Die Arbeitswelt überfordert mich. Euch auch ?

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    • Die Arbeitswelt überfordert mich. Euch auch ?

      Hallo,

      ich hab gesehen, dass es bereits einige Threads zum Thema Arbeit und Asperger gibt. (da traf nix
      richtig ;)) Trotzdem wollte ich euch mal fragen, ob ihr auch generelle ein Problem mit der Arbeitswelt
      und dem Arbeitssystem ansich habt ?

      Es ist nicht die Arbeit an sich die mich überfordert, es ist das Drumrum. Eben dieses ganze System was
      um die eigentliche Tätigkeit existiert.

      Ein Führerschein haben, eine spezielle Ausbildung haben mit Fortbildungen, Steuern machen,
      zuverlässig und regelmässig zur Arbeit erscheinen, auch bei großen Unwohlsein, mit Stress und
      streitenden Menschen klarkommen, Überstunden, Handyterror vom Chef, Weihnnachtsfeiern usw usf.

      Deswegen hab ich nie Fuß gefasst in dieser Welt. Es überfordert mich einfach, obwohl ich doch so
      gerne Arbeiten gehen würde :(

      Was ist wäre erste Schritt für einen Aspie um in Arbeit zu kommen ?
    • Ich habe mich mit meinem Hobby selbstständig gemacht.
      Jeder Versuch eine Ausbidung zu machen/zu beenden oder regulär zu arbeiten, endete mit einem BurnOut.
      Regelmässig gearbeitet habe ich im Geschäft meiner Mutter, da mir dort natürlich alles bekannt ist und ich mir meine Arbeitsbedingugen, Tage, Zeiten komplett selbst einteilen kann.
      :!: -dies ist nur ein Auszug meiner Gedanken und Meinungen, der Rest hängt noch in der Bearbeitungsschleife fest- :!:
    • clefbielefeld wrote:

      Was ist wäre erste Schritt für einen Aspie um in Arbeit zu kommen ?
      Ich würde sagen, erst einmal eine realistische Bestandsaufnahme, eventuell mit Hilfe von Freunden oder einem Coach.

      clefbielefeld wrote:

      Ein Führerschein haben, eine spezielle Ausbildung haben mit Fortbildungen, Steuern machen,
      zuverlässig und regelmässig zur Arbeit erscheinen, auch bei großen Unwohlsein, mit Stress und
      streitenden Menschen klarkommen, Überstunden, Handyterror vom Chef, Weihnnachtsfeiern usw
      Bei deiner Liste kannst du z.B. sortieren, was in welchem Umfang zumutbar bzw. erreichbar für dich erscheint oder gar nicht in Frage käme. Steuern machen mußt du erst, wenn du einen Mindestverdienst überschreitest, und dazu kannst du dir Hilfe holen (ich mache z.B. die Steuererklärung für meinen Partner). Einen Führerschein braucht man nicht für alle Berufe, und falls du ihn dir zutraust, würde ihn das Amt bezahlen, falls du ein Einstellungsangebot hast. Das zuverlässige Erscheinen wäre nicht notwendig, wenn du von zuhause aus oder selbständig eingeteilt arbeiten kannst. Streß und streitenden Menschen kannst du ausweichen, indem du entweder die Stundenzahl begrenzt oder allein bzw. in 1:1-Situationen arbeitest. Überstunden kannst du selbst festlegen, also wenn du dazu nicht bereit bist, kann dich keiner dazu zwingen. Händi muß man nicht bei sich tragen, ich besitze nicht mal eines, unter anderem deshalb, um meine Ruhe zu haben, wenn ich auswärts bin. Weihnachtsfeiern sind keine Pflichtveranstaltungen, und wenn doch, kannst du entweder krankfeiern oder nur für eine Stunde zum Buffet gehen, dich vollfressen und wieder gehen (meine Taktik zu sozialen Anlässen).


      clefbielefeld wrote:

      es ist das Drumrum. Eben dieses ganze System was
      um die eigentliche Tätigkeit existiert.
      Das stört mich auch, mich stört vor allem die Einstellung, die man mitbringen soll, das Getue, sich "verkaufen" müssen, sich gut darstellen usw.
      Man kann nicht einfach irgendwo hingehen, Probearbeiten oder Praktikum machen und dann sagen, daß man da so und so viele Stunden pro Woche mitmachen will, gern auch für weniger Geld usw.... nein, man muß sinnlose Standardbewerbungen auf Stellenanzeigen tätigen, die eh nicht in Frage kommen...


      Pyromella wrote:

      Ich habe mich mit meinem Hobby selbstständig gemacht.
      Das würde ich auch gern, aber das geht leider nicht in Teilzeit. Das Amt unterstützt nur Selbständigkeit im Vollerwerb und auch nur mit tragfähigem Konzept. Man kann es natürlich trotzdem machen, aber das wird nicht als Arbeit "anerkannt".
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Ich habe auch nie in der Arbeitswelt Fuß fassen können. Ich habe weder einen Führerschein (klappte nicht, weil ich damit besonders an Kreuzungen völlig überfordert war) noch eine Ausbildung. Ich habe jahrelang krampfhaft versucht, einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz zu finden, habe diverse Praktika und Jobcenter-Maßnahmen gemacht, aber ich war immer mit dem Drumherum überfordert. Ich konnte nicht mit anderen Menschen (zusammen-) arbeiten, war zu schnell überfordert und habe den Überblick verloren. Vor allem war ich immer zu langsam. Ständig wurde mir gesagt, ich müsste schneller arbeiten, aber das kann ich einfach nicht. Versuche ich es, mache ich jede Menge Fehler, werde ich nervös und irgendwann geht dann gar nichts mehr, weil es mich völlig überfordert. Irgendwann nach der Diagnose kam dann so langsam die Erkenntnis, dass ich wohl nie auf dem ersten Arbeitsmarkt werde Fuß fassen können. Ich habe mir dann zwei WfbM angesehen, aber wieder war es das Drumherum, dass mich überfordert hat. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass ich nicht in der Arbeitswelt Fuß fassen werde. Manchmal muss man den Tatsachen einfach ins Auge sehen.
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Windtänzerin wrote:

      Vor allem war ich immer zu langsam. Ständig wurde mir gesagt, ich müsste schneller arbeiten, aber das kann ich einfach nicht.
      Diese Aussage macht mir jetzt etwas Sorge, denn genau das kriegt meine Tochter nämlich immer zu hören, und die habe ich schon ein Jahr zurückstellen lassen. Ich finde, es gibt doch genug Stellen, bei denen man gemütlich und in Ruhe arbeiten kann, wieso werden die dann nicht bevorzugt an Menschen vermittelt, die keinen Streß mögen?

      Windtänzerin wrote:

      war es das Drumherum, dass mich überfordert hat
      Kannst du Beispiele nennen? Also was hätte wie anders sein müssen, damit du es länger ausgehalten hättest?
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Necroghoul7 wrote:

      Das stört mich auch, mich stört vor allem die Einstellung, die man mitbringen soll, das Getue, sich "verkaufen" müssen, sich gut darstellen usw.
      Man kann nicht einfach irgendwo hingehen, Probearbeiten oder Praktikum machen und dann sagen, daß man da so und so viele Stunden pro Woche mitmachen will, gern auch für weniger Geld usw.... nein, man muß sinnlose Standardbewerbungen auf Stellenanzeigen tätigen, die eh nicht in Frage kommen...
      Ja, das triffst eigentlich viel genauer als meine Liste eben.

      Tatsächlich verzweifel ich auch an diesem "sich verkaufen" müssen. Es ist so anstrengend für
      mich nicht "Ich selbst" sein zu dürfen.

      Deine Wünschen kommen mir richtigbekannt vor :) Damit wäre mein Problem wirklich gelöst.
    • Necroghoul7 wrote:






      Pyromella wrote:

      Ich habe mich mit meinem Hobby selbstständig gemacht.
      Das würde ich auch gern, aber das geht leider nicht in Teilzeit. Das Amt unterstützt nur Selbständigkeit im Vollerwerb und auch nur mit tragfähigem Konzept. Man kann es natürlich trotzdem machen, aber das wird nicht als Arbeit "anerkannt".
      Ich habe das Glück dass meine Mann einen gut bezahlten Job hat und ich das so machen kann. Ich habe ein Kleingewerbe angemeldet. Mit dem Arbeitsamt hatte ich noch nie was zu tun, kann mir aber vorstellen dass das wirklich schwierig ist.
      :!: -dies ist nur ein Auszug meiner Gedanken und Meinungen, der Rest hängt noch in der Bearbeitungsschleife fest- :!:
    • clefbielefeld wrote:

      Es ist so anstrengend für
      mich nicht "Ich selbst" sein zu dürfen.
      Ja, anstrengend finde ich auch, daß man sich zwangsweise die Einstellungen anderer Arbeitnehmer zum Thema Arbeit aneignen soll:
      Wenn man z.B. bei einer Tätigkeit hilfsbereit und uneigennützig ist und sich bemüht, etwas zu verbessern, ohne dafür mehr Geld oder Status zu erhoffen, dann zieht man gleich Mißtrauen und Feindseligkeit auf sich oder man wird gnadenlos ausgenutzt. Oder wenn man nur seine Arbeit machen will und sich nicht für das soziale Hickhack oder Miteinander interessiert, weil man eh nichts beizutragen hat, was gut ankäme, wird man als "nicht teamfähig" eingestuft, obwohl man in Bezug auf die Arbeit selbst durchaus an das übergeordnete Wohl denken kann. Und wenn man sagt, daß es einem wichtiger ist, daß die Arbeit sinnstiftend ist und einem Freude bereiten soll, dann heißt es gleich, das sei ja nun wirklich zuviel erwartet. Dabei heißt es doch immer wieder, daß die Leute besser arbeiten, wenn sie genau das fühlen, was ich "zwangsweise einfordere".
      Und am allermeisten überfordert mich die Widersprüchlichkeit der Anforderungen: Man soll offen und authentisch sein, aber wenn man das ist, kommt es negativ an. Wenn man dann schauspielert, ist es auch wieder nicht recht. Das fängt schon beim Bewerbungsgespräch an, angeblich soll man die Wahrheit sagen und dann doch wieder nicht. Aber ich verkaufe doch keine Zahnpasta oder meine Seele, sondern bloß meine Arbeitskraft, und auch die würde ich lieber verschenken, weil dann weniger erwartet wird.

      Ich finde es übrigens toll, daß du mich verstehst. Auch wenn unsere Bedürfnisse in diesem System wohl "unrealistisch" sind. Es ist schade, daß es kaum Arbeitgeber gibt, die unsere Stärken sehen und dafür ein paar "Macken" in Kauf nehmen würden. Das ist auch recht unlogisch, aber vermutlich wurde denen auch aingetrichtert, wie ein Arbeitnehmer zu sein hat, und wenn man nicht ins Schema paßt, wird man gleich abgeblockt und bekommt keine Chance. :(
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Pyromella wrote:

      Ich habe ein Kleingewerbe angemeldet
      Ich habe nachgefragt, das würde bei mir nicht einmal als Ersatz für eine Teilzeittätigkeit gelten, ich müßte mich trotzdem weiter bewerben wie vorher, es sei denn natürlich, ich käme damit schon über das Existenzminimum.


      Windtänzerin wrote:

      Man hätte nur alle anderen Mitarbeiter der Werkstatt in den Urlaub schicken müssen. Dann hätte ich da wohl prima arbeiten können.
      Haben sie dich genervt oder kannst du allgemein nicht arbeiten, wenn jemand in deiner Nähe ist? Ich dachte, in solchen Werkstätten werkelt jeder in seinem Tempo vor sich hin und hat nur soviel Kontakt mit den anderen, wie er gern will. Ich hatte das beim Coaching mal angesprochen, aber es hieß leider, das käme für mich nicht in Frage.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • Bin noch im Studium (und habe auch da so meine Probleme), aber ich kann mir auch überhaupt nicht vorstellen, wie ich jemals in der Arbeitswelt "zurechtkommen" sollte.

      Wird dir zwar bei der "Lösung" deiner Schwierigkeiten nicht viel helfen, aber wenigstens fühlst du dich dann nicht so alleine. ;)
      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Morgenstern (Vor einem Moment) aus folgendem Grund: Beitragsqualität hochgeschraubt
      Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen "Sie" weiter.
    • @Necroghoul7 wir hatten mal eine ausgelagerte Fläche neben einer WfB (mit Menschen, die noch vergleichsweise fit sind). Tierlaute über Stunden am Stück waren keine Seltenheit. Manche schreien plötzlich... kommt vor, dass wir direkt dort zu tun haben, mit plötzlichen Knuddelattacken oder spontan verliebten ist zu rechnen. Allgemein eher distanzlos halt, aber auf irgendwie nette und niedliche Weise. Wer damit nicht klarkommt hat aber definitiv ein riesen Problem dort.


      Ich wäre übrigens grandios gescheitert, wenn ich ein normales Bewerbungsgespräch gehabt hätte. Bin damals aber über eine Zeitarbeitsfirma reingerutscht (die hat damals eigentlich nur interessiert, dass man lesen und schreiben kann und nicht alkoholkrank ist). Zur Übernahme gab's dann zwar Gespräche, aber effektiv kannte man sich ja schon und wusste was man voneinander zu erwarten hat. Da es Haustarife gibt musste ich auch nichts finanzielles ausfechten. Das wäre mein extremer Schwachpunkt gewesen - etwas einfordern. Blieb mir zum Glück schlicht erspart.
    • Necroghoul7 wrote:

      Polarlicht wrote:

      mit plötzlichen Knuddelattacken
      Du meinst, es kann passieren, daß einer einen dort ohne zu fragen anfäßt?
      Plötzlich und ohne Nachfragen umarmen kommt nicht selten vor.
      Am Arm oder so anfassen schon gar nicht mitgerechnet.

      Necroghoul7 wrote:



      Polarlicht wrote:

      über eine Zeitarbeitsfirma reingerutscht
      Darf ich fragen, in welchem Bereich und mit wie vielen Leuten du gleichzeitig maximal zu tun hast?
      Ist ein Qualitätsdienstleister. Sprich wir kontrollieren Bauteile auf angezeigte Fehlerbilder (das Sortieren an sich gilt als anlernbare Tätigkeit).
      Effektiv kannst du dir vorstellen, dass dir jemand eine Palette voller Würfel hinstellt und du kontrollierst, ob die alle die passende Augenzahl haben oder ob da welche mit mehr als einer 6 dabei sind oder komplett unbedruckte, abgebrochene Ecken etc. Fehlerfreies und schnelles Arbeiten wird vorausgesetzt, genauso wie die Tatsache, dass die Aufmerksamkeit beim 34567. Würfel die gleiche ist wie beim ersten. (Natürlich sind's keine Würfel, sie dienen nur als nachvollziehbares Beispiel).

      Wie viele Leute um mich rum sind ist von Schicht zu Schicht bzw auch von der Auftragslage anders. Nachts sind wir 4-5, Tags manchmal 20-25. Wir hocken aber nie alle auf einem Haufen, sodass man maximal 4-5 überhaupt in Hörweite hat was Unterhaltungen oder so angeht. Meist machen 2-3 Leute das gleiche, oder sogar ganz alleine. Eigentlich kann man ab 3 Leuten sagen man holt sich seine eigenen Teile, damit man sich nicht im Weg rumsteht.
      Hinzu kommen halt noch die Mitarbeiter vom Auftraggeber oder ähnlichem, Logistiker, die Teile bereit stellen etc - die sieht man meist aber wirklich nur dafür und kennt sie nach einer Weile auch alle.
      Man sollte aber Maschinengeräusche ertragen können, da man manchmal auch in irgendwelchen Hallen steht wo eben etwas verarbeitet wird.

      Wenn dich mehr interessiert, dann am besten per pn - auch wenn mich wahrscheinlich ohnehin jeder erkennt, der mich kennt.
    • Polarlicht wrote:

      Am Arm oder so anfassen schon gar nicht mitgerechnet.
      Direkt während der Arbeit? Das macht mich richtig aggressiv, vor allem, wenn ich weiß, daß es zwecklos ist, denjenigen anzumeckern.

      Danke für die Antwort, es hatte mich nur interessiert, in welchen Bereichen man genommen wird, auch wenn man "komisch" wirkt oder keinen guten Lebenslauf vorzuweisen hat. Von den Würfeln würde ich wahrscheinlich nach zwei Tagen träumen oder sie überall an der Wand sehen, keine Ahnung, ob und wie lange ich das könnte. Aber Zeitungen austragen ist ja auch nicht sehr .... spannend.
      Wenn einem die Bezüge verlorengehen, wird das "All" zum "Nichts".
    • @Necroghoul7

      Ja "die Freunde" wie wir liebevoll sagen stehen manchmal urplötzlich neben dir. Manche sagen mehrfach guten Tag, meiner Meinung nur des Körperkontakts wegen.

      Es wechselt ja ständig. Sonst würde ich wohl auch durchdrehen. Das Grundgerüst (man sortiert) bleibt gleich, aber es sind mal Würfel und mal Bälle, dann wieder Federn oder Teddybären (fiktive Beispiele - das meiste ist Automobilindustrie).

      Hier vor Ort ist was anlernbare Tätigkeit im Industriebereich angeht gerade so richtig Ebbe an gutem Personal. Wer aktuell will, der findet auch was, muss sich dann "nur" vor Ort profilieren und nicht für alles zu fein sein (vieles ist nunmal nicht so spannend).
    • Windtänzerin wrote:

      Ich konnte nicht mit anderen Menschen (zusammen-) arbeiten, war zu schnell überfordert und habe den Überblick verloren. Vor allem war ich immer zu langsam. Ständig wurde mir gesagt, ich müsste schneller arbeiten, aber das kann ich einfach nicht. Versuche ich es, mache ich jede Menge Fehler, werde ich nervös und irgendwann geht dann gar nichts mehr, weil es mich völlig überfordert.
      Ganz genau so ging es mir auch. Auch ich bin sehr langsam und konnte im Berufsleben nie Fuss fassen.
      Körperkontakt kann ich auch nicht ertragen, ist ein ganz großes Problem von mir.
      Nun bin ich seit 2014 in Erwerbsunfähigkeitsrente.
    • Windtänzerin wrote:

      Ich konnte nicht mit anderen Menschen (zusammen-) arbeiten, war zu schnell überfordert und habe den Überblick verloren. Vor allem war ich immer zu langsam.
      Das kenne ich alles sehr gut. Und wenn andere mich dann unter Druck setzen (oder ich mich selbst), dann klappt es gar nicht mehr, und ich mache viele Flüchtigkeitsfehler, oder bin plötzlich völlig "verpeilt" und weißt gar nichts mehr. Auch in komplexen Situationen mit vielen Menschen kann mir das so gehen, insbesondere bei "praktischen" Tätigkeiten. Gleichzeitig sind Routine-Arbeiten aber auch ungeeignet für mich, da bekomme ich nach kurzer Zeit Konzentrationsprobleme und mache ebenfalls viele Fehler. Einen Führerschein habe ich auch nicht, weil ich im Straßenverkehr schnell die Übersicht verliere.

      Necroghoul7 wrote:

      Und am allermeisten überfordert mich die Widersprüchlichkeit der Anforderungen: Man soll offen und authentisch sein, aber wenn man das ist, kommt es negativ an. Wenn man dann schauspielert, ist es auch wieder nicht recht. Das fängt schon beim Bewerbungsgespräch an, angeblich soll man die Wahrheit sagen und dann doch wieder nicht.
      Oh ja, das sind so üble "Doppelbotschaften". Man soll "authentisch" wirken, aber genau darauf soll man sich detailliert und ausführlich vorbereiten, um eben souverän und nicht nervös sein. Lücken etc. sind kein Problem, wenn man sie positiv darstellt, auf eine Art, die einem keiner als Lüge nachweisen kann. Geht letztlich tatsächlich nur um Außenwirkung .... Ich konnte das auch noch nie bedienen. Irgendwann wurde mir mal klar, dass ich tatsächlich nie ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch hatte. Alle Chancen, die sich für mich überhaupt ergaben, kamen anders zustande. Entweder, man kannte mich vorher schon persönlich und bot mir den Job explizit an, oder ich musste mich ausschließlich schriftlich bewerben (was wegen des ungünstigen Lebenslaufs inzwischen aber nicht mehr funktionieren würde, auch, weil ich dadurch sehr verunsichert bin und mich dadurch selbst schriftlich kaum noch positiv darstellen kann).
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • In den WfbM sind die Leute z.T. nicht nur sehr aufdringlich, sondern vor allem auch sehr laut. Dazu noch die Hektik, weil alles durcheinander rennt. Da kommt dann plötzlich einer aus der Holzwerkstatt bei den Töpferleuten an und bringt erst mal alles durcheinander, bis sein Betreuer ihn dann wieder 'eingefangen' hat. Auf dem Hof ist der Gabelstaplerfahrer so stolz, dass er den Gabelstapler fahren darf, dass er es durch andauerndes Hupen allen anderen mitteilt und in der Ecke versucht das Radio, den Lärm der Maschinen aus der Holz- und der Metallwerkstatt zu übertönen. Dazu kommen zur Krönung auch noch Gerüche nach Lacken und anderen Chemikalien (und Mittags auch noch Essensgeruch). Das alles überfordert mich und macht mich aggressiv. Für mich ist so eine WfbM das reinste Folterlager. 8o

      Vorstellungsgespräche sind für mich auch ganz schlimm. Es ist für mich schon ein Krampf, überhaupt dahin zu finden, wo ich hin muss. Und egal, wie sehr ich mich auf das Gespräch vorbereitet habe, schon bevor ich im Gespräch bin, ist jede Vorbereitung wie aus dem Gehirn gelöscht. Auf unverhoffte Antworten weiß ich dann keine Antwort und ich bin zudem nicht fähig, mich gut zu verkaufen. Ich wirke dann uninteressiert und schlechtgelaunt, obwohl ich einfach nur gestresst und überfordert bin. Ich werde aber auch nur sehr selten mal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Meistens kommt meine Bewerbung gleich in den Papierkorb, weil mein Lebenslauf eine einzige Lücke ist und ich schon ewig arbeitslos bin. :oops:

      Naja, so einen Arbeitsplatz, wie ich ihn bräuchte, gibt es hier laut den Mitarbeitern des Jobcenters und der AfA aber auch gar nicht. Der müsste nämlich reizgeschüzt sein und ohne großen Kontakt zu anderen Menschen. Dazu dürfte die Tätigkeit nicht zu stupide sein (ansonsten bekomme ich Konzentrationsprobleme), aber es darf auch nicht dauernd was anderes/neues sein (was mich dann schon wieder überfordern würde). Ich müsste dort in meinem eigenen Tempo arbeiten dürfen (bin wie gesagt sehr langsam) und zudem müsste es auch noch gut zu erreichen sein (und zwar ohne den ÖPNV benutzen zu müssen, da der mich auch überfordert). Wenn es dann noch ein Beruf wäre, in dem ich mein SI Botanik ausleben könnte, würde ich vielleicht sogar Vollzeit arbeiten können. Aber wie gesagt, so einen Arbeitsplatz gibt es hier nirgends und deswegen bin ich sogar bei der Reha-Abteilung der AfA rausgeflogen. Laut Gutachten (nach Aktenlage) des ärztlichen Dienstes zwar angeblich voll arbeitsfähig, aber aufgrund der vielen Vermittlungshemmnisse trotzdem unvermittelbar. x(
      Ich bin nicht auf der Welt, um zu sein, wie Andere mich gern hätten.
    • Leonora wrote:

      Geht letztlich tatsächlich nur um Außenwirkung .... Ich konnte das auch noch nie bedienen.
      Ich auch nicht. Ich mache das, was ich mache nicht, um es irgendwem recht oder schön oder gut zu machen, sondern weil es notwendig ist. Entsprechend sind auch meine Inhalte, das, was ich schreibe, was ich sage, wie ich es sage und wie ich mich verhalte. Jeder Anpassungsversuch scheitert. Ich ecke damit an, weil es gerade in meinem Job (sozialer Bereich) sehr viel mehr um Befinden geht, um reden und oft um rum jammern, was alles nicht gut läuft.....aber auf keinen Fall will irgendwer, irgendwas geregelt haben oder gar verbessert oder einfach nur logisch organisiert, damit der Laden läuft. Er läuft für mich so gar nicht. Es gibt bei uns keine Struktur, es gibt haufenweise verwirrende soziale Interaktionen und versteckte Regeln, die jeder zu kennen scheint, außer mir. Es gibt ständig und immer irgendwelche informellen Zusammenkünfte. Jede Gelegenheit wird zu gemeinsamem Kochen und Co genutzt. Das Heftigste, was ich diesbezüglich je erlebt habe, war eine Gedenkstunde an eine lange verstorbene Mitarbeiterin, die noch nicht mal beliebt war. Da wurde gekocht und gemeinsam gegessen (ohne mich!), um ihrer zu gedenken 8o . Da soll ich jetzt klar kommen! Ich mache diesen Irrsinn seit Jahrzehnten mit und merke, wie mir die Löffel ausgehen (RW). Trotz dem Versuch, meine Bedingungen anzupassen, bin ich jedes mal, wenn ich einen Fuß ins Büro setzt und mit all dem konfrontiert bin, total aus dem Lot.

      Windtänzerin wrote:

      Ständig wurde mir gesagt, ich müsste schneller arbeiten, aber das kann ich einfach nicht.
      Bei mir ist das anders rum. Ich bin immer viel zu schnell. Das überfordert alle, insb. die Chefs. Ich mache etwas und es liegt ewig auf Halde, bis ich gar nicht mehr weiß, worum genau es ging. Es führt dazu, dass meine Chefin mit mir konkurriert, weil ich einfach das eine oder andere besser weiß und kann als sie. Ich will nicht konkurrieren, ich will nur etwas vorwärts bringen. Warum soll ich warten, wenn ich weiß, wie es geht. Völlig unlogisch.
      Ich bin immer wieder hin und her gerissen, ob ich weiter arbeiten oder EM Rente beantragen soll- es zumindest versuchen soll. Ich frage mich immer wieder, was mich im Job hält. Ich bin 50, ich habe Jahrzehnte Quälerei hinter mir. So what!
      Den Idealen Arbeitsplatz gibt es nicht. Außer in der Selbständigkeit. Aber da ist mein Sicherheitsbedürfnis im Weg und meine schwachen, exekutiven Funktionen. Ich bin nicht gut darin, etwas für mich selbst zu planen und zu initiieren und vorherzusehen, was es braucht, was es nicht braucht und was daraus werden kann. Und wie es so werden kann. Für andere kriege ich das besser hin, als für mich selbst. Arbeit ist mein Hauptstressor und ein ganz, ganz schwieriges Thema für mich.