das Gefühl, dass die aktuelle Situation bleibend ist, trotz besseren Wissens - kein Gefühl für gestern und morgen - Entwicklungsstörung

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    • das Gefühl, dass die aktuelle Situation bleibend ist, trotz besseren Wissens - kein Gefühl für gestern und morgen - Entwicklungsstörung

      BITTE: wenn jemandem von euch eine bessere Überschrift einfällt - ich würde sie dann, falls es passt, ändern (lassen) - ich weiß nur jetzt nicht, unter welchen Aspekt das, was ich beschreiben möchte, fällt.

      Ich lese jetzt Gunilla Gerland "Ein richtiger Mensch sein: Autismus - das Leben von der anderen Seite".

      In diesem Buch stoße ich jetzt auf etwas, das ich "meinem" Psychotherapeuten zu erklären versucht hatte und womit dieser nichts hatte anfangen können und was ich dem mich diagnostizierenden Psychiater/Psychotherapeuten ebenfalls schilderte - er zumindest hat es unter "Entwicklungsstörung" verbucht - ich sei in diesem Aspekt auf dem Stand eines dreijährigen Kindes.

      Es geht um folgendes: Sie beschreibt, wie sie als Kind z.B. mit ihrer älteren Schwester zu den Großeltern gebracht wurde. Die Schwester hat dann dort ganz normal gespielt, während Gunilla völlig fertig war, weil sie nicht verstand, was diese Veränderung zu bedeuten hatte. Sie dachte, sie würden jetzt für immer bei den Großeltern bleiben. Es war eine so einschneidende Veränderung, dass sie zu recht nicht nachvollziehen konnte, warum ihre Schwester überhaupt kein Problem damit zu haben schien. Mit der Zeit passte sie sich der neuen Situation dann an, weil sie keine andere Wahl hatte. Dann kamen plötzlich die Eltern und holten beide Kinder wieder ab. Für sie war es jetzt wieder so, als ob alles sich ändern würde. Sie musste wieder von vorn anfangen.

      Zitat: "Wenn ich irgendwo bleiben musste, wo ich noch nie gewesen war, glaubte ich, dass ich jetzt den Rest meines Lebens dort verbringen müsste. ... Es gelang mir nicht, die Situation mit der Erfahrung in Verbindung zu bringen, dass ich schon früher einmal fortgebracht und dann auch tatsächlich wieder abgeholt worden war. Jede Situation war neu und einzigartig und hatte nichts mit irgendeiner früheren zu tun."


      Dieses Gefühl habe ich immer noch! Daher wollte ich mal fragen, ob es anderen auch so geht und wie diejenigen damit umgehen.

      Es ist z.B. so, dass ich vor Jahren zu einer Schulung in einer anderen Stadt musste im Rahmen der neuen Anstellung. Ich habe mich gefühlt, als hätte man mir mein ganzes Leben weggenommen und als müsste ich nun dieses neue Leben akzeptieren. Die anderen haben irgendwie das Beste aus der Sache gemacht, weil sie ja nunmal da sein mussten, wie in dem Zitat oben konnte ich nicht verstehen, warum sie es so "locker" nehmen konnten. Es ist schwer zu beschreiben, wie ich mich fühlte. Ich würde sagen, wie ein Kind, das mit Fremden in eine fremde Umgebung verfrachtet wurde und das sich dem augeliefert fühlt.
      Als ich zurück nach Hause kam (nach 4 Tagen) habe ich meinem Mann gegenüber regelrecht gefremdelt - wie ein Kleinkind - und musste mich erst wieder an ihn und an die nicht mehr vertraute Umgebung gewöhnen.

      Deshalb habe ich auch solche Probleme mit dem Verreisen, hatte dazu auch mal einen Thread eröffnet. Wenn ich an einen "neuen" Ort reise, habe ich immer Angst. Ich frage mich: wenn ich hier leben müsste, würde ich dann jemanden kennenlernen? Was würde ich denn arbeiten? Diese Fragen stelle ich mir wohl, weil ich in mir drin das Gefühl habe, ich würde jetzt an diesem Ort bleiben müssen.

      Daher bin ich mittlerweile ein Freund davon geworden, immer dieselben Orte wieder und wieder zu besuchen. Beim letzten Urlaub habe ich mir Fotos von den Zimmern unserer Wohnung gemacht, damit ich den Kontakt zu meinem eigentlichen Zuhause nicht wieder verliere.

      Ein anderes Beispiel: ich weiß, ich habe eine Schwester, sie wohnt in derselben Stadt wie ich, sie ist jetzt dort, macht vielleicht dies oder jenes. Aber wenn ich nicht räumlich mit ihr zusammen bin, dann fühlt es sich so an, als würde es sie nicht geben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sie gibt, obwohl ich natürlich weiß, dass es sie gibt. Anstelle meiner Schwester kann ich jeden Menschen, der in meinem Leben war oder ist, einsetzen. Daher tut mir auch das Alleinsein gar nicht gut, weil ich dann dieses Gefühl habe, als wäre ich völlig allein auf der Welt, obwohl das nur in diesem Moment so ist. Aber ich habe kein Gefühl dafür, dass dieser Moment vergehen wird - dass ich z.B. morgen meine Schwester sehen werde.

      Ih könnte hierzu noch einiges mehr schreiben. Die Ursache für dieses Empfinden ist, würde ich sagen, dass ich kein Gefühl für Zeit habe, also für Vergangenheit und Zukunft. Ich bin gefühlsmäßig so stark im JETZT, dass ich mir nicht vorstellen kann ("normale" Menschen müssen sich das auch nicht vorstellen, sie WISSEN es), dass sich die aktuelle Situation, das aktuelle Gefühl etc. VERÄNDERN wird.

      Ergänzung (ergoogelt, aus einem Buch über Autismus): "Ein schlechtes Zeitgefühl verzerrt die Wahrnehmung des Beginns und des Endes sowie der Dauer einer Veränderung"

      Leider weiß ich (noch) nicht, ob sich das nur auf Kinder mit Autismus bezieht oder ob es normal ist, dass das anhält, also auch bei autistischen Erwachsenen noch vorkommt (Stichwort Entwicklungsstörung halt - was sich in der Kindheit nicht entwickelt hat, wird sich wohl nicht nachträglich entwickeln können?).

      Kennt ihr das? Wenn ja, wie geht ihr damit um?
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kleine ()

    • Kleine schrieb:

      Ih könnte hierzu noch einiges mehr schreiben. Die Ursache für dieses Empfinden ist, würde ich sagen, dass ich kein Gefühl für Zeit habe, also für Vergangenheit und Zukunft. Ich bin gefühlsmäßig so stark im JETZT, dass ich mir nicht vorstellen kann ("normale" Menschen müssen sich das auch nicht vorstellen, sie WISSEN es), dass sich die aktuelle Situation, das aktuelle Gefühl etc. VERÄNDERN wird.
      Also das hier erinnert mich an Folgendes:

      Eurich Wolkengrob schrieb:

      Zweites, scheine ich gleichsam mit einer Trägheit der Gefühle ausgestattet zu sein: Selbst wenn ich eine neue Situation geistig richtig erfasse, brauchen sie ihre Zeit, um nachzuziehen - "die Seele geht immer zu Fuß"; meine Gefühle pflegen ihren jeweiligen Zustand zunächst zu bewahren, ähnlich wie bei der Trägheit der Masse. Sie geraten leicht aus dem Gleichgewicht und wenn sie es (vielleicht gerade erst) erreicht haben, verharren sie erst ein Mal darin.
      Wenn Gefühle heftig sind und "ins Rollen gekommen sind", wirkt sich vielleicht das Wissen darum, dass sich die Situation verändert hat oder sich verändern wird, nicht ohne Weiteres aus.
      Achtung, eigene Sprache!
    • Kleine schrieb:

      Kennt ihr das? Wenn ja, wie geht ihr damit um?
      Ich kenne das irgendwie und würde das als "Veränderungsängste", Probleme mit Veränderungen umgehen zu können, "fehlende Flexibilität" verbuchen.
      Bei mir war das immer, wenn jemand bei mir zu Besuch war.
      Ich wollte nicht, dass der Besuch geht, weil ich dachte, der Besuch würde nie wieder kommen, obwohl ich gleichzeitig wusste, dass es wahrscheinlich nicht so ist.
      Aber genau dieses "wahrscheinlich" hat mir wohl zu schaffen gemacht, es war nicht sicher und irgendwie, war die Person auch einfach "wie vom Erdboden verschluckt", wenn sie aus dem Haus war.
      Ich habe dann geweint und wollte nicht, dass sie geht, weil ich nicht wollte, dass diese Person für mich sinnbildlich "stirbt".

      Ich weiß auch nicht was das ist, ich konnte Abwesenheit schwer unter "temporär" verbuchen.
      Tröstversuche fruchteten bei mir nicht.

      Bei Urlauben ist es so, dass ich mich schwer an den neuen Ort gewöhne und alles auf die Umstände neu polen muss.

      Mir kam gerade der Gedanke, ob es so ist, dass unser Denken oder unsere Gehirnstruktur nur so eine absolute Einstellung einnehmen kann und es dadurch keine Flexibilität gibt?
      Oder vielleicht fehlt uns da diese gesunde Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen, als eigene Körper, die auch ohne uns existieren.
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • Ich kann da in einem Punkt sehr, in einem anderen ein wenig mit fühlen.

      Andere Orte? Wo ich niemanden kenne und mich länger aufhalten muss? Ein Graus! Wie dort schlafen? Wie dort mich beschäftigen? usw. kommen Fragen auf und allein wenn ich so etwas muss, dann krieg ich Panik und Herzrasen. Zu meinem Ex früher, war eine Fernbeziehung, fahren und dort bleiben war weniger ein Problem, weil ich ihn ja hatte und er für mich eine Stütze war. Dagegen andere besuchen und dort schlafen war schon auch schlimm, hab mich total verschlossen und wollte eigentlich nur noch weg.

      Das andere Beispiel mit deiner Schwester kann ich nachempfinden, aber ich komm damit klar, schätz ich. Wenn vorher eine Person sich so benommen hat, als sei etwas nicht in Ordnung, kreisen meine Gedanken dauernd drum. Dann mach ich mir Sorgen und möchte am liebsten wissen, was los ist.
      Vor längerer Zeit kam mir der Gedanke: "Wir sind alle Schauspieler in unseren eigenen Stücken. Die anderen Menschen sind, wenn wir sie besser kennen und öfter sehen, Nebendarsteller und alle anderen Statisten. Jeder hat sein eigenes Stück, in dem wir auch mal eine kleine Rolle spielen, aber nicht die Hauptrolle." und sowas. Komm manchmal auf merkwürdige Gedanken, aber ich fand es lustig, weil ich grad mit dem Bus unterwegs war und mich fragte, wie wohl die Stücke der Menschen im Bus so ablaufen und so. :lol:
    • Was andere Orte betrifft kenne ich das auch sehr gut. Das würde ich auch als "Probleme mit Veränderungen" verbuchen.

      Die Probleme mit Personen kenne ich allerdings nicht. Ich bin eigentlich immer recht froh wenn ich endlich alleine bin und mich erholen darf.
      Ängste in Bezug auf Personen betreffen bei mir nur Personen ohne die ich nicht lebensfähig wäre. Also Betreuer, Pflegedienst, Therapeuten, Ärzte etc. Diese Ängste sind aber nicht allgegenwärtig. Dazu muss ich schon bewusst zb an die baldige Rente der Person denken.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Zitat: "...Selbst wenn ich eine neue Situation geistig richtig erfasse, brauchen sie ihre Zeit, um nachzuziehen - "die Seele geht immer zu Fuß"; meine Gefühle pflegen ihren jeweiligen Zustand zunächst zu bewahren..."


      DAS kenne ich gut. Ich bin oft in zwei oder gar drei Szenen. Emotional und bildhaft. In der, die gerade ist und in der, die war und in der, die sein wird. Das Hier und Jetzt erfassen, nacharbeiten und vorwegnehmen. Puh. Deshalb finde ich irgendwie alles anstrengend, was nicht in meiner gewohnten und damit integrierten Umgebung und mit gewohnten und mir nahen Menschen passiert. Emotional kognitive Integrationssstörung würde ich das nennen.
    • Ich "sammle" erstmal alles, was ihr so schreibt, aber ein Satz hat mich gerade regelrecht angesprungen:

      Cloudactive schrieb:

      Oder vielleicht fehlt uns da diese gesunde Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen, als eigene Körper, die auch ohne uns existieren.

      Wow! Da könnte was dran sein! Hast du dir das selbst erarbeitet/erdacht, oder es irgendwo gelesen? Falls letzteres, vielleicht weißt du noch, wo?
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Kleine schrieb:

      Als ich zurück nach Hause kam (nach 4 Tagen) habe ich meinem Mann gegenüber regelrecht gefremdelt - wie ein Kleinkind - und musste mich erst wieder an ihn und an die nicht mehr vertraute Umgebung gewöhnen.
      Das geht mir auch immer wieder so, schon mit wenigen Stunden Abstand. Ich ignoriere das einfach und versuche es mir nicht anmerken zu lassen, obwohl es in mir arbeitet und brodelt. Ich bin dann auch immer total angespannt und kann kaum runterfahren, möchte am liebsten nicht sprechen. Als Kind konnte ich das überhaupt nicht überspielen. Da hat es dann meistens Tage gedauert, bis ich wieder "normal" funktioniert habe. Ich habe schon öfter gelesen, dass viele denken, dass ihr Kopf da Einzelteile nicht richtig zusammensetzt und dadurch steht dann eben eine jede Situation für sich ohne Zusammenhang. Ich denke, das muss man einfach akzeptieren, ändern kann man es nicht.
    • Kleine schrieb:

      Wow! Da könnte was dran sein! Hast du dir das selbst erarbeitet/erdacht, oder es irgendwo gelesen? Falls letzteres, vielleicht weißt du noch, wo?
      Leider selbst gedacht.
      Aber ich kann mich an Experimente mit autistischen Kindern erinnern, wo das Thema ein wenig angesprochen wurde.



      Da bin ich aber nicht wirklich schlau daraus geworden, vielleicht jemand anders?
      >>Die sittliche Freiheit macht allein den Menschen erst in Wahrheit zum Herrn über sich selbst; denn der Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei und der Gehorsam gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat, ist Freiheit.<<

      Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778), Genfer Schriftsteller, Philosoph und Pädagoge; wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution
    • Kleine schrieb:

      Sie beschreibt, wie sie als Kind z.B. mit ihrer älteren Schwester zu den Großeltern gebracht wurde. Die Schwester hat dann dort ganz normal gespielt, während Gunilla völlig fertig war, weil sie nicht verstand, was diese Veränderung zu bedeuten hatte. Sie dachte, sie würden jetzt für immer bei den Großeltern bleiben.
      Haben die nicht miteinander geredet?
      Verstehe das nicht.
      Ich war z.B. im Alter von ca. 7 Jahren mal ein paar Tage im Krankenhaus, und da war mir völlig klar, dass ich da nicht für immer bleibe, sondern nur, bis ich wieder gesund bin. Sowas kann man doch kommunizieren, auch oder gerade einem Kind.
      Dass man trotzdem Probleme mit der Veränderung haben kann, ist schon klar. Das kenne ich auch, dass ich z.B. in einer fremden Umgebung schlecht schlafen kann und mich meistens auch krank fühle.
      Als ich zuletzt mal übers Wochenende woanders war, habe ich die Stunden gezählt, wie lange es dauert, bis ich wieder zu Hause bin. Aber ich habe nicht gedacht, ich muss dort jetzt für immer bleiben.

      Bei Gefühlen habe ich eher so ein ähnliches Problem. Ich bin immer stark in meinen aktuellen Gefühlen drin. Wenn es mir gut geht, kann ich mir schlecht vorstellen, dass es mir mal wieder schlechter gehen könnte und andersrum.

      Cloudactive schrieb:

      Bei mir war das immer, wenn jemand bei mir zu Besuch war.
      Ich wollte nicht, dass der Besuch geht, weil ich dachte, der Besuch würde nie wieder kommen, obwohl ich gleichzeitig wusste, dass es wahrscheinlich nicht so ist.
      Kenne ich so auch nicht. Eher das Gegenteil, dass wenn eine Person gerade nicht da ist, ich sie nicht vermisse, weil ich ja weiß, dass sie noch irgendwo existiert und es möglich ist, dass man sich wieder trifft, auch wenn es unbestimmt ist, wann das sein wird. Das Gefühl, jemanden zu vermissen, hatte ich nur sehr selten.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Diamant schrieb:

      Kleine schrieb:

      Als ich zurück nach Hause kam (nach 4 Tagen) habe ich meinem Mann gegenüber regelrecht gefremdelt - wie ein Kleinkind - und musste mich erst wieder an ihn und an die nicht mehr vertraute Umgebung gewöhnen.
      Das geht mir auch immer wieder so, schon mit wenigen Stunden Abstand. Ich ignoriere das einfach und versuche es mir nicht anmerken zu lassen, obwohl es in mir arbeitet und brodelt. Ich bin dann auch immer total angespannt und kann kaum runterfahren, möchte am liebsten nicht sprechen. Als Kind konnte ich das überhaupt nicht überspielen. Da hat es dann meistens Tage gedauert, bis ich wieder "normal" funktioniert habe. Ich habe schon öfter gelesen, dass viele denken, dass ihr Kopf da Einzelteile nicht richtig zusammensetzt und dadurch steht dann eben eine jede Situation für sich ohne Zusammenhang. Ich denke, das muss man einfach akzeptieren, ändern kann man es nicht.

      Hallo @Diamant Mir geht es auch bereits nach Stunden so, aber nur, wenn ich allein war in dieser Zeit, vor allem, wenn ich allein zu Hause war. Wenn mein Mann dann nach Hause kommt, dann muss ich mich erstmal daran gewöhnen, dass die Situation jetzt wieder anders ist. Ich fand das früher sehr sehr seltsam und hab wirklich Probleme mit mir selbst deswegen gehabt, es kam mir richtig verrückt vor. Ich denke mal, das liegt daran, dass ich in dieser Zeit wieder richtig doll in meinem Kopf "versinke". Wenn mein Mann da ist, dann holt er mich ja logischerweise immer wieder mal "raus" aus meinem Kopf. Zum Beispiel höre ich ihn jetzt gerade herumrascheln und wir werden gleich zusammen etwas essen ...

      Ich denke, mit dem Akpeptieren hast du recht - man kann es wohl wirklich nicht ändern. Ich habe jetzt, in anderem Zusammenhang, an einer Stelle gelesen, dass Autisten "ausschließlich in der Gegenwart leben". Das erklärt mir dieses Phänomen.

      Verstehen UND erfahren, dass es anderen auch so geht, das sind für mich die zwei wichtigsten Heilungsmethoden - mit Heilung meine ich, mich selbst annehmen, nicht mehr an mir und meiner Wahrnehmung (ver-)zweifeln, akzeptieren, wie ich "funktioniere" etc.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Kleine ()

    • Ich mach mal ein paar Anmerkungen:

      Kleine schrieb:

      Wenn ich an einen "neuen" Ort reise, habe ich immer Angst.
      Angst direkt nicht, aber so ein inneres Kribbeln. Ich bin gern so früh an einem unbekannten (Urlaubs-)Ort, dass ich ihn mir noch etwas erobern kann; heißt: ich gehe nachsehen, wo ich einkaufen kann, wie der öffentliche Nahverkehr funktioniert, , wo es Kneipen gibt usw.

      Kleine schrieb:

      Ich frage mich: wenn ich hier leben müsste, würde ich dann jemanden kennenlernen?
      Nein, das frage ich mich nicht. Wahrscheinlich, weil mir halt die Frage nach dem Kennenlernen anderer Leute gar nicht so wichtig ist. Aber jetzt gerade, wo ich das schreibe, fällt mir auf: Die erste Frage, wenn ich Verwandten später von meinem Urlaub erzähle, ist: Hast du /habt ihr nette Leute kennengelernt? Nein, hab ich nicht, ist mir auch gar kein Bedürfnis.

      Kleine schrieb:

      Daher bin ich mittlerweile ein Freund davon geworden, immer dieselben Orte wieder und wieder zu besuchen.
      Stimmt, geht mir absolut genauso. Ich freu mich auf die Veränderung und freu mich gleichzeitig, wenn ich am anderen Ort Bekanntes wiedertreffe. Meiner Frau steckt seit Jahren ein Städtetrip nach Lissabon in der Nase - ich zieh nicht so recht. Wien und Berlin sind super Städte, in denen ich meist sogar weiß, welche U-Bahn, welche Tram ich nehmen muss, um irgendwohin zu kommen - was soll ich da nach Lissabon?

      Kleine schrieb:

      Daher tut mir auch das Alleinsein gar nicht gut, weil ich dann dieses Gefühl habe, als wäre ich völlig allein auf der Welt, obwohl das nur in diesem Moment so ist.
      Manchmal wollte ich, ich könnte auch so empfinden, also, dass mir Alleinsein nicht guttut - aber mein Gefühl ist halt immer, dass mir Alleinsein guttut, z.B. wenn meine Frau und ich einmal im Jahr getrennt Urlaub machen. Eine vage Sehnsucht ist manchmal da (Es wäre schön, wenn sie jetzt hier wäre...) aber im Ganzen genieße ich meine Zeit auch allein.
      "Die randständigen Grenzgänger weiten unsere Welt."
      Robert Seethaler, Deutschlandfunk Kultur am 10. Oktober 2018