Therapeutenaussage: Autisten sind nicht zu wirklich tiefen Gefühlen fähig

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    • Necroghoul7 wrote:

      Vielleicht lesen sie es am EEG ab
      Das ist nicht möglich.
      Es ist überhaupt nicht möglich die Intensität der Gefühle eines Menschen zu messen.

      Ich verstehe nicht, warum hier so viele (intelligente) Leute so viel Zeit damit ver(sch)wenden die völlig dumme Aussage eines oberflächlich denkenden Therapeuten zu diskutieren.
      Das würde ich einfach abhaken(RW) und mit dieser Person keinen Kontakt mehr haben wollen, es ist doch zu blöd.

      Leute labern so viel dummes Zeug, es ist wirklich sinnlos darüber nachzudenken.

      Finde ich jedenfalls.
    • hundefreund wrote:

      Moi wrote:

      Was mich aber noch immer sehr beunruhigt ist, dass die Meinung, Autisten hätten weniger Gefühle und/oder seien nicht zu wirklich tiefen Gefühlen in der Lage, unter Therapeuten/Ergotherapeuten etc. weit verbreitet ist.
      das kommt glaube ich auch daher, dass sich neue Erkenntnisse - vor allem bei denen die nicht viel damit zu tun haben - nicht schnell durchsetzen. Die meisten haben noch die Orginalbeschreibung von Autismus in Erinnerung.

      Die „Autistischen Psychopathen“ im Kindesalter - Doz. Dr. Hans Asperger wrote:


      Gerade die Eltern spüren aber auch ein gefühlloses Verhalten ihrer Kinder am stärksten und sind darüber besonders unglücklich.
      [...]
      es fehlt diesen gefühlsarmen Kindern auch die Empfindung dafür, wie sehr sie anderen – etwa kleineren Geschwistern körperlich, den Erwachsenen seelisch – weh tun.
      [...]
      Oft fehlt weitgehend das Scham- und Schuldgefühl, das diese Handlungen sonst begleitet;

      Ich weiß nicht, ob die meisten die Originalbeschreibung von Asperger selbst in Erinnerung haben; sie stammt immerhin aus dem Jahr 1943 - und welcher Fachmann orientiert sich heute noch an psychiatrischen Fachbüchern aus dieser Zeit? (Das wäre - zumindest für mich - angesichts damaliger Behandlungsmethoden gruselig.)

      Andererseits habe auch ich Aspergers Text gelesen.

      Er schrieb übrigens im genannten Text auch:

      Die „Autistischen Psychopathen“ im Kindesalter - Doz. Dr. Hans Asperger wrote:


      Man kann bei den Kindern Beobachtungen machen, die einen die Gefühlsseite keineswegs so eindeutig negativ beurteilen läßt.
      [...]
      Angesichts dieser Tatsachen ist uns das Problem der Gefühlsseite dieser Kinder sehr kompliziert geworden. Es ist jedenfalls nicht einfach nach dem Begriff „Gefühlsarmut“ zu verstehen, also nach quantitativen gesichtspunkten, es ist vielmehr ein qualitatives Anderssein, eine Disharmonie an Gefühl, an Gemüt, oft voll überraschender Widersprüche, wodurch diese Kinder charakterisiert sind, wodurch ihre Anpassungstörung verursacht wird.
      [...]


      Link zu Aspergers Text
      „Erst die Selbsterkenntnis und Anerkennung des eigenen Strukturiert- und Gefangen-Seins in den psychobiologischen Gesetzmäßigkeiten der eigenen Persönlichkeit ermöglicht es, die Begrenzungen der anderen zu erkennen und sie zu akzeptieren – und sie nicht als intentionale Angriffe auf die eigene Welt zu deuten, gegen die es sich zu wehren gilt.“
      (Ludger Tebartz-van Elst: Autismus und ADHS. Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und neuropsychiatrischer Krankheit. S. 19.)

      The post was edited 1 time, last by Moi: Link zu Aspergers Text ergänzt ().

    • ", eine Disharmonie an Gefühl, an Gemüt, oft voll überraschender Widersprüche, wodurch diese Kinder charakterisiert sind, wodurch ihre Anpassungstörung verursacht wird."

      Ja, danke für dies Zitat.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • Ich glaube, dass einfach immer die falschen Stellen von den Beschreibungen von Asperger und Co. zitiert werden. Wenn man genauer hinschaut, findet man durchaus auch Beschreibungen von tiefen emotionalen Vorgängen (auch anderen Menschen gegenüber) bei den Kindern, über die Asperger schreibt. Das gilt übrigens auch für Ssucharewa, deren angeblich "schizoide" Kinder nicht nur praktisch haargenau dem Symptombild von Asperger entsprachen, sondern die allesamt von den anderen Kindern in der Schule ausgegrenzt und gemobbt wurden, so dass es ja kein Wunder ist, dass sie denen emotional nicht verbunden waren. Hingegen finden sich bei manchen der Kinder Beschreibungen von tiefer emotionaler Verbundenheit mit den Eltern, spielen mit anderen Kindern in jüngerem Alter und bei einem Kind ungeschickte Versuche der Kontaktaufnahme mit den anderen Kindern, die jedoch auf Ablehnung stießen.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Ja, genau.


      ...auch zu dem körperlichen Naheseinwollen- oder (nicht-)Können...ist auch hier im Forum eine Diskrepanz zu spüren,
      bzw...derselbe Körper kann bei manchen sehr gut Nähe ertragen oder geniessen..und bei anderen überhaupt nicht.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”


      (Sylvia Boorstein)
    • Ani wrote:

      Die kognitive Empathie, also die TOM, ist beeinträchtigt. Diese Diskrepanz kann dazu führen, dass die gefühlten Emotionen nicht zugeordnet und nicht adaequat ausgedrückt werden können.
      Kann sie in so ziemlich allen aktuellen Fachbüchern nachlesen. Sollte sie, wenn sie mit Aspies arbeitet.
      Das ist vielleicht der Grund warum ich inneren Schmerz empfinde, wenn bestimmte gegenstände kaputt gemacht werden oder einfach nur, weil alt, verschrottet werden müssen, wie Fernseher oder anderes Gedöns.
    • Moi wrote:


      Das (persönliche Aufklärung) habe ich inzwischen getan. Ich bin immer
      noch bei dieser Therapeutin, habe also das Gefühl, dass diese Aufklärung
      ihren Zweck erfüllt hat. Unter anderem war wohl gut, dass ich ihr
      diesen Thread zeigen konnte. Danke euch allen!
      Das freut mich sehr. Ich wünsche euch weiterhin eine gute Zusammenarbeit :)
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Kraehe wrote:

      Das ist nicht möglich.
      War nur ein Scherz, die lesen ja heutzutage alles Mögliche *angeblich* aus Messungen heraus. ;)

      Kraehe wrote:

      warum hier so viele (intelligente) Leute so viel Zeit damit ver(sch)wenden die völlig dumme Aussage eines oberflächlich denkenden Therapeuten zu diskutieren
      Mich zumindest interessiert es, wie Therapeuten zu solchen Aussagen kommen und inwieweit das die Therapie selbst negativ beeinflußt und ob das durch Erklärungen korrigierbar wäre. Außerdem entspannt mich das abends, auch mal an was anderes zu denken als meine Privatsorgen.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Kraehe wrote:

      ... Ich verstehe nicht, warum hier so viele (intelligente) Leute so viel Zeit damit ver(sch)wenden die völlig dumme Aussage eines oberflächlich denkenden Therapeuten zu diskutieren.
      Das würde ich einfach abhaken(RW) und mit dieser Person keinen Kontakt mehr haben wollen, es ist doch zu blöd. ...
      Das liegt an unseren tiefen Gefühlen. Fühlst Du das nicht? :-p
    • RegenbogenWusli wrote:

      Das ist vielleicht der Grund warum ich inneren Schmerz empfinde, wenn bestimmte gegenstände kaputt gemacht werden oder einfach nur, weil alt, verschrottet werden müssen, wie Fernseher oder anderes Gedöns.
      Das geht mir auch so, allerdings verstehe ich nicht, wie du das aus deinem Zitat schlussfolgerst.
      Geht mir bei Pflanzen und Tieren auch ähnlich.
      Komischerweise ist es bei Sachen allerdings tendenziell am stärksten.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Cloudactive wrote:

      RegenbogenWusli wrote:

      Das ist vielleicht der Grund warum ich inneren Schmerz empfinde, wenn bestimmte gegenstände kaputt gemacht werden oder einfach nur, weil alt, verschrottet werden müssen, wie Fernseher oder anderes Gedöns.
      Das geht mir auch so, allerdings verstehe ich nicht, wie du das aus deinem Zitat schlussfolgerst.Geht mir bei Pflanzen und Tieren auch ähnlich.
      Komischerweise ist es bei Sachen allerdings tendenziell am stärksten.
      Das kann ich dir leider auch nicht sagen. Ich habe mir mein eigenes Zitat nochmal angesehen, aber wie ich von deiner Aussage zu meiner Idee dazu kam weiß ich selber leider auch nicht mehr XD
    • Ich bin sogar zu so tiefen Gefühlen fähig, dass ich unter Umständen einen Meltdown allein deswegen bekomme, egal ob die Emotion ursprünglich positiv oder negativ war.
      "Ich? Gescheitert? Niemals!
      ... Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren." -Thomas Edison, zumindest so ähnlich
    • Oh, ds ist ein Irrtum. Therapie kann erst mal ehr weh tun, sogar ohne absichtliches/fahrlässiges Verletzen durch den anderen.
      WAS einen nämlich verletzt kann hat ja mit dem zu tun, wie man "vorgeschädigt" ist.
      Und das kann auch der/die beste TherapeutIi nicht immer voraussehen.

      Auch tut es weh, sich mt manchen eigenen Macken und Mustern beschäftigen zu müssen - einfach wei es nötig ist. Manche machen da natürlich auch "der Therapeut verletzt mich" daraus.

      "Verletzt" ist auch gar ein Gefühl, sondern ein Pseudogefühl. Dahinter stehen Gefühle, Bewertungen und Gedanken, incl em, dass es von außen verursacht sein muss.

      In einer Therapie ist man halt vor allem mit sich selbst konfrontiert. Und vor allem mit dem, wo es nicht so toll ist hinzusehen und wo es Arbeit bedeutet, das in Ordnung zu bringen.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Hinter jedem Gefühl stehen noch andere Gefühle, die kann man aufdröseln wie die Schalen einer Zwiebel. Das hab ich mal in so ner Art Seminar oder Kurs gelernt... Das heißt aber nicht, dass die drüberliegenden Gefühle nicht echt sind!

      Die Krux ist nur, dass die Leute oft nicht wissen, was hinter ihren Gefühlen steht.

      Z. B. steht hinter Ekel für gewöhnlich Angst. Und vor z. B. Fremdenhass steht halt auch häufig Angst. Und auch hinter Wut steht häufig Angst.

      Das soll jetzt nicht heißen, dass Angst hinter allem steht, das waren nur Beispiele. Hinter Wut kann auch Eifersucht stehen oder Entrüstung über einen Normverstoß / Tabubruch (wobei man wieder aufdröseln könnte, wieso die Person eifersüchtig reagiert oder wieso sie Normbrüche erzürnen)… *nicht mehr tippen mag*
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Diese Erfahrung musste ich bei der "Spezialistin" in Münster machen, nur bei mir war das deutlich früher. Diese Frau war einfach nur gemein und dazu noch sehr arrogant, nur weil sie der Meinung ist einen Doktortitel zu haben der ihr erlaubt andersartige Patienten abwertend zu behandeln. Bei der 4. Sitzung, wo auch mein Vater mitkam, hat sie allen Ernstes gesagt dass meine tiefen Gefühle nur schlechtes Benehmen und nicht vorhanden sind, genauso wie dass meine traumatischen Erlebnisse nichts bedeutendes wären. Darüber koche ich heute noch vor Wut und Hass auf diese ahnungslose und ignorante Person. Wie kann jemand, der anderen helfen soll, nur so unsensibel und verletzend sein? Nach der Sitzung konnte nicht einmal die Radiosendung über die Bundesliga mich besänftigen. Ich habe die Therapie bei dieser "Spezialistin" noch vom Auto aus über Handy abgebrochen, was auch das beste für mich war. Und ich kann sehr intensive Gefühle auch empfinden, die mich manchmal auch ängstigen können.
      Das Buch "Ein Leben mit dem Asperger-Syndrom" von Tony Attwood hat mir gezeigt dass Autisten ebenfalls tiefe Gefühle haben, aber diese anders empfinden und ausleben. Was ich daraus auch interpretiere, ist dass diese verwirrend sein können. Durch das 6. Kapitel dieses Buches konnte ich das - nennen wir es mal Gefühlschaos - in mir besser verstehen, auch die tiefen Gefühle, warum bei mir die Stimmung so schnell wechseln kann, oder warum ich diese viel intensiver als andere empfinde.
      Meine Neurologin hat mir erklärt dass wirklich jeder Mensch tiefe Gefühle empfinden kann und (so ist es jedenfalls bei mir) diese niemals verdrängen darf, weil das zum Overload führen kann. Das hat mich etwas erleichtert, da ich mit den mehreren auf einmal auftretenden Gefühlen, die ich oft spüre, noch nicht klarkomme (z.B. zu Nachdenklichkeit kommen oft Ängste, Wut, Schmerz, Unsicherheit, Verletztheit, und noch viel mehr). Sie hat mir ebenfalls gesagt, dass diese Gefühle bei mir komplizierter als bei anderen und oft, wie eine große Anzahl von Kabeln (wie die Kabel von ihrem Rechner und den anderen verbundenen Geräten) miteinander verbunden sind und es hilft, diese voneinander zu trennen, damit das Verstehen leichter wird. Dabei ist es auch möglich dass es sich um mehr als ein tiefes Gefühl handelt.
      Die Idee mit dem Ansatz die Gefühle voneinander zu trennen, hat mir mein Vater beim Spaghetti mit Tomatensauce essen bildlich verdeutlicht, klingt jetzt verrückt, hat mir aber auch geholfen (ich weiß, mit Essen spielt man nicht).
    • Also für mich zumindest stimmt das.
      Ich hatte noch nie Gefühle und werde auch niemals welche haben. Das ist natürlich sehr schade weil Gefühle das wichtigste im Leben sind
      Vielleicht wird Autismus ja irgendwann geheilt und ich darf doch noch erfahren wie es ist ein erträgliches Leben zu führen