Diagnostik im ZI Mannheim

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Diagnostik im ZI Mannheim

      Hallo liebe Forenmitglieder,

      zunächst einmal hoffe ich, es ist in Ordnung, wenn ich einen Thread zur Diagnostik beim Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim eröffne. Speziell dazu konnte ich keinen Thread finden.

      In der Kölner Ambulanz stehe ich auf der Warteliste, jedoch wurde mir noch kein konkreter Termin genannt. In Mannheim erhielt ich einen Termin Ende August. Jetzt bin ich verunsichert, ob ich auf Köln warten oder lieber zu dem schnelleren Termin in Mannheim gehen soll.

      Hat von euch jemand die Diagnostik in Mannheim durchlaufen und kann etwas zum Ablauf und der Qualität sagen?

      In einem anderen Thread las ich "Geh bloß nicht nach Mannheim", jedoch wurde nicht weiter erläutert weshalb. Außerdem entnahm ich, dass es eine Umstrukturierung in Mannheim gab. Kann auch da jemand etwas dazu sagen?

      Ich danke euch schon für eure Beiträge und Hilfe!
    • Meso schrieb:

      In einem anderen Thread las ich "Geh bloß nicht nach Mannheim",
      Solche Aussagen wirst du über jede Klinik finden, denke ich...

      Über Köln hab ich auch schon schlechte Erfahrungen gelesen.
      Wenn du bereits einen Termin hast, würde ich den an deiner Stelle auch nutzen.

      Ich selber habe zwar keine Erfahrungen mit Mannheim gemacht, aber ich habe auch noch nichts negatives darüber gelesen.
      War Mannheim nicht die erste Autismus Ambulanz in deutschland? Oder war das tübingen? Ich erinner mich nicht mehr aber es war glaube ich im Südwesten.
    • Meso schrieb:

      In einem anderen Thread las ich "Geh bloß nicht nach Mannheim", jedoch wurde nicht weiter erläutert weshalb. Außerdem entnahm ich, dass es eine Umstrukturierung in Mannheim gab. Kann auch da jemand etwas dazu sagen?
      Etwas Konkretes weiß ich auch nicht, nur vom Hörensagen, dass seit Frühjahr 2018 eine neue Person die Diagnostik leitet. Von daher denke ich, dass alte Berichte aus Mannheim nur noch wenig Aussagekraft haben, weil die Kritik weitgehend an einer Einzelperson festgemacht wurde, die nun eben nicht mehr dort ist. Meine persönliche Meinung: ruhig ausprobieren. Und dann hier berichten.
    • Grübler_1988 schrieb:

      RegenbogenWusli schrieb:

      War Mannheim nicht die erste Autismus Ambulanz in deutschland? Oder war das tübingen? Ich erinner mich nicht mehr aber es war glaube ich im Südwesten.
      Dann wird es wohl die Uniklinik Freiburg sein. In Freiburg und Köln sind die ältesten Autismus-Spezialambulanzen für Erwachsene, die in Köln besteht seit 2005. Seit wann es die in Freiburg gibt, weiß ich nicht.

      Uniklinik Freiburg schrieb:

      Am Department für Psychische Erkrankungen des Universitätsklinikums Freiburg hat sich seit 2004 eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter sowie des Erwachsenenalters in Hinblick auf die Behandlung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen entwickelt.
      Quelle: uniklinik-freiburg.de/psych/kl…te/asperger-autismus.html
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Zu beiden Terminen hingehen empfinde ich nicht akurat. Inzwischen hat sich Köln gemeldet und der Termin ist noch vor dem in Mannheim. Da ich bereits für Köln Fragebögen ausfüllen musste und Unterlagen einschicken sollte, werde ich nach Köln gehen. Mannheim ist mir zu unsicher.

      Vielleicht kann trotzdem jemand irgendwann berichten, wie es in Mannheim nach der Veränderung abläuft und welchen Eindruck man gewonnen hat.
    • Es gibt am ZI Mannheim immer noch eine Autismus-Sprechstunde. Allerdings ist die Ärztin, die diese jahrelang geleitet hat, seit diesem Jahr nicht mehr da, weshalb ich auf Berichte über sie an dieser Stelle verzichten werde.

      Ein Teilnehmer unserer SHG war dieses Jahr schon dort. Er hat die Diagnose nicht erhalten, obwohl er bei allen Fragebögen über dem Cut-off-Wert war. Die Begründung: Er habe eine zu unauffällige Kindheit gehabt.
      "So many things I would have done, but clouds got in my way." (Joni Mitchell, "Both Sides Now")
    • Minerva schrieb:

      Ein Teilnehmer unserer SHG war dieses Jahr schon dort. Er hat die Diagnose nicht erhalten, obwohl er bei allen Fragebögen über dem Cut-off-Wert war. Die Begründung: Er habe eine zu unauffällige Kindheit gehabt.
      Eine auffällig hohe Punktzahl bei der Auswertung der Fragebögen führt nicht zwangsläufig zu einer AS-Diagnose. Das ist auch gut so, denn theoretisch kann man beim Ausfüllen der Fragebögen bewusst falsche Angaben machen. Die Fragebögen erfüllen lediglich den Zweck, den Patienten grob einzuordnen. Bei der Diagnostik ist es sehr wichtig, dass sich der Arzt einen persönlichen Eindruck vom Patienten verschafft. Deswegen gibt es die "Vier-Augen-Gespräche". Ich nehme das Beispiel der Uniklinik Köln (sie ist die einzige Diagnostikstelle, mit der ich Erfahrung habe): Erreicht die Auswertung der Fragebögen eine auffällig hohe Punktzahl (also über den Cut-off-Wert), wird man dort zum diagnostischen Erstgespräch eingeladen. Allerdings bekommt nur ca. ein Drittel der Patienten, die dort persönlich vorstellig werden, eine AS-Diagnose. Ich zitiere eine Aussage aus dem Deutschen Ärzteblatt: "Erfahrungen aus der eigenen Spezialsprechstunde zeigen dagegen, dass Werte auch weit oberhalb des Grenzwertes keinerlei Rückschlüsse darüber zulassen, ob es sich tatsächlich um ein AS, eine der typischen Differenzialdiagnosen oder lediglich um introvertierte oder sozial gehemmte Charakterzüge ohne Krankheitswert handelt." Hinzu kommt, dass der Teilnehmer aus der Selbsthilfegruppe eine unauffällige Kindheit hatte. Aber autistische Verhaltensweisen/Eigenschaften müssen bereits in der Kindheit auftreten, denn sonst ist es kein AS.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Grübler_1988 ()

    • Grübler_1988 schrieb:

      Eine auffällig hohe Punktzahl bei der Auswertung der Fragebögen führt nicht zwangsläufig zu einer AS-Diagnose. Das ist auch gut so, denn theoretisch kann man beim Ausfüllen der Fragebögen bewusst falsche Angaben machen. Die Fragebögen erfüllen lediglich den Zweck, den Patienten grob einzuordnen. Bei der Diagnostik ist es sehr wichtig, dass sich der Arzt einen persönlichen Eindruck vom Patienten verschafft. Deswegen gibt es die "Vier-Augen-Gespräche".

      Man kann auch ein sehr guter Schauspieler oder aber sehr angepaßt sein...

      Die Problematik des Überdiagnostizierens ist mir bewußt. Dennoch:

      Aber autistische Verhaltensweisen/Eigenschaften müssen bereits in der Kindheit auftreten, denn sonst ist es kein AS.

      Ich habe mir in meiner Kindheit allergrößte Mühe gegeben, nicht allzu sehr aufzufallen, weil ich Angst hatte, sonst nicht gemocht zu werden. Aufgrund meiner überdurchschnittlichen Intelligenz ist mir dies zu einem großen Teil auch ganz gut gelungen. Dies tritt wohl vor allem bei Mädchen auf, weshalb dort von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist.
      Was mich betrifft, habe ich es mit meinen Anpassungsstrategien sogar so weit gebracht, daß ich nach dem Abitur in der Krankenpflege arbeiten konnte und bei vielen Patienten durchaus beliebt war. Aber: Es strengte und strengt mich enorm an. Und das ist eben der Unterschied.

      ... Nun schreibe ich es halt doch:
      Am ZI war es bis Ende letzten Jahres so, daß immer wieder Leute die Diagnose nicht erhielten, weil sie "zu gut kommunizieren" konnten oder den "falschen" Beruf hatten – z.B. Stewardess –, d.h. es hieß z.B., als Asperger-Autist könne man in dem jeweiligen Beruf nicht zurechtkommen, also könne keinen Autismus haben, wer in dem Beruf zurechtkommt. Daß die betreffenden Personen vielleicht einfach nur gute Kompensationsstrategien entwickelt hatten, wurde nicht in Betracht gezogen. Ein paar von diesen Personen erhielten die Diagnose dann in anderen Autismus-Sprechstunden, u.a. in Freiburg, und dort sitzen durchaus Experten.
      "So many things I would have done, but clouds got in my way." (Joni Mitchell, "Both Sides Now")
    • Minerva schrieb:

      ... Nun schreibe ich es halt doch:

      Am ZI war es bis Ende letzten Jahres so, daß immer wieder Leute die Diagnose nicht erhielten, weil sie "zu gut kommunizieren" konnten oder den "falschen" Beruf hatten – z.B. Stewardess –, d.h. es hieß z.B., als Asperger-Autist könne man in dem jeweiligen Beruf nicht zurechtkommen, also könne keinen Autismus haben, wer in dem Beruf zurechtkommt. Daß die betreffenden Personen vielleicht einfach nur gute Kompensationsstrategien entwickelt hatten, wurde nicht in Betracht gezogen. Ein paar von diesen Personen erhielten die Diagnose dann in anderen Autismus-Sprechstunden, u.a. in Freiburg, und dort sitzen durchaus Experten.
      Ich finde es problematisch, wenn Diagnostiker die Kompensationsfähigkeit beim Autismus nicht berücksichtigen, denn sowas führt zu vielen falschen Negativdiagnosen. Die langfristigen Folgen einer falschen Negativdiagnose können für die betroffenen Personen starke Depressionen bis hin zum Suizid sein. Deswegen ist es sehr ratsam, sich an Experten zu wenden. Nur leider gibt es nicht viele von denen.
    • Grübler_1988 schrieb:

      Ich finde es problematisch, wenn Diagnostiker die Kompensationsfähigkeit beim Autismus nicht berücksichtigen, denn sowas führt zu vielen falschen Negativdiagnosen. Die langfristigen Folgen einer falschen Negativdiagnose können für die betroffenen Personen starke Depressionen bis hin zum Suizid sein. Deswegen ist es sehr ratsam, sich an Experten zu wenden. Nur leider gibt es nicht viele von denen.
      Das ist leider überwiegend bei sehr unerfahrenen Diagnostikern der Fall. In meinem Fall war das eine junge Frau so Ende 30. Wenn dann stur die Diagnoseverfahren durchgezogen werden, die ja vor allem auf Kinder abgestimmt sind, kann es natürlich zu Fehlentscheidungen kommen. Hier wäre ein tiefergehendes Hinterfragen erforderlich, das lernt man aber nicht im Studium.

      Mein Autismusverdacht kam auch erst auf, als ich nicht mehr in der Lage war ausreichend zu kompensieren.