Was machen, wenn die Eltern den MBAS-Fragebogen unzutreffend ausfüllen?

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    • Gluon schrieb:


      Aber so sicher bin ich auch nicht, ob man damals Asperger schon diagnostiziert hätte, das war wohl noch weniger bekannt als heute, wo es
      ja auch noch genügend Schwierigkeiten gibt, einen ausgebildeten Psychologen/ Psychiater zu finden der diese Diagnose stellen kann.
      So gesehen war die späte Diagnose vielleicht auch ein Schutz, wer weiß mit welchem Etikett ich sonst davon gekommen wäre?
      8o Darauf bin ich noch gar nicht gekommen, aber ich las auch im Buch "Ein Leben mit dem Asperger Syndrom", dass Autismus erst 1994 (glaub ich) ins DSM bzw. ICD aufgenommen wurde. In dem Jahr wurde ich eingeschult. Ich denke auch, dass das vermutlich niemand korrekt diagnostiziert hätte, sondern dass ich eine Odyssee an psychiatrischen Diagnostiken durchlaufen hätte. Demnach war es vielleicht besser so, dass ich mich erst bis zum Zusammenbruch bis Anfang 30 ohne Diagnosen durchs Leben geboxt habe und mich dann selbst informiert habe und gezielt Ärzte aufsuchte, die mir die (meiner Meinung nach) richtigen Diagnosen stellen.

      Dass Menschen mit psychischen Problemen "geisteskrank" sind, das sehen meine Eltern glaube ich immer noch so.

      Meine Schulzeugnisse sind leider sehr nichtssagend, sie kommen mir vor, als hätte da jedesmal jemand Standardtexte verfasst, um mich bloß nicht in schlechtem Licht dastehen zu lassen. Keine Ahnung, ob man das in Bayern so mache :m(:
      Da steht, dass ich sehr ängstlich und zurückhaltend sei und mich nicht beteilige am Unterricht, aber zu meinem konkreten Verhalten gegenüber anderen Kindern steht da nicht viel.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Von daher kann ich nicht nachvollziehen, warum einige Diagnostiker zwingend die Aussagen der Eltern verlangen.
      Vielleicht wollen sie durch Gespräche mit den Eltern, diese aber auch irgendwie analysieren, auch wenn es bei der Diagnose um das Kind der Eltern geht (egal wie alt jetzt), ist es für sie sicher wichtig zu wissen, oder auch nur interesannt, ob diese irgendwelche Auffälligkeiten aufweisen.
      Das kann man leider nicht nur an hand von Fragebögen beurtailen, dazu muss man die Eltern vorladen.


      Gluon schrieb:

      Mit den Nachbarn, das kenne ich auch so. Früher wurde da sehr viel Wert darauf gelegt, nicht in schlechten Ruf zu geraten. Wer zum Psyhologen/ Psychiater musste, war in deren Augen wirklich Geisteskrank
      Ich selber bin so nicht aufgewachsen, aber ich weiß das mein vater damals wollte das ich auf ein Gymnasium gehe, auch obwohl die Grundschullehrerin mich für eine Hauptschule empfohlen hat.
      Und seine jetzige Frau habe ich genauso erlebt wie das was du oben geschrieben hast.
      Vorher kannte ich sowas nicht, und ich habe es als extrem intolerant empfunden.
      Ich konnte ihr Verhalten nicht verstehen, erst Jahre später begriff ich das es ihr wahnsinnig wichtig war, was Nachbarn mit denen wir nichtmal ein Wort wechselten von uns gehalten haben...
      Wenn man wenigstens mal sich mit denen getroffen hätte, oder sonst was, aber nööö...
      Mein Vater und seine Frau sind wenn dann eher mal allein weggefahren, und haben uns Kinder allein zuhause gelassen.
      In seltenen Fällen sind wir mal essen gegangen, und da hieß es auch das wir nur was bestellen durften wo klar war das wir das aufessen, mögen und kein Theater machen, denn alles was anderer Leut Aufmerksamkeit weckt wäre denen sowas von peinlich gewesen.
      Das muss ja furchtbar sein wenn man sich so sehr für seine Kinder schämt :(
    • RegenbogenWusli schrieb:

      Das muss ja furchtbar sein wenn man sich so sehr für seine Kinder schämt
      Ja, ich glaube, dass da gesellschaftliche Moralvorstellungen einen hohen Anteil daran haben. Die Menschen möchten einer bestimmten Gruppe/ Schicht zugehörig sein und die erworbene Gruppenzugehörigkeit beibehalten oder sich zumindest nicht "degradieren". Wenn dann etwas unpassend ist, wird es zumindest nach außen passend gemacht.

    • Gluon schrieb:

      Wenn dann etwas unpassend ist, wird es zumindest nach außen passend gemacht.
      Ja das kann sein.
      Die Person die mich mal auf Deviantart angeschrieben hat, beschrieb die Frau meines vaters auch als sehr hochnäsig, besserwisserisch oder im allgemeinen gesagt, so als würde sie sich selber für was besseres halten.
      So habe ich sie damals auch empfunden, aber ich könnte sie nicht für eine der Oberschicht zugehörigen Leute zählen.
      Man sollte denken, das sie sich dann doch anständig ausdrücken kann, nicht ständig ausrastet, und auch gebildet ist.
      Gebildet bedeutet aber nicht, das man ein paar mehr Fremdwörter kennt als manch anderer, und diesen dann stets runter macht, wenn sich Gelegenheit dazu bietet, sondern das man auch was über Dinge lernt, über die man sonst nur ein begrenztes Bild hat aber nie richtig persönlich kennen gelernt hat, aber wenn man das nicht will, weil man meint schon alles darüber zu wissen, dann ist man wohl eher ungebildet.
      Es ist doch albern wie diese Frau versuchte mir zu erklären, was "den Horizont erweitern" bedeutet, selber das mit ihrem eigenen aber nie versucht hat XD
      oh the irony ...
      Sie meinte ja ich solle mal mich mit für meinem Alter und geschlecht spezifischen Sachen beschäftigen, die mich aber garnicht interessierten.
      Warum soll man was machen, worin man für sich keinen Sinn sieht? Oder keinen Spaß dran hat?
      Andere können das ja gern machen.
      Das schlimme an der, die gönnte das ja nicht mal anderen. Das was sie nicht mochte, das hatten andere gefälligst auch nicht zu mögen etc blah.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Ich weiß nicht, was ich damit jetzt tun soll.
      Ich habe zu den meisten Fragen meine Meinung daneben oder auf einem extra Blatt notiert.

      Gluon schrieb:

      Meine Mutter hat nicht nur den Mittelwert genommen, sondern gleich das perfekte Verhalten angekreuzt.
      ja, meine Mutter hatte auch das perfekte Kind.

      Als wir den Fragebogen bei der Diagnose besprochen haben, war für die Dame völlig klar, dass es 1. keine perfekten Kinder gibt und dass 2. die Aussagen meiner Mutter UND meine persönlich gefärbt sind.
      ~ What the fuck is real life and where can I download it? ~
    • Ich kann mich nur allen anschließen, die damit Probleme hatten. Ich musste daher zu einer anderen Diagnosestelle.

      Meine Mutter lebt nicht mehr, hat aber Probleme immer schön geredet. Hilfen habe ich früher nicht bekomme und Unterstützung auch nicht. Sie waren beide der Meinung psychische Erkrankungen gäbe es nicht. Das könnte man mit Erziehung und Willen alles beheben.

      Als ich als Jugendliche Depressionen bekam war natürlich auch ich schuld und nicht der tolle Umgang Zuhause oder mein tolles soziales Netzwerk oder dass sie mich mit Problemen allein gelassen hatten und ich überfordert war. :sarcasm:

      Bei der ersten Diagnosestelle hätten meine Eltern zu einem Gespräch kommen müssen. Aufgrund der weiten Anreise und des miesen Verhältnisses wäre mein Vater nie gekommen. Meine Mutter lebt nicht mehr. Die andere Stelle hat erst gemeint Fragebögen. Aber dann darauf verzichtet. Im Abschlussgespräch würde es mir so erklärt, dass sie bei Zweifeln die Fragebögen möchte. Aber ihrer Erfahrung nach bei Erwachsenen, diese sehr unsicher sind. Weil es meist Gründe hat, wenn Eltern keine Hilfe suchen und dann auch später oft nicht ehrlich antworten. Deshalb wird soweit möglich, darauf verzichtet.

      Ich würde der Diagnosestelle erklären, weshalb du Zweifel an der Richtigkeit hast. Am besten gleich mit Beispielen. Dann siehst du ja wie sie reagieren. Zur Not geht es ohne auch. Zumindest bei eindeutigen Fällen.
    • LiltihEve schrieb:

      Sie waren beide der Meinung psychische Erkrankungen gäbe es nicht.
      So war das bei meinen Eltern auch.

      Ich hatte das "Glück", dass meine Nichte in Therapie musste. Klingt blöd, ich weiß.
      Das Mädchen war immer Klassenbeste und kam dann auf das Gymnasium. Schon am ersten Tag ist sie unter dem (vermutlich selbstauferlegtem) Druck zusammengeklappt und war danach wochenlang in Therapie.

      Das hat meinen Eltern, die das miterlebten, "die Augen geöffnet" und mir sicher ein Stück weit Akzeptanz eingebracht. Mein Vater versteht Autismus nach wie vor nicht, dafür meine Mutter. Wundert mich beides nicht. :d
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Hmm..
      Ich bin 40 und meine Eltern haben schon viel verdrängt. Schönstes Beispiel: Meine Frau und ich sind bei meinen Eltern und sprechen über mich. Meine Frau erzählt, was ich Ihr von meiner Kindheit erzählt habe (Familiendynamik). Meine Mutter so: "Stimmt doch gar nicht.." Ich rufe eine Schwester an und lasse es bestätigen. Meine Mutter fassungslos ruft eine andere Schwester an, die es auch bestätigt. Die dritte Schwester hat sie einen Tag später persönlich gefragt - gleiches Ergebnis.

      Aus diesem Grund habe ich den Fragebogen auch einer Schwester gegeben und beides hingeschickt mit dem Hinweis, daß meine Eltern nicht mehr ganz so gut in Erinnern sind. Aber die wollen meine Eltern trotzdem sprechen. Ich vermute, die wollen auch die Eltern einschätzen um eben die Aussagen zu relativieren.
      Keine Diagnose - wohl doch NT
    • Shenya schrieb:

      Ich hatte mal ein erhellendes Erlebnis mit meiner Mutter vor ein paar Jahren. Da hatte mein Neffe seinen Kindergeburtstag gefeiert und es lief überlaute Musik im Garten. Ich machte irgendeine Bemerkung über die laute Musik und meine Mutter sagte daraufhin "ja, du warst schon immer empfindlich". Ich glaube, es war nur wenige Wochen später, als ich dann bei einer Gelegenheit sagte "ich war schon immer geräuschempfindlich", und sie sagte daraufhin zu meinem Erstaunen "das ist mir nie aufgefallen". Da denkt man dann echt, man ist im falschen Film. Sie hatte nicht nur ausgeblendet, dass es diese Geräuschempfindlichkeit gab, sondern sogar vergessen, dass sie es selbst wenige Wochen vorher gesagt hatte.
      Das passt zwar jetzt nicht richtig in diesen thread, aber weil es hier schon einmal um meine Mutter und ihre Verdrängungsprozesse ging, da kann ich ein neueres Erlebnis noch hinzufügen.

      Im Januar habe ich meiner Mutter endlich mal erzählt, dass ich die Diagnose Asperger-Syndrom bekommen habe. Ich habe die Diagnose ja schon seit Jahren und wollte es nicht mehr länger für mich behalten. Sie wusste nicht, was Asperger ist, und ich habe es ihr in möglichst einfachen Worten erklärt. Wir sprachen ein paar Minuten darüber.
      Ein paar Wochen später habe ich nochmal erwähnt, dass ich zu einer Veranstaltung zum Thema Asperger-Syndrom gehe. Das hat sie nicht weiter kommentiert.
      Als ich sie vor ein paar Tagen nochmal darauf ansprach, dass ich die Diagnose Asperger-Syndrom habe, konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, dass ich ihr das zuvor schon gesagt hatte. Sie hat erneut gefragt, was das ist und hat ziemlich das gleiche wie im Januar gesagt.

      Ich würde ja an Demenz denken, aber sie ist ansonsten noch fit und zeigt keine Anzeichen von Demenz. Sie kann sich an alles mögliche, was in den letzten Wochen passiert ist, problemlos erinnern und meistert ihren Alltag selbstständig.

      Deshalb nehme ich an, dass sie das Gespräch über die Diagnose wieder verdrängt hat, weil es ihr irgendwie negativ vorkam, und sie einfach das Talent hat, negative Dinge zu vergessen. Sie konnte das schon immer.
      Diesmal habe ich ihr auch erzählt, dass ich wegen der Diagnose einen Tag/Woche Heimarbeit mache. Ob das wohl hängen bleibt, mal sehen.

      Ich weiß nicht, ob ich es frustrierend oder erleichternd finden soll, dass es anscheinend egal ist, was ich meiner Mutter erzähle, da sie es sowieso wieder vergisst, wenn es negativ ist. Aber ich glaube, ich bin eher frustriert und ein bisschen besorgt.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Hallo @Shenya,
      ich kenne auch Probleme im Umgang mit der Diagnose in Bezug auf meine Mutter.
      Sie hat sie immer weit von sich geschoben, wollte nicht wirklich das davon hören. Wenn wir mal geredet haben, gab sie sich offen, aber informiert (von sich aus) hat sie sich nie. Nun habe ich die Diagnose sei 2015. Aber Mama scheint sich schuldig zu fühlen. Zumindest interpretiere ich das so hinein. Vielleicht liege ich auch falsch. 1x waren wir sogar zusammen bei meiner Psychologin und haben über alles mögliche gesprochen. Ich habe gedacht es ändert sich dann was. Weit gefehlt.
      Manchmal bin ich traurig darüber. Aber meine Mutter ist eine schwierige Person/ mit "viel eigenem Gepäck". Und guter Verdrängungsleistung. *seufz*

      Ich wünsche dir, dass du gut damit zurecht kommen wirst. Egal, wie es sich nun entwickelt.

      LG Veronika.
      Man sieht nur mit dem Herzen gut.
      Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
      (Antoine de Saint-Exupéry)


      "Was ist falsch an sonderbar?"
    • Veronika schrieb:

      Nun habe ich die Diagnose sei 2015. Aber Mama scheint sich schuldig zu fühlen. Zumindest interpretiere ich das so hinein. Vielleicht liege ich auch falsch. 1x waren wir sogar zusammen bei meiner Psychologin und haben über alles mögliche gesprochen. Ich habe gedacht es ändert sich dann was. Weit gefehlt.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass es sehr schwer für Eltern ist, zu akzeptieren, dass eine Diagnose vorliegt, wenn sie vorher davon ausgegangen sind, dass alles in Ordnung war. Vielleicht kommen da auch Zweifel auf, ob die Diagnose wirklich zu Recht gestellt wurde, und dann passiert es sicher leicht, dass eine Art Verweigerungshaltung eingenommen wird.
      Gibt es eine Möglichkeit, ggf. deiner Mutter irgendwie das Schuldgefühl zu nehmen?

      Veronika schrieb:

      Manchmal bin ich traurig darüber. Aber meine Mutter ist eine schwierige Person/ mit "viel eigenem Gepäck". Und guter Verdrängungsleistung.
      Meine Mutter ist eigentlich nicht so schwierig, aber verdrängen kann sie sehr gut. Was sie nicht hören will, vergisst sie einfach wieder. Das ist mir schon früher aufgefallen.

      Veronika schrieb:

      Ich wünsche dir, dass du gut damit zurecht kommen wirst. Egal, wie es sich nun entwickelt.
      Danke! Momentan denke ich zu 90%, dass es Verdrängung bei ihr ist, zu 10% dass doch beginnende Demenz vorliegen könnte. Diese 10% machen mir fast noch mehr Angst, denn damit könnte ich auch nicht gut umgehen.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Ich habe mittlerweile die Diagnose (doppelt sogar) und meine Mutter verhält sich vollkommen übergriffig deswegen. Neulich bekam ich zu hören, dass ich ganz sicher nicht zu 100% Asperger hätte, das bräuchte ich ihr nicht weißmachen. Weiterhin lachte sie, als sie eine Auflistung der Symptome las und meinte, ich wäre als Kind immer "normal" gewesen.

      Mich frustriert das dermaßen und es macht mich auch total wütend.

      Ich glaube, dass meine Eltern sich schützen wollen, in dem sie sich jetzt sagen, dass ich unauffällig gewesen sei, um keine Verantwortung dafür übernehmen zu müssen, warum sie mir früher keine Hilfe zukommen ließen.

      Ich weiß aber, dass sie so oder so keine Verantwortung dafür übernommen haben. Als Jugendliche drohten mir meine Eltern damit, mich ins Heim zu stecken und einmal fiel die Bemerkung, dass ich in eine Psychiatrie gehöre. Ich hatte damals keinen Führerschein und war es nicht gewohnt, mit den Bussen (außer Schulbus) zu fahren und ich war auch nicht fähig, selbst zu telefonieren. Meine Eltern wussten das. Sie hätten also einen Termin bei einem Psychologen oder Psychiater für mich vereinbaren können. Stattdessen wurde mir aber immer nur vorgehalten, wieso ich so sei, wie ich war.

      Nun trifft mich das heute noch mehr. Es ist nicht nur, dass ich in der Vergangenheit alleine gelassen wurde, nun wollen sie mir auch noch einreden, dass diese Diagnose nicht stimmt. :(
      Damit wird in meinen Augen noch mehr zunicht gemacht. Ich weiß, dass ich Probleme habe. Es kommt mir vor, dass sie mit der Aberkennung der Diagnose so tun würden, als würde ich mir meine Probleme nur einbilden. Sie sagen ja auch nicht, dass ich vielleicht etwas anderes habe, sondern es wird einfach wie vom Tisch gewischt, indem die Diagnose lächerlich gemacht wird oder das alles als vollkommen abstrus hingestellt wird.

      Ich habe ihr erklärt, dass es unterschiedliche Ausprägungen im Spektrum gibt und Asperger eine mildere Form von Autismus sei, aber selbst da behauptete sie ganz zu Anfang der Diagnose, dass ich das wenn dann nur ganz leicht hätte. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich meine Mutter über das Krankheitsbild richtig informiert hat. Das ärgert mich auch. Aber ich glaube, sie will sich auch gar nicht richtig informieren.
      Ich fühlem ich ohnmächtig deswegen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • @FruchtigBunt Vielleicht kannst Du versuchen, den Umgang Deiner Mutter mit der Diagnose zu verstehen, indem Du es als ihre Herangehensweise siehst. Mit verstehen meine ich nicht gutheißen, sondern eher etwas loslassen, dass Du eventuell nicht ändern kannst. Damit es Dich nicht so stark verletzt oder wütend macht.

      Aus irgendwelchen Gründen handelt sie so, vielleicht kann sie nicht anders aus ihrer eigenen Persönlichkeit heraus. Sie kann oder will es vielleicht vor sich selbst nicht eingestehen, um ihr Gewissen zu beruhigen oder ähnliches.

      Ich habe ähnliche Erfahrungen mit einer nahestehenden Person gemacht. Mir hilft es, dieses Vorgehen der betreffenden Person nicht als mein Problem zu sehen, sondern zu versuchen, mich von deren Bewertung unabhängiger zu machen. Und zu versuchen, zu verstehen, warum sie so handelt.
    • Ich konnte früher meine Mutter auch nicht verstehen - erst als ich selbst Mutter wurde, war das anders. Es ist völlig normal, dass man von seinem Kind denkt, es sei das schönste, beste, klügste... Kind der Welt. Man muss bewusst an sich arbeiten, um das eigene Kind objektiv zu sehen - und diesen Schritt können viele nicht machen. Sie glauben, sie würden ihr Kind verraten oder müssten sich für die die 'Fehler' des Kindes verantwortlich fühlen. Wobei 'Fehler' alles meint, was vom 'perfekten Kind' abweicht.

      Als Resultat hört man dann oft "mein Kind macht sowas nicht" oder "mein Kind ist nicht so". Es ist tatsächlich Arbeit, die eigenen Kinder objektiv zu sehen und zu verstehen, dass sie eigenständige Wesen sind auf die man nur begrenzt Einfluss hat. Und der Beschützerinstinkt verleitet dazu, dass Kind ständig nach außen zu verteidigen und als perfekt darzustellen.

      Egal ob es die ersten Zähne oder die ersten Schritte geht - auf den Spielplätzen scheint es da eine Art Wettbewerb zu geben, welches Kind schneller/besser ist. Daraus kann sich ein Automatismus entwickeln und früher war das mAn noch schlimmer. Kinder hatten zu funktionieren und 'brav' zu sein, gute Leistungen zu bringen und keine Probleme zu machen.

      @FruchtigBunt - ich will deine Mutter auf keinen Fall in Schutz nehmen. Aber solche Mechanismen sind schwer zu durchbrechen und verlangen eine Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, die teilweise weh tun kann. Manchmal muss man sich eben doch Versäumnisse eingestehen und das können sehr viele Menschen nicht. Asl Menschen sind wir immer bestrebt das zu tun, was uns gut tut.

      Eine späte Diagnose ist quasi ein Vorwurf an die Eltern "warum hast du das nicht eher bemerkt?". Ich habe keinen Weg finden können, dies mit meiner Mutter auf einer Ebene zu klären, die sie hätte annehmen können - also habe ich es komplett ausgeklammert. Sie war zum Zeitpunkt meiner Diagnose 84 Jahre alt, leicht dement und KONNTE nicht verstehen.

      Wenn deine Mutter noch jünger ist, könntest du ihr erklären, warum es gerade bei Mädchen schwierig ist, AS zu erkennen. Das entlässt sie nicht aus der Verantwortung, könnte es ihr aber leichter machen zu verstehen und die Diagnose zu akzeptieren.
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    • Ich denke, daß man bei Diagnoseterminen erwähnen sollten, wenn die eigenen Eltern Vergangenes verzerrt darstellen und auch "vergessen", was nicht in ihr Bild des eigenen Kindes paßt. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch in einer normalen Eltern-Kind-Beziehung der Fall, aber oftmals (auch bei meiner Mutter) ist das über die Maßen verzerrt.

      Als ich dem Psychiater gegenüber erwähnte, daß meine Mutter schizophren ist, meinte er nur:
      "Das erklärt, weshalb der Fragebogen sehr inkonsistent ausgefüllt ist." Dazu ist zu sagen, daß der Bogen eh nur zur Hälfte ausgefüllt war, weil sie sich an den Rest gar nicht mehr oder tatsächlich falsch erinnern konnte.

      Tatsächlich denke ich, daß verantwortungsvolle Diagnostiker das berücksichtigen sollten und gerade, wenn der Klient darauf hinweist, von Eltern ausgefüllte Bögen mit Vorsicht genießen sollen. Ich verstehe sowieso nicht, weshalb auf Elternfragebögen soviel Wert gelegt wird, wenn der zu Diagnostizierende bereits selbst schon länger erwachsen ist.

      Leseratte schrieb:

      Eine späte Diagnose ist quasi ein Vorwurf an die Eltern "warum hast du das nicht eher bemerkt?".
      Bei mir überhaupt nicht. Eltern sind doch keine wandelnden Therapeuten, emotional sehr befangen, und selbst die Therapeuten erkennen ja oft nicht, was das Problem der Betroffenen ist. Außerdem war es zumindest hier vor einer Generation noch so, daß auf Tests usw. nicht soviel Wert gelegt wurde, das wurde nur im größten Notfall angeleiert. Klar haben meine Eltern bemerkt, daß ich "anders" bin und ständig gemobbt wurde, aber sie haben eben gesagt: "Die anderen sind halt zu dumm für dich", was ich leider auch zu lange dachte (klingt ja auch schön, besser als der Gedanke, daß das eigene Kind gestört oder behindert ist).
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Necroghoul7 ()

    • @blackwhite
      @Leseratte

      Danke für euren Zuspruch.

      Nun kam meine Mutter wieder von selbst auf das Thema zurück und hat heute den Vogel abgeschossen... Sie teilte mir in einem Seitenhieb mit, ob es sein könne, dass ich krankhaft nach Erkrankungen recherchiere, diese aber gar nicht habe. :shake: Und wie ich denn überhaupt "auf dieses Asperger gekommen sei" dass ich das haben könne.
      Ich war so geschockt, dass ich nur sagen konnte "aha" und den Kopf geschüttelt habe.

      Später fragte ich nach, wieso sie so etwas sagt, da hieß es nur, sie hätte doch gar nicht gesagt, dass ich so sei, sie habe nur gesagt, dass eine andere Person, die sie kenne, so sei.

      Ich finde dieses Verhalten nur noch invalidierend. :cry:

      Ich werde von dieser Seite wahrscheinlich nie Verständnis erwarten können. Ich weiß schon, warum ich mich jahrelang nicht geöffnet habe.
    • Necroghoul7 schrieb:



      Leseratte schrieb:

      Eine späte Diagnose ist quasi ein Vorwurf an die Eltern "warum hast du das nicht eher bemerkt?".
      Bei mir überhaupt nicht. Eltern sind doch keine wandelnden Therapeuten, emotional sehr befangen, und selbst die Therapeuten erkennen ja oft nicht, was das Problem der Betroffenen ist.
      Ich meinte nicht, dass du oder ein Diagnostiker diesen Vorwurf machen, sondern dass die Eltern meinen, sich diesen selbst machen zu müssen - und das halt nicht können.

      Irgendwie so als hätten sie doch sicher gemerkt oder merken müssen, wenn das Kind behindert ist. Also klar eine Art von, natürlich unnötigem, Selbstvorwurf, den sie sich machen müssten, wenn sie die Diagnose anerkennen.
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