Probleme mit Leistungsfähigkeit

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    • Probleme mit Leistungsfähigkeit

      Hallo,

      ich habe nun vor einer Woche meine Verlobte geheiratet, und es war auch ein wirklich schönes Ereignis, auf das ich mich auch schon lange gefreut habe.
      Aber ich habe auch gemerkt, wie sehr ich an bzw. über meine Grenzen gekommen bin.

      Die Planung der Hochzeit hat meine Freundin schon vor einem Jahr begonnen. Sie Plant auch sehr gerne, und mich überfordert diese ganze Planung. Ich habe ihr sogut geholfen, wie es ging, doch die meiste Arbeit hat sie gemacht. Die Woche vor der hochzeit wurde dann am Aufwändigsten. Ihre Mutter kam zu besuch und wir haben zu dritt alles aufgebaut, alle Besorgungen gemacht mit meinen Eltern, alles organisiert usw. Eine Woche Non-Stop ohne Pause. Dann war die Hochzeit, und direkt einen Tag danach sind wir in die Flitterwochen gefahren. Eine Kreuzfahrt mit der AIDA, das haben wir auch vor einem Jahr gemacht, und das habe ich sehr genossen.

      Nun aber zu dem, was mir zu schaffen macht:
      Die eine Woche vor der Hochzeit hat mich völlig erschöpft. Es ging nicht nur um das ganze organisieren und aufbauen, sondern auch darum, dass ich niemals alleine war, ich konnte mich nicht zurück ziehen, Tag und Nacht war jemand um mich herum. Ansonsten ziehe ich mich abends, nachdem meine Freundin eingeschlafen ist, immer gerne zurück an den PC, mache die Tür zu, Fenster dicht, und schalte etwas ab, teilweise bis spät in die Nacht. Das fehlte mir aber nun, und ich habe richtig gemerkt, wie mein Geist und Körper abbauen. Es war für mich so, als hätte ich eine Woche lang nicht geschlafen, denn in der Tat ist dieses Zurückziehen für mich erholsamer als Schlaf.

      Dann ging es nach der Hochzeit gleich los zum Schiff, und auch dort war ich nicht mehr alleine, permanent waren Menschen um mich herum. Beim letzten Urlaub machte mir das nicht so viel aus, aber da ich nun schon eine Woche vorher so gestress war und keinen Rückzug hatte, war ich einfach völlig leer und erschöpft. Ich war auch permanent gereizt. Wir sind nun gestern zurück gekommen, und heute ist meine Schwiegermutter auch abgereist (sie hatte auf die Katzen aufgepasst während wir im Urlaub waren). Und ich bin am PC und merke richtig, wie kaputt ich bin. Mein Kopf brummt, ich kann mich nicht mehr konzentrieren, ich habe furchtbare Augenringe und Bluthochdruck. Ich bin Körperlich und Geistig am Ende, ich kann mich kaum erinnern, schon einmal so erschöpft gewesen zu sein.

      Aber das komische ist eben, dass es nicht die Anforderungen sind, die mich erschöpft haben, sondern das Fehlen des Rückzuges und das permanente "unter Menschen sein". Dazu zählt leider auch meine Frau. Mit ihr ist es zwar viel angenehmer, als mit anderen Menschen, doch dennoch kostet es mich Kraft.

      Jetzt am Pc zu sitzen, Tür zu schließen und einfach etwas den Geist und Körper abzuschalten und hier etwas zu schreiben ist gerade pure Erholung.

      Soweit könnte ich damit leben. Mir ist schon immer klar gewesen, dass ich extrem viel Rückzug brauche. Mir war nur nicht klar, dass es sich sogar so Körperlich auswirkt. Ich dachte einfach, es wäre irgendwas psychisches und ich könnte mich einfach mal zusammen reißen. Aber selbst auf den Urlaubsfotos sehe ich völlig fertig aus. Ich merke dann auch, wie meine Konzentration und auch mein Gedächnis stark nachlassen und richtig Fluchtgedanken aufkommen. Ich wollte oftmals einfach nur noch auf die Kabine, und dann am besten ins Bad und Tür zu.

      Nun aber zu meinem Eigentlichen Problem:
      Ich kann einfach nicht annähernd die selbe Leistung bringen, wie andere. Körperlich kann ich viel leisten, aber nicht Geistig und Sozial. Ein Tag unter Menschen (egal ob fremde oder Freunde oder Partnerin) und ich benötige 2 oder mehr Tage zur Erholung. Und fehlen diese Tage, dann laufe ich irgendwann auf dem Zahnfleisch. Zusammenreißen oder ähnliches hilft nicht.
      Meine Partnerin hat verständnis dafür, weil sie einfach weiß, wie schnell ich Überfordert bin und dass ich nicht so viel Sozialen Kontakt ertrage. Dennoch bleibt immer dieser fiese NAchgeschmack, dass ich nicht so viel Leisten kann, wie Sie oder alle anderen. Auf der Kreuzfahrt ist dies kein Problem, aber in schwierigen Situationen durchaus. In der Woche vor der Hochzeit haben wir sehr viel gemacht, und irgendwann schaltet bei mir einfach etwas aus im Kopf, und ich bin nur noch im "Überlebensmodus" und nicht mehr aufnahmefähig. Doch genau in solchen Situationen braucht meine Partnerin mich, und sie ist dann auch sehr wütend und enttäuscht, wenn ich dann nicht Leistungsfähig bin. Natürlich hat sie zwar verständnis, doch wenn es Hart auf Hart kommt, dann merke ich schon, dass es sie stört, und auch alle anderen. Auf der Arbeit geht es mir ja ähnlich und mein Chef hat zwar etwas verständnis für mich, aber in Notsituationen stört es ihn dann doch.

      Und das ist mein Problem. Sowohl ich, als auch meine Frau, Freunde oder Chef haben verständnis dafür, dass ich nur halb so viel Leisten kann wie andere. Doch wenn es darauf ankommt, dann habe weder ich, noch alle anderen dafür verständnis. Ich kann mich dann selber nicht ertragen.

      Daher ist meine Frage glaube ich folgende: Verständnis hat so gut wie jeder, und auch ich selber habe verständnis, solange eben nichts schlimmes passiert. Doch wenn es darauf ankommt, dann ist sowohl mein Verständis, als auch das aller anderen plötzlich weg, und dann merke ich, dass diese Leistung wirklich fehlt und mein Leben extrem einschränkt. Weder ich, noch andere können sich dann auf mich verlassen. Es ist zwar vorher bekannt gewesen, aber im notfall hofft man dann ja doch, dass es irgendwie klappt.
      Wie geht man denn nun aber damit um?
      Dass alle verständnis haben, solange nichts wichtiges auf dem Spiel stehst, das ist mir klar. Aber wie gehe ich mit dieser verminderten Leistung um, wenn es um was wichtiges geht?

      Ich hätte meiner Partnerin so gehre viel mehr geholfen, und es macht mich krank, dass sie so viel mehr leistung bringen kann als ich, und dass ich selbst mit purer Willenskraft nichts dagegen machen kann. Das ist wie mit der Höhenangst. Egal wie sehr ich über einen Balken in 50 Meter Höhe auch gehen wollte, meine Höhenangst würde mich lähmen, selbst wenn mein Leben auf dem Spiel stehen würde, oder das Leben von anderen.

      Und ich kann von keinem Menschen verlangen, auf mich rücksicht zu nehmen, besonders in entscheidenen Situationen. Weder von meiner Freundin kann ich das verlangen, noch von meinem Arbeitgeber. Und ich selber kann es von mir auch nicht verlangen.

      In meiner Therapie kam es mal darauf zu sprechen. Eine Therapeutung meinte eben auch mal, ich müsse akzeptieren, dass meine Leistung vermindert ist. Aber wie macht man das? Ich kann meinem Chef nicht sagen, dass ich keine Leistung mehr bringen kann für die nächsten 5 Tage. Ich kann meiner Partnerin in Notsituationen nicht sagen, dass ich nicht mehr kann und einen Tag für mich brauche, ich kann Freunden die mich brauchen nicht sagen, dass ich momentan erschöpft bin. Denn in all diesen Situationen (egal wieviel Verständnis die Leute auch haben) wollen sie alle doch einen nachvollziehbaren Grund haben, und den kann ich nicht geben. Der Chef fühlt sich im Recht, die Leistung zu verlangen. Die Freunde fühlen sich im Stich gelassen und meine Partnerin fühlt sich alleine mit den Problemen. Autismus hin oder her, da hört dann für alle (und auch für mich selber) das verständnis auf.
    • Dennis82HH schrieb:

      Ich kann einfach nicht annähernd die selbe Leistung bringen, wie andere.
      Ich auch nicht. Körperlich schon, sozial nicht. Noch nie. Ich habe es lange Jahre, Jahrzehnte, versucht. Auch im Job. Jetzt bin ich erwerbsgemindert, weil ich meine Hochfunktionalität buchstäblich verbraucht habe. Sie kommt auch nicht mehr zurück.

      Gerade so Sachen wie: planen, organisieren, entscheiden, Veränderungen, viel Kommunikation und Interaktion mit Leuten, die nicht zu meinen Vertrauten gehören....das laugt mich total aus und ich brauche lange, bis ich wieder klar komme.

      Aber nur alleine sein, macht dasselbe mit mir, stelle ich fest. Wenn die Sozialkontakte zu lange ausbleiben, werde ich depressiv. Das geht auch nicht. Da so eine Mitte zu finden, finde ich inzwischen sehr schwierig.
      Bei Dir stellt sich die Frage nicht so sehr, Du bist verheiratet. Ich nicht. Ich muss mich und meine Kontakte selbst organisieren, vor allem, seit ich aus dem Job bin. Die Leute aus dem Job waren für mich zu stressig, aber es waren halt Sozialkontakte. Ich habe viele Bekanntschaften, aber ich muss die Initiative ergreifen, sie zu treffen. Das wird mir immer mühsamer.

      Es macht mir oft Angst, zu spüren, dass meine Leistungsfähigkeit so nachlässt. Ich habe ja noch ein paar Jährchen vor mir. Wie wird das, wenn es sogar schwer fällt, die schönen Dinge anzugehen, einfach weil die Verarbeitungsfähigkeit, die Integrationsfähigkeit von Reizen und Co und der Anschub fehlen!
    • Dennis82HH schrieb:

      In meiner Therapie kam es mal darauf zu sprechen. Eine Therapeutung meinte eben auch mal, ich müsse akzeptieren, dass meine Leistung vermindert ist. Aber wie macht man das? Ich kann meinem Chef nicht sagen, dass ich keine Leistung mehr bringen kann für die nächsten 5 Tage. Ich kann meiner Partnerin in Notsituationen nicht sagen, dass ich nicht mehr kann und einen Tag für mich brauche, ich kann Freunden die mich brauchen nicht sagen, dass ich momentan erschöpft bin. Denn in all diesen Situationen (egal wieviel Verständnis die Leute auch haben) wollen sie alle doch einen nachvollziehbaren Grund haben, und den kann ich nicht geben. Der Chef fühlt sich im Recht, die Leistung zu verlangen. Die Freunde fühlen sich im Stich gelassen und meine Partnerin fühlt sich alleine mit den Problemen. Autismus hin oder her, da hört dann für alle (und auch für mich selber) das verständnis auf.
      Falls du noch keine offizielle Diagnose hast, wäre wohl der einzige Weg, dir eine einzuholen. Dann hast du es schwarz auf weiß, und das sollten dann zumindest nahestehende Personen nicht mehr ignorieren. Ich finde, gerade der Partner/die Partnerin muss so etwas wissen und dafür Verständnis haben. Bei einem Chef ist es schwieriger, da kommt es auf den Einzelfall an.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Hallo Dennis.
      Gratuliere erstmal zur Hochzeit! Das ist ein großer Schritt und du hast ihn, wie du schreibst, mit allem drum und dran gut geschafft. Wow.

      Leistungsfähigkeit. Ja. Großes Thema auch bei mir. Ich stecke mir selbst sehr hohe Ziele und setze mich ziemlich unter Druck. Das ist wohl das größte Problem. Andere wären eh zufrieden. Zumindest bei meiner Arbeit. Ich habe dort die Diagnose offiziell bekannt gegeben. Also meiner direkten Kollegin und den Vorgesetzten. Das erleichtert es mir etwas.

      Eine Chefin sagte mir sogar ich kann jederzeit einen Tag wegbleiben wenn nötig.
      In Anspruch genommen hab ich das noch nie.
      Zu viel Pflichtbewusstsein und Angst, dass Chaos ausbricht.

      Ich erinnere mich dass ich früher mehr leisten konnte. Als ich so Anfang 20 war. Da ging noch mehr.
      Heute brauch ich unheimlich viele Pausen und bin auch kognitiv nicht mehr so leistungsfähig. Kommt mir vor.

      Soziales strengt mich am meisten an. Ich werde müde davon. Sehr sogar. Das ist glaube ich nix untypisches.
      Eben war Familien Essen. Jetzt bin ich auf meinem Balkon und erhole mich etwas davon. Hab was im Haushalt gemacht. Ja. Aber jetzt brauch ich Erholung. So gern ich sie hab, aber es strengt nun mal an.
      Und Arbeitskontakte noch um ein vielfaches mehr. Und Vorgesetzte sowieso.

      Es geht ,wie du siehst ,auch anderen so. Asperger haben, denke ich, immer zu kämpfen. Leider.

      Viele liebe Grüße. Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)


      "Was ist falsch an sonderbar?"
    • Gratulation zur Hochzeit! Du kannst dich glücklich schätzen, dass du eine Partnerin gefunden hast, die dein Bedürfnis nach Rückzug versteht. Das ist leider nicht selbstverständlich. :( Mein Mann ist ein sehr geselliger Typ, der ein großes Mitteilungsbedürfnis und Verlangen nach Intimität hat. Versuch mal, so jemandem zu erklären, warum du Zeit für dich brauchst. Nach einem Tag voller Kinderlärm und Chaos will ich Abends einfach nur noch zusammenklappen, die Füße hochlegen, einen Film gucken oder ein Buch lesen und zwar ALLEINE. Leider ist unsere Wohnung aber sehr klein, so dass wir praktisch jeden Abend aufeinanderhocken. Ich bin mittlerweile körperlich und psychisch total am Ende. Gehe oft früh ins Bett, einfach nur, um meine Ruhe zu haben. Aber wie du selbst auch schreibst, eigentlich ist dieses Zurückziehen erholsamer als der Schlaf.
      Aber wenn deine Frau Verständnis für deine Bedürfnisse hat und ihr miteinander darüber reden könnt, ist das wirklich sehr kostbar.
      Und zur Leistungsfähigkeit: Hast du schon mal irgendwelche Enspannungstechniken ausprobiert oder gibt es etwas, was dir hilft, dich von sozialen Situationen schneller zu erholen, z.B. ein Spaziergang im Wald, Musik hören, Sport...? Mir hilft es oft schon weiter, wenn ich in einer ruhigen Minute die Augen schließe und ein paar Mal tief durchatme. Natürlich kann man damit nicht auf einen Schlag mehrere stressige Tage bewältigen, aber ich merke, dass ich leistungsfähiger bin, wenn ich mir bewusst immer mal wieder diese kurzen Auszeiten gönne. Am Ende bekomme ich auf diese Weise mehr geschafft, als wenn ich versuche, vor lauter Stress noch schneller zu arbeiten.
    • Ani schrieb:

      Dennis82HH schrieb:

      Ich kann einfach nicht annähernd die selbe Leistung bringen, wie andere.
      Ich auch nicht. Körperlich schon, sozial nicht. Noch nie. Ich habe es lange Jahre, Jahrzehnte, versucht. Auch im Job. Jetzt bin ich erwerbsgemindert, weil ich meine Hochfunktionalität buchstäblich verbraucht habe. Sie kommt auch nicht mehr zurück.
      Gerade so Sachen wie: planen, organisieren, entscheiden, Veränderungen, viel Kommunikation und Interaktion mit Leuten, die nicht zu meinen Vertrauten gehören....das laugt mich total aus und ich brauche lange, bis ich wieder klar komme.

      Aber nur alleine sein, macht dasselbe mit mir, stelle ich fest. Wenn die Sozialkontakte zu lange ausbleiben, werde ich depressiv. Das geht auch nicht. Da so eine Mitte zu finden, finde ich inzwischen sehr schwierig.
      Bei Dir stellt sich die Frage nicht so sehr, Du bist verheiratet. Ich nicht. Ich muss mich und meine Kontakte selbst organisieren, vor allem, seit ich aus dem Job bin. Die Leute aus dem Job waren für mich zu stressig, aber es waren halt Sozialkontakte. Ich habe viele Bekanntschaften, aber ich muss die Initiative ergreifen, sie zu treffen. Das wird mir immer mühsamer.

      Es macht mir oft Angst, zu spüren, dass meine Leistungsfähigkeit so nachlässt. Ich habe ja noch ein paar Jährchen vor mir. Wie wird das, wenn es sogar schwer fällt, die schönen Dinge anzugehen, einfach weil die Verarbeitungsfähigkeit, die Integrationsfähigkeit von Reizen und Co und der Anschub fehlen!
      Liest sich wie ein Blick in meine Zukunft: Auf eben diesen Zustand arbeite ich hin. :d
      Achtung, eigene Sprache!
    • Gratulation, gut dass du die Hochzeit hinter dir hast. Nun fängt das ruhige Eheleben an. :thumbup:

      Eine Hochzeitsfeier und dann noch Flitterwochen wären für mich die Hölle. Sowas weiß man vorher. Hast du bei der Planung nicht aufgepasst oder hast du dich überschätzt? Wir müssen nunmal Ruhezeiten einhalten und ÜberforderungsSituationen vermeiden, damit wir funktionstüchtig bleiben. Der Partner kann nicht immer daran denken, Ruhezeiten in seine Pläne einzubauen, da muss man schon selbst darauf achten und Pausenzeiten bei der Planung anmelden. Mein Partner ist den Einwand "Das ist zuviel in zu kurzer Zeit." mittlerweile gewöhnt und verteilt dann die Vorhaben auf ein längers Zeitintervall. Wenn man seine Funktionalität wegen Überlastung verliert ist ja auch niemandem geholfen. Prinzipiell kann man fast alles schaffen, nur eben nicht so viel auf einmal.
    • Gratulation zur Hochzeit erstmal.
      Hast du denn schon eine Diagnose? Wenn nicht, wäre eine Möglichkeit dich daraufhin zu bemühen.
      Dann hättest du schon mal belegt, dass es halt nun mal nicht mehr so geht. Das hilft schon mal ein gutes Stück.
      Ich selbst stehe vor einem ähnlichen Problem wie du.
      Früher habe ich viel körperlich und auch geistig geschafft, aber seit einiger Zeit nimmt es stark ab. Das ist bei mir nun so weit, dass ich voll Erwerbsgemindert bin.
      Das ist zwar auf der einen Seite schön und gut, aber wirklich zu Frieden stellen tut es mich nicht. Ich stehe dort und denke mir, wie kann ich es akzeptieren das ich nicht mehr so leistungsfähig bin wie früher?
      Und aus meinen jetzigen Erfahrungen kann ich dir sagen, dass kostet Zeit damit in Einklang zu gehen.
      Ich selbst bin damit auch noch nicht durch.
      Grüße aus der Pegasus Galaxie. :)
    • Vielen Dank für die Glückwünsche und die vielen Antworten.

      Ich hatte mich nun eine Woche der Hochzeitsreise erstmal für eine Woche lang abgekapselt und habe viel zeit am PC verbracht und viel gespielt. Das hat mich einigermaßen wieder aufgeladen. Meine Frau meinte auch, dass ich endlich wieder Farbe im Gesicht hatte, weil ich vorher schon richtig blass geworden bin. Einfach am PC zu sitzen und zu spielen lädt mich gefühlt mehr auf, als zu schlafen. Und wenn ich das nicht kann, kommt es mir so vor, als hätte ich Tagelang nicht geschlafen, mit ähnlichen Symptomen.

      Dabei geht es garnicht um den PC oder das Spielen, sondern darum alleine zu sein, die Tür schließen zu können, und nicht gestört zu werden.

      Zu den Fragen:
      Eine Offizielle Diagnose habe ich noch nicht. Ich habe mir vor einigen Monaten schon einen Termin geben lassen, doch der früheste ist im Januar 2019. Ich muss also noch etwas warten. Ich bin zwar auch weiterhin in Therapie, allerdings in einer Gruppentherapie, ohne Fokus auf Autismus oder ähnliches. Ob das das richtige ist, weiß ich nicht. Aber es ist momentan besser als garnichts. Aber ich merke schon, dass die anderen ganz andere Probleme als ich haben. Oftmals geht es um Beziehung, Eltern usw.

      Meine Frau weiß aber von dem ganzen, und teilt auch meine Auffassung, dass ich Autist bin. Genau so wie auch meine Therapeuten, Freunde usw. Aber das hilft einem trotzdem alles nicht, wenn man es nicht schwarz auf weiß hat. Meine Frau nimmt eben auch sehr viel Rücksicht auf mich, aber auch diese Rücksicht hat eben Grenzen, was ich auch völlig verstehen kann. So versucht sie eben schon, vieles von mir fern zu halten, was mich überfordert. Aber gerade bei der Hochzeitsplanung geht das eben nicht immer. Und wenn mich dann etwas überlastet hat, und ich eine Pause brauchte, dann hat sie das gekränkt oder verletzt. Ich freue mich, dass sie so viel verständnis hat, kann aber auch verstehen, dass sie dadurch nicht trotzdem verletzt wird.

      Ich bin seit einem Jahr Krank gemeldet und nicht mehr auf der Arbeit gewesen. Meinem Chef würde ich aber auch erst davon erzählen, wenn ich wirklich eine Diagnose hätte. Allerdings weiß ich nicht, ob das bei ihm etwas bringen würde. Er hält nichts von Ärtzen, meint dass Impfungen und Medikamente und Krank machen, und würde wohl auch nichts von Autismus halten. Er ist da etwas Esoterisch/Paranoid angehaucht. Und der Job besteht eben aus permanenten Not-Situationen. Es wäre also so gut wie unmöglich, da eine Art verständnis einzufordern. Ich wäre schlichtweg nicht mehr zu gebrauchen auf der Arbeit. Wie ein Feuerwehrmann, der nur noch Morgens arbeiten kann.

      Allerdings hat sich das ganze ja schon angebahnt. Ich arbeite seit 13 Jahren dort, und habe immer nur in 20 Stunden gearbeitet. So konnte ich mir immer 2-3 Tage pro Woche freinehmen, was ich auch gebraucht habe. Wenn es mal gut lief, konnte ich 1-2 Wochen am Stück arbeiten, und dann mal wieder eine Woche frei machen usw. Allerdings musste ich dies auch sehr oft wirklich bis zur Geduldsprobe ausreizen, was zu Spannungen geführt hat. Einerseits schätzt er meine Arbeit sehr, andererseits bin ich dadurch sehr unzuverlässig gewesen. Aber ich habe niemals einen Auftrag nicht abgeschlossen, oder einen Kunden hängen lassen. Notfalls habe ich dann von Zuhause gearbeitet. Das war mir immer viel angenehmer. Aber wenn ich wußte, dass alle Aufträge fertig sind, dann habe ich mich auch gerne mal spontan morgens abgemeldet. Das fand mein Chef natürlich nicht so witzig. Aber oftmals ging es einfach nicht anders. Aber es ist eben auch keine Dauerlösung.

      Entspannungsübungen mache ich keine, habe aber sehr viele gelernt während der 2 Monate in der Tagesklinik, welche den Schwerpunkt auf Stressbewältigung und Achtsamkeit hatte. Doch was mir immer am besten hilft, ist wirklich nur das alleine sein. Ob ich am PC sitze, musik höre, Videos schaue, einen Film gucke, das ist relativ egal. Wobei das Spielen am PC mich immer noch am meisten Entspannt. Und ich meine damit keine entspannten Spiele. Ich spiele sehr gerne Simulatoren, oder sehr komplizierte schwierige Spiele. Doch das entspannt mich am besten, da bin ich total ausgeglichen. Es ist die Perfekte Mischung aus Entspannung, Anspannung, Forderung, Mentale Stimulation usw. Als wäre ich in meinem Element.
      Das Problem ist nur, dass ein Stressiger Tag mit vielen Menschen und schwierigen Situationen, etwa 2 Tage Entspannung benötigt, um wieder ausgeglichen zu werden. Daher komme ich gefühlt niemals hinterher, und falle von einer Überlastung in die nächste, und die Entspannungen reichen meist nur, um mich über Wasser zu halten.

      Ich hatte mich ja jetzt eine Woche stark zurück gezogen und viel gespielt. Und ich habe gemerkt, wie gut es mir tut. Ich war wieder lebendig, ich konnte mich wieder konzentrieren, ich fühlte mich auch köperlich besser. Ich wurde wieder kreativ, auch meine Träume waren wieder viel lebendiger. Es tut mir einfach Rundum sehr gut. Nur kann ich nicht erwarten, dass ich nach jeder Überlastung mir eine Woche frei nehmen kann.


      Was mich am meisten stört, ist, dass meine Leistungsfähigkeit so stark eingeschränkt ist. Nicht erst seit kurzem, sondern schon immer. Und ich mein Lebenlang immer versucht habe, hinterher zu kommen. Dies konnte ich meist durch gewisse Talente ausgleichen (ich liebe Mathematik, Programmieren, Physik usw.) Trotzdem stoße ich mein Lebenlang andauernd an eine Grenze, und das zu einem Zeitpunkt, an welchem andere noch nichtmal die Hälfte ihrer Leistung verbraucht haben. Dabei ist es egal, ob es sozialer natur ist, auf der Arbeit, in der Schule oder Freundschaften. Meine Taktik war daher, einfach die Zähne zusammen beißen und durch. Ich habe es für eine Art von Faulheit gehalten, die ich einfach überwinden muss. Doch nun bin ich 36 Jahre alt, arbeite seit 13 Jahren im selben Beruf und hatte mich gerade so mit 20 Stunden über Wasser halten können. Meine Leistung ist eher noch schlechter als besser geworden. Selbst Jahrelange Routine hat zu keinerlei Gewöhnung geführt. Ich musste mich immer wieder Abmelden auf der Arbeit. Freundschaften pflege ich sehr schlecht, und das obwohl ich viele meiner Freunde schon seit früher Kindheit kenne. Genau so mit der Familie. Und das alles stört mich selber, wohl noch viel mehr als alle anderen. Die haben alle schon gemerkt, dass etwas nicht mit mir Stimmt. Aber ich konnte/kann das nicht akzeptieren.
      Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass ich nicht weiß, wie ich von anderen eine Akzeptanz verlangen kann. Meine Freundin ist sehr verständnisvoll, sogar mein Chef war all die Jahre sehr verständnisvoll. Aber wie schon gesagt, gilt das alles nur, solange es auch nicht wichtig ist. Sobald dann eine Notsituation da ist, verlassen sich alle auf mich. Und genau da funktioniere ich nicht. Und obwohl alle Verständnis haben, verletzt sie das dann doch. Und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Denn irgendwie glauben alle, dass man dann doch funktionieren würde, wenn es drauf ankommt. Dass man sich irgendwie dann zusammen reißen würde. Wenn ich das aber könnte, dann würde ich es ja immer tun. Und dadurch sind eben viele von mir Enttäuscht, und ich selber auch.

      Vielleicht ist das ganze anders, wenn ich eine Diagnose habe. Es wirklich auf dem Papier zu haben ist vielleicht nochmal etwas anderes. Momentan habe ich nur das Gefühl, für sehr viele Menschen eine Last zu sein. Man muss irgendwie immer auf mich rücksicht nehmen, auf meine Leistung aufpassen, man muss mir ganz viel Rückzug geben usw. Und ich kann es in keinster Weise erklären oder rechtfertigen. Weder anderen, noch mir selber. Vielleicht hilft die Diagnose ja auch schon, dass ich mich selber besser akzeptiere und mich nicht einfach für Faul halte.

      Allerdings ist 2019 auch noch sehr lange hin. Aber mehr als Abwarten geht wohl nicht.

      Aber selbst danach habe ich keine Ahnung, wie es weiter gehen soll. ein 20 Stunden Job erschöpft mich schon völlig. Ich habe die Zeit vor 3 Jahren mal auf 30 Stunden erhöht. Einfach weil das Geld nicht mehr gereicht hat. In kürzester Zeit hatte ich starken Bluthochdruck und Depressionen. Ich bin dann wieder auf 20 Stunden runter gegangen, auch wenn das Geld nicht zum Leben reicht. Aber es wurde unerträglich für mich, außerdem hatte ich schon sehr viele Unterstunden angesammelt.
      Wie würde also meine Zukunft aussehen? Ich habe einige Talente und Fähigkeiten, aber ich bin sehr sehr schnell überlastet und nicht mehr Leistungsfähig. Daher hatte ich auch in der Schule immer sehr gute Noten, aber auch extrem viele Fehlzeiten, und habe diverse male versucht, mein Abitur nachzuholen, dies aber immer abgebrochen. Ich sehe darum nicht wirklich, wohin ich mit meinem Leben soll.
      Ich habe auch vor einiger Zeit einen Brief bekommen von der Rentenversicherung, mit einer Hochrechnung, wie viel Rente ich vorraussichtlich erhalten werde, wenn ich weiterhin so Arbeite wie jetzt. Das war erschreckend, ich kann es mir wirklich nicht leisten, in Rente zu gehen. Dies ist zwar noch eine ganze Zeit hin, aber wenn es soweit ist, dann wird es wirklich gruselig.
    • Vielleicht kannst du dir ja einen kleinen Nebenverdienst aufbauen?
      Mit Streaming oder kleineren Programmieraufträgen? Viel wäre es wohl nicht, aber so ein kleines Taschengeld tut der Seele gut :)

      Ich verkaufe ab und zu mal eins meiner Werke oder nehm nen kleinen Auftrag an. Damit fühl ich mich besser. Gut fürs Ego und so ;)
    • Manche Arbeit kann man auch von zu Hause aus machen. Eine Bekannte (NT) arbeitet einen Tag pro Woche von zu Hause aus, ohne Grund, einfach weil der Arbeitgeber es anbietet. Wenn das in deinem Job nicht möglich ist, dann wäre ein Zweitjob vielleicht was für dich, oder ein Jobwechsel. Vielleicht brauchst du nur einen Job der dir weniger an den Nerven zerrt.
    • Neu

      DrCarsonBeckett schrieb:

      Ohne dich anstiften zu wollen, schon mal über Erwerbsminderungsrente nachgedacht?
      Ich kann dich voll und ganz verstehen, vieles kommt mir von dir selbst bekannt vor. :?
      Erwerbsminderung ist glaube ich noch sehr weit weg, ich brauche ja erstmal eine Diagnose. Aber dann mal schauen, wohin sich das ganze Entwickelt.


      Frieda schrieb:

      Vielleicht kannst du dir ja einen kleinen Nebenverdienst aufbauen?
      Mit Streaming oder kleineren Programmieraufträgen? Viel wäre es wohl nicht, aber so ein kleines Taschengeld tut der Seele gut :)

      Ich verkaufe ab und zu mal eins meiner Werke oder nehm nen kleinen Auftrag an. Damit fühl ich mich besser. Gut fürs Ego und so ;)
      Ich würde gerne etwas nebenher verdienen. Aber beim Programmieren ist das leider sehr schwierig. Man programmiert ja immer innerhalb eines größeren Projektes, und da kann man als Fremder nicht wirklich etwas tun. Wenn überhaupt, dann müsste ich richtig Teil eines Teams sein, oder ein Projekt selber alleine programmieren. Doch dann ist das auch wieder ein Wochen/Monatsprojekt, und dafür müsste ich wirklich selbstständig sein.
      Kleine Programmieraufträge gibt es so leider nicht wirklich, auf jedenfall nicht in meinem Bereich.

      Außerdem erfordert Programmieren auch immer 100% Leistung, ansonsten macht man Fehler oder es funktioniert einfach nicht. Und diese 100% kann ich gerade nicht bringen. Daher bietet sich Programmieren leider nicht wirklich als Geldquelle an im moment.

      Ansonsten fällt mir leider nicht viel ein, was ich kann, was auch Geld bringt. Für vieles fehlt mir einfach die Leistungskraft, die Konzentration oder die Fähigkeiten. Ganz abgesehen davon, dass ich auch nicht wirklich irgendwas verdienen dürfte, da ich momentan Krank gemeldet bin und vom Krankengeld lebe.
      Streamen wäre eine schöne Sache, da nun einmal das Spielen mein größtes Talent ist. Allerdings fehlt mir dazu auch die Zeit und Kraft. Wieso Zeit obwohl ich Krank gemeldet bin? Weil ich mich im moment komplett um den Haushalt kümmere, Frühstück, Essen, Einkaufen, Katzen und dazwischen diverse Arzt- oder Therapietermine habe. Tatsächlich fressen all diese kleinigkeiten extrem viel Zeit, da sie über den ganzen tag verteilt sind. Zum Streamen bräuchte ich aber wirklich 2-3 Stunden am Stück, und wenn ich mal so viel Zeit habe, dann brauche ich die meist, um selber etwas zu entspannen.


      Puk schrieb:

      Manche Arbeit kann man auch von zu Hause aus machen. Eine Bekannte (NT) arbeitet einen Tag pro Woche von zu Hause aus, ohne Grund, einfach weil der Arbeitgeber es anbietet. Wenn das in deinem Job nicht möglich ist, dann wäre ein Zweitjob vielleicht was für dich, oder ein Jobwechsel. Vielleicht brauchst du nur einen Job der dir weniger an den Nerven zerrt.

      Ich arbeite sehr gerne von Zuhause, aber ich habe auch gemerkt, dass ich unkonzentrierter bin wenn ich Zuhause bin. Auf der Arbeit kann ich einige Stunden 100% Leisten, dann bin ich kaputt. Zuhause schaffe ich diese 100% aber nicht, und dann schleichen sich Fehler ein, die Programmierung wird unsauber, ich vergesse Dinge usw. Ich kann dann zwar länger und Stressfreier arbeiten, aber die Qualität lässt stark nach.

      Ich bin aber auch momentan am neu orientieren. Allerdings wurde der Antrag der Rentenversicherung auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben vorerst abgelehnt, und der Widerspruch dauert nun wieder Monate. Ich habe also keine Ahnung, wie es weiter gehen wird. Und ich weiß leider auch nicht, welcher Job mir liegt. Denn eigentlich ist es ja garnicht so sehr der Inhalt des Jobs, sondern die Rahmenbedingungen, welche mir zu Schaffen machen. Ich schaffe es einfach nicht, durchgängig 100% Leistung zu bringen, ich werde schnell unzuverlässig und Depressiv. Und das sind nun einmal alles Dinge, die man in jedem Job braucht. In meinem jetzigen Job habe ich ja schon viel mehr Freiheiten und muss weniger Leistung bringen, als in den meisten anderen. Aber selbst dieser Job laugt mich aus, und reicht auch finanziell bei weitem nicht.
    • Neu

      Dennis82HH schrieb:

      Kleine Programmieraufträge gibt es so leider nicht wirklich, auf jedenfall nicht in meinem Bereich.
      twago.de/s/projects/

      Edit: Das blöde an der Seite ist, dass man als Entwickler sog. Credits kaufen muss, um ein Angebot abzugeben. Ich schaue mal, ob es noch eine andere mit kleinen Aufträgen gibt.

      Ansonsten kannst du dir mal upwork ansehen: upwork.com/i/how-it-works/freelancer/

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