Warum ist die Autismus Diagnostik so ein Drama?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • FruchtigBunt wrote:

      Wenn die Diagnostikerin diese Aussagen als Beweis dafür hernehmen wollte, dass sie sich mit Menschen auskennt, dann finde ich das auch absurd.
      Richtig.

      Leseratte wrote:

      Jenna wrote:

      @Cloudactive
      Aber wenn "Autismus-Spektrum-Störung" als Diagnose drin steht, wo ist dann das Problem. Was hätte denn drin stehen sollen? :question:
      Ich glaube, sie hätte gern eine Erklärung gehabt, WARUM der Diagnostiker dieser Meinung ist.
      Da hatte ich mehr Glück. Ich war mir ja lange selbst nicht sicher, ob eine SPS oder AS vorliegt. Wie gesagt, die sind sich sehr ähnlich - das wichtigste Kriterium ist, wann die Störungen auftraten. Sind sie immer schon dagewesen, ist AS sehr viel wahrscheinlicher - wenn es erst im Laufe des Lebens auftritt, ist eine SPS wahrscheinlicher. Die Diagnostikerin hat mir das sehr genau auseinander gedröselt und erklärt, was ihrer Meinung nach bei mir für AS spricht. Das konnte ich nachvollziehen und genau das brauchte ich auch.
      Praktisch: Es hätte AS stehen sollen, weil das eine richtige Diagnose nach ICD-10 ist.
      Das theoretische Problem ist, wie Leseratte gut erfasste: die Unklarheit und die fehlende Aufklärung.
      Mag ja sein, dass manche sich mit einem Ja oder Nein, bzw. bei mir nicht mal eindeutig eins von beiden (… :shake: ), abfinden, ich kann es nicht und auch nicht nachvollziehen xD.
      Ich brauchte schon immer extra Erklärungen, sonst blieb ich beim Thema hängen, bis es mir jemand erklärte.

      Display Spoiler


      FruchtigBunt wrote:

      @Cloudactive

      Bei welcher Diagnosestelle ist das alles passiert? War es in Köln?
      Nein, das war an einer sehr neuen Stelle seit Ende 2016 in Berlin.
      Aber alle anderen Stellen waren entweder privat, die Wartelisten waren geschlossen oder sie wären zu weit weg und damit mit für mich untragbaren Kosten verbunden gewesen.
      Was sich bis heute auch nicht geändert hat.

      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Satureja Antares wrote:

      wie ja die meisten von uns leidvoll erfahren (mussten), ist die Autismus Diagnostik eine mehrere Stunden andauernde "Zeremonie", den monatelange Wartezeiten auf einen Termin und die schriftliche Stellungnahme vorangehen und folgen.

      Ich frage mich nur, warum das so ist?
      Also ich weiss schon, dass die Diagnose stellen überlastet sind, aber warum dauert die eigentliche Diagnostik so lange, wenn Es bei (glaube ich) allen \vielen\den meisten (?) Psychischen Störungen schneller geht.

      Wie ist das bei anderen psychischen Störungen, Krankheiten usw?

      Vor meiner Autismus Diagnose habe ich mehrere Diagnosen verschiedenster Störungen schriftlich bekommen nach einem kurzen Erstgespräch. Depression, anpassungsstörung, Zwangs Störung (nur weil ich im Arztbrief des medizinischen Dienstes offensichtliche Fehler korrigiert habe) usw. Und niemand hat sich daran gestört, weder Renten Kasse noch bei der Beantragung eines behinderten Ausweises.

      vielen hier ging das ja ähnlich.
      habt ihr zb bei schizoiden Störungen, Psychosen, bipolaren Störungen, Borderline usw auch ein Procedere durchlaufen müssen oder die Diagnose "einfach so" erhalten, ohne Fragebögen und Gespräche.
      Ich möchte die Ausgangsfragestellung mal wieder in den Vordergrund stellen. Ich frage mich auch, wie es kommt, dass andere, zum Teil extrem stigmatisierende Diagnosen, sehr schnell gestellt werden und quasi auch von jedem Psychiater - aber viele Psychiater davor zurückschrecken, eine ASS Diagnose zu stellen. Warum ist das so?

      Manchmal habe ich das Gefühl als würden/könnten nur Psychiater mit einer Art imaginären Zusatzqualifikation eine ASS Diagnose stellen.

      Und dann glaube ich hier immer wieder rauslesen zu können, dass es eine Art "höher- bzw. minderwertige" Diagnose gibt je nachdem wo sie gestellt wurde. - Also ist das echt so, dass ein Amt etwas, z.B. einen Schwerbehindertenausweis, ablehnt, weil die Diagnose vom Psychiater um die Ecke gestellt wurde und nicht von der Autismusambulanz in Köln o.ä.?
      Surprised by the joy of life.
    • Surprised wrote:

      Also ist das echt so, dass ein Amt etwas, z.B. einen Schwerbehindertenausweis, ablehnt, weil die Diagnose vom Psychiater um die Ecke gestellt wurde und nicht von der Autismusambulanz in Köln o.ä.?
      Zum Teil ja, einfach weil da viel gemauschelt wird. Generell ist es mit Diagnosen (egal um was es geht, außer sowas wie "Bein ab") von Unikliniken einfacher einen SBA zu bekommen, einfach weil da das Versorgungsamt davon ausgehen kann dass die Wahrscheinlichkeit für eine Gefälligkeitsdiagnose geringer ist.
      Es wollen einfach unheimlich viele Menschen einen SBA, und vor allem Merkzeichen, da muss man schon massiv filtern wer auch wirklich eine Berechtigung dazu hat. Ist leider so.
      Life is now
    • Mich macht das auch sehr wütend. Ich habe mich vor einem Jahr schon um die Diagnostik (oder eben eine andere mögliche Diagnose) bemüht, dann hieß es trotz relativ eindeutiger Symptomatik ich müsse zuerst in die Tagesklinik, hatte dort einen Termin, der dann abgesagt wurde weil die Ambulanz schließen muss, entschuldigen Sie, bitte hier zwei Adressen zur weiteren Abklärung, und nun habe ich eben dort einen Termin für Mai 2020 (!!!!) bekommen. Über ein Jahr hin. Wofür die ganze Abklärung dann? Da fühlt man sich im Regen stehen gelassen.
      anyone can carry his burden,
      however hard, until nightfall.
    • Surprised wrote:

      Ich frage mich auch, wie es kommt, dass andere, zum Teil extrem stigmatisierende Diagnosen, sehr schnell gestellt werden und quasi auch von jedem Psychiater - aber viele Psychiater davor zurückschrecken, eine ASS Diagnose zu stellen. Warum ist das so?
      Vermutlich, weil der Autismus bis vor wenigen Jahren bei den normalen Psychiatern sehr selten aufgetaucht ist. Sie haben täglich mit Neurosen, Psychosen, Depressionen und Suchterkrankungen zu tun, aber nicht mit Autisten.
      Das wird jetzt erst langsam mehr, seit das Asperger-Syndrom bekannter geworden ist.

      Für Autismus gibt es ja tatsächlich spezielle Tests, die aber auch nur ein Puzzleteil in der Diagnostik sind. Das wichtigste ist der persönliche Eindruck, das Zusammensetzen aller Puzzleteile, und das kann in der Tat ein Psychiater, der überhaupt keine Erfahrung damit hat, nicht ohne Weiteres. Ich bin ziemlich sicher, dass ein Psychiater, der keine Erfahrung hat, z.B. bei mir keine Autismusdiagnose stellen könnte. Aber je mehr Leute künftig bei Psychiatern auftauchen, desto mehr Erfahrung können sie sammeln.

      Auch andere Diagnosen sollten nicht vorschnell gestellt werden. Im Optimalfall wäre es wohl so, dass ein Psychiater seine Patienten über einen längeren Zeitraum kennenlernt und im Lauf der Behandlung irgendwann die Diagnose stellt. Ich finde daher, dass es schon in Ordnung ist, wie es bei Autismus läuft, aber bei anderen Diagnosen sollte es ähnlich gründlich ablaufen, und insgesamt bräuchte es mehr Personal in allen Bereichen, damit die Ärzte genug Zeit haben und es keine Wartezeiten gibt.
      Alles wird galaktisch gut.
    • Zebra wrote:

      Generell ist es mit Diagnosen (egal um was es geht, außer sowas wie "Bein ab") von Unikliniken einfacher einen SBA zu bekommen, einfach weil da das Versorgungsamt davon ausgehen kann dass die Wahrscheinlichkeit für eine Gefälligkeitsdiagnose geringer ist.
      Umgekehrt gibt es garantiert auch viele niedergelassene Psychiater, die aufgrund von Vorurteilen (z.B. "Autisten können keinen Blickkontakt herstellen" oder "Autisten haben keine sozialen Kontakte") keine Autismus-Diagnose vergeben, obwohl tatsächlich Autismus vorliegt. Ich kann es zwar nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber ich bin mir relativ sicher, dass ich bei einem niedergelassenen Psychiater eher eine Ausschlussdiagnose erhalten hätte.
    • So ist es. Und manche Psychiater wiederum lassen sich auf Menschen, die auf As getestet und beguckt werden wollen, gar nicht erst ein.
      Sie wollen sich damit garnicht erst befassen.
      “The mind is like tofu. It tastes like whatever you marinate it in.”

      (Sylvia Boorstein)
    • Surprised wrote:

      ch möchte die Ausgangsfragestellung mal wieder in den Vordergrund stellen. Ich frage mich auch, wie es kommt, dass andere, zum Teil extrem stigmatisierende Diagnosen, sehr schnell gestellt werden und quasi auch von jedem Psychiater - aber viele Psychiater davor zurückschrecken, eine ASS Diagnose zu stellen. Warum ist das so?

      Manchmal habe ich das Gefühl als würden/könnten nur Psychiater mit einer Art imaginären Zusatzqualifikation eine ASS Diagnose stellen.

      Und dann glaube ich hier immer wieder rauslesen zu können, dass es eine Art "höher- bzw. minderwertige" Diagnose gibt je nachdem wo sie gestellt wurde. - Also ist das echt so, dass ein Amt etwas, z.B. einen Schwerbehindertenausweis, ablehnt, weil die Diagnose vom Psychiater um die Ecke gestellt wurde und nicht von der Autismusambulanz in Köln o.ä.?

      - Ältere Psychiater hatten ASS noch nicht im Studium, nicht vergessen. Es tauchte erst in den 90ern in Deutschland auf. Wenn da ein Klinik- Chefarzt ist , der ASS für neumodischen Tüddelkram hält - wird die Diagnose in seinem Haus nicht gestellt werden. Ich weiß von was ich rede.
      "Asperger ist eine unsichtbare Behinderung." "Oh, sieht man dir gar nicht an." "Ähhh....genau" :irony:
    • Grübler_1988 wrote:

      Zebra wrote:

      Generell ist es mit Diagnosen (egal um was es geht, außer sowas wie "Bein ab") von Unikliniken einfacher einen SBA zu bekommen, einfach weil da das Versorgungsamt davon ausgehen kann dass die Wahrscheinlichkeit für eine Gefälligkeitsdiagnose geringer ist.
      Umgekehrt gibt es garantiert auch viele niedergelassene Psychiater, die aufgrund von Vorurteilen (z.B. "Autisten können keinen Blickkontakt herstellen" oder "Autisten haben keine sozialen Kontakte") keine Autismus-Diagnose vergeben, obwohl tatsächlich Autismus vorliegt. Ich kann es zwar nicht mit absoluter Sicherheit sagen, aber ich bin mir relativ sicher, dass ich bei einem niedergelassenen Psychiater eher eine Ausschlussdiagnose erhalten hätte.
      Das mit den Vorurteilen deckt sich mit meiner Erfahrung und lässt mich aktuell gelegentlich mal ziemlich wütend werden. Da bekam ich die krassesten Diagnosen - und jetzt entdecke ich mich im ASS wieder (und inzwischen hat sich der "Verdacht" bei einem Arzt auch so weit erhärtet, dass es nun zur Diagnostik geht). Ich meine es sind Jahre meines Lebens, wo ich mich fragte, was eigentlich los ist. Und jetzt habe ich plötzlich das Gefühl, dass so viel erklärbar und verstehbar wird. Es passt einfach so viel zusammen.
      Surprised by the joy of life.
    • Rhianonn wrote:


      - Ältere Psychiater hatten ASS noch nicht im Studium, nicht vergessen. Es tauchte erst in den 90ern in Deutschland auf. Wenn da ein Klinik- Chefarzt ist , der ASS für neumodischen Tüddelkram hält - wird die Diagnose in seinem Haus nicht gestellt werden. Ich weiß von was ich rede.
      Machen die keine Fortbildungen???
      „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“
      (Aristoteles, griechischer Philosoph, 384 - 322 v. Chr.)
    • Okay, "krass" ist auch ein ziemlich undefiniertes Wort. Und es dürfte höchst subjektiv sein, wer was wie krass findet und wo in seinen persönlichen Top Ten von krassen Diagnosen einreiht.

      Was ich meine, ist, dass ich kürzlich mit Blick auf meinen GdB von wem gefragt wurde, wegen was ich den eigentlich habe.

      Bisher war meine Antwort entweder "weiß-ich-auch-nicht-so-genau-so-verschiedenes-eben", weil es sich eben genauso verhält und dann herrschte eher Verwunderung, dass "so-verschiedenes-eben" zu einem GdB führen kann. Also ich fühlte mich so, als säße ich da mit einem Teller Eintopf, wo von der Karotte bis zum Gulaschfleisch alles drin herumschwimmt.
      Oder ich habe eine Sache rausgepickt, die krass/schlimm genug war für den GdB und die Reaktion des Gegenübers war Verwunderung, dass ich das haben soll. Oder "Anerkennung" dafür, dass ich trotz dieser Diagnose so "fit" bin. Oder auch anderes weil eben krasse Diagnose.

      Jetzt kürzlich sagte ich einfach "ASS" und mein Gegenüber sagte: "Aha, d.h. für dich ist wichtig, dass... und du hast Probleme mit..." und ich fühlte mich verstanden. Und nicht wie im Fall A so einer Art Identitätsdiffusion ausgesetzt oder im Fall B unzutreffenden Zuschreibungen.

      ASS ist eine "schwere" Diagnose. Aber ich finde sie in so fern tragbarer für mich persönlich, als sie gewissermaßen ein "Persönlichkeitsmerkmal" ist, neurologische Vielfalt widerspiegelt, und nicht - wie andere psychiatrische Diagnosen - eine Krankheit mit einem unklaren Verlauf ist.
      Surprised by the joy of life.
    • @Surprised
      Also ASS als Persönlichkeitsmerkmal zu sehen ist aber eine ziemliche Schönfärberei...

      Habe ich kurz nach meiner Diagnostik auch versucht, aber die "Schrullen" verlieren ganz klar gegen die Defizite. Diese auch nicht beheben zu können ist bitter - eine behandelbare Erkrankung wäre mir dbzgl. lieber gewesen. Oder eine nicht vererbbare - dann müsste ich mir weniger Sorgen um meine Kinder machen...

      Zur Diagnostik: nur wenige Psychiater kennen sich wirklich gut aus - und selbst wenn sie es von sich behaupten sind sie u.U. nicht auf dem neuesten Stand. Fortbildungen gibt es natürlich. Aber deren Besuch setzt Interesse voraus - fachliches und/oder wirtschaftliches.

      Bei der Erstdiagnostik meiner Kinder (ich wollte zu einer niedergelassenen Psychiaterin, weil ich meinen Kindern die Klinikatmosphäre ersparen wollte) habe ich mich auf die Informationen im Web zu der Praxis verlassen. Und leider erst in der Diagnostik gemerkt, dass Ansichten, Diagnoseinstrumente und Fachkenntnisse nicht auf dem aktuellen Stand sind.

      Das Ergebnis war in jeglicher Hinsicht unbrauchbar.
      Da ich aber auch keine Lust auf weitere Experimente habe, kommt jetzt für mich doch nur eine Klinik mit ausgezeichnetem Ruf in Frage - und mit entsprechenden Wartezeiten...
      Es ist nicht Dein Job mich zu mögen - sondern meiner...
    • Wobei das Problem mit den unzureichenden Kenntnissen nicht auf ASS beschränkt ist - ein niedergelassener Psychiater kann sich kaum mit der ganzen Bandbreite dessen, was da bei ihm reinkommt, wirklich auskennen. Trotzdem werden dann Diagnosen gestellt - bei meiner Schwiegermutter kürzlich "bipolar". Halten wir für Unsinn, meine Frau kann sich Zeit ihres Lebens an keine regelmäßigen depressiven Phasen ihrer Mutter erinnern (die zudem mit dem Alter normalerweise gegenüber den manischen Episoden dominanter werden), aber dafür an ein Dauerhoch, was deren Meinung über sich selbst angeht. Kurz: unser Eindruck ist, dass - falls da etwas Diagnosewürdiges vorliegt - es wohl eher eine narzisstische PS ist, aber keine bipolare Störung, dafür fehlt das charakteristische Auf und Ab. Da hat der Arzt zwar erkannt, dass es ein Problem gibt, aber nicht, welches und hat sich obendrein von der theatralischen Patientin täuschen lassen (die die Diagnose NPS niemals akzeptieren würde).
    • Dass jemand in dem höheren Alter zum Psychiater geht, ist aber eh schon ungewöhnlich. Da scheint sie ja doch Leidensdruck gehabt zu haben. Jetzt wäre es natürlich sinnvoll, dass sie regelmäßig hingeht, dann kann der Psychiater sich im Lauf der Zeit auch ein besseres Bild von ihr machen, vielleicht ändert sich seine Diagnose dann noch...
      Alles wird galaktisch gut.
    • Rhianonn wrote:

      - Ältere Psychiater hatten ASS noch nicht im Studium, nicht vergessen. Es tauchte erst in den 90ern in Deutschland auf.
      Auch jetzt kommt das Thema Autismus im Psychologie Studium anscheinend kaum bis gar nicht vor. Ich habe ein paar Bekannte, die das Studium in den letzten Jahren abgeschlossen haben und alle meinten, die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wurden nur mal am Rande erwähnt. Mag sein, dass es an anderen Unis tatsächlich thematisiert wird, aber die Regel ist es leider immer noch nicht. Und wer zudem kein persönliches Interesse an Autismus hat oder im KJP Bereich arbeitet, wird sich diesbezüglich auch später kaum weiterbilden.
    • Shenya wrote:

      Dass jemand in dem höheren Alter zum Psychiater geht, ist aber eh schon ungewöhnlich. Da scheint sie ja doch Leidensdruck gehabt zu haben
      Möglicherweise war das auch die Reaktion darauf, dass wir die Möglichkeit einer NPS angedeutet haben, und das musste aus ihrer Sicht umgehend widerlegt werden. Oder wieder nur eine Methode, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken - nicht umsonst hat sie die AS-Diagnose ihrer Enkelin weitgehend ignoriert, aber exakt gleichzeitig eine ausgedehnte Diagnostik einer vermeintlichen Krebserkrankung (die sie zwischendurch schon mal als sicher feststehend deklariert hat) losgetreten. Als die endgültig ausgeschlossen war, ging es zum Psychiater. Hat bei ihr auch etwas von Hypochondrie als Mittel der Selbstinszenierung.
    • Bei theatralischem Verhalten mit Hypochondrie und Leidensdruck denke ich zunächst erstmal an die histrionische PS. Beim Narzissmus müsste sie sich ja selbst im Wert über andere erheben und sich selbst als Dreh- und Angelpunkt der Welt sehen ohne dafür wirklich Leistung erbracht zu haben. Die histrionische PS kommt der NPS sehr nahe. Beide sind exzentrisch und streben nach Aufmerksamkeit. Der Narzisst will bewundert werden und Anerkennung, während der Histrioniker jegliche Aufmerksamkeit mag. Viele Narzissten nehmen die Schädigung anderer Menschen in Kauf, um selbst bewundert zu werden. Das macht der histrioniker nicht. Er verhält sich wie ein Theaterspieler mit dem Hang zum Drama, was die Bezeichnung der PS ja auch schon aussagt.

      Es gibt übrigens auch eine unipolare manische Störung ohne vorliegende nachweisbare Depressionen im Wechsel. Aber auch hier darf der manische Zustand nicht in Verbindung mit Persönlichkeitseigenschaften auftreten, sondern tritt „überraschend“ auf und kann das Verhalten im Schub sogar ins Gegenteil des üblichen Verhaltens verkehren.
      "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein."
      - Albert Einstein -
    • Rhianonn wrote:

      Ältere Psychiater hatten ASS noch nicht im Studium

      nichtgeschwindigkeit wrote:

      Auch jetzt kommt das Thema Autismus im Psychologie Studium anscheinend kaum bis gar nicht vor.
      Psychiater haben aber nicht Psychologie studiert, sondern Medizin, und sich dann auf Psychiatrie spezialisiert.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)