Spiegelt ihr? Übernehmt ihr Mimik und andere Ausdrucksweisen eures Gegenübers oder von Figuren aus dem TV?

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    • Spiegelt ihr? Übernehmt ihr Mimik und andere Ausdrucksweisen eures Gegenübers oder von Figuren aus dem TV?

      Meine Frage steht ja schon im Betreff. Etwas genauer erklärt: ich merke immer wieder, z.B. auf Arbeit, wenn ich mit jemandem rede, wie ich seine bzw. ihre Mimik übernehme oder so lache wieder andere. Das finde ich sehr merkwürdig. Ich mache das nicht mit Absicht, es wird mir einfach bewusst, dass es gerade passiert. Wenn ich eine Fernsehserie intensiv geschaut habe, habe ich auch immer irgendwann festgestellt, dass ich im Alltag Gestiken von der Figur, welche mich fasziniert, übernommen habe oder ihre Art zu sprechen imitiere, ihre Art, Witze zu machen etc. und musste mir das dann regelrecht wieder abtrainieren.

      Kennt das sonst noch jemand hier??

      Liebe Grüße, Kleine
      "Ich neige zur Redundanz. Zudem wiederhole ich mich gern." Fishismus
    • Also aus dem TV garantiert nicht (habe auch seit Jahren kein TV, streame nur). Dort wird meines Erachtens viel zu sehr auf unverhältnismässig übertriebene Mimik und Gestik gesetzt. Insbesondere in deutschen Produktionen fiel mir das immer wieder auf.

      Allgemein ist das Spiegeln ein natürlicher Vorgang. Das machen Babies ja auch. Daraus lernen Sie. Ich habe sicherlich schon Verhaltensweisen oder Ausdrücke von anderen übernommen, zur Mimik kann ich nichts sagen da ich mich ja in den entsprechenden Situationen nicht selber sehe. Ich habe aber nie das Bedürfnis mir etwas abzutrainieren (abgesehen von meinen eigenen Macken, Ticks und Neurosen).
      ~ Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin ~
      Quintus Horatius Flaccus

    • Mache ich auch, aber nur bedingt.
      Bei den Figuren die fiktiv sind, oder gespielt hab ich das immer schon gemacht weil ich lieber jene Figur sein wollte und mit mir selbst nicht viel anfangen konnte.
      Das ich das Verhalten anderer imitiere kam aber nur dann vor wenn ich mit einer Person intensiveren Kontakt hatte, also bei meinem damaligen besten Freund ist mir das zum ersten mal aufgefallen das ich mich auf einmal ähnlich reuspere wie er oder sowas ähnliches. Das war mir fast schon unheimlich aber ich habe auch mal irgendwann im Fernsehen gesehen das das normal sei und Menschen sowas generell tun um sich als Gruppe besser zu verstehen oder zu zeigen das sie zusammen gehören.
      Wenn man andere also imitiert ist das wohl weder allzu autismus typisch nocht all zu NT-typisch, vorallem wenn es nur teilweise geschieht und nicht gleich komplett alles nachgemacht wird was ein anderer tut. Das würde vielleicht zu sehr auffallen und andere wieder negativ beeindrucken.
      Da ich an anderen menschen eh nie so fasziniert war, gab es für mich auch keinen Grund diese aktiv zu imitieren. Das bisschen was da dann passierte war vermutlich instinktiv und normal. Was daran eher nicht normal wäre ist vielleicht das ich es erst dann mache wenn ich jemanden jeden Tag sehe und ihn als wichtigen Menschen in meinem leben betrachte also wie meine Mutter oder einen sehr guten Freund. Andere zeigen so ein verhalten vermutlich schon bei Klassenkameraden mit denen sie auf dem Schulhof reden oder Arbeitskollegen.
      Das war bei mir nie so.
      Bei den fiktiven Figuren waren es meist tierähnliche Figuren, die mir halt mehr zusagten und ich so sein wollte wie die, und da hab ich nicht nur so gesprochen sondern mich auch so gekleidet etc.
    • Wenn ich Zwiesprache mit mir selbst halte, dann ist es so, dass eine (innere) Stimme sich mitunter jener eines Menschen angleicht, mit dem ich verhältnismäßig viel Zeit verbringe. Das betrifft aber nur bestimmte Gegenstände, die einen besonderen Bezug zu diesem Menschen aufweisen. Ist Sebastian z.B. eine bedachte, in wirtschaftlichen Angelegneheiten vernüftige Person, dann ist seine Stimme mitunter eine von beiden meiner inneren Zwiesprache, sofern der Gespächsgegenstand wirtschaftlicher Natur ist.
      Achtung, eigene Sprache!
    • Kleine schrieb:

      Wenn ich eine Fernsehserie intensiv geschaut habe, habe ich auch immer irgendwann festgestellt, dass ich im Alltag Gestiken von der Figur, welche mich fasziniert, übernommen habe oder ihre Art zu sprechen imitiere, ihre Art, Witze zu machen etc. und musste mir das dann regelrecht wieder abtrainieren.

      Kennt das sonst noch jemand hier??
      Ja, ich kenn das von mir auch sehr stark, ich übernehme oft Eigenheiten von Filmcharakteren. Interessant finde ich aber, dass ich ausschließlich männliche Charaktere aus Filmen und Serien imitiere, niemals weibliche.

      zaph schrieb:

      Ich nutze das ganz bewusst, wenn ich jemanden dahingehend manipulieren will, meine Meinung oder meinen Standpunkt zu adaptieren.
      Würde das auch bei einem Autisten funktionieren?
      Whatever you lose, you'll find it again. But what you throw away you'll never get back.
    • Morgenstern schrieb:

      Ja, ich kenn das von mir auch sehr stark, ich übernehme oft Eigenheiten von Filmcharakteren. Interessant finde ich aber, dass ich ausschließlich männliche Charaktere aus Filmen und Serien imitiere, niemals weibliche.
      Ich mach das auch immer wieder - und seltsamerweise imitiere ich auch immer nur Männer. Ich konnte mit dem üblichen weiblichen Gehabe noch nie viel anfangen und mir wurde auch immer wieder gesagt, ich solle mich doch mal weiblicher benehmen (und auch kleiden 8o ). :nerved:
    • Ich hab hier vielleicht zwei Sachen vermischt. Das eine ist das Spiegeln, das andere ist ein Aufgreifen von etwas, das einem gefällt. Trotzdem greift es wohl ineinander.

      Ich denke, dass ich keine eigene Gestik und Mimik habe (also ich grinse z.B. auch eher als dass ich lächle, ein normales Lächeln krieg ich kaum hin, ist fast immer gezwungen). Und wenn mir dann bei einem anderen etwas gefällt, z.B. eine bestimmte Mimik, dann integriere ich diese in mein Repertoire.

      Dieses Fehlen eigener Ausdrucksformen könnte dann auch erklären, warum ich im Gespräch die Mimik vom anderen teilweise übernehme (ich muss denjenigen auch schon länger kennen). Das ist vielleicht zum Teil Spiegeln und zum Teil aber auch Imitieren, also wirklich nur Nachahmen.
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    • zaph schrieb:

      Ich nutze das ganz bewusst, wenn ich jemanden dahingehend manipulieren will, meine Meinung oder meinen Standpunkt zu adaptieren.
      Meinst du das ernst? Und wenn ja, war es schon immer bewusst oder hast Du nur irgendwann gemerkt das Du das so praktizierst?
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      Quintus Horatius Flaccus

    • Ist ja interessant mit dem Männer imitieren. Ich imitiere Frauen und Männer. Ich gucke zur Zeit oft "Monk" und muss mich zusammenreißen, dass ich nicht wie er den Kopf schief lege und mit den Schultern zucke :d Also ehrlich gesagt, ich hab es schon ein paar mal gemacht. :d
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    • Erschreckend. Wobei sich mir nicht erschliesst wie man auf die Art andere Menschen hinsichtlich seiner Meinung manipulieren kann. Und warum man das machen sollte. Meines Erachtens fragwürdig.
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    • Kleine schrieb:

      Ich mache das nicht mit Absicht
      Ich mache das so halb absichtlich, also wenn mir etwas bewußt auffällt, dann mache ich es manchmal nach, weil ich darüber nachgedacht habe. Aber ganz unbewußt passiert es glaube ich zu wenig, weil mir jemand gesagt hat, es solle gut sein, das unbewußt häufiger zu tun.

      Ich habe etwas Talent darin, jemanden vollständig zu imitieren, also mich in seine Bewegungsart hineinzusetzen, was ich manchmal versuche zu nutzen. Also wenn ich z.B. schnell oder selbstbewußt sein will, stelle ich mir jemanden vor, der so ist, und dann imitiere ich seine Körperhaltung und bestimmte, mir bewußt aufgefallene Bewegungsmuster/Muskelanspannungen, und es klappt soar manchmal ein bißchen. Das versuche ich dann zu analysieren, um die entscheidende hilfreiche Nachahmung zu identifizieren und den Rest wieder abzuwerfen.

      Kleine schrieb:

      und musste mir das dann regelrecht wieder abtrainieren.
      Abtrainieren mußte ich mir nur manche Wörter und Redensarten. Manchmal fühle ich mich wie ein Schauspieler oder Nachäffer, vermutlich weil das Nachahmen nicht unbewußt genug bei mir ist.

      zaph schrieb:

      Das funktioniert aber nicht nur bei Autisten, sondern bei allen unsicheren Menschen
      Mich macht es noch unsicherer, wenn jemand mich absichtlich spiegelt, es ist mir peinlich, daß mir jemand den Gefallen tut oder ich bin unsicher über seine Motive. Mein Ex-Therapeut hat es sehr oft getan, vermutlich hat er es so gelernt. Ich wollte am liebsten sagen: "Ich merke auch so, daß Sie verständnisvoll sind, Sie brauchen nicht mir zuliebe auch traurig gucken."

      Kleine schrieb:

      Das eine ist das Spiegeln, das andere ist ein Aufgreifen von etwas, das einem gefällt.
      Letzteres mache ich schon, wenn ich etwas an jemandem toll finde, dann versuche ich es nachzuahmen. Leider merke ich dann selbst, wie peinlich das ist, weil ich niemals so "cool" sein werde wie das Vorbild, das ich bewundere, und weil es letzten Endes auch gar nicht zu mir paßt, nicht authentisch ist. Das meiste, was an mir authentisch ist, mag ich nicht so, und würde es auch nicht noch gespiegelt sehen wollen...wäre ja schlimm, wenn einer so behindert zurückguckt, wie manchmal gucke! :nerved:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Necroghoul7 ()

    • zaph schrieb:

      frankjetzt schrieb:

      oder hast Du nur irgendwann gemerkt das Du das so praktizierst?
      Ich habe es irgendwann bewusst ausprobiert und festgestellt, dass es auffallend häufig funktioniert.
      Kannst du beschreiben, wie du das machst?

      frankjetzt schrieb:

      Wobei sich mir nicht erschliesst wie man auf die Art andere Menschen hinsichtlich seiner Meinung manipulieren kann.
      Ich hab mal gelesen, dass man beispielsweise jemanden dazu bringen kann, einem zuzustimmen, indem man z. B. leicht nickt und der andere dieses Nicken dann unbewusst spiegelt und dann viel eher Ja als Nein sagt. Wenn man selber hingegen den anderen spiegelt, also seine Körperhaltung z.B. oder eine Geste, dann wirkt man für denjenigen anscheinend vertrauenswürdiger oder so. Kann gut sein, dass der einem dann auch eher zustimmen würde. Ich weiß nicht, ob das nicht sogar die Methode ist, die @zaph anwendet; ich selber habe es aber noch nie ausprobiert.
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    • Necroghoul7 schrieb:

      Ich habe etwas Talent darin, jemanden vollständig zu imitieren, also mich in seine Bewegungsart hineinzusetzen, was ich manchmal versuche zu nutzen. Also wenn ich z.B. schnell oder selbstbewußt sein will, stelle ich mir jemanden vor, der so ist, und dann imitiere ich seine Körperhaltung und bestimmte, mir bewußt aufgefallene Bewegungsmuster/Muskelanspannungen, und es klappt soar manchmal ein bißchen. Das versuche ich dann zu analysieren, um die entscheidende hilfreiche Nachahmung zu identifizieren und den Rest wieder abzuwerfen.
      Es stimmt, wenn man z.B. eine selbstbewusste Körperhaltung einnimmt, dann wird man auch automatisch selbstbewusster. Manche machen sich das zunutze, indem sie etwa vor einem Vorstellungsgespräch oder einer Aufführung für zwei, drei Minuten eine Siegerpose einnehmen, also Arme in die Luft, sich groß machen und so, das führt fast sofort zu mehr Selbstvertrauen. Das hast du unbewusst herausgefunden :)
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    • Morgenstern schrieb:

      indem sie etwa vor einem Vorstellungsgespräch oder einer Aufführung für zwei, drei Minuten eine Siegerpose einnehmen
      Vor einem Vorstellungsgespräch mime ich das gesamte Vorstellungsgespräch, ich rede innerlich mit mir selbst.

      Morgenstern schrieb:

      Das hast du unbewusst herausgefunden
      Naja, es klappt bei mir leider meist nur auf der bewußten Ebene, und die ist mühsam und langwierig. Ich ahme den Selbstbewußten auch nicht nach, um mehr Selbstbewußtsein zu haben, sondern um ihn kurz nachzuempfinden...so als wäre ich er...klappt leider auch nur sehr fragmentarisch.
      Also entweder um etwas von demjenigen zu lernen oder um kurz zu erahnen, "wie er tickt/sich anfühlt" oder weil ich jemanden bewundere/für ihn schwärme und dann gern so wäre wie er und ihn mal spaßeshalber imitiere.

      Manchmal nutze ich das auch, wenn ich nicht weiß, wie etwas zu interpretieren ist, dann ahme ich denjenigen nach, um eher zu spüren, was er wohl gedacht, gefühlt, gemeint hat. Sieht dann von außen vielleicht etwas nach Mr. Bean aus. :lol: