Lügner, die es nicht zugeben

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    • Necroghoul7 schrieb:

      Ich dachte, du wärst gegen unzulässige Verallgemeinerungen? :d
      Ich vergaß zu sagen, dass diese Phase etwa 2 Jahre dauerte.

      Necroghoul7 schrieb:

      Und zu dem Selbstmordvorschlag gab es vermutlich eine Vorgeschichte, falls nicht, wäre das frech. Vielleicht war derjenige einfach nur gestreßt von dir und wollte damit andeuten, daß dann endlich Ruhe wäre. Normale Leute sagen auch viel, was sie nicht so meinen, zumindest nicht so konsequent, davon habe ich mich früher auch zu sehr beeindrucken lassen. Das ist kein absichtliches Lügen, sondern unbedachtes Blabla, das jeder mal von sich gibt.
      Nein, ich meine nicht, dass derjenige gestresst war. Dann bräuchte er mich doch einfach nicht mehr zu fragen, wie's mir ging. Die Frage "wie geht es dir" mit etwas anderem als "gut" zu beantworten reißt sie aus dem Kontext und das nervt manche Leute, die einfach nur Smalltalk führen möchten.
      For mash get SMASH!
    • Grübler_1988 schrieb:


      Wenn er sich nicht bewusst darüber ist, ist er kein Lügner. Oder würdest du Leuten, die aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit oder mangelndem Erinnerungvermögen eine Falschaussage machen, als Lügner bezeichnen?
      Liest Du, was ich schreibe? Diese Frage musst doch Du Dir stellen. Du stellst die bewusste Lüge in den Raum - wie willst Du, der Du nicht im Organismus des vermeintlichen Lügners steckst, heraus finden, was eine bewusste Lüge ist?

      Ich möchte nur anregen, dem label "Lüge" mit etwas Augenmaß und Achtsamkeit zu begegnen. Wir haben alle unsere eigene und noch dazu veränderliche Wahrheit. Das betrifft selbst unser Genom, Stichwort Epigenetik.
    • Nowhere Mat schrieb:

      Nein, ich meine nicht, dass derjenige gestresst war
      OK, das kannst du besser beurteilen, ich war nicht dabei, aber das ist der Grund, den ich mir vorstellen könnte, weshalb ich so etwas Krasses zu jemandem sagen würde. Also wenn derjenige alles nur runtermacht, auch positive Anregungen, und so tut, als wäre alles nur Mist, dann würde ich das sagen, weil ich mich ernsthaft fragen würde: "Wenn er nur lebt, um zu jammern, wieso lebt er dann überhaupt noch, etwa, um mich zu stressen?"

      Das ist übrigens ein Beispiel, bei dem Lügen sinnvoll/"gut" ist. Wenn jemand sich runtermacht oder sein Leben schlecht oder sinnlos findet und ich das seiner Schilderung nach gerade genauso sehe, sage ich trotzdem was Aufbauendes, was im Grunde nicht meinem Gefühl dazu entspricht. Oder wenn Eltern ein behindertes Kind haben, würde ich auch eher ihre Kraft und Liebe loben, als ihnen ganz ehrlich zu sagen, daß das für mich selbst nicht in Frage käme, mich so ausufernd darum zu kümmern.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Necroghoul7 schrieb:

      OK, das kannst du besser beurteilen, ich war nicht dabei, aber das ist der Grund, den ich mir vorstellen könnte, weshalb ich so etwas Krasses zu jemandem sagen würde. Also wenn derjenige alles nur runtermacht, auch positive Anregungen, und so tut, als wäre alles nur Mist, dann würde ich das sagen, weil ich mich ernsthaft fragen würde: "Wenn er nur lebt, um zu jammern, wieso lebt er dann überhaupt noch, etwa, um mich zu stressen?"
      Nee, nee. Das bin ich nicht. Im Gegenteil. Aber auf diese Frage gab ich damals eben eine ehrliche Antwort (gebe ich übrigens immer noch, nur dass es mir meistens blendend geht :d )
      Danach ergab sich, auch mit dieser Person, immer ein positives Gespräch. Deshalb schockierte mich das damals.
      For mash get SMASH!
    • @Grübler_1988, ja, exakt, es geht um die Definition von Lüge. Ich habe versucht, viele (und längst nicht alle) beeinflussenden Faktoren in die Gleichung: Das ist eine Lüge! einzubringen. Jedem steht natürlich frei, eine eigene Definition zu finden. Ich denke, Deine und meine sind nicht deckungsgleich, daher dürften wir nicht zu einem Konsens kommen. Was ich aber vollkommen in Ordnung finde.
    • Pippi Langstrompe schrieb:

      wie willst Du, der Du nicht im Organismus des vermeintlichen Lügners steckst, heraus finden, was eine bewusste Lüge ist?
      Indem man die beabsichtigen, in Kauf genommenen oder unbeabsichtigen Folgen der Lügen beobachtet und analysiert, ebenso die Reaktionen auf Umweltreaktionen (z.B. das Konfrontieren/Aufdecken). Dann ergeben sich oft Muster, und daraus kann man wiederum schließen, wie bewußt sich die Person ihres Lügens ist, wie sie das selbst bewertet (ob sie glaubt, daß sie lügt, oder es anders definiert) - und v.a. welche Motive vorhanden sind und wie funktional diese sind. Daraus lassen sich dann künftige Aussagen besser einordnen und Verhaltensweisen vorhersagen, was für den Alltag enorm wichtig ist. Z.B. Person XY will sich Geld borgen - wenn man nicht grundsätzlich immer oder nie was verborgt, muß man sich da die Mühe einer Analyse oder Testung mit Auswertung machen, z.B. schauen, ob jemand, der verspricht, es zurückzugeben, das auch tut. Da kann es z.B. bei Nichtrückgabe sein, daß er nie vorhatte, es zurückzugeben, oder daß er hoffte, es irgendwie zu schaffen (Verdrängung), oder daß er sich redlich bemüht, den Schaden irgendwie zu ersetzen/wiedergutzumachen. Daraus kann man dann schließen, ob er bewußt gelogen hat, als er erklärte, wieso er das Geld brauche und daß er es zurückgeben würde. Wie gesagt belügen sich viele auch selbst, aber für mich ist es nur wichtig, das grob einzuordnen, um meine Verhaltensstrategie zu finden oder - bei Nahestehenden - demjenigen Hilfe anzubieten, die ihm auch wirklich hilft (z.B. statt Geld leihen nachhaltige Lösungen finden).

      D.h. natürlich unterscheiden wir uns in unseren Definitionen (v.a. den Feinheiten) des Lügens, aber es läßt sich oft herausfinden, wie bewußt derjenige, der eine Falschaussage tätigt, dies tut und welche Motive und Ursachen dahinterstehen. Ich kann das jedenfalls bei den meisten Leuten ganz gut. Das mußte ich nämlich lernen, weil mir sehr oft geschadet wurde. Immer, wenn ich das nicht bewußt mache, begebe ich mich wieder in Gefahr, belogen, verraten, ausgenutzt usw. zu werden, d.h. ich werde bis an mein Lebensende so bewußt die anderen beobachten müssen - auch um abzuschätzen, wen ICH besser wann und wie belüge, um ohne größeren Streß durch`s Leben zu kommen.

      Vielleicht liege ich beim ein oder anderen mit meinen subjektiven Analysen falsch, aber für mich selbst sind ja eher die Folgen für mich entscheidend, und die nehmen sich teilweise nichts, d.h. ich muß in erster Linie das zukünftige Verhalten vorhersagen können (und ob ich eine Chance habe, da eine Veränderung anzuregen und ob und wie ich damit umgehen kann oder eben nicht) - als etwa die Funktionsweise des Gehirns meines Gegenübers zu verstehen. Letzteres kann und brauche ich im Alltag nicht, das ist bloß wissenschaftlich spannend.
      Es kann sein, daß jemand, der absichtlich und wohlweislich lügt, um sich Vorteile zu verschaffen, genauso agiert, wie jemand, der sich erfolgreich eingeredet hat, seine Strategie wäre ehrlich - das genau zu unterscheiden geht auch rasch in philosophische Fragen über - aber für mich ist nur entscheidend, wie ich darauf reagieren sollte.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Pippi Langstrompe schrieb:

      Ich denke, Deine und meine sind nicht deckungsgleich, daher dürften wir nicht zu einem Konsens kommen
      Vielleicht kommt ihr auch nur deshalb nicht zu einem Konsens, weil ihr abstrakt und nicht an konkreten Beispielen darüber sprecht und somit aneinander vorbeiredet. Ihr müßtet ein Beispiel haben, das beide erlebt haben oder sich gut vorstellen können, und dann klären, ob ihr beide denkt: "Das ist eine dicke, fette Lüge mit diesen oder jenen Motiven."
      Ich habe jedenfalls schon oft festgestellt, daß ich mit anderen abstrakt (also beim Debattieren im stillen Kämmerlein oder auch im Netz) anderer Meinung war, aber dann bei konkreten Situationen genauso dachte und beurteilte.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Pippi Langstrompe schrieb:

      ...


      Was also ist Lüge - wo fängt sie an, wo hört sie auf?
      Meiner Meinung nach gibt es zwei verschiedene Arten von Lüge:

      Erstens die so genannten "weißen Lügen", bei denen der Lügner keinen "Nachteil" hat, aber der Belogene einen "Vorteil" ("Deine neue Frisur sieht super aus!"). Diese Art von Lügen fungiert als "soziales Schmiermittel", ohne das Menschen, die in einer Gesellschaft zusammenleben, nicht zusammenleben könnten.

      Zweitens die "richtigen" Lügen, die der Lügner vorträgt, um sich selbst einen "Vorteil" zu verschaffen, denn wenn er die Wahrheit sagen würde, würde seine Freundin mit ihm Schluss machen ("Ja, ich habe dich betrogen"), er würde verhaftet werden ("Ja, ich habe diesen Mord begangen"), oder er würde von seiner sozialen Peer-Group ausgeschlossen ("Du hast deine Freundin betrogen und ermordet, wir wollen keinen Kontakt mehr zu dir").
    • Also um es nochmal ganz deutlich zu machen: Dieser Thread soll nicht dazu einladen über die verschiedenen Nuancen von Wahrheit und Lüge zu philosophieren. Es geht hier nicht darum, dass die Wahrheit im Auge des Betrachters liegt. Keine Notlügen, verschiedenen Perspektiven / Betrachtungsweisen, verschiedene Blickwinkel auf die Wahrheit und so weiter sondern ich spreche von echten Lügnern, von richtigen Lügen. Lügen in der Art wie: "Kidnapper haben meine Tochter entführt und wenn ich ihnen nicht bis Mitternacht 10000 Euro zahle, bringen sie sie um!" Die Art von Lügen meine ich. Sachen, von der die Person, die es sagt, eigentlich wissen müsste, ob es wahr ist oder nicht, und …
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Lex schrieb:

      Mich stört es wenn Leute dann als dumm, leichtgläubig oder naiv abgetan werden nur weil sie die Möglichkeit, dass es doch stimmen könnte, nicht völlig ausschließen wollen solange der andere so darauf besteht.
      Da kommt es aber schon sehr darauf an worum es geht. Wenn jemand stur behauptet der Himmel ist grün mit pinken Punkten dann ist es schon als naiv zu betiteln wenn man das als Wahrheit in Betracht zieht weil der andere auf dessen Wahrheitsgehalt besteht.
      Es gibt so viele verschiedene Arten von "Lügen" wo ich jetzt gar nicht so mit der Moralkeule schwingen möchte. Angefangen bei kleinen Alltagsflunkereien, Höflichkeitslügen, über Lügen um andere zu schonen, hin zu Lügen um sich einen persönlichen Vorteil heraus zu schlagen, würde ich differenzieren was für mich noch vertretbar ist und was nicht.

      Wenn ich merke, dass mich jemand belügt dann kläre ich das oder distanziere mich aber wäre nicht daran interessiert den anderen hartnäckig auffliegen zu lassen. Dafür wäre mir die Zeit zu schade.