Wie viel ist eine selbstdiagnose wert?

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    • Ich persönlich würde niemandem außer meiner Mutter und evtl. meiner Schwester von einer offiziellen Diagnose erzählen, da ich (im Moment) mit meinem Leben einigermaßen gut klar komme. Wichtig ist für mich, dass ich mich, seit ich den Verdacht für mich selbst annehme, mit dem Thema auseinander setze und durch Bücher und den Quellen im Internet zahlreiche Ideen und Tipps gefunden habe, wie ich verschiedene Situationen besser verkraften / aushalten oder auch einfach "nur" verstehen kann und auch mit verschiedenen meiner Eigenheiten besser umgehen kann. Und das ist in diesem Moment erstmal alles, was ich für mich persönlich brauche.

      Ich habe meiner Mutter von meinem Verdacht erzählt und sie unterstützt mich, sie nimmt mich ernst und ich denke, dass auch meine Schwester das tun würde, würde ich ihr davon erzählen. Da es mir in erster Linie darum geht, mich selbst besser zu verstehen und mir die Dinge, die ich online und in Büchern lese (und über die ich mit einer Freundin spreche, die selbst Autist ist) sehr helfen, ist meine "Selbstdiagnose" für mich persönlich sehr viel wert und hilft mir dabei, den Alltag besser zu bestreiten. Allerdings bin ich mir sehr wohl darüber bewusst, dass ich offiziell keine Hilfe oder Unterstützung erwarten kann, die ich aber auch (noch?) nicht benötige.

      Ich halte mir die Möglichkeit offen, evtl. später eine offizielle Diagnose durchführen zu lassen, sollte ich der Meinung sein, dass ich sie brauche. Und selbst wenn dann herauskommen sollte, dass ich nicht autistisch veranlagt bin, so habe ich trotzdem viele Dinge für mich selbst gefunden, die mir helfen und die mir vieles erleichtern.

      Ich würde einem Partner von meiner Vermutung erzählen, denn es ist eine Möglichkeit, meine Eigenheiten zu erklären und begreiflich zu machen. Jemand, der es ernst mit mir meint, wird sich (hoffentlich) mit dem Thema und mir auseinander setzen. Gemeinsam würde ich dann versuchen, das Leben so zu gestalten, dass sowohl meine Bedürfnisse, als auch die meines Partners umgesetzt werden können. Ich könnte und wollte mit niemandem zusammen sein, der meinen Verdacht nicht ernst nimmt, oder mir unterstellt, ich würde die Selbstdiagnose als Ausrede nehmen.
    • Verdacht ist das eine, Diagnose ist das andere.

      Ich kann nur über mich reden, weil ich es erst gerade durchlebt habe:
      Den Verdacht kann man bereits gewinnen, indem man über das AS nachliest und sich darin erkennt. Das war bei mir der Fall, hatte mich darin voll wiederekannt, und ich hatte da bereits mit meiner Frau darüber gesprochen (die das gar nicht einmal überraschte). Die ganzen Internet-Tests brauchte es gar nicht mehr dazu:

      Die meisten Fragen dieser Tests sind ja so offensichtlich, dass jedem halbwegs Intelligenten klar sein dürfte, wie er darin zu antworten hat, damit entweder das eine oder das andere Ergebnis herauskommt. Wenn man sich also bereits durch Lektüre mit den Symptomen beschäftigt hat (oder gar in diese hineingesteigert hat), dann halte ich das Testergebnis für relativ wertlos, weil man ja, bewusst oder unbewusst, bereits weiß, wie man zu antworten hat, um als self fulfilling prophecy den Verdacht weiter zu stützen.

      Der Unterschied einer ärztlichen Diagnose ist, dass in den langen Gesprächen so lange nachgebohrt wird, bis (hoffentlich) erkannt wird, ob jemand sich nur in angelesene Symptome hineingesteigert hat, oder diese wirklich aufweist. Auch dabei kommen natürlich flankierend diese oder ähnliche Fragebögen vor, aber ich weiß noch, wie schwer es mir fiel, darin unvoreingenommen zu antworten, anstatt bei jeder Frage zu überlegen, wie wohl ein Aspie/Nicht-Aspie typischerweise antworten würde.

      Ich bin überzeugt, dass solche Tests viel aussagekräftiger bei Leuten wären, die gar nicht wüssten, dass es darin um AS geht, als (im Extremfall) bei einem Hypochonder, der alle angelesenen AS-Symptome bereits verinnerlicht hat.
    • Hallo,
      ich denke auch, dass Internettests etc. nur eine etwaige Tendenz anzeigen können. Verlassen würde ich mich darauf aber nicht.
      Ich glaube, ich habe damals, vor der Diagnose, auch mal 1,2 gemacht. Aber ich hätte es nie dabei belassen.
      Ich sehe es so wie @Anachronist, dass es bei der ärztlichen Diagnose anders zugeht und dort andere Schwerpunkte gelegt werden.
      Auch bei der psychologischen Testung ist das so, denke ich.
      Als mir im Nachhinein erklärt wurde, was im ADOS auffällig war, war ich verwundert auf was sie geachtet haben. Das hatte ich gar nicht gemerkt und auch nicht willentlich beeinflusst. Von daher kann ich es gar nicht absichtlich verfälscht haben.
      Weil ich gar nicht wusste, was sie tun.

      LG Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)


      "Was ist falsch an sonderbar?"
    • Neoni schrieb:

      EmilGabriel schrieb:

      Ich hatte schon öfters starke soziale (Beziehungs-) Probleme die ich darauf zurück führen kann.
      Aber kann ich das auch so meinem Partner sagen?
      Glaubt man mir das wenn ich " ja nur ein paar Tests im Internet gemacht habe"?
      Dass man da einen ernsthaften Verdacht darauf hat, kann man doch bestimmt sagen. Je nachdem wie eng die Partnerschaft ist sollte ein Partner sowas doch auch wissen dürfen?
      Sehe ich auch so.
      Ich weiß nicht, wie eure Beziehung ist. Für mich käme ein Partner nicht in Frage, dem gegenüber ich so einen Verdacht aus welchen Gründen auch immer nicht äußern dürfte/wollte.
      Es geht ja um deine ganze Seins-Art.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Ich wär da an Deiner Stelle ganz vorsichtig sowas zu sagen, auch Ärzten gegenüber.

      Ich habe in einer Autismus-Ambulanz/Fachklinik mal mitbekommen wie sich das Personal darüber ausgelassen hat wie nervig diese ganzen Leute wären, die aufgrund eines gesteigerten Aufmerksamkeitsbedürfnisses oder weil sie was Besonderes sein wollen da auftauchen und ihnen die Zeit stehlen. Oder weil sie sich einbilden, dass es 'Hip' wäre und nicht verstehen, dass es eine ernsthafte Einschränkung sein. Selbstdiagnose wurde lächerlich gemacht. Ich habe die abwertende Qualität des Gesprächst zunächst nicht so geschnallt, meine Begleitperson aber schon.

      Nicht falsch verstehen, ich gebe hier nur wieder was ich gehört habe.

      Trotzdem denke ich Selbstdiagnose ist eine schlechte Idee, sie publik zu machen eine noch schlechtere.
      Internet-Tests zeigen wenn überhaupt eine Tendenz.
      Nicht umsonst dauert eine vernüftige Diagnostik viele Stunden und wird von Fachleuten durchgeführt.
    • LadyInBlack schrieb:

      Ich habe in einer Autismus-Ambulanz/Fachklinik mal mitbekommen wie sich das Personal darüber ausgelassen hat wie nervig diese ganzen Leute wären, die aufgrund eines gesteigerten Aufmerksamkeitsbedürfnisses oder weil sie was Besonderes sein wollen da auftauchen und ihnen die Zeit stehlen. Oder weil sie sich einbilden, dass es 'Hip' wäre und nicht verstehen, dass es eine ernsthafte Einschränkung sein. Selbstdiagnose wurde lächerlich gemacht. Ich habe die abwertende Qualität des Gesprächst zunächst nicht so geschnallt, meine Begleitperson aber schon.
      Wow, wenn ich das mitbekommen hätte wäre ich sehr verunsichert gewesen.
      Ich finde das ehrlich gesagt ein bisschen unsensibel für Personal das psychologisch geschult ist. Soweit ich weiß ist ein gesteigertes Aufmerksamkeitsbedürfnis doch ein Zeichen für einige psychische Krankheiten, und wenn es dabei so weit geht dass man sagt man habe Autismus obwohl es nicht stimmt, wäre das für mich ein Zeichen dass bei dem Patienten nicht alles so rund läuft (RW)

      Darüber hinaus lassen sich die meisten Leute doch nicht aus Spaß auf Autismus testen, sondern weil sie denken das könnte auf sie passen, so ist es zumindest bei mir. Ich bin ja kein Arzt, deswegen möchte ich es testen lassen, und wenn ich dann sowas lese/höre werde ich unsicher ob die Ärzte dort denken ich möchte ihnen nur die Zeit stehlen :?
      Infinite Diversity in Infinite Combinations
    • Tja, es war leider nicht der einzige 'Hammer' an Inkompetenz der mir in dieser Klinik passiert ist. Da ist noch viel mehr passiert was ähnlich heftig war und wirklich gar nicht ging.
      Renomierte Klinik - angeblich.
      Aber was da an Erniedrigungen, Lästerei und Schlamperei drin war hat mir klar gemacht wie relativ 'Kompetenz' ist und wie viel Schaden Ärzte und Therapeuten anrichten, die nur auf ihren Geldbeutel und öffentlich zu glänzen schauen und nicht auf die Qualität der Einrichtung.
      Außen hui, innen pfui.

      Mir ging es sehr schlecht damit und es hat mich auch sehr verunsichert.
      Ich habe das dort abgebrochen und mich in einer anderen Klinik angemeldet. Eine gute Entscheidung. In der anderen Klinik waren kompetente Leute am Start, und dort fühlte ich mich gut aufgehoben.
    • LadyInBlack schrieb:

      Ich habe in einer Autismus-Ambulanz/Fachklinik mal mitbekommen wie sich das Personal darüber ausgelassen hat wie nervig diese ganzen Leute wären, die aufgrund eines gesteigerten Aufmerksamkeitsbedürfnisses oder weil sie was Besonderes sein wollen da auftauchen und ihnen die Zeit stehlen. Oder weil sie sich einbilden, dass es 'Hip' wäre und nicht verstehen, dass es eine ernsthafte Einschränkung sein.
      Naja, inhaltlich haben sie nicht ganz unrecht damit, aber man sollte, wenn, dann so lästern, dass es kein Patient mitkriegt.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Der einzige Mehrwert einer Selbstdiagnose ist das Aufkeimen eines Verdachtes. Insofern kann man weniger von einer Selbstdiagnose sprechen als vielmehr von einem Erkenntnisgewinn, dass es möglich ist, das man sich im autistischen Spektrum befindet.

      Dadurch würde ich aber nicht vor anderen nur aufgrund dessen sagen, ich sei Autistin. Tatsächlich wissen aktuell nicht mal meine WG-Mitbewohner um meine Diagnose und das werde ich auch vermutlich so halten.
      Mein Freund weiß es, seitdem ich die schriftliche Bestätigung der Klinik erhalten habe, die des weiteren deutlich ausführlicher war und viel mehr und differenzierter erläuterte, welche Auffälligkeiten bestehen, als mein vorhergehender Eigenverdacht. Übrigens wurden dort auch einige Sachen, die ich als auffällig eingestuft hätte, als nicht zutreffend oder nur moderat ausgeprägt eingeschätzt, nur um auch das einmal zu sagen.

      Nicht mit jedem Verdacht, egal wie viel Eigenrecherche, liegt man per se richtig. Und abgesehen davon, dass dich auch ohne Selbstdiagnose niemand davon abhält, Hilfsstragegien, die Autisten helfen, auch selbst auszuprobieren, ist es ohnehin fraglich, das gesamte Umfeld über die durch Eigendiagnose vermeintlich entstehende Selbsterkenntnis aufzuklären. Das sind im übrigen die beiden Nutzen, die ich mir vorstellen kann...
      Gegebenenfalls ist es ein ganz anderes Krankheitsbild, das bei der offiziellen Diagnose dann festgestellt wird, bei dem andere Möglichkeiten vorhanden sind, zu helfen und die vielleicht nicht bedeutet, sich dauerhaft mit Nachteilen arrangieren zu müssen.
      Denn auch, wenn ich mich und meine Art sehr mag, fände ich es wahnsinnig hilfreich, gegen beispielsweise sensorische Überempfindlichkeit und soziale Einschränkungen mehr machen zu können.
      "Ich? Gescheitert? Niemals!
      ... Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren." -Thomas Edison, zumindest so ähnlich
    • LadyInBlack schrieb:

      Ich wär da an Deiner Stelle ganz vorsichtig sowas zu sagen, auch Ärzten gegenüber.

      Ich habe in einer Autismus-Ambulanz/Fachklinik mal mitbekommen wie sich das Personal darüber ausgelassen hat wie nervig diese ganzen Leute wären, die aufgrund eines gesteigerten Aufmerksamkeitsbedürfnisses oder weil sie was Besonderes sein wollen da auftauchen und ihnen die Zeit stehlen. Oder weil sie sich einbilden, dass es 'Hip' wäre und nicht verstehen, dass es eine ernsthafte Einschränkung sein. Selbstdiagnose wurde lächerlich gemacht. Ich habe die abwertende Qualität des Gesprächst zunächst nicht so geschnallt, meine Begleitperson aber schon.

      Nicht falsch verstehen, ich gebe hier nur wieder was ich gehört habe.

      Trotzdem denke ich Selbstdiagnose ist eine schlechte Idee, sie publik zu machen eine noch schlechtere.
      Internet-Tests zeigen wenn überhaupt eine Tendenz.
      Nicht umsonst dauert eine vernüftige Diagnostik viele Stunden und wird von Fachleuten durchgeführt.
      Er schreibt ja aber von starken sozialen Beziehungsproblemen die er hat. Das sollte er auch sagen wenn er zu einer Diagnostik gehen sollte. Da wird man wohl kaum meinen dass er nur Aufmerksamkeit will oder hip sein.

      Aber wenn er es seinem Partner so sagt... könnte der meinen, er wolle sich nur rausreden? Aber andererseits, es kann auch das Zusammenleben verbessern, so war das bei mir. Wenn der Partner weiß warum man so ist.
    • wenn es darum geht, sich bei anderen menschen zu erklären kann man statt diagnosen zu nennen auch über die inhaltlichen bedeutungen reden.

      also z.b. "ich habe probleme mit xy" oder "ich werde schnell ausfallend wenn ich durch zu viel lärm überreizt werde",oder "ich habe probleme, die wichtigkeit der aspekte zu sortieren" etc...

      dafür benötigt man keine diagnose. der verdacht kann einem allerdings helfen, sich besser ausdrücken/ mitteilen zu können, so, dass der andere nachvollziehen kann, warum man etwas sagt/ tut (oder auch nicht).
    • Hallo,
      bei mir ist das so, dass ich eben ganz viele andere Diagnosen bekommen habe,
      und wenn ich die aufzähle, denkt jeder , aber hallo:
      schizoaffektive Störung, dissoziative Identitätsstörung , Schizophrenie, bipolar
      jeder Arzt hat mir was anderes erzählt und andere Medikamente an mir ausprobiert,
      und ich habe immer gesagt, die Diagnose ist aus diesem und diesem Grund nicht richtig,
      ich konnte mich nie mit irgendwas identifizieren.

      In der Psychiatrie war es merkwürdig , da habe ich mich meistens nützlich gemacht, die Essenskarten geschrieben und einem Pfleger die Fachbücher zusammengefasst, die er hätte lesen sollen.....

      Ich habe aber schon gemerkt, dass mir Sachen als Symptome angekreidet wurden, die eigentlich mein ganzes Leben so waren, wie soziale Schwierigkeiten oder Rückzug.

      Irgendwann hatte ich so genug von allem, dass ich sämtliche Medikamente weggelassen und jeden Kontakt zu Psychiatern oder Psychologen abgebrochen habe. Das war vor vier Jahren und mittlerwele geht es mir viel besser.

      Vor zwei Jahren las ich das erste Mal etwas über Autismus und "chaos state". Und ich erkannte mich das erste Mal wieder.: Ich hatte danals eine neue Stelle angetreten, wurde von einer Kollegin furchtbar gemobbt - mit Lügen, Ausgrenzen, Anschwärzen etc - und bekam nach ein paar Monaten eine Art Nervenzusammenbruch,
      ich war völlig durcheinander und es war mir nicht mehr möglich, die Arbeitsstelle überhaupt zu betreten.

      Ich dachte früher übrigens immer , Autisten müssen mathematikaffin sein und haben keine Phantasie - das stimmt bei mir beispielsweise nicht, daher bin ich nie darauf gekommen.


      Ziemlich erstaunt hat mich auch eine Psychologin aus der Klinik , die ich jezzt zufällig getroffen habe. Wir kamen ins Gspräch und ich sprach von meinem Verdacht, und sie sagte: "Jooo, das erstaunt mich jetzt nicht."

      Weshalb hat sie dann früher nicht was gesagt?

      Der Selbsttest hatte eine hohe Punktzahl, aber ich dachte, dass ich mir vieles schon abgewöhnt habe, hätte ich den Test mit 15 gemacht, wäre die Punktzahl höher gewesen.
      Ich selbst glaube zu 85%, dass mein Verdacht richtig liegt.

      Jettzt habe ich eure Beiträge durchgelesen und bin wieder etwas unsicher. Wieviel ist so ein Verdacht wert? Kann ein medizinischer Laie überhaupt richtig liegen?

      Gruß Rhianonn
    • LadyInBlack schrieb:

      Ich habe in einer Autismus-Ambulanz/Fachklinik mal mitbekommen wie sich das Personal darüber ausgelassen hat wie nervig diese ganzen Leute wären, die aufgrund eines gesteigerten Aufmerksamkeitsbedürfnisses oder weil sie was Besonderes sein wollen da auftauchen und ihnen die Zeit stehlen. Oder weil sie sich einbilden, dass es 'Hip' wäre und nicht verstehen, dass es eine ernsthafte Einschränkung sein. Selbstdiagnose wurde lächerlich gemacht.
      Shenya gab dazu zu bedenken:

      Shenya schrieb:

      Naja, inhaltlich haben sie nicht ganz unrecht damit, aber man sollte, wenn, dann so lästern, dass es kein Patient mitkriegt.
      Erstmal hat @Shenya natürlich recht...aber ich finde es richtungsweisend, wenn jemand eine solche nicht-empathische Einstellung Patienten gegenüber erkennen lässt. Das macht m.E. deutlich, dass sich jemand erhaben und mit der Vollmacht ausgestattet fühlt, über das Wundermittel der Diagnosenstellung zu verfügen - oder es zu verweigern.

      Soweit ich weiß, braucht es mehr als den Verdacht nach einem Selbsttest, um Diagnostiktermine in einer Fachklinik bzw. -ambulanz zu bekommen.

      Blaubeere schrieb:

      Der einzige Mehrwert einer Selbstdiagnose ist das Aufkeimen eines Verdachtes. Insofern kann man weniger von einer Selbstdiagnose sprechen als vielmehr von einem Erkenntnisgewinn, dass es möglich ist, das man sich im autistischen Spektrum befindet.

      Rhianonn schrieb:

      Jettzt habe ich eure Beiträge durchgelesen und bin wieder etwas unsicher. Wieviel ist so ein Verdacht wert? Kann ein medizinischer Laie überhaupt richtig liegen?
      Blaubeere hat die meines Erachtens beste Beurteilung zum Thema Selbstdiagnose nach Test verfasst, @'Rhiannonn' .

      So ähnlich würde ich es auch sagen. Besonders das markierte Zitat trifft m.M.n. zu.

      Und: Ja, ein Laie kann richtig liegen, das gilt auch für eine Blinddarmentzündung oder eine Schenkelhalsfraktur, aber was wären diese Selbstdiagnosen wert, wenn keine passende Therapie erfolgte?

      Es sollte aber auch nicht verschwiegen werden, dass es falsch-negative Diagnosen gibt, also hier im Beispiel ein Autismusspektrum nicht gesehen wird, weil der begutachtete Mensch - wasweißich - aus einem anderen Kulturkreis stammt oder sehr gut kompensiert, was er eigentlich nicht gut kann. Oder nur mit viel Mühe darstellen kann.
      Mark Twain: "Never argue with stupid people, they will only drag you down to their level and then beat you with experience."
      (Streite dich nie mit dummen Leuten; sie ziehen dich nur auf ihr Niveau herunter und schlagen dich dann mit ihrer Erfahrung.)
    • Rhianonn schrieb:

      Jettzt habe ich eure Beiträge durchgelesen und bin wieder etwas unsicher. Wieviel ist so ein Verdacht wert? Kann ein medizinischer Laie überhaupt richtig liegen?
      Laie = eine Person, die auf einem bestimmten Gebiet unerfahren ist und keine Kenntnisse hat.
      Natürlich kann eine solche Person keine Selbstdiagnose stellen, sie weiß ja per definitionem nicht einmal von so einer Diagnose ;)

      Ich denke aber, du meinst schlicht einen Nicht-Mediziner, speziell Nicht-Psychiater.
      Da würde ich sagen, ja, das ist definitiv möglich.
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • Cloudactive schrieb:

      Ich denke aber, du meinst schlicht einen Nicht-Mediziner, speziell Nicht-Psychiater.
      Ein medizinischer Laie ist ein Nicht- Mediziner ;) , bzw. jeder, der nicht Medizin studiert hat.

      Capricorn schrieb:

      Blaubeere hat die meines Erachtens beste Beurteilung zum Thema Selbstdiagnose nach Test verfasst, @'Rhiannonn' .Der einzige Mehrwert einer Selbstdiagnose ist das Aufkeimen eines Verdachtes. Insofern kann man weniger von einer Selbstdiagnose sprechen als vielmehr von einem Erkenntnisgewinn, dass es möglich ist, das man sich im autistischen Spektrum befindet.

      Blaubeere schrieb:

      Erkenntnisgewinn, dass es möglich ist, das man sich im autistischen Spektrum befindet.
      Ja, so schätze ich es auch ein, als eine Möglichkeit, ein Vielleicht,
      eine These, die allerdings sehr viel erklären würde in meinem Leben.

      Gruß Rhianonn
    • Rhianonn schrieb:

      ....eine These, die allerdings sehr viel erklären würde in meinem Leben.
      Dann bist du hier schon mal richtig in diesem Forum.

      Es gibt z.T. auch ambulante Selbsthilfegruppen. Falls dir dort die Teilnahme möglich ist, würde ich auch dazu raten, sich dort Informationen und Unterstützung zu holen.

      Hier auf der Seite von Aspies e.V. gibt es auch sehr viele Infos, im Forum teils Austausch von Betroffenen zu Betroffenen, aber auch ganz andere Themen. Tut ja auch manchmal gut, sich über was anderes auszutauschen.

      Wobei mein persönlicher Eindruck der ist, dass ASpies sich anderen AS-Betroffenen gegenüber nicht immer tolerant zeigen.

      Ich wünsch dir ergebnisreiches Stöbern!
      Mark Twain: "Never argue with stupid people, they will only drag you down to their level and then beat you with experience."
      (Streite dich nie mit dummen Leuten; sie ziehen dich nur auf ihr Niveau herunter und schlagen dich dann mit ihrer Erfahrung.)
    • Anachronist schrieb:

      Der Unterschied einer ärztlichen Diagnose ist, dass in den langen Gesprächen so lange nachgebohrt wird, bis (hoffentlich) erkannt wird, ob jemand sich nur in angelesene Symptome hineingesteigert hat, oder diese wirklich aufweist. Auch dabei kommen natürlich flankierend diese oder ähnliche Fragebögen vor, aber ich weiß noch, wie schwer es mir fiel, darin unvoreingenommen zu antworten, anstatt bei jeder Frage zu überlegen, wie wohl ein Aspie/Nicht-Aspie typischerweise antworten würde.
      Ich habe mich bemüht, möglichst so zu antworten, wie ein nicht-Autist das tut und habe dann trotzdem die Diagnose bekommen. Ein guter Diagnostiker testet nicht nur das, was die Frage offensichtlich macht.

      Blaubeere schrieb:

      Der einzige Mehrwert einer Selbstdiagnose ist das Aufkeimen eines Verdachtes
      Das kommt auf die Art der Diagnose an. Ich wußte jedenfalls schon vor meiner Diagnose, daß ich nekrophil bin. Jemand mit einer Phobie oder Depresssion weiß das bestimmt auch schon oft vor der "offiziellen" Diagnose. Daß meine Tochter eine Matheschwäche hat, wußte ich auch schon, bevor sie getestet wurde, ebenso, daß mein Sohn in Mathe sehr begabt ist. Es ging also nur um den Wisch, um damit XY zu beantragen/ zu bewirken.... d.h. die Bestätigung durch "Fachleute", die besser und mit Stempel bestätigen, was man vorher schon gesagt hat bzw. wußte, manchmal mit Zusatzbegriffen, die man eben noch nicht in der Verwendung kannte.

      Eine Selbstdiagnose ist immer dann schwierig, wenn man 1. das Wesen der Diagnose nicht voll verstanden hat und 2. das noch nicht in Bezug zu seinen eigenen Schwierigkeiten gesetzt hat (also sich etwas einredet oder sich selbst verzerrt wahrnimmt oder sich nicht gut einschätzen kann). Ich wußte von den meisten angeblich "typischen" autistischen Eigenschaften bis vor Kurzem noch nicht mal, daß sie dazugehören, während ich von Schizophrenie viel mehr wußte. Hätten all diese häufig auftretenden Begleiterscheinungen oder Symptome oder Probleme, die in der Kurzdiagnose laut Manual gar nicht genannt werden, irgendwo als gut beschriebene und lange Liste gestanden, hätte ich nach einem Test schon Bescheid gewußt. In der Wikipediadefinition finde ich mich bis heute nicht wieder.

      Eine richtige Diagnostik ist vor allem wichtig, weil jemand einen "von außen" sieht UND das nötige Fachwissen hat. Freunde haben meist nur ersteres, man selbst hat meist nur letzteres als nötige Voraussetzung.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Necroghoul7 ()

    • Capricorn schrieb:

      Dann bist du hier schon mal richtig in diesem Forum.

      Es gibt z.T. auch ambulante Selbsthilfegruppen. Falls dir dort die Teilnahme möglich ist, würde ich auch dazu raten, sich dort Informationen und Unterstützung zu holen.

      Hier auf der Seite von Aspies e.V. gibt es auch sehr viele Infos, im Forum teils Austausch von Betroffenen zu Betroffenen, aber auch ganz andere Themen. Tut ja auch manchmal gut, sich über was anderes auszutauschen.

      Wobei mein persönlicher Eindruck der ist, dass ASpies sich anderen AS-Betroffenen gegenüber nicht immer tolerant zeigen.

      Ich wünsch dir ergebnisreiches Stöbern!
      Danke, Capricorn.
      Es gibt hier am Ort eine Aspie- Selbsthilfegruppe, die auch Vorträge hält, du machst mir Mut, sie zu kontaktieren....


      Necroghoul7 schrieb:

      ine Selbstdiagnose ist immer dann schwierig, wenn man 1. das Wesen der Diagnose nicht voll verstanden hat und 2. das noch nicht in Bezug zu seinen eigenen Schwierigkeiten gesetzt hat (also sich etwas einredet oder sich selbst verzerrt wahrnimmt oder sich nicht gut einschätzen kann). Ich wußte von den meisten angeblich "typischen" autistischen Eigenschaften bis vor Kurzem noch nicht mal, daß sie dazugehören, während ich von Schizophrenie viel mehr wußte. Hätten all diese häufig auftretenden Begleiterscheinungen oder Symptome oder Probleme, die in der Kurzdiagnose laut Manual gar nicht genannt werden, irgendwo als gut beschriebene und lange Liste gestanden, hätte ich nach einem Test schon Bescheid gewußt. In der Wikipediadefinition finde ich mich bis heute nicht wieder.
      Es gibt bei mir sehr vieles , bei dem ich gedacht hatte, dass wäre gar nicht mit Autismus vereinbar ( und vermutlich die Psychiater auch).
      Ich bin weiblich, verheiratet , habe ein Kind, und bin eher sprachbegabt und ganz schlecht in Mathe. Ich habe Phantasie und habe als Kind auch Rollenspiele gemacht,
      Das widersprach so der Darstellung von Asperger in all den Medien als nüchtern- rationale Nerds, die sich vorallendingen für Mathe und PCs interessieren....

      schon eine halbe Stunde hier im Forum hat mir gezeigt, wie falsch meine Vorstellung war: Spezialinteressen gibt es de facto aus JEDEM Bereich.

      Der erste Text , bei dem ich dachte: " Nanu, das bin ja ich " , das war dieser hier:

      rudy-simone-warum-asperger-autisten-so-merkwurdig-unter-anderen-wirken/

      und bei der Informationssuche stieß ich auf dieses Forum.

      Gruß Rhianonn