Was machen, wenn die Eltern den MBAS-Fragebogen unzutreffend ausfüllen?

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    • Was machen, wenn die Eltern den MBAS-Fragebogen unzutreffend ausfüllen?

      Ich habe meinen Eltern den MBAS-Fragebogen vorgelegt. Sie (vermutlich eher meine Mutter) haben diesen ausgefüllt. Es wurde z. B. angekreuzt, dass ich sehr häufig "Als-ob-Spiele" mit anderen Kindern gespielt habe, obwohl ich weiß, dass ich nicht gemacht habe und sogar gehasst habe. Ich kann mich noch gut an eine Situation im Kindergarten erinnern, wo ich mich dazu überreden ließ, mit in die "Verkleidungsecke" zu kommen (ich war immer in der Bauecke, beim Malen oder Lesen) und ein Kind dann vorschlug, dass ich die Mutter sein soll und irgendeine Handlung gespielt werden soll. Ich fand es vollkommen abwegig, bei diesem Spiel mitzumachen und wollte weder die Mutter noch das Kind sein, weil ich überhaupt nicht wusste, was man da zu tun hat und weil es mich Null interessiert hat, sowas zu spielen. Jetzt kreuzen meine Eltern aber Sachen in diesem Fragebogen an, die genau das Gegenteil behaupten.
      Meine Eltern sind beide sehr empathielos und haben sich früher wenig bis gar nicht für mich interessiert. Im Fragebogen ist auffällig, dass sehr oft das mittlere Kästchen angekreuzt wurde, so als wolle man nichts falsch machen und deshalb sicherheitshalber das am "normalsten" wirkende Kästchen ankreuzen? (wobei jeder halbwegs intelligente Mensch merken müsste, dass das mittlere Kästchen nicht 'normal' ist. Vielleicht konnen sich meine Eltern auch nicht mehr richtig erinnern und haben deshalb oft das in der Mitte angekreuzt, weil sie dachten da macht man nichts falsch?
      Es gibt noch einige weitere Beispiele, die unzutreffend angekreuzt wurden, z. B. die Frage, ob ich meine Gefühle gut äußern konnte. Ich wusste (bis auf Wut) früher nicht mal, was Gefühle sind. Wenn ich wütend war, hab ich ein Rießentheater veranstaltet und mich teilweise auch auf den Boden geworfen, ansonsten kann ich mich nicht erinnern, andere Emotionen angemessen geäußert zu haben. Da kreuzten meine Eltern auch an, ich hätte das häufig gekonnt?!?!? :nerved: Meine Eltern können ja selbst nicht mal mit Gefühlen umgehen, geschweige denn, auch nur eine Emotion zeigen.
      Und bei der Frage, ob ich im Alter von 4 - 5 Jahre andere trösten konnte, steht auch ein "häufig", obwohl ich mich da noch ganz genau an Situationen erinnern konnte, dass mir von meiner Mutter damals sogar vorgewurfen wurde, dass ich das nicht könne. Meine Cousine hatte sich mal verletzt und ich stand daneben als sie heulte und sagte und tat nichts. Da sprach meine Mutter über mich zu ihr, dass ich das nicht könne, jemanden trösten. Da war ich ungefähr 7 Jahre alt. Ich denke nicht, dass ich das zwei Jahre vorher konnte und innerhalb von 2 Jahren dann verlernt habe.

      Ich frage mich jetzt also, wie aussagekräftig dieser Fragebogen ist. Als valide wird er ja nur bis 24 Jahre erklärt. Da bin ich mehr als 10 Jahre drüber. Ich verstehe aber nicht, wie man als Eltern so wesentliche Sachen vergessen haben kann bzw. ob meinen Eltern das damals vielleicht alles überhaupt nicht aufgefallen ist (könnte ich mir eher erklären, so anteilnahmslos und kalt wie sie waren). Es ist ja damals auch nie auf mich eingegangen worden. Vielleicht wollen sie sich das jetzt zurechtlügen? Beweisen kann ich das nun alles nicht und ich kann von meinen Eltern vermutlich auch nicht verlangen, dass sie den Fragebogen so ausfüllen, wie ich das in Erinnerung habe. Man muss dazu sagen, ich habe eine extrem gute Erinnerung (das haben sie sogar tatsächlich im Fragebogen bejaht, mir wurde früher ein "Elefantengedächtnis" nachgesagt, weil ich mich auch nach Jahren noch an genaue Formulierungen erinnern konnte).
      Wenn es aber nun tatsächlich Hinweise dafür gibt, dass sich meine Eltern nicht korrekt erinnern bzw. sie damals mich überhaupt nicht wahrnahmen bzw. jetzt die Wahrheit verdrehen, verfälscht der MBAS-Fragebogen dann nicht alles?

      Ich weiß nicht, was ich damit jetzt tun soll.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von FruchtigBunt ()

    • Kannst du nicht diese Punkte mit deinen Eltern besprechen und sie fragen, warum sie Dinge anders angekreuzt haben als du sie in Erinnerung hast? Oder würden sie sich nicht darauf einlassen?

      Ich weiß dass meine Mutter auch erst einige Dinge angekreuzt hatte die ich anders sah, ich habe sie darauf angesprochen, Beispiele genannt und dann meinte sie "stimmt, das war mir gar nicht mehr bewusst". Ich vermute daher, dass Eltern dazu neigen, die Vergangenheit unbewusst zu idealisieren. Als eine Art Selbstschutzmechanismus "ich habe in der Erziehung viel richtig gemacht und mein Kind war normal". Wobei ich nicht glaube, dass es böse Absicht ist :)

      Wenn deine Eltern sich da nicht drauf einlassen kannst du deine Gedanken dazu kurz notieren und zu dem Fragebogen heften und dann auch persönlich nochmal bei dem Gespräch darauf eingehen und die Lage erklären.
    • Ginkgo schrieb:

      Ich vermute daher, dass Eltern dazu neigen, die Vergangenheit unbewusst zu idealisieren. Als eine Art Selbstschutzmechanismus "ich habe in der Erziehung viel richtig gemacht und mein Kind war normal". Wobei ich nicht glaube, dass es böse Absicht ist :)
      Das vermute ich bei meinen Eltern auch ganz stark. Ich habe mittlerweile nach mehreren Jahren therapeutischer Arbeit herausgefunden, dass mich meine Mutter nicht nur körperlich misshandelt hat, sondern auch psychisch manipuliert und emotional missbraucht hat und vorletztes immer noch tut. Früher sagte sie z. B. immer zu allem, was ich ansprach (Dinge, die ihr unangenehm waren): "Wie kommst du auf so einen Mist?", "Erzählt doch nicht so einen Mist!!!" etc. Mit über 18 habe ich mich einmal ihnen gegenüber geöffnet und wollte offen ansprechen, wie ich ihre Behandlung erlebe. Auch da wurde inhaltlich überhaupt nicht darauf eingestiegen, auch da hagelte es dann Vorwürfe "wie kommst du denn auf so einen Blödsinn?!?" und die 'Aussprache' war damit beendet. Meine Mutter kann es sich auch nicht eingestehen, selbst Fehler zu machen, wenn das Essen früher nicht schmeckte, war nicht sie schuld, die das zubereitete hatte, da hieß es dann "was habt ihr denn, MIR schmeckt das gut!!!!". Also die Meinung der anderen wurden nicht anerkannt und sie hatte alles richtig gemacht.
      Deshalb habe ich den Verdacht, dass sie sich nicht eingestehen kann, dass sie auch Fehler machte und schwarz auf weiß zuzugeben, dass das eigene Kind sehr viel Störungsverhalten zeigt(e), dadurch müsste sie sich vielleicht zwangsläufig eingestehen Fehler gemacht zu haben bzw. sich zumindest fragen, warum sie das alles früher nicht erkannt hat oder nicht solche Schlüsse daraus gezogen hat, die man normalerweise daraus zieht (Kind zu einem Behandler schicken und Hilfe holen).


      Gingko schrieb:

      Wenn deine Eltern sich da nicht drauf einlassen kannst du deine Gedanken dazu kurz notieren und zu dem Fragebogen heften und dann auch persönlich nochmal bei dem Gespräch darauf eingehen und die Lage erklären.
      Ich habe Angst, meine Eltern damit zu konfrontieren, weil ich das alte Schema kenne, dass dann wieder behauptet wird, wie ich auf so etwas kommen würde und wie soll ich beweisen, was ich damals erlebte und fühlte oder nicht fühlte? Sie werden es mir eh nicht glauben.
      Ich hatte noch überlegt, sie aufzufordern, dass mein Vater den Fragebogen nochmal ausfüllt. Mein Vater ist nicht persönlichkeitsgestört und ist meiner Meinung nach eher fähig, die Realität so zu erkennen wie sie ist. Wobei er sich früher auch kaum für mich interessiert hat, aber jedenfalls hat er mir nicht so sehr geschadet wie meine Mutter und ich wurde von ihm nicht angegriffen. Ich denke mal, den Fragebogen hat meine Mutter ausgefüllt und mein Vater hatte (wie fast immer) vermutlich kein Mitspracherecht. Ich möchte aber auch nicht unbedingt meine Eltern gegeneinander ausspielen.

      Die Idee, meine Gedanken neben die angreuzten Fragen zu notieren, ist gut!

      Meine Eltern haben den Fragebogen offenbar auch auf das letzte Jahr bezogen, als ich noch dort wohnte, da war ich ja schon erwachsen (über 18). Ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt kapiert haben, dass sich der Fragebogen doch auf die Gesamte Kindheitheit und Jugendzeit beziehen soll? (auch wenn da steht, es soll das Verhalten des letzten halben Jahres berücksichtigt werden). Das finde ich nicht sehr schlau, denn während des letzten halben Jahres als ich bei ihnen gewohnt habe, hab ich Abitur gemacht. Das war auch eine ungewöhnliche Phase, man kann doch nicht mein ganzes Leben auf dieses halbe Jahr beschränken? (und auf die Fragen, wie ich im Alter zwischen 4 und 5 war).
    • Im Rahmen meiner Diagnostik musste ich vor dem ersten Termin auch einen MBAS von meiner Mutter ausfüllen lassen (da war ich 38). Ich habe mich dann bewusst zusammen mit ihr hingesetzt und ihr beim Ausfüllen geholfen, in dem ich ihr erklärt habe, dass es kein "richtig" oder "falsch" gibt und sie mich dabei immer im Vergleich zu anderen Kindern sehen muss und nicht nur danach gehen sollte, was sie als normal empfindet. Erst, als sie mich bewusst mit anderen Kindern verglichen hat, ist ihr aufgefallen, wie anders ich schon in meiner Kindheit war. Es kamen dabei auch noch ein paar Auffälligkeiten zutage, von denen ich bis dato nichts wusste (z.B. dass ich mein Spielzeug früher immer berochen und befühlt habe oder dass ich von morgens bis abends nur geschrien habe, als meine Uroma mal eine Woche zu Besuch war). Hätte ich sie den MBAS einfach allein ausfüllen lassen, hätte sie mich nicht im Vergleich zu anderen Kindern gesehen und wäre danach gegangen, was sie für normal gehalten hätte. Da es in unserer Familie aber wohl noch mehr Aspies gibt (mein Opa, meine Uroma und eine Großtante) und meine Mutter zudem wohl auch im Spektrum ist, sind bei uns eben Dinge normal, die eigentlich nicht normal sind.

      Andere Eltern wissen im Grunde, dass ihr Kind nicht ganz normal ist, bzw. war, wollen sich das aber (aus welchen Gründen auch immer) nicht eingestehen oder fürchten, dass man ihnen die Schuld geben könnte, dass ihr Kind nicht wie andere ist (Stichwort Kühlschrankmutter) und kreuzen deswegen lieber das Mittelfeld an. Und dann gibt es natürlich auch noch die Eltern, die die Probleme ihrer Kinder nicht ernstnehmen, als Anstellerei abtun und deswegen das Mittelfeld ankreuzen.

      Ich denke, dass der MBAS bei Erwachsenen sowieso kaum mit in die Diagnostik einfließt, sondern nur für einen ersten Überblick dient. Von daher würde ich mich da nicht verrückt machen. Blöd ware es nur, wenn der MBAS wie bei mir dazu dient, um zu sehen, ob ich überhaupt ins Spektrum passe und weitere Diagnostiktermine davon abhängen.
    • Windtänzerin schrieb:

      und sie mich dabei immer im Vergleich zu anderen Kindern sehen muss und nicht nur danach gehen sollte, was sie als normal empfindet.
      Das ist auch ein wichtiger Punkt. Meine Mutter relativiert mein früheres Verhalten oft "jaaa du warst schon sehr anders als andere Kinder aber für MICH warst du normal, also kreuze ich auch xy an." Sie versteht dann nicht, dass der Auswertende nicht in ihren Kopf gucken kann und das es mir nicht weiterhilft wenn sie versucht mich als normales Kind ohne Schwierigkeiten darzustellen, nur weil ich Zuhause in ruhiger Umgebung keine Schwierigkeiten hatte.

      @FruchtigBunt Ich verstehe warum du die Bedenken hast und so wie du es beschreibst macht es vermutlich auch weniger Sinn sich mit deinen Eltern so auseinanderzusetzen. Eigentlich kannst du den Text den du hier ins Forum gestellt hast nochmal mit zum Zettel dazu schreiben (vor allem das mit der Persönlichkeitsstörung deiner Mutter). So sollte der Diagnostiker den Fragebogen gut einschätzen können :) Das wird schon!
    • Wenn die Beziehung zwischen dir und deinen Eltern so schlecht ist, würde ich den Fragebogen den du jetzt hast mit einem kurzen Schreiben ergänzen und auch erläutern das du und deine Eltern kein gutes Verhältnis haben, damit die Begutachter bei der Auswertung das berücksichtigen können.
      Schreib am besten, das du den Fragebogen nicht mit ihnen wegen Unkooperation nicht zusammen durchgehen konntest, und bei welchen Punkten du selber eine andere Erinnerung hast. Die Gründe kann man dann ja in Gesprächen genauer besprechen. Bei deinen Erläuterungen wäre das etwas zu viel Info, das aufzuschreiben und einzureichen aber man merkt an den Details das du dir das nicht "aus den Fingern saugst".
      Für mich liest sich die beantwortung der Fragen nämlich auch so als wollten sie es "richtig" machen, ihr Kind warum auch immer als möglichst normal ersehen, auch wenn sie damit lügen.
      Ich denke aber auch das dann bei Gesprächen die Eltern mit dabei sein sollten, damit die Psychologen dort sich auch ein Bild von ihnen machen können.
      Die können dann ganz schnell ablesen an ihrem verhalten/antworten wie sie überhaupt zu den testungen stehen.
    • Weil ich weiß, dass meine Mutter solche Fragebögen auch völlig verzerrend ausfüllen würde, überlege ich bereits,
      ob ich nicht meine Geschwister als "Ansprechpartner" für meine Kindheit vorschlage. Da diese 7 bzw. 9 Jahre älter
      sind, haben sie auch eine differenziertere Sicht darauf, als wären sie gleichaltrig.
    • Ja :). Es geht ja nicht wirklich um deine Eltern, sondern um jemanden, der deine Kindheit miterlebt hat und dazu Fragen beantworten kann.
      Geschwister, Tante, Onkel und so weiter.

      Ich habe auch mal gelesen, dass Grundschulzeugnisse (die Beurteilungen in den ersten Jahren) auch gerne gelesen werden, wenn man daraufhin Schlüsse ziehen kann oder ähnliche Schreiben.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Deshalb habe ich den Verdacht, dass sie sich nicht eingestehen kann, dass sie auch Fehler machte und schwarz auf weiß zuzugeben, dass das eigene Kind sehr viel Störungsverhalten zeigt(e), dadurch müsste sie sich vielleicht zwangsläufig eingestehen Fehler gemacht zu haben bzw. sich zumindest fragen, warum sie das alles früher nicht erkannt hat oder nicht solche Schlüsse daraus gezogen hat, die man normalerweise daraus zieht (Kind zu einem Behandler schicken und Hilfe holen).
      uaah..das können viele nicht..zum Leidwesen der Kids.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater
    • RegenbogenWusli schrieb:

      Wenn die Beziehung zwischen dir und deinen Eltern so schlecht ist, würde ich den Fragebogen den du jetzt hast mit einem kurzen Schreiben ergänzen und auch erläutern das du und deine Eltern kein gutes Verhältnis haben, damit die Begutachter bei der Auswertung das berücksichtigen können.
      Schreib am besten, das du den Fragebogen nicht mit ihnen wegen Unkooperation nicht zusammen durchgehen konntest, und bei welchen Punkten du selber eine andere Erinnerung hast. Die Gründe kann man dann ja in Gesprächen genauer besprechen. Bei deinen Erläuterungen wäre das etwas zu viel Info, das aufzuschreiben und einzureichen aber man merkt an den Details das du dir das nicht "aus den Fingern saugst".
      Für mich liest sich die beantwortung der Fragen nämlich auch so als wollten sie es "richtig" machen, ihr Kind warum auch immer als möglichst normal ersehen, auch wenn sie damit lügen.
      Finde ich auch so.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert?"
      (Schrödinger lässt grüßen :) )

      ‚Der häufigste Fehler liegt in der Annahme, dass die Grenzen unserer Wahrnehmung auch die Grenzen des Wahrzunehmenden sind.’
      C.W. Leadbeater
    • Ich glaube, viele Eltern sind so, und meine Mutter würde den Fragebogen wahrscheinlich auch so ausfüllen, dass alles normal ist. Vermutlich kommt diese Wahrnehmung zustande, weil Eltern nicht im Nachhinein hören wollen, dass etwas nicht normal war, obwohl sie in der Kindheit es sich als normal "zurechtgebogen" haben und sich z.B. auch nicht um Hilfe bemüht haben. Und außerdem gibt es ja tatsächlich in fast jeder Kindheit auch Situationen, wo man sich normal verhalten hat, und dann erinnern sie sich halt nur noch an diese Situationen und nicht mehr an die anderen, wo etwas nicht normal war. Bei Asperger ist es ja nicht wie bei einer eindeutigen Behinderung (z.B. das Kind ist blind), sondern es ist immer etwas Schwammiges und Uneindeutiges.

      Ich hatte mal ein erhellendes Erlebnis mit meiner Mutter vor ein paar Jahren. Da hatte mein Neffe seinen Kindergeburtstag gefeiert und es lief überlaute Musik im Garten. Ich machte irgendeine Bemerkung über die laute Musik und meine Mutter sagte daraufhin "ja, du warst schon immer empfindlich". Ich glaube, es war nur wenige Wochen später, als ich dann bei einer Gelegenheit sagte "ich war schon immer geräuschempfindlich", und sie sagte daraufhin zu meinem Erstaunen "das ist mir nie aufgefallen". Da denkt man dann echt, man ist im falschen Film. Sie hatte nicht nur ausgeblendet, dass es diese Geräuschempfindlichkeit gab, sondern sogar vergessen, dass sie es selbst wenige Wochen vorher gesagt hatte.

      Deshalb gebe ich auch nicht viel darauf, dass manche Diagnosestellen sagen, man müsste unbedingt die Eltern beteiligen, denn was bringt das schon, wenn man dann solche verfälschten Aussagen bekommt.
      Natürlich ist es für die Diagnostik hilfreich, wenn Eltern tatsächlich mitwirken und etwas beitragen können, aber wenn nicht, dann wäre es fatal, wenn nur deswegen keine Diagnose gegeben würde. Ich bin froh, dass es bei mir damals ohne Probleme auch ohne Eltern ging.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Meine Mutter hat das auch so gemacht. Jede Frage sofort beantwortet, bis wir zu der Frage mit der bestimmungsgemäßen Verwendung von Spielzeug kamen. Stundenlang Räder drehen fand sie bei mir nicht ungewöhnlich. Als ich sagte, dass das als Indiz gewertet werden kann, wurde sie plötzlich sehr vorsichtig und hat alle Fragen, die klar erkennbar in Richtung Autismus tendieren, mit „Doooooch, bestimmt hast du (oder hast nicht) dieses oder jenes getan“ beantwortet. Im Zweifel sollte man dann immer „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen, was das Ergebnis sicher verwaschen hat.
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Habe diese Fragebögen es waren 2Stück.Ein hat mein Vater ausgefüllt ,den anderen meine Mutter.Mein Vater hat auch ehr den Mittelwert und auch trifft manchmal zu und auch trifft oft zu.Meine Mutter hatte ihren Bogen ehr zutreffender ausgefüllt.Besonders auf Spezial Interessen.Habe noch ein Zettel von VorschulUntersuchung in den Unterlagen,was mein Verhalten zeigt wie heute auch noch ist.Denke es ist schwierig sich drann zuerinnen was das Kind vor über 20-30j getan ,gemacht hat.Bei mein Vater denke ich auch das dagegen ist ich mich auf Asperger Testen lassen möchte.Er sagte zu mir als das Thema Fragebögen Ansprach*Du bist nicht autistisch.*Meine Mutter kennt mich deutlich besser,musste ja auch noch Aufschreiben Warum ich mich da in der Ambulanz Vorstellen möchte.Und man hat ja sein eigenen Fragebogen auch noch.In mein Unterlagen steht ja das Ohne Fragebögen der Eltern oder Freunde Diagnose unmöglich wäre.

      Hoffe nicht das deswegen von der Diagnostik ausgeschlossen wird weil die Eltern ein anders sahen oder anders in Erinnerung haben.Da meine Eltern in Norddeutschland wohnen und ich in Bayern ist schwer das zusammen auszufüllen.
      Das Do ist der Weg. :prof:
    • Danke für die vielen einfühlsamen Kommentare und dass ihr mir glaubt.

      VanTaek schrieb:

      Habe diese Fragebögen es waren 2Stück.Ein hat mein Vater ausgefüllt ,den anderen meine Mutter.

      Ich denke, man sollte die Fragebögen eher nur Eltern ausfüllen lassen, die psychisch gesund sind, sonst kommen zu viele Verzerrungen rein. Es würde mich brennend interessieren, wie unterschiedlich meine Eltern mich einstufen würden beim MBAS. Das würde dann aber in meinem Fall vermutlich mehr Rückschlüsse über ihre eigene psychische Gesundheit als über mich aussagen.
      Von daher kann ich nicht nachvollziehen, warum einige Diagnostiker zwingend die Aussagen der Eltern verlangen. Verstehen die nicht, dass es gerade WEGEN der Aussagen der Eltern zu falsch negativen Diagnosen kommen könnte? Das kann natürlich nicht nur bei den Eltern passieren, sondern bei allen Beteiligten, einschließlich einem selbst.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Danke für die vielen einfühlsamen Kommentare und dass ihr mir glaubt.

      VanTaek schrieb:

      Habe diese Fragebögen es waren 2Stück.Ein hat mein Vater ausgefüllt ,den anderen meine Mutter.
      Ich denke, man sollte die Fragebögen eher nur Eltern ausfüllen lassen, die psychisch gesund sind, sonst kommen zu viele Verzerrungen rein. Es würde mich brennend interessieren, wie unterschiedlich meine Eltern mich einstufen würden beim MBAS. Das würde dann aber in meinem Fall vermutlich mehr Rückschlüsse über ihre eigene psychische Gesundheit als über mich aussagen.
      Von daher kann ich nicht nachvollziehen, warum einige Diagnostiker zwingend die Aussagen der Eltern verlangen. Verstehen die nicht, dass es gerade WEGEN der Aussagen der Eltern zu falsch negativen Diagnosen kommen könnte? Das kann natürlich nicht nur bei den Eltern passieren, sondern bei allen Beteiligten, einschließlich einem selbst.
      Wohne seit gut 6Jahren nicht mehr bei meinen Eltern,richtigen eigen Freundeskreis/Schulclique hatte ich nie.Dachte ich ziehe in eine andere Stadt unf finde einen Freundeskreis,nein hat sich nichts geändert.Die Probleme wurden erst letzen jahre richtig schlimm Probleme auf der Arbeit,Mobbing,Arbeitslosigkeit...in Fragebögen Kontakten zu Nachbarn,Arbeit,Vereinen und co steht bei mir nichts weil es kaum Kontakte gibt.Sehe nur Sportkollegen 2-3mal in der Woche.Selbst da stehen ich am Rand in mein Gedanken.

      Denke auch es gibt noch keine einheitlich erprobte Diagnostik für Erwachsene im ASS,diese Bögen für Eltern,sind für Eltern die das Kind noch live vorsich haben,das verhalten täglich bei ihren kindern beobachten sicher ein anders als wenn Eltern Erwachsner Verdachts Aspies diese Bögen ausfüllen.

      Ich möchte nur Klarheit weshalb es so ist.Habe Angst das dann da sogar aus dem Diagnostik Raster Falle und weiter in der Sackgasse bleibe...,hoffe das mein Aufsatz aussagekräftig genug erkärt was mit mir los ist.Und meine Sau Handschrieft spricht dafür.Frauen und Asperger ist wieder was anders wie Männer und Asperger.
      Hatte mal ein Online Borderliner Test gemacht der trifft überhaupt nicht zu bei mkir.Der Test auf seite eines Arztes für Borderliner,deswegen,denke ich ist eine andere Persöhnlichkeitsstörung oder Asperger,ADHS könnte auch sein aber nur Teilweise.Mich musste man in der Grundschule zum arbeiten aufordern,war umbeteiligt.

      Mehr als die Bögen abschicken und warten kann man leider nicht tun.
      Das Do ist der Weg. :prof:
    • Das Problem mit dem Fragebogen hatte ich auch. Meine Mutter hat nicht nur den Mittelwert genommen, sondern gleich das perfekte Verhalten angekreuzt. Es gab demnach keinerlei Probleme, aber sie sagte mir in einem Gespräch, dass sie nicht möchte, dass dieser blöde Test negative Konsequenzen nach sich zieht. Ja so kann es auch gehen, darum haben sie mich wahrscheinlich auch früher nie zum Psychologen geschickt, obwohl schon mal von Nachbarn solche Sätze kamen, dass ich irgendwie merkwürdig sei.
      Ich habe es dann bei der Diagnostikstelle so erklärt und die haben den Elternfragebogen nicht mit einbezogen.

    • Gluon schrieb:

      Das Problem mit dem Fragebogen hatte ich auch. Meine Mutter hat nicht nur den Mittelwert genommen, sondern gleich das perfekte Verhalten angekreuzt. Es gab demnach keinerlei Probleme, aber sie sagte mir in einem Gespräch, dass sie nicht möchte, dass dieser blöde Test negative Konsequenzen nach sich zieht. Ja so kann es auch gehen, darum haben sie mich wahrscheinlich auch früher nie zum Psychologen geschickt, obwohl schon mal von Nachbarn solche Sätze kamen, dass ich irgendwie merkwürdig sei.
      Ich habe es dann bei der Diagnostikstelle so erklärt und die haben den Elternfragebogen nicht mit einbezogen.
      Meine Mutter hat mir erzählt das nachbars Kinder immer gesagt haben ich sei doch Behindert.
      Das Do ist der Weg. :prof:
    • Gluon schrieb:

      Das Problem mit dem Fragebogen hatte ich auch. Meine Mutter hat nicht nur den Mittelwert genommen, sondern gleich das perfekte Verhalten angekreuzt. Es gab demnach keinerlei Probleme, aber sie sagte mir in einem Gespräch, dass sie nicht möchte, dass dieser blöde Test negative Konsequenzen nach sich zieht. Ja so kann es auch gehen, darum haben sie mich wahrscheinlich auch früher nie zum Psychologen geschickt, obwohl schon mal von Nachbarn solche Sätze kamen, dass ich irgendwie merkwürdig sei.
      Ich habe es dann bei der Diagnostikstelle so erklärt und die haben den Elternfragebogen nicht mit einbezogen.
      Das ist ja richtig krass. Ich dachte, nur meine Eltern seien so nicht wohlwollend mir gegenüber eingestellt.
      Vor allem der Satz "dass sie nicht möchte, dass dieser blöde Test negative Konsequenzen nach sich zieht" ist ja richtig heftig. Also vollkommen eigennützig.
      Ich finde es super, wie du das in der Diagnostikstelle geklärt hast. Ich fühle mich von so etwas oft total überfordert, weil ich dann getriggert werde und denke, dass mir eh niemand glauben wird.

      Meine Eltern waren immer sehr bedacht darauf, was die Nachbarn und andere im Ort von uns denken (ist ja nicht verwunderlich, wenn eine Person der Familie in den 70ern in einer Psychiatrie war und sich dann so umgebracht hat, dass es der ganze Ort mitbekam). Wenn ich etwas nicht sollte, dann kam fast nie eine logische Erklärung warum ich das nicht darf, sondern immer so Sachen wie "was sollen denn die Nachbarn denken??" oder "sowas macht man nicht" oder auf meine Frage "warum?" --> "weil ich das sage und du mein Kind bist".
      Ich kann mir auch vorstellen, dass die Eltern da früher nicht auffallen wollten. Sonst hätte es bei einer Diagnose (und Arztbesuchen oder Behandlungen)vermutlich gehießen "ach, jetzt hat die Tochter auch noch was, was ist denn mit denen los?!?!". Wahrscheinlich hätten sich meine Eltern sogar geschämt, mit mir gesehen zu werden, wenn sie durch eine Türe gehen, auf der "Psychiater" drauf steht. Schrecklich, wie wenig Rückgrat manche Menschen haben. Ich würde doch zu meinem Kind stehen, egal wie schlecht es ihm geht und was die anderen sagen. Ich verstehe das nicht und es macht mich traurig. :cry:
    • Shenya schrieb:

      Ich hatte mal ein erhellendes Erlebnis mit meiner Mutter vor ein paar Jahren. Da hatte mein Neffe seinen Kindergeburtstag gefeiert und es lief überlaute Musik im Garten. Ich machte irgendeine Bemerkung über die laute Musik und meine Mutter sagte daraufhin "ja, du warst schon immer empfindlich". Ich glaube, es war nur wenige Wochen später, als ich dann bei einer Gelegenheit sagte "ich war schon immer geräuschempfindlich", und sie sagte daraufhin zu meinem Erstaunen "das ist mir nie aufgefallen". Da denkt man dann echt, man ist im falschen Film. Sie hatte nicht nur ausgeblendet, dass es diese Geräuschempfindlichkeit gab, sondern sogar vergessen, dass sie es selbst wenige Wochen vorher gesagt hatte.
      Ohh ja, das kenne ich auch. Meine Mutter erzählte mir mal irgendwann beiläufig "früher dachte ich mal du wärst autistisch und habe unseren Kinderarzt gefragt, der aber sagte das wäre nicht so weil du ja gut sprechen konntest" (Er hatte wohl eher ein Bild eines Kannerautisten im Kopf.)
      Als ich ihr dann vor einiger Zeit von meinem Verdacht erzählte und ich erwähnte dass sie ja auch schon mal was in der Richtung von früher sagte war sie ganz erstaunt und verneinte. Ich habe echt an meinem Gedächtnis gezweifelt, aber solche Aussagen ihrerseits denke ich mir doch nicht aus :m(: Vermutlich wurde es ihr plötzlich zu "ernst" und greifbar.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Das ist ja richtig krass. Ich dachte, nur meine Eltern seien so nicht wohlwollend mir gegenüber eingestellt.
      Vor allem der Satz "dass sie nicht möchte, dass dieser blöde Test negative Konsequenzen nach sich zieht" ist ja richtig heftig. Also vollkommen eigennützig.
      Ich finde es super, wie du das in der Diagnostikstelle geklärt hast. Ich fühle mich von so etwas oft total überfordert, weil ich dann getriggert werde und denke, dass mir eh niemand glauben wird.

      Meine Eltern waren immer sehr bedacht darauf, was die Nachbarn und andere im Ort von uns denken (ist ja nicht verwunderlich, wenn eine Person der Familie in den 70ern in einer Psychiatrie war und sich dann so umgebracht hat, dass es der ganze Ort mitbekam). Wenn ich etwas nicht sollte, dann kam fast nie eine logische Erklärung warum ich das nicht darf, sondern immer so Sachen wie "was sollen denn die Nachbarn denken??" oder "sowas macht man nicht" oder auf meine Frage "warum?" --> "weil ich das sage und du mein Kind bist".
      Ich kann mir auch vorstellen, dass die Eltern da früher nicht auffallen wollten. Sonst hätte es bei einer Diagnose (und Arztbesuchen oder Behandlungen)vermutlich gehießen "ach, jetzt hat die Tochter auch noch was, was ist denn mit denen los?!?!". Wahrscheinlich hätten sich meine Eltern sogar geschämt, mit mir gesehen zu werden, wenn sie durch eine Türe gehen, auf der "Psychiater" drauf steht. Schrecklich, wie wenig Rückgrat manche Menschen haben. Ich würde doch zu meinem Kind stehen, egal wie schlecht es ihm geht und was die anderen sagen. Ich verstehe das nicht und es macht mich traurig.
      Ich hatte zuerst auch wahnsinnige Angst das der Diagnostikerin so mitzuteilen. Aber sie hat darauf verständnisvoll reagiert.
      Hast du vielleicht Schulzeugnisse, die etwas über dein Verhalten verraten? Bei mir waren die hilfreich für das Gesamtbild bei der Diagnose.

      Mit den Nachbarn, das kenne ich auch so. Früher wurde da sehr viel Wert darauf gelegt, nicht in schlechten Ruf zu geraten. Wer zum Psyhologen/ Psychiater musste, war in deren Augen wirklich Geisteskrank, mit dem wollte niemand etwas zu tun haben. Halt die Angst vor dem Unbekannten.
      Aber so sicher bin ich auch nicht, ob man damals Asperger schon diagnostiziert hätte, das war wohl noch weniger bekannt als heute, wo es ja auch noch genügend Schwierigkeiten gibt, einen ausgebildeten Psychologen/ Psychiater zu finden der diese Diagnose stellen kann.
      So gesehen war die späte Diagnose vielleicht auch ein Schutz, wer weiß mit welchem Etikett ich sonst davon gekommen wäre?