Die Arbeitswelt überfordert mich. Euch auch ?

    • Polarlicht schrieb:

      Wer aktuell will, der findet auch was,
      Ist sicher ein anderes Bundesland. Das Problem ist ja nicht, "was" zu finden, sondern etwas, was auch zeitlich und örtlich paßt und auch vom sonstigen Rahmen her möglich ist. Wenn ich "Vollzeit in Bayern" (und nicht Teilzeit rund um meine PLZ) suchen würde und die kein Problem damit hätten, jemanden mit Diplom für eine Anlerntätigkeit zu nehmen hätte ich wohl auch bessere Chancen.

      Ani schrieb:

      Ich bin 50, ich habe Jahrzehnte Quälerei hinter mir. So what!
      Vielleicht umsteigen auf Teilzeit und dann Altersteilzeit bzw. Frührente? Dann wäre zumindest ein Ende absehbar, und dann hält man besser durch. Oder du fragst nach, ob du mehr Verantwortung übernehmen kannst oder andere Aufgaben. Ich habe bei meiner letzten Stelle Leute eingearbeitet, was mir großen Spaß machte (war ja 1:1 und fachlich), aber dann wurde mir das leider urplötzlich untersagt, ich glaube, aus irrationalen Gründen. Denn eine Konkurrenz war ich im Betrieb für niemanden, eher eine motivierte Hilfe...
      Vielleicht kannst du auch "durchsetzen", daß du nur noch teilerwerbsfähig bist und dann können die ja entscheiden, ob sie dich behalten oder dir eine Abfindung bezahlen.

      Leonora schrieb:

      Irgendwann wurde mir mal klar, dass ich tatsächlich nie ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch hatte.
      Ja, bei mir auch, mit einer Ausnahme: Mein Praktikum im Plastinarium. D.h., tatsächlich hat mich nur eine ehrliche Antwort zum Erfolg gebracht. Wenn ich dagegen was "Schlüssiges" daherlabere und nett lächele, werde ich trotzdem abgelehnt, weil die Personaler meist merken, daß da etwas nicht paßt bzw. ich mich nicht wohlfühle. Ich will auch nicht jemandem ins Gesicht lächeln und etwas sagen, das ich verlogen oder falsch finde.

      Ani schrieb:

      Bei mir ist das anders rum. Ich bin immer viel zu schnell.
      Ich will alles auf einmal verstehen, d.h. ich wäre zu Anfang sehr langsam dann aber sehr schnell, wenn ich mich erst mal sicher fühle. Mir wurde unterstellt, ich würde "dazwischenschießen", die Kritik galt wohl weniger der Arbeitsgeschwindigkeit. Nachfragen und Vorschläge nerven leider auch. Aber ich kann nicht arbeiten, ohne zu wissen, was ich da wieso mache. Darunter leidet doch auch die Qualität, und wenn mal ein Problem auftritt, steh ich hilflos da. Ich habe schon oft diskutiert, daß man lieber mehr Zeit in die Einarbeitung investieren sollte, denn die spart man später doppelt und dreifach ein, weil weniger Fehler und Nachfragen kommen. Aber um das zu kapieren sind Chefs wohl zu blöd?!?

      Ani schrieb:

      Den Idealen Arbeitsplatz gibt es nicht.
      Nein, aber man kann für sich festlegen, welche Grundbedingungen erfüllt sein müssen und worin man flexibel ist. Nachdem ich das für mich tat, schied das meiste schon aus, von meinen geringen Chancen mal ganz abgesehen. Ich finde es übrigens hilfreich, wenn man das für sich festlegt und dann eine klare Linie fährt. Dann ist man weniger von Druck und Selbstzweifeln geplagt, weil man genau weiß, warum die Lage so ist, wie sie nun mal ist, und daß man nicht allein dran schuld ist.
    • clefbielefeld schrieb:

      Was ist wäre erste Schritt für einen Aspie um in Arbeit zu kommen ?
      Der Richtige Arbeitsplatz.

      Nicht bei allen Arbeitsplätzen sind diese Dinge die oben als Beispiele nannten immer so gefordert, das habe ich aus eigener Erfahrung erlebt, aber es scheint so zu sein, das die meisten Arbeitsplätze irgendwo auch ihr Manko haben.
      Ich habe bisher auch nie dort Fuß fassen können (RW) weil immer irgendwas nicht passte.
      Viel lag damals aber vielleicht auch an meinem Erscheinungsbild, denn damals war ich noch "weiblich" wollte aber ein mann sein, was man mir auch ansah und das kommt in der Gesellschaft nicht gut an.
      Jetzt mit Homrontherapie sehe ich aus wie ein Mann, ich warte noch auf meine Namensänderung, da ist echt ätzend bürokratisches zeugs weil sich die in den Schreiben immer zu undeutlich ausdrücken und jetzt schon seit Monaten nie genau sagen was die eigentlich genau an Dokumenten brauchen und wie diese auszusehen haben :nerved:
      Als optisch männlich mit einem noch- weiblchen Namen kann ich schlecht auf Jobsuche gehen -.-
      Hier gibt es die Jobs die ich machen will, eh nicht als Vollzeit sondern immer nur auf Minijob-basis und da kann ich mir die zeit gleich sparen und mir das Geld anderweitig verdienen.

      Mit den meisten Sachen wie Überstunden und Pünktlichkeit habe ich nichtmal ein problem, ich bin sehr arbeitswillig und zeitbewusst, aber einen Führerschein konnte ich schon aus Kostengründen nie machen. Hatte ja die Hoffnung das mir das Arbeitsamt den finanziert aber nö, hielten die nicht für nötig :nerved:
      Bisher habe ich die art Arbeit die ich machen will nichtmal gefunden weil es überall Dinge gibt wo ich schwierigkeiten sehe.
      Ich wollte früher gerne Polizist werden, geht körperlich und psychisch schonmal garnicht.
      Dann wollte ich Kameramann werden, war auch zu ansträngend, hatte mit der Tonangel schon probleme, und dann dieses immer flexibel hier ein Dreh, dann wieder einer abgesagt und so, das hat Meltdowns verursacht.
      Dann wollte ich Fotograf werden, aber die haben mich doch nicht ausbilden wollen, meinten das wäre für mich zeitverschwändung...
      Dann hab ich als Küchenhilfe gearbeitet, was mir gut gefallen hat, ich hatte da meine Routine, festen Handgriffe, war viel für mich in der Küche und das war quasi mein Reich, darum könnte ich mir vorstellen sowas wieder zu machen, allerdings in Vollzeit, was es hier wie schon gesagt aber nicht gibt.
      Daher mein momentaner Wunsch, nachdem ich umgezogen bin, in einem Wirtshaus/Restaurant erstmal als Küchenhilfe anfangen und dann eventuell, wenn ich gut mit den Leuten da klarkomme und mich dafür eigne ggf eine Kochausbildung machen. Wenn ich als Küchenhilfe in Vollzeit arbeite, kann ich wenigstens versuchen einen Führerschein zu machen und sehen ob ich das überhaupt kann, also autofahren, da bin ich nämlich auch überfragt, wegen der Konzentration, sich ablenken lassen und so.
      Als Koch ohne Auto geht auch schlecht, ich bräuchte ständig jemanden der mich zum Großmarkt fährt, das geht ja auch net :roll:
    • Ani schrieb:

      Jeder Anpassungsversuch scheitert. Ich ecke damit an, weil es gerade in meinem Job (sozialer Bereich) sehr viel mehr um Befinden geht, um reden und oft um rum jammern, was alles nicht gut läuft.....aber auf keinen Fall will irgendwer, irgendwas geregelt haben oder gar verbessert oder einfach nur logisch organisiert, damit der Laden läuft. Er läuft für mich so gar nicht. Es gibt bei uns keine Struktur, es gibt haufenweise verwirrende soziale Interaktionen und versteckte Regeln, die jeder zu kennen scheint, außer mir. Es gibt ständig und immer irgendwelche informellen Zusammenkünfte. Jede Gelegenheit wird zu gemeinsamem Kochen und Co genutzt. Das Heftigste, was ich diesbezüglich je erlebt habe, war eine Gedenkstunde an eine lange verstorbene Mitarbeiterin, die noch nicht mal beliebt war. Da wurde gekocht und gemeinsam gegessen (ohne mich!), um ihrer zu gedenken . Da soll ich jetzt klar kommen!
      Ja, ich glaube, gerade im sozialen Bereich ist es in dieser Hinsicht besonders schwer, weil da soviel implizit und indirekt kommuniziert wird. Umso mehr auch für Frauen - da wird einfach "unausgesprochen" eine hohe soziale und kommunikative Kompetenz erwartet, die eben gerade emotional "aus dem Bauch heraus" und nicht nur analytisch sein sollte. Meinem Eindruck nach kommen die autistischen Männer, die im sozialen Bereich arbeiten (entgegen der Klischees sind das gar nicht so wenige), dort wesentlich besser als die Frauen zurecht. Zum Teil haben sie zwar auch Schwierigkeiten, aber sie werden in ihrer "Andersartigkeit" dennoch eher akzeptiert und die "andere Perspektive" auch geschätzt.

      Ani schrieb:

      Ich mache diesen Irrsinn seit Jahrzehnten mit und merke, wie mir die Löffel ausgehen (RW). Trotz dem Versuch, meine Bedingungen anzupassen, bin ich jedes mal, wenn ich einen Fuß ins Büro setzt und mit all dem konfrontiert bin, total aus dem Lot.
      :( Das finde ich leider nicht überraschend. Gäbe es keine Möglichkeit, in die Verwaltung zu wechseln? Oder wäre das nichts für Dich?

      Ani schrieb:

      Den Idealen Arbeitsplatz gibt es nicht. Außer in der Selbständigkeit. Aber da ist mein Sicherheitsbedürfnis im Weg und meine schwachen, exekutiven Funktionen. Ich bin nicht gut darin, etwas für mich selbst zu planen und zu initiieren und vorherzusehen, was es braucht, was es nicht braucht und was daraus werden kann. Und wie es so werden kann. Für andere kriege ich das besser hin, als für mich selbst.
      Dito. Das fasst es treffend zusammen.

      Necroghoul7 schrieb:

      Wenn ich dagegen was "Schlüssiges" daherlabere und nett lächele, werde ich trotzdem abgelehnt, weil die Personaler meist merken, daß da etwas nicht paßt bzw. ich mich nicht wohlfühle. Ich will auch nicht jemandem ins Gesicht lächeln und etwas sagen, das ich verlogen oder falsch finde.
      Ja, genau. Auch meiner Erfahrung nach fällt dann doch auf, dass etwas "anders" ist, und man wirkt nicht authentisch.

      Necroghoul7 schrieb:

      Ich will alles auf einmal verstehen, d.h. ich wäre zu Anfang sehr langsam dann aber sehr schnell, wenn ich mich erst mal sicher fühle.
      Bei mir kommt es sehr auf das Feld an. In praktischen Tätigkeiten bin ich langsam und es dauert lange, bis ich sie verinnerlicht habe. Ich denke und begreife recht schnell, kann "einfachere" theoretische Aufgaben auch schnell erfüllen, denke bei komplexeren aber oft auch wieder zu kompliziert und blockiere mich dann eventuell selber, so dass es doch wieder lange dauern kann. Daher würde ich für die Einarbeitung für vieles auch lange brauchen, sobald ich Sicherheit gewinne, aber gut zurecht kommen.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Leonora schrieb:

      Necroghoul7 schrieb:

      Wenn ich dagegen was "Schlüssiges" daherlabere und nett lächele, werde ich trotzdem abgelehnt, weil die Personaler meist merken, daß da etwas nicht paßt bzw. ich mich nicht wohlfühle. Ich will auch nicht jemandem ins Gesicht lächeln und etwas sagen, das ich verlogen oder falsch finde.
      Ja, genau. Auch meiner Erfahrung nach fällt dann doch auf, dass etwas "anders" ist, und man wirkt nicht authentisch.
      Das kenne ich auch. Ich habe es so erlebt, dass es richtig zu einer generellen Schwierigkeit werden kann, wenn man an einem Ort ist, wo man sich notgedrungen ständig so über die Maßen anpassen muss, dass man unauthentisch (wahrgenommen) wird.

      Überhaupt – weil man offenbar anders und inkompatibel ist, sich besonders viel anpassen und schauspielen zu müssen und gleichzeitig aufgrund der gleichen Ursache besonders unbegabt in Schauspiel und der Anpassung zu sein - das ist ein sehr anstrengendes Dilemma.

      Ohne Anpassung geht es sicher nicht, aber durch das damit einhergehende Schauspielen wirkt man oft nicht nur unauthentisch, wie du schreibst, man ist unauthentisch und zudem noch unbegabt darin, das zu überspielen.

      Ein Faktor, der vielleicht sehr dazu beiträgt, dass man als „falsch“ wahrgenommen wird. Meine Empfindung ist, dass man sich durch dieses notgedrungene Falschsein in der Anpassung am ende manchmal selbst damit identifiziert, falsch zu sein, was nicht gut für das Selbstbild und das Auftreten nach außen ist.

      Ich glaube, an besseren Tagen gelingt es mir, ehrlich/authentisch zu sein ohne gleichzeitig die anderen zu sehr vor den Kopf zu stoßen. Das ist das Optimum. Aber dazu muss man etwas diplomatisch sein oder im Stande sein, seinen Standpunkt gut zu erklären. Das gelingt nicht immer. Vielleicht kann man es ein bisschen trainieren oder ab und zu irgendwie bewusst versuchen, in diesen Kommunikationsmodus zu kommen.

      Andere versuchen vielleicht gar nicht sich übermäßig anzupassen/haben keine Notwendigkeit (Zaph?), sehen aufgrund von besserem Selbstbewusstsein die Notwendigkeit nicht, kommen nicht auf die Idee, weil sie es gar nicht können und fahren damit evtl. teilweise sogar besser, weil sie nicht unauthentisch werden.

      Sorry, führt ein bisschen vom Thema weg, aber aufgrund des Zitates hatte ich diesen Gedanken. Das Zitat bezog sich auf Bewerbungsgesprächssituation,mein Gedanke war jetzt allgemeiner, aber beschreibt ein Dilemma, was für mich auch in Arbeitssituationen eine große Rolle spielt.

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    • Leonora schrieb:

      In praktischen Tätigkeiten bin ich langsam und es dauert lange, bis ich sie verinnerlicht habe. Ich denke und begreife recht schnell
      Ja, das wurde mir früher auch nachgesagt. Ich denke, daß wir es uns in praktischen Dingen einfach zu schwer machen, weil wir begreifen wollen, warum etwas wie getan wird, und uns sonst sehr tapsig und unsicher anstellen. Normale Leute denken nicht lange nach, wenn sie eine konkrete praktische Arbeitsanweisung bekommen, z.B. eine Schraube irgendwo reinzudrehen. Ich stelle dann dumme (d.h. für andere in dem Zusammenhang völlig belanglose oder unnötige) Fragen und mache es auf Anhieb falsch. Aber, was ich mit dem Schnellerwerden meinte, wenn wir erst einmal verstanden haben, wieso die Schraube so und so mit dem und dem Werkzeug hereingedreht wird, DANN werden wir nicht nur auf Dauer sehr schnell, sondern auch viel sicherer, wenn mal etwas anders ist, weil wir verstanden haben, wieso es so funktioniert, und das dann übertragen können. Und da wären dann die "Nur"-Praktiker wieder unterlegen, weil sie weniger Hintergrundwissen angesammelt haben. Mir wäre am liebsten ein Beruf, der Theorie und Praxis mischt, wo man analytisch und kreativ sein kann und auch nicht nur am Schreibtisch hockt. Aber im realen Leben wäre das der Sechser im Lotto...


      ortx schrieb:

      Ein Faktor, der vielleicht sehr dazu beiträgt, dass man als „falsch“ wahrgenommen wird
      Ja, das stimmt. Bei mir kommt noch hinzu, daß ich, wenn ich mich authentisch benehme, sehr naiv-kindlich rüberkomme und dann zwar nicht falsch verstanden, aber nicht ernst genommen werde. Wenn ich z.B. von etwas begeistert bin oder sage, das schaffe ich, dann wirkt es auf das Gegenüber so, daß man mir das besser nicht zutrauen sollte - weil ein Normaler, der das könnte, sich wohl anders geben würde. Also muß ich auch schauspielern, wenn ich die Wahrheit rüberbringen will, also z.B. daß ich mir eine Arbeit zutraue.


      ortx schrieb:

      versuchen vielleicht gar nicht sich übermäßig anzupassen/haben keine Notwendigkeit (Zaph?),
      In manchen Berufen, in denen auch nicht viel soziale Kompetenz erwartet wird, ist es wohl auch nicht notwendig. Das sind oft klassische "Männerberufe", jemand mit Kommunikationsschwierigkeiten wird da eher akzeptiert. Aber als Frau natürlich weniger.

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    • zaph schrieb:

      Auch in kurz: Nein, tut es nicht. Und das seit 35 Jahren nicht.
      traumhaft. :thumbup:
      Den Job, der zu mir und ich zu ihm passe, wo ich das dann sagen kann...davon träume ich und arbeite daran. :)
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert? "
      (Schrödinger lässt grüßen ;) )
    • Die Arbeitswelt überfordert mich. Euch auch ?

      Jaein.

      Es ist nicht die Arbeit an sich die mich überfordert, es ist das Drumrum. Eben dieses ganze System was
      um die eigentliche Tätigkeit existiert.

      Die Arbeit an sich finde ich sehr spannend und herausfordernd und kommt meinen Fähigkeiten sehr entgegen.

      Ein Führerschein haben, eine spezielle Ausbildung haben mit Fortbildungen, Steuern machen,
      zuverlässig und regelmässig zur Arbeit erscheinen,

      Bis hier hin so weit kein Problem bei mir.

      auch bei großen Unwohlsein, mit Stress und
      streitenden Menschen klarkommen, Überstunden, Handyterror vom Chef, Weihnnachtsfeiern usw usf.

      Hier wird es interessant...

      Wenn ich mich Zuhause am Morgen wirklich krank fühle (Grippe, Migräneanfall), dann bleibe ich notgedrungen Zuhause. Bei einem Migräneanfall bin ich so brauchbar wie ein defekter Toaster, sprich, ich bin dann nur an einem Ort gut aufgehoben: Zuhause im abgedunkelten und möglichst ruhigem Schlafzimmer im Bett.

      Stress - Es kommt darauf an, welche Form von Stress. "Nur" viel Arbeit ist eine Form von Stress, aber während diesen zu erledigenden Arbeiten noch eine weitere Arbeit dazuwischenquetschen, nur weil irgend jemand vergessen hatte, die zu erledigende Arbeit entsprechend vorzubereiten, das ist für mich ungesunder Stress pur.

      Ein Beispiel: bei uns im Mutterhaus tummelt sich seit vergangenem Sommer eine Beratungsfirma rum und will alles auf den Kopf stellen, scheint mir zumindest. Vor einer Woche hiess es dann für mich, die Resultate diverser Marketingmassnahmen auszuwerten, insgesamt 14 Auswertungen, die jeweils 2-4 Stunden Zeit in Anspruch nehmen, um mit den Resultaten das Budget für 2018 aufzustellen (welches bis jetzt noch nicht steht :nerved: ).
      Dumm nur: ich ersoff eh schon in dringend zu erledigender Arbeit, diese 14 Auswertungen hätten innert 2 Stunden erledigt sein sollen, was ja schon zeitlich nicht ging. Aber, die Chefetage bestand darauf, das beide Sachen, also die Arbeit an der ich gerade war UND die Auswertungen oberste Prioritöt hätten und sofort erledigt werden müssten.

      Solche "Schnellschüsse" und unüberlegte Entscheidungen "von oben" oder von anderen Mitarbeitern sind es, die zumindest mir grösse Mühe bereiten. Das schnelle Wechseln zwischen mehreren Arbeiten klappte noch nie richtig bei mir, ich bin eher der Mensch, der eine Arbeit beginnt und zu Ende führt, bevor ich mich der nächsten Arbeit zuwende.

      Überstunden... Müssen nicht sein, sind aber bei mir seit bald 8 Jahren fast der Regelfall. Ich schaue, das es im Schnitt nicht mehr als 2,5 Stunden pro Woche Überzeit werden.
      Weihnachts- oder Firmenfeiern... War ich noch nie und werde ich nie sein. Das Maximum an sozialem Austausch jenseits der eigentlichen Arbeit findet bei mir meist am Freitag Mittag statt, wenn ich mit 2-4 Arbeitskollegen, die im gleichen Raum wie ich arbeiten, zu Mittag ausserhalb essen gehe. Das ist gerade noch so ertragbar für mich.
      Die Mittagspause im Pausenraum ist für mich alles andere als angenehm (zu laut, zu viele Menschen), am Arbeitsplatz darf ich aber nicht essen. Tja, heisst dann: schnell in den Pausenraum rein, essen runterschlingen, aus dem Pausenraum raus.
      Diagnostiziert - immer noch ein komischer Vogel ;)
    • Necroghoul7 schrieb:

      Aber, was ich mit dem Schnellerwerden meinte, wenn wir erst einmal verstanden haben, wieso die Schraube so und so mit dem und dem Werkzeug hereingedreht wird, DANN werden wir nicht nur auf Dauer sehr schnell, sondern auch viel sicherer, wenn mal etwas anders ist, weil wir verstanden haben, wieso es so funktioniert, und das dann übertragen können.
      Nö. Nur weil ich verstanden habe, wieso etwas so und nicht anders gemacht werden muss, werde ich nicht schneller darin. Sicherer ja, aber nicht schneller. Ich habe einfach mein bestimmtes Arbeitstempo und schneller geht immer zu Lasten der Qualität und vor allem bringt es mich sehr schnell an meine Grenzen und überlastet mich dann, bis irgendwann gar nichts mehr geht. So, als würde ein Kaltblut versuchen, mit Vollblütern bei einem Rennen mitzuhalten. Egal, wie sehr das Kaltblut sich anstrengt, es wird nie mit den Vollblütern mithalten können.
    • Neu

      Nayeli schrieb:

      Die Mittagspause im Pausenraum ist für mich alles andere als angenehm (zu laut, zu viele Menschen)
      Das nervt mich auch. Nach vier Stunden brauch ich dringend Erholung. Aber im Pausenraum ist meistens immer einer, der die Verwandtschaft abtelefonieren muss oder schreit und gröhlt. Ganz schlimm finde ich den Kollegen, der seine Pause nutzt, um Let‘s Play‘s auf youtube zu gucken. Jeden Tag. Eine Stunde. Als ich noch ein Auto hatte saß ich inmer da drin.
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Neu

      Eismensch schrieb:

      Das nervt mich auch. Nach vier Stunden brauch ich dringend Erholung. Aber im Pausenraum ist meistens immer einer, der die Verwandtschaft abtelefonieren muss oder schreit und gröhlt.
      Ja, bei uns auch...wir dürfen ja öfter kleine Pausen einlegen..aber eine Erholung ist das oft nicht.
      Manchmal habe ich mich dann in den Flur gesetzt.
      "Wie kann es sein, dass ein solch subjektives Element wie ein Beobachter (Mensch) die Wirklichkeit definiert? "
      (Schrödinger lässt grüßen ;) )
    • Neu

      Febry2 schrieb:

      Da bist du keine Ausnahme, es gibt einige Autisten, die auch Professor sind oder Wissenschaftler.

      Ich denke auch, daß es diverse Autisten gibt die mit ihrer Arbeit über einen lange Zeitraum gut klarkommen.
      Aber es erschliesst sich mir gerade nicht, wozu du hier speziell Professoren und Wissenschaftler anführst, denkt du, die sind grundsätzlich nicht überfordert in ihren Jobs??
    • Neu

      Mein erster Beitrag nach der schriftlich fixierten Diagnose.

      Ach, ich wäre schon froh, wenn ich nicht ständig unterfordert wäre und es nicht langweilig wäre. Eher kommt dann die Überforderung durch die Unterforderung. Vielleicht ändert sich ja was in naher Zukunft, denn die Chefin aus der mittleren Leitungsebene weiß von meinen Problem und traut mir zu, dass ich eine höhere Position begleiten könnte als jetzt. Allerdings benötige ich eine berufsbegleitende Weiterbildung.

      Die Tätigkeit macht mir auch Spaß, allerdings sehe ich dies nicht als Arbeit, sondern als Berufung oder notfalls auch eine Tagesbeschäftigung, die mir bezahlt wird und mir auch bezahlt wird. Ansonsten kann ich auch eine Sache anfangen, dann eine andere Aufgabe erledigen und dann die eigentliche Aufgabe weiter machen, soweit es in meinen gesteckten Tätigkeitsfeld liegt. Sonst wird es für mich schwierig, wenn kurzfristig eine Änderung der Tätigkeit sich ankündigt.
    • Neu

      ifi schrieb:

      Aber es erschliesst sich mir gerade nicht, wozu du hier speziell Professoren und Wissenschaftler anführst, denkt du, die sind grundsätzlich nicht überfordert in ihren Jobs??
      Speziell die Professoren müssen Jahre lang sehr gute Arbeit geleistet haben, bevor sie überhaupt eine solche Stelle bekommen. Ich denke daher, sie sind nicht überfordert in ihren Jobs. Sonst wären sie nie so weit gekommen.

      Ich hatte es erwähnt, weil bisher nur @zaph geschrieben hat, beruflich nicht überfordert zu sein. Also, damit noch mehr Positivbeispiele wie Temple Grandin hier auch vorkommen. Damit nicht der falsche Eindruck entsteht, bei AS ist man beruflich praktisch immer überfordert.

      Zu meiner Person: Ich bin langfristig arbeitsunfähig und wurde quasi zwangsverrentnet. Überfordert war ich im Job also schon, allerdings wegen meiner gesundheitlichen Situation.
      Wieder hier
    • Neu

      Ich habe eine Verwaltungsausbildung die ich mit Ach und Krach abgeschlossen habe. Ich war mehr im Krankenstand als anwesend hatte aber einen SEHR toleranten Arbeitgeber beim Bund. Nach meiner Ausbildung überstand ich gerade mal 3 Jahre in der Arbeitswelt. Seit 10 Jahren bin ich arbeitsunfähig. Aktuell studiere ich über eine FernUni um überhaupt wieder Fuß fassen zu können und geistig nicht einzurosten. Weil es hier mehrfach angesprochen wurde: Führerschein habe ich auch keinen aber mache gerade den Schein für ein Mopedauto (45kmk/h). Sehen zwar niciht schick aus aber reicht um bei Wind und Wetter von A nach B zu kommen. Wenn ich damit öffentliche Verkehrsmittel umgehen kann ist es egal wie es aussieht.


      Windtänzerin schrieb:

      Ständig wurde mir gesagt, ich müsste schneller arbeiten
      War bei mir das genaue Gegenteil. Mir wurde häufig rückgemeldet, dass ich eine schnelle Auffassungsgabe hätte, eine starke Umsetzungskraft, sehr schnell arbeite (zu schnell) und damit auch andere überfordere.
    • Neu

      Leonora schrieb:

      Das finde ich leider nicht überraschend. Gäbe es keine Möglichkeit, in die Verwaltung zu wechseln? Oder wäre das nichts für Dich?
      Nein, das geht nicht. Das ist dienstrechtlich nicht möglich. Dafür braucht man eine bestimmte Laufbahn, also eine andere Ausbildung.
      Ich habe alles versucht. Stunden reduziert und nochmal reduziert....x mal intern Job gewechselt, Führungsjobs und keine Führungsjobs, viel und wenig Verantwortung, mit und ohne Homeoffice.....und bin immer an denselben Dingen gescheitert, an den sozialen Regeln. Ich habe nahezu alle Abteilungen durch, ich kann es selbst kaum glauben. Weil es auch irre viel Kraft gekostet hat, immer wieder zu wechseln.
      Es reicht mir jetzt wirklich.