Umgang mit Stärken und Schwächen

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    • Umgang mit Stärken und Schwächen

      Hallo,

      ich würde gerne einmal erfahren, wie ihr mit den euch bekannten Stärken und Schwächen umgeht.
      Beides sind ja recht unterschiedliche Bereiche, die auch unterschiedlichen Umgang erfordern.

      Mir ist bewusst, dass ich einige Stärken habe. Dinge, die ich schon immer besser konnte als andere. Viele dieser "potentiale" liegen allerdings brach.
      Mir ist außerdem bewusst, dass ich viele Schwächen habe. Dinge die einfach nicht funktionieren, die ich nicht erkenne oder merke. Viele dieser Schwächen hindern mich an extrem vielen Dingen, teilweise auch daran, meine Stärken auszuleben.

      Das ist nun etwas pauschal gehalten. Etwas konkreter vielleicht:
      Ich kann sehr gut mit Zahlen umgehen, sowohl Mathematischer Natur, als auch physikalisch oder programmiertechnisch. Ich programmiere sehr gerne und bin auch Webprogrammierer. Besonders gut kann ich für ganz spezielle Probleme eine ganz spezielle Lösung finden. Wenn irgend etwas nicht funktioniert, kann ich stunden damit verbringen, den Fehler zu suchen. Und ich finde ihn auch und kann ihn korrigieren.

      Andererseits fällt mir jeder Umgang mit anderen Menschen extrem schwer. Telefonieren ist eine Qual, und das obwohl ich seit 12 Jahren jeden Tag mehrmals auf der Arbeit telefoniere. Es fällt mir auch schwer, wenn ich aus einem Prozess heraus gerissen werde. Leider passiert dies permanent jeden Tag, da wir immer spontan sein müssen. Aufträge kommen plötzlich, und müssen bis morgen fertig werden, ein Kunde hat ein Problem usw. Ich erkenne auch viele meiner Fehler nicht, so schleichen sich oft Flüchtigkeitsfehler ein, oder ich mache Fehler im Design. Die Arbeit ist am Ende nicht so sorgfälltig, wie sie mir erscheint. Besonders meinem Chef fällt dies immer auf. Auch habe ich viele Konflikte mit meinem Chef, da dieser mehr Sorgfallt und spontanität erwartet. Außerdem erwartet er mehr Einsatz und Leistung. Doch momentan überfordert mich diese Situation schon, obwohl ich seit 12 Jahren nur 20 Stunden pro Woche arbeite. Ich habe zwar gute Stärken, aber ich kann sie nicht immer mobilisieren, aufrecht erhalten, und die Schwächen überlagern die Stärken in solchen Situationen. Ich will dann nur noch so schnell wie möglich nachhause und mich zurück ziehen.

      Dies ist nun nur ein Beispiel der Arbeit. Es durchzieht allerdings viele Bereiche meines Lebens. Ich habe durchaus einige Stärken, die mir auch bewusst sind. Aber die Schwächen verhindern es, dass ich sie wirklich nutzen kann.

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      Die Frage:
      Mir geht es garnicht darum, meine Schwächen los zu werden. Ich kämpfe schon mein Lebenlang dagegen an, und werde dies wohl den rest meines Lebens tun und damit Probleme haben. Mir geht es eher darum, wie man damit umgehen kann. Also keine Tipps, wie man die Schwächen los wird, sondern wie man diese akzeptiert, und trotzdem im Arbeits- und Privatleben voran kommen kann. Denn anscheinend kann ich meine Stärken nur unter ganz bestimmten Bedingungen, Situationen und Vorraussetzungen wirklich ausleben. Doch diese sind unmöglich zu schaffen oder zu verlangen.
    • Ein etwas anderes Beispiel, das mich mindestens genau so ärgert:

      Ich liebe AStronomie und Physik. Ich wollte schon als Kind immer AStrophysiker werden und bin auch in der nähe einer Sternwarte aufgewachsen. Es war für mich immer klar, etwas mit den Sternen später zu machen. Und tatsächlich hatte ich in der Schule auch immer Bestnoten in Mathe und Physik. Trotzdem habe ich das Gymnasium abgebrochen und bin zur Realschule gewechselt. Ich habe bis in die Mitte meiner 20er immer wieder versucht, das Abitur nachzuholen. Und trotz sehr guter Noten habe ich es immer wieder abgebrochen. Dabei hat mich nie der Lernstoff überfordert, es war einfach die Schulsituation ansich, die mich überfordert hat.
      Ich hatte mich also mitte meiner 20er dann damit abgefunden, dass ich es nicht Schaffe, mein Abitur zu machen und zu studieren, und mich deshalb mit Webprogrammierer zufrieden gegeben.

      Dies ist eben ein wunderbares Beispiel. Ich habe eindeutige Stärken, das haben auch die Lehrer erkannt und wollten mich umbedingt fördern. Aber mich hat die Situation immer überfordert und irgendwann habe ich mich komplett zurück gezogen und dicht gemacht. Als Kind/jugendlicher konnte ich dies auch nicht erklären oder beschreiben, dies fällt mir nun leichter.

      Ich werde diese Schwierigkeiten aber nicht los werden, und ehrlich gesagt sehe ich auch nicht, wie ich studieren könnte damit. Auch dort wäre ich Hoffnungslos überfordert. Und trotzdem habe ich so eine Leidenschaft und Talent für Physik, Astronomie und Mathematik, die nun völlig ungenutzt ist.

      Ich Frage mich deshalb, ob ich irgendwas tun kann, um die Schwächen zu akzeptieren (nicht zu ignorieren oder sie "bearbeiten" zu wollen) und meine Stärken trozt dieser Schwächen nutzen zu können. Ich frage mich auch, ob es vielleicht schon zu spät ist, und schon vor 20 Jahren eine Weiche gestellt hätte werden sollen.
    • Dennis82HH schrieb:

      Ich Frage mich deshalb, ob ich irgendwas tun kann, um die Schwächen zu akzeptieren (nicht zu ignorieren oder sie "bearbeiten" zu wollen) und meine Stärken trozt dieser Schwächen nutzen zu können. Ich frage mich auch, ob es vielleicht schon zu spät ist, und schon vor 20 Jahren eine Weiche gestellt hätte werden sollen.
      Ich denke akzeptieren ist wichtig denn es macht keinen Sinn den Rest seines Lebens praktisch gegen sich selbst anzuarbeiten. Dann wird man krank, viele Asppies sind ja auch körperlich krank, sie somatisieren ihre Schwierigkeiten, oder sie sind psychisch nicht gesund, haben Depressionen und andere Probleme.

      Es ist als Mensch immer grundlegend wichtig sich selbst so zu akzeptieren wie man ist. Das ist jedenfalls meine Lebenseinstellung. Manchmal ärgert es mich auch dass ich Dinge nicht kann die für andere Menschen normal sind.
      Letzten Endes ist es aber so dass jeder Mensch bzw. jedes Lebewesen, seine eigenen Probleme hat, und selbst die, bei denen wir vielleicht denken, alles würde super funktionieren, die haben oft Schwierigkeiten, die wir nicht sehen können.

      Das spielt aber eigentlich auch keine Rolle, denn es macht nicht wirklich Sinn sich mit anderen zu vergleichen.

      Zu spät wofür? Das ist eine viel zu pauschale Aussage finde ich, erstmal ist es, solange man lebt, nie zu spät seine Möglichkeiten zu nutzen, sonst könnte man sich ja auch gleich umbringen.
      Du willst doch wohl nicht den Rest Deines Lebens rumsitzen und rumjammern dass es zu spät ist, oder? Das wäre dumm finde ich.

      Dennis82HH schrieb:

      und ehrlich gesagt sehe ich auch nicht, wie ich studieren könnte damit. Auch dort wäre ich Hoffnungslos überfordert. Und trotzdem habe ich so eine Leidenschaft und Talent für Physik, Astronomie und Mathematik, die nun völlig ungenutzt ist.
      Kannst Du diese Dinge irgendwie anders nutzen, ohne Studium, oder möglicherweise durch eine individuelle Beratung herausfinden wie Du ein Studium bewältigen könntest? Gerade in den von Dir beschriebenen Fachbereichen haben Aspies erfolgreich studiert.
    • Dennis82HH schrieb:

      Denn anscheinend kann ich meine Stärken nur unter ganz bestimmten Bedingungen, Situationen und Vorraussetzungen wirklich ausleben. Doch diese sind unmöglich zu schaffen oder zu verlangen.
      Das ist ein ganz aspietypisches Problem, habe ich auch. Es ist schwer dafür eine Lösung zu finden.
      Was die Arbeitswelt betrifft geht es für mich persönlich nur, indem ich mein eigenes Arbeitsumfeld schaffe, das ist mein Ziel.

      Meine Strategie ist, mich auf meine Fähigkeiten und Stärken zu konzentrieren und damit mehr zu beschäftigen, und möglichst störende Faktoren zu minimieren.

      Und es ist mir auch wichtig immer wieder zu sehen und mir bewusst zu machen dass mein Leben zwar dadurch dass ich bestimmte Einschränkungen habe etwas kompliziert ist, es hat aber auch eine besondere Qualität, die andere Menschen so nicht unbedingt erfahren können. Ich nehme Dinge wahr an denen viele andere achtlos vorübergehen, und meine Art und Weise die Welt zu sehen hat eine besondere Intensität.

      Trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten würde ich nicht tauschen wollen mit jemandem der "normal" ist.
    • Dennis82HH schrieb:

      Und tatsächlich hatte ich in der Schule auch immer Bestnoten in Mathe und Physik. Trotzdem habe ich das Gymnasium abgebrochen und bin zur Realschule gewechselt.
      Vielleicht ist das auch ein Weg für dich: Ich habe zum Beispiel wegen zu schlechter Noten in den sprachlichen Fächern (Deu,Fra,Eng) mein Abitur abgebrochen. Im Anschluss habe ich eine Ausbildung im IT-Bereich absolviert und konnte dank der Ausbildung und einer Zulassungsprüfung Informatik an einer FH studieren.
    • rentier schrieb:



      Vielleicht ist das auch ein Weg für dich: Ich habe zum Beispiel wegen zu schlechter Noten in den sprachlichen Fächern (Deu,Fra,Eng) mein Abitur abgebrochen. Im Anschluss habe ich eine Ausbildung im IT-Bereich absolviert und konnte dank der Ausbildung und einer Zulassungsprüfung Informatik an einer FH studieren.
      Ich habe tatsächlich auch eine Ausbildung im IT-Bereich gemacht, vor 15 Jahren. Allerdings ist es in Hamburg leider nicht möglich, damit Informatik zu studieren. In anderen Bundesländern soll es aber möglich sein. In Hamburg braucht man leider immer Abitur für das Studium. Allerdings kann man auch einen Test machen, mit dem man ohne Abitur studieren darf. Die ganze Vorbereitung usw. dauert aber glaube ich 0,5-1 jahr. Der Test selber ist auch ein allgemeiner Test, also nicht Fachbezogen. Aufsätze schreiben usw. Das ist leider garnicht meine Stärke, mir wäre da ein Fachbezogener Test lieber. Man erhält dann eine Bescheinigung, und darf mit dieser aber auch nur diesen einen Studiengang studieren, und auch nur in Hamburg.

      Das alles hat mich doch etwas mehr abgeschreckt. Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass beim Studium ohnehin viele meiner Schwächen mich bremsen würden. Denn es gehört ja auch viel bürokratisches und soziales dazu. Ich fühle mich sehr schnell von solchen Dingen völlig überfordert, vergesse Dinge und Termine usw.
    • Hallöchen, schon wieder am ausgraben hier :oops:

      Dennis82HH schrieb:

      Allerdings ist es in Hamburg leider nicht möglich, damit Informatik zu studieren. In anderen Bundesländern soll es aber möglich sein.


      In Hamburg braucht man leider immer Abitur für das Studium. Allerdings kann man auch einen Test machen, mit dem man ohne Abitur studieren darf. Die ganze Vorbereitung usw. dauert aber glaube ich 0,5-1 jahr. Der Test selber ist auch ein allgemeiner Test, also nicht Fachbezogen. Aufsätze schreiben usw. Das ist leider garnicht meine Stärke, mir wäre da ein Fachbezogener Test lieber.
      Und wenn du in dich mal in Bremen, SH oder Nds über die Bedingungen informierst?

      Diese Geeignetheitsprüfung in HH ist machbar und auch durchaus fachbezogen.

      Auch beschreibst du in dieser Art:

      Dennis82HH schrieb:

      Ich kann sehr gut mit Zahlen umgehen, sowohl Mathematischer Natur, als auch physikalisch oder programmiertechnisch. Ich programmiere sehr gerne und bin auch Webprogrammierer. Besonders gut kann ich für ganz spezielle Probleme eine ganz spezielle Lösung finden. Wenn irgend etwas nicht funktioniert, kann ich stunden damit verbringen, den Fehler zu suchen. Und ich finde ihn auch und kann ihn korrigieren.
      deine Gründe für die Studienbewerbung in dein Motivationsschreiben.

      Ich denke, bevor man ewig beruflich unglücklich ist, lohnt es sich, das zu probieren. :nod:
      Wenn du mehr über diesen Weg in HH erfahren möchtest, kannst du mich auch gerne persönlich anschreiben.

      Viele Grüße Miiep
      (Klammerfreak) :d