schwer zu regulierende Wutanfälle, körperliche Symptome, Krämpfe, kribbeln, etc.

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    • Leute, nun macht mal halblang. Was ich als "Stichelei" empfinde, sieht er nur als "Witz". Er kann sich diesbezüglich nicht in mich hineinversetzen und verstehen, dass ich das erstmal "bierernst" nehme. Er sagt auch manchmal zu meiner Mutter z.B. was Ausgedachtes und ich muss dann sagen, nein Mutti, *** spinnt gerade wieder rum. Weil sie auch alles glaubt. Will sagen, er macht gern Witze, weil das sein Charakter ist - das ist ein Teil von ihm.
      Klar könnte man sagen, er müsste mittlerweile wissen, dass ich es meist nicht als Witz erkenne.
      Aber soll er sich verbiegen, weil ich so bin? Ich möchte auch nicht meinen Charakter "beschneiden" müssen.
      Auf meinen Schatz lass ich echt nichts kommen, der ist ein ganz dufte Typ :prof:
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Ich denke auch, es kommt darauf an, wie jemand etwas sagt. Wenn man sich liebt oder sehr gern hat, müssten die "Macken" ja im Prinzip toleriert werden, und benennen kann man sie dann trotzdem mal, wenn es nicht permanent oder zu oft oder vor allen Dingen, nicht zu verletzend ist.

      Ich wollte noch mal vorsichtig anfragen, ob Ihr denkt, ob Autisten eine ausgeprägte Trotzphase im Kleinkindalter haben, so wie es auch unter Psychologen als 'normal' gilt, oder ob sie eher schwach ausgeprägt ist bzw. gegen späteres trotziges Verhalten gar nicht ins Gewicht fällt? (S. Beitrag 55, 2. Hälfte)
      Ein Freund ist jemand, bei dem du dich traust, du selbst zu sein.
      (Pam Brown)
    • Mein einer Sohn hatte keine typische Trotzphase und auch die Pubertät
      verlief anders als bei den Brüdern..dafür hatte er ja die langen Schreiphasen ,
      wo wir lange nicht wussten, was mit ihm war...
      auch, wenn es zum Arzt ging oder Haare schneiden oder etwas anderes kaufen zum Anziehen,
      ....eine Tagesmutter statt Kita war nicht mal für 15 Minuten möglich....das waren schwierige Jahre,
      trotzdem eben diese typische Trotzphase nicht so war wie bei den anderen.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater
    • Zebra schrieb:

      Sesambrot schrieb:

      Sticheleien meiner Partnerin, wie @Kleine sie beschrieben hat, insbesondere wenn ich schon mehrfach gesagt hab, dass sie es lassen soll und trotzdem weiter macht, machen mich buchstäblich wahnsinnig ohne dass ich das großartig kontrollieren könnte. Ich brauche dann immer eine ziemliche Selbstbeherrschung nicht wild um mich zu schlagen um ihr nicht weh zu tun, ihr aber gleichzeitig klar zu machen, dass es für mich kein Spaß mehr ist.
      Und so jemanden nennst du Partnerin?Ich kann nicht verstehen warum man sich so etwas freiwillig antun will.
      Eine Partnerschaft sollte gegenseitige Rücksichtnahme beinhalten.
      Ich kann Sticheleien auch nicht leiden, mit jemandem der das Ignorieren würde wäre ich nicht zusammen.
      Naja, zum Einen empfinde ich ja mein eigenes Verhalten selbst als übertrieben, kann nur nicht wirklich etwas dagegen tun, und zum anderen finde ich dabei womöglich nicht das richtige Maß. Es kommt an sich auch sehr selten vor.
      Ich glaube einfach, dass ich mich in diesen Situationen zum Großteil einfach nicht richtig ausdrücken kann. Ich schätze ich schaffe es nicht das so zum Ausdruck zu bringen, dass klar wird das ich es ernst meine, bis es irgendwann bei mir unweigerlich "klick" macht und dann "is Vollgas"...

      Soll nicht heißen, dass sie ganz unschuldig ist, aber ich sehe das Problem schon auch bei mir. Abgesehen davon, dass ich bisher nie zuordnen konnte wie meine Überreaktionen zustande kamen. Das ich zufällig über dieses Thema gestolpert bin, ist mein erster Anhaltspunkt. Außerdem will ich eine mögliche AS Diagnose auch später nicht als Vorwand nehmen ein entsprechendes Verhalten meinerseits zu rechtfertigen.

      Ich hoffe da eher, dass es ihr hilft mich besser zu verstehen und wir gemeinsam solche Situationen vermeiden können. Ich wollte ihr mit dem Ganzen auch nicht direkt einen Vorwurf machen, aber mich frustriert es in solchen Situationen einfach noch zusätzlich wenn ich dann im Nachhinein der "Böse" bin obwohl ich nicht das Gefühl meiner selbst dabei 100%ig Herr zu sein...
    • Kleine schrieb:

      Leute, nun macht mal halblang. Was ich als "Stichelei" empfinde, sieht er nur als "Witz". Er kann sich diesbezüglich nicht in mich hineinversetzen und verstehen, dass ich das erstmal "bierernst" nehme.
      Wenn du ihm sagst, dass du eine bestimmte Art von 'Witzen' als Stichelei empfindest, muss er sich nicht in dich rein versetzen, sondern dir nur zuhören.

      Kleine schrieb:

      Klar könnte man sagen, er müsste mittlerweile wissen, dass ich es meist nicht als Witz erkenne.
      Aber soll er sich verbiegen, weil ich so bin? Ich möchte auch nicht meinen Charakter "beschneiden" müssen.
      Ach ja... Rücksichtnahme ist Verbiegen? Es geht nicht darum, dass sein 'Charakter' beschnitten wird, es geht um EIN Verhalten, welches nicht fair ist.

      Darüber kann und sollte man reden.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Tauriel schrieb:

      Geht ihr nicht bevor ihr ausrastet weg? Oder auf die Toilette whatever?
      Wenn ich schon erschöpft von der Arbeit nach Hase kam, empfing mich mein Expartner nonstop laut auf mich einredend, im Hintergrund noch lauter das TV, egal wohin ich auswich, er lief mir wie ein Dackel immer hinterher und missachtete meine Bitten, mich in Ruhe zu lassen. Der Lärm und das Unausweichliche waren dann wohl zu viel, hatte das Gefühl, als würde irgendwas in meinem Kopf plötzlich reissen, dann schmiss ich irgend einen Gegenstand, den ich gerade in der Hand hatte oder greifen konnte, in seine Richtung, oder fing an zu schreien.
      Seit der Trennung ist das nicht mehr vorgekommen - das sind nun einige Jahre.
    • @Linnea
      Das erinnert mich gerade an mich, mir konnte kein Friseur die Haare schneiden, ich hab so viel Theater gemacht das der Friseur nachhause kommen musste als Kind :lol:
      Aber auch heute gehe ich da ungerne hin vor allem wegen den Spiegeln, aber was muss das muss. :|
      "Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß , wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch."

      *George Bernard Shaw


    • Ich schneide selber. Ich mag nicht, wenn ich selten so aussehe, wie ich es haben will. :?
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      C.W. Leadbeater
    • Dumnorix schrieb:

      Daniel1 schrieb:

      Wäre interessant, zu wissen,ob Ihr auch so was kennt, danke.
      Vielleicht kennt Ihr Euch schon besser aus und kennt Eure Gründe der Überforderung.
      das kenne ich auch.
      besonders schwerwiegend war das in meiner kindheit. einmal hab ich mir sogar bei einem wutausbruch versehentlich den finger gebrochen. die türen in unseren wohnungen waren immer ramponiert, weil ich bei jedem mist schreiend und wütend aus dem zimmer rannte und die türen hinter mir zu knallte.

      heute mache ich das nicht mehr. ;)

      ich muss aber gestehen, dass meine... eindämmungsprozesse nicht unbedingt das gelbe vom ei sind. sie sind nicht die beste lösung. anstatt mit der inneren wut umzugehen und sie irgendwie auch raus zu lassen oder zu verarbeiten, schlucke ich viel runter. das führt dann dazu, dass ich manchmal scheinbar grundlos leute anpampe. das ist dann sozusagen der tropfen, der nach einem langen, hellen und lauten tag voller sozialer interaktionen das fass zum überlaufen bringt, wenn z.b. die eltern anrufen und fragen, wie es mir geht. :d

      was eher hilft ist, entsprechende situationen frühzeitig(er) zu erkennen und ggf. zu verlassen oder gar nicht erst zu betreten.
      Hey Dumnorix,
      in der Vergangenheit, habe ich Ärger immer runtergeschluckt.
      Herzrasen, Bluthochdruck, Schwindel, Kreislaufprobleme, sehr hohe Koerperanspannung, Schmerzen dadurch und Bandscheibenvorfaelle an der Halswirbelsäule waren die Folgen.
      Nachträglich gesehen, waren meine Methoden, korrigierbeduerftig.
      Bin halt Harmonie bedürftig.
      Mein Motto war immer, Liebe durch Leistung und Überanpassung.
      Auf der Art, was muss ich tun, damit Du mich magst.
      Ganz liebe Gruesse, Daniel.
    • Sesambrot schrieb:

      Es liegt angeblich vollständig an mir, und davon bin ich bislang auch immer ausgegangen, dass ich mich aus welchem Grund auch immer in gewisser Hinsicht einfach nicht im Griff habe. Ich hätte mir ehrlich gesagt nicht träumen lassen, das Thema hier wieder zu finden... Ist das tatsächlich so verbreitet/typisch für AS etc.?
      @Sesambrot

      Ich kenne den Gedanken "es liegt angeblich vollständig an mir" aus meiner Kindheit. Meine Mutter verdrehte früher (und heute auch noch) sehr oft die Wahrheit. Sie übertrat meine Grenzen sehr massiv (emotional und körperlich) und hinterher tat sie dann so, als hätte ich mir das alles nur eingebildet. Das war meiner Meinung nach schon Gehirnwäsche bzw. emotionale Misshandlung. Immer wurde es so hingestellt, als hätte ich etwas falsch erkannt ("hör auf zu spinnen, der schaut dich nicht an!" kam z. B. als in einem Restaurant ein sehr penetrant wirkender Mann permanent Augenkontakt zu mir suchte. Meine Antennen sagten mir damals, dass es sich um einen Pädophilen handeln könnte. Darum ging es mir aber gar nicht, mir war dieses Angegaffe total unangenehm. Ich bilde mir so etwas auch nicht ein, sondern merke sowas einfach, während andere nicht mal merkten, welche Leute noch im Restaurant saßen. Dann gab es noch einen anderen, übergriffigen Vorfall, der mir auch nicht geglaubt wurde.)

      Ich falle vermutlich heute aus dem Grund oft in solche eine Panik bzw. Ohnmacht (bei Widersprüchen, ungerechtfertigten Anschuldigungen, Ungerechtigkeiten) weil ich mich dann in diese schlimme Angst bzw. diese schrecklichen Gefühle aus der Kindheit zurückversetzt fühle, wo man mich als Schuldige bezichtigte, obwohl eigentlich die Täterin selbst die "Schuldige" war.
      Es spüre die pure Ohnmacht, wenn ich diese "Fehleinschätzung" bzw. "Fehlinformation" nicht korrigieren kann. Vielleicht kommt sogar daher meine "Pingeligkeit" Rechtschreibfehler und alle möglichen kleineren Unrichtigkeiten sofort korrigieren zu wollen. Ich halte diese "Nichtpassung" einfach nicht aus.

      Vielleicht sind deine Ausraster ähnlich bedingt?

      Ich sehe es mittlerweile so: Durch das Asperger habe ich schon als Kind sehr viel wahrgenommen. Ich muss vermutlich unheimlich auf meine Eltern gewirkt haben bzw. sie haben vieles was ich sagte, wohl nicht nachvollziehen können. Statt dann auf mich einzugehen, wurde so getan, als wäre ich übergeschnappt und mir wurde nicht geglaubt.
      Die Folgen sieht man heute an mir. :cry:
      Aber meine Eltern wussten es vermutlich nicht besser. Es tut mir mittlerweile leid, dass ich sie so herausgefordert habe mit meiner Art.


      Sesambrot schrieb:

      ch glaube einfach, dass ich mich in diesen Situationen zum Großteil einfach nicht richtig ausdrücken kann. Ich schätze ich schaffe es nicht das so zum Ausdruck zu bringen, dass klar wird das ich es ernst meine, bis es irgendwann bei mir unweigerlich "klick" macht und dann "is Vollgas"...
      Vielleicht wirken manche Menschen auch nicht überzeugend, wenn sie ihre eigenen Grenzen aufzeigen (falls sie überhaupt wissen, dass sie das dürfen und können) und die Mitmenschen erkennen es deshalb nicht als Grenze und übertrampeln sie. Oder sie nehmen die Grenze gar nicht wahr, weil sie nicht so ein feines Gespür haben. Da wäre es vielleicht erforderlich, alles besonders deutlich zu machen.
      Ich überlege gerade, ob meine Eltern vielleicht auch gar nicht merkten, wie sie mich früher mit ihren Kommentaren verletzten oder sie wollten es nicht sehen. Vielleicht geht es für Menschen mit ASS darum, dass man auch in Richtung NT übersetzt und z. B. bestimmte Dinge "verstärkt", damit sie NT überhaupt wahrnehmen können? Das war gerade eine Idee, die ich noch nie hatte. Dann wäre eigentlich niemand "der Schuldige", sondern es wäre wirklich alles ein Kommunikationsproblem.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • Iska schrieb:

      Ich wollte noch mal vorsichtig anfragen, ob Ihr denkt, ob Autisten eine ausgeprägte Trotzphase im Kleinkindalter haben, so wie es auch unter Psychologen als 'normal' gilt, oder ob sie eher schwach ausgeprägt ist bzw. gegen späteres trotziges Verhalten gar nicht ins Gewicht fällt? (S. Beitrag 55, 2. Hälfte)
      Ich glaube, dass bei mir die Trotzphase von meinen Eltern unterdrückt wurde. Ich kann mich auch an Sticheleien von meinen Eltern erinnern, wenn ich wütend wurde. Da hieß es dann sowas wie "Na, das Rumpelstilzchen" oder "jetzt wirst du wieder bockig". Da ich ja immer nur beschämt wurde (egal welche Gefühle ich zeigte), glaube ich, dass meine Trotzphase nicht vollständig durchlebt wurde. Erst wenn ich es nicht mehr zurückhalten konnte und meine Knöpfe gedrückt wurden (RW), bin ich dann ausgerastet. Aber trotzig sein durfte man ja offiziell nicht. "Trotzkopf" kam auch oft als Beleidigung. Ich habe mich dann eher in meine Gedankenwelt zurückgezogen. Das ist möglicherweise auch eine Art von "Trotz", aber ich glaube, ich bin darin steckengeblieben. Der Trotz ist dann mit sehr viel Schmerz verbunden. Einer Traurigkeit, weil man mich beschämte und nicht verstehen wollte.

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    • FruchtigBunt schrieb:

      Meine Mutter verdrehte früher (und heute auch noch) sehr oft die Wahrheit. Sie übertrat meine Grenzen sehr massiv (emotional und körperlich) und hinterher tat sie dann so, als hätte ich mir das alles nur eingebildet. Das war meiner Meinung nach schon Gehirnwäsche bzw. emotionale Misshandlung.
      Dafür gibts sogar einen Fachbegriff: Gaslighting.

      FruchtigBunt schrieb:

      Es tut mir mittlerweile leid, dass ich sie so herausgefordert habe mit meiner Art.
      Du warst Kind, ich denke nicht, dass du dich dafür schlecht fühlen solltest.
      Es ist okay wie du warst und wie du bist, mit allen deinen Eigenheiten.

      Es klingt vielleicht blöd (und irgendwie narzisstisch :roll: ), aber mir hat es geholfen, mich im Spiegel anzuschauen und für gut zu befinden. Noch heute gucke ich (fast) jeden Abend vorm zu Bett gehen in den Schlafzimmerspiegel, eigentlich immer ins Gesicht, mal tief in die Augen, mal die frisch gezahnseideten Beißer, mal die Stupsnase an.
      Ich habe eine Postkarte (Bin Kartenfreak :d ) auf der steht: "Sei gut zu dem Gesicht im Spiegel. Immer." Find ich irgendwie ganz schön. Wollt sie eigentlich weiter verschenken, weil ich (glaube) sie nicht mehr brauch.

      Viele Grüße Miiep
      (Klammerfreak) :d
    • Dafür gibts sogar einen Fachbegriff: Gaslighting.

      Puh, ja...das musste ich auch oft erleben, nannte es Gehirnwäsche.
      Auch Jekyll-Hyde-Typen nutzen diese.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater
    • @Linnea
      @Miiep

      Kann es sein, dass manche Eltern dieses "Gaslighting" gar nicht bösartig anwenden, sondern dass sie wirklich einfach nicht verstehen, was man hat bzw. das nicht begreifen können und - um ihre eigene Welt nicht aus den Fugen geraten zu lassen - dem Kind dann alles ausreden wollen? (die Gefahr dürfte bei undiagnostizierten ASS besonders hoch sein, weil die Eltern merken das Kind ist anders, aber verstehen es nicht.) Ich weiß, dass meine Mutter grausam war. Aber irgendwie wäre es mir lieber, wenn sie wegen meinem Autismus so gehandelt hätte, weil ich mir dann einreden kann, dass sie ja eigentlich lieb gewesen wäre, wenn sie von meiner Persönlichkeit nicht so überfordert gewesen wäre. :(
      Früher dachte ich immer, ich bin ein grundschlechter Menschen, weil ich so hasserfüllt von ihr behandelt wurde. Diese indoktrinierte Überzeugung über mich sitzt leider sehr tief.

      Aber eigentlich weiß ich, dass meine Mutter selbst psychisch auffällig ist, von daher wäre es mir eine heile Welt vorgaukeln wollen.... Vielleicht hat das Asperger aber einen kleinen Anteil daran, dass alles noch schwieriger für meine Eltern wurde und ihr Unverständnis bzw. ihre Abwehrhaltung dann ähnliche Auswirkungen hatte, wie diese Dinge, die bei Gaslighting beschrieben werden. Wenn ich das lese, bekomme ich es mit der Angst zu tun, weil sich das so grausam anhört. Aber der Zustand, in den mich dieses Verhalten meiner Mutter gebracht hat, ist auch grausam. Es ist nur schlimm zu lesen, dass es wirklich SO SCHLIMM ist.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Kann es sein, dass manche Eltern dieses "Gaslighting" gar nicht bösartig anwenden
      Dessen bin ich mir sogar sicher.


      FruchtigBunt schrieb:

      Früher dachte ich immer, ich bin ein grundschlechter Menschen, weil ich so hasserfüllt von ihr behandelt wurde. Diese indoktrinierte Überzeugung über mich sitzt leider sehr tief.
      Nein, das bist du nicht, ich bin mir sicher, dass du ein liebenswerter Mensch bist (Ich höre deine Widerworte bis hier. Doch, bist du. Ganz sicher :) ). Es ist ein langer Weg sich selbst zu akzeptieren und zu mögen, vor allem wenn man immer das Gefühl hatte, minderwertig zu sein. Das lässt sich nichtmal eben mit "einem Fingerschnipp"(RW) aus der Welt schaffen und es wird sicher einige Zeit dauern. Aber du schaffst das :nod: .

      FruchtigBunt schrieb:

      Aber irgendwie wäre es mir lieber, wenn sie wegen meinem Autismus so gehandelt hätte, weil ich mir dann einreden kann, dass sie ja eigentlich lieb gewesen wäre, wenn sie von meiner Persönlichkeit nicht so überfordert gewesen wäre.
      Auch wenn Deine Eltern ihre eigenen Defizite hatt/ben: Dennoch kannst du da absolut nichts für, du warst halt Kind und Kinder können halt endlos nerven (Meine Ansicht. Mein Mann guckt mich verständnislos an ob dieser Aussage :d ). Und das ist wirklich okay, dafür sind Kinder doch da :twisted: . Mach dich nicht schlechter als du bist. Das hast du nicht verdient. Eben weil du wertvoll ist. Isso.

      Viele Grüße Miiep
      (Klammerfreak) :d

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Miiep ()

    • Miiep schrieb:

      Ich könnte mir vorstellen, dass solche Wutausbrüche auch mit der persönlichen Lebenssituation zusammenhängen
      Das ist bei jedem wohl so, nur bei sensiblen Menschen ist der Unterschied stärker, weil sie stärker auf Veränderungen in der Lebenssituation reagieren und kein "dickes Fell" haben.

      Bei mir kommt noch hinzu, daß mich vor allem Leute wütend machen, die für mich Repräsentanten eines Systems/einer Mehrheitsgesellschaft sind, die mich ausgrenzt und trotzdem nicht in Ruhe läßt. Also wenn mich z.B. ein Mercedesfahrer anhupt, ärgert mich weniger die Frage, ob er im Unrecht ist, sondern eher dadurch ausgelöste Gedanken wie: "Aha, Südländer, wovon hast du das wohl finanziert, und ich brave deutsche Mutter muß zum Amt gehen" oder "Wieso gibt es ab 60 keine Fahrtüchtigkeitskontrollen mehr" oder "Du bist schuld am Klimawandel, du könntest doch froh sein, daß ich dir keinen Parkplatz wegnehme" oder "Typisch Angeberkarre, was anderes hast du wohl nicht zu bieten" oder "Wärst wohl nicht so unverschämt, wenn ich männlich und 2m groß wäre, du Feigling" usw...usf....

      Leider habe ich das Problem, daß ich dort, wo meine Wut herkommt, mich nicht wehren kann, also sich ein Frust aufstaut, so daß ich dann dort überreagiere, wo eine Kleinigkeit mich reizt. Damit schade ich in erster Linie mir selbst, denn mir bleiben Streßsituationen viel länger im Gedächtnis als anderen, fast wie eine "Mini-PTBS". Ich würde also mir selbst helfen, wenn ich mich nicht aufregen würde, nur dazu müßte ich andere Mittel finden, um mich effektiv zu verteidigen, wo es wirklich angebracht wäre - Mittel, die ich derzeit leider nicht habe (z.B. ein guter Anwalt, Berater, Geld, Freunde o.ä.).

      Es stimmt also tatsächlich, daß ich meist sehr wütend reagiere, weil ich mich in vielen Konfliktsituationen innerlich überlegen fühle, aber äußerlich so gut wie immer unterlegen bin, in den meisten Situationen. Das könnte mir egal sein, wenn ich denn zufrieden mit meinem Leben, v.a. dem Berufsleben oder dem sozialen Leben wäre. Nur wenn man dann sieht, was für Leute einem Probleme machen, dann wird man sauer - da erzählt einem eine Frau mit Hauptschulabschluß was über ALG2-Empfänger, was sie in der BZ gelesen hat, und da man eben nicht anerkannter Prof.Dr.Dr. ist, wird man grundsätzlich nicht ernst genommen. Manchmal würde ich den Leuten am liebsten ins Gesicht schreien, wie ignorant sie alle sind, aber das bringt nichts, also gehe ich nur frustriert weiter und bemitleide mich selbst..... auch wenn ich Gespräche oder Diskussionen anderer höre, denke ich oft, wie bescheuert sie sind, aber ich kann da eher ruhig bleiben, weil mich keiner dazu zwingt, mich gedanklich mit denen abzugeben. Nur wenn mich direkt einer angreift und dann noch unvorbereitet, dann reagiere ich vor allem wütend, weil ich nicht darauf vorbereitet war und ohnehin schon angespannt und innerlich traurig/wütend bin.

      Am besten geholfen hat mir, als mein vorletzter Coach zu mir sagte: "Sie wissen doch, was Jesus sagte: Vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Damit wollte er mir sagen, daß die meisten Leute einfach nicht so weit denken können, unabhängig von ihrem IQ, und man ihnen ihr Verhalten vergeben sollte, weil sie eben nicht anders können. Man macht einer Katze ja auch keinen Vorwurf, weil sie Mäuse jagt, oder einem Baby, weil es schreit. Also muß ich meine Ansprüche an Menschen eben herunterschrauben bzw. an die Realität anpassen. Und die ist nicht gerecht oder fair oder freundlich, nur die Verlogenheit, die macht mich immer noch wütend, vor allem, wenn ich dem nicht aus dem Weg gehen kann. Ich gebe meine Mängel wenigstens offen zu und versuche wenigstens menschlich anständig zu sein - und bin glaube ich viel selbstkritischer als andere. Das macht mich nämlich auch wütend, wie Leute immer wieder so tun, als seien sie allein auf der Welt und nur ihre Sicht allen überstülpen wollen.

      Ich habe seit meiner Kur aber auch sehr bewußt gemerkt, daß die Umgebung die Menschen stark beeinflußt. Wo viele auf engem Raum sind, ist mehr Konfliktpotential und Streß vorhanden. Woanders sind die Leute nicht ruhiger und rücksichtsvoller, sondern sie haben einfach mehr Platz und weniger Streß. Z.B. muß man auf einer breiten Straße, wo selten jemand vorbeikommt, nicht darüber nachdenken, wer wann wo im Weg sein oder Ärger machen könnte.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".