Lob und positive Verstärkung

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    • Axo..tankyuwell. :)
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater
    • Ich finde es eigentlich gar nicht so schlecht, hin und wieder mal gelobt zu werden.
      Begründung: Man wird ja auch hin und wieder kritisiert.
      Wenn das sich nicht wenigstens so ungefähr die Waage halten würde, würde mir möglicherweise die Lust an diesem oder jenem vergehen oder ich würde mich immer wie so eine olle Querulantin fühlen, die alle bloß nervt und nirgends gern gesehen ist.
      Auf einer (meiner vorigen) Arbeitsstelle wurde ich z. B. mehr/öfter kritisiert, als gelobt. Irgendwann sagte ich dann mal: es lief doch davor tagelang gut, hab ich dafür auch mal ein Wörtchen der Anerkennung gehört?? Da sagte die Chefin: wenn ich zu dir jetzt sagen würde, dass du da und da gut bist, dann würdest Du mit der Nase aber ganz weit oben sein. (sinngemäß)

      Es besteht zwar die Gefahr, dass man bei auch rein verbalem Lob anfängt, sich darauf auszuruhen (im Sinne davon, dass ich mich da weniger anstrengen brauch, weil mir das besser gelingt), aber das glaube ich nicht so ganz. Ich weiß, wo ich mich eigentlich noch verbessern könnte, und wenn ich für etwas gelobt wurde, worin ich mich selbst gar nicht so besonders gut finde, ist es wie 'Lorbeeren auf Vorschuss', d. h. ich muss jetzt erst recht den Erwartungen besonders gut gerecht werden, damit das Lob auch gerechtfertigt war.
      Das könnte auch ein psychologischer Trick sein: Der Empfänger fühlt sich geehrt, und weiß aber gleichzeitig, dass von nun an immer so ein Ergebnis erwartet wird, und im Sinne von positiver Verstärkung wird er jetzt vermehrt daran arbeiten, dem guten Ruf gerecht zu werden.

      Für künstlerische Fähigkeiten kann man aber auch von Kennern und Könnern gelobt werden, wenn sie "gute Ansätze" erkennen. Das heißt dann aber noch lange nicht, dass ich dann gut genug bin! Aber man fühlt sich manchmal besser, weil es das Gefühl gibt, hier wurde etwas (der gute Ansatz =)) erkannt. (Obwohl es bei Kursen auch sein kann, dass die Kursleiter ihre Teilnehmer behalten wollen und deshalb nicht mit Lob geizen.)
      Und Leute, die (angeblich) nicht viel Ahnung haben, sind dann manchmal noch kritischer, weil sie unvoreingenommen herangehen und es für sie einfach nur irgendwie 'hübsch' oder 'stimmig' aussehen muss. Wenn aber etwas absichtlich nicht hübsch aussehen soll, dann können sie schnell mal eine Zeichnung eher ablehnen und nicht gut finden.


      In der Schule werden von den Lehrern und Pädagogen oft auch Leistungsschwächere gelobt, wenn sie sich mal besondere Mühe gegeben haben, was dann auch mehr auffällt gegenüber konstant guten Schülern. Das ist dann auch so ein psychologischer Trick im Sinne von positiver Verstärkung; Lob für die Mühe.

      Reagieren auf Lob kann ich auch nicht gut. Ich habe es manchmal 'an mir abprallen lassen'. Ich wurde nicht so oft gelobt. Innerlich hat es aber mein Selbstvertrauen angehoben. Ich galt z. B. so mit 6/7 Jahren als manuell besonders geschickt (basteln, malen/zeichnen). (Später hat sich das dann mit Sicherheit relativiert.) Also, in einer Art anerzogenen Bescheidenheit oder ich weiß nicht woher das kommt, habe ich auch manchmal es nicht annehmen können. Auch jetzt, wenn doch mal anerkennende Worte für irgendwas kommen, dann sage ich manchmal nichts oder ich sage "Danke" aber ich fühle mich nicht sonderlich redegewandt oder ich relativiere es gleich, wie: ach, das ist nur ein Zufallsergebnis."
      Ein Freund ist jemand, bei dem du dich traust, du selbst zu sein.
      (Pam Brown)
    • Iska schrieb:

      Reagieren auf Lob kann ich auch nicht gut. Ich habe es manchmal 'an mir abprallen lassen'. [...] Innerlich hat es aber mein Selbstvertrauen angehoben. [...] In einer Art anerzogenen Bescheidenheit oder ich weiß nicht woher das kommt, habe ich auch manchmal es nicht annehmen können. Auch jetzt, wenn doch mal anerkennende Worte für irgendwas kommen, dann sage ich manchmal nichts oder ich sage "Danke" aber ich fühle mich nicht sonderlich redegewandt oder ich relativiere es gleich, wie: ach, das ist nur ein Zufallsergebnis."
      Das kenne ich sehr gut von mir. Es gibt keine "angemessene" Reaktion auf erhaltenes Lob, die ich wirklich gut beherrsche. :oops:
      Vielleicht ist das auch der eigentliche Grund, warum ich mit Lob (und auch Kritik) von Personen, die "Ahnung haben", besser zurechtkomme. Dann kann ich nämlich auf der "Sachebene" weiterdiskutieren, und da fühle ich mich wesentlich wohler. :oops:
      "Make laugh, not war!"
      Kann das hier jemand sehen? :p
    • Ja, dann kann man sich noch Tipps holen oder irgendwelche Zweifel ausräumen oder hat einfach mal eine andere Sichtweise von jemandem, der sich damit auch schon länger beschäftigt hat.
      Ein Freund ist jemand, bei dem du dich traust, du selbst zu sein.
      (Pam Brown)
    • 70Quadrillionen schrieb:

      Aus meinem Empfinden heraus würde ich Wertschätzung auch als wirkungsvoller ansehen, als gelobt zu werden.
      Das sehe ich auch so, nur wo genau liegt der Unterschied zwischen Wertschätzung und Lob. Ist das Loben nicht eine Art und Weise, Wertschätzung auszudrücken. Man kann jemanden loben für etwas, das er tut aber auch für sein "Sein", also für seine Art, für Charactereigenschaften, für z.B. soziales Verhalten. Oder ist das positive Herausstellen von Eigenschaften etwas anderes als loben?
    • Ani schrieb:

      70Quadrillionen schrieb:

      Aus meinem Empfinden heraus würde ich Wertschätzung auch als wirkungsvoller ansehen, als gelobt zu werden.
      Das sehe ich auch so, nur wo genau liegt der Unterschied zwischen Wertschätzung und Lob. Ist das Loben nicht eine Art und Weise, Wertschätzung auszudrücken. Man kann jemanden loben für etwas, das er tut aber auch für sein "Sein", also für seine Art, für Charactereigenschaften, für z.B. soziales Verhalten. Oder ist das positive Herausstellen von Eigenschaften etwas anderes als loben?
      Ehrliches Lob ist ein Ausdruck von Wertschätzung, die aber auch anders geäußert werden kann (indem man z.b. mit jemandem Zeit verbringt, ihn beschenkt, im Aufmerksamkeit widmet oder anderes). Wertschätzung ohne Lob schätze ich, Lob ohne Wertschätzung dagegen nicht.
      Achtung, eigene Sprache!
    • "Bei vielen - nicht allen! - autistischen Kindern funktionieren darum z.B. auch die für ADS-Kinder zu Recht empfohlenen Punktepläne nicht, da es keine realisierbaren Belohnungen gibt, die sie genug reizen könnten, keine Konsequenzen, die sie genug "abschrecken", zumal sie den Zusammenhang oft auch gar nicht zu verstehen in der Lage sind, da sie ausschließlich in der Gegenwart leben und kaum imstande sind, in Aussicht gestellte Belohnungen oder Konsequenzen auf ihr jetziges Handeln zu beziehen, bzw. dann, wenn sie erfolgen, ihr "früheres" Verhalten damit in Verbindung zu bringen, sei es eine Stunde, einen Tag, eine Woche oder einen Monat her."

      Quelle: autismus-etcetera

      Passt für mich zum Thema. Lob ist ja auch eine Art Belohnung. (Hier geht's wieder um Kinder, aber das verändert sich ja vielleicht nicht, man wächst aus dem Autismus ja nicht heraus.)

      Das oben Zitierte erkärt mir gut, warum Lob bei mir nicht verfängt. Über die reine Freude in dem Moment hinaus hat es auf mich keinen nennenswerten Effekt, ich tue also danach nichts, nur um wieder Lob zu erhalten. Sprich, lobt mich der Therapeut, bin ich eher später etwas zerknirscht, weil ich ihn dann nächstens enttäuschen muss, weil ich nicht wieder so gehandelt habe, dass er mich loben kann.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Kleine schrieb:

      Über die reine Freude in dem Moment hinaus hat es auf mich keinen nennenswerten Effekt, ich tue also danach nichts, nur um wieder Lob zu erhalten. Sprich, lobt mich der Therapeut, bin ich eher später etwas zerknirscht, weil ich ihn dann nächstens enttäuschen muss, weil ich nicht wieder so gehandelt habe, dass er mich loben kann.
      Ich werde sogar leicht ärgerlich, wenn ich merke, dass diese Loberei "System" hat - also mich irgendwohin dirigieren (RW) will. Ja bin ich denn ein Hündchen, dass man dressiert à la "Ohhhhh, hattu aber fein gemacht!" ? :nerved: :m(:
      Of course I talk to myself! :nod: Sometimes I need expert advice. :prof:
    • Digital_Michael schrieb:

      Ja bin ich denn ein Hündchen, dass man dressiert à la "Ohhhhh, hattu aber fein gemacht!" ?
      Geht mir ebenso. Es gibt Lob, das mich erfreut, und es gibt Lob, das mich skeptisch macht. Ich merke den Unterschied in der Regel - also ob jemand etwas lobt, weil er selbst von dem Ergebnis erfreut ist, oder ob er nur lobt, um mich auszunutzen und zu manipulieren - damit ich irgendetwas nächstes Mal wieder tue. Ganz plumpes, ausgedachtes Beispiel: "Toll, niemand wäscht so gut ab wie du! Wie sauber alles ist!" :lol: :m(:
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Kleine schrieb:

      da es keine realisierbaren Belohnungen gibt, die sie genug reizen könnten
      Es kommt auf die Belohnung und die Pläne an :prof: Meine Mutter hat meine Belohnungen auf meine SIs abgestimmt und meine Pläne auf mich abgestimmt und komplett selbst gemacht. Für mich war es gut einen Zeitplan zu haben den ich nicht selbst planen musste ;)
      Ich habe mit der Spielwiese NIX zu tun :d
    • Ich denke beim Lob (als Verstärker) im "normalen Miteinander" unter nichtautistischen Menschen spielt die Beziehungsebene der Kommunikation eine größere (oder die entscheidende) Rolle. So kann dann vielleicht auch ein "Das hast du gaaaanz toll gemacht!!" (oder vergleichbares, der "Sach-Situation" unangemessenes und übertriebenes) eine positive Verstärkung sein, weil der gelobte Mensch sich "emotional verbunden" oder auf dieser Ebene wertgeschätzt und bestätigt fühlt. Auf die Sachebene der Kommunikation (und "Angemessenheit" von Worten und Sache) kommt es dann vielleicht gar nicht so an.
      Dazu kommt dann noch das mit dem nonverbalen Anteil der Kommunikation (der verbale Anteil am Kommunizieren sei höchstens 30%, höre ich immer wieder), und so ist dann vielleicht ein Lob mit übertriebenen Worten, für Kleinigkeiten, wie zu einem kleinen Kind oder Hund, für manche nicht nur "gar nicht so schlimm" sondern sogar tatsächlich ein "positiver Verstärker", Ermutigung, etwas schönes, weil das entscheidende dabei (für "Nonverbalkommunizierer") vielleicht das nette Lächeln, das Nicken, das in einer bestimmten Weise anschauen ist. Während vielleicht für jemanden, der die gesagten Worte als "die Botschaft" versteht (mehr Bedeutung in den Worten sieht/sucht als in der Gesichts- und Körperbewegung), und zudem noch das gesagte bezogen auf die Sache sieht (und nicht im Sinne von Toll da mag mich jemand und ist nett, jetzt gebe ich mir nochmal besonders Mühe), die gleiche "ausgesandte Botschaft" ganz anders ankommt und bestenfalls Irritation auslöst.

      Vielleicht hat Vogeley auch dies im Blick, wenn er schreibt, dass bei erwachsenen Autisten "übliche Verstärkungssignale wie Lob wenig sinnvoll" sind. Die "üblichen" Signale kommen ja tatsächlich oft nicht so gut an. (Was nicht bedeutet, dass Lob nicht als positiv oder richtungsweisend empfunden werden oder wirken kann - aber eben ehrliche Wertschätzung, und eher verbal und sachbezogen kommuniziertes Lob, nicht "die üblichen Signale" als positive Verstärker.)

      Beachtenswert finde ich auch den Kontext, in dem er das schreibt: über Therapien erwachsener Autisten.
      Manche Therapeuten (und auch Ärzte, Sozialarbeiter, Erzieher, teils auch Lehrer) reagieren auf ein empfundenes "soziales/kommunikatives Defizit" des Gegenübers (Patient, Schüler, Hilfebedürftiger, ... ), insbesondere wenn bereits das Label "behindert" (oder "krank") vergeben wurde, bei stockendem oder schwierigem Kommunikationsverlauf (kurzum: nicht ihrer Erwartung entsprechendem Verhalten oder Antworten) tendenziell mit "Babysprech", mit übertriebener und langsamer/langgezogener Ausdrucksweise, "einfachen" Worten/Sätzen, lauterer und intensiverer Stimme, intensiverer Emotionalität in der Kommunikation und überzogener auch Nonverbale(re)r Sprache etc,. Oder auch mit "wohlmeinendem Körperkontakt" (= anfassen).
      (Mag sein, dass sich "Normalbehinderte" oder "durchschnittliche seelisch Kranke" oder wasweissich dann besonders gut aufgehoben, oder emotional angesprochen, ermutigt, verstanden fühlen, und auch durch so ein "Hattu gaaaanz tooolll gemacht" positiv verstärkt werden.... (Ich bezweifle es...) So scheinen jedenfalls manche Therapeuten etc zu denken.)

      Ich finde es sinnvoll, Menschen, die "mit Autisten arbeiten" wollen/sollen (im Sinne von: als "Professionelle Helfer" Autisten helfen oder unterstützen wollen), beizubringen, dass sie nicht vom "üblichen" ausgehen dürfen, insbesondere nicht in Sachen Kommunikation und sozialer Interaktion. Wichtig fände ich, ihnen auch zu vermitteln, wie es denn besser wäre, und was dem zugrunde liegt, dass so manches in Kommunikation und Interaktion hier besser anders läuft.
      (Ich befürchte allerdings auch, dass es für viele Therapeuten, Sozialarbeiter, Ärzte und andere "Helfer" eine besondere Herausforderung darstellt, mit einer gewissen "Patientengruppe" in ehrlicher, wertschätzender Kommunikation(-mit hohem Sach- und Verbal-Anteil) umgehen zu müssen, statt im normalen/üblichen "Schema F". Dies erfordert auch viel Selbstreflektion und -Ehrlichkeit. Und in diesen Berufen scheinen besonders viele zu arbeiten die ihre großen Stärken im emotionalen/nonverbalen/Beziehungsebene sehen, da geht dann so ein sich Hinterfragen auch schnell mal in Richtung sich in Frage gestellt fühlen.)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Mira ()

    • Ich kann mich nur an eine Situation erinnern, wo ich ein Lob wirklich als nachhaltig motivierend wahrgenommen habe. Das war im Studium nach einer Präsentation, in der ich meine Semesterarbeit vorgestellt hatte und danach von der Professorin für meine herausragenden Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich gelobt wurde. Dieser Bereich gehört zu meinen SI und ich habe die Professorin wirklich respektiert und konnte Kritik von ihr auch wirklich annehmen und daher war ihr Lob für mich viel mehr wert als von den meisten anderen Menschen. Bei ihr konnte ich einfach sicher sein, dass es so gemeint war, wie sie es sagte und nicht bloß höfliches Gerede.
      Lob von mir nahestehenden Personen bewirkt bei mir leider gar nichts. Je näher mir die Menschen sind, desto weniger Einfluss hat deren Lob (und auch Kritik) auf mich. Meine Eltern haben mich als Kind für jeden Mist gelobt und ich hab ziemlich schnell gemerkt, dass meine tatsächliche Leistung nicht mit deren Lob gemessen und somit auch nicht als ehrliche Rückmeldung auf meine objektive Leistung genutzt werden kann.
      Ich habe verstanden, dass sie nur nett sein wollten, aber ich habe nie verstanden warum auf diese Art und Weise, die doch niemandem kontruktiv etwas bringt! Sie hätten ja auch sowas sagen können wie: "In dem Text steckt offensichtlich viel Arbeit drin, aber ich kann manche Sachen nicht wirklich nachvollziehen, weil zuviele Gedankensprünge drin sind. Und zwar an den Stellen x,y,z ... Vielleicht versuchst du mal das so umzuschreiben, dass ich das auch verstehen kann." (Das waren nämlich die Anmerkungen des Professors hinterher und wenn meine Eltern den Text ehrlich und nicht einfach nur höflich bewertet hätten beim Korrekturlesen, dann hätte mir das viel mehr weitergeholfen.)