Ergotherapie für erwachsene Autisten...?!

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    • Ergotherapie für erwachsene Autisten...?!

      Hallo !

      Hat jemand von euch Erfahrungen mit ambulanter Ergotherapie machen dürfen/können ? Mögt ihr mir mal davon erzählen ?

      Ich hätte theoretisch die Möglichkeit, aber ich scheitere in der Praxis.....und wollte nun mal hören, ob ihr das ausprobiert habt ?
      Ob ihr profitieren konntet ? Oder nicht ? Warum nicht ?

      Danke und Grüsse
      Alys
    • Hallo,
      dafür interessiere ich mich auch sehr und wäre dankbar wenn jemand berichten könnte.
      Ich habe bisher nur schlechte, stationäre Erfahrungen gemacht.
      Bin aber bereit neue, positive Erfahrungen zu sammeln.
      LG Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)


      "Was ist falsch an sonderbar?"
    • Ich könnte da evtl. durchaus helfen. Ergotherapie ganz allgemein heißt ja sinngemäß "Hilfe besseren, barrierefreieren Teilnahme an der Gesellschaft". Das könnte bei nem Schlagfallpatienten Übungen zur Mobiltätssteigerung im Bereich der Hände oder Beine sein.
      Soll heißen, dass man wissen müsste um welche Therapieform es da im Einzelfall gehen soll für die Therapie von autistischen Störungen.
      Im Bereich Asperger-Autismus (Erwachsene) sind mir einmal Neurofeedback/Biofeedback und Gespräche, die evtl. mit Psychotherapie /Verhaltenstherapie vergleichbar sind, bekannt.
    • Mich interessiert das Thema auch. Gibt es noch weitere Erfahrungsbericht bzw. was man in der Ergotherapie alles machen kann?

      Die rein handwerklichen Tätigkeiten wären mir zu wenig oder gibt es dann auch Gespräche dazu? Ansonsten ist das ja nichts anderes als ein VHS-Kur im Schnitzen bzw. Zeichnen.
    • Ich hatte mich auch einmal bezüglich Ergotherapie informiert und hatte einen Termin bei einer selbständigen Ergotherapeutin.

      Was da aber konkret angeboten wurde, sagte mir nicht zu, nämlich kreative Arbeiten mit Holz, mit Buchseitenfaltung, Zeichnen usw. Das alles liegt mir nicht und interessiert mich auch nicht.

      Geht es bei Ergotherapie immer um solche kreativen oder handwerklichen Tätigkeiten? Korbflechten kenne ich noch von einem stationären Aufenthalt, aber auch das muß ich mir nicht antun.
    • Ich hatte mal Ergotherapie bei einem Therapeuten, der sich auf ADHS spezialisiert hatte. Ich hätte auch mit ihm basteln können, wenn ich gewollt hätte, aber ich wollte lieber konkrete Hilfestellung, wie ich meinen Haushalt organisieren kann und eine objektive Meinung, wie es beruflich mit mir weitergehen könnte. Wir haben also eigentlich nur geredet und Pläne gemacht und sowas alles. Hat mir jedenfalls sehr geholfen, auch wenn ich irgendwann gemerkt habe, dass wir an eine Grenze stoßen, an der es nicht weiter ging. Die Asperger-Diagnose kam dann erst später.
    • Windtänzerin schrieb:

      Malen, basteln und Co. hört sich ja nicht schlecht an, aber wozu soll das gut sein? Ich versteh den Sinn dahinter nicht. Ich bastel und male doch zuhause auch. Wo ist da denn der Unterschied?
      Dann brauchst Du das nicht. Es gibt keinen Unterschied.

      Das ist für Leute geeignet die das sonst nicht machen, die dann durch diese Tätigkeit in der Ergotherapie feststellen können dass diese Tätigkeiten ihnen angenehm sind, weil sie vielleicht sonst keine manuellen Tätigkeiten in dieser Form durchführen, und das Basteln etc. kann die Kreativität fördern, es kann gut für die Feinmotorik sein, es kann dazu führen dass der Klient einfach mal etwas Praktisches macht, etwas herstellt wo er dann ein Ergebnis sieht, was ja auch zu einem Erfolsgerlebnis führt, und auch andere Sinne anregt als eine rein intelletuelle Tätigkeit.

      Du betätigst Dich praktisch, Du gärtnerst ja auch, das hattest Du jedenfalls mal geschrieben (auch das kann in der Ergotherapie gemacht werden), andere Menschen tun das nicht unbedingt, für diese kann das hilfreich sein.

      Ich habe mir kurz nach der Diagnose mal ein Rezept für Ergotherapie geben lassen und dann einen Termin gemacht, weil ich wissen wollte was da so gemacht wird, und ob das gut für mich ist, die hatten dort einen Garten mit einem Barfusspfad wo man dann über Steine läuft und Gras und verschiedene Oberflächen, dafür brauche ich aber keinen Therapeuten, ich kann auch im Wald barfuss laufen.

      Das ist dann eher etwas für Stadtmenschen denke ich. Ich bin sowieso viel draussen unterwegs.

      Woodchuck schrieb:

      Ich hätte auch mit ihm basteln können, wenn ich gewollt hätte, aber ich wollte lieber konkrete Hilfestellung, wie ich meinen Haushalt organisieren kann und eine objektive Meinung, wie es beruflich mit mir weitergehen könnte. Wir haben also eigentlich nur geredet und Pläne gemacht und sowas alles.
      Ja, so etwas hat man mir auch angeboten aber das brauchte ich nicht.

      Ergotherapie kann wohl viele verschiedene Dinge beinhalten. Es kommt darauf an was der jeweilige Therapeut für Zusatzausbildungen und Schwerpunkte hat.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kraehe ()

    • Mir wurde mal angeraten Ergotherapie zu machen, fand hier in der Umgebung aber keinen Ergotherapeuten der mit mir arbeiten wollte mit der Erklärung, sie hätten keine Erfahrung mit AS und hätte davon abgesehen, auch einen nicht unwesentlichen Selbstbehalt gehabt (was sich vmtl zu Deutschland unterscheidet).
    • Ich habe Ergotherapie ausprobiert. Im Repertoire waren da hauptsächlich sportliche Aktivitäten (also Trampolin und Gleichgewichtsdinger und so) und bei Bedarf auch so Entspannungsgeschichten (glaube es war Muskelentspannung), die aber wegen zu lauter Umgebung für mich nicht funktioniert haben.

      Habe allerdings rausgefunden, dass sie auch so Computerprogramme haben, mit denen man verschiedene Fähigkeiten trainieren kann. Leider waren die Tasten falsch beschriftet. Wenn es da in den Anweisungen hieß man solle die rote Taste drücken, musste man in Wahrheit ne grüne drücken, da das Aufkleberset ne andere Farbe hatte als in den Programmen selber. Das war ein unbeabsichtigter Fehler, der mich schon gestört hat.

      Habe die Programme dann auch eher als mäßig hilfreich wahrgenommen. Hatte mich besonders auf ein Programm konzentriert, mit dem man offenbar Gesichter unterscheiden lernen sollte. Aber leider waren die Gesichter und vor allem auch Frisuren nicht unterschiedlich genug und was das betrifft wurde der Schwierigkeitsgrad auch nicht gesteigert sondern man sollte sich nur immer mehr persönliche Daten der Person merken (also nicht nur den Namen). Irritierend war auch, dass man angeben sollte, welche Gesichter einem bekannt sind, aber bei jeder neuen Spielrunde es unterschiedlich war, welche Gesichter als bekannt gelten, so dass ich Gesichter, die ich noch Minuten zuvor als bekannt einstufen sollte, jetzt nicht mehr als bekannt einstufen durfte. Und nach ner Weile kennt man sowieso alle der doch relativ wenigen im Programm enthaltenen Gesichter.

      Das schönste an der Ergotherapie fand ich die nette Ergotherapeutin, mit der ich jedes Mal schöne Gespräche hatte und die sehr offen dafür war mehr über Autismus allgemein und auch speziell über meine Wahrnehmung und "Symptome", Fähigkeiten usw. zu hören und zu erfahren. Hatte dennoch das Gefühl, dass mich das therapeutisch nicht sonderlich weiterbringt, dieses "Plauderstündchen".

      Habe aus Zeitgründen erstmal nur ein Rezept gemacht, also 10 Mal, und musste dafür schon gründlich zuzahlen und hatte doch das Gefühl, dass diese 10 Mal so schnell um waren als hätte man sich gerade erst warm gemacht und hatte kaum die Chance groß was zu erreichen. Da ich jedoch Zweifel habe was die Effektivität der Methoden betrifft, würde ich beim nächsten Mal eher mich speziell für das in der Praxis angebotene Neurofeedback anmelden, um das auszuprobieren, das wäre allerdings nicht bei der selben Therapeutin.

      Das erste Mal probiert habe ich Ergotherapie vor einigen Jahren in einer anderen Praxis, das hat mir aber überhaupt nichts gebracht. In der Praxis wurde ich wie ein Kind behandelt, obwohl ich eindeutig im Erwachsenenalter war. Es ging da schwerpunktmäßig um Konzentrationssteigerung aber die Methoden waren auf Kinder zugeschnitten und das war sinnlos für mich. Die Übungen auf Papier waren viel zu einfach für mich (habe die gleichen Übungen ein paar Jahre später mit Kindern gemacht, die ADHS haben und die ich unterrichtet habe) und die dreidimensionalen Sachen waren nur frustrierend und nervig, da ich manches davon nicht gut hinbekam aber es zugleich als Zeitverschwendung empfand und es echt ätzend fand ne Aufgabe gestellt zu bekommen, die ich so schwerlich gelöst bekomme. Das hatte für mich auch eher nichts mit einem Konzentrationsproblem zu tun sondern eher grundsätzlich. Also es war ne Art Überforderung bei etwas, von dem mir unklar war, wieso ich mich damit quälen soll. Ich denke der Grund für die Überforderung war wohlmöglich meine Schwierigkeiten mit visuellem Vorstellungsvermögen, welches sich jedoch nicht durch Training verbessern lässt.

      Zudem weigerte sich die Krankenkasse damals, die Kosten zu übernehmen, weil ich damals außer der Dyskalkuliediagnose nichts vorzuweisen hatte. Daher musste ich die Therapie schnell abbrechen.

      Vor dem Abbruch hatte ich bereits verschiedene Therapeuten der Klinik durchprobiert aber der Wechsel hat nichts gebracht. Ich erklärte auch, dass das Konzentrationsproblem vor allem bei Ablenkung auftritt. Daher hat der Therapeut bzw. die Therapeutin versucht mich abzulenken, allerdings geschah das auf recht alberne Art, eher wie eine Art Clownerie, wieder wie für Kinder halt. Da empfand ich das gelegentliche Magenknurren des Therapeuten fast schon als die größere Ablenkung, obwohl das wohl ungeplant war.

      Eigentlich war ich in der Tat in die Praxis gekommen in der Hoffnung, sie würden mir ein auf meine leider erst im Erwachsenenalter diagnostizierte Dyskalkulie zugeschnittenes Training für meine Matheschwierigkeiten zusammenbasteln, da dort auch Mathelernförderung angeboten wurde.

      Aber leider war das völlig getrennt. Das Matheding war von nem Mathelehrer und war ganz normaler Nachhilfeunterricht und die Ergotherapie hat nicht wirklich Dinge beinhaltet, die sich zur Kompensation dyskalkulietypischer Probleme geeignet hätten, obwohl das ja eigentlich das Anliegen war.

      Theoretisch hätte ich auch ne spezielle Förderung erhalten können in dem Institut, wo die Dyskalkuliediagnose gestellt wurde, aber das wäre zu teuer gewesen, da war selbst die Diagnostik schon sehr teuer. Ich wünschte das alles wäre schon gelaufen, als ich noch Kind war, dann hätte es mehr Kostenübernahmemöglichkeiten gegeben!
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Lex ()

    • Wenn wirklich so Sachen wie Bioenergetik angeboten würden, könnte ich mir Ergotherapie als interessant für mich vorstellen. Wobei die Frage bleibt, ob es dann auch mehr bringen würde, als nur eine "nette Spielerei" zu sein.

      Bei der von mir erwähnten Ergotherapeutin störte mich aber neben den praktisch ausschließlich angebotenen kreativen und handwerklichen Tätigkeiten auch die Tatsache, daß sie einen großen Hund hatte, der dann jedes Mal hätte extra in ein anderes Zimmer geführt werden müssen. Zudem wirkten die Räumlichkeiten auf mich nicht einladend: zu trüb, zu düster, zu kalt (es war damals Winter), zu laut (an einer stark befahrenen Straße gelegen). Und aufgrund der nicht gegebenen Parkmöglichkeiten hätte ich mit dem Bus statt mit dem Auto fahren müssen, was mich jedes Mal ziemlich streßt.
    • War das denn ein unerzogener, bedrohlicher Hund oder ein guterzogener? Manche Ergotherapeuten haben Hunde als tiergestütztes Element ihrer Therapie. Nur wenn der Patient Angst vor Hunden hat, wird darauf natürlich Rücksicht genommen.
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    • Woodchuck schrieb:

      Ich hatte mal Ergotherapie bei einem Therapeuten, der sich auf ADHS spezialisiert hatte. Ich hätte auch mit ihm basteln können, wenn ich gewollt hätte, aber ich wollte lieber konkrete Hilfestellung, wie ich meinen Haushalt organisieren kann und eine objektive Meinung, wie es beruflich mit mir weitergehen könnte. Wir haben also eigentlich nur geredet und Pläne gemacht und sowas alles. Hat mir jedenfalls sehr geholfen, auch wenn ich irgendwann gemerkt habe, dass wir an eine Grenze stoßen, an der es nicht weiter ging.
      Genau diese Dinge mache ich mit meiner Betreuerin für ABW zur Zeit. Wir waren auch schon zusammen bei der Arge und danach einkaufen. Nächste Woche wollen wir Eis essen, bevor wir in der Küche weitermachen.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Lex schrieb:

      War das denn ein unerzogener, bedrohlicher Hund oder ein guterzogener? Manche Ergotherapeuten haben Hunde als tiergestütztes Element ihrer Therapie. Nur wenn der Patient Angst vor Hunden hat, wird darauf natürlich Rücksicht genommen.
      Richtig zu sehen bekam ich den Hund gar nicht, da die Ergotherapeutin ihn sogleich in einen anderen Raum brachte. Bei mir geht es einerseits um Angst vor Hunden (betrifft aber nur manche Hunde), zum anderen um eine Abneigung dagegen, angesprungen, abgeleckt zu werden und derartiges.

      Die Frau hatte natürlich mir erklärt, sie werde bei einem Termin mit ihr stets den Hund vor mir verbergen. Aber ich dachte daran, daß es ja mal vergessen werden könnte.

      Aber der Hund war ja auch nicht der einzige, nicht einmal der wichtigste Grund dafür, daß ich keinen zweiten Termin wahrnahm; es ging um die angebotenen kreativen Tätigkeiten und um die mir nicht zusagenden Räumlichkeiten und den Straßenlärm.
    • Ich denke es braucht manchmal auch mehrere Anläufe um für sich die richtige Praxis zu finden. Ich war zum Beispiel auch in einer Praxis vorstellig wo der Therapeut so mega ADHS-mäßig drauf war, dass es mir einfach zu stressig gewesen wäre.
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    • Lex schrieb:

      wo der Therapeut so mega ADHS-mäßig drauf war,
      :d kenne ich auch. Das hat mich damals ziemlich verstrubbelt.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater