Sucht und Drogen

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      Kaktusfrau schrieb:

      Obacht mit den Opiaten/Opioiden!
      Ich bin mir der Risiken schon sehr bewusst. Nicht zuletzt, weil ich auch schon ein paar mal einen (wenn auch nicht ganz so stark ausgeprägten) Heroinentzug erlebt habe... Außerdem ist es in der Tat so, dass sich gerade bei den Opioiden sehr schnell eine Toleranz (mit entsprechender körperlicher Abhängigkeit) entwickelt. Das unterscheidet diese Substanzen dann auch wirklich von fast allen anderen. Allerdings bin ich heute, wie gesagt, schon in der Lage, den Konsum zu kontrollieren. Das soll nicht heißen, dass es damit nun gar keine Probleme mehr geben kann, aber zumindest aktuell sehe ich da keine größere Gefahr. Und ich habe mir zumindest vorgenommen, den Konsum gleich einzustellen, sollte ich irgendwann feststellen, dass es wieder in eine andere Richtung geht. Ein gewisses Risiko bleibt natürlich immer, aber mir gefällt das Zeug einfach zu gut, um es ganz sein zu lassen... ;)
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      Wirrwolf schrieb:

      Und ich habe mir zumindest vorgenommen, den Konsum gleich einzustellen, sollte ich irgendwann feststellen, dass es wieder in eine andere Richtung geht.
      Was meinst du, wieviele Leute der Meinung waren, sie könnten es jederzeit wieder einstellen?

      Wirrwolf schrieb:

      aber mir gefällt das Zeug einfach zu gut, um es ganz sein zu lassen...
      Eben.

      Gerade bei Opiaten/Opioiden hört man sowas so oft. Man fragt sich manchmal wirklich, woher dann die vielen Süchtigen kommen? Die waren auch mal irgendwann der Meinung, sie hätten es unter Kontrolle.

      Zumal es ja unter Süchtigen auch Usus ist, seinen Konsum - egal von welcher Droge - schönzureden. Es gibt viele Menschen, die jeden Tag Alkohol konsumieren und davon süchtig sind, aber wenn man sie nach ihrem Konsum fragt, haben sie es immer voll im Griff. Und solange es jemanden gibt, der da unter einem steht, kann man es für sich ja immer wunderbar relativieren. Jemand der täglich säuft schaut auf den herab, der schon morgens damit anfängt. Und die, die schon morgens damit anfangen, schauen auf die herab, die sich regelmäßig einmachen. Und die wiederum schauen auf die herab, die von ihrer Sauferei bereits dement geworden sind.

      Sucht und Selbstbeschiss sind die besten Freunde. Süchtig bleibt man sein Leben lang, und wenn man schon einmal die Kontrolle verloren hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sie wieder verliert.

      Und bis dahin redet man es sich schön...
      Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.
      (Friedrich Nietzsche)
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      Palinurus schrieb:

      Süchtig bleibt man sein Leben lang, und wenn man schon einmal die Kontrolle verloren hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sie wieder verliert.
      Das ist eben genau das Dogma, das ich oben kritisiert habe. Tatsächlich wurde bislang kaum untersucht, ob es sich wirklich so verhält, also bei allen und jedem. Es gibt wohl wirklich genug Menschen, die es nach einer Phase der Sucht nicht mehr schaffen, den Konsum später wieder zu kontrollieren - aber ich bezweifle eben, dass das bei allen so ist. Wenn das der Fall wäre, könnte ich z.B. jetzt auch gar nicht mehr "vernünftig" Drogen nehmen, denn ich hatte die Kontrolle ja schonmal verloren. Momentan geht das aber problemlos. Ich nehme ein paar mal in der Woche Opioide (meist nachmittags/abends) und ansonsten spielt das Thema keine große Rolle mehr in meinem Leben. Früher war das ganz anders.
      Wobei ich ja, wie gesagt, nicht so weit gehe zu behaupten, es wird nie wieder problematisch. Nur ist es das aktuell eben definitiv nicht. Und ich denke schon, dass ich mir sozusagen eine Strategie entwickeln kann, wie ich einem erneuten "Abdriften" begegnen kann. Sollte ich feststellen, dass ich die Drogen wieder öfter nehme und insbesondere, um Alltagsprobleme erträglicher zu machen, höre ich damit (erstmal) wieder ganz auf. Ob das so klappen wird, muss sich erst noch zeigen, das ist klar. Ich sehe aber keinen Grund zu der Annahme, dass ein solcher Umgang damit notwendig scheitern muss. Das ist meiner Ansicht nach, wie gesagt, ein bloßes Dogma.

      P.S.: Ist das eine Mohnkapsel auf deinem Avatar? :d

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Wirrwolf ()

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      Wirrwolf schrieb:

      Ich nehme ein paar mal in der Woche Opioide (meist nachmittags/abends) und ansonsten spielt das Thema keine große Rolle mehr in meinem Leben.
      Du nimmst es "ein paar mal" die Woche und glaubst allen Ernstes, du hast es unter Kontrolle? :m(:

      Es gibt einen einfachen Test, den man machen kann, um zu sehen, ob man süchtig ist oder nicht: Stell dir einfach vor, ab heute wirst du NIE WIEDER ein Opioid konsumieren. Wie fühlst du dich dabei? Was geht bei diesem Gedanken in dir vor? Womit versuchst du jetzt, deinen Konsum zu rechtfertigen, damit du es doch weiter nehmen kannst?

      Ich hatte in meinem Leben wirklich mit vielen Opiat/Opioid-Konsumenten zu tun, und von denen hatte es absolut keiner im Griff, nicht einer. Viele davon sind inzwischen auch schon tot. Aber dieses Relativieren der eigenen Sucht hatten ALLE drauf.

      Die einzigen, die auf Dauer nicht von Opiaten/Opioiden süchtig werden, sind die, bei denen diese Drogen nicht euphorisierend wirken. Bei mir ist das beispielsweise der Fall. Da ich viele Junkies kannte, habe ich natürlich auch meine Erfahrungen mit dieser Substanzklasse gemacht, aber ich habe nie verstanden, was die Leute daran toll finden. Und genau deshalb habe ich es nur probiert und hatte niemals einen Dauerkonsum, war auch niemals abhängig davon.

      Sowohl bei Opiaten/Opioiden als auch beim Alkohol gibt es eine Wirkung, die sich oft als sehr fatal erweist: grenzenlose Selbstüberschätzung. Das und das Zufriedensein auf Knopfdruck sind es, was den Einstieg in die Sucht so einfach macht, dass die meisten gar nicht merken, wie drauf sie längst sind.

      Und dass ein Kontrollverlust nicht auf Dauer ist, davon labert auch so ziemlich JEDER Süchtige, egal ob er auf Alk oder Opioide oder Meth oder sonst irgendeinen Mist abfährt. Tatsache ist aber, dass jemand, der einmal süchtig war, es auch für den Rest seines Lebens bleibt. Er kann nur versuchen, sein Suchtmittel nicht mehr zu konsumieren, damit er Abstand davon bekommt und irgendwann lernt, auch ohne berauschende Hilfsmittel durch den Tag zu kommen. Aber bei sehr vielen bleibt das ein Traum, weil sie immer wieder in die Suchtfalle tappen. Dieses Ableugnen des Kontrollverlustes und die Vorstellung, es kontrolliert nehmen zu können sind einer der Hauptgründe, dass die Leute immer wieder anfangen, obwohl sie es längst besser wissen müssten.

      Aber du bist natürlich die große Ausnahme.

      So wie jeder Junkie mal die große Ausnahme war...
      Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren findet, der ihn versteht.
      (Friedrich Nietzsche)
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      Palinurus schrieb:

      Du nimmst es "ein paar mal" die Woche und glaubst allen Ernstes, du hast es unter Kontrolle?
      Ja. Ich nehme am Wochenende von Samstagnachmittag an etwas (ab Samstag um 14 - das heißt, ich habe gerade damit angefangen ;) ) und ansonsten noch einmal in der Woche (in der Regel am Mittwoch, nachmittags). Ansonsten nicht, wobei es mir mittlerweile nicht mehr schwer fällt, es dann sein zu lassen, d.h. ich denke nicht die ganze Zeit daran und würde eigentlich gerne, aber "darf" nicht usw. Das nenne ich schon "Kontrolle", da ich mir ja genau festgelegt habe, wann ich es mir erlaube, und das auch genau so umsetze. Ein Kontrollverlust würde m.E. bestehen, wenn ich mir zwar vorgenommen hätte, nur zu bestimmten Zeiten zu konsumieren, aber ich würde es nicht schaffen, mich an diesen Plan zu halten. Auf die genannte Weise nehme ich die Opioide jetzt übrigens schon seit gut zwei Jahren.

      Palinurus schrieb:

      Womit versuchst du jetzt, deinen Konsum zu rechtfertigen, damit du es doch weiter nehmen kannst?
      Ich rechtfertige das gar nicht - dazu sehe ich mich nicht veranlasst. Entscheidend ist für mich, ob dieser Genuss mit Folgen einhergeht, die ich nicht tragen will, insbesondere, ob meine (physische und psychische) Gesundheit dadurch geschädigt bzw. meine Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Und das ist aktuell einfach nicht der Fall. Von daher sehe ich keinen Grund, warum ich mir diesen Genuss versagen sollte.
      Tatsächlich wäre es mir natürlich unangenehm, ab jetzt ganz darauf zu verzichten - so, wie das wohl bei allem der Fall ist, was man gerne tut. Wäre das allerdings notwendig, da sonst z.B. (auch bei nur einer einmaligen Einnahme) meine Gesundheit "auf dem Spiel stünde", dann würde ich es lassen. Wenn ich jetzt z.B. mal kein Geld dafür habe, mir "Nachschub" zu kaufen, dann lasse ich es auch mal eine längere Zeit sein. Natürlich fehlt da in einem gewissen Sinne etwas, aber auch da ist es nicht so, dass meine Gedanken ständig darum "kreisen" würden.

      Palinurus schrieb:

      auch ohne berauschende Hilfsmittel durch den Tag zu kommen
      Das ist ja genau das Kriterium, an dem ich meinen Umgang damit festmache. Momentan hilft mir der Konsum nicht durch den Alltag, sondern ich nehme die Drogen als bloßes Genussmittel in der Freizeit. Sollte ich später mal merken, dass ich das Bedürfnis bekomme, sie auch (wieder) zu nehmen, um besser mit dem Alltag zurechtzukommen, würde ich den Konsum einstellen. Solange das nicht der Fall ist, sehe ich aber keinen Grund dazu. Warum auch? So, wie es jetzt läuft, wirkt er sich nicht negativ auf mein Gesamtempfinden aus, gibt mir aber ein paar Stunden des Genusses im Laufe der Woche. Mir ist klar, dass es der gängigen Lehrmeinung widerspricht, dass das möglich ist. Da ich aber nicht den Eindruck habe, dass es bei mir nicht so funktioniert, und ich die Belege für diese Lehrmeinung für zweifelhaft halte, kümmert mich das nicht weiter.
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      @Wirrwolf Naja, mach dir ruhig weiter was vor. Diese Relativierung ist halt normal bei Süchtigen. Früher oder später wirst du dir auch selbst eingestehen müssen, dass die Droge stärker ist als du. Aber zu versuchen, dir das jetzt klarzumachen, ist wie versuchen, eine Wand zum Weggehen zu bewegen - sie wird es nicht tun, und du wirst erst dann einsehen, was fur ein Problem du mit deiner Droge hast, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen und ersoffen ist.

      Ich hoffe nur, dass hier keiner auf die Idee kommt, es dir gleichzutun, weil du es ja so toll im Griff hast.

      Irgendwo tief in dir drinnen weißt du eh, dass du dir nur was vormachst.
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      Palinurus schrieb:

      Irgendwo tief in dir drinnen weißt du eh, dass du dir nur was vormachst.
      Solche Aussagen zeigen m.E. nur, dass es sich bei dieser Meinung um einen bloßen Dogmatismus handelt. Statt im Einzelnen auf das einzugehen, was ich geschrieben habe, behauptest du einfach, dass du Recht hast - weil es anders ja gar nicht sein kann. Eine wirkliche Diskussion ist vor diesem Hintergrund natürlich nicht möglich. (Von dem moralisierenden Einschub, dass ich so vielleicht jemanden zum Drogenkonsum verleiten könnte, ganz zu schweigen...)
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      @Wirrwolf Ich habe vermutlich mit viel mehr Drogenkonsumenten zu tun gehabt als du jemals haben wirst. Und was du schreibst, hat auch jeder von denen mal behauptet. Du bist nicht die große Ausnahme, für die du dich hältst, du bist unter Süchtigen eher ein Paradebeispiel.

      Aber da ich in den vielen Jahren auch gelernt habe, dass die Sucht fast immer stärker ist, lasse ich dich jetzt mal in deinem Glauben. Bringt eh nichts, da noch was zu sagen.

      Wünsch dir heute noch einen schönen Rausch. Ich ja Samstag, da hast du vermutlich eh schon was drin... :sarcasm:
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      Einen Überblick über die Thematik bietet übrigens dieser Text: Lotzmann: Abstinenz als Paradigma in der Suchttherapie. Das ist zwar "nur" eine Bachelorarbeit, aber als solche referiert sie das Thema gut, finde ich. Vor allem wird die zu großen Teilen unwissenschaftliche Entstehungsgeschichte dieses Ansatzes klar herausgearbeitet und die Darstellung der negativen Folgen einer Forderung nach vollständiger Abstinenz bei Suchtproblematiken finde ich sehr gut nachvollziehbar.