Vor- und Nachteile von Diagnosen

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    • iceXVI schrieb:

      Hallo!
      Welche Vor- und Nachteile gibt es bei einer Diagnose als Erwachsener? Abgesehen von Therapien.
      Selbsterkenntnis. Obwohl man die auch ohne Diagnose haben kann, aber mit Diagnose kann man sich dann sicher sein.

      Ach so, und viele haben wohl einen "Grad der Behinderung" dadurch, was ein paar praktische Vorteile hat. Z.B. bei mir auf Arbeit bekäme ich, glaube ich, zwei zusätzliche Urlaubstage.
      "Ich neige zur Redundanz. Zudem wiederhole ich mich gern." Fishismus
    • Shenya schrieb:

      Wenn man 5 Tage pro Woche arbeitet, dann sind es 5 Tage, wenn man 3 Tage pro Woche arbeitet, dann nur 3.
      Und wenn man z.B. 20 Stunden pro Woche arbeitet, aber immer eine unterschiedliche Anzahl an Arbeitstagen hat? Also manchmal 2, manchmal 3, hin und wieder 4 z.B.? Das könnte ja etwa durch Schichtarbeit oder freie Zeiteinteilung durchaus so unterschiedlich zustande kommen.
      Whatever you lose, you'll find it again. But what you throw away you'll never get back.
    • HCS schrieb:

      Der einzige ernsthafte Nachteil ist wohl, dass man danach Probleme kriegt, bestimmte Versicherungen, v.a. Kranken- und BU-Versicherung, neu abzuschließen, denn da muss man die Diagnose angeben. Ansonsten kann man die Diagnose ja geheimhalten.
      Und im Leistungsfall forscht die Versicherung nach, verweigert die Zahlung und die Prämien hat man jahrelang fürs gute Gefühl gezahlt.
    • Morgenstern schrieb:

      Und wenn man z.B. 20 Stunden pro Woche arbeitet, aber immer eine unterschiedliche Anzahl an Arbeitstagen hat? Also manchmal 2, manchmal 3, hin und wieder 4 z.B.? Das könnte ja etwa durch Schichtarbeit oder freie Zeiteinteilung durchaus so unterschiedlich zustande kommen.
      Keine Ahnung, so etwas gibt es nicht, da wo ich arbeite.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • iceXVI schrieb:

      Welche Vor- und Nachteile gibt es bei einer Diagnose als Erwachsener? Abgesehen von Therapien.
      In meinen Augen macht eine Diagnose dann Sinn wenn man im Alltag nennenswerte Benachteiligungen hat und in welcher Weise auch immer von Sozialleistungen lebt.
      Die Diagnose ist bei Ärzten, in der Krankenkasse überall im System. Sachverständigengutachten sind nicht mehr einfach so zu revidieren. Es wird nicht mehr möglich sein, dass du dich privat versichern lässt (was im Falle eines Studiums problematisch werden könnte), es können ja nach Beeinträchtigung Teilentmündigungen vorgenommen werden, Verbeamtungen können abgelehnt werden, geht es um die Umsetzung eines Kinderwunsches kann es Probleme mit dem Jugendamt geben, bei Sorgerechtsfällen hat man auch keine guten Karten in der Hand.
      Es ist gut zu überlegen und abzuwägen.
    • Die Verbeamtung sollte in Dtl. eigentlich kein Problem sein, vor allem nicht mit Schwerbehindertenausweis und ohne weitere psychische Erkrankungen. In Österreich ist es vielleicht anders.
      Probleme mit dem Jugendamt nur wegen einer Asperger-Diagnose sind m.E. sehr unwahrscheinlich. Es müssten dann noch weitere Probleme dazukommen.

      Ein Nachteil einer Diagnostik könnte vielleicht sein, dass man danach Depressionen entwickeln kann, wenn die Verarbeitung der ganzen Thematik nicht gut läuft. Andererseits würde man ohne Diagnose die Depression wahrscheinlich auch bekommen, aus anderen Gründen.
      Der Vorteil ist dann wieder, dass man mit Diagnose schneller weiß, woran man ist, und zielgerichteter an Problemen arbeiten kann.
      Bei mir persönlich wäre die oben schon erwähnte Selbsterkenntnis nicht ohne ärztliche Diagnose möglich. Eine Eigenverdachts-Diagnose hat mir nicht genug Sicherheit gegeben, da hätte ich noch mehr gezweifelt als eh schon, und hätte vielleicht immer dann, wenn es um unangenehme Erkenntnisse gegangen wäre, gedacht "vielleicht ist es ja doch kein AS". Eine Eigenverdachtsdiagnose ist wie ein Spielzeug, es ist nicht richtig ernst, man kann sich damit beschäftigen, aber kann es auch weglegen. Bei einer ärztlichen Diagnose ist man viel stärker mit den Konsequenzen konfrontiert und kann den negativen Aspekten nicht mehr so gut ausweichen. Zumindest habe ich das so empfunden.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • WelleErdball schrieb:

      Die Diagnose ist bei Ärzten, in der Krankenkasse überall im System.
      Aber nicht in Deutschland. Da hat die Kasse erst mal nur drin, dass die Diagnostik gemacht wurde. Und "die Ärzte" haben die Information auch nicht - man kann dem Diagnostiker sogar verbieten, die Diagnose an den Hausarzt weiterzugeben. Und da darf die Info außerdem nicht raus.
      Jugendamt und Vormundschaftsgericht: solange ich die Diagnose verschweige, erfahren die nicht davon. Das sollte man also nicht dramatisieren. Wirklich "ins System" kommt die Diagnose nur, wenn man einen GbA und irgendwelche Hilfen beantragt.

      Solange man keine Hilfe oder Nachteilsausgleiche benötigt oder sie nicht in Anspruch nehmen will, ist der einzige Vorteil wie schon von anderen gesagt die Selbsterkenntnis. Ob dafür der Eigenverdacht ausreicht oder es eine offizielle Diagnose braucht, ist individuell verschieden.
    • HCS schrieb:

      Aber nicht in Deutschland. Da hat die Kasse erst mal nur drin, dass die Diagnostik gemacht wurde. Und "die Ärzte" haben die Information auch nicht - man kann dem Diagnostiker sogar verbieten, die Diagnose an den Hausarzt weiterzugeben. Und da darf die Info außerdem nicht raus.
      Jugendamt und Vormundschaftsgericht: solange ich die Diagnose verschweige, erfahren die nicht davon. Das sollte man also nicht dramatisieren. Wirklich "ins System" kommt die Diagnose nur, wenn man einen GbA und irgendwelche Hilfen beantragt.
      Leider ist das nicht so sicher. Jeder der mit der Krankenkasse zu tun hat und abrechnen will muss eine Diagnose liefern ( und sei es "Ausschluss von ...") um seine Maßnahmen zu rechtfertigen. Das ist auch bei Psychologen so. Jedes Medikament hat eine PZN (Pharmazentralnummer), die Rechner der Kassen haben Listen mit erlaubten Indikationen, sprich ICD-Diagnosen die dazu passen. Verordnet ein Arzt ein Medikament ohne die entsprechende Diagnose zu liefern dann droht sofort ein Regress. Die KK hat also jede dieser Diagnosen. Und jetzt frage ich mich: Hält der Rechner der KK den Häckern des NSA stand? Darauf würde ich keine 10 ct wetten. Die NSA verkauft solche Daten an Händler, die an Lebensversicherer usw.
      Sicher ist man davor nur wenn man alles rein privat organisiert und seine gesetzliche Versicherung nicht herausgibt. Wenn das Kärtchen erstmal eingelesen ist dann bekommt die Kasse auch eine Diagnose. Besonders bei "F,-- Diagnosen" muss man also jüngerer Mensch vorsichtig sein. Ich hatte schon welche die ein Medikament lieber selber bezahlt haben als die Diagnose im Computer zu sehen.
      Zwar sollen die Daten auf dem zentralen deutschen "Gesundheitsserver" so verschlüsselt sein dass man die PIN vom Kärtchen des Patienten braucht um sie zu entschlüsseln aber glaubt jemand dass daran die NSA scheitern wird? Deshalb sind die meisten Ärzte skeptisch was diese zentrale Datenspeicherung angeht.

      Dazu kommt dass man bei Versicherungsabschluss vollständige Angaben machen muss. Verschweigt man etwas dann kann die Versicherung im Schadensfall argumentieren dass sie den Vertrag nicht abgeschlossen hätte wenn sie das Verschwiegene gewusst hätte. Damit werden alle Leistungen verweigert und die Gerichte folgen dieser Argumentation.
    • Shenya schrieb:

      Die Verbeamtung sollte in Dtl. eigentlich kein Problem sein
      In Deutschland scheint schon auch eine Rolle zu spielen:
      Zitat: "Im Beamtenrecht gibt es allerdings eine Besonderheit. Wer eine Beamtenlaufbahn anstrebt, muss sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen. Es kann einer Verbeamtung entgegenstehen, wenn eine Dienstunfähigkeit wahrscheinlich ist".


      autismus.de/fileadmin/user_upl…_Autismus_Stand_13Nov.pdf

      Wenn man bei uns hier sagt man habe eine psychische Erkrankung oder Autismus kann man sich vom Berufsleben am 1. Arbeitsmarkt praktisch verabschieden.
      Ein Schwerbehindertenausweis alleine nützt bei uns nichts. (ich habe einen GdB80, der half nicht weiter). Würde ich diesen angeben würde ich mir mehr schaden als nutzen.

      Shenya schrieb:

      Probleme mit dem Jugendamt nur wegen einer Asperger-Diagnose sind m.E. sehr unwahrscheinlich.
      Zitat: "Kinder sind jedoch nicht nur dann in Gefahr, ihre Eltern durch Kindesentziehung zu verlieren, wenn diese nach Auffassung von Jugendamtsmitarbeiter/innen versagen oder zu versagen scheinen. Sie können auch selbst Anlass dazu bieten. Dann etwa, wenn sie aus den verschiedensten Gründen nicht ins soziale und/oder schulische Schema F passen.

      Oftmals sind entzogene Kinder und Jugendliche besonders intelligent und gebildet, sensibel, gerechtigkeitsbezogen und selbstbewusst, scheitern aber im schulischen Ablauf oder werden dort so lange gemobbt, bis sie überreagieren und prompt als verhaltensgestört eingestuft werden. Andrere Kinder sind in Gefahr, weil sie eine Behinderung haben, wegen der sie als entwicklungsverzögert oder vernachlässigt vermutet werden.
      Ich denke an Kinder wie Elisabetha, die als einziges Kind einer an einer leichten Form des Asperger Autismus leidenden Mutter und eines sehbehindertenVaters geboren und ihren Eltern durch das Jugendamt entzogen wurde."

      karin-jaeckel.de/aktuelles/Kindesentziehg_Bild_Vortrag2.pdf

      Ich bin mir sicher, dass es dazu noch viel mehr Fälle gibt dessen Geschichten sich nicht im Internet finden.
    • Morgenstern schrieb:

      Und wenn man z.B. 20 Stunden pro Woche arbeitet, aber immer eine unterschiedliche Anzahl an Arbeitstagen hat? Also manchmal 2, manchmal 3, hin und wieder 4 z.B.? Das könnte ja etwa durch Schichtarbeit oder freie Zeiteinteilung durchaus so unterschiedlich zustande kommen
      Bei meiner Frau ist das so, sie hat einen 80%-Vertrag. Da hat man dann die normale Zahl von Urlaubstagen, muss aber - selbst wenn man meistens nur 4 Tage die Woche arbeitet - 5 Tage Urlaub nehmen für eine volle Woche. So gleicht sich das dann aus. Da gäbe es also für Schwerbehinderte 5 Tage mehr, egal wieviel % Arbeitszeit.
    • Shenya schrieb:

      Hast du dafür Beweise (oder schon mal gehört, dass es Beweise dafür gibt)? Oder ist das nur eine Verschwörungstheorie?
      Nein, wenn ich die hätte würde ich wohl in Lebensgefahr schweben. 8-)

      Aber nach alledem was wir spätestens seit Snowden wissen (fr.de/politik/spezials/datensc…-die-nsa-und-wir-a-624638) wer würde darauf vertrauen dass sie das nicht tun? Wieviel würdest du darauf wetten?
      Und falls die NSA so honorig ist das nicht zu tun, was ist mit Russen, Chinesen, Indern, Engländern, Australiern usw? Die observieren und hacken uns genauso. Wie sicher würdest du einen gesamtdeutschen Datenserver halten mit den Diagnosen von Millionen?
      Ich denke in diesem Bereich ist jedes Misstrauen und Vorsicht angebracht. Es kann schon reichen einige Male zu AIDS zu recherchieren und schon könnte ein Auswertealgorithmus zu voreiligen Schlüssen kommen.
      Dass man auch als Teenager keine Bilder hochladen soll die einem 20 jahre später mal bei einer Bewerbung schaden könnte ist ja schon Allgemeinwissen. Der Datenhandel beschränkt sich sicher nicht aus Menschenliebe auf diese legal zugänglichen Daten.