Soziale Kontakte

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    • Veronika wrote:

      Das mit dem kopieren kenne ich. Manchmal nenne ich mich deswegen auch menschlichen Kopierer. Ich schnappe Sätze, gestiken etc. Von jemandem auf und übernehme sie dann woanders. Ob das normal ist??
      Ich weiß nicht, ob es "normal" ist, Liane Willey (Aspergerin, die ein Buch drüber geschrieben hat) neigt auch stark dazu.
      Ich mache das auch und muss mir teilweise die Gestik, Mimik, den Tonfall eines anderen regelrecht wieder "abschütteln".
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Rhianonn wrote:

      Und dann merke ich auch, ich habe eine Freundin aus dem Studium , der mache ich alles nach. Also nicht nur die Sätze, sondern auch die Stimmlage. Als wäre ich gar kein eigener Mensch, sondern eine Kopie.
      Kennt das noch jemand ?
      Ja, ich neige auch stark zu diesem "Kopieren". :oops: :?
      Allerdings nicht nur bei echten Menschen, sondern z. B. auch bei Charakteren aus Filmen o. ä.
      Außerdem picke ich mir auch einzelne Verhaltensweisen von verschiedenen Menschen heraus und "mische die dann zusammen" (anstatt nur einen einzigen Menschen zu imitieren), so dass ich doch noch irgendwie eine persönliche Note reinbringen kann... :roll: :d
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt. - Man wird ja wohl noch blubbern dürfen...
    • Wow. Es scheint ja nicht so selten zu sein.
      Ich mische es auch durch. Aber leider wirkt es trotzdem oft nicht authentisch.
      Im Moment bin ich aber eh auf dem „mehr ich sein“ Trip. Daher möchte ich das mehr forcieren.

      Lg.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Andere kopiert habe ich vor allem als Kind/Teenager. Serienfiguren habe ich teilweise auch kopiert, das kam aber weniger gut an. Das hat aber nachgelassen, weil ich inzwischen kaum noch Sozialkontakte habe. Habe irgendwo gelesen, dass das häufiger vorkommt bei Autisten.
      Ist da wer?
    • Hallo.
      Ich hatte heute Therapie. Meine Woche ist diesmal ziemlich leer. Ich sagte zur Therapeutin sie sei „leerläufig“.
      Sie nannte mich einsam. Das geht mir nicht aus dem Kopf. Bin ich einsam??
      Irgendwie hat sie ja recht. Ich kann im Moment ganz schwer mit Leerläufen. Ich brauche immer „etwas“.
      Termin, Freunde, etc.
      Ich kann mich ja glücklich schätzen, dass ich arbeiten gehe! Das blockiert etwas Zeit.
      Nächste Woche ist wieder besser. Aus meiner Sicht.

      Es könnte ja wirklich nicht schaden, ein paar Freunde mehr zu haben. Aber das ist schwer. Ich lasse nicht so schnell wen an mich ran.
      Und ich bin wählerisch bei Freunden. Aber das ist bei mir so. Hm.
      Das Wort „einsam“ stört mich.

      Lg Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)

      "Was ist falsch an sonderbar?"

      "Das Ende der Störung ist derzeit nicht absehbar."
    • Der Freundeskreis sowohl von mir als auch meinem Mann (NT) ist auch nicht soo groß.

      Es sind eher Bekannte die wir haben, ich habe den meisten sozialen Kontakt im Büro. Bin daher auch froh wenn ich zu Hause mal meine
      Ruhe habe.

      Leerlauf macht mir weniger aus wie meinem Mann, der kann damit weit weniger gut um. Allerdings hat er über sein Hobby
      jetzt eine nette Gruppe gefunden. Und das tut ihm richtig gut :]
      LG Tasha
    • Bei mir gab es in den letzten 1,5 Monaten vonseiten Therapeuten und Familie, Freund sehr große Erwartungen, weil ich umgezogen bin und das Studium begonnen habe. Phrasen wie "An der Uni ist das ganz anders, glaub mir", "Du musst nur ein bisschen mehr aus dir herauskommen" (Dabei fühl ich mich doch ganz wohl in meinem Körper... :fun: ) und "Du schaffst das, und dann siehst du auch, wie toll das ist, einen Freundeskreis zu haben" habe ich in der Zeit vor dem Umzug sehr häufig gehört, und ich muss sagen: Ich habe es die letzten anderthalb Monate wirklich, wirklich, WIRKLICH versucht.

      Und, Spoiler Alert, es ist schief gegangen.
      Abgesehen von Panikattacken, die ich so schlimm nicht einmal während der gesamten Oberstufe hatte (und dort bin ich teils offensiv gemobbt worden), war ich sobald ich daheim ankam einfach nur noch fertig, aß etwas, ging ins Bett, döste und sah fern, bis es spät genug war, um schlafen zu gehen.
      Mit meinem Freund, in dessen Heimatstadt ich nach 4 Jahren Fernbeziehung gezogen bin, wollte ich nichts großartiges mehr unternehmen, eigentlich war er fast nur am Wochenende oder zum Panik lindern da. (Wir wohnen nicht gemeinsam)

      Die Tage brach es dann aus mir raus, ohne, dass ich vorher selbst genau wusste, wie sehr es mich angestrengt hat: "Ich will einfach nur wieder ich selbst sein, es ist so furchtbar anstrengend, ich muss mich um Leute kümmern, die mich wahlweise verbal zumüllen oder von denen überhaupt nichts zurückkommt, ich verstehe sowieso nichts mehr, wenn ich in einer Gruppe von mehr als drei Menschen unterwegs bin und ständig wollen sie umarmen oder Hand geben oder dass wir per WhatsApp schreiben. ich kann das nicht mehr und ich will das nicht mehr, ich will nur noch meine Ruhe haben und wieder ICH sein dürfen."

      Dieser Ausbruch (der zeitgleich mit der Erkenntnis kam) war sehr, sehr erleichternd. Und ich habe etwas über mich gelernt- Dass es eben nicht nur nötig ist, "mehr aus mir herauszukommen", oder "die richtigen Leute zu finden".
      Ich brauche einfach nur wie bisher irgendwann in den nächsten drei Jahren zwei Kontakte vor Ort, die sich alle paar Tage mal kurz erkundigen und die mich wirklich interessieren (und natürlich anders herum). Keine Gruppe, kein riesiges Kontaktgeflecht. Ich will gar keinen "Freundeskreis" haben, selbst wenn ich das schaffen würde.

      Ich habe keine Ahnung, wie und wann es mir gelingen wird, diese "zwei Personen" (Wobei es auch drei sein dürften, oder eine) kennenzulernen, aber gerade ist mir das auch egal.
      Gerade will ich nur noch meine Ruhe. Und das ist okay und gut so. :]
      "Ich? Gescheitert? Niemals!
      ... Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren." -Thomas Edison, zumindest so ähnlich
    • @Blaubeere

      Die meisten vergessen dabei auch, wie sehr anstrengend für "uns" so ein ortswechsel ist. es ist schließlich alles neu. nicht nur die menschen.

      ich kam auch ohne all zu viele kontakte durch die erste unizeit, vielleicht geht das an einer "Massenuni" auch leichter.

      machst du mit dem studium noch weiter?
    • seven_of_nine wrote:

      Zu der Frage: Ich bin fast nur mit Informatikern befreundet und "bekanntschaftet", da gibt es viele mit autistischen Tendenzen (und teils auch ADHS) sowie Leute, die nicht autistisch, aber sehr introvertiert oder sensibel sind... Die Aspie-Treffen fühlen sich auch nicht groß anders an als irgendwelche Treffen früher an der Uni. Insofern stellt sich die Frage, ob ich nicht eh IMMER auf Autistentreffen - mehr oder weniger - bin, wenn ich mich mit Freunden treffe.
      Ich kenne die Leute natürlich nicht, finde aber, man sollte vorsichtig mit dem Begriff "autistisch" umgehen. So viele Autisten gibt es ja statistisch gesehen nicht (je nach Quelle vielleicht 1 Prozent). Ich bin z.B. in einem Verein, wo es haufenweise Informatiker gibt (und relativ viele Schachspieler) und trotzdem sind es nicht lauter Autisten, ich würde sogar sagen, die wenigsten haben etwas wirklich Autistisches an sich. Ich habe ja noch keine Diagnose, würde mich aber definitiv als wesentlich autistischer beschreiben als die meisten Informatiker, die ich kenne. Ein bisschen seltsam zu sein, was vielleicht in diesen Kreisen schon häufiger auftritt, hat ja noch nichts mit Autismus zu tun.
    • Fidoline wrote:

      seven_of_nine wrote:

      Zu der Frage: Ich bin fast nur mit Informatikern befreundet und "bekanntschaftet", da gibt es viele mit autistischen Tendenzen (und teils auch ADHS) sowie Leute, die nicht autistisch, aber sehr introvertiert oder sensibel sind... Die Aspie-Treffen fühlen sich auch nicht groß anders an als irgendwelche Treffen früher an der Uni. Insofern stellt sich die Frage, ob ich nicht eh IMMER auf Autistentreffen - mehr oder weniger - bin, wenn ich mich mit Freunden treffe.
      Ich kenne die Leute natürlich nicht, finde aber, man sollte vorsichtig mit dem Begriff "autistisch" umgehen. So viele Autisten gibt es ja statistisch gesehen nicht (je nach Quelle vielleicht 1 Prozent). Ich bin z.B. in einem Verein, wo es haufenweise Informatiker gibt (und relativ viele Schachspieler) und trotzdem sind es nicht lauter Autisten, ich würde sogar sagen, die wenigsten haben etwas wirklich Autistisches an sich. Ich habe ja noch keine Diagnose, würde mich aber definitiv als wesentlich autistischer beschreiben als die meisten Informatiker, die ich kenne. Ein bisschen seltsam zu sein, was vielleicht in diesen Kreisen schon häufiger auftritt, hat ja noch nichts mit Autismus zu tun.
      Ich benutze den Begriff "autistische Tendenzen", um einen Hang zu eher niedriger sozialer Kompetenz und/oder SIs auszudrücken. Ich wüsste nicht, wie ich das sonst beschreiben sollte, außer vielleicht mit "Nerdigkeit". Letztlich waren die Leute im Studium zu einem gewissen Teil genauso wie die Leute auf den 2 Aspie-Treffen, wo ich bisher war.

      Ich finde schon, dass diese Tendenzen gehäuft unter Informatikern auftreten. Letztlich erfolgt aber noch zusätzlich eine Selektion dadurch, dass ich natürlich auch innerhalb einer Gruppe eindeutig immer die nicht neurotypischen Leute anziehe (sowohl romantisch als platonisch).

      Es überrascht mich tatsächlich, dass es bei dir im Schachverein anders ist, aber ich war auch noch nie in einem Schachverein... Inwiefern sind die seltsamen Leute denn seltsam, wenn nicht auf autistische Weise? Extrem introvertiert? Hyperaktiv? Depressiv?

      Edit: Ich denke, dass eine eher niedrige soziale Kompetenz häufig als "etwas komisch" wahrgenommen wird, insofern kann es sogar sein, dass wir das gleiche meinen. Gerade, wenn man die Leute seit sehr vielen Jahren kennt, fallen eben doch bestimmte Verhaltensweisen/Charaktereigenschaften im Vergleich zu nichtautistischen Menschen auf.

      The post was edited 3 times, last by seven_of_nine ().

    • seven_of_nine wrote:

      Es überrascht mich tatsächlich, dass es bei dir im Schachverein anders ist, aber ich war auch noch nie in einem Schachverein...
      @Fidoline sprach ja nicht explizit von einem Schachverein, sondern einem Verein, in dem (zufälligerweise) auch viele Schachspieler sind. :prof:

      Bei meinem eigenen Schachverein finde ich es schwierig zu beschreiben... :roll:

      Irgendwie sind die Leute dort schon... anders. Ich meine, alleine die Tatsache, dass ich mich mit ihnen so gut verstehe, ist ja schon recht bedenklich... :roll: :lol:
      "Geringe Sozialkompetenz" würde ich jetzt aber bei den meisten nicht direkt sagen, eher "geringes Interesse an sozialem Drumherum". Smalltalk übers Wetter o. ä. habe ich dort jedenfalls noch nie gehört... :roll: Geredet wird eigentlich vor allem über schachspezifische Themen... Hat also irgendwie auch SI-Charakter. ^^

      Aber dass in meinem Verein noch jemand tatsächlich eine Autismus-Diagnose hat, glaube ich eher nicht. :shake: (Wobei... von mir denkt das dort vermutlich auch keiner... :roll: )
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    • Richtig, ich meinte keinen Schachverein. Ehrlich gesagt geht es um einen Verein für Hochbegabte. Da trifft man wirklich gehäuft Informatiker. "Komisch"meine ich im Sinne von individueller, also tendenziell sind soziale Komponenten wie Small Talk oder soziales Lügen wesentlich geringer ausgeprägt, aber eben vorhanden. Ein sehr guter Freund von mir ist zB Informatiker und fast hochbegabt. Er ist bestimmt nicht Mainstream. Denkt um die Ecke, fällt durch viel Reden auf und achtet nicht so wie der Durchschnittsmensch darauf, sozial nicht anzuecken. Er selbst sagt oft er ist ein Alien. Aber - verglichen mit mir und ich bin bestimmt auch keine extreme Autistin, wenn ich die Diagnose denn erhalten sollte - ist er definitiv kein Alien. Er fällt etwas auf, jedoch eben nicht so wie ich. ZB fällt mir bei ihm auch die Verwendung von Floskeln auf. Ich verwende sie im Beruf auch manchmal, privat fast gar nicht, sodass ich vielleicht manchmal unhöflich wirke? Außerdem waren bis jetzt bei den meisten Informatikern, die ich kennengelernt habe, Mimik und Gestik normal ausgeprägt. Da gibt es ja eine gewisse Spannbreite. Ich weiß aber von mir - durch die Rückmeldung anderer und auch von nicht gestellten Fotos - dass ich ein Pokerface habe, auch wenn es nicht in meiner Absicht liegt, Gefühle nicht zu zeigen.
      Im Schachverein sind anzunehmenderweise mehr Intelligente. Da ist halt Small Talk auch nicht so beliebt. Aber Autismus geht weit darüber hinaus.
      In meinem letzten Job, wo ich gearbeitet habe, am Sprachenzentrum der Uni (ja trotz sozialer Probleme unterrichte ich ;) ) fand ich auch, dass es mit vielen Kollegen ging. Ich kam mir verglichen mit anderen Jobs auch nicht soooo ausgeschlossen vor. Bin mir aber sicher, dass dort kein Autist arbeitete. Es ist nur ein Umfeld, in dem man auch eher "komisch" sein kann und dadurch, dass ich auch sehr theoretisch veranlagt bin, passte es halt auch.


      seven_of_nine wrote:

      Inwiefern sind die seltsamen Leute denn seltsam, wenn nicht auf autistische Weise? Extrem introvertiert? Hyperaktiv? Depressiv?
      Eine Freundin von mir hat eine diagnostizierte Psychose. Die ist auch komisch, insofern als sie irgendwie aufgedreht und kindlich wirkt. Schwer zu beschreiben, aber autistisch ist sie zu 100% nicht. Und ich könnte hier auch noch ein paar Familienmitglieder aufzählen mit diversehen sehr seltsamen Eigenheiten, mache ich aber nicht :d .
    • Dr_B wrote:

      Irgendwie sind die Leute dort schon... anders. Ich meine, alleine die Tatsache, dass ich mich mit ihnen so gut verstehe, ist ja schon recht bedenklich...
      Haha :D Wie war das? Ich möchte nicht Mitglied in einem Club sein, der mich aufnimmt, oder so ;)

      Dr_B wrote:

      "Geringe Sozialkompetenz" würde ich jetzt aber bei den meisten nicht direkt sagen, eher "geringes Interesse an sozialem Drumherum". Smalltalk übers Wetter o. ä. habe ich dort jedenfalls noch nie gehört... Geredet wird eigentlich vor allem über schachspezifische Themen... Hat also irgendwie auch SI-Charakter. ^^
      Ja, der Begriff ist immer schwierig, hab auch schon oft "Haue" dafür bekommen (u.a. in einer Deutschschulaufgabe, wo ich einem Bösewicht hohe soziale Kompetenz attestiert habe, da er ja aus meiner Sicht eine hohe kognitive (nicht emotionale!) Empathie hatte und andere manipulieren konnte).
      Wenn meine Freunde/engeren Bekannten nicht loyal, interessiert, zuverlässig, hilfsbereit usw. wären oder mich am laufenden Band beleidigen, versetzen, komisch behandeln würden etc., dann wären sie nicht meine Freunde. Genauso nicht, wenn ich nicht stundenlang mit ihnen Gespräche führen könnte.
      Es sind dann schon subtilere Sachen, wo man merkt, dass manche Menschen soziale Regeln sehr intuitiv und sicher beherrschen - auch die machen Fehler, aber seltener und eher andere - und andere eben nicht, sei es, wie du sagst, dass sie keinen richtigen Smalltalk führen, bestimmte Konventionen missachten, Dinge aussprechen, die andere nicht aussprechen würden, implizit ausgesprochene Dinge nicht verstehen (z.B. eine Essenseinladung), extrem stur auf eigenen Meinungen beharren, wahlweise ungewollt unhöflich rüberkommen oder anerzogen/gewollt höflich. Oder was mir z.B. beim Chaos Congress extrem aufgefallen ist - und mich auch belustigt hat: Die Leute, mit denen man da rumhing, wären von selbst nie auf die Idee gekommen innerhalb von 3 Tagen mal zu fragen, was man denn studiert oder in seiner Freizeit so macht, und das, obwohl sie ansonsten gesprächig waren. Das wäre für NTs extrem ungewöhnlich.

      Dr_B wrote:

      Aber dass in meinem Verein noch jemand tatsächlich eine Autismus-Diagnose hat, glaube ich eher nicht. (Wobei... von mir denkt das dort vermutlich auch keiner... )
      Also ich hab ein paar wenige Bekannte und Freunde, die aus meiner Sicht eine Diagnose bekommen würden und auch sollten (Autismus oder ADHS oder beides), bei denen ist halt auch ein Leidensdruck da und es gibt starke Komorbiditäten. Und dann gibt es die Leute, die eben eine vielleicht nicht ganz so hohe soziale Kompetenz und SIs haben, aber so im Leben gut zurecht kommen. Kann man als Informatiker ja auch, wenn man keine psychischen Instabilitäten, starken exekutiven Probleme (Chaos in der Wohnung ist Standard...) oder extreme Probleme mit Reizüberflutung hat. Ist ja nicht so, als wenn man im Job besonders sozial kompetent sein müsste ;) Manchmal beneide ich das irgendwie. Dass es Leute gibt, die merkwürdig sind, aber ihr Ding durchziehen. Die trotzdem Selbstbewusstsein haben und sich nicht permanent sinnlos stressen und hinterfragen. Obwohl sie manchmal anecken. Ich frage mich auch oft, was eigentlich mein Problem ist... aber dann denke ich wieder daran, dass ich ja nicht ohne Grund eine Diagnose in der Kindheit bekommen habe.

      Fidoline wrote:

      ZB fällt mir bei ihm auch die Verwendung von Floskeln auf.
      Was meinst du mit Floskeln? Sowas wie "Na, wie geht's dir so? Wie läuft's auf der Arbeit"? Das kann man lernen, vermutlich auch als sehr schwer betroffener Autist. Überhaupt ist in meinem Freundeskreis irgendwie alles ziemlich ritualisiert, habe ich manchmal das Gefühl. Es gibt dann diese Regeln, wie dass man z.B. wahnsinnig darauf achten muss, dass man sich beim Anstoßen der Gläser in die Augen sieht.

      Fidoline wrote:

      Außerdem waren bis jetzt bei den meisten Informatikern, die ich kennengelernt habe, Mimik und Gestik normal ausgeprägt.
      Ist das ein Kriterium für Autismus (wobei ich ja nur von autistischen Zügen sprach)? Ich hab eine ziemlich stark ausgeprägte Mimik und Gestik, wenn ich entspannt bin, vielleicht sogar relativ normal (abgesehen vom teils fehlenden Blickkontakt), ansonsten vielleicht etwas zu stark. Auf Videos ist mir aufgefallen, dass ich oft die Hand am Gelenk so abknicke (das scheint mir irgendwie was autistisches zu sein?), und früher habe ich wohl bei Aufregung oft die Oberarme so gegen den Körper gedrückt, was komisch aussah (wie ein Huhn oder so :D). Also meine Armhaltung ist sicherlich merkwürdig, aber ich weiß nicht, wie sehr das anderen auffällt.

      Fidoline wrote:

      Es ist nur ein Umfeld, in dem man auch eher "komisch" sein kann und dadurch, dass ich auch sehr theoretisch veranlagt bin, passte es halt auch.
      Ja, klar, es gibt immer tolerantere und weniger tolerantere Umfelder. Wobei meiner Erfahrung nach die toleranteren Umfelder auch die komischeren Leute anziehen, oder werden die Umfelder erst dadurch tolerant? Ich weiß nur, dass meine erste Arbeitsstelle der Horror war, denn die Leute - auch die Programmierer dort! - waren einfach so unfassbar normal. Konventionell (fast schon spießig), extrem sportlich, fit, ordentlich, sozial gewandt... Da bleibt ein komischer Mensch nicht freiwillig länger.

      Fidoline wrote:

      Aber Autismus geht weit darüber hinaus.
      Naja, bei einer Störung geht man davon aus, dass sie Menschen irgendwie beeinträchtigt. Aber man kann aus meiner Sicht eben auch autistische Züge (müsste ja eigentlich etwas für @Morgenstern und @Taron sein :D) haben ohne wirkliche (wie es immer so schön heißt: klinisch relevante) Beeinträchtigung (wobei viele dieser Leute in einem Umfeld, wo viel Sozialkompetenz gefordert wäre, sicher auch Probleme hätten).
      Deswegen verwende ich diesen unscharfen Begriff der autistischen Züge (der immer merkwürdiger klingt, je öfter ich ihn schreibe und im Kopf wiederhole...)
    • Mit Floskeln meine ich z.B. nach jedem Telefonat oder so einen guten Abend oder was auch immer zu wünschen - selbst wenn man sich gerade über schwerwiegende Probleme unterhalten hat...lernen könnte man das bestimmt, aber da wäre ich halt wieder bei dem Punkt: sich verstellen, Dinge zu tun, die man als unsinnig erachtet. Da kommt bei mir nur eine Depression raus, deshalb lasse ich das.


      seven_of_nine wrote:

      Fidoline wrote:

      aber autistisch ist sie zu 100% nicht
      Und woher weißt du das zu 100%?
      Hast du schon Autisten kennengelernt, die total auf Menschen fixiert sind, mit jedem reden (ich meine jetzt wirklich Fremde), kaum eine Stunde alleine sein können und superanhänglich? Ihr Spezialinteresse wären menschliche/männliche Beziehungen :-p . Ich weiß, dass es Unterschiede gibt, aber man sollte nicht bei jedem eine mögliche Form von Autismus sehen. Wie gesagt, es ist sehr wenig verbreitet in der Bevölkerung.

      Wenn man gar keine Beeinträchtigungen hat, scheint es mir seltsam, in diesem Forum gelandet zu sein. Man sucht den Austausch ja nicht, wenn man mit den anderen Menschen super klarkommt und keine relevanten Unterschiede feststellt - oder? :question: