Werden in eure Aussagen Dinge hineininterpretiert, die ihr nicht gemeint habt?

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    • Werden in eure Aussagen Dinge hineininterpretiert, die ihr nicht gemeint habt?

      Kennt ihr das, dass in eure Aussagen Dinge hineininterpretiert werden, die ihr gar nicht gemeint habt? Doppeldeutigkeit von Sprache ist für mich nicht nur im Bezug auf andere eine Quelle von Irritationen, sondern manchmal auch im Bezug auf meine eigene Sprache. Genauso, wie ich oft im Nachhinein grübele, was jemand mit einer Aussage „zwischen den Zeilen“ gemeint haben könnte, grübele ich auch manchmal im Nachhinein darüber nach, welche vermeintliche Doppeldeutigkeit andere aus meinen eigenen Aussagen herausgelesen haben könnten. Weshalb meine Kommunikation Missverständnisse hervorgerufen haben könnte. Manchmal schäme ich mich dafür, was für fälschliche Interpretationen, die ich gar nicht intendieren wollte, meine eigene Kommunikation bei anderen ausgelöst haben könnte. Ich glaube unter anderem aus Angst solche Fehler zu begehen, bin ich kommunikativ sehr schüchtern geworden.

      Manchmal erschrecke ich und überlege, ob solche mehrdeutig aufgefassten, aber von mir nicht mehrdeutig gemeinten Aussagen eine Form „freudscher Versprecher“ sein könnten, ich also unbewusst nicht grundlos eine Doppeldeutigkeit eingebaut haben könnte. Aber ich glaube, mit dieser Sorge irritiere ich mich unnötig sehr, tatsächlich glaube ich, meine Aussagen sind bewusst wie unbewusst nicht mehrdeutig gemeint.

      Ich denke Sprache ist immer potentiell mehrdeutig, in der direkten Kommunikation beherrsche ich diese Mehrdeutigkeit aber schlecht, benutze Sprache eher eindeutig gemeint und überblicke nicht die Mehrdeutigkeit die grundsätzlich trotzdem immer in Sprache liegt. Da ich die doppeldeutigen Ebenen nicht überblicke, kann ich unpassende Doppeldeutigkeiten schlechter 'umschiffen'.

      Ein Beispiel: man ist verliebt (als Mann), das Thema der Verliebtheit ist zwischenmenschlich gerade sehr präsent und dann erzählt man von Katzen, dass man mit jeder Katze schmust und von jeder Katze magnetisch angezogen wird. Da hatte ich im Nachhinein das Gefühl, es hätte so gewirkt, als hätte ich symbolisch von Katzen gesprochen und Frauen gemeint und würde nach der Aussage irgendwie promiskuitiv eingeordnet, was mir in der Situation überhaupt nicht recht gewesen wäre.

      Erlebt ihr solche Missverständnisse?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ortx ()

    • ortx schrieb:

      Da hatte ich im Nachhinein das Gefühl, es hätte so gewirkt, als hätte ich symbolisch von Katzen gesprochen und Frauen gemeint und würde nach der Aussage irgendwie promiskuitiv eingeordnet, was mir in der Situation überhaupt nicht recht gewesen wäre.
      Hattest du nur das Gefühl, oder war es tatsächlich so?
      Wenn es nur ein Gefühl war, dann machst du dir wahrscheinlich unnötig Sorgen. Derartige Gedanken kenne ich auch. Ich überlege oft, ob etwas, was ich gesagt habe, eventuell missverständlich gewesen sein könnte. Meistens ist es das aber gar nicht, bzw. niemand hat den Satz so verstanden, wie ich befürchtet habe. Es kommt möglicherweise von einem gewissen Perfektionsdenken, und wenn eine Aussage im Nachhinein nicht 100%ig klar war, dann ist es nicht perfekt und man denkt über Fehlermöglichkeiten nach. Aber andere Menschen sind viel unkomplizierter. Meistens wird man schon richtig verstanden.

      Echte Missverständnisse kommen bei mir im normalen Rahmen vor, so wie es halt mal passieren kann.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Shenya schrieb:

      Hattest du nur das Gefühl, oder war es tatsächlich so?
      Ich habe es nicht überprüfen (können), ob es tatsächlich so war. Verliebtheit ist vielleicht auch eine Extremsituation, an der man meine Grundfrage schwerer darstellen kann, weil man in der Verfassung sowieso dazu neigt bis ins kleinste zu interpretieren und zu grübeln. Verliebtheit ist heikel, weil da Andeutungen und Mehrdeutigkeiten wirklich eine wichtige Bedeutung haben können und das beherrsche ich schlecht. Aber generell hast du bestimmt recht, die eigene Irritation über solche Dinge entsteht sicher oft unnötig aufgrund eines Perfektionsdenkens.
    • Ich kenne es, dass in meine Aussagen Dinge hineininterpretiert werden, obwohl ich meine Aussagen als recht klar empfinde. Jetzt fällt mir allerdings kein eindrückliches Beispiel ein....
      Wenn ich z. B. sage "ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt", dann möchte ich bei einer Aussage damit einfach hinzufügen, dass ich nicht zu 100% die Korrektheit dieser fachlichen Aussage gewährleisten kann. Teilweise wird so eine Aussage dann so ausgelegt, als sei ich als Person selbst unsicher (nicht nur in Bezug auf die Aussage, sondern generell).
    • Ich antworte mal trotz fehlender Diagnose (also möglicherweise bin ich in diesem Forum total falsch, aber mir kommt sehr vieles vertraut vor).
      Ja, ich kenne das. Ich sage etwas und der andere denkt, ich will damit etwas anderes sagen. Was mich immer sehr irritiert, da ich in der Regel genau das sage, was ich meine, was mir auch immer wieder zum Verhängnis wird, da ich immer wieder vergesse, dass Direktheit bei den meisten Menschen nicht gut ankommt.

      Des weiteren kenne ich auch den Gedanken, unbewusst etwas unterschwellig geäußert zu haben. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich jetzt weiß, woher das kommt: der andere antwortet auf das von mir Gesagte so, als hätte ich etwas anderes gesagt.
      Beispiel: "Ich habe heute früh schon mal versucht, sie anzurufen" - "Ja, tut mir leid, da war ich gerade außer Haus."

      Ich wundere mich über die Entschuldigung, da ich einfach nur etwas Sachliches gesagt habe (weil ich immer ALLES erzählen muss und mich selten auf das Wesentliche beschränken kann). Der andere hat aber anscheinend einen Vorwurf herausgehört.

      Nun werde ich unsicher und frage mich, ob ich ihm etwa tatsächlich einen Vorwurf gemacht habe.

      Diese Zweifel entstehen, wenn man ständig missverstanden wird und selbst seine Mitmenschen oft nicht versteht.

      Ich glaube auch, dass meine eigene Neigung, anderen etwas zu unterstellen (Absichten, unterschwellige Botschaften) daher rührt, dass sie das ständig selbst unterstellen. Ich meine es so: wenn die Mitmenschen ständig unterstellen, man hätte böse Absichten oder man würde unterschwellig etwas mitteilen wollen, dann gehe ich davon aus, dass sie selbst ständig unterschwellig etwas mitteilen wollen etc.
      Denn warum sonst sollten sie es von mir erwarten? Doch nur, weil sie denken, ich sei wie sie.
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • @Kleine: Ja, das denken leider sehr viele Menschen, dass man wie sie sei. Und das ist auch eine (von mehren) Ursache für Kommunikationsschwierigkeiten.

      Ich denke, dass die Entschuldigung etwas mit dem 'OK-Gefühl' zu tun hat (Tranaktionsanalyse: nachzulesen bei Eric Berne und nachfolgend Harris/Fanita English..für den Anfang, falls das jemand möchte). Wir lernen unbewusst von den Eltern ob wir ok sind wie wir sind. Die meisten Menschen lernen ein 'du bist ok, wenn...(beliebiges einzusetzen)'. So sind wir unbewusst ständig am überprüfen ob wir die Maxime einhalten damit wir uns 'ok' fühlen dürfen. Und diese Dame die Du anriefst hat in sich wohl gedacht, dass es nicht ok von ihr selbst ist nicht erreichbar zu sein. Sie kam wohl nicht auf die Idee, dass Du es ok finden könntest. So würde ich das analysieren.

      Und ja, den letzten Abschnitt von Dir habe ich auch schon öfters erlebt. Da wird einem plötzlich vorgeworfen man hätte gelogen und ich in meiner Sachlichkeit überlege dann wieso der andere das denken könnte. Ich würde das nur denken, wenn es entweder Beweise gäbe die zwingend sind (dann darf ich den anderen darauf ansprechen, meine eigene Moralregel :d ) oder aber es gäbe Hinweise, Widersprüchlichkeiten (dann würde ich vorsichtig nachfragen ohne etwas zu unterstellen). Zum Glück kenne ich mich sehr gut und weiß sehr genau wann und warum ich lüge (zum Vorteil des anderen, wenn ich ihn nicht verletzen möchte). Ich habe mir das schon als Kind abgewöhnt weil ich es in den meisten Fällen als unproduktiv und auch unnötig empfinde.
      Wenn Unterstellungen so völlig außerhalb der eigenen Vorstellungskraft und inneren Welt liegen bin ich erst einmal total irritiert...falle sozusagen 'aus allen Wolken' (RW).

      Aber ich schweife schon wieder ab.

      Zum eigentlichen Thema: ich als NT sehe Kommunikation immer nur als Annäherung des Verstehens. Es gibt zu viele Faktoren, von denen das Verstehen des anderen abhängt. In diesem Bereich sind Sender und Empfänger für die Verständigung verantwortlich und das gelingt nur durch Offenbleiben, möglichst wenig Interpretieren und sich immer der Unterschiede und daraus resultierenden Mißverständnisse bewusst zu sein. Deshalb funktioniert die Kommunikation mit Menschen die mir ähnlich sind am besten, denn sie interpretieren, definieren, denken und empfinden ähnlich wie ich. Mit anderen klappt es nur mit dem Willen den anderen als 'ok' anzunehmen und offen zu bleiben.
      Da ich sehr sachlich bin wie ich denke, habe ich auch oft Probleme verklausulierte Sprache zu verstehen. Ich erinnere mich noch an ein Date wo wir einen Film zusammen sehen wollten...mein Fernseher stand damals im Schlafzimmer. Wie das wirkt merkte ich erst, als er ganz verlegen und rot wurde. :oops: :d
    • kikilino schrieb:

      @Kleine: Ja, das denken leider sehr viele Menschen, dass man wie sie sei. Und das ist auch eine (von mehren) Ursache für Kommunikationsschwierigkeiten.

      Ich denke, dass die Entschuldigung etwas mit dem 'OK-Gefühl' zu tun hat (Tranaktionsanalyse: nachzulesen bei Eric Berne und nachfolgend Harris/Fanita English..für den Anfang, falls das jemand möchte). Wir lernen unbewusst von den Eltern ob wir ok sind wie wir sind. Die meisten Menschen lernen ein 'du bist ok, wenn...(beliebiges einzusetzen)'. So sind wir unbewusst ständig am überprüfen ob wir die Maxime einhalten damit wir uns 'ok' fühlen dürfen. Und diese Dame die Du anriefst hat in sich wohl gedacht, dass es nicht ok von ihr selbst ist nicht erreichbar zu sein. Sie kam wohl nicht auf die Idee, dass Du es ok finden könntest. So würde ich das analysieren.
      Danke für die Erklärung! Das ist ja interessant, und wieder wandert ein Buchtitel auf meine Leseliste :thumbup: :)
      (gerade am Durchlaufen einer zweiten, intensiven Diagnostik, daher Status zunächst auf VA "zurückgesetzt")
    • Die Antwort ist einfach: ja. Sehr oft sogar, aber daran muss man sich anscheinend gewöhnen. So etwas kann mutwillig geschehen, da wird einem dann quasi das Wort im Mund rumgedreht (RW), oder es ist einfach nur Unwissenheit, dann lässt sich etwas aber wenigstens noch gut aufklären. Kommt beides zusammen, ist Hopfen und Malz verloren (RW), dann ist jedes weitere Wort zu viel und man sollte lieber sehen, dass man Land gewinnt und sich dauerhaft von solchen Menschen distanzieren. Aber da muss eben jeder seine eigenen Erfahrungen sammeln. Meine Erfahrung ist, am Weitesten kommt man immer noch mit dem Spruch: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, gerade bei nicht ganz eindeutigen Themen oder Themen, die sowieso viel diskutiert werden und schon von Haus aus viel Konfliktpotenzial mit sich bringen, weil es tausende Meinungen gibt. Menschen sind halt schwierige Geschöpfe, darum sind mir Zahlen auch viel lieber, nach 1 kommt immer 2, da gibt es keine zwei Meinungen und auch nichts zu verdrehen oder zu diskutieren.