Personen mit "Highly superior autobiographical memory" (HSAM)

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    • Ich bin am entgegengesetzten Ende dieses Spektrums. Erinnerungen an die Kindheit sind allenfalls bruchstückhaft vorhanden und wenn ich ein Alibi für den 24. Juni brauchen würde.... Ich kann mich an manchen Tagen nicht einmal erinnern, was ich zu Mittag am Tag davor gegessen habe.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Leseratte schrieb:

      Ich kann mich an manchen Tagen nicht einmal erinnern, was ich zu Mittag am Tag davor gegessen habe.
      Das habe ich ab und zu auch...wenn mich jemand spontan fragt: "na, wie war es denn gestern"..muss ich manchmal erst etwas überlegen,
      was er damit meint.

      Wenn es gute Rhythmen hat, konnte ich mir früher gut Zahlen, Telefonnummern etc merken.
      Ist der Rhytmus verrutscht, bin ich irritiert.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater
    • zaph schrieb:

      Ich bin Kalenderrechner und habe auch ein nahezu perfektes autobiografisches Gedächtnis.

      Also wenn man dir ein Datum nennt, beispielsweise den 13.06.1995, oder den 20.03.2003- du kannst nicht nur den Wochentag benennen, sondern auch, was du an dem Tag gemacht hast und was in der Zeitung stand? Oder was meint bei dir "fast perfekt"?
      Ich glaube, Dr. Peter Schmidt ist auch Kalenderrechner, hat ein perfektes autobiographisches Gedächtnis und kann sich zudem an seine Geburt erinnern (beschreibt er in "Der Junge vom Saturn"). Geht das bei dir auch in die Richtung?


      Selbst bin ich auch Kalenderrechner, habe ein recht ordentliches autobiographisches Gedächtnis, aber zu den meisten Tagen meines Lebens könnte ich trotzdem nicht (genau) sagen, was ich da gemacht habe. Geburt und frühe Kindheit schon gar nicht.


      Leseratte schrieb:

      Ich kann mich an manchen Tagen nicht einmal erinnern, was ich zu Mittag am Tag davor gegessen habe.
      Hier hängt es in meinen Augen von den Umständen ab- wenn du den Vormittag zugebracht hast, Zutaten auf dem Markt zu kaufen, die Mahlzeit dann damit aufwendig zubereitet und noch Gäste eingeladen hast- ja, dann ist das schon besorgniserregend, wenn du es vergessen hast. Geht es um irgendeine Schnellmahlzeit, die du öfter mal zu dir nimmst und eigentlich auch eher so nebenbei eingefügt hast, ohne dass du dem groß Aufmerksamkeit gewidmet hast- dann finde ich das nicht schlimm. Unwichtiges sortiert das Gehirn schnell wieder raus.
    • Willowtree schrieb:

      ohne dass du dem groß Aufmerksamkeit gewidmet hast- dann finde ich das nicht schlimm. Unwichtiges sortiert das Gehirn schnell wieder raus.
      Stimmt..ich habe das mal mit dem Parken getestet..wenn ich ganz aufmerksam gucke, wo ich den Wagen abstelle..wie das Umfeld aussieht..usw..finde ich ihn schnell wieder.
      Wenn ich einfach aussteige und los laufe..muss ich oft überlegen: ja, wo war das denn vorhin?
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater
    • zaph schrieb:

      Was das Kalenderrechnen angeht: Ja
      Was ich wann gegessen habe oder wie das Wetter war: Nein
      Ich kann mich aber an ganze Dialoge aus meiner Kindheit erinnern, welche Personen ich in welchen Zusammenhängen getroffen habe, was Lehrer erzählt haben usw
      Das ist schon eine beeindruckende Ressource, aber ich glaube HSAM ist das dann noch nicht.
    • In meinem Diagnosebericht im Abschnitt "Fremdanamnese" steht, dass ich früher kalenderrechnen konnte. Meine Eltern sind nach wie vor dieser Meinung. Kann man sowas denn verlernen? Davon ist nämlich nichts mehr übrig. Trotzdem habe ich heute immer noch eine überdurchschnittliche Gedächtnisleistung, wenn es darum geht, welcher Wochentag ein bestimmtes Datum oder an welchem Tag ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hatte, auch wenn dieser Tag mehrere Jahre zurückliegt. Voraussetzung ist aber, dass dieser Tag für mich eine besondere Bedeutung hat. Oft wundern sich dann die Personen in meinem Umfeld darüber und fragen mich, wie bzw. warum ich mir sowas merke. Spontan darauf antworten kann ich allerdings nicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Grübler_1988 () aus folgendem Grund: Ergänzung

    • Ich bin auch eher eine Person mit "QLAM" ( quite litte autobiographical memory) .
      Es gibt wohl verschiedene Zugangswege zum Gedächtnis, zumindest können sich Menschen unter Hypnose wohl ggfls. an Ereignisse erinnern, ggfls. auch traumabedingt überlagerte, die sie sonst nicht präsent haben. Damit habe ich selber keine Erfahrung, habe es nur mal gehört.
    • Grübler_1988 schrieb:

      In meinem Diagnosebericht im Abschnitt "Fremdanamnese" steht, dass ich früher kalenderrechnen konnte. Meine Eltern sind nach wie vor dieser Meinung. Kann man sowas denn verlernen? Davon ist nämlich nichts mehr übrig.
      Also, wenn du es einmal konntest, müsste es doch eigentlich wiederherstellbar sein? Haben deine Eltern gesagt, inwieweit du rechnen konntest? Also welche Zeiträume abgedeckt wurden, und wie schnell du zum Ergebnis kamst?


      Grübler_1988 schrieb:

      Trotzdem habe ich heute immer noch eine überdurchschnittliche Gedächtnisleistung, wenn es darum geht, welcher Wochentag ein bestimmtes Datum oder an welchem Tag ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hatte, auch wenn dieser Tag mehrere Jahre zurückliegt. Voraussetzung ist aber, dass dieser Tag für mich eine besondere Bedeutung hat.
      Ja, genauso geht das mir auch.

      Wichtige Erinnerungen sind bei mir eigentlich immer mit einem Datum assoziert. Wenn ich also etwas erinnere, weiß ich eigentlich auch meistens, wann das genau war. Nur umgekehrt funktioniert das dann nicht immer so gut- fragt man mich nach meinen Aktivitäten etwa am 17.04.2013, dann kommt da nichts. Wohl einfach deswegen, weil da nichts außergewöhnliches passiert ist. HSAM merken sich aber auch sowas "Unbedeutendes"- oder, und das halte ich für eine mögliche Erklärung, sie sehen auch in kleinen Dinge Besonderheiten die diese so charakteristisch machen, dass das Gedächtnis sich es merkt. In allen Feinheiten des Lebens das Individuelle und Besondere zu sehen, das finde ich schon bewundernswert, hätte ich auch gerne.
    • Willowtree schrieb:

      Also, wenn du es einmal konntest, müsste es doch eigentlich wiederherstellbar sein? Haben deine Eltern gesagt, inwieweit du rechnen konntest? Also welche Zeiträume abgedeckt wurden, und wie schnell du zum Ergebnis kamst?
      Ich habe mir nochmal meinen Diagnosebericht durchgelesen. Dort steht wortwörtlich: "Vor einiger Zeit habe er das "Kalenderrechnen" beherrscht. Dies sei nun aber vorbei." Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich damals tatsächlich "gerechnet" hatte oder ob ich diese Daten direkt in meinem Gedächtnis abrufen konnte. Möglicherweise wurde "Kalenderrechnen" mit irgendwas Anderem verwechselt. Oder auch nicht.

      Willowtree schrieb:

      HSAM merken sich aber auch sowas "Unbedeutendes"- oder, und das halte ich für eine mögliche Erklärung, sie sehen auch in kleinen Dinge Besonderheiten die diese so charakteristisch machen, dass das Gedächtnis sich es merkt. In allen Feinheiten des Lebens das Individuelle und Besondere zu sehen, das finde ich schon bewundernswert, hätte ich auch gerne.
      Ja, solche Fähigkeiten finde ich auch bewundernswert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Grübler_1988 ()

    • Willowtree schrieb:

      fragt man mich nach meinen Aktivitäten etwa am 17.04.2013, dann kommt da nichts. Wohl einfach deswegen, weil da nichts außergewöhnliches passiert ist.
      Da hast du dir ausgerechnet einen der wenigen Tage rausgesucht, an die ich mich extrem gut erinnern kann. :lol:

      Kalenderrechnen kann ich auch. Also z. B. "fünf Kalender weniger drei Kalender = zwei Kalender". :]
      "Make laugh, not war!"
      Kann das hier jemand sehen? :p
    • Willowtree schrieb:

      In allen Feinheiten des Lebens das Individuelle und Besondere zu sehen, das finde ich schon bewundernswert, hätte ich auch gerne.
      Wiewohl nicht so ausgeprägt wie bei HSAM, dürften viele Autisten mit iher Neigung an Einzelheiten hängen zu bleiben, grundsätzlich eine Veranlagung dazu haben. Das ginge in ihrem täglichen Kampf um das Gegenteil, sich also das Allgemeingültige im gesellschaftlichen Leben zu erschließen, allerdings unter. Vielleicht wird es oft auch von den Betroffenen selbst nicht als wertvoll geschätzt, sondern eher als etwas abgetan, wovon man sich nichts kaufen könne.
      Achtung, eigene Sprache!
    • @Grübler_1988 Es könnte sein, dass deine Eltern da etwas verwechselt haben. Vielleicht meinten sie, dass du als Kind schon mit Wochentagen rechnen konntest, also zum Beispiel welches Datum hat der übernächste Samstag oder sowas. Aber ich weiß das natürlich nicht. Nur da du sagst, dass nichts mehr davon übrig ist, ist es unwahrscheinlich dass du Kalenderrechnen mal konntest.
      Kannst du deine Eltern nicht fragen dazu?