Konfliktfähigkeit/Durchsetzungsfähigkeit

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    • Necroghoul7 schrieb:

      Meine Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit sind eher gering ausgeprägt, zumal ich inhaltlich oft nicht ernst genommen werde oder unsicher/inkompetent wirke.

      Blöd ist folgendes: Ich kann abstrakte Themen/Meinungen/Ansichten und Interessen anderer Leute viel selbstbewußter und dennoch ruhiger vertreten und durchsetzen als meine persönlichen/konkreten Interessen.

      Bei Konflikten neige ich dazu, erst zu diskutieren und dann je nach Situation "auszurasten" (rumzuschimpfen), anstatt ruhig und gelassen zu bleiben. Irgendwie schaffe ich es, mich oft unbeabsichtigt in die Rechtfertigungs-/Opferrolle zu manövrieren. Auch bei Konflikten ist es (wohl emotional bedingt) so, daß ich viel souveräner und durchsetzungsfähiger rüberkomme, wenn ich anderen helfe bzw. über Dinge verhandele, die mich selbst nicht unmittelbar betreffen.

      Verschlossen bin ich überhaupt nicht, mit mir kann man über alles reden, diskutieren usw.
      Kommt mir auch bekannt vor. Ich wünschte manchmal, ich wäre wie früher, wo ich noch verschlossener war und mich nichts getraut hab. Wie die Veränderung kam weiß ich nicht, aber irgendwann fing ich (im Internet, hatte keine Freunde RL) an, die Schnauze auf zu machen, vor allem für andere, weil ich einfach fand, dass es nicht gerecht und fair in der Gruppe abläuft. Leider hat mich nie wer unterstützt und ich konnte mich nicht ändern. Hab wirklich oft geweint, weil mich alle Leute am Ende fertig machten (aus der Führungsriege), dabei meinte ich es nur gut.
      Auch machte ich immer den gleichen Fehler, weil ich das Gespräch mit den Personen, mit denen ich Probleme hatte, vermeiden wollte... Ich hab mit anderen über diese Probleme gesprochen, die haben gepetzt und zack, es hieß, ich läster... Dabei hab ich nur Hilfe gesucht eigentlich, aber das wurde immer anders aufgefasst.

      Als ich über meine Situation, dass ich Probleme mit meinen Nachbarn habe und nicht mit ihnen reden kann, in der letzten Reha ansprach, da kam, ich hätte eine ängstliche, vermeidende Persönlichkeit. 8o Sorry, dass ich nicht mal eben bei meinen Nachbarn klingeln kann und ihnen klar und deutlich verständlich machen, was mich stört. Mein Bruder ist da anders, der kann alles, wäre auch mein Held, wenn er mich besser verstehen würde und damit klar käme. :lol:
    • Ivy schrieb:

      Sorry, dass ich nicht mal eben bei meinen Nachbarn klingeln kann und ihnen klar und deutlich verständlich machen, was mich stört
      Beim nächsten Mal könntest du jemanden (z.B. deinen Bruder) anderen darum bitten, das für dich anzusprechen, oder du schreibst einen Brief. Zumindest bei mir ist es so, daß es schriftlich besser klappt, außerdem kann man in Ruhe überprüfen, was man schreibt, und es zur Prüfung jemandem vorlegen, der sagt, wie es voraussichtlich "ankommen" wird. Ob man deshalb mehr durchsetzen kann oder eher ernst genommen wird, ist eine andere Frage, aber man hat dann auch einen Nachweis, was geäußert wurde und was auch nicht.

      Ivy schrieb:

      Situation, dass ich Probleme mit meinen Nachbarn habe und nicht mit ihnen reden kann, in der letzten Reha ansprach, da kam, ich hätte eine ängstliche, vermeidende Persönlichkeit
      Und welchen Rat haben sie dir in der Reha gegeben? Wenn es um Nachbarn geht, mit denen man voraussichtlich noch lange Tür an Tür wohnen wird, dann finde ich es gar nicht so einfach, sich taktisch klug zu verhalten.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Beim nächsten Mal könntest du jemanden (z.B. deinen Bruder) anderen darum bitten, das für dich anzusprechen, oder du schreibst einen Brief. Zumindest bei mir ist es so, daß es schriftlich besser klappt, außerdem kann man in Ruhe überprüfen, was man schreibt, und es zur Prüfung jemandem vorlegen, der sagt, wie es voraussichtlich "ankommen" wird. Ob man deshalb mehr durchsetzen kann oder eher ernst genommen wird, ist eine andere Frage, aber man hat dann auch einen Nachweis, was geäußert wurde und was auch nicht.
      Mein Bruder versteht AS nicht und drängt eher drauf, dass ich Dinge alleine mache. Und hab schon seit Mai letztes Jahr immer wieder mich durchgerungen, mit denen zu reden, aber änderte nichts. Nun hab ich über eine Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes erfahren, dass es einen Mitarbeiter im Sozialen Dienst bei der Firma gibt, die mein Vermieter ist. Werd mal mit ihm mich unterhalten, weil sie auch sagte, dass er sich für Frauen mit Beeinträchtigungen einsetzt. Aber danke für deinen Vorschlag.

      Necroghoul7 schrieb:

      Und welchen Rat haben sie dir in der Reha gegeben? Wenn es um Nachbarn geht, mit denen man voraussichtlich noch lange Tür an Tür wohnen wird, dann finde ich es gar nicht so einfach, sich taktisch klug zu verhalten.
      Ich soll meinen Mut zusammen nehmen und das mit denen klären und sowas. Dieses typische Gerede halt... Meine Nachbarn nebenan gehen so, ziehen wohl auch bald um. Zwillinge (1 Jahr alt) + ein "Unfall" Kind vor ca. 2 Wochen zur Welt gekommen, Wohnung wird irgendwann zu klein. Die sind noch ok, aber der unter mir... Das geht gar nicht. Leider wohne ich über einer Behindertenwohngruppe und so ganz normal läuft hier nichts ab, find ich, aber längere Geschichte.
    • Shenya schrieb:

      Mir fällt es meistens schwer, jemanden zu kritisieren, es sei denn, es geschieht im Affekt (und dann ist es selten gut).

      Ansonsten schlucke ich meinen Ärger lieber runter.
      Es fällt mir nicht schwer, andere zu kritisieren. Es fällt anderen nur schwer, mit meiner Kritik umzugehen. :prof:
      Gut, ist so natürlich nur halb ernst gemeint... Mir ist schon klar, dass das Problem da nicht nur bei "den anderen" liegt... ;) :roll:

      Zum einen habe ich Schwierigkeiten damit, Kritik angemessen zu "dosieren". D. h. ich spreche entweder zu vieles gleichzeitig an, was mich an jemandem stört (was dieser dann als "Generalangriff" auf seine Person deutet). Oder ich spreche zu wenig an bzw. spiele es selbst schon irgendwie herunter, noch während ich es sage. - Was natürlich auch nicht gerade zielführend ist... :?

      Zum anderen fehlt es mir auch an nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten, die ich begleitend zu dem, was ich sage, einsetzen könnte. Will ich klarmachen, dass mir ein Thema ernst ist, ich mein Gegenüber aber dennoch als Person schätze und auch nicht an einer Eskalation des Gesprächs interessiert bin, dann bin ich kaum in der Lage, das durch Mimik, Gestik, Stimmmodulation o. ä. auszudrücken. Sondern ich muss das alles ausschließlich über meine Wortwahl hinbekommen, und das funktioniert nicht (gut genug).

      Daher "schlucke" ich meinen Ärger auch oft einfach "runter", ohne überhaupt was zu sagen... :?

      Shenya schrieb:

      Bei bestimmten Personen fällt es mir auch schwer, Dinge über mich zu erzählen, von denen ich weiß, dass die Person sie nicht gutheißen würde, sodass ich mit Diskussionen/Missbilligung rechnen müsste. Dann verschweige ich diese Dinge lieber.
      In dem Fall halte ich das Verschweigen auch für eine sinnvolle Idee. Wer an einem sachlichen Austausch nicht interessiert ist, sondern einfach nur gerne "meckert" / lästert, der bekommt von mir ganz bestimmt keine Vorlage dafür.
      HÚ!
    • Dr_B schrieb:

      In dem Fall halte ich das Verschweigen auch für eine sinnvolle Idee. Wer an einem sachlichen Austausch nicht interessiert ist, sondern einfach nur gerne "meckert" / lästert, der bekommt von mir ganz bestimmt keine Vorlage dafür.
      Aber es wäre manchmal auch schön, offen zu sein, und wenn dann Kritik kommt, einfach damit umgehen zu können. Es wäre ja oft so, dass man diese erste Kritik nur überstehen müsste, und danach könnte sich etwas Gutes daraus entwickeln. Mit allem, was man von sich preis gibt, wird eine Beziehung ja auch enger, und man kann sich selber besser einbringen.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Necroghoul7 schrieb:

      Blöd ist folgendes: Ich kann abstrakte Themen/Meinungen/Ansichten und Interessen anderer Leute viel selbstbewußter und dennoch ruhiger vertreten und durchsetzen als meine persönlichen/konkreten Interessen.
      Das kommt mir sehr bekannt vor. Ich glaube das liegt daran, dass ich mich bei persönlichen Interessen/Themen sehr schnell angegriffen und in eine Ecke gedrängt fühle, weil ich oft das Gefühl habe, dass man mich nicht ernst nimmt.

      Shenya schrieb:

      Meine Erziehung lief in etwa so, dass mir vermittelt wurde, dass ich immer nett und freundlich zu anderen sein muss. Das Bild nach außen war meistens wichtiger als die eigenen Bedürfnisse.
      Das sehe ich bei mir auch als einen wichtigen Punkt.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
    • Ich kann mich komischerweise gegenüber Leuten, die ich kaum bis gar nicht richtig persönlich kenne, viel schlechter durchsetzen, als bei Freunden. Ein ganz typisches Beispiel dafür ist, wenn ich unterwegs mit dem Hund bin und dann auf andere Gassigänger treffe. Einmal bin ich einem meiner Kursteilnehmer über den Weg gelaufen, diese hat mich dann für über eine Stunde "festgequatscht" und mir alles darüber erzählt, wie sie und ihr Mann sich ein neues Haus in einer anderen Stadt gekauft haben. Ich habe im Verlauf des Gesprächs mehrere Male angemerkt, dass ich jetzt gehen müsste (ich hatte einen sehr schweren Einkauf im Rucksack und ich wollte schlicht und einfach nicht mit ihr reden, weil es mich nicht interessiert hat) und irgendwie ist sie nicht darauf eingegangen. Es ging sogar soweit, dass sie mir hinterhergelaufen ist und immer weiter geredet hat und sich mir auch in den Weg gestellt hat. Und ich bin einfach nicht aus der Situation rausgekommen, es war, als hätte die Tatsache, dass sie nicht "angemessen" auf meine Hinweise reagiert hat, etwas in mir blockiert, und es war für mich total unmöglich, dem "normalen" sozialen Ablauf eines Gesprächs zu folgen (also: Person A sagt "durch die Blume" (RW), "ich muss dann jetzt gehen" und Person reagiert entsprechend darauf und erwidert, "wir sehen uns dann" und beide gehen ihrer Wege). Ich könnte mich heute noch darüber aufregen, dass ich es nicht fertig gebracht habe, diese Situation zu beenden.

      Bei Menschen, die ich besser kenne, habe ich damit keine Probleme und kann ganz deutlich sagen, "Ich muss jetzt gehen" und tue das dann auch.
    • @Cael Das ist bei mir komischerweise auch so. Menschen, denen ich vertraue, oder bei denen ich mich sicher fühle, kann ich auch mal sagen, wenn etwas nicht passt. Nur bei Fremden tu ich mich total schwer. Und wenn ich mal was sage, ist es schon eher fünf nach 12, dann ist die andere Person also schon zu weit gegangen.
      Das mit den aufgedrängten Gesprächen kenn ich auch. Da gebe ich schon lauter deutliche Hinweise, dass ich gehen will, und der andere quatscht trotzdem munter weiter. Scheinbar gibt es das Problem nicht nur bei Aspergern, dass manche Leute nicht merken, wann sie andere langweilen. 8-) :d

      Zum allgemeinen Thema: Ich hab mir sogar Bücher gekauft, wie man sich besser durchsetzt und Nein sagen lernt. Wenn man seine Grenzen nicht aufzeigt, trampeln manche Leute sonst munter darüber hinweg. Trotzdem fällt es mir immer noch ungeheuer schwer, z.B. in einem Restaurant ein nicht schmeckendes Essen zu reklamieren.
    • @Cael
      Dieses Problem, vor allem von nicht so engen Freunden übergangen zu werden, hatte ich bis vor kurzer Zeit auch. Bei mir liegt die Ursache darin, daß ich dazu erzogen wurde und es auch logisch finde, daß man zu jemandem höflich und freundlich ist, der auch höflich und freundlich zu einem ist. Um jemanden sozusagen unhöflich stehenzulassen oder vor den Kopf zu stoßen (rw) benötige ich eine gewisse Aggression, die ich nicht aufbaue, wenn jemand eben nett oder belanglos mit mir redet. Mir hat mein Partner geholfen, der mir erklärt hat, daß solche Leute in dem Augenblick ja selbst unhöflich sind, weil sie die Bedürfnisse und Interessen des Gegenübers egoistisch ignorieren (z.B. daß derjenige einen Einkauf heimzutragen hat), es also demzufolge angemessen ist, auch selbst unhöflich zu sein, indem man sie einfach stehenläßt. Leider achten die meisten nicht so sehr auf Gesagtes, sondern eher auf die Körpersprache, weshalb Unsicherheit geradezu dazu einlädt, die Bedürfnisse zu übergehen (also in dem Fall zu ignorieren, wenn jemand sagt, daß er gehen muß). Bei mir kommt noch zusätzlich hinzu, daß ich immer wieder höflich inhaltlich auf Gesagtes eingehe, anstatt einfach gar nichts mehr zu sagen, wenn ich gehen will. Am besten ist es erfahrungsgemäß, Taten folgen zu lassen, wenn Worte nicht ankommen. Das Problem liegt in dem Fall aber nicht nur bei unsereiner, sondern auch beim Gegenüber, das keine höfliche Sprache versteht bzw. verstehen will. Man muß sich sozusagen leider erst einmal durch Taten "Respekt" verschaffen, also dem Gegenüber zeigen, daß man ernst meint, was man sagt.

      Neumond schrieb:

      Da gebe ich schon lauter deutliche Hinweise, dass ich gehen will
      Vielleicht sind die Hinweise nicht deutlich und eindeutig genug? Mir z.B. muß man manchmal direkt sagen, was gemeint ist bzw. worauf eine Aussage abzielt.

      Neumond schrieb:

      z.B. in einem Restaurant ein nicht schmeckendes Essen zu reklamieren
      Das finde ich auch schwierig, denn wenn nichts verdorben oder nachweisbar versaut ist, dann läßt sich das kaum reklamieren. Und meine Ex-Freundin, die 5€-Essen reklamierte, weil sie eben nicht nach 50€-Essen schmeckten, fand ich auch unpassend. Meine Taktik ist, dann eben nie wiederzukommen. Warum auch immer fiel es mir früher übrigens schwer, zu wenig bekommenes Geld oder falsche/zu wenig Ware zu reklamieren. Mittlerweile kann ich das, aber ich schaffe es nur schwer, genau den passenden Ton zu treffen. Es ist wirklich ein schmaler Grat zwischen forscher Übertreibung und falscher Zurückhaltung, vor allem, wenn man nicht weiß, wie das Gesagte emotional aufgefaßt wird (also eine versteckte Botschaft vermutet wird, die gar nicht da ist).
    • Leseratte schrieb:

      dass ich mich bei persönlichen Interessen/Themen sehr schnell angegriffen und in eine Ecke gedrängt fühle,
      Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn ich die Ziele eines anderen vertrete, bin ich darauf fokussiert, diese bestmöglich zu erreichen. Wenn es um meine eigenen Ziele geht, lasse ich mich zu sehr davon ablenken, was man fälschlich von mir denken könnte und was falsch aufgefaßt werden könnte. Wenn es um abstrakte Themen oder die Interessen eines anderen geht, dann bleibt das auch im Mittelpunkt, nicht ich selbst und mein Befinden. Und natürlich ist man viel unbefangener (auch ohne Asperger), wenn es um etwas geht, das einem nichts bedeutet - dann kann man oft klarer und sicherer sagen, was man will und was nicht, und das dann auch zielstrebiger erreichen. Mir fällt es auch schwerer, etwas durchzusetzen (also abzuwehren), das ich NICHT will, als etwas durchzusetzen, das ich (erreichen, haben) will, weil im zweiten Fall auch das Ziel leichter fokussierbar erscheint, während im ersten Fall die Interaktion mit dem Gegenüber mit all ihren Fallstricken irgendwie in den Vordergrund gerät.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Vielleicht sind die Hinweise nicht deutlich und eindeutig genug? Mir z.B. muß man manchmal direkt sagen, was gemeint ist bzw. worauf eine Aussage abzielt.
      Ich verstehe, was Du meinst. Das ist dann nur ein Kunststück, den richtigen Ton/Gefühlslage zu treffen. Einerseits klar und eindeutig genug, dass der andere es versteht. Andererseits nicht zu brüsk oder zu offensiv.


      Necroghoul7 schrieb:

      Das finde ich auch schwierig, denn wenn nichts verdorben oder nachweisbar versaut ist, dann läßt sich das kaum reklamieren. Und meine Ex-Freundin, die 5€-Essen reklamierte, weil sie eben nicht nach 50€-Essen schmeckten, fand ich auch unpassend. Meine Taktik ist, dann eben nie wiederzukommen. Warum auch immer fiel es mir früher übrigens schwer, zu wenig bekommenes Geld oder falsche/zu wenig Ware zu reklamieren. Mittlerweile kann ich das, aber ich schaffe es nur schwer, genau den passenden Ton zu treffen. Es ist wirklich ein schmaler Grat zwischen forscher Übertreibung und falscher Zurückhaltung, vor allem, wenn man nicht weiß, wie das Gesagte emotional aufgefaßt wird (also eine versteckte Botschaft vermutet wird, die gar nicht da ist).

      Das hab ich auch oft gemacht bzw. mache ich heute noch: einfach nicht wieder kommen, statt das Störende zu beanstanden.
      Mit der Reklamation oder Umtausch von fehlerhaften Waren hatte ich früher auch Probleme, mittlerweile nicht mehr. Seit ich mal einen Aushilfsjob in einem Laden hatte, wo ständig Waren umgetauscht wurden, hat das irgendwie meine Schwellenangst besiegt. Wenn man ständig damit zu tun hat, ist es irgendwann völlig normal.
    • Neumond schrieb:

      Einerseits klar und eindeutig genug, dass der andere es versteht. Andererseits nicht zu brüsk oder zu offensiv.
      Ein Trick ist, daß man mit etwas begründet, das mit dem Gegenüber nichts zu tun hat, dann wirkt man höchstens egoistisch, aber nicht beleidigend oder offensiv. Wenn ich z.B. eine Unterhaltung nervig finde, sage ich, daß ich noch einen Termin habe, das ist dann nicht gelogen und ich habe den anderen nicht beleidigt. Solche Tricks kann man sich massenweise von Normalos abschauen bzw. erklären lassen. Ich habe häufig regelrecht Nachhilfe darin bekommen.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Neumond schrieb:

      Einerseits klar und eindeutig genug, dass der andere es versteht. Andererseits nicht zu brüsk oder zu offensiv.
      Ein Trick ist, daß man mit etwas begründet, das mit dem Gegenüber nichts zu tun hat, dann wirkt man höchstens egoistisch, aber nicht beleidigend oder offensiv. Wenn ich z.B. eine Unterhaltung nervig finde, sage ich, daß ich noch einen Termin habe, das ist dann nicht gelogen und ich habe den anderen nicht beleidigt. Solche Tricks kann man sich massenweise von Normalos abschauen bzw. erklären lassen. Ich habe häufig regelrecht Nachhilfe darin bekommen.
      Warum 'Tricks'? Wenn ich deutlich sage, dass ich gehen muss, dann sollte das doch jeder verstehen, der Deutsch spricht. Wenn es nette Menschen sind, die ich nicht verletzen möchte, kann ich eine kurze Erklärung hinzufügen - ansonsten ist es mir völlig wurscht, was die denken. Wenn so ein aufdringlicher Mensch sauer auf mich ist, textet er mich vielleicht nie wieder zu.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
    • Leseratte schrieb:

      Wenn so ein aufdringlicher Mensch sauer auf mich ist, textet er mich vielleicht nie wieder zu.
      Ja, wenn es immer so einfach wäre...leider handelt es sich ja oftmals um ansonsten freundliche Menschen, und die Reaktion ist eher folgende:
      "Ach so, ja das kann ich verstehen. Es ist ja auch schon spät geworden. Ich muß auch gleich los, meinen Sohn XY abholen...da haben sie neulich in der Schule....heutzutage blaschwätz"
      Und anstatt daß ich unterbreche: "Ja, interessant, also dann bis zum nächsten Mal", gehe ich kurz darauf ein, weil das höflicher ist. Gespräche zu beenden ist also nicht meine Stärke.
      Und wenn jemand ein Gespräch mit mir beenden will, brauche ich meist auch einen direkten Hinweis, auf den ich dann aber auch gleich reagiere.

      Leseratte schrieb:

      deutlich sage, dass ich gehen muss,
      So direkt sage ich das selten, weil es selten so genau stimmt und ich ein Problem habe, direkt zu lügen. Ich kann Dinge weglassen und andere überbetonen, aber ich kann nicht gut lügen, nicht aus moralischen Gründen, sondern tatsächlich von der Fähigkeit her. Also sage ich als Trick: "Ich habe noch einen Termin", auch wenn der erst in einer halben Stunde ist (diese Info lasse ich bewußt weg), anstatt ehrlich, aber beleidigend zu sagen: "Das Gespräch ist öde und bringt uns nicht weiter."
      Schwierig finde ich es auch mit Leuten, mit denen ich irgendwie Mitleid habe, z.B. Rentner oder Kranke, die mir ihre Lebensgeschichte erzählen wollen...dann ringe ich mit mir, wie viele Minuten ich sie ertrage, weil sie sonst keinen haben, der ihnen zuhört. Sich bei denen durchzusetzen ist auch häufig schwierig, da sie kaum auf den anderen achten (ob der sich überhaupt für ihre Krankheiten oder Themen interessiert z.B.).

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    • @Necroghoul7 Das ist eine gute Idee, dann einen Termin zu erwähnen (wenn es grundlegend nette Menschen sind, die man nicht beleidigen will). Muss ja niemand wissen, dass man z.B. seinen Termin mit dem heimischen Sofa, einer Tasse Tee und einem Buch hat. ;)
      Das mit den einsamen Rentnern, die einem ihre Geschichten erzählen wollen, kenne ich auch. Da war ich früher zu gutmütig. Bis es einmal darin geendet ist, dass ich eine ältere Dame hatte, die mich regelrecht verfolgt hat. Z.B. bei mir auf der Arbeit angerufen etc. Seitdem bin ich da sehr vorsichtig, weil ich es nicht nochmal so weit kommen lassen will.

      @Leseratte: Diese klare Einstellung bewundere ich irgendwie. Ein "Seien Sie mir nicht böse, aber ich muss dringend weiter" krieg ich auch manchmal hin. Die Wahrheit wäre halt nochmal anders: "Dein Thema interessiert mich nicht im geringsten, und ich würde mir lieber den Arm abhacken, statt Dir noch weiter zuzuhören." 8-)
    • Neumond schrieb:

      Dein Thema interessiert mich nicht im geringsten,
      Bei mir liegt es meist nicht am Thema, sondern daran, daß absehbar ist, daß das Gespräch nirgendwohin führt. Die alten Leute z.B. ziehen mir oft gefühlt Energie ab, zumal es für mich emotional irgendwie anstrengend ist. Heute hat mich ein Behinderter auf dem Rad angesprochen... er hatte ein Erwachsenen"dreirad" und meinte, daß so schönes Wetter sei. Ich fand es eigentlich toll, daß er trotz seiner offensichtlichen Behinderung ein Fahrrad nutzt und sich nicht unterkriegen läßt. Aber meine freundliche Antwort führte leider dazu, daß er nachhakte, wohin ich denn wolle und wieso denn nach Hause usw... da blieb mir nichts anderes übrig, als ihm einfach davonzufahren.

      Neumond schrieb:

      einen Termin zu erwähnen
      Das Gute am Termin ist, daß den niemand wegdiskutieren kann. Wenn ich mit meinen Bedürfnissen argumentieren würde, würde das wieder kaum einer für voll nehmen (zumindest solange ich freundlich bleibe).