Rückblickend Neubewertung von gescheiterter Beziehung

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    • Mir fehlt hier ein Aspekt, der für mich wichtig ist. Ich bin nicht un-empathiefähig. Das Gegenteil ist der Fall. Ich nehme viel zu viel wahr. Vor allem diese ganzen Masken machen mich kirre! Wie irre Doppelbilder, fürchterlich. Schwierig ist dann zu entscheiden, worauf ich nun reagieren soll, kann, will.

      Diese Flut sorgt dann dafür, dass ich auf mich achten, mich abgrenzen muss. Auch das ist schwierig.

      Im Gegenzug mag ich NICHT diese Maskenfragen gestellt bekommen. Wie geht´s Dir als Floskel - wer braucht das? Da kann ich schnell bockig reagieren, respektive mit Rückzug und Schweigen. Dieses BlaBla auf Smalltalk level interessiert mich nicht, stresst mich.

      Aber es gehört eben zum "guten Ton".

      Ich habe mich um meinetwillen schon vor langer Zeit und ohne überhaupt nur etwas davon zu ahnen, dass das Ganze mit Asperger zu tun haben könnte, für Ehrlichkeit entschieden. Ich thematisiere im Fall des Falles den Blick hinter die Maske. Das löst bisweilen Erstaunen, manchmal Furcht aus, aber oft wirkt es auch entlastend. Ich "sehe" die Menschen um mich herum und stehe dazu. Bei mir nahen Menschen kann das auch dazu führen, dass ich recht barsch sage: Hör mal, erzähl mir keinen Scheiss.

      Mir geht es damit besser, die Doppelbilder werden erträglicher.

      Ich lebe seit meinem 19. LJ in einer festen Beziehung und natürlich habe ich mich im Lauf der vielen Jahre verändert. HEUTE kann ich mit Empfindungen viel besser umgehen, sie explodieren nicht mehr so in mir, ich muss seltener flüchten.

      "Wie geht´s" frage ich höchstens am Telefon, aber selbst da eher nicht. Ich höre die Stimme, die ist wie ein Temperaturfühler, wenn man sie kennt in ihren Facetten. Dann kann es schon sein, dass ich sage: Oh, ich höre, Dir geht es gerade nicht gut. Was ist?

      Ich selbst will keine Gegenfragen. Floskeln interessieren mich, wie gesagt, nicht, wer meint, mich damit konfrontieren zu müssen, sieht mich von hinten.
    • Das ist ziemlich weit weg von meinen Erfahrungen. Ich kriege von anderen Leuten meist nur das mit, was sie sagen, ganz selten mal etwas, was sie nicht sagen. Das heißt, wenn jemand sagt, dass es ihm gut geht, dann komme ich nicht auf die Idee, dass das nicht der Fall sein könnte. Usw.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • @kikilino

      wieso sollte ich böse ?????

      Diese "Regel" ist vllt missverständlich - es ging mir darum, dass WENN jemand fragt, wie es mir geht (und ich vllt was erzählt habe), nicht zu vergessen, zurückzufragen.
      Als Zeichen "du interessierst dich für mich und ich mich für dich".

      Nun ist ja manchmal auch das "wie gehts" eine Floskel. Nur gedacht um abzuklären, ob der/die andere überhaaupt bereit ist zu sowas wie ein bissschen smalltalk.
      Hier ist eine ausführliche Antwort eher irritierend.
      Wenn ich daran zurückdenke, wie ich in meiner Jugend entweder empört war (was geht das den/die an, will der/die mich ausfragen) ODER bei der Idee, dass da Freudnlichkeit ist, viel zu ausführlich über meinen "Zustand" gesprochen haben (incl Begründung) um dann voll bei meinen Themen zu landen, kein Zurückfragen...

      Erst durch Beobachten anderer "Wie gehts"-Abläufe, wie unterschiedlich die sein können - und die interagierenden Personen schienen wie von selbst zu erkennen, welcher Ablauf gewünscht ist, ermögichte mir, etwa weniger zu irritieren.

      "Wie gehts" - "Und selbst" (Subtext, ich mag gerade keine Auskuft geben, rede erst mal ein bisschen von dir, wenn du magst)

      Wie gehts" - "Und Selbst" - "Na ja" - und dann Themenwechel (Subtext "Lass uns das ausklammern und lieber über was anderes reden)

      "Wie gehts" - "Danke, und selbst?" (Subtext, alle normal, danke der Nachfrage (=Interesse), bin unbelastet und kann prinzipiell etwas zuhören (wenn es nicht zu lang ist), falls es bei dir nicht so gut ist, freue mich, was schönes zu hören)

      WENN "wie gehts" eher als Floskel im Intro zu smalltalk gedacht ist (entfernte Bekannte, Nachbarn, mit denen man nicht so viel zu tun hat, nicht eng befreundet ist", dann passt immmer
      - danke (plus evtl gut, prima)
      - geht so
      - na ja
      - muss

      plus "und selbst" dahinter.

      WENN der/die andere jetzt an einem genauern Austausch interessiert ist, wird er/sie darauf eingehen, durch ein bisschen eigenes Erzählen und/oder ein "Was ist los bei dir", wenn ein Nicht-so-gut gesagt wurde.

      Dieses "wie gehts" steht ja in einem sozialen Kontext, den ich erst mal erfassen muss.
      Dann hat es was damit zu tun, in welcher und wie engen Beziehung ich zum anderen stehe.
      Und natürlich, welche Erfahrungen ich mit DIESER Person bisher gemacht habe.

      Also, fragt mich der Busfahrer, der mich schon mehrfach im Bus gesehen hatte, "Wie gehts" - ist ein "Danke, und selbst" völlig ausreichend, eine Nicht-Reaktion wäre jedoch unhöflich - immerhin hat er ja signalisiert, das er mich mittlerweile als Mensch und Individuum wahrgenommen hat, nicht nur als Teil der Masse der Fahrgäste - die Antwort sagt nur "Ich erkenne, dass du mich als Individuum wahrnimmst, und sage dir, dass ich dich jetzt auch als Mensch und nicht nur als Verlängerung der Maschine betrachte"

      Das bedeutet NICHT, dass daraus jetzt mehr werden muss - das kann über Jahre der gleiche ritualisierte Ablauf sein von "Wie gehts"- so lala - und selbst - alles paletti" o.ä.
      Wir bestätigen uns im Mensch-Sein, sind nicht nur anonyme Masse. Als alleiniger Sinn und Zweck.

      Gegenüber dem Chef kann eine ausführliche Antwort zu Problemen führen, genau wie man vorsichtig sein muss bei Menschen, die nur "Elend-Sightseeing" betreiben wollen, oder die, die das Erzählte benutzen, üm über einen herzuziehen.
      Letztere kann man durch Beobachten herausfiltern.
      Regel: So wie jemand mit dritten umgeht, wie er über die redet, wird er/sie irgendwann auch über dich reden, wenn ihm/ihr was nicht gefällt - die Idee, man selbst sei die Ausnahme, ist einer der häufigste Gründe für "Enttäuschungen".

      So wusste ich z.B., dass meine ehemalige Vermieterin schlecht über mich reden wird, sobald ich ausgezogen bin - hatte sie zur vorherigen ja auch gemacht.
      Als mich jemand drauf ansprach sagte ich nur "na ja, sie redet immer schlecht über ehemalige Mieter" und hab das Thema gewechelt - alle bestens. Eine Nachbarin fragte dann nach zum Inhalt, da klärte ich auf, wie es wirklich war, und sie hat mir geglaubt, auch weil ich eben locker, nicht empört, nicht belastet oder weinend rüberkam, sondern ganz ruhig, freundlich und sachlich, und dann mit ihr über Erfreulicheres redete.

      "Wie gehts" kann das Intro für den Aufbau einer Bekanntschaft oder Freundschaft sein, muss es aber nicht.
      In diesen "Wie gehts"-Abfolgen wird abgeklärt, ob das überhaupt möglich ist, gewollt ist, und wie weit das gehen kann/soll.

      Will ich keine nähere Bekanntschaft, halte ich es auf der Floskel-Ebene. Bei Bereitschaft zum Nachsehen, ob vllt eine nähere Bekantschaft daraus werden kann, kann man ein bisschen!!!! mehr erzählen, ist die Reaktion für einen nicht pasend, kann man, ohne unhöflich zu wirken, auf die "wie gehts - und selbst"-Ebene wecheln.

      Ich hab noch immer kein gutes Gefühl dafür, muss mir das oft bewusst herleiten, mal erkenne ich echtes Interese nicht, mal denke ich, da sei welches - aber so allgemein klappt es doch deutlich besser als früher.
      Die Seele hat die Farbe deiner Gedanken (Marc Aurel)
    • So ähnlich sehe ich das auch.

      Die Frage "wie geht's?" kann deshalb wichtig sein (je nach Person, die fragt), weil sie ausddrückt, daß einem der andere nicht egal ist und man nicht nur an sich selbst denkt.

      Und die Rückfrage "und selbst?" ist darum wichtig, weil man seinerseits auch ein Interesse dem anderen gegenüber bekundet (sofern einem die andere Person nicht tatsächlich egal ist).

      Es ist doch auch nicht so, daß man genötigt wird, sich zu erklären. Wer auf "und selbst?" nicht eingehen will, kann doch einfach "danke" sagen oder mitteilen, daß er nichts weiter dazu sagen will.


      Sicher sind das alles häufig Floskeln, aber je nach Beziehung zu der anderen Person drücken sie auch Interesse oder den Wunsch nach näherem Kontakt aus.


      Und den eigenen Partner oder Freund kann man ruhig mal fragen, wie es ihm geht. Denn vielen Menschen (auch ggf. den oben erwähnten "Labertaschen") fällt es oft sehr schwer, über ihre Gefühle oder Nöte zu sprechen. Da braucht es oft einen äußeren Anstoß, um etwas sagen zu können. Wenn der andere dann nichts mitteilen will, sollte er auch nicht unter Druck gesetzt werden, sich zu erklären.
    • Neu

      Shenya schrieb:

      Das heißt, wenn jemand sagt, dass es ihm gut geht, dann komme ich nicht auf die Idee, dass das nicht der Fall sein könnte.
      Das finde ich auch schwer. Wenn jemand sagt, ihm ginge es gut, glaube ich demjenigen das einfach. Aber die, die dabei gelogen hätten, wollen meistens eh mit einem nicht darüber reden, deswegen denke ich mir da meistens nicht allzu viel.

      Wobei ich meistens dann eine Antwort kriege wie "passt schon" oder "muss ja".

      sempron schrieb:

      Sicher sind das alles häufig Floskeln, aber je nach Beziehung zu der anderen Person drücken sie auch Interesse oder den Wunsch nach näherem Kontakt aus.
      Das einzuschätzen, finde ich schwer. Aber wenn man jemanden als Freund betrachtet, ist die Frage doch eher als Interesse am Wohlergehen gemeint, finde ich. Zumindest wäre es sonst unlogisch, dass man denjenigen als Freund betrachtet, oder?

      sempron schrieb:

      Und den eigenen Partner oder Freund kann man ruhig mal fragen, wie es ihm geht. Denn vielen Menschen (auch ggf. den oben erwähnten "Labertaschen") fällt es oft sehr schwer, über ihre Gefühle oder Nöte zu sprechen. Da braucht es oft einen äußeren Anstoß, um etwas sagen zu können. Wenn der andere dann nichts mitteilen will, sollte er auch nicht unter Druck gesetzt werden, sich zu erklären.
      Ich gehöre auch zu den Leuten, denen das schwer fällt, gleichzeitig fällt es mir aber auch schwer, da mal nachzuhaken.

      Ich glaube aber, dass die meisten hier schon nachfragen würden, wenn sie sehen, dass es dem Partner vielleicht nicht so gut geht. Ich kann nur für mich sagen, dass ich solche Alltagsfragen nicht immer stellen möchte. Für mich besteht da also irgendwie ein Unterschied zwischen einer Nachfrage, wenn der Partner gereizt oder traurig klingt (oder sagen wir einfach anders als sonst...?), und einem vielleicht sogar täglichen "Wie war dein Tag?".
      Entsprechend sehe ich da irgendwie beide Seiten, die sich bemühen sollten. Wenn ich ein Problem habe, sollte ich mich bemühen, nicht erst auf die Nachfrage des anderen zu warten, und wenn ich glaube, dass der andere etwas auf dem Herzen hat (RW), sollte ich mich bemühen, Interesse zu zeigen.
    • Neu

      Hallo Happytobe,

      ja, so ausgedrückt kann ich es eher verstehen und dem auch zustimmen.

      Ich wollte mit dem 'nicht böse sein' nur ausdrücken, dass sich Dein Satz als Beispiel gerade so anbot und ich das genutzt habe, den Satz benutzen wollte unabhängig von Deinem Sein, also Dir...ich empfinde Dich als sehr viel differenzierter. Danke, dass Du nachgefragt hast...ich vergesse manchmal Zwischengedanken auch aufzuschreiben oder es klar genug auszudrücken. ;)

      @Linnea: Hallo. Ja, auch dem stimme ich gerne zu. Es gibt einige sehr auffällige Muster/Schemata die sehr viele Menschen bedienen...und diese sorgen oftmals für Kommunikationsproblemen zwischen Autisten und Nichtautisten. Das Einzige, was daran für mich beim Lesen immer wieder irritierend ist: die selben Kommunikationsprobleme bestehen auch zwischen Nichtautisten. Vielleicht haben sie nur eine andere Art damit in sich selbst und auch innerhalb der Situation umzugehen. Also nur als Beispiel: vielleicht spüren NTs eher, wenn sie über ein Thema zu lange/ausführlich sprechen weil sie eine Intuition dafür haben die einige Autisten nicht haben? Dadurch wird vielleicht die Situation schneller 'bereinigt' und geklärt?
      Ich denke auch, dass es für Autisten und Nichtautisten wichtig ist, diese 'Spielregeln' zu kennen...selbst, wenn sie nicht auf alle zutreffen ist es gut erkennen zu können wie der Mensch mir gegenüber ist und welchem Schema er zu folgen scheint.

      @Pippi Langstrompe: Hallo, danke auch für Deinen Beitrag! Ich finde den Aspekt der 'Masken' einen sehr wichtigen Punkt. Ich unterhielt mich gestern mit jemandem darüber und der formulierte es so: 'manche Menschen erlauben einem sie zu spüren'. Das fand ich sehr schön ausgedrückt. Manche Menschen sind authetisch und dann passt alles bei ihnen zusammen...das was sie sagen, ihre Körpersprache und auch das, was sie tun. Menschen die eher in einem Bild von sich leben und nicht mit ihren echten Emotionen verbunden sind (und die echten Bedürfnisse und Grenzen spüren und kennen) erlauben einem nicht ihnen nahe zu sein, sie zu verstehen und als 'echt' zu erleben. Sie verkaufen nur ein Bild von sich. Ich empfinde es manchmal als schwierig damit umzugehen, es verwirrt mich. Und ich mag es auch nicht...es darf (für mich) alles da sein solange es echt ist. Ich finde mich in vielem, was Du geschrieben hast wieder. Nur der Umgang damit ist bei mir ein wenig anders. :)
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      Woodchuck schrieb:

      Habt ihr auch solche Erlebnisse, wo ihr rückblickend eine Beziehung aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet und dabei nicht unbedingt als "Held" aus der Geschichte hervorgeht?
      Grundlegend ja. Meine erste längere Beziehung würde ich mit dem heutigen Wissensstand viel früher beenden oder gar nicht erst zustande kommen lassen. Er war durch und durch NT und kam mit einigen "komischen" Eigenschaften von mir gar nicht klar. Z.B. dass ich nach einem anstrengenden Ausflug meine Ruhephasen brauchte. Oder dass ich nicht den ganzen Tag ununterbrochen und in jedem Raum den Fernseher laufen haben möchte :nerved: ... Ich würde nicht sagen, dass einer von uns "der Böse" war, aber es hat einfach überhaupt nicht gepasst.
      Grundlegend kann ich verstehen, wie Du Dich fühlst. Es gibt rückblickend auch Situationen, wo ich mich wie ein emotionaler Trottel verhalten habe (in dem Sinne, dass ich mich wie der Elefant im Porzellanladen verhalten habe und gar nicht gesehen habe, dass ich was kaputt mache). Mittlerweile ist mir klar, dass ich damals nicht anders reagieren konnte. Bzw da meine eigenen Einschränkungen wegen Autismus hatte.
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      Happy to be schrieb:

      Nun ist ja manchmal auch das "wie gehts" eine Floskel. Nur gedacht um abzuklären, ob der/die andere überhaaupt bereit ist zu sowas wie ein bissschen smalltalk
      So empfinde ich das eigentlich in den meisten Fällen: als unverfänglichen Test, ob man an einem Gespräch interessiert ist. Ich antworte meist (wenn es niemand ist, von dem ich annehmen kann, dass er wirklich näheres wissen will) mit einer Floskel wie "es muss" oder "könnte schlechter sein" und hänge dann das "und selbst?" dran. Auch wenn es danach bei einer ebenso kurzen Antwort bleibt, finde ich das jetzt nicht völlig sinnlos, es hat etwas vom kurz Beschnüffeln zweier Hunde, die sich schon kennen: man versichert sich mit ein paar Worten, dass man einander kennt und nach wie vor nicht offen feindlich gesonnen ist. Und sonst ist es eben der Auftakt zu einem Gespräch, das sich womöglich rasch um durchaus relevante Dinge dreht. Gerade wenn man Leute in größeren Abständen trifft - also z.B. Kollegen von anderen Unis bei einer Tagung - finde ich diese Art des Erneuerung eines nicht besonders engen alten Kontakts eigentlich als hilfreich.
      Im engeren persönlichen Umfeld erwarte ich allerdings auch, dass der Andere von sich aus sagt, dass er Gesprächsbedarf hat. Funktioniert bei uns ganz gut, wenn meine Frau von der Arbeit kommt erzählt sie meistens erst mal von Dingen, die sie beschäftigen und von skurrilen Telefonaten (da gibt es im Callcenter einer Bank immer wieder spaßige Dinge), und wenn ich das Bedürfnis habe etwas loszuwerden bin dann ich dran. Bei meiner Tochter allerdings frage ich immer - aus Pubertieren kriegt man ja allenfalls bei direkten Fragen etwas Information extrahiert, und zwar auch dann, wenn sie durchaus relevant ist.
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      HCS schrieb:

      Auch wenn es danach bei einer ebenso kurzen Antwort bleibt, finde ich das jetzt nicht völlig sinnlos, es hat etwas vom kurz Beschnüffeln zweier Hunde, die sich schon kennen: man versichert sich mit ein paar Worten, dass man einander kennt und nach wie vor nicht offen feindlich gesonnen ist.
      So ähnlich hat mir das ein (NA) Ex Partner vor vielen Jahren auch mal erklärt, als ich es mal "wagte" zu fragen, was der Sinn von dieser Form des Smalltalks sein soll.
      Mir hat die Erklärung damals eingeleuchtet, aber es scheint wirklich so zu sein, dass ich das von mir aus weder wirklich begreifen noch umsetzen kann.
      Bis heute komme ich mir albern dabei vor ; wenn ich das Spiel mitspiele schwingt von meiner Seite aus eine gewisse Ironie/Skepsis mit, was dem Gegenüber vermutlich nicht verborgen bleibt.
      Womit gleich wieder eher systemhinterfragende Themen "im Raum stehen" :m(: .
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      Manche Dinge lernt man im Leben, andere nicht - bei mir ist es eben dieser Teil, den ich hingekriegt habe, für "echten" smalltalk reicht es bei mir dann auch nicht, da werde ich dann eher schweigsam (oder gehe allzu abrupt zu Sachthemen über). Das ist sicher auch eine Frage der Erziehung, und mein Vater (der selbst mit dem Sozialklimbim zu kämpfen hatte, er war m.E. auch VA), aus preussischem Elternhaus und entsprechend diszipliniert, hat auf solche Dinge Wert gelegt.
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      WelleErdball schrieb:

      Woodchuck schrieb:

      und war fest davon überzeugt, dass ich der einzige normale Mensch auf der Welt bin und alle anderen sind komisch.
      So auch mein damaliger Freund.
      Das könnte von mir stammen. Dasselbe dachte ich auch immer.

      Dito, genau das gleiche hab ich früher auch immer gedacht :lol:

      @Woodchuck Aus dem, was du beschrieben hast, kann ich nicht herauslesen, dass du "die Böse" warst. Was kannst du dafür, wenn der andere nichts sagt, du kannst doch keine Gedanken lesen.
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      Eismensch schrieb:

      Oh, das kenne ich auch. Meine Frau fragte mich, wie mein Tag war. Antwort war wie immer "Okay". Dann war Ruhe und nach ein paar Sekunden kam dann: "Willst du mich nicht fragen, wie MEIN Tag war?!" Das ganze in einem Tonfall, der keinen Widerspruch zuließ. Ich frage mich dann immer: Wenn es doch so wichtig ist, warum erzählt sie es nicht einfach?
      Bei sowas frage ich mich, ob das nicht eher Mann-Frau Themen sind. Ähnliche Gespräche habe ich auch öfter mit meinem Mann. :d
      Ich heute z.B.: "Schatz, wollen wir mal schauen, was wir noch fürs Wochenende kaufen müssen?" Er: "Wenn Du willst, dass ich noch kaufen fahre, sag das doch gleich." Es sind halt zwei verschiedene Arten, zu kommunizieren. Ich will den anderen höflich ins Thema mit einladen, er empfindet das als verwässert und will eine klare Aussage.
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      @Neumond Ich kann nicht bestätigen, dass es ein Mann-Frau-Thema ist, denn bei mir und meinem Mann ist es umgekehrt. Manchmal hab ich so eine "Eingebung", ihn zu fragen, wie sein Tag war und bin dann immer erstaunt, wie sehr er sich über diese Frage freut und wie er sie oft wirklich als Anlass nimmt, ausführlich zu erzählen.

      Auch ist er der Spezialist für Andeutungen, womit er bei mir an der völlig falschen Adresse ist :lol: Ich sag oft, dass er doch bitte sagen soll, was er will. :nerved:
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      Ich denke, das sind so typische Eigenschaften, die als 'männlich/weiblich' deklariert werden von der Gesellschaft.

      Irgendwie ist es ja auch niedlich und wertschätzend, wenn ein Mensch erst beginnt ausführlich zu erzählen, wenn man ihn dazu einlädt...er wartet, bis man dazu bereit ist und stellt sein Bedürfnis zu reden 'hinten an'. (ja, kann auch andere Gründe haben oder zwanghaft sein, was nicht so gesund wäre).

      Andeutungen mag ich auch überhaupt nicht...zu kompliziert...und doch mache ich sie manchmal auch einfach weil ich sie gar nicht als Andeutung empfinde sondern als 'vorsichtiges ausdrücken' (MIR ist dann ja immer klar worum es mir gerade geht :d ).
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      @Pippi Langstrompe: Hallo, danke auch für Deinen Beitrag! Ich finde den Aspekt der 'Masken' einen sehr wichtigen Punkt. Ich unterhielt mich gestern mit jemandem darüber und der formulierte es so: 'manche Menschen erlauben einem sie zu spüren'. Das fand ich sehr schön ausgedrückt. Manche Menschen sind authetisch und dann passt alles bei ihnen zusammen...das was sie sagen, ihre Körpersprache und auch das, was sie tun. Menschen die eher in einem Bild von sich leben und nicht mit ihren echten Emotionen verbunden sind (und die echten Bedürfnisse und Grenzen spüren und kennen) erlauben einem nicht ihnen nahe zu sein, sie zu verstehen und als 'echt' zu erleben. Sie verkaufen nur ein Bild von sich. Ich empfinde es manchmal als schwierig damit umzugehen, es verwirrt mich. Und ich mag es auch nicht...es darf (für mich) alles da sein solange es echt ist. Ich finde mich in vielem, was Du geschrieben hast wieder. Nur der Umgang damit ist bei mir ein wenig anders.
      @kikilino: Auch das gehört doch zur Authentizität - dass man auf ähnliche Erfahrungen individuell abgestuft reagiert und sich das auch erlaubt. Ein Satz, der mir sehr gefällt, lautet: Wer erkannt werden will, muss sich zu erkennen geben. Das erleichtert so vieles! Viele Menschen glauben aber, dass sie sich eben nicht zeigen dürfen, oft aus der Angst heraus, dann nicht geliebt zu werden.

      Ich sehe es für mich so: Ich schaffe es gar nicht, mittel- bis langfristig eine Rolle zu spielen, denn das ist ungeheuer anstrengend. Mehr noch: ich WILL das gar nicht, denn es bindet Ressourcen, die mir dafür zu wertvoll sind und ich vergeude damit Lebenszeit, von der ich nicht wissen kann, wieviel mir davon überhaupt geschenkt wird.

      Die Menschen, die mich nur mögen, wenn ich mich so verhalte, wie sie das für adäquat erachten, möchte ich gar nicht in meinem Leben haben.

      Was nun die Floskeln angeht: Ja, die kenne ich. Ich wüsste auch, wo sie angebracht sind. Aber auch da habe ich mich entschieden, lieber ehrlich zu bleiben. Ich frage, wenn es mich interessiert. Das hat übrigens einen Sekundäreffekt - es interessiert mich häufiger. Ich finde echte Gespräche schön. Die, in denen ich sein darf und mein Gegenüber auch. Also versuche ich mehr echte Dialoge zu führen. Das funktioniert überraschend gut, wenn ich die Masken missachte.

      Mein Herzensmann hat immer schon einen wunderbaren Weg des Umgangs mit mir gehabt. Er ist ein Mensch, der sehr in sich ruht. Er kann andere einfach sein lassen, ohne das unbedingt auf sich beziehen zu müssen, Motto: Oh, sie ist mal wieder schweigsam - was habe ich ihr getan? Wir haben im Verlauf unserer Beziehung viel im und aus dem Miteinander gelernt. Z.B., dass ein Mensch einen anderen niemals glücklich machen kann - nur sich selbst. Das ist ein ganz wichtiger Teil der Selbstverantwortung, der bei vielen Paaren jedoch vernachlässigt wird, weil viele Menschen erwarten, dass die Beziehung / der Partner sie glücklich machen soll.

      Diese Verantwortung ernst zu nehmen, bedeutet auch, eigene Themen zu verfolgen, sich dafür stark zu machen, eigene Bedürfnisse zu sehen und ihnen zu begegnen. Das führt automatisch in Konflikte, aber die kann man austragen. Nicht immer gelingt ein Konsens, man kann sich jedoch auch darauf einigen, sich NICHT einigen zu müssen.
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      Kleine schrieb:

      Auch ist er der Spezialist für Andeutungen, womit er bei mir an der völlig falschen Adresse ist Ich sag oft, dass er doch bitte sagen soll, was er will.
      Das ist bei mir lustigerweise eher bei Frauen der Fall. Da versucht mir eine Kollegin dann, mit Augenzwinkern irgendwas anzudeuten. Und ich als Autist stehe dann rätselnd da und mein Gesicht ist ein einziges großes Fragezeichen.
      Wenn es mir dann erklärt wird, machen die anderen wieder ein Gesicht als würden die über mich gerade denken: "Wie zur Hölle hat die eigentlich ihr Studium geschafft?" :oops:
      Bei Männern tu ich mich leichter - gerade die Männer in meiner Umgebung reden eigentlich Klartext, was mir natürlich sehr entgegen kommt.