Therapeutenaussage: Autisten sind nicht zu wirklich tiefen Gefühlen fähig

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    • @Neoni: Ich habe dir eine PN geschrieben.

      @Kleine: Es gab bereits einen Mailwechsel. In einem Telefonat traue ich mir keine Deskalation zu.

      @FruchtigBunt: Ich denke, es ist typisch autistisch, einem neurotypischen Menschen nicht oder nur sehr schwer vermitteln zu können, wie es einem selbst geht. Ich denke aber auch, dass das durchaus keine "Einbahnstraße", sondern wechselseitig ist.
      Dazu gibt es einen, wie ich finde, interessanten Artikel von der Gruppe um Tebartz-van Elst: static.onleihe.de/content/hogr…-6/v978-3-8409-2501-6.pdf (Ich meine des Exkurs.)
      „Erst die Selbsterkenntnis und Anerkennung des eigenen Strukturiert- und Gefangen-Seins in den psychobiologischen Gesetzmäßigkeiten der eigenen Persönlichkeit ermöglicht es, die Begrenzungen der anderen zu erkennen und sie zu akzeptieren – und sie nicht als intentionale Angriffe auf die eigene Welt zu deuten, gegen die es sich zu wehren gilt.“
      (Ludger Tebartz-van Elst: Autismus und ADHS. Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und neuropsychiatrischer Krankheit. S. 19.)
    • Übrigens: Meine obigen Beispiele waren nicht ganz zufällig gewählt. Temple Grandin z. B. schreibt immer davon, dass sie nicht sehr viele verschiedene Gefühle habe sondern nur bestimmte Grundemotionen, also ca. 4 Stück wie Freude, Trauer etc. Und sie meint wohl das sei teils auch bei anderen Autisten so oder zumindest könnte man von ihr leicht auf andere schließen.

      Und Gunilla Gerland z. B. beschreibt, dass sie keine Liebe für ihre Eltern empfindet und das von klein auf so war und sie auch keine Liebe für andere Menschen empfinden kann und daher z. B. auch keine richtige Beziehung mit einem Mann führen kann (da das dem Mann dann zu langweilig / oberflächlich ist). Die einzige, für die sie offenbar ein klein wenig was empfand, war ihre Schwester, da diese sich als Kind zumindest die Mühe machte mit ihr zu spielen auf eine Art, die sie verstanden hat und wo sie mitmachen konnte. Gefühlstiefe hat Gunilla dennoch, allerdings mehr auf ihre eigenen Gefühle, also das, was sich in ihrem Inneren abspielt, bezogen. Emotionsgeladene Situationen in ihrem Umfeld hat sie als Kind und Teenagerin praktisch nie verstanden und versteht sie aber jetzt in der Rückschau teilweise anhand ihres erworbenen Wissens.

      Aber wie gesagt: Man darf sowas keinesfalls pauschalisieren!

      Wir haben auch einen Thread irgendwo, in dem es um Empathie ging, also z. B. das Empfinden bei tragischen Szenen in Filmen. Und da sind auch die Empfindungen sehr unterschiedlich innerhalb der Forengemeinde.

      Letztlich ist der emotionslose roboterhafte Autist aber einfach nur das alte Klischee, weil man Autisten immer von außen beurteilt hat statt anhand dessen, was in Ihrem Inneren vorgeht. Dafür ist übrigens auch Gunilla Gerland eines der besten Beispiele denn diese hat nach außen hin praktisch nie durchblicken lassen, was sie denkt und empfindet (nicht mit Vorsatz sondern sie hätte das gar nicht auszudrücken gewusst oder vermocht praktisch und hat wohl auch lange Zeit auch nicht verstanden, dass das wichtig wäre), aber innerlich war sie oftmals ein loderndes Feuerwerk aus tiefen Emotionen.

      Sie hat aber auch aufgegeben, sich mitteilen zu wollen, da sie eh nie verstanden wurde und nicht auf sie eingegangen wurde, wenn sie anderen versucht hat begreiflich zu machen, dass bestimmte Dinge z. B. unangenehm für sie sind, die für andere nicht unangenehm waren usw. Also ihr vieles nicht geglaubt wurde. Gilt besonders auch dafür, dass sie bestimmte Dinge nicht vermochte, obwohl sie andere konnte. Das wurde ihr nicht geglaubt wenn sie mal wagte es zu erwähnen. Selbst die eigenen Eltern haben ihr Kind einfach kein Stück kapiert, wollten nicht wahrhaben, dass sie anders ist und andere Bedürfnisse hat. Und dass sie bei manuell zugefügtem physischen Schmerz hingegen gar nichts empfand, gab noch mehr das Gefühl man könne nicht zu ihr durchdringen. Kann man alles in ihrer - übrigens sehr interessanten - Biographie nachlesen.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • @FruchtigBunt da hast du natürlich recht (Therapiestunden sind zu wertvoll, um sich als Patient ausführlich um Bildungslücken der Therapeutin zu kümmern).
      Mit "Fortbildung" meinte ich - vielleicht metaphorisch - dass ich ihr klarmache, dass sie da falschliegt und einfach kurz, aber bestimmt mit ihrem Vorurteil aufräume (rw). Natürlich ist es nicht meine Aufgabe, eine Therapeutin zu "bilden" und wenn sie schon Autist*innen als Patienten hat würde ich doch erwarten, dass sie da ein spezifischeres Wissen hat, das über gängige Klischees hinausgeht. Vielleicht ist es aber auch nur eine Wissenslücke? Das finde ich schwer einzuschätzen bei dieser einen Aussage (ja, was sind "tiefere Gefühle"? Wieviel Erfahrung hatte sie wohl schon mit Autisten? Nimmt sie immer pauschal etwas über die Gefühlswelt eines anderen an, ohne nachzuhaken? Hat sie das nur vor sich hin gesagt, obwohl sie es besser weiß?).

      Mein Psychiater ist übrigens auch so. Der meine mal, "Autismus ist wie Roboter". Ich war natürlich total sauer, als ich ihn darauf ansprach und ihm meine intensive Gefühlswelt erklärte, meinte er, die Aussage wäre nicht so gemeint gewesen. Er hatte das nur zur Illustration sagen wollen und schien auch zuzugeben, sich nicht so gut ausgedrückt zu haben (da hatte ich auch die Diagnose noch nicht - trotzdem eine ziemlich bescheuerte Aussage. Manche Menschen scheinen einfach irgendwas vor sich hin zu sagen, ohne groß nachzudenken).
      Gerade bei dem Psychiater würde ich mir schon Mühe geben, solche Dinge zu klären, denn an sich scheint er Autismus relativ gut zu verstehen - und er ist einfach ein sehr guter Arzt, der mir enorm geholfen hat.

      @Lex Danke für den Biografie-Tipp, klingt sehr interessant!
      je länger ihr sie anseht, desto absurder erscheint die Welt... und jetzt erst... undjetzterst!

      Status: Irgendwo zwischen Autistin und Nichtautistin. Ziemlich kontextblind, exzentrisch und reizverarbeitungsgestört.
    • @Lex Ganz großes Danke für deinen Beitrag! Ich werde mir diese Biographie auf jeden Fall besorgen, klingt sehr interessant :thumbup:
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Viel Spaß beim Lesen. Die meisten der Highlights aus diesem Buch habe ich noch gar nicht verraten. Sie teilt einige Eigenschaften mit anderen Autisten aber andere sind auch eher ungewöhnlich, also etwas worüber man eher selten was liest in solch einem Ausmaß. Mir ist einige Male quasi die Kinnlade heruntergeklappt, als ich das gelesen habe. Manche von ihren Gedanken, Annahmen und Empfindungen waren so ungewöhnlich, dass ich sogar irgendwie verstehen kann, dass in ihrem Umfeld kaum jemand auf die Idee gekommen ist, dass dem so sein könnte sondern sie annahmen bei ihr wäre alles so, wie es bei anderen Kindern ganz von alleine ist in der Entwicklung. Das machte ihre Andersartigkeit aber nicht weniger real oder weniger bedeutsam. Wobei ihre Mutter ist auch einige Male an ihrem Verhalten verzweifelt, aber eben auch gerade deshalb, weil sie es eben nicht nachvollziehen konnte und keine Ahnung hatte was dahinter steckt und sich daher hilflos und machtlos fühlte. Wenn man sein Kind nicht versteht, kann ja sein Verhalten unberechenbar wirken. Und die Mutter hat auch gemerkt, dass keine richtige Bindung zwischen ihr und ihrer Tochter vorhanden ist, jedenfalls nicht in der gleichen Form wie bei anderen Kindern, und hat sich wohl als Versagerin gefühlt, weil sie daran nichts drehen konnte.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Das ist mir jetzt nach längerem Nachdenken eingefallen: manche Therapeuten provozieren auch mal, entweder um selbst die Reaktion zu sehen (statt nur — verzerrt — beschrieben zu bekommen), oder um den Klienten zu weiterführenden Überlegungen zu motivieren.
      Dann brauchen sie jedenfalls ein Feedback, das hast Du ja (schriftlich) gegeben. Eigentlich sollte jetzt bei Deiner Therapeutin ein Lernprozess einsetzen, aufgrund dessen sie Dich dann besser versteht ...
    • @Lex Werde mir das Buch als nächstes besorgen :o :thumbup: Am liebsten würde ich alle Bücher zum Thema Asperger und Autismus allgemein lesen, und zwar nacheinander in kürzester Zeit. Ich habe das Gefühl, dass ich soviel zu lesen habe, und gar nicht in der Zeit dazu komme, wie ich will - blöde Arbeit :evil:

      @shnoing Den Gedanken mit der Provokation hatte ich auch schon, weil meine ehemalige Freundin mir mal erzählt hatte, dass die das manchmal machen. Dann würde ich sie aber direkt fragen, ob das so ein "Trick" war.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Habe gerade nen Stapel Autistenbiographien second Hand gekauft zu einem Stückpreis von ca. 40 Cent bis 2 Euro nochwas + Porto. Hatte aber noch keine Zeit sie zu lesen. Das andere erwähnte Buch habe ich zu nem normalen Preis gekauft und habe es schon durch.

      Biographien sind ähnlich wie Romane aufgebaut und eignen sich daher gut als Reiselektüre für langweilige Bus- und Zugfahrten. Habe auch schon einige davor besessen. Alle von Autisten.

      Ich habe auch diverse Fachbücher über Autismus (teils gekauft, teils aus Bibliothek geliehen) aber die benutze ich meist eher zum "arbeiten" (also bestimmte Dinge rausschreiben und so) und nicht zum systematisch von hinten nach vorne durchlesen. Habe ich früher mitunter aber schaffe das zeitlich zur Zeit nicht.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Moi wrote:

      Wie seht ihr das? Wie würdet ihr euch fühlen? Wie würdert ihr reagieren?
      Ich hätte direkt geantwortet, daß dann wohl meine Diagnose nicht stimmen kann. Ich würde mich - mal wieder - völlig mißverstanden fühlen. Was soll mit "tief" gemeint sein, die Dauer, die subjektive Intensität, die beobachtbare Gefühlsäußerung...?

      Cael wrote:

      Und selbst ich weiß nicht, ob meine Gefühle im Vergleich mit anderen Leuten nun stärker oder schwächer sind, denn wie soll man das denn messen? Reine Reaktionen auf Gefühle sind individuell verschieden, da muss es noch nicht mal um den Unterschied zwischen Autisten und NTs gehen: der eine fängt sofort an zu weinen, der andere eher nicht und ist eher gefasst, keine der beiden Reaktionen sagt irgendetwas über die Tiefe der Gefühle aus.
      Das ist ein sehr guter Einwand. Vielleicht lesen sie es am EEG ab. ;)
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Ich habe das Gefühl, jemand der solche Aussagen tätigt, der wurde in seinen Gefühlen verletzt und in seinem Schmerz will derjenige seine Situation mit ausgebreiteten Krallen als "schlimm" hervorheben.
      Wie oft habe ich gehört "ja, mir geht es da auch so" und man hatte wirklich KEINE Ahnung.
      Allein wenn ich Musik höre fühle ich mehr, als "Normalos" es je könnten.
      Sorry, aber die Aussage von der Therapeutin war eine offene Beleidigung an eine ganze Menschengruppe.

      Des Weiteren denke ich, dass dieser jemand selbst nicht zu tiefen Gefühlen fähig sein kann, weil er sonst den Gedanken bekommen hätte, wie so ein Satz weh tun kann.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Cloudactive wrote:

      Des Weiteren denke ich, dass dieser jemand selbst nicht zu tiefen Gefühlen fähig sein kann, weil er sonst den Gedanken bekommen hätte, wie so ein Satz weh tun kann.
      Das ergibt sich daraus nicht. Ignoranz ist nicht Gefühlsflachheit. Und wenn der Therapeut denkt, daß man keine tiefen Gefühle hat, muß er ja auch denken, daß der Satz schon nicht so wehtun kann und allenfalls kurzen Ärger auslöst.

      Für mich gebe ich zu, daß ich manchmal etwas empfinde, das ich nicht eindeutig zuordnen kann - deswegen ist es aber nicht weniger tief.

      shnoing wrote:

      manche Therapeuten provozieren auch mal
      Dann müssen sie aber auch damit leben, wenn der Patient zurückprovoziert, aber darauf reagieren sie dann wieder mit weniger Verständnis. :sarcasm:
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".

      The post was edited 1 time, last by Necroghoul7 ().

    • In einem Sonderdruck der Zeitschrift "Psychoherapeut" von 2013, Autorin Aline Vater u.a.
      wird unterschieden zwischen

      "Antisoziale Persönlichkeitsstörung
      Eine Gemeinsamkeit von NPS und Patienten mit antisozialer Persönlichkeitsstörung besteht im Mangel
      an emotionaler Empathie; hierbei ist das Erkennen der Emotionen anderer uneingeschränkt [12].
      Eine Abgrenzung zwischen beiden Störungen ist, dass die NPS die Charakteristik der Impulsivität,
      Aggressivität und des Betrügens nicht einschließt. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen
      beiden Störungen liegt in Mechanismen der Selbstregulation begründet. Laut DSM-5 benötigen NPSPatienten Bewunderung zur Aufrechterhaltung einer grandiosen Selbstwertschätzung, Patienten mit
      antisozialer Persönlichkeitsstörung hingegen sind eher weniger auf Reaktionen ihrer Umwelt zur
      Selbstwertregulation angewiesen."

      und

      "Autismusspektumsstörung
      Interessanterweise stellen sich einige Patienten mit NPS unter der Verdachtsdiagnose einer Autismusspektrumstörung in Spezialambulanzen vor [20]. Personen mit Autismus zeigen jedoch, im Gegensatz zu NPS Patienten, keine Einschränkungen in der emotionalen Empathie, während sie Schwierigkeiten benennen, die Emotionen anderer zu erkennen. Ein weiterer differenzialdiagnostischer Hinweis kann die Beschäftigung mit Spezialinteressen und Routinen sein, die charakteristisch für Patienten mit Autismus ist."

      Wäre vllt mal lesenswert, so als Fachliteratur für die Profis :d
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Cloudactive wrote:

      Ich habe das Gefühl, jemand der solche Aussagen tätigt, der wurde in seinen Gefühlen verletzt und in seinem Schmerz will derjenige seine Situation mit ausgebreiteten Krallen als "schlimm" hervorheben.
      Wie oft habe ich gehört "ja, mir geht es da auch so" und man hatte wirklich KEINE Ahnung.
      Allein wenn ich Musik höre fühle ich mehr, als "Normalos" es je könnten.
      Sorry, aber die Aussage von der Therapeutin war eine offene Beleidigung an eine ganze Menschengruppe.
      Ja.

      Cloudactive wrote:

      Des Weiteren denke ich, dass dieser jemand selbst nicht zu tiefen Gefühlen fähig sein kann, weil er sonst den Gedanken bekommen hätte, wie so ein Satz weh tun kann.
      oder er hat sich abgespalten oder/und ist selber mal so verletzt worden, dass er sich schützt.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Necroghoul7 wrote:

      Das ergibt sich daraus nicht. Ignoranz ist nicht Gefühlsflachheit.
      Ne tut es nicht direkt, aber wenn ich gemerkt habe, dass ich mir durch das Berühren einer heißen Herdplatte eine Verbrennung zuziehe, dann denke ich nicht, dass sich andere nicht verbrennen würden.
      Im Gegenteil, ich gehe davon aus, dass sie es auch tun würden.

      Necroghoul7 wrote:

      Und wenn der Therapeut denkt, daß man keine tiefen Gefühle hat, muß er ja auch denken, daß der Satz schon nicht so wehtun kann und allenfalls kurzen Ärger auslöst.
      Hmmm, okay, irgendwie bin ich nicht auf den Gedanken gekommen, dass sie diese Meinung auch in ihr Verhalten einbaut. xD
      Merkwürdig
      Aber das kann ja bedeuten, dass die Therapeutin solche Patienten nicht so ernst nehmen tut, weil sie nicht so "schlimm" sich fühlen können.
      Da hätte man ja permanenten Rechtfertigungsbedarf... ehhh

      Necroghoul7 wrote:

      Für mich gebe ich zu, daß ich manchmal etwas empfinde, das ich nicht eindeutig zuordnen kann - deswegen ist es aber nicht weniger tief.
      Aber weil du es nicht zuordnen kannst, heißt das ja nicht, dass sie nicht tief sind.
      Ich glaube sogar, dass die tiefsten Gefühle eben deshalb so tief sind, weil sie von unserem Bewusstsein nicht unmittelbar erschlossen werden können.
      Sonst wären es ja eben Gedanken.?
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Cloudactive wrote:

      Da hätte man ja permanenten Rechtfertigungsbedarf... ehhh
      Daran scheiterte tatsächlich meine erste Therapie: Ich fühlte mich zwar ernst genommen (als Mensch und mit meinem Anliegen), aber der Inhalt meiner Aussagen kam ständig falsch an (und umgekehrt) und das Ganze artete immer häufiger in gegenseitiges Rechtfertigen, Diskutieren, Aneinandervorbeireden aus....

      Cloudactive wrote:

      es ja eben Gedanken.?
      Die Gedanken bzw. der Zusammenhang (was vorher geschehen ist) ermöglicht mir meist die Zuordnung meiner Empfindung zu einem Gefühl (das ich dann wiederum bewerten und darauf reagieren kann oder auch nicht). Wenn der Auslöser (Reiz oder Gedanke oder beides) aber rational schwer bewertbar ist, kann ich mitunter das Gefühl schwerer zuordnen/benennen, was dann wiederum mitunter ein Beklemmungsgefühl in mir auslöst (das kann ich wieder identifizieren, weil ich weiß, warum ich jetzt körperlich so und so reagiere).

      Cloudactive wrote:

      dass die Therapeutin solche Patienten nicht so ernst nehmen tut
      Ich kann doch jemanden ernst nehmen, aber das, was er sagt, entsprechend einordnen, also z.B. Ankündigungen, Drohungen, Gefühlsäußerungen usw. aufgrund meiner Vorkenntnisse über diese Person im rechten Licht sehen (rw). Die Selbstmorddrohung eines theatralischen Menschen, der zu manchen Themen eher Schwätzer ist, nehme ich vielleicht weniger ernst als die eines besonnenen Menschen, der gewöhnlich tut, was er sagt. Das bedeutet aber nicht, daß ich nicht anerkennen würde, daß Ersterer sich gerade auch mies fühlt und Hilfe gebrauchen könnte, nur sähe die vielleicht etwas anders aus (andere Techniken, andere Herangehensweise?). Wenn nun ein Therapeut meint, daß Autisten nicht zu tieferen Gefühlen in der Lage seien, wird er die Patienten und ihr Anliegen schon ernst nehmen, aber er wird sein Vorgehen an dieses Vorurteil anpassen.

      Da hilft dann nur persönliche Aufklärung, und wenn die nicht fruchtet, Therapeutenwechsel oder Abgreifen dessen, was er trotzdem hilfreich/sinnvoll für einen tun kann.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Necroghoul7 wrote:

      Da hilft dann nur persönliche Aufklärung, und wenn die nicht fruchtet, Therapeutenwechsel oder Abgreifen dessen, was er trotzdem hilfreich/sinnvoll für einen tun kann.
      Das (persönliche Aufklärung) habe ich inzwischen getan. Ich bin immer noch bei dieser Therapeutin, habe also das Gefühl, dass diese Aufklärung ihren Zweck erfüllt hat. Unter anderem war wohl gut, dass ich ihr diesen Thread zeigen konnte. Danke euch allen!

      Was mich aber noch immer sehr beunruhigt ist, dass die Meinung, Autisten hätten weniger Gefühle und/oder seien nicht zu wirklich tiefen Gefühlen in der Lage, unter Therapeuten/Ergotherapeuten etc. weit verbreitet ist. Ich kenne beispielweise eine Ergotherapeutin mit dieser Meinung, die an einer Schule unterrichtet und daher diese Meinung möglicherweise (wahrscheinlich?) an diverse Schüler weitergibt.
      Ich stelle mir Patienten (schlimmstenfalls Kinder) vor, die dann bei derart ausgebildeten Therapeuten Hilfe suchen und schlimmstenfalls wie Roboter behandelt werden und womöglich über sich selbst die Meinung bekommen, sie seien emotional eingeschränkt - obwohl sie es nicht sind.
      „Erst die Selbsterkenntnis und Anerkennung des eigenen Strukturiert- und Gefangen-Seins in den psychobiologischen Gesetzmäßigkeiten der eigenen Persönlichkeit ermöglicht es, die Begrenzungen der anderen zu erkennen und sie zu akzeptieren – und sie nicht als intentionale Angriffe auf die eigene Welt zu deuten, gegen die es sich zu wehren gilt.“
      (Ludger Tebartz-van Elst: Autismus und ADHS. Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und neuropsychiatrischer Krankheit. S. 19.)
    • Moi wrote:

      Was mich aber noch immer sehr beunruhigt ist, dass die Meinung, Autisten hätten weniger Gefühle und/oder seien nicht zu wirklich tiefen Gefühlen in der Lage, unter Therapeuten/Ergotherapeuten etc. weit verbreitet ist.
      das kommt glaube ich auch daher, dass sich neue Erkenntnisse - vor allem bei denen die nicht viel damit zu tun haben - nicht schnell durchsetzen. Die meisten haben noch die Orginalbeschreibung von Autismus in Erinnerung.

      Die „Autistischen Psychopathen“ im Kindesalter - Doz. Dr. Hans Asperger wrote:


      Gerade die Eltern spüren aber auch ein gefühlloses Verhalten ihrer Kinder am stärksten und sind darüber besonders unglücklich.
      [...]
      es fehlt diesen gefühlsarmen Kindern auch die Empfindung dafür, wie sehr sie anderen – etwa kleineren Geschwistern körperlich, den Erwachsenen seelisch – weh tun.
      [...]
      Oft fehlt weitgehend das Scham- und Schuldgefühl, das diese Handlungen sonst begleitet;
      Wird schon Und immer an das Handtuch denken.
    • Moi wrote:

      Wie seht ihr das? Wie würdet ihr euch fühlen? Wie würdert ihr reagieren?
      Ich hätte ihr gesagt das sie vermutlich innere Gefühle mit äußerer Erscheinung verwechselt.
      Mit der Psyche von Autisten hat sie sich scheinbar nie befasst, sondern eher nur danach gegangen was sie von außen sieht und dann ihre Schlüsse daraus gezogen.
      Viele Autisten bringen nur schwer ihre Gefühle nach außen, so das andere diese wenig und nicht wie gewöhnlich warnehmen, wie sie es von anderen kennen.
      Jedenfalls kenne ich das von mir selbst. Ich zeige meine Liebe zu anderen Menschen anders als die meisten, ich sage nichtmal was aber würde die person immer verteidigen wenn ich denke das sie recht hat, oder bin immer hilfsbereit und so weiter, mache immer alles worum man mich bittet, was schnell zu Ausnutzen führen kann.
      Andere Menschen umarmen sich ständig sobald sie sich sehen nur um hallo zu sagen, das mache ich nie,, will das auch nicht und verstehe nicht wozu das gut sein soll, weil davon hat im grunde keiner was, und mir bereitet es auch noch unwohlsein.
      Das wirkt auf andere vermutlich distanziert, man denkt ich finde einen nicht so nett oder mag einen nicht so wirklich dabei stimmt das keineswegs.
      Das ist jetzt nur ein gefühl und ein Beispiel, es wäre jetzt zu aufwändig alles anzuführen was mir einfällt, aber fakt ist, wenn sich die Frau nicht wirklich mit der Psyche von egal welchem Autisten beschäftigt, kann sie auch nie wissen was die Person überhaupt fühlen kann.
      Das ist so als würde sie sagen ein komplett gelähmter Mensch wäre nicht im stande seine Umgebung oder Schmerz warzunehmen, nur weil man nicht sehen kann das er innerlich schreit vor Schmerz.
      Das erinnert mich wieder an dieses Lied von Pur wo es auch um einen Autisten geht, der nicht richtig sprechen kann und gelernt hat über geschriebene Texte sich verständlich zu machen.
      Er schrieb mal sowas wie "versteh mich, begreif mich, und lieb mich doch" was für mich so aussieht als wolle er sehr wohl mit anderen auch gefühlstechnisch interagieren, sonst würde man sowas wohl nicht äußern, wenn einem die Gefühle anderer auch egal sind oder es einem egal ist das andere einem Gefühle entgegenbringen.

      The post was edited 1 time, last by RegenbogenWusli ().

    • Moi wrote:

      Wie würdert ihr reagieren?
      Ich würde sie mal fragen, ob sie den Unterschied zwischen kognitiver und affektiver Empathie kennt. Den muss sie kennen als Psychologin. Dann würde ich ihr erklären, dass die affektive Empathie, also das (mit) fühlen an sich, bei Autisten nicht nur unbeeinträchtigt ist, sondern häuftig sehr ausgeprägt- außer bei Altexithymen. Alexithymie ist aber nicht typisch für Autismus, es kann nur damit einhergehen.

      Die kognitive Empathie, also die TOM, ist beeinträchtigt. Diese Diskrepanz kann dazu führen, dass die gefühlten Emotionen nicht zugeordnet und nicht adaequat ausgedrückt werden können.
      Kann sie in so ziemlich allen aktuellen Fachbüchern nachlesen. Sollte sie, wenn sie mit Aspies arbeitet. :d
    • RegenbogenWusli wrote:

      Ich hätte ihr gesagt das sie vermutlich innere Gefühle mit äußerer Erscheinung verwechselt.
      Mit der Psyche von Autisten hat sie sich scheinbar nie befasst, sondern eher nur danach gegangen was sie von außen sieht und dann ihre Schlüsse daraus gezogen

      Ani wrote:

      Ich würde sie mal fragen, ob sie den Unterschied zwischen kognitiver und affektiver Empathie kennt. Den muss sie kennen als Psychologin. Dann würde ich ihr erklären, dass die affektive Empathie, also das (mit) fühlen an sich, bei Autisten nicht nur unbeeinträchtigt ist, sondern häuftig sehr ausgeprägt- außer bei Altexithymen. Alexithymie ist aber nicht typisch für Autismus, es kann nur damit einhergehen.

      Die kognitive Empathie, also die TOM, ist beeinträchtigt. Diese Diskrepanz kann dazu führen, dass die gefühlten Emotionen nicht zugeordnet und nicht adaequat ausgedrückt werden können.
      Kann sie in so ziemlich allen aktuellen Fachbüchern nachlesen. Sollte sie, wenn sie mit Aspies arbeitet.
      Ja, das kommt mir auch so vor, als hätte sie das verwechselt.
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)