszufiltern geht beim ersten Durchlesen ganz schnell. Um auf ca. 95% zu kommen, brauchst du einen zweiten Durchgang, bei dem du dich sehr konzentrieren musst. Bei der dritten, hochfokussierten Korrekturrunde findest du vielleicht 99% aller Fehler, vielleicht auch 100%, aber du weißt es nicht sicher - vielleicht hast du ja doch einen übersehen?! Das wiederholt sich dann theoretisch unendlich, denn absolute Fehlerfreiheit ist ab einem gewissen Umfang des Textes im Grunde nicht mehr zu garantieren.

      Nun, und hier kommt der Faktor "Zeitdruck" ins Spiel, würde dir aber kein Arbeitgeber unendlich viel Zeit geben. Natürlich könntest du das Buch noch einmal und noch einmal und noch einmal (...) lesen, aber irgendwann lohnt sich der Aufwand einfach nicht mehr im Vergleich zum Ertrag und den möglichen Konsequenzen. Das heißt, irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem ein Schlussstrich gezogen wird. Lasche Auftraggeber sind mit 90% Fehlerfreiheit zufrieden, anspruchsvolle mit 99,xx%. Wer garantierte 100% will (z.B., weil es kein Roman ist, sondern eine medizinische Dokumentation, von der Menschenleben direkt abhängen), muss dafür extrem viel mehr zahlen und extrem viel mehr Zeit einkalkulieren. Für einen 08/15-Roman wäre das unverhältnismäßig.

      Anhand solcher Überlegungen konnte ich mich selbst, meine eigenen Ansprüche und die Ansprüche meiner Arbeitgeber einigermaßen einordnen. Ganz allgemein gesagt versuche ich, meine Arbeit so gut zu machen, wie es den Umständen (also z.B. der Wichtigkeit, der Bezahlung, der Zeit...) entsprechend möglich ist. Mühe gebe ich mir immer. Aber 100% der Zeit mit 100% Perfektion arbeiten schafft niemand, das ist unrealistisch - und oft auch Energieverschwendung. Man muss einen Weg finden, wie man die eigenen Ansprüche und Möglichkeiten mit den Ansprüchen des Arbeitgebers optimal verbindet.

      Ganz allgemein noch: Es gibt verschiedene Arten von Fehlern und nicht jeder Fehler ist etwas Negatives. Der Bäcker, der Zucker statt Salz in den Brezelteig kippt, hat vielleicht ein leckeres neues Backwerk erfunden?! Oder er entwickelt daraus eine Verbesserung der Abläufe, indem er Salz und Zucker nicht mehr in identische Behältnisse füllt, die direkt nebeneinander stehen?! Kleine Fehler und Unperfektheiten machen einen Menschen auch erst individuell und oft besonders sympathisch, denn neben den stets Perfekten fühlt man sich oft klein und dumm und beschämt... vielleicht wäre für dich auch ein Weg, nicht jede Art von Fehler als negativ zu sehen, sondern da mehr Graustufen zuzulassen?! Das gilt natürlich nicht für alle Fehler. Bei der Insulinberechnung für die Diabeteskatze sollte man wirklich genau sein und bei der Arbeitsagentur auch. Aber den Rest des Tages ist man doch sehr viel freier als man manchmal glaubt.
    • FruchtigBunt schrieb:


      Nun hatte ich mich gefragt, ob die Verfasser des Buches nun auch schon auf den kapitalistischen Zug aufgesprungen sind und so etwas vor 40 Jahren auch geschrieben hätten (hypothetische Frage), oder wie es legitim sein kann, jemanden aufzufordern, wenn genügend Zeit ist, möglichst wenig Fehler zu machen (oder ist das auch nur mein eigener, kranker Anspruch?), wenn aber Zeitdruck vorherrscht, dann plötzlich Fehler zu akzeptieren.
      Das Wertesystem hat sich in den vergangenen 50 Jahren stark verändert, bedingt durch das Aufkommen neuer Techniken.

      Vor 50 Jahren hat die Beantwortung eines Briefes mindestens drei Tage, meistens aber ungefähr eine Woche gedauert. Wenn mehrere Briefe eintrafen, so hat man denjenigen Anbieter mit den wenigsten Rechtschreibfehlern ausgewählt.
      Wenn man heute die Wahl hat: entweder eine E-Mail mit Rechtschreibfehlern, die nach 1 Stunde ankommt, oder eine E-Mail ohne Rechtschreibfehler, die nach vier Stunden ankommt, dann werden sich die meisten (NT) für den Anbieter entscheiden, der am schnellsten geantwortet hat - Rechtschreibfehler hin oder her.

      Die meisten technischen Systeme sind heutzutage mit automatischen Sicherungseinrichtungen ausgerüstet. Organisatorische Prozesse wurden durch Checklisten und Dokumentation soweit standardisiert, dass auch NT eine weitestgehend fehlerfreie Arbeit ableisten können. Gleichzeitig ist Deutschland ein reiches Land, das sich leisten kann, ein paar Millionen oder Milliarden für schlecht geplante Bauprojekte zu verschwenden: Berliner Flughafen, Elbphilharmonie (886 Mio.), Limburger Bischofsresidenz (31 Mio.), Stuttgart 21, Universität Lüneburg (91 Mio.). Wenn Tebartz-von Elst als Bischof zurückgetreten ist, dann lag das nicht an den Kosten seiner Bauprojekte (3% der Elbphilharmonie), sondern an persönlichen Abneigungen, die über die Presse ausgetragen wurden. Ich nenne dies eine selektive Fehlerintoleranz - man bestraft Fehler dann, wenn es man eine objektive Begründung für Entlassungen sucht, und lässt sie durchgehen, solange es der Organisation nützt. Wie bei Volkswagen - ein einziges Containerschiff stößt genausoviele Schadstoffe aus wie alle PKW in Hamburg zusammen, aber publikumswirksam wird eine Durchgangsstraße für den PKW-Verkehr gesperrt, weil die Stickoxide knapp über dem Grenzwert liegen. Gemessen an den heutigen Grenzwerten müsste man den Straßenverkehr der 1990er Jahre mit damals fünfmal höheren Grenzwerten wohl als Gaskammer bewerten. Alle anderen Emissionsquellen (Feuerwerk, Reifenabrieb, Schiffsdiesel, Zigarettenrauch) werden von Medien und Politik konsequent ignoriert, obwohl an Sylvester 20% des jährlichen Feinstaubs ausgestoßen wird.

      In den USA ist die Fehlertoleranz, vermutlich auch klimatisch bedingt, deutlich höher als in Deutschland. Wer interessiert sich in diesem riesigen Land dafür, wenn Flugzeuge oder Züge 30 Minuten später ankommen, zumal der Verkehr regelmäßig durch Hurricanes oder Tornados gestört wird? Wer interessiert sich für den Kraftstoffverbrauch, wenn zahlreiche Straßen nicht asphaltiert sind? Wer interessiert sich für das Bildungsniveau, wenn die nächste Bibliothek 100 km weit entfernt liegt? Wer interessiert sich für Gesundheit, wenn er seine Arztrechnung nicht bezahlen kann? Wer interessiert sich für Kinderarmut, wenn man über den Seitensprung des Präsidenten diskutieren kann? In dem Ausmaß, in dem die USA die westliche Welt kontrollieren, setzen sie auch ihre Maßstäbe durch.

      In China sind die Spielräume für Fehlertoleranz kulturell bedingt deutlich geringer.
    • filipendula schrieb:

      Ganz allgemein noch: Es gibt verschiedene Arten von Fehlern und nicht jeder Fehler ist etwas Negatives. Der Bäcker, der Zucker statt Salz in den Brezelteig kippt, hat vielleicht ein leckeres neues Backwerk erfunden?!
      Ja, ein sehr gutes Argument!

      Sehr viele extrem bedeutende Erfindungen (gute oder schlechte) sind durch Fehler oder Schlampigkeit entstanden oder entdeckt worden. (Bsp. die Entdeckung von Penicellin oder Polonium).
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • Hui, also ich bin in der Softwareentwicklung tätig, und Fehler sind da ja eher die Regel als die Ausnahme :D

      Siehe auch: amartester.blogspot.com/2007/04/bugs-per-lines-of-code.html

      In bestimmten Bereichen gibt es höhere Anforderungen (aus Sicherheitsgründen oder weil der Änderungsaufwand zu hoch wäre), aber sonst? I.d.R. sind bestimmte Fehler verschmerzbar und das Implementieren neuer Features ist wichtiger als absolute Fehlerfreiheit, die ohnehin niemand erwartet und die auch nur sehr schwer zu erreichen ist. Zudem sollte es nicht Aufgabe des Entwicklers sein, fehlerfrei zu programmieren (natürlich sollte man sorgfältig arbeiten und auf bestimmte Dinge achten und sinnvoll modellieren), sondern es muss genügend Tests verschiedener Art geben um Fehler zu entdecken.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Ich habe zum Thema "Fehler machen" einen für mich sehr beeindruckenden Textteil im Buch "Asperger's Syndrome Workplace Survival Guide" (exzellentes Buch!) gefunden:


      Barbara Bissonnette schrieb:

      Suppose a staff member makes a mistake. The neurotypical manager will consider the severity of the error, the context in which it occurred, and the individuals previous performance. He will probably overlook a minor typo made by an employee with an excellent track record, especially if that person was working under a tight deadline.
      Contrast this with the more rigid, black-and-white thinking of a manger with Aspergers' Syndrome. He may consider a mistake to be a mistake, and not hiestate to point it out.
      Dem Text würde ich auch entnehmen, dass es wichtig ist, die (Folgen)schwere eines Fehlers zu berücksichtigen. Aber auch, unter welchen Umständen der Fehler entstanden ist (z. B. Zeitdruck) und in diesem Fall nicht nur auf den einzelnen Fehler abzielen, sondern etwas mehr bei der Bewertung mit einzubeziehen. Scheinbar darf man es sich eher erlauben, in ein Dokument Fehler zu schreiben, wenn das nicht so oft vorkommt. (wobei mir das jetzt auch nicht hilft, denn wenn ich mir Nachlässigkeit erlaube, dann würde das doch für alle Fälle gelten? :roll: )
      Ich habe ein anderes Buch von ihr gelesen, was ich nicht schlecht fand, aber Rudy Simone hat mir noch besser gefallen. Bei ihr scheint mir der Schwerpunkt etwas zu sehr in Richtung Anpassung der Autisten an die "normale" Arbeitswelt zu gehen, während Simone da meinem Eindruck nach politischer und emanzipatorischer ist. Auch die Problematik "Fehler und ihre Beurteilung als Quelle von Konflikten und Missverständnissen zwischen Autisten und Nichtautisten" sehe ich nicht nur in der hier beschriebenen Weise. Sicher, das kommt vor, die umgekehrte Richtung halte ich aber für häufiger. Etwa so wie hier beschrieben:

      Sumpftrockner schrieb:

      Wenn Tebartz-von Elst als Bischof zurückgetreten ist, dann lag das nicht an den Kosten seiner Bauprojekte (3% der Elbphilharmonie), sondern an persönlichen Abneigungen, die über die Presse ausgetragen wurden. Ich nenne dies eine selektive Fehlerintoleranz - man bestraft Fehler dann, wenn es man eine objektive Begründung für Entlassungen sucht, und lässt sie durchgehen, solange es der Organisation nützt.
      Ein Mensch, der "komisch" wirkt, wird oft kritischer gesehen und strenger beurteilt. Auch Fehler gewichtet man dann stärker, so dass sie schneller zu einer "Abwärtsdynamik" führen können bzw. gleich als Grund für Entlassung oder Nichtverlängerung des Arbeitsvertrages herhalten müssen. Das habe ich selbst schon erlebt. Da wurde eine Kleinigkeit "aufgebauscht". Auch, als herauskam, dass das gar keine so "große Sache" war, ich gar nicht soviel falsch gemacht hatte, hatte ich leider nicht den Mut, zu versuchen, das bei der Vorgesetzten zu "kitten", sondern zog mich einfach zurück (war ohnehin ein befristeter Vertrag für eine Honorartätigkeit, der zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht verlängert worden wäre). Heute würde ich mich da anders verhalten, aber leider gibt es manche Chancen nicht mehrfach. :(
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • filipendula schrieb:

      allgemein gesagt versuche ich, meine Arbeit so gut zu machen, wie es den Umständen (also z.B. der Wichtigkeit, der Bezahlung, der Zeit...) entsprechend möglich ist.
      Ah, das ist interessant für mich. Auf die Idee, die eigene Bezahlung (oder wie das Produkt am Ende bezahlt wird) bei der Betrachtung mit reinzunehmen, bin ich noch nicht gekommen. Ich hatte ja beispielsweise Dokumente auf meiner Arbeit so geprüft, als wäre ich der Chef des Ladens höchstpersönlich (was die Verantwortung und das Engagement betraf). An Gehalt habe ich aber nur ein mittelmäßiges Sachbearbeitergehalt bekommen. Für das was ich da getan habe, hätte ich das 4-fache verdienen müssen. Vielleicht sollte ich mir sowas öfters vor Augen halten.
      In einer früheren Firma sagte mal eine Mitarbeiterin zu einem übergeordneten Sachbearbeiter: "Kannst du das machen? Dafür ist mein Schmerzensgeld (Arbeitslohn war gemeint damit) zu niedrig". Das fand ich damals sehr dreist, jetzt verstehe ich es etwas besser.


      Leseratte schrieb:

      Hälst du andere für dumm, die hier Fehler machen? Wenn ja, dann arbeite an deiner Einstellung und sei nicht so arrogant, dass du von ein paar Tippfehlern auf die Intelligenz schließt.
      Wo habe ich geschrieben, dass ich andere für dumm halte, weil sie ein paar Tippfehler machen?

      Ich finde deine Wortwahl in dem Zitat oben sehr harsch. Das hätte man auch netter formulieren können (wenn man es denn will oder für nötig hält).

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