Hattet ihr als Kinder "Freunde"?

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    • Cloudactive schrieb:

      1) Wie habt ihr euch anderen Kindern gegenüber verhalten?
      2) Was habt ihr über andere Kinder gedacht?
      3) Wie sah euer Kontakt mit anderen Kindern aus, wenn ihr welchen hattet?
      Ich war immer beobachtend und abwartend. Im Kindergarten habe ich viel gemalt, gebastelt und mit Perlen gespielt. Kreisspiele mochte ich, weil es da 1. Regeln gab und 2. alle das gleiche machten.

      Als ich in der Grundschule war, fand ich Bücher besser als mit anderen Kindern spielen. Wenn andere Kinder zur Strafe Hausarrest bekamen, war es bei mir Leseverbot und ich wurde nach draußen geschickt. Das war für mich der Horror.

      Ein paar Spiele gab es, die ich mochte (auch wieder weil es dort feste Regeln gab): Hinkelkästchen und Gummitwist. Ich war zwar nie besonders gut, aber zumindest konnte ich da stressfrei mit anderen gemeinsam spielen.

      Später in der Realschule und dem Gymnasium hatte ich ein paar Schulkameraden, mit denen ich gemeinsam gelernt habe. Da war ich auch recht beliebt, weil ich wohl gut erklären konnte. So ab 15 oder so wurde ich auch regelmäßig zu Parties eingeladen - und landete meist mit ein paar Jungs im Elternschlafzimmer, um Doppelkopf oder Skat zu spielen. Den Jungen gefiel das anscheinend, weil ich nicht so zickig war die anderen Mädchen - die Mädchen fanden das okay, weil ich als Konkurrentin um die coolen Jungs ausfiel.

      Meist fand ich andere Kinder langweilig und doof. Die wollten immer so komische Sachen ohne Regeln spielen, das konnte ich nicht. Manche haben mich auch geärgert oder verprügelt, bis ich mich einmal (mit 7) richtig wehrte - da war ich völlig ausgerastet und habe total die Kontrolle verloren. Die Eltern des Jungen standen dann bei meinen Eltern vor der Tür und haben verlangt, dass sich der aggressive Sohn (also ich), mich bei ihrem Sohn entschuldigen sollte. Der Bengel war schon fast 10 und in der vierten Klasse - ich war in der zweiten, mehr als einen Kopf kleiner und ein Mädchen. Da hat der arme Kerl auch noch Prügel von seinem Vater bezogen - weil er in Bezug auf mich und meine Größe gelogen hatte - und weil es sich von einem kleinen Mädchen hat verprügeln lassen.

      Danach hatte ich aber meine Ruhe vor den anderen Kindern. Bis wir umzogen als ich 11 war. Als Neue in der Klasse war ich bis zum Abschluss die Aussenseiterin, weil sich schon Cliquen und Grüppchen gebildet hatten. Meist wurde ich aber ignoriert, nur zu einer Klassenkameradin hatte ich etwas mehr Kontakt - sie war aber auch eine Außenseiterin.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Cloudactive schrieb:

      1) Wie habt ihr euch anderen Kindern gegenüber verhalten?

      2) Was habt ihr über andere Kinder gedacht?

      3) Wie sah euer Kontakt mit anderen Kindern aus, wenn ihr welchen hattet?

      Hat sich das im Laufe eures Lebens geändert, wenn ja wie und warum?
      1) ..nicht gerade vorbildhaft. Ich war recht grob im Umgang mit anderen. Dieses "Spieleverhalten" hatte ich nicht. Eine "Freundin", ich weiß nicht wie ich es anders benennen soll, wollte mit mir Barbie spielen und ich riss ihr den Kopf ab. Man kann sich vermutlich vorstellen wie gerne sie noch mit mir "spielte".

      2) Ich dachte mir nicht viel. Großes Interesse an anderen Kinder war nie da und ich fühlte mich auch nie richtig zugehörig.

      3) Der Kontakt bestand meist aus wildem toben bis ich müde war, nach hause gehen und dann alleine im Zimmer sitzen und stundenlang "Schule" spielen mit Puppen und Bären.

      Im Laufe meines Lebens sind schon einige Menschen gekommen und wieder gegangen. Ich hatte früher einige Kontakte die mir schadeten. Seit ca 15 Jahren habe ich gewollt keine Kontakte mehr. Ich fühle mich damit weit wohler und hätte heute auch gar nicht mehr die Energie jedes Wochenende unterwegs zu sein.
    • Cloudactive schrieb:

      1) Wie habt ihr euch anderen Kindern gegenüber verhalten?

      2) Was habt ihr über andere Kinder gedacht?

      3) Wie sah euer Kontakt mit anderen Kindern aus, wenn ihr welchen hattet?

      Hat sich das im Laufe eures Lebens geändert, wenn ja wie und warum?

      1. Soweit ich mich erinnern kann oft besserwisserisch - ansonsten habe ich mich abgekapselt und bei jeder Gelegenheit in meinen mitgebrachten Büchern gelesen.

      2. Ich war oft von ihnen angenervt obwohl ich andererseits sonst was dafür gegeben hätte, einmal zu einem Geburtstag oder einer Party eingeladen zu werden.

      3. Unsicher, befangen, zurückhaltend. Es gab keine Freundschaften.
      Als ich 16 war, hatte sich tatsächlich ein älterer Junge aus der 11. getraut, mich einzuladen. Wir trafen uns, doch kurz nach Beginn des Dates war ich noch so extrem unsicher, dass ich abbrach und flüchtete. Dieses war mein erstes und letztes Date für die nächsten 6 Jahre.

      4. Im Grunde hat sich nichts geändert. Nur, dass ich mir in beruflicher Hinsicht eine funktionale Maske zulegen musste, die mich sehr viel Energie kostet. Ich habe privat keinerlei Kontakte und keinen Partner, weil dafür die Kraft fehlt. Als ich noch einen Partner hatte, brauchte ich sehr viel Ruhezeit für mich. Freizeitaktivitäten und Hobies waren kaum oder gar nicht möglich. Kinder habe ich keine. Ich musste mich entscheiden. Jetzt habe ich meine Arbeit, in welcher ich meine Kontakte in quantitativer Hinsicht weitgehend selbst steuern kann. Soweit ich das beurteilen kann, besteht meine Arbeit zum Teil aus meinem SI, so dass sie qualitativ mich zufrieden macht. Es darf sich nur nichts verändern.
    • Der Umgang mit anderen Kindern war für mich schwierig. Schwierig waren insbesondere in der Schule die Pausen.
      Dort wusste ich oft nicht "wohin mit mir" (RW). - Ich hatte als Kind zeitweise eine Freundin, die jedoch auch ein wenig "anders" war. :d Mit ihr hatte ich witzige Dinge unternommen.

      Ich wurde zwar auch mal zu einem Kindergeburtstag eingeladen aber sicher seltener als die anderen Kinder.
      In der Schule war ich eher der Prügelknabe (RW) :( . Dort schlugen mich sogar die Mädchen :x 8o

      Es gab jedoch auch "die Guten" - nur kam ich spätestens dann, wenn sich Cliquen bildeten, überhaupt nicht mehr klar.
      Meine Hobbies und Interessen waren auch anders als die meiner gleichaltrigen Klassenkameraden.
      Da fand sich dann meist sowieso niemand, der an meinen Interessen Spaß hatte. Vieles habe ich dann über Brieffreundschaften machen können: Z.B. Aufkleber u.ä. sammeln bzw. tauschen.

      Insgesamt habe ich mir während meiner Schulzeit häufiger gewünscht, schon bald erwachsen zu sein. Dann würde alles besser, dachte ich. Für meine Gesprächsthemen fand ich tendenziell eher bei Erwachsenen ein offenes Ohr (RW).
      Die Zeit bis zum Kindergarten war an sich recht glücklich (in meiner Familie).
      An den Kindergarten erinnere ich mich nur, wie ich einem anderen Kind das Pfeifen beibringen wollte, er es aber nicht schaffte.
      Er hatte so raue Haut, wahrscheinlich hatte er Neurodermitis. - Meistens habe ich im Kindergarten sehr gerne gebastelt und mich faszinierte eine Schreibmaschine, die in der Ecke stand. Dort hielt ich mich bevorzugt auf. Ich galt wohl eher als verträumt für die Erwachsenen und konnte viele Dinge erst später, z.B. Schuhe zubinden :roll: . Da habe ich bis heute meine eigene Technik.
      Sohn mit HFA diagnostiziert ...und ich irgendwie ähnlich und doch anders...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von 70Quadrillionen ()

    • Cloudactive schrieb:

      "Hi, wollen wir Freunde sein?"
      Ja, darauf würde man antworten: "Das kann ich jetzt noch nicht wissen, wir kennen uns doch noch gar nicht."
      Aber du könntest dir selbst überlegen, warum du gerade zu Person XY Kontakt möchtest und das dann ehrlich sagen. Bei Menschen, die zu dir passen, wird das auch gut/richtig ankommen. Die anderen, die komisch gucken, mit denen wäre es vermutlich eh nichts geworden.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".