Diagnose in der ReHa-Klinik

    • Eismensch schrieb:

      ich solle "offener" werden und "mehr lachen", mir generell eine "positivere Ausstrahlung" aneignen.
      Solche "Allgemeinplätze" sind vielleicht gut gemeint, aber leider wenig hilfreich. Aber solange du deine Arbeit gut machst und wenigstens höflich und freundlich zu allen bist, finde ich nicht, daß er das Recht hat von dir zu verlangen, wie oft du zu lachen hast oder durch irgendwelche künstlichen Maßnahmen deine Ausstrahlung zu verändern.


      Shenya schrieb:

      , sondern nur, dass man unter Druck gerät und nicht mehr so schnell alle Kompensationstechniken abrufen kann.
      Stimmt, es reicht ja auch zum Auffällig-werden aus, daß man sich so dämlich verhält, daß die anderen darüber verdutzt sind.
    • Sparky schrieb:

      Nein. Das stimmt nicht. Autismus ist kein Symptom, sondern ein Syndrom, also eine Ansammlung bestimmter Symptome. Und das ist ziemlich unabhängig von Schizophrenie, es ist ein anderes Störungsbild.

      Shenya schrieb:

      Ein Zustand bei der Schizophrenie wurde von Eugen Bleuler als "Autismus" bezeichnet. Dieser Zustand hat aber mit dem, was heute als Autismus bezeichnet wird, nur Äußerlichkeiten gemeinsam (nämlich den Rückzug von Menschen, auf sich bezogen sein). Es ist auch ein Zustand, der bei Schizophrenie nicht dauerhaft vorliegen muss, während Autismus ja unveränderlich ist und von Geburt an besteht. Autismus ist demnach KEIN Symptom von Schizophrenie, sondern bei Schizophrenie kommt ein Zustand vor, der Autismus ähnlich sieht.
      Ja, bezogen auf ADOS ist es ja Außenwirkung.
      Ich wollte auch nicht damit ausdrücken, dass jeder Schizophrene Autist im Sinne von Geburt an und den Genen nach oder ähnlich ist, sondern nach außen hin diesen Schluss erwirkt.
      Diagnostik ist ja nur Beobachtung - ADOS.

      "Bleuler prägte zahlreiche Begriffe der heutigen psychiatrischen Fachsprache (darunter „Schizophrenie“, „schizoid“, „Autismus“, „Ambivalenz“, „Affektivität“ und „Tiefenpsychologie“)."

      "8) Autismus: Es handelt sich nach E. Beuler um ein Grundsymptom der Schizophrenie. Beuler versteht unter Autismus die Absonderung von der Real-Welt in die individuelle eigene wahnhafte Welt. Hierbei unterscheidet man:
      A) Sekundärer Autismus[u]: Als Bewältigungs-, Schutz- oder Selbsthilfestrategie, wenn schizophrenen Patienten den Kontakt mit Mitmenschen als nachteilig oder emotionale Überbeanspruchung empfinden; sie antworten mit einer Verschlechterung der Symptomatik = Coping behavior.
      B) Primärer Autismus: Es kommt zu einer primären Abwendung von der Real-Welt mit sozialer Isolation. Die Extremform des Autismus ist geprägt von Mutismus und Stupor."

      Es schien mir einleuchtend durch diese Tatsache, dass Schizophrene die cut-offs im ADOS erreichen, wenn sie ja nach außen so wirken und vielleicht auch denken.
      Ich kenne keinen Schizophrenen muss ich dazu sagen.

      Bei dem ganzen Hin und Her, die Umdeutungen von Inhalten der Begriffe, kann man verwirrt werden.
      Offenbar hat sich der Begriff emanzipiert. :d

      Necroghoul7 schrieb:

      Mein Diagnostiker meinte, daß sich Schirophrenie aus unerkanntem Autismus entwickeln könne. Keine Ahnung, wie oft das geschieht, habe nicht weiter nachgefragt.
      Das kann man auch aus dem ICD herauslesen:
      Asperger-Syndrom

      "Gelegentlich treten psychotische Episoden im frühen Erwachsenenleben auf."

      >>Warte nicht auf das Jüngste Gericht. Du stehst jeden Tag vor deinem Richter.<<
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

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    • Shenya schrieb:

      Necroghoul7 schrieb:

      Ahso, dann habe ich keinen Autismus. Ich dachte eher, daß sich das gerade dadurch auszeichnet, daß sogar ein Laie merkt, daß derjenige scheinbar grundlos seltsam ist.
      Lies doch mal die letzten Seiten nach, wie vehement sich dagegen gewehrt wurde...
      Shenya, ich glaube du missverstehst mich.
      Seltsam war ich schon immer. Anders als die anderen, die fanden mich doof und komisch.
      Ich hab nur wenige Freunde, aber die dafür sehr lange.
      Aufgefallen ist das auch schon sehr früh. Ich war im Kindergarten das komische Klugscheisser-Kind was unterm Tisch gesessen hat und ich fand meine Erzieherin ungerecht und inkompetent. Ich war als Kind schon immer wieder beim Arzt und seit ich 14 bin immer wieder beim Psychologen. Weil meine Eltern und Lehrer das eben auch gemerkt haben. Aber den wirklichen Grund hat halt niemand erkannt. Ich habe eine lange Liste von psychologischen Fehldiagnosen. Dass diese nicht unbedingt stimmen erkennt man daran, dass jeder Arzt was anderes gesagt hat. Wenn da was handfestes wäre, dann wären sich ja wenigstens zwei mal einig gewesen. Aber dem war nicht so. Und Persönlichkeitsstörungen sind auch eher nicht angeboren...
      Ich will damit nicht sagen, dass ich mir keine Persönlichkeitsstörungen oder Depression "eingefangen" habe, das ergibt sich natürlich zwangsläufig auf so einem Weg. Aber die sind alle nicht eindeutig klinisch zuzuordnen, ich hab von hier und da ein bisschen. Wobei ich seit meiner frühen Kindheit klinisch ins Bild passe ist Asperger. Dazu ein paar Züge von ADS (ohne Hyperaktivität) und die Problematiken einer Hochbegabung. Sonst hätte ich ja auch keine Asperger-Diagnose bekommen. Und ich sag es nochmal: ENDLICH!!!! :D Und ja, ich freue mich immernoch darüber. Nicht darüber dass ich es habe, sondern dass endlich klar ist was los ist und ich somit eine Grundlage habe an der ich arbeiten kann, auch zusammen mit meiner Therapeutin. Weg von "aber ich muss doch dies und das", hin zu "ich kann aber eigentlich auch so und so, dann gehts mir besser." :)
      Dieses extreme Kompensieren mache ich in Situationen, in denen ich unter direkter Beobachtung stehe und somit schneller als komisch empfunden werden könnte als wenn ich in der Gruppe untertauchen kann. Elterngespräche, Termine bei Behörden oder eben auch Arzttermine. Ich bereite mich auf solche Termine mehrere Tage im Kopf vor und überlege was ich sagen werde, wie ich rede, gucke, mich bewege etc. und das ist sehr anstrengend. Danach brauch ich meist mindestens einen Tag Pause. Und ich bin gerade dabei mir das abzugewöhnen, aber das ist ein langwieriger Prozess, wen man bedenkt dass ich mir das über Jahrzehnte antrainiert habe.
      :!: -dies ist nur ein Auszug meiner Gedanken und Meinungen, der Rest hängt noch in der Bearbeitungsschleife fest- :!:
    • Cloudactive schrieb:

      die Umdeutungen von Inhalten der Begriffe, kann man verwirrt werden.
      Ja, ich glaube, das Mißverständnis lag in der Formulierung, Autismus sei ein Symptom von Schizophrenie, vielmehr sind einige autistismustypische Verhaltensweisen Symptom von Schizophrenie, ohne daß die Betroffenen die Autismusdiagnose haben müssen. Da kann es zu Verwirrungen kommen, z.B. zwangshafte Persönlichkeitsstörung vs. Zwangsstörung. Es ist gut, daß du das noch einmal genau erläutert hast.


      Cloudactive schrieb:

      dass Schizophrene die cut-offs im ADOS erreichen, wenn sie ja nach außen so wirken und vielleicht auch denken.
      Das Problem sehe ich eher darin, daß eine sinvolle Auswertung oft nur möglich wäre, wenn der Schirophrene nicht mitkriegen würde, daß er gerade getestet wird. Meine Mutter und zwei ehemalige Bekannte würden sonst nur Schrott produzieren, z.B. absichtlich lächerliche Antworten, Provokationen, Wahnideen, "ADHS"-Verhalten o.ä.
      Tests sind immer dann am besten, wenn man sich darauf auch wirklich einläßt und möglichst bemüht mitmacht. Die Schizophrenen, die ich kannte, haben genau das nicht gemacht: Bemüht mitgearbeitet oder sich an irgend welche Absprachen oder Vorgaben gehalten.


      Pyromella schrieb:

      Aber die sind alle nicht eindeutig klinisch zuzuordnen, ich hab von hier und da ein bisschen.
      Schön gesagt, geht mir auch so. Und je mehr man darüber liest, desto mehr erkennt man sich auch hier und da wieder. :sarcasm:
    • Necroghoul7 schrieb:

      Pyromella schrieb:

      Aber die sind alle nicht eindeutig klinisch zuzuordnen, ich hab von hier und da ein bisschen.
      Schön gesagt, geht mir auch so. Und je mehr man darüber liest, desto mehr erkennt man sich auch hier und da wieder. :sarcasm:
      Genau deshalb mache ich das nicht mehr. :) Ich habe vor ca. 10 Jahren mal den ICD10 auswendig gelernt mit den einzelnen Symptomen der unterschiedlichen Störungen, weil mir das geholfen hat andere Menschen besser einzukategorisieren und zu verstehen. SI Psychologie ;)
      Meine Therapeutin wollte mich schon in ihrer Praxis einstellen :d
      :!: -dies ist nur ein Auszug meiner Gedanken und Meinungen, der Rest hängt noch in der Bearbeitungsschleife fest- :!:
    • Pyromella schrieb:

      Genau deshalb mache ich das nicht mehr. :) Ich habe vor ca. 10 Jahren mal den ICD10 auswendig gelernt mit den einzelnen Symptomen der unterschiedlichen Störungen, weil mir das geholfen hat andere Menschen besser einzukategorisieren und zu verstehen. SI Psychologie ;) Meine Therapeutin wollte mich schon in ihrer Praxis einstellen :d
      :m(: und ich werde schon für irre erklärt, weil ich auf Arbeit viele Teilenummern auswendig kann oder anhand der Nummer schon sehe was es für ein Teil sein wird...

      Dass ich seltsam bin steht wohl außer Frage. Der Psychiater tippte anfangs auf schizoid. Hat das dann aber widerrufen und in Autismus geändert - übrigens ohne dass ich ihm von meinem Verdacht erzählt habe.
    • Pyromella schrieb:

      ich glaube du missverstehst mich
      Du mich auch, glaube ich, aber inzwischen ist so viel geschrieben worden, dass ich selber nicht mehr weiß, wer eigentlich was geschrieben hat. ;)

      Pyromella schrieb:

      ich bin gerade dabei mir das abzugewöhnen, aber das ist ein langwieriger Prozess, wen man bedenkt dass ich mir das über Jahrzehnte antrainiert habe
      Das ist auch immer eine Gratwanderung, man muss sich überlegen, in welchen Situationen man weiter angepasst sein sollte und in welchen man versuchen kann, authentischer zu werden. Und erstmal rausfinden, wie man eigentlich ist, wenn man authentisch ist.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Pyromella schrieb:

      weil mir das geholfen hat andere Menschen besser einzukategorisieren und zu verstehen.
      Das Problem an diesen Diagnosekriterien ist ja nicht nur, daß man sich und andere dann überall "wiedererkennt", sondern auch, daß der Fokus damit auf die Defizite gelenkt wird und nicht auf die Stärken und Ressourcen. Das vermindert das Selbstvertrauen und lenkt die Energie und das Lernvermögen ja davon ab, wie man im Leben besser klarkommen oder auch anderen helfen könnte. Es ist noch keinem geholfen, wenn man ihm genau erklärt, worin er dysfunktional/gestört erscheint, sondern eher, wenn er konkrete Hilfen und Tipps bekommt. Meine Aspergerdiagnose hat mir z.B. an sich noch gar nicht weitergeholfen, nur das, was ich aus eigenem Antrieb danach gemacht habe, z.B. mich hier anzumelden bzw. allgemein darüber zu belesen oder die Gleichstellung zu beantragen.
    • Shenya schrieb:

      aber inzwischen ist so viel geschrieben worden, dass ich selber nicht mehr weiß, wer eigentlich was geschrieben hat.
      Wenn man sich nicht gerade speziell für die Meinung oder die Berichte eines bestimmten Nutzers interessiert, reicht es doch völlig aus, daß man sich merkt, was überhaupt geschrieben wurde, und davon auch nur das, was einem merkenswert erscheint, oder?! Nicht daß ich hier noch abgefragt werde, wer was auf Seite 4 dieser Diskussion schrieb! 8o :fun:
    • Ja, das stimmt, es ist wirklich sehr negativ. Darum mache ich das auch nicht mehr, jedenfalls nicht mehr so oft.
      Mene Diagnose war für mich positiv, aber auch weil ich eine wirklich tolle Therapeutin habe die es echt schafft aus allem immer das Positive rauszuziehen.
      :!: -dies ist nur ein Auszug meiner Gedanken und Meinungen, der Rest hängt noch in der Bearbeitungsschleife fest- :!:
    • Hab jetzt nichts gelesen außer dem Startposting aber ich sehe das Diagnoseposting kam fast genau zwei Jahre nach deiner Anmeldung hier im Forum! Gratuliere! :)
      Hätte nicht gedacht, dass es inzwischen auch Therapiekliniken gibt, in denen man nicht so blind ist!
      I could work hard to be normal, but I prefer to hold myself a higher standard. Ego lex sum.
    • Am Wichtigsten ist es meiner Meinung nach, dass der Diagnostiker viel Erfahrung mit ASS im Erwachsenenalter hat, unvoreingenommen ist, sich viel Zeit für den Patienten nimmt, seine Probleme ernst nimmt und dass der Patient die Einschätzung des Diagnostikers gut nachvollziehen kann und mit dem Ergebnis zufrieden ist, unabhängig davon, ob der Autismus-Verdacht bestätigt oder widerlegt wurde.
    • Neu

      Lex schrieb:

      Hab jetzt nichts gelesen außer dem Startposting aber ich sehe das Diagnoseposting kam fast genau zwei Jahre nach deiner Anmeldung hier im Forum! Gratuliere! :)
      Hätte nicht gedacht, dass es inzwischen auch Therapiekliniken gibt, in denen man nicht so blind ist!
      Ja, das ist mir auch aufgefallen :)
      Danke! :D


      Grübler_1988 schrieb:

      Am Wichtigsten ist es meiner Meinung nach, dass der Diagnostiker viel Erfahrung mit ASS im Erwachsenenalter hat, unvoreingenommen ist, sich viel Zeit für den Patienten nimmt, seine Probleme ernst nimmt und dass der Patient die Einschätzung des Diagnostikers gut nachvollziehen kann und mit dem Ergebnis zufrieden ist, unabhängig davon, ob der Autismus-Verdacht bestätigt oder widerlegt wurde.
      Ja, das hatte er zum Glück. Er hat wie gesagt in seiner Ausbildung mit erwachsenen Autisten gearbeitet. Das kam mir wohl zu Gute. Er hat natürlich auch nachgefragt wie denn die beiden negativen Einschätzungen zuvor zu Stande gekommen sind, konnte meine Einwände und Ausführungen aber nachvollziehen und sich bereiterklärt nochmal genauer hinzuschauen.
      Am Ende haben wir gemeinsam über den Diagnosekriterien gesessen und zusammen geguckt, ob den nun HfA oder Asperger besser passt. Er fragte nach meiner Kindheit und dann war ziemlich schnell klar, dass es Asperger ist. Ich habe mich richtig gut einbezogen und ernst genommen gefühlt. Nicht oberflächlich beurteilt, sondern intensiv befragt. :)
      :!: -dies ist nur ein Auszug meiner Gedanken und Meinungen, der Rest hängt noch in der Bearbeitungsschleife fest- :!:
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      Grübler_1988 schrieb:

      Gut, dass bei dir genauer nachgeschaut und die Ursache gefunden wurde. :)
      Wobei ich die Unterscheidung zwischen AS und HFA im Erwachsenenalter nicht so wichtig finde. Meine Sprachentwicklung war z.B. damals gestört, aber meine Diagnose heißt "Asperger-Syndrom (F84.5)".
      Ich hab mit 8 Monaten angefangen zu sprechen, mit einem Jahr 4-Wort-Sätze gesprochen und mir mit 4 Jahren selbst das Lesen beigebracht... das hat ihm gereicht :)
      Bei Asperger hatte ich einfach "mehr Punkte" als bei HfA, das wird dann sicher bei dir auch so gewesen sein. Wir sind ja nicht alle gleich :) Und im Grunde ist dieser Unterschied wirklich nicht so wichtig :)
      :!: -dies ist nur ein Auszug meiner Gedanken und Meinungen, der Rest hängt noch in der Bearbeitungsschleife fest- :!:
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      Grübler_1988 schrieb:

      Sprachentwicklung war z.B. damals gestört, aber meine Diagnose heißt "Asperger-Syndrom
      Ja, das ist bei mir genauso. Ich habe erst mit zweieinhalb mein erstes Wort gesagt. Rückblickend lag es ganz profan wohl daran, daß ich schlecht gehört habe, weil es meiner Tochter genauso ging, nur zu meiner Zeit wurde die Entwicklung der Kinder nicht so genau überwacht. Wenn man später (wie ich und meine Tochter) alles rasch aufholt, spricht es gegen eine hirnbedingte Sprachentwicklungsverzögerung.
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      Wann ich genau anfing zu sprechen, weiß ich nicht mehr. Der Beginn war jedenfalls verspätet. Aber dann hatte ich (zumindest schriftlich) schnell aufgeholt, in der Grundschule z.B. schrieb ich fast immer fehlerfreie Diktate und Aufsätze. Es gab bei mir eine große Diskrepanz zwischen meiner mündlichen und schriftlichen Kommunikation. Später ist diese Diskrepanz immer geringer geworden, aber sie ist immer noch vorhanden.

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