Konfliktfähigkeit/Durchsetzungsfähigkeit

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    • Konfliktfähigkeit/Durchsetzungsfähigkeit

      Die Frage bezieht sich auf das reale Leben, also auf mündliche Kommunikation:

      Mir fällt es meistens schwer, jemanden zu kritisieren, es sei denn, es geschieht im Affekt (und dann ist es selten gut).

      Ansonsten schlucke ich meinen Ärger lieber runter.

      Bei bestimmten Personen fällt es mir auch schwer, Dinge über mich zu erzählen, von denen ich weiß, dass die Person sie nicht gutheißen würde, sodass ich mit Diskussionen/Missbilligung rechnen müsste. Dann verschweige ich diese Dinge lieber.

      Ich vermute als Grund, dass ich bei auftretenden Diskussionen nicht in der Lage bin, meinen Standpunkt zu verteidigen, und Konflikte meistens ungut enden. Ich will ja keinen Dauerstress mit den Leuten, sondern auch weiterhin gut mit ihnen auskommen, entweder weil mir was an ihnen liegt, oder weil sich Kontakte nicht vermeiden lassen (z.B. wenn es Kollegen sind).

      Wie ist das bei euch so?
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • In sachlichen Fragen habe ich das Problem eigentlich so nicht, weil ich eine offene Fehlerkultur schätze und auch meine eigenen Schwächen thematisieren kann. Da gilt eigentlich wie so oft nur: "Der Ton macht die Musik"(RW). Nicht direkt scharf einen Fehler aufzeigen, sondern erstmal nachfragen: "Ich glaube, das ist nicht ganz richtig, könnte das sein?" o.ä.

      Womit ich bei Unannehmlichkeiten im persönlichen Kontakt gut fahre ist, über die eigenen Empfindungen zu sprechen, also Ich-Botschaften zu verwenden. Die Sache als mein ganz persönliches Problem darstellen und nicht als Fehlverhalten des anderen, auch dann, wenn eigentlich letzteres gegeben ist. Dann muss sich niemand angegriffen oder kritisiert fühlen, aus Rücksichtnahme auf mich kann aber trotzdem "ohne das Gesicht zu verlieren" (RW) das Verhalten ein bisschen geändert werden.
    • Bei mir ist das größten Teils auch so.
      Schon als Kind merkte ich das ich mit manchen nicht gut über bestimmte Dinge reden kann.
      meine Tante neigt dazu eigene Schwächen gerne herunterzuspielen, also nicht ihre sondern wenn ich über meine eigenen rede und versuche ihr meine Sicht zu erklären.
      Meine Mutter ist da anders.
      Obwohl sie auch schon mit "Bis du dir sicher das du dir das nicht nur einbildest?!" geantwortet hat.
      Aber sie kommt dabei nie so dominant rüber wie manch andere Menschen.
      Ich bin sehr erlich mit ihr, aber manchmal streitet sie bestimmte Sachen auch ab, das sind dann aber meist Dinge die sie betreffen und nicht mich.
      Wenn ich sage sie hat mir dies oder das erzählt und sie meint das stimme garnicht.
      Sie hat auch schon öfter ein geräusch gemacht und ich machte sie darauf aufmerksam und sie meint dann das stimmt garnicht und ich würde mir das nur einbilden.
      Warum sollte ich sowas tun?
      Da kann sie auch recht stur werden und ich weiß nicht wiso.
      Ist ja nix Peinliches wie ein Furz oder so XD
      Ich neige oft dazu sehr offen anderen gegenüber zu sein und von mir zu erzählen, auch fremden oder Leuten die ich auf der Arbeit kennenlernen konnte.
      Ich hab mir nie Gedanken dadrüber gemacht ob das jetzt falsch oder schlecht war, schließlich haben die auch was aus ihrem Leben erzählt, und ich hab jetzt nicht damit gerechnet das das gelogen ist.
      Bei meiner tante hatte ich aber auch schon das gefühl das ich auf manche Dinge lieber nicht zusprechen komme weil ich dieses Stresspotential nicht wecken will.
      Da hab ich es auch lieber "heruntergeschluckt" was auch nicht wirklich toll ist.
    • Eismensch schrieb:

      Akkurat genauso.
      Dito.

      Shenya schrieb:

      Mir fällt es meistens schwer, jemanden zu kritisieren, es sei denn, es geschieht im Affekt (und dann ist es selten gut).
      Bei mir ebenso. Besonders übel ist es, wenn mich jemand so provoziert, dass es zum Kontrollverlust kommt und ich "ausraste". Damit schade ich mir letztendlich nur selber, und sofern sich das nicht innerhalb der Familie abspielt, würde es auch die "Brücken zerbrechen". Zum Glück passiert mir das sehr, sehr selten. Aber konstruktiv zu kritisieren, und das so, dass es nicht umgekehrt zu zaghaft wirkt, dass ich meinen eigenen Standpunkt verteidigen kann und damit ernst genommen werde - das gelingt mir leider kaum. Aus dem Wissen darum "rudere" ich meist schon frühzeitig zurück, wenn ich bemerke, dass ich mit meiner Position nicht "ankomme".

      Shenya schrieb:

      Bei bestimmten Personen fällt es mir auch schwer, Dinge über mich zu erzählen, von denen ich weiß, dass die Person sie nicht gutheißen würde, sodass ich mit Diskussionen/Missbilligung rechnen müsste. Dann verschweige ich diese Dinge lieber.
      Auch das geht mir genauso. Leider ist es für mich daher mit der Zeit außerhalb von Selbsthilfekontexten und engstem privaten Umfeld auch immer schwieriger geworden, überhaupt noch Kontakte mit anderen Menschen zu haben, die über sehr oberflächliche Gespräche hinausgehen. An meiner Lebenssituation ist halt vieles kompliziert und erklärungsbedürftig für Menschen, die keine Ahnung von Autismus/Behinderungen haben, und scheinbar unverfängliche "Abklopf"-Gesprächsthemen führen sogleich auf schwieriges Terrain. Daher weiche ich inzwischen lieber aus, obwohl ich ursprünglich eigentlich keine Angst vor Menschen hatte und prinzipiell auch an Kontakten interessiert war bzw. im passenden Kontext noch bin.

      Shenya schrieb:

      Ich vermute als Grund, dass ich bei auftretenden Diskussionen nicht in der Lage bin, meinen Standpunkt zu verteidigen, und Konflikte meistens ungut enden.
      Auch diese Erfahrung ist einer der Gründe, weshalb ich tendenziell immer vorsichtiger und "konfliktscheuer" geworden bin, nach einer kurzen Phase wachsenden Selbstbewusstseins im frühen Erwachsenenalter. Ich schaffe es kaum, mich in Konflikten so zu positionieren, dass ich meine Position verteidigen oder gar durchsetzen und zugleich mit den anderen "auf gutem Fuß" bleiben kann. Wenn ich nicht rechtzeitig ausweiche, bin ich die Verliererin, und das tut mir auch nicht gut. Dieses Ausweichen kenne ich schon seit der Kindheit, da wurde es teilweise sogar für ein Zeichen sozialer Reife und "Vernunft" im Verhältnis zu Gleichaltrigen gehalten, obwohl eigentlich das Gegenteil der Fall war.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Bei mir kommt es stark aufs Thema an. Wenn es um Politik oder Fachthemen geht, bin ich eigentlich recht offen für meine Verhältnisse. Bei allen anderen Themen sage ich meistens wenig bis gar nichts, vor allem wenn es um mich geht. Da schlucke ich auch meinen Ärger lieber runter, selbst in der Familie.

      Ich versuche nur, das anders zu machen, wenn ich in einer Beziehung bin, da ich es einem Partner gegenüber unfair finde, sich so zu verschließen.
    • Shenya schrieb:

      Bei bestimmten Personen fällt es mir auch schwer, Dinge über mich zu erzählen, von denen ich weiß, dass die Person sie nicht gutheißen würde, sodass ich mit Diskussionen/Missbilligung rechnen müsste. Dann verschweige ich diese Dinge lieber.
      Es fällt mir halt generell schwer, Dinge über mich zu erzählen, wenn ich a) die Zuhörer nicht gut kenne, und wenn es b) um wirklich persönliche Dinge geht. Also: Dass ich Zahnweh habe, kann ich immer und überall erzählen, wie mir ein bestimmter Film gefallen hat, auch, und ich kann das auch begründen. Muss ich meine Meinung dann aber vor Fremden oder mir wenig bekannten Menschen vertreten, weil ich ich kritisiert werde, dann wird's schwierig und dann zieh ich mich gern raus.

      @Willowtree: 100% Zustimmung.

      "Ich habe mich mein Leben lang für einen ziemlich normalen Menschen gehalten."
      "Das ist eine gefährliche Einstellung."
      (Haruki Murakami, Die Ermordung des Commendatore, Band 2)
    • Estelle schrieb:

      Ich versuche nur, das anders zu machen, wenn ich in einer Beziehung bin, da ich es einem Partner gegenüber unfair finde, sich so zu verschließen.
      Manchmal geht es halt auch in der Partnerschaft nicht, das Bewusstsein, dass mein Verhalten unfair ist, hilft mir dann nicht weiter.

      "Ich habe mich mein Leben lang für einen ziemlich normalen Menschen gehalten."
      "Das ist eine gefährliche Einstellung."
      (Haruki Murakami, Die Ermordung des Commendatore, Band 2)
    • FrankMatz schrieb:

      Dass ich Zahnweh habe, kann ich immer und überall erzählen, wie mir ein bestimmter Film gefallen hat, auch, und ich kann das auch begründen. Muss ich meine Meinung dann aber vor Fremden oder mir wenig bekannten Menschen vertreten, weil ich ich kritisiert werde, dann wird's schwierig und dann zieh ich mich gern raus.
      Da kann ich mich auch anschließen. Sachliche Diskussionen, bei denen es nicht um mich als Person geht, sind etwas ganz anderes. Die können mir sogar Spaß machen, solange es freundlich und respektvoll bleibt. Sofern da aber jemand meinen Standpunkt tatsächlich angreift und "auseinander nimmt", gehen mir auch schnell die Argumente aus und ich verstumme. War auch ein Grund, weshalb ich an der Uni in manchen Seminaren sehr diskussionsfreudig war und in anderen gar nichts sagte, abhängig von den Mitstudenten und der Stimmung. "Redet entweder zu viel oder zu wenig" traf auch da auf mich zu.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
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    • Estelle schrieb:

      Wenn es absolut nicht geht, geht es eben nicht. Aber solange man sich bemüht, seinem Partner gegenüber so offen wie möglich zu sein, ist es doch in Ordnung, oder nicht?
      Natürlich ist Offenheit in einer Partnerschaft wichtig, elementar sogar. Aber ich habe halt die Erfahrung gemacht, dass ich manchmal so etwas wie eine Blockade habe, und dann mag ich nicht über mich / meine Gefühlslage sprechen. "Mag" ist falsch, es ist fast schon ein "kann" - geht halt nicht. Dabei bezieht sich das gar nicht auf besonders intime Dinge. Irgendwie hängt es von der Gesamtsituation ab, vom Verhalten meiner Partnerin, von der ich ja auch nicht will, dass sie dieses Verhalten nach meinen Befindlichkeiten ausrichtet - und zack, ist die Kommunikationssituation so kompliziert, dass ich den Mund halte.

      "Ich habe mich mein Leben lang für einen ziemlich normalen Menschen gehalten."
      "Das ist eine gefährliche Einstellung."
      (Haruki Murakami, Die Ermordung des Commendatore, Band 2)
    • Meine Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit sind eher gering ausgeprägt, zumal ich inhaltlich oft nicht ernst genommen werde oder unsicher/inkompetent wirke.

      Blöd ist folgendes: Ich kann abstrakte Themen/Meinungen/Ansichten und Interessen anderer Leute viel selbstbewußter und dennoch ruhiger vertreten und durchsetzen als meine persönlichen/konkreten Interessen.

      Bei Konflikten neige ich dazu, erst zu diskutieren und dann je nach Situation "auszurasten" (rumzuschimpfen), anstatt ruhig und gelassen zu bleiben. Irgendwie schaffe ich es, mich oft unbeabsichtigt in die Rechtfertigungs-/Opferrolle zu manövrieren. Auch bei Konflikten ist es (wohl emotional bedingt) so, daß ich viel souveräner und durchsetzungsfähiger rüberkomme, wenn ich anderen helfe bzw. über Dinge verhandele, die mich selbst nicht unmittelbar betreffen.

      Verschlossen bin ich überhaupt nicht, mit mir kann man über alles reden, diskutieren usw.
      Ich habe auch keinerlei Probleme, meine Ziele und Meinungen zu erklären oder Stellung zu beziehen, nur leider viele Negativerfahrungen (daß etwas falsch ankommt), weshalb ich auch vorsichtiger geworden bin. Da ich oftmals "unangemessen" reagiere bzw. rede, verspiele ich mir unnötig Vorteile auf der Sachebene.

      Andere angemessen zu kritisieren fällt mir genauso schwer wie selbst angemessene Kritik entgegenzunehmen, vor allem, da ich (unabhängig von der eigentlich nicht so komplizierten und oftmals berechtigten Sachebene) Probleme mit der Einschätzung der wahren Motive des Gegenübers und umgekehrt der unmißverständlichen Vermittlung meiner eigenen Motive für die Kritik habe. D.h. ich erkenne persönliche Angriffe, die als wohlgemeinte Kritik getarnt sind, nicht - oder nehme umgekehrt sachlich gemeinte Kritik fälschlich als bösartigen persönlichen Angriff, während umgekehrt dasselbe Probleme besteht (mir z.B. Absichten unterstellt werden, die nicht da sind, oder meine Absichten nicht geglaubt werden).
    • Necroghoul7 schrieb:

      Blöd ist folgendes: Ich kann abstrakte Themen/Meinungen/Ansichten und Interessen anderer Leute viel selbstbewußter und dennoch ruhiger vertreten und durchsetzen als meine persönlichen/konkreten Interessen.

      Bei Konflikten neige ich dazu, erst zu diskutieren und dann je nach Situation "auszurasten" (rumzuschimpfen), anstatt ruhig und gelassen zu bleiben. Irgendwie schaffe ich es, mich oft unbeabsichtigt in die Rechtfertigungs-/Opferrolle zu manövrieren. Auch bei Konflikten ist es (wohl emotional bedingt) so, daß ich viel souveräner und durchsetzungsfähiger rüberkomme, wenn ich anderen helfe bzw. über Dinge verhandele, die mich selbst nicht unmittelbar betreffen.
      Auch das kenne ich sehr gut. Wohl aus zwei Gründen: es geht dabei dann nicht um meine eigenen Ziele, so dass viel Druck rausgenommen ist. Und ich habe durch den Abstand zum Thema auch das Gefühl, die Situation viel objektiver beurteilen zu können. Sobald es um mich selbst geht, hinterfrage ich meine Standpunkte viel eher und bin mir ihrer Subjektivität bewusst.

      Necroghoul7 schrieb:

      Meine Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit sind eher gering ausgeprägt, zumal ich inhaltlich oft nicht ernst genommen werde oder unsicher/inkompetent wirke.
      Auch das ist ein Problem für mich. Wer schnell unsicher wirkt, wird eben wohl auch auf der inhaltlichen Ebene schnell für inkompetent gehalten. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich gleichzeitig oft zu viel und/oder zu laut rede (ich muss das bewusst steuern, was mir gerade bei Nervosität nicht immer gelingt) und dadurch einerseits oft als schüchtern, andererseits aber auch leicht als dreist wahrgenommen werde und im Gegensatz zu vielen autistischen Frauen keine schutzbedürftige Außenwirkung habe. Gerade diese Kombination macht jede Gruppendynamik sehr, sehr schwierig.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • bei mir ist das anders.
      Beim ersten lesen dachte ich, evtl hat das was mit Selbstbewusstsein zu tun.
      Aber ich war als Kind nicht sehr selbstbewusst, habe mich aber schon sehr früh durchgesetzt und meine Standpunkte vertreten.
      Ob das jetzt eine Band war, die ausser mir kaum einer mochte und für die ich mit viel Häme anhören musste oder dass ich schon als vorschulkind Vegetarier war. Ich hab mich nie versteckt.
      Es hat mich aber auch nicht wütend gemacht, wenn mir jemand deswegen blöd kam.
      Vielleicht ist das der Unterschied.
      Dass man das gegenüber nicht als "Feind" betrachtet( ?)
      Ich kann in fast jeder Situation höflich reklamieren und konstruktiv kritisieren.
      Ich denke, das kann man auch üben.
      Sätze bauen und üben wie:
      "das sieht doch schon mal gut aus! Wenn wir hier noch dieses und jenes abändern haben wir es geschafft".

      Oder es kommt daher, dass ich schon früh wusste, dass ich nicht dazu gehöre und wusste, dass alle Vergleiche zu den anderen hinken? Und die deswegen auch nicht gefürchtet habe?
      oder dass ich ein rechthaberischer gerechtigkeits fanatiker bin? Keine Ahnung ;)
    • Satureja Antares schrieb:

      Ob das jetzt eine Band war, die ausser mir kaum einer mochte und für die ich mit viel Häme anhören musste oder dass ich schon als vorschulkind Vegetarier war. Ich hab mich nie versteckt
      Das hatte ich in meiner Selbstbeschreibung unter "abstrakte Themen" gelistet, auch wenn das natürlich unmittelbar mit einem zu tun hat. Es trifft auf mich auch so zu (nicht daß ich Vegetarier bin, sondern daß ich zu dem zu stehen weiß, was ich toll/richtig finde), aber hat zumindest in meinem Leben eher mit Selbstbewußtsein als mit Durchsetzungsfähigkeit oder Konfliktfähigkeit zu tun.
      Wenn man deswegen kritisiert wird und nach dem Gespräch als komisch oder unhöflich dasteht, ist das nicht unbedingt ein Zeichen von Konfliktfähigkeit. Und Durchsetzungsfähigkeit würde bedeuten, daß man es schafft, z.B. die Umgebung dafür zu gewinnen, auch diese Gruppe zu mögen oder einen zum Konzert einzuladen oder sich aufklären zu lassen oder zumindest zu akzeptieren, wieso man diese Gruppe mag.

      Satureja Antares schrieb:

      man das gegenüber nicht als "Feind" betrachtet
      Problem ist nur, wenn es Fakt ist, keine Betrachtung. Wenn einen die anderen nicht für voll nehmen oder unmöglich finden oder Kritik feindselig meinen oder feindselig auffassen, dann ändert es sich leider nicht dadurch, daß man höflich erklärt, wie sie wirklich gemeint oder angekommen war.

      Satureja Antares schrieb:

      die deswegen auch nicht gefürchtet habe?
      Vielleicht hattest du das Glück, daß dir nichts Schlimmeres zugestoßen war und du deshalb nicht gelernt hast viel zu fürchten. :thumbup:
    • Vielleicht spielt auch eine Rolle, welche Erfahrungen man zu Hause gemacht hat als Kind. Die Eltern sind die ersten, mit denen man in Konflikt geraten kann, außerdem sind sie einem Vorbild/Modell, wenn sie selbst Konflikte austragen.

      Meine Erziehung lief in etwa so, dass mir vermittelt wurde, dass ich immer nett und freundlich zu anderen sein muss. Das Bild nach außen war meistens wichtiger als die eigenen Bedürfnisse. Meine Eltern konnten selbst schlecht Kritik bei anderen äußern, mein Vater gar nicht, und meine Mutter nur gegenüber Leuten, denen sie sich überlegen fühlte. Den Kindern gegenüber hat sie sich sicher gefühlt, da hat sie keinen Hehl daraus gemacht, was sie stört.
      Wenn man meine Mutter kritisiert, ist sie sehr schnell verletzt. Daran hat sich bis heute nichts geändert, Kritik geht immer nur in eine Richtung, wenn es mal andersrum geht, heult sie, und das tut mir dann wieder leid. Und generell wurde bei uns zu Hause nie einfach sachlich über etwas diskutiert, sondern immer emotional. Es gab im Prinzip keinen Zustand zwischen Harmonie und Streit, keine Möglichkeit, Differenzen ruhig auszudiskutieren und eine sachliche Lösung zu finden. Ich schätze, unter diesen Voraussetzungen kann man gar nicht lernen, wie man richtig Konflikte austrägt oder richtig Kritik anbringt.

      AS könnte ins Spiel kommen, weil ich schlecht einschätzen kann, wie andere reagieren werden, wenn ich sie kritisiere (sie könnten ja sachlich damit umgehen, aber auch eingeschnappt oder sauer sein, ich weiß es nicht). Und weil ich mich mündlich einfach nicht so gut ausdrücken kann und auch schnell emotional werde (aus Hilflosigkeit), wenn dann doch ein Konflikt entsteht.

      Ich habe mich schon vereinzelt mal überwunden, z.B. habe ich mich bei Nachbarn über deren lauten Fernseher beschwert. Aber als die dann behauptet haben, das käme nicht von ihnen, wusste ich auch nicht mehr weiter. Gebracht hat es daher nichts.

      Satureja Antares schrieb:

      Ob das jetzt eine Band war, die ausser mir kaum einer mochte und für die ich mit viel Häme anhören musste

      Ich habe in meiner Jugend viel afrikanische Musik gehört. Das habe ich manchmal erzählt, aber die meisten konnten damit nichts anfangen. In der Abizeitung stand dann, ich würde "Buschtrommeln" hören, dabei ist afrikanische Musik wirklich sehr viel mehr als Buschtrommeln.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Necroghoul7 schrieb:

      Blöd ist folgendes: Ich kann abstrakte Themen/Meinungen/Ansichten und Interessen anderer Leute viel selbstbewußter und dennoch ruhiger vertreten und durchsetzen als meine persönlichen/konkreten Interessen.
      Das kann ich so unterschreiben.

      Bei mir ist es generell so, dass ich „stärker“ bin, wenn es um Dinge geht, die ich völlig rational belegen kann. Alles, bei dem es um meine eigene Meinung und Gefühle geht fällt mir sehr schwer. Solche Diskussionen/Gespräche umgehe ich meist.
      Das führt natürlich oft dazu, das die eigenen Bedürfnisse untergehen.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Satureja Antares schrieb:

      man das gegenüber nicht als "Feind" betrachtet
      Problem ist nur, wenn es Fakt ist, keine Betrachtung. Wenn einen die anderen nicht für voll nehmen oder unmöglich finden oder Kritik feindselig meinen oder feindselig auffassen, dann ändert es sich leider nicht dadurch, daß man höflich erklärt, wie sie wirklich gemeint oder angekommen war.

      Satureja Antares schrieb:

      die deswegen auch nicht gefürchtet habe?
      Vielleicht hattest du das Glück, daß dir nichts Schlimmeres zugestoßen war und du deshalb nicht gelernt hast viel zu fürchten. :thumbup:
      nein, das "Glück" hatte ich nicht. Aber auch das war hilfreich, um weiter zu kommen.

      man kann da viel cooler und entspannter dran gehen.
      Indem man sich fragt, warum diese Menschen so feindselig sind oder dich nicht für voll nehmen.
      Das sind dann keine reifen Menschen, sondern die armen, die sich nicht anders zu helfen wissen.
      Man darf den anderen nicht so viel macht über sich geben.
    • Das "Problem" hab ich auch, nur, dass ich es nicht als Problem sehe.

      Wenn mir was wichtig ist, kann ich mich zwar immer durchsetzen (kein Alkohol, keine Drogen, keine Piercings, kein Tattoo)
      Ist mir etwas wichtig, was auch den anderen betrifft, versuche ich entweder, den anderen zu überzeugen oder gehe Kompromisse ein.

      Aber bei weniger unmittelbar wichtigen Sachen bin ich aber genau wie du. Beispielsweise bei politischen Themen, die großteils auch mein SI sind, solange es um Gesellschaft und Wirtschaft/Staat geht.

      Wenn jemand aus der AFD zu mir kommt und seine Ansichten vorträgt, nicke ich und schaue, dass ich die Logik nachvollziehen kann, damit wir eine Gesprächsbasis haben. :nod: Und im gemeinsamen Gespräch kann ich dann die Weltsicht meines Gegenübers nachempfinden, auch wenn ich selbst in Weltsicht und Ansichten höchstwahrscheinlich ganz anders bin. Das macht mir sogar Spaß, denn so lerne ich zu meinem (breit gefassten) SI dazu. Was würde mir ein Konflikt hier nutzen? :m(:

      Ich bin auch bei anderen Diskussionen so, die nicht unmittelbar meine langfristige Gesundheit oder Lebensplanung betreffen. Da ist mir die so viel gepriesene "Standhaftigkeit" total egal... weil ich nicht einsehe, wozu ich hier einen Konflikt starten sollte. Vielleicht werde ich deshalb als schwach angesehen, ich würde es eher schlau nennen :lol: und kräftesparend.
      Dieser Weg wird kein leichter sein/ Dieser Weg wird steinig und schwer
      Nicht mit vielen wirst du dir einig sein / Doch dieses Leben bietet so viel mehr.
      Profilbild von David Gaillet

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Kleines Licht ()

    • Leonora schrieb:

      An meiner Lebenssituation ist halt vieles kompliziert und erklärungsbedürftig für Menschen, die keine Ahnung von Autismus/Behinderungen haben, und scheinbar unverfängliche "Abklopf"-Gesprächsthemen führen sogleich auf schwieriges Terrain. Daher weiche ich inzwischen lieber aus, obwohl ich ursprünglich eigentlich keine Angst vor Menschen hatte und prinzipiell auch an Kontakten interessiert war bzw. im passenden Kontext noch bin.
      So ähnlich geht es mir auch.

      Leonora schrieb:

      Sofern da aber jemand meinen Standpunkt tatsächlich angreift und "auseinander nimmt", gehen mir auch schnell die Argumente aus und ich verstumme.
      Ja, das kenne ich von mir auch.
      Und wenn ich meinen Standpunkt vertrete und er jenseits des Erfahrungsfeldes der anderen ist, kann ich mich dann auch oft nicht so ausdrücken, daß ich wirklich vermittelt bekomme, was ich meine.