Selbstwertgefühl verbessern

    • Leonora schrieb:

      rhelms schrieb:

      Zu dem Punkt von Leonora: viele Autisten können viele Dinge als Einzeltätigkeit in der Menge können die einen jedoch erschöpfen. Meine Frage hierzu - warum mußt Du Einzelkämpfer sein, wieso wird sich nicht vernetzt? Wenn man in einer Sache gut ist, aber in einer anderen Sache nicht, dann findet sich sicherlich jemand, der in der anderen Sache ist und man kann sich möglicherweise ergänzen.
      Ja, aber dann muss es auch menschlich passen. Und auch das ist für Autisten oft schwierig. Um beim Einkaufsbeispiel zu bleiben, müsste man da schon gemeinsam wohnen, um das sinnvoll organisieren zu können.
      Und das "Vernetzen" mit anderen, die Interaktion an sich erschöpft ja ebenso. Zumindest bei mir geht das nicht auf magische Weise weg, bloß weil die anderen auch Autisten sind.
    • Turtle schrieb:

      Und das "Vernetzen" mit anderen, die Interaktion an sich erschöpft ja ebenso. Zumindest bei mir geht das nicht auf magische Weise weg, bloß weil die anderen auch Autisten sind.
      Dito. Insgesamt ist das Verständnis größer und der Kontakt angenehmer, aber auch unter Autisten gibt es die Schwierigkeiten, die ich auch anderweitig kenne. In größeren Gruppen sind immer welche dabei, deren Ausprägung sehr anders als meine ist, die finden mich vielleicht erst recht schwierig. Umgekehrt gibt es auch dort immer wieder "Anstrengende", die sich an mich "hängen", weil ich gutmütig wirke, was mir ebenfalls auch in anderen Gruppen passiert. Nein, der Kontakt muss einfach insgesamt menschlich passen. Wobei die Wahrscheinlichkeit unter Autisten größer ist und ich wirkliche Freundschaften (also nicht nur Bekanntschaften bzw. Zweckgemeinschaften) bisher größtenteils mit Leuten hatte, die ebenfalls "anders" waren und die ich aus heutiger Sicht oft zumindest im weiteren Spektrum vermute.

      Und ja, Interaktion kostet auch da Energie, wo sie "passend" ist und ich sie genießen kann. "Vernetzen", um den Alltag zu schaffen, wäre für sich schon anstrengend, bis das ganze gut eingespielt ist. Dennoch halte ich Wohnprojekte für Autisten prinzipiell für eine gute Idee, da viele im Erwachsenenalter kein privates soziales Netzwerk mehr haben und "normale" WGs oder Projekte für Ältere oft nicht geeignet sind und mehr gemeinschaftliches Leben verlangen, als viele Autisten aushalten.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Ich glaube das vielen der richtigen "Knoten", wenn man sich vernetzen möchte, dass ist das was Kraft kostet. Leonora hatte es so schön geschrieben "passend". Dann kostet es kaum Kraft und unter Umständen kann man sogar genießen. Die Idee mit Wohnprojekten kann für manche Autisten durchaus gehen. Zum einen muß man sich ja sagen, jeder Mensch ist anders und Autisten sind auch Menschen und zum anderen man muß es ja als Spektrum sehen und somit mit dem gewissen Weitblick.
    • rhelms schrieb:

      Ich glaube das vielen der richtigen "Knoten", wenn man sich vernetzen möchte, dass ist das was Kraft kostet. Leonora hatte es so schön geschrieben "passend". Dann kostet es kaum Kraft und unter Umständen kann man sogar genießen.
      Ja, genau. Kommt extrem auf die anderen Menschen an, aber auch auf die konkreten Rahmenbedingungen und darauf, wie es einem selbst aktuell geht. Gerade für Autisten halte ich für typisch, dass man da unter Umständen sehr gegensätzlich wirken kann, von offen, zugewandt, selbstbewusst und kommunikativ bis hin zu total verklemmt und verschlossen.

      rhelms schrieb:

      Die Idee mit Wohnprojekten kann für manche Autisten durchaus gehen. Zum einen muß man sich ja sagen, jeder Mensch ist anders und Autisten sind auch Menschen und zum anderen man muß es ja als Spektrum sehen und somit mit dem gewissen Weitblick.
      Eben. Auch da muss die "Chemie" stimmen, aber autistische Wohnprojekte wären wohl grundsätzlich erst einmal geeigneter als "normale" "alternative" Wohnformen, weil dort mehr Verständnis für Rückzugsbedürfnis herrschen sollte und das nicht gleich interpretiert wird.
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    • rhelms schrieb:

      Leonora hatte es so schön geschrieben "passend". Dann kostet es kaum Kraft und unter Umständen kann man sogar genießen.
      Ich kann nur für mich selbst sagen, dass mich auch passende Kontakte nicht "kaum", sondern sehr viel Kraft kosten. Mit dem Genießen hat das in meinem Fall nichts zu tun. Unter anderem deshalb fällt mir auch das Aufrechterhalten von Bekanntschaften / Freundschaften so schwer.

      Wohnprojekte kann ich mir aber schon sehr hilfreich vorstellen. Alleine wohnen hat mir auch nicht lange gutgetan. Bevor ich mit meinem Mann zusammengezogen bin, habe ich u.a. in einer WG mit einer Freundin gewohnt. Die räumliche Nähe hat es erheblich erleichtert, den Kontakt zu erneuern und zu vertiefen, fand ich. Ich war allerdings kein so guter Mitbewohner, wie ich von mir dachte, hat sie mir am Ende unserer gemeinsamen Zeit mitgeteilt. :( Was sie genau gestört hat, hat sie mir allerdings nicht erklären können.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Turtle ()

    • Turtle schrieb:

      rhelms schrieb:

      Leonora hatte es so schön geschrieben "passend". Dann kostet es kaum Kraft und unter Umständen kann man sogar genießen.
      Ich kann nur für mich selbst sagen, dass mich auch passende Kontakte nicht "kaum", sondern sehr viel Kraft kosten. Mit dem Genießen hat das in meinem Fall nichts zu tun. Unter anderem deshalb fällt mir auch das Aufrechterhalten von Bekanntschaften / Freundschaften so schwer.
      Da kann ich mich anschließen. "Kaum" trifft für mich eher auf einzelne Gelegenheiten zu, insgesamt brauche ich aber sehr viel Zeit für mich und finde auch als positiv empfundenen Kontakt anstrengend. Dennoch ist mir Kontakt auch wichtig.
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    • Leonora schrieb:

      Da kann ich mich anschließen. "Kaum" trifft für mich eher auf einzelne Gelegenheiten zu, insgesamt brauche ich aber sehr viel Zeit für mich und finde auch als positiv empfundenen Kontakt anstrengend. Dennoch ist mir Kontakt auch wichtig.
      Das empfinde ich auch so. Ich habe zwar durchaus einige Freunde, aber diese sehe ich nur etwa einmal im Monat persönlich. Dann gehen wir meist auch gemeinsamen Hobbies nach. Ganz ohne Kontakte würde ich mich nicht wohlfühlen, schon allein weil ich Freude daran habe, mich über meine Interessen auszutauschen und manche von ihnen (Rollenspiel, bestimmte Computerspiele) allein nicht sinnvoll machbar sind. Allerdings erschöpfen mich selbst diese seltenen Kontakte unter "Gleichgesinnten" recht schnell. Ich habe zwar währenddessen Spaß und empfinde die Kontakte auch als Bereicherung, muß mich aber trotzdem ausgiebig davon erholen.
      Так! я буду крізь сльози сміятись...

      Achtung: Benutzer kann sich nicht "kurz fassen" :oops:
    • Also Kontakte, wo man sich face-to-face begegnet habe ich auch nicht viele. Vorallem was Gespräche angeht. Wenn es um meine Hobbies geht, dann bin ich natürlich durchaus mit vielen Menschen zusammen. Allerdings wird dann hauptsächlich dem Hobby für eine Stunde oder auch 2 Stunden nachgegangen und das war es dann auch. Das strengt mich dann keines wegs an.

      Emek hat für mich einen nachvollziehbaren Grund angesprochen. Wenn man sich basierend auf den eigenen Interessen austauschen kann, dann kann dies durchaus stundenlang so gehen. Vielleicht ab und an eine Pause für einen Kaffee oder etwas frische Luft dazwischen. Es sollte allerdings im Dialog sein und nicht, dass ich in die Rolle des Dauerzuhörers komme - das kann nämlich sowas von anstrengend sein. Und was ich dem Posting von Emek auch entnehme ist es eben, dass man schnell mal in eine Denkschleife kommt, wenn man sich mal nicht über seine Spezialinteressen austauschen möchte sondern eben etwas anderes und sich dann im Kreis dreht wie man ein Gespräch starten soll.
    • Neu

      DrCarsonBeckett schrieb:

      Also vieles davon habe ich schon versucht, aber richtig geholfen hat es nicht.^^
      kannst Du das genauer beschreiben, Carson. Manchmal hat man sich mit den Versuchen einfach nur festgefahren. Ich habe mal eine schöne Beschreibung gehört wie Autisten im Vergleich zu NTlern denken und handeln. Wärend NTler manche Dinge nur andenken und mit Knetmasse irgendwelche Sachen formen nimmt sich der Autist einen Weg vor und verwendet dazu schnellabbindenden Zement für seinen Tunnel. Das Problem, dass er hat er braucht dann einen Meißel und muß mühsam sein Tunnelstück wieder einhauen, wenn er sich vertan hat und das kostet natürlich Kraft und nach der Löffeltheorie fliegen so manche Löffel.

      Das Selbstwertgefühl steigt vorallem durch Anerkennung und wenn man erkennt, dass man seiner Selbstverwirklichung einen Schritt näher gekommen ist.
    • Neu

      rhelms schrieb:

      Das Selbstwertgefühl steigt vorallem durch Anerkennung und wenn man erkennt, dass man seiner Selbstverwirklichung einen Schritt näher gekommen ist.
      Stimmt. Genauso kann es aber auch umgekehrt sein. Wenn man merkt, dass man sich von seinen Zielen und Wünschen immer weiter entfernt, es zusehends unrealistischer wird, da noch anzuknüpfen, geht auch das Selbstwertgefühl leicht immer mehr "in den Keller".
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