Hilfe! Ich soll zur Begutachtung bei einem voreingenommenen Psychiater!

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    • Hilfe! Ich soll zur Begutachtung bei einem voreingenommenen Psychiater!

      Ich habe grad Post vom Landesamt für Soziales, Jugend und Familie bekommen. Denen reichen die vorliegenden Unterlagen für eine sozialmedizinische Stellungnahme nach dem Schwerbehindertengesetz nicht aus und nun soll ich zu einer nervenärztlichen Untersuchung. Und zwar ausgerechnet zu dem Arzt, bei dem ich kurz nach der Diagnose mal war und der mich damals überhaupt nicht zu Wort kommen ließ und meinte, Asperger sei eh nur eine Modediagnose und dass ich das nicht für mein verpfuschtes Leben verantwortlichen machen sollte und ich lieber mal ins BBW nach Bremen gehen sollte, um rauszufinden, woran es wirklich liegt und ich im Anschluß an das Gespräch einen Nervenzusammenbruch hatte. Was kann ich jetzt tun? Kann ich auf einen anderen Gutachter bestehen? Oder hat sich das Thema SBA damit für mich erledigt? Ich bin grad völlig fertig und könnte heulen. Fest steht: Ich werde definitiv auf gar keinen Fall zu dem Kerl zur Begutachtung gehen. Eher spring ich vom nächsten Hochhaus.
      Ganz leise ging sie über die Regenbogenbrücke
      Madame Mim (Mimchen)
      2000 - 2018
    • Ich glaube, ich würde dem Landesamt schreiben, dass du einen anderen Gutachter willst, weil du diesen Gutachter bereits kennst und schlechte Erfahrungen gemacht hast. Wahrscheinlich würde ich sogar genau schreiben, was vorgefallen ist, aber ich bin nicht sicher, ob das eine gute Strategie ist. Andererseits bin ich mit Ehrlichkeit meistens gut gefahren, wenn ich mit Behörden zu tun hatte.

      Ich denke schon, dass man auf einen anderen Gutachter in so einem Fall bestehen kann. Theoretisch, wenn du einen anderen Arzt kennen würdest, könntest du sogar einen vorschlagen.

      Als ich im Klageverfahren war wegen dem Antrag auf SBA hat meine Anwältin das gemacht.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Einen anderen Arzt weiß ich leider nicht. Die sind hier ja leider eher rar gesät. Wahrscheinlich werde ich dann weiter weg zur Begutachtung müssen. Aber das ist mir immer noch lieber, als dieser Arzt.
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      Madame Mim (Mimchen)
      2000 - 2018
    • Ich denke, Du brauchst als erstes eine kompetente Beratung von einem Fachanwalt für Sozialrecht, entwedfer über (D)eine Rechtsschutzversicherung oder über bspw. die Mitgliedschaft im VDK. Es muss möglich sein, so einen Gutachter wegen Befangenheit abzulehnen. Am besten der Brief ist anwaltlich formuliert, damit sie gleich merken, dass sie's mit Dir nicht machen können. Ärzte sind in unserem Zusammenhang ja leider oft in Zusammenhänge oder Ideologien eingebunden, die sowas von Wehrmachtsmedizin haben (der Patient muss unter allen Umständen fronttauglich geschrieben werden).
      "Bitte nicht stören. Ich bin schon gestört genug!" (Aufschrift auf einem T-shirt) :smug:
    • Shenya schrieb:

      Ich glaube, ich würde dem Landesamt schreiben, dass du einen anderen Gutachter willst, weil du diesen Gutachter bereits kennst und schlechte Erfahrungen gemacht hast. Wahrscheinlich würde ich sogar genau schreiben, was vorgefallen ist, aber ich bin nicht sicher, ob das eine gute Strategie ist.
      Ich würde auch empfehlen, genau das zu tun, ohne dabei die konkreten Vorwürfe ("verpfuschtes Leben" etc.) zu erwähnen. Aber schon auf die übergriffige Art hinweisen und darauf, dass er Deine Diagnose(n) nicht ernst nahm und beleidigend wurde.
      From my youth upwards my spirit walk'd not with the souls of men. (...)
      My joys, my griefs, my passions, and my powers, made me a stranger.
    • Shenya schrieb:

      Ich glaube, ich würde dem Landesamt schreiben, dass du einen anderen Gutachter willst, weil du diesen Gutachter bereits kennst und schlechte Erfahrungen gemacht hast. Wahrscheinlich würde ich sogar genau schreiben, was vorgefallen ist, aber ich bin nicht sicher, ob das eine gute Strategie ist. Andererseits bin ich mit Ehrlichkeit meistens gut gefahren, wenn ich mit Behörden zu tun hatte.
      Das halte ich für eine gute Idee.
      Man muss nicht immer gleich zur Rechtsberatung oder zum Anwalt, das ist erstmal nicht nötig.

      Es ist auch meiner Meinung nach nicht erforderlich ganz genau zu schreiben was vorgefallen ist sondern so wie Leonora geschrieben hat.

      Auch wenn Du keinen Arzt kennst, das macht ja erstmal nichts es geht darum dass Du einen anderen möchtest als diesen und die Behörde wird da schon einen haben denke ich mal.

      Windtänzerin schrieb:

      Eher spring ich vom nächsten Hochhaus
      Das doch wohl lieber nicht hoffe ich.
      Erstmal ausheulen und dann einen Brief schreiben ist sicherlich die bessere Methode.


      Windtänzerin schrieb:

      Und zwar ausgerechnet zu dem Arzt, bei dem ich kurz nach der Diagnose mal war und der mich damals überhaupt nicht zu Wort kommen ließ und meinte, Asperger sei eh nur eine Modediagnose und dass ich das nicht für mein verpfuschtes Leben verantwortlichen machen sollte
      Ein Arzt der sowas sagt ist ein totaler Blödmann. Der ist überhaupt nicht vertrauenswürdig und auch nicht kompetent. Da würde ich nie mehr hingehen wollen ich kann Dich gut verstehen dass Du da nicht zur Begutachtung willst. Ich würde auch in den Brief schreiben dass der Dich bzw. Deine Diagnose nicht ernstgenommmen hat und gesagt hat es sei eine Modediagnose und dass Du daher zu einem anderen Gutachter möchtest.

      Eismensch schrieb:

      Für meine bezahle ich im Quartal 17,35 Euro.
      Gemessen an dem was sie leistet ist das nicht viel.
      Das ist sinnvoll.
      Davon hat man aber nichts wenn der Ärger schon da ist, versichern muss man sich vorher und ich denke nicht dass Windtänzerin gleich zum Anwalt muss wegen dieser Sache.
      Wenn es zum Prozess kommt kann man Prozesskostenbeihilfe beantragen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kraehe ()

    • Liebe Windtänzerin,
      bitte vergiss nicht, dass das Landesamt für... eine BEHÖRDE ist, d.h. sie ist an Deinen persönlichen Gefühlen etc. wirklich und überhaupt nicht interessiert. Irgendeine Schilderung, wie übergriffig etc. der Psychiater ist, hilft überhaupt nicht weiter; vermutlich arbeitet das Landesamt sogar genau deshalb so gut mit ihm zusammen. Weil der nämlich hilft, die Anerkennungszahlen niedrig zu halten. Das einzige, was die interessiert, ist, ob Du bzw. Dein Anwalt es rechtlich begründen kannst, diesen Gutachter abzulehnen.
      Über Beiträge beim VDK habe ich keine Ahnung. Aber als Hartz IV-Empfängerin hast Du ja auch die Möglichkeit, Prozesskostenhilfe zu beantragen und bestimmt gibt es auch in Deiner Stadt einen Fachanwalt für Sozialrecht, der auf dieser Basis einen Widerspruch schreibt.
      Ich wünsche Dir viel Erfolg!
      "Bitte nicht stören. Ich bin schon gestört genug!" (Aufschrift auf einem T-shirt) :smug:
    • Prozesskostenhilfe zu beantragen ist mir zu viel. Davon habe ich keine Ahnung. Ich weiß weder, wo, noch wie ich das machen muss. Und mir fehlt dazu auch die Energie. Werde meine Betreuerin vom ABW morgen bitten, mir dabei zu helfen, einen Brief ans Amt aufzusetzen, in dem ich um einen anderen Gutachter bitte. Allein krieg ich das nicht hin. Ich bin völlig blockiert und habe üble Kopfweh wegen dem Mist.
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    • Windtänzerin schrieb:

      Werde meine Betreuerin vom ABW morgen bitten, mir dabei zu helfen, einen Brief ans Amt aufzusetzen, in dem ich um einen anderen Gutachter bitte.
      Das ist doch gut, Du hast Unterstützung. Und Prozesskostenhilfe brauchst Du ja auch nur wenn es zu einem Prozess kommt das ist ja derzeit nicht der Fall, auch damit kann Dir die Betreuerin dann helfen.
    • Windtänzerin schrieb:

      Prozesskostenhilfe zu beantragen ist mir zu viel. Davon habe ich keine Ahnung. Ich weiß weder, wo, noch wie ich das machen muss. Und mir fehlt dazu auch die Energie. Werde meine Betreuerin vom ABW morgen bitten, mir dabei zu helfen, einen Brief ans Amt aufzusetzen, in dem ich um einen anderen Gutachter bitte. Allein krieg ich das nicht hin. Ich bin völlig blockiert und habe üble Kopfweh wegen dem Mist.
      PKH würdest du vermutlich für einen Widerspruch auch nicht bekommen, denn noch gibt es ja keinen Prozess. Stattdessen wäre zu überlegen, ob Beratungshilfe beantragt wird. Üblicherweise wird aber von den Rechtspflegern erwartet, dass der Widerspruch noch allein durchgeführt wird. Aber das ist ist regional sehr unterschiedlich.
    • Leonora schrieb:

      Shenya schrieb:

      Ich glaube, ich würde dem Landesamt schreiben, dass du einen anderen Gutachter willst, weil du diesen Gutachter bereits kennst und schlechte Erfahrungen gemacht hast. Wahrscheinlich würde ich sogar genau schreiben, was vorgefallen ist, aber ich bin nicht sicher, ob das eine gute Strategie ist.
      Ich würde auch empfehlen, genau das zu tun, ohne dabei die konkreten Vorwürfe ("verpfuschtes Leben" etc.) zu erwähnen. Aber schon auf die übergriffige Art hinweisen und darauf, dass er Deine Diagnose(n) nicht ernst nahm und beleidigend wurde.
      So würde ich es auch machen. Vielleicht hast du ja Glück und sie nennen dir einen anderen Gutachter, wenn der auch ein wenig weiter weg ist.
    • Windtänzerin schrieb:

      Fest steht: Ich werde definitiv auf gar keinen Fall zu dem Kerl zur Begutachtung gehen. Eher spring ich vom nächsten Hochhaus.
      Ich dachte, du wohnst auf dem Land? Bei dir in der Nähe gibt es vermutlich gar kein Hochhaus :d (Was angesichts deines Plan B kein ganz ungünstiger Umstand ist...)

      alter_brausekopf schrieb:

      bitte vergiss nicht, dass das Landesamt für... eine BEHÖRDE ist, d.h. sie ist an Deinen persönlichen Gefühlen etc. wirklich und überhaupt nicht interessiert. Irgendeine Schilderung, wie übergriffig etc. der Psychiater ist, hilft überhaupt nicht weiter; vermutlich arbeitet das Landesamt sogar genau deshalb so gut mit ihm zusammen. Weil der nämlich hilft, die Anerkennungszahlen niedrig zu halten.
      Genau das war auch mein Gedanke - dass die Behörde @Windtänzerin gerade deshalb ausgerechnet zu diesem Arzt schicken will, weil die ganz genau wissen, dass der die Diagnose nicht ernst nehmen wird und ein für @Windtänzerin ungünstiges Gutachten erstellen wird, damit sie (also die Behörde) nichts zahlen muss bzw. ihr einen zu niedrigen GdB anerkennen kann.
      Whatever you lose, you'll find it again. But what you throw away you'll never get back.
    • alter_brausekopf schrieb:

      bitte vergiss nicht, dass das Landesamt für... eine BEHÖRDE ist, d.h. sie ist an Deinen persönlichen Gefühlen etc. wirklich und überhaupt nicht interessiert.
      Ach, das hängt wirklich von den Leuten ab, die dort arbeiten. Auf der Sachbearbeiterebene sind das ganz normale Menschen wie du und ich. Das heißt, es gibt nette und doofe. Aber reden und erklären ist immer eine gute Idee, und in vielen Fällen kann man damit etwas erreichen.
      Menschen sind auch nur Tiere. - Ich mag Tiere!
    • Shenya schrieb:

      Ach, das hängt wirklich von den Leuten ab, die dort arbeiten. Auf der Sachbearbeiterebene sind das ganz normale Menschen wie du und ich. Das heißt, es gibt nette und doofe. Aber reden und erklären ist immer eine gute Idee, und in vielen Fällen kann man damit etwas erreichen.
      Das ist eine Binsenweisheit und ein Lotteriespiel, wenn man drauf vertraut. Du hast natürlich recht, aber was glaubst Du, wer den "netten" Sachbearbeitern die Regeln vorgibt? Die Verlängerung ihres befristeten Vertrages befürwortet oder nicht? Ist Dir wirklich nicht klar, dass moderne Bürokratien heute wie Unternehmen per Kennziffer gesteuert werden, d.h. also per Anerkennungsquote etc.
      Meine Frau war mal genau für ein Jahr eine nette Sachbearbeiterin in der Widerspruchsstelle eines Jobcenters, hat Akten von vorne bis hinten gelesen, versucht zu verstehen, was das Problem der Widerspruchsführer ist usw. Hätte sie länger dort bleiben wollen, hätte sie nicht mehr nett sein dürfen.
      "Bitte nicht stören. Ich bin schon gestört genug!" (Aufschrift auf einem T-shirt) :smug:
    • alter_brausekopf schrieb:

      Ist Dir wirklich nicht klar, dass moderne Bürokratien heute wie Unternehmen per Kennziffer gesteuert werden, d.h. also per Anerkennungsquote etc.
      Und gerade deshalb ist ein freundlicher, aber bestimmter Widerspruch (der hier durchaus die Form einer Bitte haben kann) angemessen: die müssen immer einen gewissen Überschuß an negativen Bescheiden produzieren, wohl wissend, dass ein Teil davon bestenfalls grenzwertig, oft aber auch rechtswidrig ist, viele Leute das aber still hinnehmen. Und wer dann mit qualifizierten Einwänden kommt, der gehört mit ein wenig Glück zu denen, wo anders entschieden wird, weil man sich den Ärger eines formalen Widerspruchs sparen will, seine Quote aber trotzdem schafft. Also deutlich machen, warum man die Sache anders sieht, hier: warum man den Gutachter für ungeeignet hält. Und dessen Aussage, AS sei eine Modediagnose, ist nun ein erstklassiger Grund. Deshalb würde ich mit der Begründung, dass der Gutachter befangen ist, was man an dieser Aussage erkennen kann, um die Bestellung eines anderen Gutachters bitten.