Mit Unzuverlässigkeit anderer Menschen umgehen

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    • Mit Unzuverlässigkeit anderer Menschen umgehen

      Heute bin ich in zwei recht ähnliche Situationen gekommen, die mich komplett aus der Bahn geworfen haben mit Ohnmachtsattacken, Heulanfällen und Impulsen mich zu schlagen.

      Fall 1:
      Ich hatte mich auf den Ausbilder in einem Berufsförderungswerk verlassen, der mir letzten Donnerstag vor Ort sagte, sobald sich genug Leute angemeldet haben, wird er die Koordinatorin informieren, die mich dann telefonisch informiert, wann der Termin ist und dass ich dann daran teilnehmen darf (es geht um eine Art Arbeitserprobung = AE, so dass ich in einen bestimmten Beruf reinschnuppern darf). Ich teilte ihm damals mit, dass es mir sehr wichtig ist, an einem solchen Termin teilzunehmen, weil ich noch nicht weiß, ob der Beruf das Richtige für mich ist. Ich fragte ihn noch zum Verfahren, ob ich die Koordinatorin vielleicht schon einmal ansprechen soll, dass er sich bei ihr melden wird, da meinte er, dass ich das nicht machen bräuchte.

      Nun hatte ich heute morgen ein ganz komisches Gefühl und dachte, ich melde mich doch mal bei der Koordinatorin und sage ihr sicherheitshalber (doppelt hält besser und da ich die Zuständigkeiten dort etwas konfus fand), dass ich weiterhin daran interessiert bin, an einer AE teilzunehmen.
      Ich schilderte der Dame mein Anliegen (bin noch daran interessiert die AE zu machen) und sagte ihr, dass ich dies schon mit Herrn XY abgesprochen habe, dass ich aber die Zuständigkeiten nicht genau kenne (und da mir die Dame den Kontakt zu Herrn XY vermittelt hatte) sie auch darüber informieren will, dass ich schon Kontakt zu Herrn XY (Ausbilder) hatte und eben noch Interesse habe, die AE zu machen. Ich sagte auch, dass ich mich sorge, dass ich vielleicht irgendwie untergehen könnte oder vergessen werde. Daraufhin beteuerte die Dame, dass das schon nicht passieren werde und ich das ganze mit Herrn XY besprechen solle. Ich erklärte ihr nochmals, dass ich das ja schon getan habe. Sie stellte mich trotzdem zu ihm durch.

      Dort erfuhr ich dann, dass die AE genau heute schon stattfand und ich nicht darüber informiert worden war. Mir wurde dann angeboten, entweder mal eben hinzufahren, die AE hätte vor einer viertel Stunde angefangen, was ich aber nicht machen kann, da ich mit der Bahn über eine Stunde brauche und ich mich ja auch vorbereiten muss (genug essen vorher, ordentlich anziehen etc.). Andernfalls könnte ich auch morgen weiter teilnehmen, aber da alle heute die Einweisung bekämen, sei dann nicht sicher, ob ich auch selbst etwas machen könne. Eine AE, bei der ich möglicherweise nichts machen kann, bringt mir aber nichts, weil ich die AE ja genau deswegen machen will, weil ich mich selbst in dem Beruf ausprobieren will.
      Ich sagte daher, dass ich lieber bei der 'nächsten Runde' direkt von Beginn an mitmachen möchte und bat darum, informiert zu werden. Der Ausbilder kam dann von selbst drauf, dass er es beim nächsten Mal frühzeitig sagen wird. Ich fragte ihn dann, ob er meine Telefonnummer habe und mich direkt anrufen kann. Die hatte er nicht, ich gab sie durch. In einem Nebensatz fiel dann der Satz, dass er nun wirklich nicht an mich gedacht habe.

      Ich habe nicht verstanden, wie jemand, den ich sehr klar darum gebeten hatte, mich zu informieren, wenn ein neuer Termin feststeht, das innerhalb von nicht einmal 4 Tagen vergessen kann? Hätte ich nicht heute angerufen bei dieser Dame und hätte die mich nicht weiterverbunden, hätte ich überhaupt nicht erfahren, dass eine AE heute schon stattfindet/stattfand und hätte wahrscheinlich Wochen lang darauf gewartet, dass ich angerufen werde. Weil ich diesem Mann trotz allem irgendwie geglaubt habe, dass ich angerufen werde, wenn die nächste AE stattfindet.

      Nun habe ich wieder einmal die Erfahrung gemacht, dass das, was Menschen einem zusagen nicht eingehalten wurde. Dies ist für mich besonders schlimm, weil meine berufliche Zukunft ganz stark von diesem Termin abhängt. Da ich bis jetzt keinen normalen Praktikumsplatz gefunden habe, ist das die Möglichkeit, in den Beruf über das Theoretische hinaus (was ich im BfW schon kennenlernte) reinzuschnuppern.
      Mir geht es nicht in den Kopf, wie man nicht dafür sorgen kann, dass die Abläufe reibungslos funktionieren. Ich hatte mir letzten Donnerstag schon überlegt, wie der Ausbilder das macht, dass er dann an mich denkt und dachte deshalb, dass es Sinn ergeben könnte, die Koordinatorin mit einzubeziehen. Aber das wollte er ja nicht. Dieser Fall ist ja sozusagen eine nicht datierte Wiedervorlage. Die muss man sich dann im Prinzip jeden Tag auf Wvl legen und abgleichen, ob Fall AB (es findet ein neuer Kurs statt) eingetreten ist. Offenbar wurde das aber nicht mit System gemacht und vielleicht ist der Herr dazu auch noch vergesslich, jedenfalls ist es schiefgelaufen und ich bin komplett in Ohnmachtsanfälle abgerutscht.

      Weil es mich dazu noch so fassungslos machte, dass die Koordinatorin, der ich meine Sorge, vergessen zu werden, 5 Minuten vorher geschildert hatte mit "ach, das wird schon nicht passieren" vertröstet hatte, rief ich diese direkt nach dem Gespräch mit dem Ausbilder wieder an und teilte ihr mit, dass dieser Fall jetzt eingetreten sei und ich vergessen worden sei und der Kurs heute stattfindet (davon wusste sie überhaupt nichts). Ich sagte, dass ich hoffe, beim nächsten Mal informiert zu werden. Daraufhin sagte sie, dass sie ja in engem Kontakt mit dem Ausbilder stehe und ich schon informiert werde. Da war es bei mir dann komplett zu Ende. Im heutigen Fall hatte sich ja gezeigt, dass sie mit dem Ausbilder gerade nicht in Kontakt stehe und dass meine Sorge begründet war, weil die Abläufe offenbar chaotisch sind. Das wurde aber nicht eingestanden, es wurde auch nicht bedauert, dass dieser Fehler passiert ist. Ich kam mir überhaupt nicht mehr ernstgenommen vor. Ich bin freundlich geblieben und legte auf.
      Danach bin ich emotional zusammengebrochen.

      Fall 2:
      Letzte Woche Donnerstag schrieb mir ein privater Bildungsträger per Mail dass ich zu einem Schnuppertag vorbeikommen könne und bot mir mehrere Termine ab 24.04. (und die folgende Woche) an. Ich antwortete noch am selben Tag per E-Mail, dass ich den Termin am 24.04. gerne wahrnehmen würde und wann ich denn vor Ort sein solle (das stand schlauerweise in der Mail nicht drin).
      Da ich bis heute früh keine Antwort auf die Frage mit der Uhrzeit (und nur deswegen) hatte, versuchte ich (nach langem Ringen mit mir selbst, weil ich Ängste vor dem Telefonieren habe, da man nie weiß, wie das Gespräch verlaufen wird und evtl. nicht gut reagieren kann) den Herren telefonisch zu erreichen.
      Es ging niemand ans Telefon und der Anruf wurde auf einen anderen Apparat umgeleitet, wo sodann die Mailbox einer Dame ranging, die ich nicht kenne und die auch nicht draufsprach, wann sie wieder zu erreichen ist (also die Mailbox abhört).
      Ich probierte es mehrmals, immer das gleiche. Daraufhin rief ich in der Zentrale an, wo mir der Vorgesetzte vom Sachbearbeiter sagte, dass dieser erst ab 14 Uhr zu erreichen sei. Ob ich morgen noch am Termin teilnehmen könne, sei nicht klar, weil sich gerade alle in einer Besprechung befänden. Ich solle das aber direkt mit dem SB klären. Ich wartete also den gesamten Morgen (was mich schon extrem stresste, weil die Aufgabe nicht erledigt war) und rief um Punkt 14 Uhr an, wobei wieder niemand ans Telefon ging und der Anruf auf die Mailbox der Dame umgeleitet wurde. Da war ich schon kurz davor zu Explodieren.
      Eine Viertel Stunde später hatte ich eine E-Mail im Postfach, dass der Termin am 24.04. sowie alle anderen möglichen Termine für diese Woche nicht mehr möglich seien und der nächste Termin erst die Woche darauf möglich sei.

      Das war dann das zweite Mal wo ich ausgerastet bin und Heulanfälle bekam. Den restlichen Tag über konnte ich kaum noch etwas machen. Als ich nach draußen bin wo ich meinem Hobby nachgehen wollte, habe ich Angstzustände bekommen und musste das wieder abbrechen. Ich verstehe das nicht. Ich bekomme am Donnerstag vormittag eine Mail mit Terminvorschlägen geschickt, in der NICHT drin steht, dass ich mich bis spätestens Donnerstag soundsoviel Uhr melden müsse, falls ich an Terminen in der kommenden Woche teilnehmen will (sonst hätte ich ja direkt zum Telefonhörer gegriffen in diesem Fall). Ich antworte also innerhalb von weniger als 12 Stunden noch am gleichen Tag und erfahre dann auf eigene Nachfrage erst einen Tag vor dem geplanten Termin, dass ich diesen doch nicht mehr wahrnehmen könne.

      Ich verzweifele an so etwas. Ich hatte mich auf diesen Termin verlassen und meine anderen Termine darauf ausgerichtet. Unter anderem war es mir wichtig, diesen Termin noch vor meinem Urlaub zu machen. Wenn ich Donnerstag eine Mail bekomme mit Terminvorschlägen ab nächsten Dienstag und ich antworte Donnerstag noch, dann kann man doch davon ausgehen, dass man diese Termine auch wahrnehmen darf? Was hat sich der Sachbearbeiter dabei gedacht?
      Wieso steht in der E-Mail, dass die Termine erst ab soundsovielten möglich seien, keine Entschuldigung und keine Erklärung? Erst bekomme ich die Termine angeboten, richte mich danach und sage einen davon verbindlich zu und dann geht es doch nicht.
      Wieso mailen diese Menschen, sind dann aber nicht per Mail und auch nicht per Telefon erreichbar und richten weder eine Abwesenheitsnachricht noch einen Mailboxspruch ein?
      Es war wieder ein Fall von, wo ich so naiv war und mich darauf verlassen habe, dass die Leute mitdenken, was sie aber offenbar nicht machten, denn sonst wären nicht Termine vorgeschlagen worden, für die man offenbar viel mehr Vorlauf braucht. Vieleicht sind das jetzt auch Spekulationen, aber man hat mir ja auch nichtmal eine Erklärung dafür geliefert, warum der Termin und die ganzen weiteren diese Woche für mich nun doch nicht möglich sind (denn stattfinden tun sie ja laut Chef offenbar).

      ---

      Meine Gedanken sind: Verlange ich zu viel von den Menschen? Darf man sich auf Terminzusagen und Zusagen überhaupt nicht mehr verlassen? Habe ich in dieser Situation etwas falsch gemacht? Was hätte ich besser machen können?
      Wie kann ich verhindern, dass immer wieder solche Dinge passieren, dass ich vergessen werde oder Zusagen nicht eingehalten werden?
      Wie kann ich verhindern, dass ich deswegen so ausraste? Ich vermute mal, dass ich so Austicke, weil ich jeglichen Glauben an die Stabilität in dieser Welt in so einem Moment verliere. Ich bekomme dann total Panik, weil man ja nichts mehr glauben kann, ich fühle mich nur noch ohnmächtig. Ist das ein Asperger-typisches Problem an dem ich eh nichts ändern kann :m(: (nein, das glaube ich nicht, dass ich nichts ändern kann, selbst wenn ich eine ASS habe) oder kann man sich irgendwie weiterentwickeln um nicht jedesmal so derbe abzustürzen deswegen?
      Mir fällt es nur leider extrem schwer, hinzunehmen, dass die Leute nicht so korrekt arbeiten, wie ich mir das vorstellen würde und auch selbst praktiziert habe (ich hätte wirklich alle Vorkehrungen getroffen, damit so etwas nicht eintrifft und habe auch wirklich sehr wenige solche Fehler gemacht. Aber für diese Leute scheinen die Fehler nicht einmal schlimm zu sein, weil sie sich ja nicht einmal dafür entschuldigten oder eine Erklärung dafür ablieferten).

      Ich fühlte mich heute sehr überfordert von der Situation. :? :?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • Ich kann verstehen dass Dich das überfordert, es ist ja auch nervig und man kann nichts machen dagegen.

      FruchtigBunt schrieb:

      Wie kann ich verhindern, dass ich deswegen so ausraste? Ich vermute mal, dass ich so Austicke, weil ich jeglichen Glauben an die Stabilität in dieser Welt in so einem Moment verliere. Ich bekomme dann total Panik, weil man ja nichts mehr glauben kann, ich fühle mich nur noch ohnmächtig. Ist das ein Asperger-typisches Problem an dem ich eh nichts ändern kann (nein, das glaube ich nicht, dass ich nichts ändern kann, selbst wenn ich eine ASS habe) oder kann man sich irgendwie weiterentwickeln um nicht jedesmal so derbe abzustürzen deswegen?
      Man muss irgendwie einen Punkt der Stabilität in sich selbst finden. Dann kann man sich weiterentwickeln und diese Dinge besser ertragen

      Ich kenne das, früher bin ich komplett ausgerastet bei solchen Dingen, habe Leute angebrüllt, Sachen kaputtgemacht, etc. :oops:

      Aber schon 15 Jahre lang nicht mehr :] ich werde auch gar nicht mehr so wütend.

      Man kann das also schaffen

      Denn die Welt wird sich nicht ändern, die Menschen und ihr Verhalten werden sich nicht ändern, und es ist für einen selbst sehr wichtig einen Weg zu finden damit umzugehen.

      Es ist immer noch belastend und das wird wohl immer so sein aber nicht mehr so sehr wie früher.
      Dieses Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins ist sehr schmerzhaft und es lähmt.

      Es hilft sich zurückzuziehen in sich selbst und eine Strategie zu entwickeln wie man in sich selbst einen Ort findet der stabil ist, der immer da ist, egal was passiert. Wahrscheinlich gibt es verschiedene Wege dies zu erreichen, ich habe mich viel mit Meditation und Trancen und auch mit Atemübungen beschäftigt und dies alles praktiziert, jahrelang, und es hilft.

      Da ist eine Stabilität die bleibt wenn aussen alles zusammenbricht. Ich denke jeder Mensch hat in sich diesen Ort, er muss ihn bewusst aufsuchen, regelmässig, und das üben, damit es klappt wenn es schwierige Situationen gibt und man das nicht gerade dann wieder vergisst.

      Ich brauche auch nach solchen Ereignissen längere Zeit in einer reizarmen Umgebung, am liebsten in der Natur. Es ist wohl AS typisch dafür eine lange Verarbeitungszeit zu brauchen, manchmal nervt mich das aber es ist nun mal so ich kann es nicht ändern.

      Manchmal denke ich mir auch...lass die alle labern ich mache einfach was ich selber machen will und höre nicht mehr zu, ist eh alles Unsinn. Das ist natürlich respektlos den anderen gegenüber aber es hilft mir mich innerlich zu distanzieren.

      FruchtigBunt schrieb:

      Wieso mailen diese Menschen, sind dann aber nicht per Mail und auch nicht per Telefon erreichbar und richten weder eine Abwesenheitsnachricht noch einen Mailboxspruch ein?
      Das ist denen alles nicht so wichtig.

      Ich kann Dir nur den Tip geben: Nimm es nicht persönlich.

      Es hat nichts mit Dir zu tun.

      Es ist auch gut sich manchmal zu sagen dass man sich selbst und seine eigenen Massstäbe nicht zu wichtig nehmen sollte. Denn die Welt bricht nicht zusammen nur weil irgendwelche Fehler passieren.

      Ich habe früher mal eine Zeitlang extra trainiert Dinge falsch zu machen, also z.B. zu spät zu kommen. Mich hat das wahnsinnig aufgeregt wenn Leute zu spät kamen ich bin da regelmässig durchgedreht.
      Also habe ich mir vorgenommen zu spät zu kommen und habe das auch getan. Um mein Muster zu durchdringen. Das hat geklappt. Man kann trainieren Dinge etwas lockerer anzugehen, auch als Aspie.

      Bau doch einfach mal bewusst ein paar Fehler in Deinen Alltag ein :d es wird zu keinem Zusammenbruch führen

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    • Kraehe schrieb:

      Es hilft sich zurückzuziehen in sich selbst und eine Strategie zu entwickeln wie man in sich selbst einen Ort findet der stabil ist, der immer da ist, egal was passiert. Wahrscheinlich gibt es verschiedene Wege dies zu erreichen, ich habe mich viel mit Meditation und Trancen und auch mit Atemübungen beschäftigt und dies alles praktiziert, jahrelang, und es hilft.
      Okay. Das versuchte ich ansatzweise. Ich habe ein kleines Kuscheltier, das ich dann an seiner Pfote festhalte und ich ziehe manchmal die Bettdecke über den Kopf oder schaukele hin und her und stelle mir vor, dass mich das Kuscheltier tröstet. Das ist wahrscheinlich ziemlich krank, aber ich kenne es von früher nicht, wie sich 'getröstet werden' anfühlt und muss das erst lernen.
      Früher (und heute auch oft) rastete ich auch aus und zerstöre Sachen oder schlage mich selbst vor lauter Ohnmacht und Wut. Vielleicht tut man das so lange, wie man selbst die Ohnmacht nicht aushalten könnte?
      Aber Schritt für Schritt gelingt es vielleicht dann, zu spüren, dass man trotz Ohnmacht weiterleben darf und sicher ist. Ich versuche das auf dem Weg über das Kuscheltier, welches für mich noch mehr bedeutet, als nur das Kuscheltier, weil es auch eine 'Geschichte' hat.
      Ich kann mir vorstellen, dass Atemübungen und die von dir erwähnten Methoden auch helfen. Aber in so einem Moment könnte ich mich darauf noch nicht konzentrieren, weil ich zu aufgewühlt bin.


      Kraehe schrieb:

      Ich brauche auch nach solchen Ereignissen längere Zeit in einer reizarmen Umgebung
      Das habe ich bei mir dann heute auch gemerkt. Ich dachte, ich tue mir etwas gutes, gehe nach draußen und lenke mich ab. Das "aktiv werden" war noch gut. Aber mein ursprünglicher Plan, unter Menschen meinem Hobby nachzugehen, war überhaupt nicht möglich. Selbst der kurze Einkauf hat mich so unter Stress gesetzt, dass ich glaubte, gleich den Verstand zu verlieren. Erst dachte ich, es wäre ein "Einknicken" und "Nachgeben", aber ich versuchte dann hinzuhören, was mir besser tun würde "Hobby unter Menschen" oder etwas anderes. Ich versuchte mir eine Alternative zu überlegen statt "wieder nach Hause gehen". Das klappte nicht sehr gut. Ich fuhr noch eine Strecke mit dem Rad für etwas Bewegung und kochte mir dann zu Hause eine Süßspeise. Mehr ging nicht.
      Aber ich glaube, die Entscheidung war richtig, mich in diesem labilen Zustand nicht noch mehr Menschen auszusetzen.


      Kraehe schrieb:

      Das ist denen alles nicht so wichtig.

      Ich kann Dir nur den Tip geben: Nimm es nicht persönlich.

      Es hat nichts mit Dir zu tun
      Ja, in 'einfacheren Situationen' würde ich das meinetwegen auch mal üben. Z. B. wenn der Zug zu spät kommt, mit dem ich zum Arzttermin will (wobei das auch schon schwierig ist und das meist nicht an schlechter Organisation liegt, nur manchmal), aber das tritt ja auch oft in Situationen auf, die man selbst für sehr wichtig hält. Vielleicht überbewerte ich auch diese Situationen. Für mich erscheint es momentan lebenswichtig, dass mit meiner weiteren Zukunft nichts 'schief' geht und ich wieder stabiler werde und eine Zukunftsperspektive entwickele. Alles, was das verhindert oder verzögert stellt in meinen Augen dann eine extreme Gefährdung dar. Vielleicht wäre es hilfreich, mehr Vertrauen zu entwickeln, dass sich meine Zukunft auch positiv ergeben kann, wenn ich jetzt diese 'Praktika' nicht sofort mache etc. Aber sobald meine geplanten Abläufe durcheinandergeraten, kommt das Chaos in meinem Kopf und dass ich Ängste (?) bekomme.

      Es nicht persönlich nehmen, ist wichtig, das stimmt. Im Fall 2 nahm ich es nicht persönlich. Im Fall 1 allerdings schon, weil ich vor Ort schon den Eindruck hatte, dass der Ausbilder mich nicht mochte. Aber ich verknüpfe dann oft Sachen und unterstelle Leuten böse Absichten. In den meisten Fällen dürfte es aber wirklich nichts mit mir zu tun haben.


      Kraehe schrieb:

      Manchmal denke ich mir auch...lass die alle labern ich mache einfach was ich selber machen will und höre nicht mehr zu, ist eh alles Unsinn. Das ist natürlich respektlos den anderen gegenüber aber es hilft mir mich innerlich zu distanzieren.
      Ich glaube auch, das ist manchmal gar nicht so schlecht. Das kann ich aber leider sehr schlecht, weil ich oft diesen Drang habe, etwas nicht auf mir sitzen zu lassen (RW). Dass es in dem Moment respektlos wäre (jemanden zu ignorieren, der sich schlecht benimmt) finde ich nicht.
      Leider war ich in den beiden Situationen ja auf diese Menschen angewiesen. Aber es gibt auch sehr viele Situationen wo ich nicht auf die Leute angewiesen bin und es trotzdem nicht schaffe, mich angemessen abzugrenzen sondern mich dann daran festbeiße.


      Kraehe schrieb:

      Man muss irgendwie einen Punkt der Stabilität in sich selbst finden. Dann kann man sich weiterentwickeln und diese Dinge besser ertragen



      (...)


      Man kann das also schaffen.
      Das macht Hoffnung.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • FruchtigBunt schrieb:

      Verlange ich zu viel von den Menschen? Darf man sich auf Terminzusagen und Zusagen überhaupt nicht mehr verlassen? Habe ich in dieser Situation etwas falsch gemacht? Was hätte ich besser machen können?
      Wie kann ich verhindern, dass immer wieder solche Dinge passieren, dass ich vergessen werde oder Zusagen nicht eingehalten werden?
      Wie kann ich verhindern, dass ich deswegen so ausraste?
      Meine spontanen Antworten nach dem Durchlesen der Eingangsfrage:

      Ja, du verlangst zuviel, denn in deren Arbeitsalltag ist kein Platz zum Mitdenken für andere, sie denken nicht darüber nach, daß es Leute gibt, die Unzuverlässigkeit extrem irritiert. Sie legen auch nicht jedes Wort, das sie hören oder von sich geben, auf die Goldwaage (rw). Mit Beruhigungssprächen werden Leute abgewimmelt, wenn man keine Lust hat, sich mit dem Anliegen ernsthaft auseinander zu setzen bzw. es zu überprüfen. Das kenne ich auch zur Genüge.
      Auf Zusagen würde ich mich mittlerweile nur verlassen, wenn ich die Person kenne. Am besten wichtige Termine schriftlich geben lassen.
      Das einzige, was du falsch gemacht hast, war, nicht sobald wie möglich alles sicher abzuklären und mehr zu nerven. Nur dann heißt es, du wärst nervend. In dem Dilemma bin ich auch.
      Was du besser machen könntest, wäre vielleicht, beim nächsten Mal gleich persönlich vorstellig zu werden und das Gegenüber festzunageln (rw).
      Du kannst es nicht verhindern, daß solche Dinge immer wieder passieren, und meiner Erfahrung nach ist es auch schwer bis unmöglich zu verhindern, daß du deswegen so ausrastest. Was hilft, ist sich zu sagen, daß es keine böse Absicht war.
      Eine weitere Alternative wäre: Den Termin bei einer Person machen, die feste Zusagen macht und integer wirkt. Die wird sich dann auch eher um "Wiedergutmachung" bemühen, wenn sich dich doch mal vergessen sollte.
      Mir hilft es übrigens mich verbal aufzuregen und das gedanklich so lange durchzugehen, bis es hundertmal durchgekaut ist und dann von allein emotional unwichtig wird, aber da wirkt wohl bei jedem etwas anderes.

      Kraehe schrieb:

      lass die alle labern ich mache einfach was ich selber machen will und höre nicht mehr zu, ist eh alles Unsinn. Das ist natürlich respektlos den anderen gegenüber aber es hilft mir mich innerlich zu distanzieren.
      Guter Rat, vor allem, wenn Reden nicht mehr weiterhilft.

      FruchtigBunt schrieb:

      Das ist wahrscheinlich ziemlich krank
      Was soll ich dann erst sagen? Wenn es hilft, ist doch egal, ob andere das als "krank" bezeichnen würden, Hauptsache, man fühlt sich damit besser und kann das Negative, das einem widerfahren ist, verarbeiten.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • FruchtigBunt schrieb:

      Alles, was das verhindert oder verzögert stellt in meinen Augen dann eine extreme Gefährdung dar
      Und wenn du dir die verschiedenen wahrscheinlicheren Hindernisse und Gefährdungen vorab aktiv vorstellst und für jedes eine Gegenstrategie entwickelst? In dem Beispiel mit dem Zug und dem Arzttermin könntest du dir überlegen, was du machst, falls der Termin nicht zustande kommt (er könnte ja auch kurz vorher abgesagt werden, weil der Arzt selbst krank geworden ist).
      Mir hilft es, wenn ich mir ein Ziel visualisiere und beschließe, dorthin zu kommen, egal wie und wann. Dieser feste Beschluß gibt schon Orientierung, also daß man sich durch nichts abbringen lassen wird.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • FruchtigBunt schrieb:

      Meine Gedanken sind: Verlange ich zu viel von den Menschen?
      Du erwartest meiner Meinung zu viel von ihnen.


      FruchtigBunt schrieb:

      Darf man sich auf Terminzusagen und Zusagen überhaupt nicht mehr verlassen?

      Jaein... Ein Problem, das ich in der Berufswelt sehe ist, das immer mehr Menschen mit ihrem Arbeitspensum überfordert sind. Nicht das sie zu langsam arbeiten würden, aber es wird von ihnen oft zu viel verlangt (meiner Menung nach) und sie verlieren dardurch oft die Übersicht und eigene (Termin-)Organisation.


      FruchtigBunt schrieb:

      Habe ich in dieser Situation etwas falsch gemacht? Was hätte ich besser machen können?
      Bei mir wichtigen Terminen frage ich 3-4 Tage vor dem Termin nochmal nach... So verhindere ich, das ich "vergessen" gehe und rufe mich dem Gegenüber wieder in Erinnerung.
      So direkt hast Du nichts falsch gemacht denke ich, aber Du solltest Dich vielleicht etwas früher melden... Das gibt Dir auch ein gutes Stück Sicherheit.


      FruchtigBunt schrieb:

      Wie kann ich verhindern, dass ich deswegen so ausraste? Ich vermute mal, dass ich so Austicke, weil ich jeglichen Glauben an die Stabilität in dieser Welt in so einem Moment verliere.

      Ich versuche zu akzeptieren, das meine Vorstellungen von Verlässlichkeit (und zig anderen Punkten) anderen Menschen nicht gleich wichtig sind oder das sie schlicht mit dem Alltag überfordert sind und in den mir wichtigen Bereichen Abstriche machen.


      FruchtigBunt schrieb:

      Mir fällt es nur leider extrem schwer, hinzunehmen, dass die Leute nicht so korrekt arbeiten, wie ich mir das vorstellen würde und auch selbst praktiziert habe (ich hätte wirklich alle Vorkehrungen getroffen, damit so etwas nicht eintrifft und habe auch wirklich sehr wenige solche Fehler gemacht. Aber für diese Leute scheinen die Fehler nicht einmal schlimm zu sein, weil sie sich ja nicht einmal dafür entschuldigten oder eine Erklärung dafür ablieferten).
      Das kenne ich so von mir auch... Insbesondere, das sie aus begangenen Fehlern nicht lernen (wollen/können?) sondern diese immer und immer wieder wiederholen.
      Diagnostiziert - immer noch ein komischer Vogel ;)
    • FruchtigBunt schrieb:

      ein kleines Kuscheltier, das ich dann an seiner Pfote festhalte und ich ziehe manchmal die Bettdecke über den Kopf oder schaukele hin und her und stelle mir vor, dass mich das Kuscheltier tröstet. Das ist wahrscheinlich ziemlich krank, aber ich kenne es von früher nicht, wie sich 'getröstet werden' anfühlt und muss das erst lernen.
      Das ist nicht krank, es ist sehr gut.
      Es ist Deine persönliche Strategie mit einer Situation umzugehen und ich finde Du solltest Dich nicht selbst runtermachen (RW) dafür sondern diese Strategie so nutzen wie es für Dich angenehm ist in dem Moment.

      Jeder findet seinen eigenen Weg mit Dingen des Lebens umzugehen. Solange man nicht sich selbst oder andere dabei verletzt ist alles erlaubt was einem gut tut.

      Schau Dich doch mal um was andere Leute machen wenn sie Stress haben, sie rauchen eine Zigarette nach der nächsten oder betrinken sich bis zur Besinnungslosigkeit, das ist ja "normal" in unserer Gesellschaft. Da ist es doch wesentlich gesünder ein Kuscheltier zu nehmen und zu schaukeln, es muss ja keiner sehen von denen. Sonst denken die Du spinnst (RW). Das finde ich aber nicht.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Das einzige, was du falsch gemacht hast, war, nicht sobald wie möglich alles sicher abzuklären und mehr zu nerven. Nur dann heißt es, du wärst
      nervend. In dem Dilemma bin ich auch.
      Was du besser machen könntest, wäre vielleicht, beim nächsten Mal gleich persönlich vorstellig zu werden und das Gegenüber festzunageln (rw).
      Ja. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Leute etwas zuverlässiger sind, wenn man sie direkt am Telefon (statt E-Mail) anspricht bzw. wenn man direkt vor Ort ist. Das ist aber etwas, das ich auch nicht verstehen kann. Ich bin nahezu gleich zuverlässig, egal ob man mich etwas per Mail, Telefon oder direkt fragt. Für mich kommt es ja auf den Inhalt an und nicht darauf, wie mir diese Frage gestellt wurde. Und Zuverlässigkeit hänge ich so oder so sehr hoch. Aber manche Menschen scheinen sich zu denken "ach, die sitzt ja weit weg, irgendwo hinter ihrem PC, wieso sollte ich mir die Mühe machen, da korrekt zu antworten?" Diese Leute denken aber nicht weit genug, denn wenn sie mich ignorieren oder mir irgendeinen Mist hinschmieren (RW), der sich hinterher als falsch herausstellt, haben sie am Ende noch viel mehr Ärger damit.


      Necroghoul7 schrieb:

      Was hilft, ist sich zu sagen, daß es keine böse Absicht war.
      In Fall 2 habe ich heute morgen zum Telefonhörer gegriffen und meinen neuen Terminwunsch nochmals (nachdem ich schon eine E-Mail schickte) wiederholt. Dabei fragte ich auch, wie es dazu kommen konnte, dass die Termine jetzt doch nicht mehr möglich seien. Der Mitarbeiter entschuldigte sich dann und sagte, dass es an ihm lag und er die Mails zu spät gelesen hat und er mir aus internen Gründen den einen Termin am Freitag doch nicht anbieten will (ein Schelm wer jetzt denken würde, freitags hätten die dort besseres zu tun... na ja.)
      Aber jetzt ist wenigstens der neue Termin 'abgeklopft' (RW) und sicher.


      Necroghoul7 schrieb:

      FruchtigBunt schrieb:

      Alles, was das verhindert oder verzögert stellt in meinen Augen dann eine extreme Gefährdung dar
      Und wenn du dir die verschiedenen wahrscheinlicheren Hindernisse und Gefährdungen vorab aktiv vorstellst und für jedes eine Gegenstrategie entwickelst? In dem Beispiel mit dem Zug und dem Arzttermin könntest du dir überlegen, was du machst, falls der Termin nicht zustande kommt (er könnte ja auch kurz vorher abgesagt werden, weil der Arzt selbst krank geworden ist).Mir hilft es, wenn ich mir ein Ziel visualisiere und beschließe, dorthin zu kommen, egal wie und wann. Dieser feste Beschluß gibt schon Orientierung, also daß man sich durch nichts abbringen lassen wird.
      Ich glaube, dann wäre ich nur noch am Nachdenken und Planen, das würde in vielen Fällen zu viel werden. Aber so grundlegend könnte ich mir überlegen "Was passiert denn schlimmes, wenn etwas nicht nach Plan läuft"? Wenn also der Zug Verspätung hat, rufe ich in der Praxis an und sage, dass ich wegen Verspätung mit dem nächsten Zug komme. Oder wenn dieser Schnuppertag jetzt doch noch nicht möglich ist, mir zu sagen "Es kommt doch darauf an, dass ich das Ziel weiter verfolge und mich nicht so darauf versteife, dass der Weg dorthin der Richtige ist".

      Aber oft ist mir das Ziel dann 'egal', wenn irgendetwas nicht mehr so verläuft, wie ich es will. Ich raste dann wirklich komplett aus und 'vergesse' sozusagen, warum ich den Weg überhaupt gegangen bin. Ich sehe dann nur noch den Weg, auf dem bildlich gesprochen ein riesen Ast liegt oder in dem ein so großer Krater ist, dass man den Weg unmöglich in der Zeit (!) die man dafür eingeplant hat, gehen kann. Dann verliere ich das Ziel aus den Augen. Ich sehe nur noch die Katastrophe, dass der Weg 'nicht mehr passt'. Und das versetzt mich in Panik.

      Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass ich nicht flexibel genug denken kann. Ein anderer würde direkt sagen "ach ja, es gibt auch nen anderen Weg", aber ich habe mich einem Weg, den ich mir mal überlegt habe bzw. diesen ausgewählt habe, komplett verschrieben. Es fällt mir sehr schwer, dann wieder davon abzuweichen. Dann dafür muss man im Gehirn ja auch wieder ganz andere Bereiche benutzen. Wenn ich einen Weg verfolge, ist das relativ einfach, denn ich weiß ja, was ich zu tun habe. Ich sehe die einzelnen Schritte vor mir und will die nur durchlaufen, damit die Sache erledigt ist. Wenn die Schritte dann aber (meist wegen Umstände von außen) nicht so zu durchlaufen sind, müsste mein Gehirn dann anfangen, alles neu umzuplanen. Das versetzt mich aber wiederum in absolute Stresszustände, weil ich mich dann ohnmächtig und hilflos fühle. Hm.

      Wie lernt man, flexibler zu denken? Aber vielleicht fängt es wirklich dabei an, irgendwie Stabilität in sich selbst zu erlangen, damit man sich erstmal nicht so ohnmächtig fühlt. Dann müsste es doch eigentlich auch klappen, umzuplanen (die kognitiven Fähigkeiten habe ich ja dafür). Das schlimme ist diese Ohnmacht, die mich vollkommen schachmatt setzt (RW) in solchen Situationen, weil etwas Unvorhergesehenes passiert und ich aus dem Schema rauskomme.


      Nayeli schrieb:

      So direkt hast Du nichts falsch gemacht denke ich, aber Du solltest Dich vielleicht etwas früher melden... Das gibt Dir auch ein gutes Stück Sicherheit.
      Okay, das ist ein hilfreicher Tipp.Aus Angst schiebe ich solche Rückfragen nämlich wirklich oft etwas zu lange vor mir her. Würde ich die Dinge direkt abklären, würde mehr Zeit bleiben mit unvorgesehenen Dingen bzw. 'Fehlern' umzugehen.


      Kraehe schrieb:

      FruchtigBunt schrieb:

      ein kleines Kuscheltier, das ich dann an seiner Pfote festhalte und ich ziehe manchmal die Bettdecke über den Kopf oder schaukele hin und her und stelle mir vor, dass mich das Kuscheltier tröstet. Das ist wahrscheinlich ziemlich krank, aber ich kenne es von früher nicht, wie sich 'getröstet werden' anfühlt und muss das erst lernen.
      Das ist nicht krank, es ist sehr gut.Es ist Deine persönliche Strategie mit einer Situation umzugehen und ich finde Du solltest Dich nicht selbst runtermachen (RW) dafür sondern diese Strategie so nutzen wie es für Dich angenehm ist in dem Moment.

      Jeder findet seinen eigenen Weg mit Dingen des Lebens umzugehen. Solange man nicht sich selbst oder andere dabei verletzt ist alles erlaubt was einem gut tut.

      Schau Dich doch mal um was andere Leute machen wenn sie Stress haben, sie rauchen eine Zigarette nach der nächsten oder betrinken sich bis zur Besinnungslosigkeit, das ist ja "normal" in unserer Gesellschaft. Da ist es doch wesentlich gesünder ein Kuscheltier zu nehmen und zu schaukeln, es muss ja keiner sehen von denen. Sonst denken die Du spinnst (RW). Das finde ich aber nicht.
      Danke :oops:
      Insbesondere der Hinweis auf das sozial akzeptiere Problemverhalten beim Umgang anderer Menschen hilft mir vor Augen zu führen, dass mein Verhalten gar nicht so schlimm ist. Es ist eben nur weniger sozial akzeptiert.
      Ich denke mir manchmal, welcher Erwachsene legt sich denn ins Bett und heult wie ein kleines Baby mit einem Kuscheltier in der Hand. Eigentlich müsste ich mit meinem Alter diejenige sein, die ein eignes Kind hat und das Kind dann tröstet und mich nicht selbst wie ein Kind verhalten. Aber auf der anderen Seite kann man sich dann wirklich denken: Ist ein Erwachsener so viel 'besser' oder 'verantwortungsvoller' oder für die Kindererziehung geeignet, wenn er Drogen und Suchtmittel konsumiert? Er wahrt damit vielleicht besser den Anschein des Funktionierens, aber er verdrängt das Problem und kann dann daran nicht wachsen.
      Ich hoffe, dass ich irgendwann mal nicht mehr solche Methoden brauche, sondern selbst etwas stabiler geworden bin. Leider ist es dann zu spät, selbst nochmal Kinder erziehen zu können und das macht mich sehr traurig. :cry:

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    • das ganze mit Logik angehen.
      Du kannst nichts, aber auch gar nichts, von anderen Menschen garantiert erwarten.
      Lege dir also immer plan B bis Z zurecht.
      Stelle keine Ansprüche an andere, keiner ist fehlerfrei, auch du nicht.
      So wirst du immer nur positiv überrascht.

      Es kommt im Leben nicht darauf an, was und wie viel du bekommst oder nicht, sondern wie du mit dem, was du hast, am besten umgehst und was du draus machst.
    • Du hast schon viele gute Antworten erhalten, finde ich. Folgendes möchte ich noch ergänzen.

      Selbstverständlich darf man erwarten, dass Vereinbarungen eingehalten werden und Kritik daran üben, wenn dies nicht geschieht. Die Einhaltung von Vereinbarungen ist die Grundlage jeder Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Eine allgemeine Empfehlung ist schwierig, weil die richtige Reaktion von der jeweils konkreten Situation abhängt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass "Ich-Botschaften" sich besser eignen als "Du-Botschaften" => Erstere schaffen Verständnis für die Auswirkungen, Letztere werden meistens als Vorwurf verstanden und führen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einer Abwehrhaltung.

      Leider ist es so, dass viele Menschen in der Wirkung unzuverlässig sind, auch im beruflichen Kontext. Das kann viele Gründe haben und muss nicht immer die Schuld dieser Menschen sein. Mitunter ist es schlichtweg auch einer Überforderung. Der Grund ändert aber natürlich nichts an den Wirkungen auf Deiner Seite.

      Ein freundlicher, aber bestimmter Hinweis auf den Fehler, zusammen mit einer freundlichen, aber bestimmten Forderung, dass dies ausgebessert bzw. künftig besser gemacht werden möge, ist nicht nur zulässig, sondern sogar notwendig, um auch in Hinblick auf die Zukunft und auf andere Betroffene an einer Veränderung mitzuwirken. Ist man darin nicht erfahren und/oder verunsichert, würde ich die Schriftform empfehlen. Soweit die Theorie bzw. allgemeine Gedanken.

      Grundsätzlich sehr empfehlenswert, weil ein Aha-Erlebnis das nächste jagt und man viel daraus mitnehmen kann: argon-verlag.de/2013/04/schulz…toerungen-und-klaerungen/

      Hier das zentrale Modell daraus: schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat


      In Deinem konkreten Fall ist es dumm gelaufen, dass Du zwei mal hintereinander (und in meinem Verständnis in kurzem Zeitabstand) diese Erfahrung machen musstest. In einem beruflichen Kontext hat man es leichter als in privaten Situationen: Ich bin bei Projekten oft als Projektmanager im Einsatz, wo mir meine (Über)Genauigkeit häufig als Vorteil hilft und ich auch die Möglichkeit habe, Zuverlässigkeit mit mehr oder weniger viel Nachdruck einzufordern - das ist mitunter anstrengend und kraftraubend, beruflich muss ich das aber machen und es wird sehr geschätzt, dass mir nichts und niemand "durch die Lappen geht". Privat mache ich das nur bei mir wichtigen Themen (in Deinem Fall ist das ja wichtig!), ansonsten lasse ich die Situationen meistens gehen und wende mich Anderem zu, weil der Ärger und die Zeit mir das vielleicht erreichte Ergebnis nicht wert sind.


      Die oben verlinkten Inhalte von Friedemann Schulz von Thun können dabei helfen, sich in solchen, häufig ja auf einen Konflikt zusteuernden Situationen, sicherer und besserer zu fühlen, weil man weiß, wie Kommunikation funktioniert und man lernen kann, auf welche Weise man die jeweilige Situation am Besten handhaben kann (wenn man mag oder muss).
      „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.“ – Carl Gustav Jung

      „Natürlich bin ich verrückt, aber das hat nichts damit zu tun!“ – Das Känguru
    • FruchtigBunt schrieb:

      Ich denke mir manchmal, welcher Erwachsene legt sich denn ins Bett und heult wie ein kleines Baby mit einem Kuscheltier in der Hand. Eigentlich müsste ich mit meinem Alter diejenige sein, die ein eignes Kind hat und das Kind dann tröstet und mich nicht selbst wie ein Kind verhalten.
      Es ist stark und gut, wenn man es schafft, für sich Wege zu finden, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Ich finde, dass es überhaupt keinen Grund dafür gibt, dies zu bewerten oder mit den Wegen anderer Menschen zu vergleichen. Viele der Normen und Konventionen, deren Druck wir regelmäßig spüren, sind völlig willkürlich und damit auch, was Menschen als ungemessen oder lächerlich wahrnehmen - etwa am Beispiel der Krawatte: ein buntes Stück Stoff, das mit an Strangulation grenzender Festigkeit um den Hals gebunden wird und dann vorne an der Brust baumelt, ist nicht nur normal, sondern wird in bestimmten Kontexten sogar eingefordert - ohne dass es außer des damit verbundenen Signals eine Funktion hätte, schon gar nicht direkt für einen selbst. Kämen Außerirdische auf die Erde und hätten sie eine Veranlagung dazu, etwas lächerlich zu finden, dann würden sie die Krawatte wohl lächerlich finden.

      Warum sollte es nicht in Ordnung sein, sich mit einem Kuscheltier ins Bett zu legen und zu heulen? Ich habe bei einer Veranstaltung einen sehr guten, weisen Arzt kennengelernt, der sich unkontrolliert und wie wild zu schütteln und zu bewegen pflegt, um sich etwa morgens fit zu machen oder wenn er sich allgemein unwohl fühlt. Was Du für Dich als Weg entwickelst, ist alleine Deine Sache und alles ist in Ordnung, was weder Dir noch anderen Schaden zufügt.

      Selbstverständlich gibt es aber eben die oben erwähnten Normen und Konventionen und ist zu bedenken, was man in der Öffentlichkeit machen möchte bzw. was man wem mitteilen möchte. Lass Dir den Schuh nicht anziehen, Dich selbst herabzusetzen wegen etwas, was andere vielleicht belächeln würden - während sie selbst vermutlich auch Vieles machen, was jemand belächeln würde, der aus einem anderen Kontext stammt und leider auch keine flexiblere Haltung einnehmen kann.

      "Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden." - Johann Wolfang von Goethe
      „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.“ – Carl Gustav Jung

      „Natürlich bin ich verrückt, aber das hat nichts damit zu tun!“ – Das Känguru

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    • FruchtigBunt schrieb:

      "ach, die sitzt ja weit weg, irgendwo hinter ihrem PC, wieso sollte ich mir die Mühe machen, da korrekt zu antworten
      Ich glaube, daß die Hemmschwelle und die Verbindlichkeit größer sind, wenn einem jemand direkt gegenübersteht. Eine eMail ist ziemlich anonym, man denkt nicht an die Gefühle oder Erwartungen der dahinterstehenden Person. Und wenn jemand persönlich vorbeikommt, merkt der Personaler auch, daß es demjenigen wichtig genug ist, seine Zeit dafür zu verwenden. Eine eMail schreibt sich in einer Minute, ein persönliches Gespräch kostet dagegen Zeit und oft auch Überwindung (zumindest bei mir).

      Lemur schrieb:

      Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden." - Johann Wolfang von Goethe
      Kannst du das näher erläutern, gern auch per PN? Was sagen die Dinge oder Verhaltensweisen, die man lächerlich findet, über einen selbst aus?

      Lemur schrieb:

      In Deinem konkreten Fall ist es dumm gelaufen, dass Du zwei mal hintereinander (und in meinem Verständnis in kurzem Zeitabstand) diese Erfahrung machen musstest
      Ja, deshalb finde ich es wichtig, Gegenstrategien zu entwickeln, damit sich daraus nicht eine lange Reihe von Frustrationen, Enttäuschungen und Mißerfolgen entwickelt so wie bei mir in manchen Bereichen...
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Necroghoul7 schrieb:

      Ich glaube, daß die Hemmschwelle und die Verbindlichkeit größer sind, wenn einem jemand direkt gegenübersteht. Eine eMail ist ziemlich anonym, man denkt nicht an die Gefühle oder Erwartungen der dahinterstehenden Person. Und wenn jemand persönlich vorbeikommt, merkt der Personaler auch, daß es demjenigen wichtig genug ist, seine Zeit dafür zu verwenden. Eine eMail schreibt sich in einer Minute, ein persönliches Gespräch kostet dagegen Zeit und oft auch Überwindung (zumindest bei mir).
      Ich denke das ist ein Irrtum. Leute reden genauso viel Unsinn wie sie schreiben, sie machen irgendwelche Vereinbarungen über Dinge die ihnen in dem Moment wichtig erscheinen, die sie dann aber später wieder vergessen, zum Beispiel. "Aus dem Moment heraus".

      Vielleicht ohne viel nachzudenken, oder sich der Konsequenzen bewusst zu sein die es hat, wenn derjenige dem sie es erzählen dann später darauf zurückkommt und ihnen dann bewusst wird, dass nun von ihnen erwartet wird, dass sie das tun was sie gesagt haben.

      Auch Autisten machen das. Sie sind nämlich nicht zuverlässiger als andere auch wenn es so erscheint dass es ihnen wichtiger ist zuverlässig zu sein.
      Viele Menschen fordern Zuverlässigkeit von anderen sind es aber selbst nicht. Das ist nämlich manchmal auch unbequem, Reden (oder schreiben) ist immer leicht.

      Lemur schrieb:

      Ein freundlicher, aber bestimmter Hinweis auf den Fehler, zusammen mit einer freundlichen, aber bestimmten Forderung, dass dies ausgebessert bzw. künftig besser gemacht werden möge, ist nicht nur zulässig, sondern sogar notwendig, um auch in Hinblick auf die Zukunft und auf andere Betroffene an einer Veränderung mitzuwirken
      Ja, das denke ich auch.
      Beruflich und privat ist das sinnvoll.

      Sachlich und ohne Wut.
    • Necroghoul7 schrieb:

      Kannst du das näher erläutern, gern auch per PN? Was sagen die Dinge oder Verhaltensweisen, die man lächerlich findet, über einen selbst aus?
      Uff, das ist schwierig für mich. Gerne will ich es versuchen.

      Etwas lächerlich zu finden kann eine herabwürdigende negative Bewertung sein. Dabei sind Menschen erstaunlicherweise häufig viel weniger zurückhaltend als im Falle von positiven Bewertungen oder einer anderen Form von Ablehnung, die sich nicht durch Lächerlichkeit äußert. Darin vermute ich das "Durch nichts" in der Aussage von Goethe.

      Mitunter ist es ein Indiz für eigene Ängste, die man unterdrückt oder derer man sich gar nicht bewusst ist. Regelmäßig lässt sich etwa beobachten, dass Menschen mit einem stark eingeschränkten Gefühlsleben es lächerlich finden, wenn Menschen ihren Gefühlen freien Lauf lassen und sie deutlich zeigen. Mir ist aber noch niemand begegnet, der ein stark ausgeprägtes Gefühlsleben hat und Menschen mit stark eingeschränktem Gefühlsleben lächerlich findet.

      Ich kenne eine Frau, die aus bestimmten und nachvollziehbaren Gründen ein gestörtes Verhältnis zu Sexualität hat. Sie findet Penisse lächerlich. Doch dieses Beispiel ist meiner Meinung nach schon außerhalb dessen, was Goethe meinte.

      Mir wollen gerade keine weiteren konkreten Beispiele einfallen und obgleich ich meine, ein klares Verständnis darüber zu haben, was Goethe damit meint, vermag ich das jetzt nicht besser auf allgemeine Weise zu erklären. Es schwingt auch eine Überheblichkeit mit, in vielen Fällen wird etwas als lächerlich eingestuft, ohne auch nur versucht zu haben, es nachzuvollziehen. Mir scheint: je reflektierter ein Mensch ist, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass er etwas lächerlich findet.

      Als langjähriger Krawattenträger finde ich Krawatten lächerlich, nicht aber Menschen, die Krawatten tragen. Ich wäre eher noch versucht, einen Krawattenträger lächerlich zu finden, der es lächerlich findet, sich mit einem Kuscheltier zu trösten, um dann doch nur zu erkennen, dass es sich um einen verletzten Menschen handelt, der vielleicht auch gerne eine Möglichkeit hätte, sich selbst emotionalen Trost zu spenden - oder sogar ein Mensch, der dies auch mit Kuscheltieren macht, sich selbst deswegen schlecht fühlt und das dann bei anderen Menschen lächerlich findet (oder das zumindest vorgibt).

      Sehr viele Menschen finden die Waldorf-Pädagogik und da besonders die Eurythmie lächerlich: Den eigenen Namen tanzen, ha ha ha. Ich verstehe davon sehr wenig, aber genug, um zu wissen, dass ich viel mehr davon verstehen muss, um mir ein Urteil zu bilden. Ein einfaches "Warum?" als Reaktion auf eine derartige Aussage (oder in anderen Situationen) zeigt große Wirkung, auch wenn es zu einem Angriff führen kann.

      Mein Filmgeschmack ist sehr breit ausgelegt. So schaue ich mir beispielsweise mit meiner Frau auch sehr gerne Jane Austen Verfilmungen an. Ich habe erlebt, dass das lächerlich gefunden wird - von Männern, wiewohl mir das keiner direkt gesagt hat. Warum findet man(n) das lächerlich? Angst vor Gefühlen? Angst vor intelligentem Humor? Hmm.

      Was die Selbstbetrachtung angeht: Wenn man etwas lächerlich findet, dann ist das wie im Falle von Ängsten etc. vielleicht nichts Anderes als ein Wink mit dem Zaunpfahl, um näher hinzuschauen und zu versuchen, es zu verstehen, daran zu wachsen.

      Zum Schluss noch eine Abgrenzung: Etwas lustig zu finden bzw. über jemanden zu lachen ist meiner Ansicht nach etwas gänzlich Anderes als etwas lächerlich zu finden bzw. jemanden auszulachen.

      Ich hoffe, dass diese holprigen Versuche ein wenig mehr Klarheit bringen konnten. Und ich bedanke mich bei Dir dafür, dass Du mich dazu angestachelt hast, tiefer darüber nachzudenken. In den Situationen, in denen mir diese Aussage jeweils einfällt, denke ich meistens nur: ja, genau. Dieses Tieftauchen jetzt, ohne eine konkrete Situation bei mir, hat mich ganz schön gefordert :-).
      „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.“ – Carl Gustav Jung

      „Natürlich bin ich verrückt, aber das hat nichts damit zu tun!“ – Das Känguru
    • Satureja Antares schrieb:

      zum Goethe zitat:
      Ein reifer Mensch findet nichts lächerlich.
      Unreife Menschen versuchen andere und ihre Vorlieben usw lächerlich zu machen, damit sie sich zu sich runter ziehen können
      :) Großartig. Einmal mehr zeigt sich, dass man auch in zwei Sätzen sagen kann, was ich in vielen Absätzen kaum vermag. Danke!
      „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.“ – Carl Gustav Jung

      „Natürlich bin ich verrückt, aber das hat nichts damit zu tun!“ – Das Känguru
    • Kraehe schrieb:

      Leute reden genauso viel Unsinn wie sie schreiben, sie machen irgendwelche Vereinbarungen über Dinge die ihnen in dem Moment wichtig erscheinen, die sie dann aber später wieder vergessen, zum Beispiel. "Aus dem Moment heraus".
      Ich stimme Dir zu. Hier kann die Methode "Getting Things Done" überaus hilfreich sein - damit wird es auf systematische Weise unmöglich, dass einem etwas durchrutscht. Jeden Abend: Inbox zero! Sehr häufig: "Mind like water". Wird von Millionen Menschen erfolgreich angewendet, andere Menschen beobachten an mir die Auswirkungen, sind selbst sehr unstrukturiert, leiden darunter und sind dennoch meistens nicht bereit, sich das auch nur mal anzuschauen *grübel* (ich will nicht verheimlichen, dass es eine große initiale Anstrengung ist, das aufzusetzen und die notwendigen Verhaltensänderungen zu etablieren)

      Bei NTs ist es auch häufig so, dass sie es gar nicht ernst meinen und davon ausgehen, dass der Andere dies in der Situation auch versteht, es also auch nicht ernst nimmt. Das ist ein Fettnäpfchen, in das ich - negativ auf AS diagnostiziert, aber dennoch in größerer Nähe zum autistischen Spektrum als zu NTs - regelmäßig reintrete. Der Klassiker ist da ein "Kommt doch mal vorbei" bei Urlaubsbekanntschaften und das Entsetzen darüber, wenn die das dann wirklich machen! :) Wenn ich sage "komm doch mal vorbei", dann meine ich das genau so. Und wenn ich es höre, dann verstehe ich es auch genau so (auch wider besseren Wissens).
      „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.“ – Carl Gustav Jung

      „Natürlich bin ich verrückt, aber das hat nichts damit zu tun!“ – Das Känguru
    • Vielen Dank schonmal für die vielen Kommentare. Die Anzahl der Beiträge überfordert mich, so dass ich es nicht schaffe, darauf inhaltlich einzugehen.

      Ich habe für mich jetzt ganz grob mitgenommen (das andere wirkt vermutlich noch länger nach), dass meine Erwartungen an Zuverlässigkeit im beruflichen Kontext meiner Meinung nach nicht übertrieben sind, aber dass ich mich damit abfinden sollte, dass andere weit niedrigere Erwartungen und Arbeitsmoral haben und deshalb darauf vorbereitet sein muss, dass Menschen nicht das tun, was sie zusagen und ihnen die Dinge und die Korrektheit der Dinge nicht so wichtig sind wie mir.
      Wenn ich weiß, es geht um eine sehr wichtige Sache, werde ich zukünftig versuchen, das frühzeitig abzuklären und nachzuhaken falls ich Bedenken habe, dass die Zusage nicht eingehalten wird und bei einfachen Dingen bestenfalls auch durch 'Präsenz zeigen', statt nur zu schreiben (bei komplexeren Dingen würde ich vermutlich mündlich eher überrollt werden). Schriftlich will ich nicht mehr alles festhalten, weil ich das früher gemacht habe. Da haben mir die Leute dann nach ewigem Hin- und Her die schriftliche Zusage gegeben, die ich brauchte und hinterher doch alles ganz anders gemacht. Manchmal half die schriftliche Zusage aber dann doch etwas. Aber es hat unglaublich viel Nerven gekostet.

      Für mich erscheint als die beste Lösung, Menschen wirklich nur dann zu glauben, wenn ich sie gut kenne und bei wichtigen Dingen die Zusagen selbst mit überwachen und mich bei unwichtigen Dingen nicht mehr darauf zu verlassen, dass das eingehalten wird, was gesagt wird. Letzeres schützt vor Enttäuschungen und wenn es schief geht, ist es bei den unwichtigen Dingen nicht so schlimm. Ich finde es trotzdem eine Zumutung, dass man sich bei wichtigen Dingen oft nicht auf andere verlassen kann, weil für das Gegenüber die Sache vermutlich nicht wichtig ist.
    • Lemur schrieb:

      Hier kann die Methode "Getting Things Done" überaus hilfreich sein - damit wird es auf systematische Weise unmöglich, dass einem etwas durchrutscht. Jeden Abend: Inbox zero! Sehr häufig: "Mind like water". Wird von Millionen Menschen erfolgreich angewendet,
      Was ist das für eine Methode? (was bedeutet 'mind like water'? Sowas wie "Gehirn wie ein Sieb"?) Meinst du, dass man jeden Abend bis Feierabend auf der Arbeit alle seine E-Mails und Sachen erledigen sollte bzw. zumindest checken sollte und Prioritäten vergeben sollte (so machte ich das mit den Prioritäten, jeden Feierabend neu sortieren weil es so viel war)? Ich versuchte immer alles wegzuarbeiten und zuverlässig zu arbeiten und landete im Burn-Out. Ich wollte zuverlässig sein. Einmal nach einer Erkrankung hatte ich mehrere hundert E-Mails im Postfach, die ich systematisch abarbeiten wollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, irgendeine Mail auszulassen. Der Chef sagte daraufhin, ich solle die E-Mails nicht mehr beachten. Wenn die Leute was wollen, werden sie sich schon nochmal melden 8o 8o 8o
      So kann ich nicht arbeiten. Von daher verstehe ich die Aussage von @Kraehe auch nicht, dass Autisten nicht wirklich zuverlässiger seien. Ich habe sehr viele solcher Situationen erlebt und ich arbeitete immer das ab, was ich zusagte bzw. das was meine Aufgabe ist. Auf die Idee zu kommen, mehrere Hundert (oder auch nur eine) E-Mail nicht zu bearbeiten, wäre ich im Leben nicht gekommen und ich konnte sie auch nicht unbearbeitet da liegen lassen, weil ich Angst hatte, dass sich die Leute dann bei mir beschweren (ich hätte ihnen auch noch Recht gegeben, dass es ein Unding ist, die Mail nicht zu beantworten). Um mich diesem Konflikt mit den Leuten nicht stellen zu müssen, versuchte ich parallel die Mails doch zu überfliegen und zu schauen, ob wirklich wichtige Sachen dabei waren und mit der Zeit arbeitete ich alles ab. Bis zum nächsten Zusammenbruch dann. :m(:

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • FruchtigBunt schrieb:

      Vielen Dank schonmal für die vielen Kommentare. Die Anzahl der Beiträge überfordert mich, so dass ich es nicht schaffe, darauf inhaltlich einzugehen.
      Du hast das sehr gut zusammengefasst, finde ich. Und es wäre zu zeitaufwändig, allen im Detail zu antworten, das finde ich voll okay.

      Im Laufe der Zeit kristallisiert sich heraus, wem man grundsätzlich vertrauen kann und wer darüber hinaus auch noch zuverlässig das Richtige zur richtigen Zeit liefert. Bei den Kandidaten, die's regelmäßig einfach verschwitzen, schicke ich vorsorglich freundliche Erinnerungen, die ich mir selbst gleich am Anfang als Erinnerung anlege, sobald etwas vereinbart wurde.

      Hilfreich eben auch, die Auswirkungen auf Deiner Seite aufzuzeigen. Neulich musste ich einen gesamten Tag völlig umkrempeln, weil ein Mitarbeiter nicht wie zugesagt ein Dokument für eine kritische Durchsicht geliefert hat und auch nicht rechtzeitig Bescheid gab, dass er es nicht schaffen würde. Ich habe ihm im Detail, aber dennoch kurz erläutet, welche Auswirkungen dies auf meinen Arbeitstag hatte und wieviel Zeit durch Umdisponieren verloren ging. Eine Zeit lang führte dies zu einer Besserung, jetzt ist er wieder wie vorher. Und morgen werde ich wieder mit ihm sprechen. Es ist ein ewiger Kampf ;-).

      FruchtigBunt schrieb:

      Ich finde es trotzdem eine Zumutung, dass man sich bei wichtigen Dingen oft nicht auf andere verlassen kann, weil für das Gegenüber die Sache vermutlich nicht wichtig ist.
      Das geschieht auch regelmäßig. Hier hilft es, wenn man bereits vorab die Wichtigkeit klar macht. Natürlich auch wieder Zusatzaufwand. Es hilft, wenn man mit "wichtig" und "dringend" möglichst sparsam umgeht, so meine Erfahrung. Dann wird es tendenziell ernster genommen, wenn man etwas mit diesen Attributen versieht.

      Alles Gute für Dich!
      „Wer nach außen schaut, träumt, wer nach innen schaut, erwacht.“ – Carl Gustav Jung

      „Natürlich bin ich verrückt, aber das hat nichts damit zu tun!“ – Das Känguru