Amitriptylin REM Schlafphasen

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Amitriptylin REM Schlafphasen

      Hallo,

      Ich wollte mal fragen ob einer von euch weiß was es bedeutet wenn die REM Schlafphasen unterdrückt werden.Das Antidepressiva Amitriptylin hab ich gelesen soll die REM Schlafphasen unterdrücken.Ist das Schädlich für den Körper?

      Danke schon mal für die Hilfe.

      Viele Grüsse
      René
    • Im REM-Schlaf träumt man, wenn der unterdrückt wird, kann man nicht mehr träumen. Da das Träumen aber eine wichtige Funktion der menschlichen Psyche ist, wäre es wohl eher schlecht, es permanent "abzuschalten", weil dann vieles seelisch nicht mehr verarbeitet würde.
      Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.
      (Friedrich Nietzsche)
    • Generell und dauerhaft dürfte der Entzug eher nicht so gut sein, siehe de.wikipedia.org/wiki/REM-Schlaf#Funktion
      Wenn man aber zu viele dieser Schlafphasen hat oder gar schlafwandelt, könnte der Nutzen des Entzugs vorhanden sein und den falls überhaupt vorhandenen Schaden überwiegen.

      Ich selbst wache oft in solchen Traumphasen auf, weil mir ständig Dinge durch den Kopf gehen, die noch zu erledigen sind. Ich verfluche mein Gehirn dann schon gern mal, ob es nicht gefälligst bis zum Morgen warten kann, um mir dann dringende Erledigungen mitzuteilen.
      _,.-o~^°´`°^~o-.,_Ich ess Blumen...,.-o~^°´`°^~o-.,_
      ...denn Tiere tun mir leid. Lieber Akazien statt nem dicken fetten Schinken!
    • Eine kurze Meldung dazu, in der auch Amitriptylin explizit erwähnt wird:
      Charité, Pressemitteilung vom 02.09.2014: Erinnerungslücken durch Antidepressiva?
      Und das dazugehörige Paper:
      Goerke M, Cohrs S, Rodenbeck A, Kunz D. Differential effect of an anticholinergic antidepressant on sleep – dependent memory consolidation. Sleep 2014 May 01. Doi: 10.5665/sleep.3674

      Wie so oft müsste der Nutzen (antidepressive Wirkung) gegen die möglichen Nebeneffekte abgewogen werden.

      The post was edited 1 time, last by Turtle ().

    • Rene wrote:

      Ich wollte mal fragen ob einer von euch weiß was es bedeutet wenn die REM Schlafphasen unterdrückt werden.Das Antidepressiva Amitriptylin hab ich gelesen soll die REM Schlafphasen unterdrücken.Ist das Schädlich für den Körper?
      Imo ist beides nicht optimal. Schlafentzug und das Unterdrücken von REM.
      Bei Schlafentzug kann es im Worst Case zu epileptischen Anfällen kommen. Ein Psychiater erklärte mir mal, dass sich der Körper durch Ausruhen erholen kann, aber die Psyche braucht eben wirklich diesen "Wartungsmodus", den man Schlaf nennt.

      Bei der Behandlung von Schlafstörungen gibt es im Grunde derzeit grob nur zwei Möglichkeiten:
      a) Man nimmt die klassischen noch verfügbaren Methoden: Benzodiazepine, benzodiazepin-ähnliche Stoffe (→ Zolpidem, → Zopilcon) oder das heutzutage vermutlich eher unbekannte Chloralhydrat (das erste synthetische Schlafmittel überhaupt). Die berühmten Barbiturate haben seit 1992 keine Zulassung mehr zur Anwendung als Schlafmittel in Deutschland.

      b) Man nimmt Psychopharmaka, die nicht durch Wirkungen an den GABA-Rezeptoren zur Sedierung führen. Dies sind sedierende Antidepressiva und Neuroleptika mit starken Wirkungen am H1-Rezeptor. Bei den Neuroleptika gilt grob "Hohe neuroleptische Potenz, niedrige Sedierung. Niedrige neuroleptische Potenz, starke Sedierung".

      Benzodiazepine wirken ganz gut. Unterdrücken diese REM-Phase afaik nicht. Nachteil: deutliche Toleranzentwicklung, hohes Abhängigkeitspotential, bei fortlaufender Anwendung oder bei Beendigung der Medikation kehren u. U. verstärkte Schlafstörungen oder gar Schlaflosigkeit bis hin zu Entzugserscheinungen auf. Bei hohen Dosierungen Filmriss und Amnesie möglich. Bei kurzwirksamen Wirkstoffen sind Verstimmungen möglich ("Abfuck").

      H1-"Hypnotika": Wirken sich positiv auf die Schlafdauer und Schlafbereitschaft aus. Sind für die Langzeitanwendung geeignet. Nachteile: u. U. wenig erholsamer Schlaf, Müdigkeit tagsüber (vor allem die ersten Wochen), Gewichtszunahme bis hin zu sehr starker Gewichtszunahme. Beim abrupten Absetzen sind ebenso Schlafstörungen oder gar Schlaflosigkeit möglich. Allerdings keine "klassischen" Entzugserscheinungen, kein primäres Abhängigkeitspotential wie klassische Schlafmittel ("Benzos"). Diese H1-"Hypnotika" fluten eher langsamer an. Wirken eher subtiler. Erzwingen weniger Schlaf. Bei Mitteln wie z. B. Doxepin sind phototoxische Hautreaktionen möglich. Das bedeutet, dass starke Sonneneinwirkungen sehr unangenehme und unschöne Hautreaktionen auslösen KÖNNEN. Neuroleptika gelten allgemein als schlecht verträgliche Psychopharmaka. Inwieweit bekannte mögliche Nebenwirkungen auch bei niedrigpotenten Mitteln auftreten weiß ich nicht. Die Packungsbeilagen lesen sich allerdings meist nicht so gut. Ein wirksames, niedrigpotentes Neuroleptikum wäre z. B. Levomepromazin. Das bekannteste Präparat dürften die sogenannten Neurocil-Tropfen sein, gefolgt von Atosil.

      Andere Möglichkeiten gibt es imo in Deutschland up-to-date nicht.
      Neuere Mittel wie diese Orexine sind afaik bisher erst gerade in den USA zugelassen. Aber auch diese Präparate scheinen nennenswerte Nebenwirkungen zu haben.

      de.wikipedia.org/wiki/Orexine
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read

      The post was edited 2 times, last by Hyperakusis: Link eingefügt / Ergänzung ().

    • Ich habe das ziemlich lange genommen kann mich aber nicht erinnern nicht geträumt zu haben.
      Eher im Gegenteil.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Ginome wrote:

      Ich habe das ziemlich lange genommen kann mich aber nicht erinnern nicht geträumt zu haben.
      Ich habe Amitriptylin sehr lange genommen und nach einiger Zeit habe ich damit dennoch geträumt! Die REM-unterdrückende Wirkung wurde wohl auch nur in Kurzzeitstudien untersucht.
      Wieder hier
    • Febry2 wrote:

      Ginome wrote:

      Ich habe das ziemlich lange genommen kann mich aber nicht erinnern nicht geträumt zu haben.
      Ich habe Amitriptylin sehr lange genommen und nach einiger Zeit habe ich damit dennoch geträumt! Die REM-unterdrückende Wirkung wurde wohl auch nur in Kurzzeitstudien untersucht.
      Hmmm... ich habe es von April 1997 bis Mitte 2004 genommen. Das ist dann doch eher eine Langzeiteinnahme.
      Aber auch für den Anfang kann ich mich nicht an Traumlosigkeit erinnern, dafür aber an massive Mundtrockenheit.
      Hohe Zahlen bei der Editierungsanzeige zeigen nicht, dass ich permanent meine Meinung ändern würde. Ich habe nur Probleme Rechtschreib- und Grammatikfehler zu tolerieren und korrigiere diese daher, wenn ich sie sehe.
      Dennoch kann auch ich Tippfehler übersehen. In diesem Fall bitte ich um Nachsicht.
    • Amitriptylin ist eines der ganz wenigen Antidepressiva, die ich wirklich noch nie hatte.

      Wie beurteilen diejenigen, die es schon hatten, dessen Wirksamkeit hinsichtlich Stimmung, Antrieb, Schlaf usw. Macht es nicht ausgesprochen stark müde?
    • sempron wrote:

      Wie beurteilen diejenigen, die es schon hatten, dessen Wirksamkeit hinsichtlich Stimmung, Antrieb, Schlaf usw. Macht es nicht ausgesprochen stark müde?
      Es wirkte stärker aufhellend auf die Stimmung als SSRI oder SNRI. Für den Schlaf wirke es sehr gut, es machte auch auf Dauer immer noch müde. Allerdings ging die Tagesmüdigkeit auch nach einigen Monaten immer noch nicht weg.
      Der Antrieb war besser als vorher, für die Müdigkeit sogar eher hoch. Aber die Tagesmüdigkeit und Mundtrockenheit haben dann zu einem Wechsel zu Clomipramin geführt.
      Clomipramin ist fast wie Amitriptylin, macht aber überhaupt nicht müde und wirkt sehr gut stimmungsaufhellend. Stärker als SSRI oder SNRI. Leider ist der Mund damit sehr trocken und das Essen ging deshalb nur noch im Schneckentempo.
      Wieder hier
    • Garfield wrote:

      Einfach 1L mehr trinken pro Tag hat da auch nicht geholfen?
      Das Problem bei dieser Mundtrockenheit ist, daß sie direkt wieder auftritt, auch wenn gerade erst viel getrunken wurde. Es kann so weit gehen, daß man quasi kaum mehr die Zunge im Mund bewegen kann, vor allem, wenn auch noch Anspannung, Nervosität beteiligt sind.

      Ich hielt früher mal ein Referat unter der Einnahme eines trizyklischen Antidepressivums und konnte kaum noch mich artikulieren, so daß man mich schwer verstand - nach Rücksprache mit dem Dozenten benutzte ich dann einen Kaugummi, damit konnte ich dann deutlich besser sprechen.
    • Ich hatte mal ein Vorstellungsgespräch mit Amitriptylin, schon ein paar Jahre her, ca. 2008 oder so. Da ist es mir auch passiert, dass mittendrin die Zunge festklebte und ich fast nicht mehr reden konnte.
      Ansonsten, was Träume angeht, fiel mir auf, dass ich mit Amitriptylin außergewöhnlich viele hypnopompe Halluzinationen hatte. Beim Aufwachen hatte ich also sehr lebhafte Träume (ohne Schlaflähmung).
      Alles wird galaktisch gut.
    • sempron wrote:

      Amitriptylin ist eines der ganz wenigen Antidepressiva, die ich wirklich noch nie hatte.

      Wie beurteilen diejenigen, die es schon hatten, dessen Wirksamkeit hinsichtlich Stimmung, Antrieb, Schlaf usw. Macht es nicht ausgesprochen stark müde?
      Amitriptylin ist ein sehr altes Antidepressivum. Markteinführung 1962. Amitriptylin macht müde, allerdings nicht in dem Maße wie Doxepin und Trimipramin (alle drei Substanzen sind trizyklische Antidepressiva). Müdigkeit tagsüber ist bei den trizyklischen Antidepressiva ein bekanntes mögliches Problem. Im Hinblick auf die Wirksamkeit so gelten die trizyklischen Antidepressiva, auch Antidepressiva der ersten Generation genannt, als die Wirksameren/Stärkeren.

      Was Mundtrockenheit angeht, so dürfte es auf die sogenannten anticholinergen Wirkungen zurückzuführen sein.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Okay, danke allen, die auf meine Fragen zu Amitriptylin geantwortet haben.


      @Febry2

      Zum Abkömmling "Nortriptylin" (der ja, wie von Dir auch angesprochen, nicht mehr auf dem deutschen Markt ist) muß ich persönlich jedoch sagen:

      Nortriptylin (anders als Amitriptylin) hatte ich schon einmal - auch dieses Mittel hat mich sehr müde gemacht; so reagiert jeder wohl individuell und möglicherweise diametral anders auf solche Stoffe.

      Bei Clomipramin (lange ist es her) erinnere mich noch an sehr starke Mundtrockenheit, sexuelle Nebenwirkungen (starke Orgasmusverzögerung konkret), geweitete Pupillen, aber auch an Müdigkeit, die aber wohl sich schnell besserte; auch an einen komischen Geruch an der Haut erinnere ich mich.
    • Febry2 wrote:

      Ja, nur bei Clomipramin nicht und bei Nortriptylin auch nicht. Allerdings ist nur ersteres noch auf dem Markt.
      Richtig. Clomipramin hat nicht diese starke Wirkungen am H1-Rezeptor, die für die Sedierung bei den anderen Antidepressiva verantwortlich sind. Clominpramin hat bei Psychiatern meinem Eindruck nach einen recht guten Ruf. Es scheint bei Phobien und Zwängen anderen Antidepressiva überlegen zu sein.
      Nortriptylin ist noch auf dem Markt: gelbe-liste.de/wirkstoffe/Nortriptylin_22000

      Was nicht mehr auf dem Markt ist: Desipramin. Das gab es bis vor Jahren noch unter dem Namen Petylyl.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
    • Hyperakusis wrote:

      Nortriptylin ist noch auf dem Markt
      Nein, nicht in Deutschland, siehe hier die Info dazu vom Hersteller:
      lundbeck.com/de/service/nortrilen-truxal

      "Die Lundbeck GmbH informiert darüber, dass die Zulassung für das Produkt Nortrilen® 10/25mg Dragees erloschen ist und die Vermarktung damit eingestellt wird (Die Rücknahme der Zulassung erfolgte nicht aus Gründen der Arzneimittelsicherheit). Das Produkt befindet sich im Abverkauf (siehe auch DAZ 14/2017).
      Die Zulassung in anderen europäischen Ländern ist davon nicht betroffen. "
      Wieder hier
    • Febry2 wrote:

      Nein, nicht in Deutschland, siehe hier die Info dazu vom Hersteller:
      Oh tatsächlich. Thx. Krass, dass die Gelbe Liste da noch nicht up-to-date ist. Dann muss ich direkt mal meine Psychopharmak-Info updaten, weil dort noch Nortrilen drin ist.

      Scheint mir im Falle Nortrilen ähnlich zu sein wie bei Petylyl (Desipramin). Als ich das vor vielen Jahren mal ausprobiert hatte, da gab es nur noch diese eine Packungsgröße von Temmler.
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read