Der umgang mit anderen, wenn sie erfahren das das ihr autis seid

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    • Mr. Winterbottom schrieb:

      Happy to be schrieb:

      Ich sag meist ganz locker
      Könntest du beschreiben, wie diese Lockerheit zustande kommt?
      Der Wichtigste faktor ist, dass ich selbst mich mit meie Aspie-Dasein und den dazu gehörigen "Macken", aber auch Vorteilen, "angefreundet" habe.

      Es ist halt was anderes ob man sagt "Aufpassen, hier kommt jemand, der ist furchbar kompliziert und empfindlich, und wenn was nicht perfekt auf den abgestimmt ist oder du was falschmachst, dann leidet der furchtbar und die Reaktionen werden unangenehm fürdich" oder "Hey, übrigens, das ist meine Freundin Aspie, sie hat ein paar besondere, manchmal lästige Macken, aber wenn mansich ein bisschen drauf einstellt, eiigentlich eine recht nette Type,mit der man eine Menge Spaß haben kann."

      Wen würdest du lieber kennennlernen, darüber was erfahren wollen?

      Ein Faktor, der mir dabei geholfen hat ist das Wissen um Kommunkation an sich - und die Akzeptanz, dass NTs eben manches in der Kommunikation brauchen, zu manchen Dingen anders empfinden als ich

      Beispiel: Als damals die PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) erkannt wurde - mein erstes Gefühl war Erleichterung, einfach weil ich jett wusste, wo ich dan war. egal wie beschissen eine Situation ist, miir geht es "angeborerenerweie" sofort besser, wenn ich weiß, was da ist und wie das "funktioniert".
      Hier fiel ja zum ersten Mal jemandem auf, das ich "anders" bin, weil ich nicht neurotypisch mit "erweitereter Verzweiflung zur Nachricht" reagierte.

      Schon komisch, mir fällt gerade auf, nach der ausführlichen Aspergerdiagnose hab ich "neurotypischer" reagiert als jemals zuvor bei "Katastrophen-Nachrichten" - aber ok, damals war es schon heftig zu erfahren, WIE autistisch ich an wie vielen Stellen bin (an denen ich mich für nicht-autistisch hielt) und dazu kam ja erstmal "erweitertes NIChT-Wissen" .

      Auch reagieren viele Menschn ubewusst mit Abwehr, sowohl zur Person als auch zum Inhalt, wenn sie sich durch die Nachricht belastet, ge-/überfordert oder sogar hilflos dazu fühlen.
      Diese Gefühle wollen sie weg haben - und das geht natürlich am besten, wenn der Überbringer der Nachricht "weg" ist. (Je weniger sie sie gelernt haben, miteigenen "Hilflos-Gefühlen" umzugehen, desto eher reagieren dann ogar mit Vorwürfen, Gegenforderungen bis Hass).
      Das ist allgemein menschlich und hat nix mit NT oder Aspie zu tun.

      Ich kann mich darüber ärgern, wenn jemand auf das Wort Asperger sofort was von Rainman erzählt, oder mich darüber freuen, dass der/diejenige überhaupt das Thema Autismus wahrgenommen hat und einen "Andockpunkt" für das weitere Gepräch sucht - und dann freuundlich sagen, dass das viele erst mal denken und ein bisschen die Unterschiede erklären. Jemand der Rainman sagte, hört meist fasziniert zu, wenn er einen Einblick in diee andere Welt bekommt.

      Oder ein Kommentar wie "Hab ich in diesem Film Ella schön gesehen, aber du wirkst ganz anders", dann kann man hier erklären, das sich das bei jedem anders zusammensetzt, oder wie ich manches gelernt habe, dass mir das aber manchmal "wegbricht" und ein Scherz wie "leider hab ich nicht den Ordnungssinn mirgekriegt, der fehlt bei mir ganz" lockert auch wieder auf.

      Es gehht immer darum am Wissenstand, den Kompetenzen und natürlich auch der Sprache der anderen anzuetze, wenn man was vermitteln will.
      NTs sind ja keine perfekten Ween, die alles "mal so eben drauf haben", nur weil sie NTs sind. DAS kann man ihnen wirklich nicht zum Vorwurf machen.

      Schwierig wird es mit der Lockerheit, wenn man selbst mit Komorbiditäten wie Depression zu kämpfen hat. Diese sind aber unabhängig von Asperger, auch wenn bei negativer Bewertung des eigenen Asperger sich das gegenseitig verstärkt. Was dann auch die eigene Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt.

      Innere Haltung zum eigenen Asperger
      Wiisen um (vor allem das eigene) Asperger
      Innere Haltung zu NTs
      Kommuikatiionsfähigkeit (dazu braucht es Wissen, wie das funktoniert)
      diese können wiederum helfen, auf der Handlungebene sich als kompetenter zu erleben, was Depressionen abmildert
      Genauso wie das Bearbeiten der Depresionen Wissen "zurückkommen" lässt und die Handlungsebene stärkt.

      Hier ist ziemlich egal wo man ansetzt, das sind "Zweibahnstraßen" - ich bevorzuge "überall wo sich gerade eine Gelegenheit bietet".
      So habe ich mir z.B. aus der ersten Reaktionen, wenn ich was über Aperger sagte überlegt, wie ich das kommunikationstechnisch besser "rüberbringen" kann - und mittlerweile viele "Routine"-Sätze, die sich für mich stimmig anfühlen UND den/die andere/n in sener/ihrer Lockerheit belassen - und damit wurde ich selbst mit jedem mal lockerer.

      Letztendlich bleibt jedem und jeder Aspie nur übrig, sich selbst aus den Schwierigkeiten herauszuarbeiten bzw zu lernen, damit umzugehen.
      Dabei können die Erfahrungen anderer Aspies und MANCHER NTs helfen, einen eigenen Weg zu finden, aber von allen NTs zu erhoffen, dass die für einen eifach mal so was leichter machen oder gar abnehmen, ist einifach zu viel verlangt.

      Je mehr NTs jedoch einen lockeren Zugang zu Asperger bekommen, desto mehr können dann auch geeigneter reagieren.
      Ich freue mich jedesmal, wenn jemand sagt "der Sohn/die Tochter meiner Bekannten ist Asperger, JETZT verstehe ich, warum er/sie in dieser Situation so reagert hat, da werde ich mich mal drauf einstellen" - um dann irgendwann dieses freudige "es hat geklappt, wurde richtig schön" zu hören plus ener weiteren Frage :)
      Die Seele hat die Farbe deiner Gedanken (Marc Aurel)
    • @sempron Danke, das wusste ich auch noch nicht. Man lernt immer wieder dazu. :)

      Ich hab es meiner Mutter erzählt und ihr gesagt, ich möchte nicht darüber reden, weil ich selbst noch nicht so richtig mich damit befassen kann, und sie gebeten, es meinen Geschwistern und meinem Vater zu sagen. Einer meiner Cousinen hab ich es mal gesagt, als wir uns zufällig trafen, weil ich gut gelaunt war und sie fragte, ob es was Neues gibt. Witzig an der Begegnung war, dass sie sich vorher schon mal drüber informiert hatte und meinte: "Vom Lesen her würde ich gern Leute mit Asperger Syndrom kennen lernen." Und ich spontan geantwortet hab: "Tja, nun kennst du ja einen."

      Dem Rest meiner Familie, die eigentlich aufgeschlossen sind und so, wollte ich es erst sagen, aber hab es dann doch nicht. Ich komm einfach noch nicht genug selbst mit der ganzen Situation klar (Bericht ist noch in Bearbeitung... :nerved: ) und es wundert mich, dass hier der Familienbuschfunk nicht greift. Normal weiß plötzlich jeder alles über jeden, sobald man mal was erzählt.

      Sehr enttäuscht bin ich derzeit von meiner Mutter, die erst noch recht gut mit allem um ging, aber jetzt mit blöden Ideen kommt. Am Anfang hat sie mir bei einem Telefonat gesagt, dass sie mir anbietet, mal zu einem Termin, wenn es Probleme gibt, zur Rentenversicherung mit zu kommen. Jetzt kommt sie mir mit Lapacho Tee, glaub ich, der Asperger Symptome lindern soll und motzt mich gleich an, wenn ich mal mehr nachfrage, wenn ich was machen soll. Muss ihr echt mal erklären, warum ich das tue, jedoch vergesse ich das in der Situation immer. Ich schätze, sie meinte es nur gut mit dem Tee, allerdings kommt alles so rüber, als sei ich nicht in Ordnung wie ich bin und das tut schon weh. Auch hatte mich meine Schwester mal mit in den Zoo genommen, dann hier wieder abgesetzt vor ein paar Wochen. Da kam ich mir auch vor wie die Behinderten unten (wohne über 2 Wohngruppen), die abgeholt und hier wieder abgesetzt werden, mehr Leben haben sie nicht. Kommt jedenfalls so rüber, wobei die noch arbeiten im Gegensatz zu mir...

      Ein paar Bekannten ausm Internet und so, die ich selten seh, hab ich es auch gesagt, allerdings kam da kein großes Gespräch drüber zu Stande und insgesamt ist es in diesem Fall egal. Es sind keine Freunde und Menschen, die aus meinem Leben wieder verschwinden könnten und es würde mir in dem Fall weniger ausmachen.

      Ich frag mich auch, wie man jemandem positiv vermitteln soll, was mit einem los ist.
    • Dungeonmaster schrieb:

      Happy to be schrieb:

      damals war es schon heftig zu erfahren, WIE autistisch ich an wie vielen Stellen bin
      Ich glaube nicht, dass es dafür ein Maß gibt.
      na ja, so einige "Züge" hatte ich ja vorher schon selbst endeckt, dass da aber noch viel mehr waren, vor allen in Bereichen, in denen ich zu mir dachte "normal" zu sein, das war damals schon "ein Hammer". Nur, bei genauerem Hinsehen musste ich feststellen "stimmt"- was mich erst mal ziemlich verunsicherte. Um dann aber auch festzustellen "fällt nur halt nicht auf den ersten Blick auf, wenn man nicht danach sucht."
      Und da ja die wenigsten Menchen in sozialen Interaktionen nach autistischen Mekmalen suchen.... :d
      Die Seele hat die Farbe deiner Gedanken (Marc Aurel)
    • Happy to be schrieb:

      Wen würdest du lieber kennennlernen, darüber was erfahren wollen?
      Vielen Dank für deine Antwort. Ich freue mich über den hohen Grad an Differenzierung :) .

      Ja, ich glaube, den Kernpunkt habe ich verstanden: Wenn man sich entschuldigend vorstellt, dann erreicht die Person entweder, dass Leute erst recht weiter in sie hineinbohren (mit ihr / ihm kann man es ja machen) oder aufgrund der "Ansteckungsgefahr" auf Abstand gehen.

      Die lockere Methode, dann sage ich es eher wie nebenbei, und ich werte mich nicht selbst ab, sondern sehe realistisch eigene Stärken und Schwächen.
    • sempron schrieb:

      Es heißt "extravertiert" (nicht: extrovertiert)!


      extravertiert - introvertiert


      Die lateinischen Vorsilben sind "extra" und "intro" (wobei es im Lateinschen auch "intra" gibt, aber eben gerade kein "extro"!).
      Das wusste ich nicht. Vielen Dank für den Hinweis!!!

      Laut
      korrekturen.de/kurz_erklaert/e…_oder_extravertiert.shtml
      wird "extrOvertiert" statt "extrAvertiert" sogar vom Duden empfohlen. 8o 8o
      Warum empfiehlt der Duden eine Schreibweise, die eigentlich "falsch" ist? :m(:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • Eine kleine Ergänzung:

      "Extravertiert" und "Extrovertiert" stehen beide im Duden.

      Vermutlich ist also die Verwendung beider Wörter korrekt.
      Allerdings ist "Extravertiert" gewissermaßen originaler.
      Das ist vielleicht wie bei der eingedeutschten Schreibweise griechischer Begriffe.

      Klugscheißer-Modus aus.
    • Ich nehme an, weil der Duden vor manchen Massenphänomenen inzwischen kapituliert.
      Immerhin (aber das ist ja das Absurde) empfiehlt er beim Substantiv noch immer "Extraversion".

      Selbst das grammatikalisch falsche "gewunken" hat es ja in den Duden geschafft! Das, obwohl "winken" ein schwaches Verb ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von sempron ()

    • Ich sage es niemanden. Es wissen 4 Leute mehr nicht, und die eine glaubt mir das nicht. :m(: Denn bei ihr lasse ich nicht alles zu denn wir sind zwar Freunde aber irgendwie versuche ich nicht alles zu zu lassen -und somit habe ich nichts. Die anderen beiden merken es ab und zu, denn bei denen kann ich sein wie ich bin. Da hat sich der Umgang positiv verändert! :d Das macht es für mich entspannter da ich mir keine Ausreden einfallen lassen muss warum manches nicht geht, oder warum gerade heute der falsche Tag ist. Auch wird nicht alles persönlich genommen wenn ich mal wieder sauer bin und dann die Person verbal angreife (ohne es unbedingt so zu meinen) :nerved:
      Aber ich würde es nie anderne Menschen erzählen. Ich denke die sind einfach nur überfordert und haben irgendwelche Filme im Kopf :thumbdown: Ich finde das schwierig, denn ASS ist denke ich wie jede andere Behinderung auch, man landet in einer Schublade und die ist dann erst mal zu. Egal ob die Person einen kennt oder nicht, man rutscht erstmal in eine Schublade. Auch Kompetenzen werden dann nicht mehr so gesehen oder man muss diese Person plötzlich immer wieder neu überzeugen. Von daher behalte ich es lieber für mich. Ich bin dann gerne etwas seltsam und unnahbar als in einer Schublade festzustecken. Dafür habe ich nicht mein Leben lang versucht zu trainieren mich anzupassen um dann in einer Schublade zu landen. :evil: Ich bin nicht normal und wenn meine Maske fällt dann ist es für jeden schwierig. Aber die Gesellschaft ist immer noch nicht bereit dazu und somit lasse ich es bleiben. Komisch okay aber kein Schubladenmensch!
    • Puk schrieb:

      Sempron du bist mein Guru Rechtschreibung und Grammatik!
      Ich wusste nicht mal, dass es eine Alternative zu "gewunken" gibt.
      Aber die richtige Schreibweise von extravertiert werde ich so schnell nicht vergessen. :)
      Danke. :)

      Aber aufpassen, ich schreibe noch nach der obsoleten, aber im privaten Rahmen weiterhin zulässigen, alten Rechtschreibung. ;)


      winken - winkte - gewinkt
      vgl.
      blinken - blinkte - geblinkt

      demgegenüber (starkes Verb):
      sinken - sank - gesunken
      stinken - stank - gestunken