Therapeutenaussage: Autisten sind nicht zu wirklich tiefen Gefühlen fähig

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    • Moi wrote:

      Nach fast 30 gemeinsamen Therapiestunden hat meine Psychotherapeutin in einem Nebensatz gesagt, als Autistin sei ich nicht zu wirklich tiefen Gefühlen in der Lage.
      :m(:
      Fast 30 vergeudete Stunden.
      Mit so einer Aussage disqualifiziert sich diese "Therapeutin" sowohl fachlich als auch persönlich.Da würde ich nie wieder hingehen.
    • Bei so einer Aussage einer Therapeutin wäre ich auch ziemlich sauer.
      Bei mir habe ich sogar den Eindruck, dass ich viel intensivere Emotionen empfinde, als andere - teils bin ich sogar mit der Intensität meiner Emotionen (egal ob "Weltschmerz", affektive Empathie oder Freude) überfordert.
      Nur: Man sieht mir meine inneren Vorgänge eben nicht an. Unter Menschen habe ich oft große Angst oder werde sehr genervt, aber davon dringt nichts nach außen, man sagt mir oft, wie ruhig ich wirke.

      Was die Therapeutin angeht, ist anscheinend eine Art falsches Vorurteil vorhanden, und deshalb würde ich einfach ein wenig Zeit darauf verwenden, die Rollenverteilung einmal umzudrehen und sie ein wenig fortzubilden, um ihre Stereotypen zu lockern - auch im Interesse ihrer zukünftigen Patienten!
      Denn schließlich weiß ich doch am besten, wie Autismus sich anfühlt. Selbst wenn ich in dem Punkt anders empfinden sollte als alle anderen Autisten, als meine Therapeutin behandelt sie schließlich emotionale Probleme und Voraussetzung dafür ist, dass sie über mein Innenleben bescheidweiß.

      Dass eine Therapeutin einen nach 30 Stunden noch nicht kennt und immer noch ziemlich falsch einschätzt, entspricht leider auch meinen Erfahrungen.
      je länger ihr sie anseht, desto absurder erscheint die Welt... und jetzt erst... undjetzterst!

      Status: Irgendwo zwischen Autistin und Nichtautistin. Ziemlich kontextblind, exzentrisch und reizverarbeitungsgestört.
    • Shenya wrote:

      Meine Therapeutin sagte neulich das Gegenteil, nämlich dass Autisten besonders starke Gefühle haben.

      FruchtigBunt wrote:

      Insbesondere bei weiblichen Autisten, dass sie sehr wohl zu sogar sehr starken Gefühlsempfindungen fähig seien. Wenn ich es richtig verstanden habe, liegt eher eine Störung im Umgang mit diesen Gefühlen vor.
      Das ist auch meine Erfahrung. Wie gut man einem Autisten das ansieht, ist eine ganz andere Frage.
      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von Abendstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität runtergeschraubt

      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass das Teilnehmer-Limit von Privatkonversationen verdoppelt werden sollte.
    • Mein erster Reflex zu diesem Satz war "abhauen".

      Andererseits hat auch eine Therapeutin manches gesagt, wo sie erst mal daneben lag(RW) ...

      Vllt überprüfst du mal die 30 Stunden (viel ist da ja noch nicht)

      Hattest du den Eindruck, dass sie prinzipill versteht, bezw verstehen will, was du meinst?
      Oder hat sie dir ihre Interpretationen aufgdrückt(RW)
      Hast du dich prinipiell verstanden und angenommen gefühlt, so wie du gerade bist und ich zeigen kannst? Oder war da ständig dieses "ändere dich", mehr oder weniger offen gesagt,dabei
      Hattest du prinzipiell den Eindruck, dass dich die Stunden weiterbringen, du dich besser verstehst, dass dir das hilft?

      Vertrau da deinem Gefühl.
      Denn wenn hier sowieso über die Zeit ein Unbehagen und das Gefühl einer Unstimmigkeit war, dir ein "du bist nicht richtig" vermittelt wurde, dann wäre nur zu sagen, das nächste Mal lieber schneller auf dieses Gefühl hören und sich jemand anderen suchen.
      Btw, bei so jemandem würde ich aus reinem Selbstschutz keine Gefühle zeigen, schon gar keine "tieferen".

      Wenn du allerdings prinzipiell den Eindruck hattest, dass du als Mensch angenommen bist, sie dich verstehen will und dir weiterhilft, dich zu verstehen, dann würde ich das ansprechen.
      Und dazu auch Aussagen zu meinen Gefühlen machen.

      Ich kann hier nur erstmal meine nennen, was dieser Satz bei mir auslöst. Aber aber UM diesen Gefühlsbrei, der das "Abhauen wollen" ausgelöst hat, auseinander zu differenzieren, brauchte ich jett doch einiges an Zeit.
      Also, da ist Hilflosigkeit. Eine verallgemeinerde Aussage, ein Urteil über mich, wo ich doch weiß, dass das nicht stimmt. Es erinnert an all die Aussagen, die andere verurteilen schon über mich geacht haben (kalt, emotionslos, usw), in denen ich auch hilflos dazu war.
      Dann ist da eine unendliche Traurigkeit, dass sogar dort wo "versprochen wird", verstehen zu wollen und zu helfen, damit ich mich beser verstehe, mal wieder genau das passiert, "was immer passiert"
      Aus dem entsteht Hoffnungslosigkeit. Wenn selbst Profis nicht verstehen und sowas zu mir denken...
      Dann die Selbstabwertung. Mal wieder habe ich mich nicht "richtig" gezeigt, mal wieder konnte ich mich nicht verständlich machen...
      Dann ist da Wut. Verdammt noch mal, ich bin doch genau deshalb da, weil ich Probleme habe, mich mit anderen zu verständigen, weil ich nicht verstanden werde und oft andere nicht verstehen kann, mir das Probleme im Leben macht, weil ich mit manchem nicht umgehen kann.
      Jetzt sind da weitere Gedanken und Bewertungen/Abwertungen an die Therapeutin.

      "Na toll, sag doch gleich, dass bei mir Therapie nix bringt, dass ich ein hoffnugsloser Fall bin, haben ja genug andere auch schon gesagt.
      Na toll, du wusstest doch, dass ich Autistin bin, wieso hast du dann den Therapieplatz an mich gegeben?
      Geld scheffeln? Ego-Spielchen, vllt aus einer Autistin doch ein Gefühl herauslocken zu können?
      Oder willst du dasmit so eiem Satz erreichen? Pria, ist dir gelungen, aber das werde ich dir nicht zeigen, wer weiß, was an verletzendem du dann noch bringst. Wer sowas sagt, dem kann man nicht trauen.
      Du nimmst eine Autistin an als Klientin und hast dich so wenig zu Autismus informiert? Sei froh, dass ich eine starken Gefühle so kontrolliere kann, da hilft mir der Autismus, wenn es für mich ganz schlimm ist, gehen die ganz von Selbst "in den Glöseren Wartesaal", ich kann dann zwar darüber reden, aber diese reden nicht.
      Solnage ich mir nicht sicher sein kann, dass nicht wieder auf meinen Gefühlen herumgetrampelt wird, werde ich sie ganz bestimmt nicht alle zeigen. Lebenserfahrung halt. Meine.
      Ich muss nicht Gefühle in dem Moment spüren oder zeigen, wenn ich über Gefühle rede. Das bedeutet aber nicht, dass ich keine habe. "

      Real sähe das so aus:
      Ich wäre vermitlich ziemlich kühl und sachlich, die Alternative wäre ja "So viel das innere Elend herausheulen, dass ich a) nicht mehr reden kann, b) bezweifle, dass ich es stopen kann, c) die Therapiestunde nicht ausreichen würde, damit ich das stoppen kann und c) der Therapeutin gerade nach diesem Satz nicht vertraue, mich da herauszuholen.
      Also keine Option.

      Ich würde sie am Anfang bitten, mich nicht zu unterbrechen.
      "Mich hat ihr Satz "Autisten sind zu tieferen Gefühlen nicht fähig" beschäftigt" und ich habe viel darüber gegrübelt.
      Er hat mich verletzt, ich denke "mal wieder versteht jemand nicht, verurteilt mich", das hat mich die ganze Woche beschäftigt. Dieser Satz macht mich hilflos, traurig und wütend.
      Ich frage mich, ob sie das die ganze Zeit sowieso nebenbei gedacht ud mit nicht mal geglaubt haben, wenn ich über Gefühle rede. Dies lässt mich daran zweifeln, ob es Sinn macht, die Therapie hier fortzusetzen.
      Ich habe sogar mit anderen Autisten und Autistinnen dazu geschrieben.
      Es ist ja gerade ein Problem von mir als Autistin, dass ich oft Gefühle nicht zeigen kann, manchmal in dem Gefühlsbrei gar nicht weiß, welche da sind, WEIL es so ein Gemisch an vielen tiefen Gefühlen ist. Die sich abschalten, wenn es zu viel wird. Um sich dann später wieder zu meden, wenn die Situation vorbei ist."
      Na ja, und dann würde ich ihr einen Ausdruck dieses Threads mit bringen, sagen "hier können sie mal nachlesen, wie AutistInnen das sehen"

      und ihr dann auch noch das hier ausgedruckt hinterherreichen
      autismus-kultur.de/autismus/asperger.html
      autismus-kultur.de/autismus/au…mus-spektrum-glossar.html
      autismus-kultur.de/autismus/au…rum-was-ist-autismus.html
      und wenn ich davon augehen würde, das sie mich unterbrechen würde, dann bekäme sie das schirftlich von mir.

      Während ich das hier geschrieben habe (dazu brauchte ich 1 Stunde), hatte ich Tränen in den Augen, bin mehrfach aufgestanden und wütend herumgegangen, habe 4 Zigaretten geraucht, um mich zu beruhigen, und dann festgestellt, bei meiner Therapeutin konnte ich irgendwann, nach vielen Stunden, auch Gefühle zeigen, weil sie mir diese nie abgesprochen hat, sondern als Arbeitsthese hatte, dass ich oft den Kontakt dazu nicht hatte.
      Nur wussten wir ja beide nichts von meinem Asperger damals.
      Immerhin hatte sich nach der Diagnose erklärt, warum ich immmer erst mal die "sachlich distanzierte Analyse" brauche, und wenn das "zur inneren Zufriedenheit" geklärt ist, damit eine Sicherheit hhergestellt ist, dann kam langsam auch dieses "Zeigen könnnen", also die Kongruenz in dem was gesagt wird zu dem wie es gesagt wird.

      Wütend bin ich immer noch, dass solche Sätze kursieren, aber letztendlich bedeuten sie ja nur "Eine Menge Leute, auch wenn sie Fachleute in Sachen Psychologie sind, haben eben keine Ahnung, weil sie halt keine Informationen haben bzw keine Fachleute zu Autismus sind.
      Ob sie sich damit beschäftigen wollen, oder lieber die alten Glaubenssätze behalten, ist dann nochmal eie andere Sache. Hier kann man nur für sich die geeigneten Konsequenzen ziehen.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • Shenya wrote:

      Ich sehe es so wie Hyperakusis: wenn ansonsten das Verhältnis gut ist, lässt sich diese Fehlleistung von ihr vielleicht korrigieren, man redet darüber, klärt sie auf, und es geht weiter mit der Therapie.

      So sehe ich das auch.
      Mich hatte auch mal eine Therapeutin auf eine Art verletzt, dass ich danach plötzlich Suizidgedanken hatte, was mich erschreckte, da ich das nicht kannte zuvor in der Form.
      Das hatte mich alarmiert, denn das sollte nicht das Endergebnis einer Therapiestunde sein, mir war irgendwie klar dass sie mich nicht bewusst an diesen Punkt geführt haben konnte.
      Glücklicherweise konnte ich für mich aufdröseln, was passiert war, habe mirsogar, für mich ungewöhnlich, Rückmeldung von dritten geholt, die mir aus ihrer Sicht Mut machten und bestätigten, dass die Therapeutin da merkwürdig agierte und habe diese dann in der nächsten Stunde damit konfrontiert.
      Und sie sagte mir, das es ihr selber nicht gut ging in unserer letzten Stunde und hat gesehen, dass sie da etwas falsch gemacht hatte in ihrer therapeutischen Rolle.
      Und gerade weil ich sah, dass sie bereit war zu reflektieren habe ich die Therapie bei ihr dann fortgesetzt.
    • Shenya wrote:

      Meine Therapeutin sagte neulich das Gegenteil, nämlich dass Autisten besonders starke Gefühle haben. Dass man aber früher dachte, sie hätten wenig Gefühle. Also stimmt es wohl, dass deine Therapeutin einen veralteten Wissensstand hat.

      Ich sehe es so wie Hyperakusis: wenn ansonsten das Verhältnis gut ist, lässt sich diese Fehlleistung von ihr vielleicht korrigieren, man redet darüber, klärt sie auf, und es geht weiter mit der Therapie.
      Deine Therapeutin weiss das.
      Wenn die Therapeutin, um die es hier im Thread geht, bereit ist etwas Neues zu lernen, weil sie einsieht dass ihr Wissensstand veraltet ist, dann ist eine Korrektur möglich denke ich.

      Eine Entschuldigung reicht dafür aber nicht aus, es ist eine Aufklärung notwendig und das geht nur wenn sie dazu bereit ist.

      Wenn das Verhältnis ansonsten gut ist lohnt sich das vielleicht, es ist natürlich eine ziemliche Anstrengung für die hilfebedürftige Person wenn sie erstmal den Helfer über grundlegende Dinge aufklären muss. :nerved:

      Nur sie selbst kann entscheiden ob sie das möchte, ob sie Erfolgsaussichten sieht, und ob sie die Kraft dazu hat.
    • Ich sehe das komplett anders.

      Tatsächlich bin ich der Meinung, dass ICH (also mal wieder rein subjektiv) keine großen oder tiefen Emotionen habe. Allerdings habe ich sehr wohl Empfindungen.

      Ich unterscheide da.

      Eine Empfindung ist für mich die Ursache, ein Gefühl das Ergebnis. Zb zum besseren Verständnis: ich empfinde Kälte, ich habe das Gefühl zu frieren.

      Oder Liebe:
      Liebe zu einem Partner ist für mich die Empfindung eines warmen, honiggelben Fliessens, aber romanmässige Verliebtheit, Euphorie etc. empfinde ich nicht.
      Liebe zu meinen Kindern ist eine warme, geschützte Kugel. Wohlsein, Sicherheit, angenehm, orange.

      Ich kann meine Empfindungen erfahren und erforschen, ebenso die daraus resultierenden auftretenden Gefühle bzw. Emotionen.

      Ich hoffe ich konnte mich irgendwie verständlich ausdrücken, ist ein schwer zu beschreibendes Thema.
      Und, wie immer, ist es individuell. Die Aussage der Therapeutin ist also nicht grundlegend falsch, aber wie ich Euren obigen Aussagen entnehme nicht pauschalisierbar.
    • Kraehe wrote:

      Wenn das Verhältnis ansonsten gut ist lohnt sich das vielleicht, es ist natürlich eine ziemliche Anstrengung für die hilfebedürftige Person wenn sie erstmal den Helfer über grundlegende Dinge aufklären muss.

      Das war auch mein Gedanke. Während meiner Therapie wusste ich noch gar nicht, dass ich AS "habe", umso schwieriger war es. Der Therapeut hat versucht, alles, was ich ihm "darbot", in die Schubladen zu stecken, die er kannte. Wenn ich mich dagegen verwehrt habe (meist erst während der nächsten Sitzung, dass ich das, was er sagte, so schnell gar nicht richtig verarbeiten konnte), dann habe ich gemerkt, wie er versuchte, es sich irgendwie so hinzubiegen, dass er als der Wissende dastand. Ich meine es so: er wollte sich nie die Blöße geben, nicht zu wissen, was dies oder jenes zu bedeuten hat oder wo das herkommen könnte usw.

      Ich musste also oft, wenn ich über etwas reden wollte, extrem ausholen in dem Versuch, ihm mein Innenleben begreiflich zu machen. Und meistens saß ich dann einem ratlos dreinblickenden Menschen gegenüber.

      Daher ist es wirklich bedenkenswert, ob man eine Therapie bei jemandem weiterführen sollte (auch ich selbst muss das für mich bedenken), der einen von Grund auf nicht versteht. Die Therapeutin muss nicht nachfühlen können, wie es Moi geht, aber sie muss es wissen, vom Verstand und vom sachlichen Wissen her. Sonst wird sie womöglich immer wieder in die falsche Richtung therapieren, nicht das richtige Feedback geben etc.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Quinn wrote:

      Die Aussage der Therapeutin ist also nicht grundlegend falsch, aber wie ich Euren obigen Aussagen entnehme nicht pauschalisierbar.
      Doch, ist sie, wenn sie tatsächlich gesagt hat: als Autistin sei Moi nicht zu wirklich tiefen Gefühlen in der Lage.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Quinn wrote:

      Oder Liebe:
      Liebe zu einem Partner ist für mich die Empfindung eines warmen, honiggelben Fliessens, aber romanmässige Verliebtheit, Euphorie etc. empfinde ich nicht.
      Liebe zu meinen Kindern ist eine warme, geschützte Kugel. Wohlsein, Sicherheit, angenehm, orange.
      Das ist doch wunderschön und für mich sogar ein fein differenziertes Gefühl.
      Einige können garnicht beschreiben oder orten, was in ihnen vorgeht.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Quinn wrote:

      Tatsächlich bin ich der Meinung, dass ICH (also mal wieder rein subjektiv) keine großen oder tiefen Emotionen habe. Allerdings habe ich sehr wohl Empfindungen.
      Wie reagierst du, wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hattest? Oder wenn jemand deinen wunden Punkt trifft? Wenn dich jemand spüren lässt, dass er dich nicht leiden kann?

      Bei mir ist es so, dass ich dann oft so starke Gefühle habe, dass ich nicht mehr klar denken kann. Es ist sehr schwer, aus dem Gefühl wieder herauszukommen.

      Es ist ein bisschen so, dass ich die Gefühle, solange sie schwach sind, eher undeutlich wahrnehme, aber wenn sie eine bestimmte Stärke übersteigen, dann werden sie plötzlich absolut überwältigend und schwer beherrschbar und sehr unangenehm. Zumindest wenn es um Trauer oder Wut geht.
      Bei Freude ist es eher andersrum, die spüre ich schneller, aber meistens nicht so intensiv.

      Verliebt war ich noch nie, Zuneigung nehme ich auch eher undeutlich wahr.


      Ich frage mich gerade noch, was die Therapeutin unter "tiefe Gefühle" versteht. Hat sie das in einem bestimmten Kontext gesagt, oder meinte sie es ganz allgemein?
      Alles wird galaktisch gut.
    • @Quinn

      Emotionen würde ich erstmal genau so beschreiben wie du.
      Eher von außen beschreibend, in Beobachtungs-Bildern oder als Bescchreibung von draraus entstehenden Körperreaktionen. Das ist mir in der Diagnostik aufgefallen, als es um Emotionen ging.
      Ich hab keine Schetterlinge oder Flugzeuge im Bauch, sondern mein Bauch fühlt sich an wie wenn ich in einem Flugzeug sitze und es kommt ein Luftloch.

      Es sind m.E. andere Worte und Bilder ZU den Emotionen, und klar, wenn die sich im Gleichklang befinden, ungestört sind, dann schient das flach. Ein ruhiger See kann auch sehr tief sein. Und Ruhe an der Oberfläche bedeutet nicht, dass nicht darunter Bewegug ist. Auf dem offenen eer sieht man den Tsunami auch nicht.

      Anders wäre das vermutlich, wenn jemand deine Kinder bedroht, verletzt, usw. Äußerlich wärst du vllt weiter ruhig und sachlich, innerlich wären die Empfindungen doch deutlich bewegter und spürbar tiefergehender.

      Du unterscheidest zwischen Empfindung und Emotion.
      Das eine ist m.E. ein Gefühl, das andere die Gefühlsbewegung.
      Ich vermute, dass dies eben oft nicht getrennt betrachtet wird, und dass das (mir oft übertrieben erscheinende) nonverbale Sichtbarmachen dieser bzw einer Bewegung als "emotional" oder "Emotionen haben" gewertet wird. Auch, weil vllt die Vorstellung existiert, dass Emotionen immer mit "Bewegung" derselben zu tun haben müsste, also z.B. sowas wie "Stille, warme ruhige, tiefe Freude bzw Liebe" oder das Gegenteil, "kalter unbewegter tiefer Hass", unvorstellbar erscheint.
      Was zu Missverständnissen führen könnte.
      "AS? Sie wirken gar nicht so" -"Danke für die Bestätigung und Anerkennung all der geleisteten Arbeit, die dahinter steckt :) ".
    • @Shenya
      Erstmal reagiere ich so wie Du. Aber ich hab gerne die Kontrolle. Also fang ich nach der ersten Fassungslosigkeit an mir erst mal die körperlichen Empfindungen anschauen. Wo sitzt das „Gefühl“. Bauch, Magen, Hals etc. Dann denke ich darüber nach bei welchen Gelegenheiten sich ein ebensolches Gefühl eingestellt hat, usw. Kurz - ich versuche der Aufwallung durch Analyse den Raum zu nehmen. Das gelingt mal mehr mal weniger gut. Aber ich persönlich mag es gar nicht irgendwelchen Gefühlen gegenüber hilflos zu sein.
      Wenn alles nichts hilft, dann gehe ich bewusst durch. Fühle den Schmerz in all seinen Facetten. Und dann ist es gut. Kein reinsteigern.

      Bei Antipathie reagiere ich gar nicht mehr. Man kann nicht jeden mögen, und da mich derjenige nicht kennt kann es auch nicht gegen mich gerichtet sein. Vielleicht erinnere ich an jemanden, an irgendwas, was auch immer. Ich hab in meinen jungen Jahren genug gebuhlt. Bringen tut das außer einem Gefühl der Entwürdigung gar nichts.

      @Linnea
      Zur Liebe: ja, natürlich ist das wunderschön. Aber es ist still und sanft und ruhig. Also nicht das, was man gemeinhin mit „tiefen Gefühlen“ assoziiert.
    • Ja echt. Wenn die dich selbst nach 30 Therapiestunden noch nicht gut genug kennengelernt hat, um die Tiefe deiner Gefühle zu bemerken, und mehr auf etwas vertraut, was sie mal in einem Artikel oder in einem Buch von Temple Grandin, Gunilla Gerland oder sonstwem gelesen und dann auch noch falsch erinnert / falsch interpretiert hat, dann hast du da wirklich Perlen vor die Säue geworfen, als du dich ihr geöffnet hast, wie es in Therapie leider oft genug passiert. Da hat die offenbar alles, was du ihr erzählt hast, durch ihre Voreingenommenheit mit Scheuklappen nicht richtig aufgenommen / angenommen und stattdessen uminterpretiert. Und selbst nach ihrer Entschuldigung muss es nicht heißen, dass sich ihr Bild von dir nun gewandelt hat. Sie denkt vielleicht dir fehlt nur der Vergleich zu dem Menschen, die wirklich tiefe Gefühle haben. Das ist in etwa so, wie wenn man sich bei einem Menschen, der eine Intelligenzminderung hat, dafür entschuldigt, dass man ihn dumm genannt und dadurch verletzt hat. Wenn sie dich nicht sieht, wie du wirklich bist, wie soll sie dir dann Rat geben oder dir eine emotionale Stütze sein?

      In Wahrheit ist es individuell von Autist zu Autist sehr unterschiedlich wie tief ihre Gefühle gehen und dabei auch noch unterschiedlich ob es sich um Gefühle für andere Personen oder direkt die eigene Person betreffende Dinge oder sonstwas handelt.
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • julai wrote:

      Was die Therapeutin angeht, ist anscheinend eine Art falsches Vorurteil vorhanden, und deshalb würde ich einfach ein wenig Zeit darauf verwenden, die Rollenverteilung einmal umzudrehen und sie ein wenig fortzubilden, um ihre Stereotypen zu lockern - auch im Interesse ihrer zukünftigen Patienten!
      Also ich wüsste nicht, ob ich meine "wertvollen" Therapiestunden für so etwas "verbraten" würde. Es ist doch Sache der Therapeutin sich fortzubilden bzw. dem Klienten in einer solchen Weise Fragen zu stellen, dass sie den Therapeuten bestmöglich kennenlernt. Man selbst möchte doch von der Therapie profitieren und nicht dafür herhalten, dass die Therapeutin sich weiterentwickelt. Leider war das in meinen letzten beiden Therapien ähnlich. Ich habe beide Therapien abgebrochen, weil ich davon nicht profitiert habe.
      Am schlimmsten finde ich es, wenn die Therapeuten dann ihre eigenen blinden Stellen nicht sehen wollen. Dann wird alles so hingedreht, dass der Patient das ja alles nur sagt, weil er krank ist etc. So war das bei mir gewesen.
    • @All: Vielen Dank für Die Zeit, die Gedanken und Gefühle, die ihr für eure Posts hier verwendet habt. Ihr seid mir eine wichtige emotionale Unterstützung.

      @Dungeonmaster: Ich glaube, dass ich meine Gefühle sehr gut wahrnehmen kann. Dass ich aber Probleme damit habe, die Gefühle anderer wahrzunehmen und vor allem, dass andere Probleme damit haben, meine Gefühle wahrzunehmen.
      Das hat aber so gar nichts mit der Intensität meiner Gefühle zu tun.

      @Hyperakusis: Ja, das ist für mich ein sehr wunder Punkt. Weil andere oft nicht erkennen, wie es mir geht. Das ist besonders dann ein Problem, wenn es mir schlecht geht.
      Die Genehmigung der Kasse wurde für 80 Stunden erteilt; davon sind 30 'rum.

      @Willowtree: Kontext ihrer Aussage war (ausgerechnet!), dass ich versucht habe zu erklären, wie schlimm für mich ist, wenn es mir nicht gelingt, meinem Gegenüber klarzumachen, wie es mir geht.
      Und ja, das halte auch ich für typisch autistisch. Davon hat meine Therapeutin aber nicht gesprochen, sondern ausdrücklich von bei Autisten nicht vorhandener Gefühlstiefe.
      Ob mich interessiert, was genau sie mit „tiefen Gefühlen“meint, kann ich noch gar nicht sagen. Momentan bin ich einfach sehr verletzt. Ich denke, dass meine Gefühlswelt keineswegs eingeschränkt ist.

      @DrCarsonBecket: Ich denke, dass es sowohl Autisten als auch „neurotypische“ Menschen gibt, die ihre Gefühle nicht oder nur sehr schlecht wahrnehmen und/oder benennen können. Das muss aber nicht heißen, dass sie keine Gefühle haben.

      @Happy to be: Danke für dein “Nachfühlen”. Exakt so geht es mir. Ich habe einige Wochen Zeit zum Nachdenken, bis ich wieder einen Termin bei der Therapeutin habe. Jetzt bin erst einmal ich im Urlaub, dann sie. Positiv daran ist sicher, dass dadurch eine Kurzschlussreaktion so ziemlich ausgeschlossen ist. Negativ ist, dass ich das Problem eben in den sechs Wochen bis zum Termin nicht werde klären können.

      @Quinn: Danke auch für deinen Beitrag. Leider verstehe ich nicht wirklich, wie du Empfindung und Gefühl unterscheidest.

      @Shenya: Die Therapeutin hat nicht erklärt, was genau sie mit „tiefen Gefühlen“ meint. (Und ich habe nicht gefragt. Ich war doch gerade dabei zu vermittreln, wie schlimm für mich ist, dass es mir so oftnicht gelingt, anderen zu verdeutlichen, wie es mir geht – weil man es mir eben in aller Regel nicht anzusehen scheint.)
      „Erst die Selbsterkenntnis und Anerkennung des eigenen Strukturiert- und Gefangen-Seins in den psychobiologischen Gesetzmäßigkeiten der eigenen Persönlichkeit ermöglicht es, die Begrenzungen der anderen zu erkennen und sie zu akzeptieren – und sie nicht als intentionale Angriffe auf die eigene Welt zu deuten, gegen die es sich zu wehren gilt.“
      (Ludger Tebartz-van Elst: Autismus und ADHS. Zwischen Normvariante, Persönlichkeitsstörung und neuropsychiatrischer Krankheit. S. 19.)
    • Ich könnte gar nicht beurteilen was "tiefe Gefühle" sind, und ob ich dazu fähig bin, denn mir fehlt ja der Vergleich zu anderen Menschen (Autismusbedingt). Es ist ja vielleicht so, als hätte ich zum Beispiel einen "emotionalen IQ" (nehmen wir mal an sowas gibt es) von 70, dann hätte ich natürlich gar keine Fähigkeiten dafür abzuschätzen, wie jmd mit einem emotionalen IQ von 130 empfindet.
      Ich bin interessiert daran wie mich andere wahrnehmen (da ich selbst es nicht richtig einschätzen kann), mich würde also interessieren was die Therapeutin damit genau meint, vergleichende Beschreibungen zu anderen Menschen... ich glaube ich werde meine mal fragen wie sehr man mir Gefühle anmerkt und ob es "tiefe" Gefühle wären.

      Vielleicht könnte man mal darüber nachdenken, warum es einen so sehr verletzt? Was bedeutet es für dich, wenn du tatsächlich keine tiefen Gefühle hättest?

      Dass Autisten besonders starke Gefühle hätten, daher auch das schnelle Ausrasten... hmm also ich habe das nicht. Es ist jedenfalls nicht bei jedem gleich.
    • @Moi Wäre es eine Option, die Therapeutin anzurufen, um wenigstens kurz zu besprechen, was vorgefallen ist, damit du nicht die vielen Wochen warten musst?
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Moi wrote:

      @Willowtree: Kontext ihrer Aussage war (ausgerechnet!), dass ich versucht habe zu erklären, wie schlimm für mich ist, wenn es mir nicht
      gelingt, meinem Gegenüber klarzumachen, wie es mir geht.
      Und ja, das halte auch ich für typisch autistisch. Davon hat meine Therapeutin aber nicht gesprochen, sondern ausdrücklich von bei Autisten nicht vorhandener Gefühlstiefe.
      Unfassbar! 8o 8o
      So eine Antwort auf dein drängendes, schmerzliches Problem, wie schlimm es ist, dass andere oft nicht verstehen, wie es dir geht. Da hat die Therapeutin ja sozusagen auch noch Salz in die offene Wunde gestreut (RW), also in dem Moment sollte man so etwas dann eher genau NICHT sagen. Sie verstärkt damit ja nur deine Angst.
      Du sagst, dass etwas für dicih sehr schlimm ist und die sagt dir, dass Autisten doch gar nichts fühlen können (und durch die Blume gesprochen, dass dein Empfinden doch gar nicht stimmen kann). Das wäre bei mir direkt eine Retraumatisierung.

      Meine Antwort zum hinterfragen (um dir den Druck zu nehmen, dass du schuld seist) wäre gewesen, ob es wirklich so ist, dass es dir nicht GELINGT, deinem Gegenüber klarzumachen wie es dir geht, ODER OB NICHT VIELMEHR DAS GEGENÜBER AUCH SEINEN ANTEIL DAZU BEITRÄGT DASS ES NICHT erkennt (!) WIE ES DIR GEHT bzw. zu eineinfühlsam dafür ist. Somit ist die Reaktion der Therapeutin das beste Beispiel (aber sehr schmerzhaft) auf deine Frage. :m(: :shake: :shake: :shake: Gegenüber so uneinfühlsamen und vorurteilsbehafteten Menschen ist es vollkommen logisch, dass diese nicht erkennen, wie es einem geht.
      Dir ist ja bereits klargeworden, dass es daran liegen könnte, dass du zwar extrem viel spürst, aber es nicht gut nach außen darstellen kannst.
      Die Therapeutin hätte meiner Meinung nach einfach nur anerkennen müssen (sorry, wenn ich das jetzt so lapidar sage, aber mich triggert das Thema selbst), dass so etwas sehr schmerzhaft ist. Sie hätte mit dir die Diskrepanz herausarbeiten können, was du fühlst und was bei anderen ankommt. Dann hättet ihr überlegen können, wie beide Seiten dazu beitragen können, dass diese Diskrepanz nicht mehr ganz so krass ist. Aber wenn die andere Seite (die Therapeutin!) dazu nicht fähig ist, wie sollst du das dann dort lernen? :x

      Weißt du, warum du deine Gefühle nicht nach außen hin zeigst? Hast du Angst, verletzt zu werden (ist das schon oft vorgekommen?), weißt du nicht, wie du die Gefühle angemessen ausdrücken kannst?, Hast du Angst vor Bestrafung wenn du die Gefühle zeigst? Was könnte die Ursache sein?
      Könntest du dir vorstellen, daran zu arbeiten? Also zu üben, die eigenen Gefühle zu zeigen? Oder ist das aspergerbedingt ausgeschlossen?
      Du hast ja bereits einen ersten sehr mutigen Schritt getan und deine Gefühle (das schlimme Gefühl, wenn dich andere nicht verstehen) bei der Therapeutin angesprochen. Leider hat sie ja so dermaßen unprofessionell reagiert. Ich würde dich ermutigen, dass es Menschen gibt, die darauf wesentlich besser eingehen können. Da ich aber nicht weiß, warum dir das so schwer fällt, will ich nicht zu sehr mit gut gemeinten Tipps um mich schlagen.

      Ich bin nur etwas außer mir, sorry. Deshalb schreibe ich auch so komisch.

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