Was machen, wenn die Eltern den MBAS-Fragebogen unzutreffend ausfüllen?

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    • @DrCarsonBeckett

      Danke.
      Ich kenne von meiner Familie leider nichts anderes. Ich werde nun genauer darauf achten, was ich mit meiner Familie teile und was nicht. Früher bin ich dann komplett aus dem Kontakt gegangen, weil ich mich so verletzt fühlte, aber wenn ich den Kontakt zu meinen Wurzeln komplett abschneide, werde ich noch depressiver (schon probiert). Es ist eine Entscheidung zwischen Cholera und Pest (RW) :(
    • Ohne das Verhalten deiner Mutter in Schutz nehmen zu wollen - das mit dem unzutreffendem Ausfüllen kann leider leicht auch unbeabsichtigt passieren! Meine Mutter hat schon einmal so einen Bogen ausgefüllt und sie (bzw. sie und mein Vater) werden es auch für meine anstehende Diagnostik machen, jedoch konnte sie sich an vieles nicht mehr wirklich erinnern, was gefragt war, dafür vielen ihr ein paar andere "komische" Sachen ein, die ich extra notierte. Ein weiteres Problem ist, dass sie auch mindestens autistische Züge zeigt und mein Vater zwar bestimmt kein Autist, aber auch etwas seltsam ist. Zudem stimmt es schon, was hier schon gesagt wurde, dass Eltern vielleicht auch unbewusst beschönen. Meine Mutter meinte nämlich auch, dass die Psychologin, zu der ich gegangen bin, sich doch wundern muss, warum sie mit mir als Kind nicht zu einem Psychologen oder so ist ... klar machen sich da Eltern bestimmt Vorwürfe, obwohl es ja von meiner Seite nicht so gemeint ist, sie waren sehr jung und damals war darüber noch weniger bekannt und ich war als Mädchen nicht auffällig genug bzw. nicht so, dass es jemand mit Autismus in Verbindung gebracht hätte.

      Mich nervt es allerdings auch etwas, mit Mitte 30 einen Fragebogen von den Eltern zu benötigen, der doch nach dieser Zeit wirklich nicht mehr als Anhaltspunkte liefern kann, aber daraus noch einen Cut-Off-Wert errechnen zu wollen, halte ich für unhaltbar.

      Generell zeigt meine Mutter aber schon einigermaßen Verständnis für meine Situation, sie merkt ja, dass ich Probleme habe und ein paar Dinge kann sie auch nachvollziehen, nur dass es bei ihr insgesamt nicht so extrem ist.
    • Wenn meine Mutter diesen Bogen wahrheitsgemäss ausgefüllt hätte, hätte sich ihr Versagen und ihre Überforderung im Umgang mit mir in ganzer Deutlichkeit offenbart.
      In den Mails, die sie mir parallel dazu geschrieben hatte um mir zu 'helfen', wurde das deutlich.
      Interessanterweise wurden nur einige wenige Punkte mit Bezug zu meinen Unfähigkeiten, für welche meine Mutter gemäß ihrer Denke nicht verantwortlich gemacht werden kann, benannt.
      Meine Erinnerungen dazu - besonders ab ungefähr 6 Jahren - sehen anders aus.
      Ich weiß nicht, wie der Diagnostiker mit dieser Datenlage umgehen wird.
    • Ich stehe gerade vor dem gleichen Dilemma... Ich habe meinen Eltern den MBAS vorgelegt und wir sind mal so ein bisschen durch gegangen und es war sofort klar, dass Sie sich größte Mühe geben werden, das ideale Kind zu beschreiben. Ihre und meine Erinnerungen gehen völlig auseinander. Sie überlegen bei den meisten Fragen noch nicht einmal sondern antworten direkt, dass ich selbstverständlich alles optimal gemacht habe. Ich bin gespannt, wie wichtig die Auswertung des MBAS ist. Der Betrachtungszeitraum liegt bei mir immerhin zwischen 12-30 Jahren zurück. Ich wundere mich über meine Eltern, wie sicher und genau sie sich an all die positiven Eigenschaften ihres Sohnes erinnern können ... Irgendjemand schrieb hier, dass es wichtig sei, mit anderen Kindern zu vergleichen. Darauf werde ich Sie nochmal hinweisen und auch beim nächsten Termin deutlicher erwähnen, dass ich sehr an der Zuverlässigkeit meiner Eltern als Fragenbeantworter zweifel. Leider gibt es keine Geschwister, die man befragen könnte, da ich Einzelkind bin.
    • Ich dachte auch, dass meine Mutter beschönigen wird, stattdessen wurde als Problemfemd Kontaktschwierigkeiten, Traurigkeit und soziales Verhalten angekreuzt.
      Außerdem hätte ich nie mit Kindern gespielt oder Gefühle mitgeteilt usw.
      Sie schiebt diese Schwierigkeiten aber darauf, dass sie ja Alleinerziehend war und die Kinder mich deswegen gemieden hätten.
      Allerdings finde ich es auch doof mit 40 meine Mutter zu meiner Säuglingszeit zu befragen.
      Ich bin gespannt wie die Antworten gewertet werden.
    • LeuChris schrieb:

      Ich glaube mittlerweile, dass man den MBAS mangels Alternativen zu Hilfe nimmt. Ich habe im Netz den Auswertungsbogen gesehen und da steht ganz klar, dass der MBAS nicht geeignet ist, wenn man älter als 24, jünger als 6 und/oder überdurchschnittlich Intelligent ist.
      Das macht auch Sinn!
      Teilweise war es schon fast lustig, welche Fragen meine Mutter über ihre 40-jährige Tochter beantworten sollte.
    • Es ist gekommen, wie es kommen musste. Ich war natürlich als Kind vorbildlich. Meine Eltern haben es auch nicht für nötig gehalten, mit mir darüber zu sprechen und es einfach mit meiner Frau ausgefüllt. Am witzigsten fand ich die Beantwortung der Frage, ob ich meine Eltern im Alter von 4-5 trösten konnte wenn sie traurig waren. Die Antwort war "immer" - da muss ich ja schon beinahe die Frage stellen, warum meine Eltern ständig traurig waren. An die ersten 2 Jahre meines Lebens hat meine Mutter keinerlei Erinnerungen mehr, aber im Alter von 4-5 ist die Erinnerung an jeden Gesichtsausdruck noch präsent. Ich bin einfach nur wütend.
    • LeuChris schrieb:

      Ich bin einfach nur wütend.
      Wütend sein bringt gar nichts. Setz dich mit dem ausgefüllten Fragebogen und einem extra Zettel hin und schreibe deine Anmerkungen zu den Punkten auf, mit denen du nicht einverstanden bist, bzw. die du anders siehst. Und den Zettel heftest du dann an den Fragebogen an.

      Das habe ich auch gemacht und es wurde gut aufgenommen und in den meisten Punkten auch akzeptiert.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Leseratte schrieb:

      LeuChris schrieb:

      Ich bin einfach nur wütend.
      Wütend sein bringt gar nichts. Setz dich mit dem ausgefüllten Fragebogen und einem extra Zettel hin und schreibe deine Anmerkungen zu den Punkten auf, mit denen du nicht einverstanden bist, bzw. die du anders siehst. Und den Zettel heftest du dann an den Fragebogen an.
      Das habe ich auch gemacht und es wurde gut aufgenommen und in den meisten Punkten auch akzeptiert.
      Das ist ein sehr guter Ratschlag. Danke dafür, so werde ich das machen. Außerdem habe ich meine Tante gebeten ihre Erinnerung zu bemühen. Dann habe ich noch eine weitere Perspektive.
    • LeuChris schrieb:

      Ich glaube mittlerweile, dass man den MBAS mangels Alternativen zu Hilfe nimmt. Ich habe im Netz den Auswertungsbogen gesehen und da steht ganz klar, dass der MBAS nicht geeignet ist, wenn man älter als 24, jünger als 6 und/oder überdurchschnittlich Intelligent ist.
      Ja, das ist so. Das steht nicht nur im Netz, sondern auch in Fachbüchern zur Asperger-Diagnostik. Meine Diagnostikerin hat den auch nur hilfsweise herangezogen, er war für sie aber nicht ausschlaggebend für die Diagnose. Nach so vielen Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern sich nicht mehr gut erinnern können (egal ein wie gutes Gedächtnis jemand auch haben mag) rapide.
    • Aus Elternsicht möchte ich gern zu dieser Diskussion hinzufügen, dass es keine böse Absicht ist, wenn Eltern sich nicht mehr exakt an die Zeit erinnern können, als das eigene Kind zwei oder vier Jahre alt war. Gerade wenn man mehrere Kinder hat und dann unterscheiden muss, wer nun genau was wann gemacht hat oder gemacht haben könnte. Wer fleißig Tagebuch zu jedem Kind geführt hat, ist sicher im Vorteil und kann nachlesen und so die eigenen Erinnerungen auffrischen. Wer keine Zeit dafür fand, muss im Gedächtnis kramen. Am meisten habe ich tatsächlich die "Szenen" im Kopf, zu denen es Fotos gibt. Heutige Eltern haben sicher mehr hilfreiches Foto, Audio- und Video-Material von ihren Kindern als Eltern mit jetzt schon erwachsenen Kindern.

      Zum Bedürfnis, das eigene Kind und dessen Verhalten "schönzureden", möchte ich sagen: Es geht nicht darum, das eigene Kind als das beste, liebste, vorbildlichste darzustellen, sondern das Kind mit seiner individuellen Persönlichkeit anzunehmen. Wenn das Kind beispielsweise sehr zurückgezogen ist, mit anderen wenig spricht, motorisch ungeschickter* ist als andere, besonders starke Interessen entwickelt, kann ich als Elternteil alarmiert reagieren und das Verhalten des Kindes für pathologisch halten oder ich kann die Verhaltensweisen als Zeichen der individuellen (eben introvertierten) Persönlichkeit ansehen und sie respektieren. Mit der zweitgenannten Reaktion bringe ich weder zum Ausdruck, dass ich schwieriges Verhalten verdrängen möchte, um mich als Elternteil nicht schuldig fühlen zu müssen, noch zeige ich damit, dass ich mein Kind idealisieren möchte (oder muss), sondern akzeptiere, dass jedes Kind (auch innerhalb einer Geschwisterreihe) eine andere Persönlichkeit hat und damit andere Verhaltensmuster entwickelt. (Vielleicht kenne ich ja manches auch von mir selbst oder von anderen Angehörigen und sehe Ähnlichkeiten.) Außerdem gewöhnt man sich bei tagtäglichem Umgang innerhalb der Familie eben auch an ungewöhnliche Verhaltensweisen, nimmt sie deshalb sicher nicht mehr als so auffällig wahr wie Außenstehende es tun (würden) und hält manches vielleicht für eine gewisse (zu akzeptierende) Verschrobenkeit. Auch hier wieder: Es muss weder eine Verdrängung noch eine Idealisierung vorliegen, sondern schlicht ein mangelndes Unterscheidungsvermögen zwischen individuellen (ungewöhnlichen) Persönlichkeitszügen und einer behandlungsbedürftigen Verhaltensstörung. Bitte unterschätzt den gerade schon erwähnten Gewöhnungsprozess nicht. Wer sein Kind von klein auf so und nicht anders kennt, nimmt es eben auch so an, wie es ist - nicht aus Faulheit, nicht aus Selbstschutz oder auch aus Selbstsucht, sondern aus Respekt vor diesem Kind und seiner Persönlichkeit. Wir sprechen hier ja nicht von dem sehr deutlichen, nicht übersehbaren Kanner-Autismus, sondern von Asperger, wo die Unterscheidung doch deutlich schwieriger sein dürfte. Zumal zu der Zeit, als die heute 30- oder Mitte 30-Jährigen kleine Kinder waren, "Asperger" auch für pädagogische Fachkräfte oder Kinderärzte noch kein Begriff war, so dass Eltern auch im Kindergarten oder bei den U-Untersuchungen nicht auf Auffälligkeiten, die auf Asperger hätten hindeuten können, aufmerksam gemacht wurden. (Und wenn ich als Elternteil selbst schon seit der Kindheit motorisch ziemlich ungeschickt war, dann wundere ich mich auch bei meinem Kind nicht darüber, sondern halte die Ungeschicklichkeit für ein missliches "Erbe".)