Wie funktioniert Freundschaft?

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    • Darlina schrieb:

      Wie krischt man so etwas hin? Echte, gute Freundschaft?
      Das erste Kennenlernen kann durchaus online laufen - aber dann muss auch bald mal in die Realität rein. Also macht es Sinn jemanden zu finden, der in relativer Nähe wohnt (halt die Entfernung und Fahrzeit, die man bequem regelmäßig schaffen kann).

      Ich habe gute Bekannte weltweit - aber eben nur Bekannte. Freunde können das nicht sein, auch wen ich die meisten auch schon persönlich getroffen habe. Aber die Nähe, die Vertrautheit - das kann (zumindest bei mir) nicht online entstehen.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
    • Necroghoul7 schrieb:

      Eins meiner Probleme ist, daß ich das direkt zum Diskussionsthema machen würde und offen sagen würde, daß ich es ungerecht und verletzend finde, wenn jemand sich immer nur dann meldet, wenn er jemanden zum Ausheulen braucht, aber sich während einer Beziehung nicht auch mal Zeit für die Freundschaft/Bekanntschaft nimmt.
      Das würde ich auch machen, wenn die Person eine echte Freundin wäre. Weil mir der Kontakt dann wichtig wäre und mir ihr Verhalten näher gehen würde. Zum Glück ist sie mir nicht so nah, dass es mich ernsthaft verletzen würde.
      Die ersten Male war ich irritiert, als sie sich so verhalten hat. Mittlerweile kann ich es mit einer amüsierten Distanz sehen, wie das Spiel wieder von vorne los geht. Und mittlerweile lasse ich sie dann auch auflaufen und habe dann keine Zeit für sie, wenn sie alle paar Jahre mal ihre Phase hat, wo sie sich meldet. :)
    • Necroghoul7 schrieb:

      Das Problem liegt zumindest bei mir darin, daß es in erreichbarer Nähe zu wenige potentiell zu mir passende Menschen gibt
      Ja. Daran habe ich auch schon mal gedacht. Die Gruppen, in denen ich bin, haben Leute, wo sich Interessenüberschneidungen zu mir bei dem Punkt des gemeinsamen Tuns ergeben (in den jeweiligen Gruppen). Etwas darüber hinaus zu finden, was uns ansonsten noch interessiert, finde ich schwer, zumal die Leute in den meisten Gruppen wesentlich älter sind, als ich, ich in einer Gruppe nur die Gruppenleitung regelmäßiger sehe und in den anderen Gruppen (also wo man sich halt zu einer gemeinsamen Aktivität mal trifft) sind überwiegend Leute, die sich schon lange kennen, z.T. auch privat, mit Partnern, erwachsenen Kindern, etc. .
      Finde ich schwer grade, andere Gruppen für mich zu finden, wo es anders sein könnte, plus die Tatsache, dass jedes Suchen Energie braucht und auch die Überlegung, etwas vom Alten schleifen zu lassen oder ganz aufzugeben. Nur wie, wenn das Andere noch nicht fest ist und man froh über das ist, was man wenigstens (teilweise positiv) hat?

      Necroghoul7 schrieb:

      Da ich meine Minimalansprüche nun nicht noch weiter herunterschrauben will, habe ich jetzt erst mal keine Freunde mehr.
      Das klingt übel (im Sinne von traurig), kann ich aber verstehen.

      Necroghoul7 schrieb:

      Mir wäre es am liebsten, den "Status" öfter mal ehrlich abzufragen und gegebenenfalls anzupassen, damit man nicht enttäuscht wird.
      Vielleicht wissen das manche Leute selber nicht so genau oder sie wollen nicht verletzen.
    • Neu

      Hallo,

      Ein sehr wichtiger Faden, den ich schon länger verfolge; echte Freundschaften aufbauen und am Leben halten, ist für mich eine Schwierigkeit.

      Necroghoul7 schrieb:

      . Da ich meine Minimalansprüche nun nicht noch weiter herunterschrauben will, habe ich jetzt erst mal keine Freunde mehr.....(...)...

      Leider mögen die meisten Leute es nicht, wenn man darüber spricht, was man unter welchen Bedingungen voneinander zu erwarten hat, weil sie das als berechnend empfinden, dabei würde mir das Sicherheit bieten, vor allem, weil dann beide Seiten auch ihre Motive und Gründe (und gegebenenfalls Vorerfahrungen) erklären können und man noch genauer weiß, womit man zu rechnen hat, und sich dann darauf einstellen kann.
      Hätte ich vorher gewußt, daß ich jetzt mit einem Problem allein dastehe, dann hätte ich mich z.B. in den letzten Jahren mehr abgegrenzt und auf eigene Befindlichkeiten mehr Rücksicht genommen, als ich für die "Freundin" springen und Zeit opfern und verläßlich sein "durfte" :sarcasm: .

      ....(...)...
      Vielleicht besteht mein Hauptproblem tatsächlich darin, daß für mich Freundschaft anders funktioniert als für die meisten anderen Leute. Nur wie soll man ohne Verbindlichkeit vertrauen können, was ist eine Freundschaft schon wert, die nicht einmal die erste Krise bzw. "Probe" besteht, wenn es ans "Eingemachte geht?! Ein Kontakt, der nur hält, solange man beim Kaffee über Gott und die Welt plaudert und morgen schon alles Gesagte wieder vergessen und umgewertet sein kann? Dann bleibe ich lieber unbeliebt und allein.
      Geht mir ziemlich ähnlich... Ich will weder um Freundschaft betteln müssen noch will ich rumheucheln - schon beim Drandenken wir mir davon schlecht. Zweckbekanntschaften, die sich immer nur um einen Punkt drehen oder Menschen, die mich für ihre Zwecke benutzen un Spielchen spielen , habe ich abgeschafft. oder einschlafen lassen. .
      Dann lieber allein. Sich selbst genug sein können, die eigene Gesellschaft schätzen lernen ist eine gute Übung .

      Freundschaft ist die kleine Schwester von Liebe, oder sehe ich das falsch ?

      Das wächst und kann nicht erzwungen werden - das www und die sozialen Netzwerke können echte persönliche Freundschaften nicht ersetzen - meine Meinung.

      Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Diskretion , Wärme und jeder kann sich geben, wie er ist, Schwächen können zugelassen werden, bereichernder Austausch findet statt , Konkurrenz ist nicht nötig, jeder gibt von sich selbst und Interessen überschneiden sich häufig, Freiheit ist da für persönliches Wachstum und jeder freut sich, wie sich der andere .weiterentwickelt - das ist, was mir bei "Freundschaft" einfällt. .

      Immer mal wieder reflektieren, wo man steht - das passiert auch dabei, aber die Ansprüche , die gegenseitig erfüllt werden können, die ergeben sich meistens eher im Ungang miteinander.
      Ich kann mir eine Diskussion über den Stand und die Ansprüche in einer Freunschaft auch nicht vorstellen....da muss ich sofort an "Geschäfte machen" denken und Freundschaft ist doch auch freiwillig .

      Momentan verfüge ich nur über eine wirklich gute Freundin nahebei und zwei, die leider nicht so einfach zu erreichen sind. Mein innerstes Herz kennt keine von den dreien, dafür gibt es bei mir ein wildes Tagebuch...
    • Neu

      Hallo, Leseratte,

      Du hast gefragt, wie ich das mit dem innersten Herz meine; ob ich diese Freundinnen nicht kennen würde .

      Diese lieben Frauen sind schon lange an meiner Seite und da möchte ich sie noch lange sehen ."Jemanden kennen" - soweit sie mich an sich teilhaben lassen, kenne ich sie und umgekehrt.
      Eine Freundschaft ist zerbrechlich und gleichzeitig auch belastbarer als gewöhnliche Kontakte zu anderen Menschen: Freunde können untereinander Dinge ansprechen, die nicht jedem mitgeteilt werden. Man kann sich gegenseitig etwas ausleihen oder um besondere Gefallen bitten. Die Gefallen kann der andere auch ablehnen - das sollte die Freundschaft ansich nicht belasten. Da ist eine besondere Zuverlässigkeit vorhanden.

      Geben und Nehmen spielt sich in alle Bereiche einer Beziehung hinein.
      Beide Partner sind für das Gelingen einer Freundschaft verantwortlich, es liegt nicht nur an einem.

      Würde ich meinen Freundinnen wirklich alles mitteilen, was in mir vorgeht, dann würde ich sie mehr belasten als gut und notwendig ist.
      Tätig helfen könnten sie mir nicht, aber ich hätte sie belastet , ihnen meine Schmerzen aufgebürdet. Und ich möchte meine Freundinnen nicht wie einen Mülleimer benutzen, dafür sind sie mir zu kostbar.

      Wenn es wirklich was Schlimmes ist, und ich nicht mehr ein noch aus weiss, scheue ich mich nicht, bei Einer der Drei anzurufen, aber das passiert sehr selten.
      Ich halte manches zurück und versuche zuerst, Situationen ohne diese Hilfe alleine zu lösen.
      Das tue ich, damit wir zusammen aneinander / miteinander mehr Freude haben können und nicht nur Unangenehmes teilen .


      Hat das Deine Frage beantworten können ?

      Liebe Grüße !
    • Neu

      Hallo Marcie,

      Du beziehst Dich eher auf mich, oder? Ich weiß aber grade nicht, ob Leseratte Ähnliches geschrieben hat, wie ich.
      Ist aber auch nicht schlimm. Ich beziehe mich jetzt einfach mal auf Deinen Beitrag:

      Marcie schrieb:

      Würde ich meinen Freundinnen wirklich alles mitteilen, was in mir vorgeht, dann würde ich sie mehr belasten als gut und notwendig ist.
      Tätig helfen könnten sie mir nicht, aber ich hätte sie belastet , ihnen meine Schmerzen aufgebürdet. Und ich möchte meine Freundinnen nicht wie einen Mülleimer benutzen, dafür sind sie mir zu kostbar.
      Ich finde das einen sehr wichtigen Aspekt, der aber auch die Frage wieder am Laufen hält, was Freundschaft eigentlich ist.
      Du hast Dich für den Weg entschieden (so verstehe ich es), dass Du sagst, dass Du mit Deinen Freundinnen schon Einiges teilen kannst, Ihnen aber auch nicht alles aufbürdest, um sie zu schützen. ...und damit vielleicht z.T. auch die Freundschaft.
      Da ist dann die Frage: Wieviel hält Freundschaft aus, wieviel kann, soll sie "aushalten"? (Wobei ich den Begriff "aushalten" dabei echt doof finde!!!).
      Vielleicht ist da so die Waage aus: Man muss nicht alles besprechen, man darf sich aber auch in gewisser Weise "zumuten". Kommt dabei sicher auch darauf an, wie die jeweiligen Personen, Netzwerke, Situationen sind.

      Ich weiß ja nicht, wie Dein Umfeld so ist und welche Themen Du hast, aber wo würdest Du denn hingehen, mit einem Thema, dass Dir zu schwer für eine Freundschaft wäre?

      Für mich hat das so ein bisschen was von "zurückhalten": Wie weit kann ich von meinen Themen reden und fühle mich da gehört und "aufgenommen" und wo ist es zuviel für den Kontakt? Ab welch einem "Punkt" ist es mehr als Bekanntschaft und ab wo braucht man mehr als Freundschaft?

      Spannendes Thema jedenfalls grade hier. Klärt immer noch nicht das Thema, wo man für sich passende Freundschaften bekommt, aber ist doch ganz gut, sich darüber auszutauschen.
    • Neu

      Als ich anfing, mich meiner "Freundin" "zuzumuten", was soviel heißt wie nicht mehr nur zuhören, was sie auf dem Herzen hat, sondern auch mal ein wenig mehr von dem preiszugeben, was in mir vorgeht, erhielt ich nach kurzer Zeit die Kündigung der "Freundschaft".
    • Neu

      Umpf!
      Das ist übel!

      Habe ich bei einer Freundin auch erlebt.
      Hatte ich gerade bei ihr nicht erwartet.

      Die Mitmenschen sind unterschiedlich stark belastbar, finde ich inzwischen.
      Du (und ich) haben das Freundschaftsverhältnis zu stark belastet. Schade, dass uns das erst später auffiel.
      Mehr Aspies das "Bunte Verdienstkreuz"!
    • Neu

      @Capricorn Ja, das ist schade. Schade war auch, dass für sie alles in Ordnung war, solange es um ihre Belange ging und ich so getan habe, als hätte ich keinen Willen und keine eigene Persönlichkeit. Aber das war meine Schuld. Hab mich irgendwann zu stark an sie angepasst, aus Angst, sie sonst zu verlieren. Am Ende habe ich quasi ein wenig rebelliert und dafür dann auch die Quittung erhalten.
    • Neu

      Ein wichtiger Teil (von vielen) in einer Freundschaft ist für mich, dass man sich gegenseitig auch Fehler verzeiht und, dass man auch mal Kritik vom anderen aushält, auch wenn sie vielleicht aufgrund der aktuellen Situation des Freundes oder der Freundin übertrieben dargestellt wird.
      Im Kern ist dann doch oft was wahres dran und wenn man neutral darüber nachdenkt, dann kann einem das auch manchaml in unterschiedlichen Lebenssituationen helfen.

      Einen weiteren Punkt sehe ich darin, dass man abschätzen muss, wieviel Platz zeitlich im Leben des Freundes für einen selbst ist.
      Die richtige Menge gemeinsame Zeit kann wunderschön sein, aber wenn einer zuviel Zeit fordert, dann kann es auch überfordern.

      Beim Reden über eigene Probleme finde ich es sinnvoll, auf ein gesundes Maß zu achten, denn meistens hat jeder so seine Probleme und wenn man dann die eigenen Probleme verarbeiten muss und dazu kommen noch zu viele Probleme vom Freund, dann kann auch das überfordern.
      Es sollte immer auch genug Zeit für lockere und entspannte Gemeinsamkeit sein.

      Falls man etwas machen möchte, zu dem der Freund oder die Freundin keine Lust hat, oder dies aus anderen Gründen nicht tun möchte, dann finde ich es angebracht, Überredungsversuche zu unterlassen.

      Wenn es eine Freundschaft in Wohnortnähe ist, dann finde ich es auch wichtig, dass man gegenseitig hilfsbereit ist.
      Nicht erst warten bis man gefragt wird, sondern auch einfach mal Hilfe anbieten, wo sie angebracht erscheint, aber nie aufdrängen.
    • Neu

      @Kleine Ist mir auch oft passiert. Bei einer Bekannten (für mich früher ne Freundin) ist das so, wie ich früher auch immer war, dass sie mir zu hört und wissen möchte, was es so Neues gibt. Manchmal hab ich auch Angst, dass sowas passiert, aber ich bin nicht mehr wie früher. Heute hab ich mit ihr telefoniert und am Ende gefragt, wie es ihr so geht und dann hat sie mir auch was erzählt. Geben und Nehmen ist mir wichtig.

      Was meinen besten Freund angeht, da hat es gestern auch fast gestritten und es hat mir Angst gemacht, weil ich ihn nicht verlieren will. Leben leider weit auseinander, aber trotzdem. Liegt es auch am Asperger, dass ich, wenn mir jemand etwas zu sagt, es wie ein Versprechen sehe und wenn dann, ohne guten Grund, die Person dies nicht einhält es mich sehr aufregt und verletzt? War gestern nicht so arg schlimm, allerdings ist das schon häufig vorgekommen.
    • Neu

      Hallo,


      Darlina schrieb:

      Du beziehst Dich eher auf mich, oder?

      Ich hab noch nicht alle Namen hier im Blick und einfach nur den faden gelesen und selber mitgedacht ^^



      Darlina schrieb:

      Ich finde das einen sehr wichtigen Aspekt, der aber auch die Frage wieder am Laufen hält, was Freundschaft eigentlich ist.

      Ja, das wärs für mich, das mal grundsätzlich intellektuell zu sortieren, auch für Liebe oder Eltern-Kind-Beziehung ;)
      Eins ist klar: Ein ewig lustig-fluffiges Disneyland ist Liebe, egal welcher Sorte mal nicht und beide/alle sind gefordert.
      Susun Weed hat mal gesagt: "Liebe kann verdammt rauh sein "

      Darlina schrieb:
      "Du hast Dich für den Weg entschieden ...(...), dass Du sagst, dass Du mit Deinen Freundinnen schon Einiges teilen kannst, Ihnen aber auch nicht alles aufbürdest, um sie zu schützen. ...und damit vielleicht z.T. auch die Freundschaft. Da ist dann die Frage: Wieviel hält Freundschaft aus, wieviel kann, soll sie "aushalten"? (Wobei ich den Begriff "aushalten" dabei echt doof finde!!!).Vielleicht ist da so die Waage aus: Man muss nicht alles besprechen, man darf sich aber auch in gewisser Weise "zumuten".

      Yep, so sehe ich as
      . Vielleicht ersetzt Du für Dich das Wort "aushalten" mit "tragen" ?
      Wortspiel : Ich mute mich zu - Du hast den Mut mit mir um-zu-gehen


      Darlina schrieb:
      "Ich weiß ja nicht, wie Dein Umfeld so ist und welche Themen Du hast,aber wo würdest Du denn hingehen, mit einem Thema, dass Dir zu schwer
      für eine Freundschaft wäre?
      Für mich hat das so ein bisschen was von "zurückhalten": Wie weit kann ich von meinen Themen reden und fühle mich da gehört und "aufgenommen"
      und wo ist es zuviel für den Kontakt? Ab welch einem "Punkt" ist es mehr als Bekanntschaft und ab wo braucht man mehr als Freundschaft?
      "

      Sehr gute Frage !
      Da weiss ich niemanden ausser mir selbst. In den allermeisten Fällen war ich in der Lage , allein eine Lösung oder Strategie dafür zu finden. Es gibt immer mindestens drei Möglichkeiten zur Lösung eines Problems, man muss sie halt suchen und finden.
      Ich habe äusserst schlechte Erfahrungen damit gemacht, mich anderen Menschen vollständig zu öffnen und ihnen meine seelischen Verletzungen zu zeigen : Entweder wurde es gegen mich benutzt / ich wurde ausgenutzt / es fanden dumme Spielchen statt / ich wurde 'verkauft'
      oder es ging viel von der Beziehung kaputt, weil ich den Druck, der auf mir liegt, weitergetragen habe zu jemandem, der zu zart war.

      Darlina schrieb: Klärt immer noch nicht, woher man für sich passende Freundschaften bekommt...


      Falls das klärbar ist !
      Mir stellt sich ganz leise und theoretisch die Frage, ob zwei Aspies in der Lage sind, eine regelmässige persönliche Freundschaft zu pflegen...

      Capricorn schrieb:



      Die Mitmenschen sind unterschiedlich stark belastbar, finde ich inzwischen.
      Du (und ich) haben das Freundschaftsverhältnis zu stark belastet. Schade, dass uns das erst später auffiel.
      Ich bin vielleicht ein bisschen ironisch: Aber wie hätte man das sonst lernen können ? ich glaube, dass jeder so eine ähnliche Erfahrung in seinem Leben macht. Egal, welches Thema es ist, scheinbar reicht es dem Menschen ansich nicht, wenn ein Erfahrener als er selbst ist, ihm sagt: "mach das so und so und auf keinen Fall so ..."

      Ivy schrieb:

      ...aber ich bin nicht mehr wie früher. Heute hab ich mit ihr telefoniert und am Ende gefragt, wie es ihr so geht und dann hat sie mir auch was erzählt. Geben und Nehmen ist mir wichtig.

      Was meinen besten Freund angeht, da hat es gestern auch fast gestritten und es hat mir Angst gemacht, weil ich ihn nicht verlieren will. Leben leider weit auseinander, aber trotzdem. Liegt es auch am Asperger, dass ich, wenn mir jemand etwas zu sagt, es wie ein Versprechen sehe und wenn dann, ohne guten Grund, die Person dies nicht einhält es mich sehr aufregt und verletzt? War gestern nicht so arg schlimm, allerdings ist das schon häufig vorgekommen.
      Wenn einer sagt, "ich tu das !", dann nehme ich ihn beim Wort - das ist für mich ein Versprechen und ich bin sehr getroffen, wenn das nicht eingehalten wird, denn ich verspreche nur, wenn ich ziemlich sicher bin, dass ich das einhalten kann . Wenn ich gegebenes Wort nicht einlösen kann, dann erkläre ich, warum ich dieses Versprechen nicht halten kann und lasse ich mich davon von der Person freisprechen.

      Scheinbar ist es aus Höflichkeit absolut üblich im Salltalkmodus "Ich mach das für Dich" zu sagen ohne es ernst zu meinen 8o

      Ist mir grade kürzlich passiert:
      ich musste dringend meinem Küchenschrank reparieren und hatte keinen 2er Bohrer .
      Ich frage E. und E sagt:
      "Kein Problem, habe Handbohrer, kannste haben ,
      bringe ich zu X , kannst Dir bei X abholen und dort wieder hinbringen!"
      Ich sage ganz ausdrücklich:
      "Wunderbar , ich bitte Dich sehr darum,
      der Schrank bricht sonst an der Stelle und ich habe kein Geld für einen neuen !"
      Ich warte zwei Wochen, drei Wochen, es passiert nichts.
      Treffe X - E war in der Zwischenzeit dreimal dort - auch nichts.
      Ich helfe mir mit dem bei mir vorhandenen Werkzeug selbst,
      pfusche was ordentliches und der Schrank ist repariert.

      X bringt zufällig E mit zu mir.
      E sieht sofort die erfolgte Reparatur ,
      lacht und sagt leichthin: "Ach, Ich habe noch garnicht nach dem Bohrer gesucht."

      Fazit: ich bleibe freundlich und
      E wird von mir nicht mehr ernst genommen.
      E wird für mich im Bekanntenstatus bleiben.

      Es gibt eine Gesprächstechnik von Marshall Rosenberg, die nennt sich Gewaltfreie Kommunikation, kurz GFK. Diese Art , zu kommunizieren ist lernbar und man ist dadurch in der Lage , brenzligen Themen und Gesprächen das Aggressionspotential zu nehmen. Es muss geübt sein und das dauert ein Weilchen, bis jemand in der Lage ist, immer wieder bewusst für die jeweilige Situation zu bleiben.. Wichtig ist auch immer, dem anderen zu signalisieren und zu sagen, dass man ihn sehr wertschätzt - Beziehung ist ja keine Selbstverständlichkeit.


      @Lichterfreund


      Da zitiere ich garnicht erst, Du hast das klasse knackig auf den Punkt gebracht :thumbup:
    • Neu

      Marcie schrieb:

      Würde ich meinen Freundinnen wirklich alles mitteilen, was in mir vorgeht, dann würde ich sie mehr belasten als gut und notwendig ist.
      Tätig helfen könnten sie mir nicht, aber ich hätte sie belastet , ihnen meine Schmerzen aufgebürdet. Und ich möchte meine Freundinnen nicht wie einen Mülleimer benutzen, dafür sind sie mir zu kostbar.
      Ich kann verstehen, was du meinst - und stimme dir so halb zu. Warum nur halb? Weil sehr oft geteiltes Leid tatsächlich halbes Leid ist. Ich erwarte von meiner Freundin nicht, dass sie für meine Probleme Lösungen hat oder sucht. Meist reicht aktives Zuhören, um eine Situation leichter erträglich zu machen. Sich ausquatschen, sich Kummer oder Ärger von der Seele zu reden - das ist für mich eine wichtige Funktion in einer Freundschaft und keine Mülleimerfunktion.

      Meine einzige Abwägung ist die aktuelle Situation meiner Freundin. Wenn ich weiß, dass es ihr nicht gut geht oder sie selbst grad ein großes Problem hat, belästige ich sie nicht noch zusätzlich mit unwichtigen Problemen. Obwohl das, je nach Situtation, sogar eine willkommene Abwechslung sein kann, weil es die Gedanken (zumindest kurzzeitig) vom eigenen Gedankenkarussell absteigen lässt.

      Wenn ich so nachdenke.... wenn meine Freundin denken und handeln würde wie du, käme ich mir nicht wertgeschätzt vor. Ich würde denken, dass sie mir nicht zutraut, mich abgrenzen zu können oder sie trösten zu können. Ich empfände das als eine Art von Distanz, die mir nicht gefällt. So verhalte ich mich gegenüber guten Bekannten.

      Lichterfreund schrieb:

      Ein wichtiger Teil (von vielen) in einer Freundschaft ist für mich, dass man sich gegenseitig auch Fehler verzeiht und, dass man auch mal Kritik vom anderen aushält, auch wenn sie vielleicht aufgrund der aktuellen Situation des Freundes oder der Freundin übertrieben dargestellt wird.
      Volle Zustimmung von mir. Ehrlichkeit, eben auch den Fehler des Freundes gegenüber, ist so ziemlich der wichtigste Punkt in einer Freundschaft.
      ~ Mir egal - ich bin ein Einhorn. ~
    • Neu

      Marcie schrieb:

      Freundschaft ist die kleine Schwester von Liebe,
      Das Gute an Freundschaft gegenüber Liebe ist, daß man bei der Auswahl emotional nicht so befangen ist. Beim Verlieben ist es ja so, daß man sich das nicht aussuchen kann, in wen man sich verliebt, und daß man Vieles unrealistisch sieht.

      Kleine schrieb:

      erhielt ich nach kurzer Zeit die Kündigung der "Freundschaft
      Da mir das auch schon so ging, beuge ich für die Zukunft vor, indem ich vor dem Eingehen einer engeren Freundschaft solche kritischen Punkte abklopfe.

      Darlina schrieb:

      das manche Leute selber nicht so genau oder sie wollen nicht verletzen.
      Wenn die Hoffnungen/Erwartungen usw. noch unklar sind, kann man darüber auch offen sprechen. Und jemanden auszunutzen (z.B. seine Dienste/Opfer, sein Zuhören, seine Flexibilität), der bereit ist mehr zu geben als man selbst bzw. dem die Freundschaft mehr bedeutet, das ist einfach nur verlogene Ausbeutung - das verletzt mich noch mehr, wenn ich das dann in einer entscheidenden Situation (so wie jetzt) rauskriege. Hätte ich vorher gewußt, wie einige mich als Dank behandeln würden, hätte ich vorher viel weniger für sie getan.

      Leseratte schrieb:

      Meist reicht aktives Zuhören, um eine Situation leichter erträglich zu machen. Sich ausquatschen
      Das muß für mich auch ein Geben und Nehmen sein. Bei mir war es oft so, daß Leute mir immer wieder von denselben Problemen erzählen, nur selten meine Ratschläge annahmen (obwohl ich angeblich gute Ideen hatte?) und für meinen Kummer wiederum nur Allgemeinplätze übrig hatten (also gedanklich nicht mal richtig auf mich eingingen, um mir aus meiner Perspektive heraus etwas Hilfreiches oder wenigstens Tröstendes zu sagen oder anzubieten). Das nervt dann irgendwann (wenn derjenige monate-, ja jahrelang nichts ändert und keinerlei Hilfe annimmt, aber trotzdem weiterjammert), vor allem, wenn einen das runterzieht, weil man sich fragt: "Was will derjenige jetzt überhaupt von mir?!" Und umgekehrt, wenn man dann selbst von seinen Problemen erzählt, kommt sowas wie: "Ja, das klingt kompliziert, da wüßte ich auch nicht, was ich machen soll, tut mir leid, geh doch mal zu einer Beratungsstelle..." Man kann jemandem natürlich den Rat geben, sich professionelle Hilfe bei bestimmten Problemen zu holen, aber ich merke schon, wie das mit dem Geben und Nehmen auch beim "Ausheulen" verteilt ist... :(

      Marcie schrieb:

      die nennt sich Gewaltfreie Kommunikation, kurz GFK.
      Der Begriff nervt mich schon so, daß ich schon gar kein Interesse mehr daran habe, klingt sehr "pc", neumodisch (so wie die moderne Erziehung, deren Ergebnisse man täglich bestaunen kann :sarcasm: ). Manchmal braucht es Erpressung oder Streit, und dann muß ich das auch nicht verbal beschönigen. Meiner (jetzt Ex-)Freundin habe ich auch die Meinung gesagt, und ich hoffe, daß es NICHT "gewaltfrei" war und sie sich wenigstens etwas mies gefühlt hat nach dem, was sie sich bei mir geleistet hat. Was ich aber auch nicht OK finde, ist Psychoterror, wie ihn z.B. Borderliner oder Schizophrene gern verbreiten, es sollte immer angemessen und möglichst konstruktiv sein.
    • Neu

      Ivy schrieb:

      Liegt es auch am Asperger, dass ich, wenn mir jemand etwas zu sagt, es wie ein Versprechen sehe und wenn dann, ohne guten Grund, die Person dies nicht einhält es mich sehr aufregt und verletzt?
      Ich glaube nicht, dass es nur daran liegt. Für mich hat es etwas mit Verlässlichkeit zu tun. Warum sonst heißen die Dingen denn Versprechen, wenn man sich nicht daran halten soll? Es kann natürlich immer sein, dass etwas nicht klappt, aber so den grundsätzlichen Willen, sich an Vereinbaren bzw. Versprechen zu halten, finde ich wichtig. ...und da finde ich es nur logisch, wenn man dem Vertrauen schenkt, dass man dann verletzt sein kann, wenn die andere Person sich nicht daran hält.
      Ich finde nur (und das macht mir Gedanken), dass "die Leute" immer weniger an Andere denken und wechselhafter mit ihren Zustimmung zu etwas sind,...je nachdem, was grade bei Ihnen selbst ist. ...und ich habe den Eindruck, dass immer weniger Leute äußern, dass es sie verletzt...und immer weniger sich dadurch etwas ändert, wenn man etwas anspricht. Aus Eigenschutz, aus Gefühlsstumpfheit, weil die eigenen Bedürfnisse dann doch wichtiger erscheinen, als eine gute Bindung zu Person x,...ich weiß es nicht (und noch weniger, wie daraus langanhaltende Partnerschaft entstehen soll).

      Marcie schrieb:

      Falls das klärbar ist !
      Mir stellt sich ganz leise und theoretisch die Frage, ob zwei Aspies in der Lage sind, eine regelmässige persönliche Freundschaft zu pflegen...
      Ich weiß nicht, was ich bin. Wenn ich hier aber im Forum mitlese, so lese ich doch recht oft, dass auch Leute, die schreiben, dass sie Aspi sind, Freunde und Partnerschaften haben. Das wundert und das freut mich. Auf der einen Seite macht das Hoffnung, auf der anderen Seite verwischt sich aber auch mein Bild vom "Aspi-Sein",...und dann wird noch unklarer, was bei mir eigentlich ist.

      Marcie schrieb:

      ich glaube, dass jeder so eine ähnliche Erfahrung in seinem Leben macht. Egal, welches Thema es ist, scheinbar reicht es dem Menschen ansich nicht, wenn ein Erfahrener als er selbst ist, ihm sagt: "mach das so und so und auf keinen Fall so ..."
      Bei mir ist es so, dass ich Leute brauchen, die mir sagen, wie sie es machen würden, mir Vorschläge machen, wie ich es machen könnte, Ideenanreize geben, etc. . Natürlich nicht aufdrängend und erwartend gemeint, a la: "Wenn ich Dir was sagen, dann musst Du das auch so machen, sonst....".
      Irgendwie brauche ich jemanden, der da ist, der ein Gegenüber ist, der mich aber auch nicht bedrängt. Also man kann Vorschläge machen und Tipps geben, aber auch die Freiheit lassen, dass der andere selbst abwägen kann, was er macht. Meistens merke ich dann, in welche Richtung es für mich gehen kann. Ich merke, ob ich dem, was der andere sagt, eher zustimmen kann oder nicht.
      Vielleicht ist das für manche Leute schwer zu verstehen, dass der Wunsch nach der Meinung eines Anderen (für mich) nicht gleich bedeutet, dass man möchte, dass der andere für einen entscheidet. So etwas höre ich öfters, wenn ich (z.B. auch Fachleute) frage. Ich will nicht wirklich, dass die für mich entscheiden. Ich brauche nur manchmal jemanden, der "da" ist, mit dem ich mich austauschen kann und der mir eine Empfehlung geben kann,...einen echten, wohlwollend gemeinten Tipp, etc.,...mit echtem Interesse an einem und der Situation...und kein "Ja,ja, ich sag jetzt mal irgendeinen Standartspruch oder Standardspruch und dann bin ich aus der Nr. Tippgeben und Beratung raus".

      @Lichterfreund: Ich kann Deinem Beitrag sehr gut zustimmen.
    • Neu

      Während ich schrieb, ist noch ein Beitrag gekommen, auf den ich nun noch antworten mag.

      Necroghoul7 schrieb:

      Das Gute an Freundschaft gegenüber Liebe ist, daß man bei der Auswahl emotional nicht so befangen ist. Beim Verlieben ist es ja so, daß man sich das nicht aussuchen kann, in wen man sich verliebt, und daß man Vieles unrealistisch sieht.
      Ja, wobei Liebe ja nicht unbedingt das Gleiche wie Verliebt-sein ist.

      Necroghoul7 schrieb:

      gedanklich nicht mal richtig auf mich eingingen, um mir aus meiner Perspektive heraus etwas Hilfreiches oder wenigstens Tröstendes zu sagen oder anzubieten). Das nervt dann irgendwann (wenn derjenige monate-, ja jahrelang nichts ändert und keinerlei Hilfe annimmt, aber trotzdem weiterjammert), vor allem, wenn einen das runterzieht, weil man sich fragt: "Was will derjenige jetzt überhaupt von mir?!"
      Ich kann mir vorstellen, dass die Person vielleicht überfordert war, mit ihren eigenen Themen (aus denen sie scheinbar nicht rauskam) und deshalb wenig "Kopf frei" für Andere/s hatte, auch wenn sie es vielleicht wollte...und dann lieber allgemein darauf eingegangen ist, als spezifisch. Vielleicht wollte sie auch helfen, konnte aber nicht. ...was ja auch in Verbindung damit stehen könnte, dass sie für sich selber scheinbar auch nicht helfen konnte.
      Ändert natürlich nichts daran, wenn Du Dich verletzt, nicht verstanden, o.Ä. erzählst, wenn es ein Ungleichgewicht gibt im der Helfehäufigkeit, Helfequalität, etc. .
    • Neu

      Darlina schrieb:

      und deshalb wenig "Kopf frei" für Andere/s hatte, auch wenn sie es vielleicht wollte
      Ja, deine Erklärung stimmt für einige Ex-Bekannte/-"Freunde". Aber wenn so ein Zustand zum Dauerzustand wird, ist das nervig.

      Leseratte schrieb:

      Das ist für eine Grundvoraussetzung für Freundschaft
      Ich glaube, daß man das Geben und Nehmen wohl häufiger verhandeln muß: Ich habe mehrfach den Fehler gemacht, meine Maßstäbe/Verhältnisse nicht eindeutig mitzuteilen und die des Gegenübers nicht klar und differenziert genug in Erfahrung zu bringen, bevor ich mich auf näheren Kontakt einließ. Das Problem ist nur, daß man damit berechnend wirkt, wenn man das für viele Situationen und mögliche Konflikte immer frühzeitig abklären möchte. Dabei bin ich jemand, der gar nicht berechnend oder verrechnend oder Korinthenkacker ist, und will darin nicht falsch eingeschätzt werden. Meine Grundvoraussetzung für Freundschaft ist, ziemlich simpel, daß ich denjenigen spontan sympathisch finde. Das hat sich im Nachhinein immer noch als allerbester Indikator erwiesen, der sogenannte erste Eindruck. Nur wie kommt man an die Leute ran, die man sympathisch findet, in meinem Alter....?