Mein Autismus Tagebuch - von Regenbogenwusli/Stan

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    • Peinlich im Sinne von: "Meine Situation ist so ungewöhnlich, dass ihnen nichtmal in den Sinn kam das als Antwortoption anzugeben."
      Und dann muss man es wohlmöglich noch am Telefon erklären...

      Und ich weiß das, weil ich schon in der gleichen Situation war wie einiges, was du erzählt hast.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Lex wrote:

      Peinlich im Sinne von: "Meine Situation ist so ungewöhnlich, dass ihnen nichtmal in den Sinn kam das als Antwortoption anzugeben."
      Und dann muss man es wohlmöglich noch am Telefon erklären...

      Und ich weiß das, weil ich schon in der gleichen Situation war wie einiges, was du erzählt hast.
      Achso, zum Glück muss ich das nicht am Telefon machen. Ich habe beim SovD einen Termin gemacht wo ich mit meiner Mutter hinfahre, ich habe mit denen schon per email darüber genauer gesprochen und das geklärt bevor ich den Termin gemacht habe.
      Ich vermute das für sie diese Situation auch nicht neu ist, die haben diese Anträge vermutlich schon oft ausgefüllt. Sie haben mir sogar angeboten das für mich zu machen, aber das kostet 10€.
    • 12. Oktober 2020

      Ich wollte mal wieder berichten wie es so in der Werkstatt weiterläuft.
      Ich bin inzwischen seit knapp 2 Wochen im Eingangsverfahren, muss dort ja nur einen Monat machen, anstatt der üblichen 3.
      Inzwischen wurde das Konzentrationsprogramm "Cogpack" auf den internen Laptops installiert. Vorher haben wir ab und an mit einem eher einfachen Programm namens "Budenberg" gearbeitet was aber nur so bis 6. Klasse Niveau hat.
      Ich habe dort aber nur wenig gemacht, nur Sachen die ich eh schon leicht fand wie englisch und deutsch. An Mathe habe ich mich nicht heran getraut.
      Cogpack ist sehr viel schwerer, kennt das jemand von euch?
      Ich kannte es vorher nicht, aber einer der Teilnehmer sagte mir das er es in einem Eignungstest machen musste wo man schaut was für Arbeitstätigkeiten einem liegen würden.
      Heute habe ich daher das erste mal damit gearbeitet.
      Einfach fand ich die Labyorinthe.
      Ansonsten habe ich noch Tasten-aufgaben gemacht wo man eine Taste auf der Tastatur so schnell wie möglich richtig tippen muss die auf dem Bildschirm angezeigt wird.
      Um es richtig zu machen bin ich aber eher langsam.
      Außerdem ist es für mich konzentrationstechnisch sehr ansträngend.
      Ich war am Nachmittag wieder in der Verpackungsgruppe, während die anderen einen Word-kurs gemacht haben, dafür hatte ich keine geistige Kraft mehr.
      Ich bin sehr froh das die in der Werkstatt darauf eingehen, man sagte mir auch das wenn ich nach der Arbeit zuhause garkeine Energie mehr habe, kann ich die Stunden auch kürzen, ich müsste dazu nur zum Arzt, dem das erklären, das würde für 3 Monate ausgestellt werden oder so.
      Ich weiß aber noch nicht ob ich das mache weil ich später im BBB wo man 2 Jahre ist, nicht mehr diesen Kopfkram macht sondern mehr in den praktischen Bereichen ist und in den Arbeitsbereichen verschiedene Tätigkeiten gemacht werden können, das können Dinge sein bei denen man praktisch arbeitet oder auch mit dem Kopf. Letzteres ist eher im PC-bereich der Fall, da gibt es einen Bereich wo Briefe abgestempelt werden müssen was einfach ist, aber auch Dinge wo man den Inhalt der Briefe, also auch Rechnungsnummern und so weiter in ein Programm eintragen muss. Das ist ja im Grunde auch leicht aber ich denke das man da schnell mal Zahlendreher reinbekommt oder so wenn die Konzentration nachlässt.
      Sowas passiert mir beim Zusammenbauen von so Einzelteilen die dann ein Messgerät oder was anderes ergeben eher nicht.
      Man sagte mir letztens auch das man nicht jede Woche in eine anderen Werkstatt muss, also erst zum Beispiel Bauernhof, dann wo anders hin oder sowas.
      Man sagte mir das das für die Arbeitsgruppen gilt die in der Werkstatt sind in der ich bin.
      Der andere Gruppenleiter hatte das blöd erklärt, es klang so als sollte man erst eine Woche in eine Werkstatt wo zum Beispiel ein Bayernhof ist (dort würde ich mit dem ÖpnV nicht mal hinkommen), und dann die nächte Woche in wieder eine andere die im Hauptbereich ist und wo ich auch nur schwer hin komme, oder besser eher später nach 9 Uhr.
      Da sagte der Mann dann das ich dann um die spätere Uhrzeit kommen soll weil das ja besser ist als garnicht zu kommen.
      Denn in so kurzen Abständen und so kurzfristig könne man keinen Fahrdienst organisieren.
      Nun stellte sich halt heraus das das mit den wöchtendlichen Wechseln innerhalb der Werkstatt sein soll, also dem Gebäude, nicht allen Werkstätten die das Franz-Sales-Haus hat.
      Das hat mich dann doch wieder beruhigt.
      Ich würde quasi erst in der Verpackung rumprobieren, dann mal in die Digitalisierung gehen und probieren und dann in den Metallbereich und dort probieren.
      Wenn die beiden anderen Bereiche nicht für mich sind, kann ich ja wieder zur Verpackung wechseln.
    • Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau aber ich meine zu erinnern, dass ich es letztlich doch nicht ganz so geil bzw. nützlich fand wie erhofft. Wobei ich auch nicht alle Funktionen angetestet habe, denke ich.
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    • Lex wrote:

      dass ich es letztlich doch nicht ganz so geil bzw. nützlich fand wie erhofft. Wobei ich auch nicht alle Funktionen angetestet habe, denke ich.
      Uns sagte man das es Ziel ist die Konzentration und das Gedächtnis zu verbessern oder zu erhalten, darum machen wir diese Übungen.
      Wenn es nicht funktioniert ist das nicht schlimm, man sagte uns hier das es dann einfach die falsche Methode für die Person ist und nicht schlimm ist und man dann was anderes versuchen kann.
      Gut ist das uns erklärt wurde das man nicht gezwungen wird sondern es wird gefördert wo man es will. Das nennt sich Teilnehmer-orientiert. Das ist jetzt dank des neuen Teilhabegesetzes so, früher war es Einrichtungs-orientiert, da wurde quasi vorgegeben was man machen kann oder sollte und es wurde einem quasi aufgezwungen.
    • Montag der 19. Oktober 2020

      Heute sind wirklich einige Dinge passiert.

      1. es war Streik, einige von Euch haben das sicher auch bemerkt. Ich bin mit dem Taxi zur Arbeit gefahren, das habe ich mir mal gegönnt auch wenn es teuer ist, das problem ist aber auch das während ich in dem BBB bin, darf man nur 5 Tage im Monat unendschuldigt fehlen, und Streik zählt leider dazu.
      Morgen soll wieder Streik sein aber nochmal 50€ möchte ich nicht ausgeben für einen Tag. Ich überlege mit dem Tretroller die Ruhr entlang bis nach Kupferdreh zu fahren, auch wenn ich dann erst 2 Stunden später oder so ankomme. Ich möchte so wenige Fehltage wie möglich haben und ich möchte nicht das das Arbeitsamt mir die Maßnahme abbricht wegen der Fehltage, man bekommt wegen sowas auch weniger Geld.

      2. ich habe heute mit meinem Gruppenleiter über eine Werkstatt in Nürnberg gesprochen.
      Ich hab gestern mal gegoogelt was es da für welche gibt wo es künstlerische Aktivitäten gibt und ich habe ein paar gefunden.
      Eine sticht dabei besonders hervor.
      Das ist eine Werkstatt wo scheinbar der Arbeitsbereich tatsächlich eine Kunstwerkstatt ist, diese nennt sich KunstRaum.
      Auf der Homepage liest es sich auch so das dort jeder mitmachen kann, auch Menschen mit psychischen Behinderungen.
      Weiter unten hingegen liest man aber das die Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung ist was mir sorgen macht, weil ich befürchte das ich deswegen dort nicht augenommen werden kann. Mein Gruppenleiter sagte deswegen das ich den Betreiber der diesen Kunstraum erschaffen hat mal anschreiben soll und mich vorstellen soll und Fragen dazu stellen soll.
      Das habe ich vorhin auch gemacht.
      Diese Werkstatt wäre echt PERFEKT für mich. Einer der Gruppenleiter dort hat Erfahrung mit Autisten, das steht sogar auf der Seite, und dann halt das Thema Kunst, das ist halt einfach noch das was ich am besten kann.
      Ich kann zwar auch in eine andere Werkstatt nur für psychisch Behinderte und da die typischen Verpackung und Montagebereiche machen und mir die Kunst für zuhause aufheben, aber es wäre schon erfüllender und auch toller in einer richtigen Werkstatt zu arbeiten, wo man auch mehr Materialmöglichkeiten hat als zuhause.
      Ich würde mir so sehr wünschen das das klappt.
      Es kann doch nicht sein das nur wegen so blöder Richtlinien oder Gesetze Leute nicht in so eine Werkstatt dürfen weil sie halt nicht geistig behindert sind, ich finde das ist unfair.
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      Lex wrote:

      Wünsch dir Glück.

      jaw wrote:

      Einfach dort nachfragen

      Wünsche dir auch viel Glück und Erfolg dabei!
      Danke, ja ich habe denen eine email geschrieben und auch sehr schnell eine Antwort erhalten.
      Sie sind scheinbar an mir interessiert und finden es toll das ich so großes Interesse habe. Ich muss das aber mit den Möglichkeiten noch genauer klären.
      Ich hatte sie wegen dem geistig behindert nochmal genauer gefragt, sie haben die Frage an eine übergeordnete Person weitergegeben die sich gemeldet hat und die schrieb mir das sie gern mit mir telefonieren möchte um das genauer zu besprechen.
      Ich weiß nur noch nicht wann oder wie ich die erreichen soll weil meine Arbeitszeiten in deren fallen und ich erst fragen muss ob ich die auf der Arbeit mit deren Telefon anrufen darf, sollte aber kein problem sein denke ich.


      emjay2812 wrote:

      Zählt Streik nicht zu höherer Gewalt. D. h. Du darfst der Arbeit zwar nicht Fernbleiben, aber wenn du deswegen später kommst, kann dir keiner einen Strick draus drehen(RW).
      Ja das mit dem später kommen ist auch nicht das Problem, es kommt drauf an. Der Ort wo ich arbeite ist kP 10km? weit weg.
      Mal eben zufuß dort hin geht nicht. Ich konnte nur entweder mit dem Tretroller die Ruhr entlang was ca 1 Stunde dauert, oder mit dem Taxi was nur 15 Minuten dauert. Das Taxi ist nur leider sehr teuer wenn man das mehrmals die Woche machen muss oder eben selbst einmal die Woche ist das schon teuer, das sind dann 200€ im Monat.
      Das ist mir dann doch zu viel, auch wenn ich Taxifahren echt entspannt finde, ich müsste dann erst um 7:15 aufstehen anstatt um 6:30 XD
      Es ist schade das taxifahren so dermaßen teuer ist.
      Mit dem Roller fahren ist blöd wenn es regnet, das ist mir auf dem Rückweg letzten Dienstag passiert, der Hinweg war schön, es war trocken, ich habe einen schönen farbigen Sonnenaufgang gesehen, aber auf dem Rückweg wurde der Regen immer stärker mit etwas Wind. Ich habe geschwitzt und war nass, mir war nicht kalt aber es nervt halt wenn man fahren will und ständig regnet es einen voll.

      Man sagte uns zu Streiks nur folgendes: wenn man noch nicht im Arbeitsbereich ist und nicht kommen kann, muss man als unentschuldigt eingetragen werden, das geht dann zum Arbeitsamt weil die wärend dem Eingangsverfahren und dem BBB der Kostenträger sind und die entscheiden dann nach 5 x fehlen innerhalb von 30 Tagen ob die die Maßnahme weiterhin bezahlen oder nicht.
      Und ich möchte nicht wegen solcher blöden Streiks ettliche Fehltage bekommen, da versuche ich mit dem Mitteln die mir zur Verfügung stehen zu kommen.
      Ob ich später komme oder pünktlich ist dabei egal, niemand ist böse wenn ich erst mittags da ankomme, hauptsache ich komme überhaupt damit ich nicht als unentschuldigt gelte.
      Wenn man im Arbeitsbereich ist, also nachdem man 2 Jahre BBB durch hat, ist es egal wenn man fehltage hat, man kann dann nicht einfach so rausgeschmissen werden.
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      24. Oktober 2020

      Diese ganze Woche war wirklich sehr ansträngend für mich, jeden tag irgend etwas anderes was irgendwie anders war, und daher mehr Energie brauchte um damit klarzukommen.
      Eine gute Sache ist allerdings auch passiert, und zwar gestern, ich hatte nur leider nicht mehr die Kraft und den Nerv mich gestern abend noch hinzusetzen und darüber zu schreiben.
      Bevor ich dazu komme wollte ich aber mal einen kurzen Wochenrückblick geben auf das war so passiert ist und ich dazu betonen möchte, das sowas (sofern jede Woche in einem leben so wäre) definitiv NICHTS für einen Autisten ist D:

      Montag: Streik, musste abweichend meiner Gewohnheiten mit dem Taxi fahren, habe mich also überwinden müssen in ein fremdes Auto völlig fremde Menschen anzusprechen und zu erklären was ich will und versucht im Auto so normal wie möglich zu wirken.

      Dienstag: Wieder Streik, dieses mal mit dem Tretroller zur Arbeit gefahren, hatte noch Muskelkater Tage danach in den Beinen, gleichzeitig damit beschäftigt (psychisch und mental generell) Kontakt zu WfbM in Nürnberg aufzunehmen, besprochen mit Gruppenleiter wie ich das machen kann so das ich eine Chance habe das man mich wahrnimmt und nicht gleich abblitzen lässt.

      Mittwoch: Meine Frage ob ich als Nicht-geistig-behinderter in der WfbM in Nürnberg arbeiten kann blieb unbeantwortet, und dann hatte ich zuhause kein Internet, Telefon und Fernsehen mehr weil was kaputt war. Musste zu meiner Nachbarin nach Telefon fragen und eine Hotline anrufen, habe mit einem Mann in einem Callcenter in Bayern gesprochen, hoffte das ich am Donnerstag wieder Internet haben werde.

      Donnerstag: Nach Arbeit gleich zum Arzt wegen Hormonspritze, wenig Zeit abends für alles gehabt, emails gecheckt, wo stand ich soll in WfbM in Nürnberg anrufen, wäre besser (für mich aber weniger weil telefonieren blöd ist).

      Freitag: Nummer von WfbM mit zur Arbeit genommen und gefragt ob ich dort anrufen darf weil von zuhause nicht möglich wegen Uhrzeiten. Dann angerufen, Frau dort hatte keine Zeit, wollte aber zurückrufen. Ich konnte mich danach kaum mehr konzentrieren wegen Telefonangst. Dann wieder angerufen und ich alles erklärt über wie ich gerade lebe, was ich vorher gemacht hab, wo ich im Moment noch bin und nächsten Monat in BBB komme, und Grundsicherung beantrage nächste Woche, das ich nach Nürnberg will und diese Werkstatt perfekt wäre. Ich fragte dann ob ich dort überhaupt genommen werden kann wegen keine geistige Behinderung, und sie sagte, ich bin Autist also geht das, weil die Werkstatt für geistig Behinderte, aber auch für Autisten im allgemeinen offen ist, also ist es für mich möglich. Ich war so erleichtert darüber.
      Dann nachhause, noch sauber machen in Wohnung von nachbarin und baden, dann war Tag auch schon wieder rum, doofer Nachbar ist auch da dieses Wochenende also muss ich auf Sofa schlafen bis Sonntag.
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      RegenbogenWusli wrote:

      ... und sie sagte, ich bin Autist also geht das, weil die Werkstatt für geistig Behinderte, aber auch für Autisten im allgemeinen offen ist, also ist es für mich möglich. Ich war so erleichtert darüber.
      Es freut mich, dass du ein positives Feedback aus Nürnberg erhalten hast! Drücke dir weiterhin die Daumen (RW), dass alles gut geht!
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      Danke, im Grunde sind ja jetzt nur noch 2 Dinge zu erreichen, 1. Grundsicherung und 2. eine Wohnung finden. Beides ist sicher nicht so einfach, ich werde es sehen.
      Bei der Grundsicherung wird es schwer wenn wieder irgendwas an Unterlagen beim Antrag fehlt, weil die irgendwas wissen wollen, wo man vorher nicht dachte das sie darüber einen Nachweis wollen. Darum habe ich da den SovD um Hilfe gebeten, die kennen sich damit einfach besser aus. Im Notfall falls nötig helfen die einem auch beim Widerspruch, bei Klagen etc, das kostet eine kleine Gebühr aber sie haben da die Möglichkeiten wie wenn man einen Anwalt einschaltet.
      Das sollte in einem Fall aber wegen der Gegebenheiten und der Rechtslage eigentlich garnicht nötig werden, außer die wollen es buchstäblich draufanlegen.
      Und das mit dem Umzug ist eben auch so eine Sache. Auch wenn es einige für uns bezahlbare Wohnungen gibt, stellt sich die Frage ob man jemanden findet der sich für einen dann auch entscheidet, das ist vielleicht auch von Glück anhängig, und davon wieviele Interesennten es gibt. Während Corona ziehen vielleicht weniger Leute um als sonst, sondern nur die die es müssen, und solange es keinen Lockdown gibt, kann man immerhin noch hin und her fahren und sich Wohnungen anschauen. Wenn sich alle an die Sicherheitsregeln halten mit Maske und Hände desinfizieren, sollte das keine Probleme machen.