Soziale Teilhabe - konkrete Möglichkeiten

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    • Soziale Teilhabe - konkrete Möglichkeiten

      Weil ich es gerade rausgefunden habe beim Recherchieren im SGB IX. Was früher Leistungen zur Teilhabe an der Gesellschaft hieß, heißt jetzt "soziale Teilhabe" ;) Falls jemand ebenfalls auf Suche im Gesetz geht und dann vielleicht den alten Begriff sucht. Diese Leistungen stehen in den §§ 76 - 84 SGB IX.

      Hier die groben Stichpunkte, was im Rahmen der Sozialen Teilhabe alles möglich ist:

      Soziale Teilhabe
      § 76 Leistungen zur Sozialen Teilhabe
      § 77 Leistungen für Wohnraum
      § 78 Assistenzleistungen
      § 79 Heilpädagogische Leistungen
      § 80 Leistungen zur Betreuung in einer Pflegefamilie
      § 81 Leistungen zum Erwerb und Erhalt praktischer Kenntnisse und Fähigkeiten
      § 82 Leistungen zur Förderung der Verständigung
      § 83 Leistungen zur Mobilität
      § 84 Hilfsmittel

      Ich habe die Teilhabeleistungen markiert, die für Erwachsene mit Asperger vielleicht besonders hilfreich sein könnten.

      Und nun zu den konkreteren Leistungen. Zu den Assistenzleistungen zählen laut betanet.de z. B.
      • Anleitung und Übung von allgemeinen Erledigungen des Alltags
      • Elternassistenz
      • Unterstützung bei der Haushaltsführung
      • Tagesstrukturierung
      • Lebensplanung
      • Freizeitgestaltung
      • Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben
      • Gestaltung sozialer Beziehungen und sportlicher Aktivitäten
      • Unterstützung bei der Gesundheitssorge, z.B. Assistenz bei der Einnahme notwendiger Medikamente
      • Leistungen zur Erreichbarkeit eines Ansprechpartners, z.B. Rufbereitschaft in Krisensituationen oder Herbeiholung einer persönlichen Ansprechperson, werden erbracht, wenn dies im Einzelfall erforderlich ist


      Danke schonmal für die Tipps, insbesondere zur Begleitung beim Klettern. Ich denke, das würde mir wirklich helfen.

      Das Beispiel mit den Künstlerutensilien fällt dann wohl unter § 81 ;) (weil die Person sonst evtl. verlernen würde zu malen ;) Anders kann ich mir nicht erklären, wie es das Amt sonst gefördert hat. Vielleicht findet noch wer einen anderen Paragraphen ggf. als Auffangparagraph.

      Man kann z. B. jemanden von seiner Familie anheuern, der einem Arbeitsassistenz ehrenamtlich geben soll und kann dafür noch Geld bekommen, also es ist nicht nur auf externe Personen beschränkt, die Threadstellerin könnte sich die Freundin, die freiwillig hilft, also bezahlen lassen. :d
      "Ehrenamtlich tätige Leistungsberechtigte können sich angemessene Ausgaben für die nötige Unterstützung durch Familie, Freunde oder Nachbarn erstatten lassen." (Quelle: betanet.de, betanet.de/betanet/soziales_re…stenzleistungen-1448.html)

      The post was edited 11 times, last by FruchtigBunt ().

    • lokotus wrote:

      Wer nimmt solche Leistungen in Anspruch, bzw. wer benötigt solche?
      Über §81 dürfte die Mehrzahl der Therapien bei den ATZ im Erwachsenenalter abgerechnet werden.
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Es werden seit Beginn des Jahres sogenannte EUTB-Stellen eingerichtet: Ergänzende Unabhängige Teilhabe-Beratung.
      Insgesamt sollen es bundesweit 400 Beratungsstellen werden, für die nächsten 3 Jahre.

      Wenn man Glück hat und eine gute Beratungsstelle erwischt (bzw eine, deren Kontaktdaten korrekt in der Liste stehen und funktionieren und die schon Mitarbeiter eingestellt hat), kann man dort Information und Beratung zu den - neuen, nach BTHG - möglichen Teilhabeleistungen (und deren Regeln und Modalitäten) bekommen.
      (Es sind recht unterschiedliche Vereine und Betriebe, die solche Beratungsstellen betreiben / zugelassen wurden, insofern lohnt es sich wahrscheinlich auch, es woanders nochmal zu versuchen, falls man sich nach dem ersten Anlauf noch nicht gut informiert und beraten fühlt.)

      Durch das BTHG ist derzeit einiges im Umbruch, ändert sich per Januar 2018 - bzw schon 2017, wird aber jetzt erst langsam umgesetzt - (und 2020 und 2023 dann nochmal weitere Neuerungen), insofern sicher ganz sinnvoll, sich zum aktuellen Stand der Möglichkeiten und Regeln/Vorschriften der "sozialen Teilhabe" (Teil der Eingliederungshilfe) dort zu informieren. Und beraten zu lassen, wie und für was/wobei man (auch: konkret am eigenen Wohnort) Hilfe und Unterstützung bekommen kann.

      Da diese Beratungsstellen als "Peer Counseling" gedacht sind, und speziell für die Beratung Behinderter, ist es sicherlich auch möglich, dort um "barrierefreien/-ärmeren Zugang" zu bitten, z.B. in Form von Termin zur Skype-Beratung, Telefonberatung (wenn man nicht in die Sprechstunde gehen kann), oder vielleicht auch per Email, unter Hinweis auf die eigenen behinderungsbedingten Einschränkungen / vorhandenen Barrieren. (Ein Versuch lohnt's allemal, wahrscheinlich geht nicht überall alles, aber viele werden sich sicher Mühe geben, es möglichst barrierefrei zu gestalten).

      Da es "allgemein" (auf Behinderung bezogen) "peers" die sich "auskennen" sind (oder zumindest sein sollten), kann man vermutlich nicht erwarten, dass sie sich zwangsläufig auch mit (hochfunktionalem) Autismus auskennen, oder wissen/verstehen, wo die Schwierigkeiten liegen oder welche (von den theoretisch möglichen) Hilfen nötig und hilfreich wären und warum, aber es gibt sicherlich auch Stellen, die sich Mühe geben werden das im Gespräch herauszufinden.


      rehadat-adressen.de/de/interes…beratung-peer-counseling/


      Infos und Adresslisten (nach PLZ sortiert) sind auch über diese Seite zu finden:
      teilhabeberatung.de/

      The post was edited 3 times, last by Mira ().

    • lokotus wrote:

      Kann man dies in Textform irgendwo nachlesen?
      Ja, hier in diesem Thread. :d
      Although it can be a problem, I wouldn't swap my autism for anything. It makes me, who I am. I just wouldn't be the same without it.
      Obwohl er Probleme machen kann, würde ich meinen Autismus gegen nichts in der Welt tauschen. Er macht mich zu der, die ich bin. Ich wäre einfach nicht dieselbe ohne ihn. (Rosie King)
    • Sorry Mod Tuvok.
      Mit §81 kann ich recht wenig anfangen. Sind wir hier in einem Paragraphen-Forum?
      Man sollte sich als selbst betroffener Mod hier schon im klaren sein, wo man sich befindet ;)

      Thx Kraehe für den aufschlußreichen Link!
    • Um nochmals die Zusammenhänge grob zu erläutern:

      Wer behindert ist oder von Behinderung bedroht ist (es muss kein GdB vorliegen) erhält nach § 76 SGB IX Leistungen der sozialen Teilhabe. Die Leistungen sind dazu da,

      • die Behinderung abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder ihre Folgen zu mildern
      • Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, zu überwinden, zu mindern oder eine Verschlimmerung zu verhüten sowie den vorzeitigen Bezug anderer Sozialleistungen zu vermeiden oder laufende Sozialleistungen zu mindern
      • die Teilhabe am Arbeitsleben entsprechend den Neigungen und Fähigkeiten dauerhaft zu sichern oder
      • die persönliche Entwicklung ganzheitlich zu fördern und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sowie eine möglichst selbständige und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen oder zu erleichtern.


      In der Regel sind die Träger der Eingliederungshilfe (also die Sozialämter) dafür zuständig.

      Das heißt, dass man als Mensch mit ASS, der sich entsprechend eingeschränkt und behindert fühlt (und sich das bescheinigen lässt bzw. zu Papier bringt) Ansprüche auf Unterstützung hat.

      Die Leistungen erhält meines Wissens nach nicht, wer zu viel Vermögen besitzt und wer ein Einkommen hat, das bestimmte Grenzen überschreitet (siehe §§ 85, 90 und 92 SGB XII). Zu den genauen Grenzen können hier sicher andere mehr sagen.

      Ich finde es wichtig, dass die Paragraphen hier mit zitiert werden, denn es ändert sich da ständig etwas, so kann man auch noch in einem Jahr im Gesetz nachschlagen, worauf die Aussagen hier gründen und kann bei Änderungen entsprechend reagieren. Außerdem kursiert selbst unter Fachleuten Halbwissen, da finde ich es wichtig, dass man selbst im Gesetz nachlesen kann und seine Anträge notfalls auch mit Verweis auf das Gesetz begründet.

      The post was edited 1 time, last by FruchtigBunt ().

    • Ich komme noch mal auf die Leistungen zur sozialen Teilhabe zurück. Ab 2020 ändern sich ja die Einkommens- und Vermögensgrenzen (siehe Thread hier) so dass ich die Therapie im Autismustherapiezentrum zukünftig hoffentlich vom Sozialamt als "soziale Teilhabe" erstattet bekomme.
      Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Bedarf für die Autismustherapie (vermutlich als Assistenzleistung nach § 78 SGB9) anerkannt wird. Ich war bislang der Meinung gewesen, dass die soziale Teilhabe es einem auch ermöglicht, z. B. an Freizeitkursen (wie z. B. Malen oder Schauspielern) teilzunehmen, weil der § 76 SGB9 z. B. besagt, dass die persönliche Entwicklung ganzheitlich gefördert werden soll und die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft durch die Leistungen ermöglicht oder erleichtert werden soll.

      Nun habe ich mir den § 78 SBG9 (Assistenzleistungen) nochmal genau durchgelesen.


      § 78 SGB9 wrote:


      (1) Zur selbstbestimmten und eigenständigen Bewältigung des Alltages einschließlich der Tagesstrukturierung werden Leistungen für Assistenz erbracht. Sie umfassen insbesondere Leistungen für die allgemeinen Erledigungen des Alltags wie die Haushaltsführung, die Gestaltung sozialer Beziehungen, die persönliche Lebensplanung, die Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben, die Freizeitgestaltung einschließlich sportlicher Aktivitäten sowie die Sicherstellung der Wirksamkeit der ärztlichen und ärztlich verordneten Leistungen. Sie beinhalten die Verständigung mit der Umwelt in diesen Bereichen.

      (2) Die Leistungsberechtigten entscheiden auf der Grundlage des Teilhabeplans nach § 19 über die konkrete Gestaltung der Leistungen hinsichtlich Ablauf, Ort und Zeitpunkt der Inanspruchnahme. Die Leistungen umfassen


      1.die vollständige und teilweise Übernahme von Handlungen zur Alltagsbewältigung sowie die Begleitung der Leistungsberechtigten und
      2.die Befähigung der Leistungsberechtigten zu einer eigenständigen Alltagsbewältigung.

      Die Leistungen nach Nummer 2 werden von Fachkräften als qualifizierte Assistenz erbracht. Sie umfassen insbesondere die Anleitungen und Übungen in den Bereichen nach Absatz 1 Satz 2.
      Das klingt für mich nicht danach, als könnte man Kurse (z. B. in einem sozialpsychiatrischen Zentrum oder Tagesförderstätte) besuchen, um dadurch am Leben in der Gemeinschaft teilzunehmen.

      Im SGB12 klangt das noch anders.


      SGB 12 (veraltet) wrote:


      § 58 Hilfen zur Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben



      Die Hilfen zur Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben (§ 55 Abs. 2 Nr. 7) umfassen vor allem

      1. Hilfen zur Förderung der Begegnung und des Umgangs mit nichtbehinderten Menschen,

      2. Hilfen zum Besuch von Veranstaltungen oder Einrichtungen, die der
      Geselligkeit, der Unterhaltung oder kulturellen Zwecken dienen,

      3. die Bereitstellung von Hilfsmitteln, die der Unterrichtung über das
      Zeitgeschehen oder über kulturelle Ereignisse dienen, wenn wegen Art
      oder Schwere der Behinderung anders eine Teilhabe am Leben in der
      Gemeinschaft nicht oder nur unzureichend möglich ist.
      Unter der Nummer 1 oder 2 würde ich so etwas verstehen, wie der Besuch von Freizeitveranstaltungen, um mit anderen in Kontakt zu kommen. Kann es sein, dass das nun mit dem SGB9 alles abgeschafft wurde? Oder ist das im SGB9 nun irgendwo anders bei den Leistungen der sozialen Teilhabe versteckt, also nicht als Assistenzleistung sondern als "Freizeitteilhabe" oder sowas?

      Ich werde das auch alles beim Sozialamt selbst fragen, aber mir würde es helfen, wenn ich das vorher wüsste, weil ich dann meine Wünsche selbstbewusster vortragen könnte. Ich überlege, neben der Autismushterapie noch andere Hilfen zu beantragen (ggf. Therapeut, der mit mir klettert, Musiktherapie, tiergestützte Therapie, Körpertherapie. Natürlich nicht alles, aber ich wollte erstmal wissen, ob so etwas überhaupt übernommen würde.
      Hat jemand solche Dinge schon über die soziale Teilhabe genehmigt bekommen?