Entscheidungsschwierigkeiten - ASS-spezifisch?

    • Entscheidungsschwierigkeiten - ASS-spezifisch?

      <<<<<<---------------- Anmerkung: In der Überschrift fehlt ein Fragezeichen (?) hinter dem Text. Sorry.

      Hallo,

      ich wollte mal fragen, ob ihr glaubt, dass Entscheidungsschwierigkeiten ein ASS-spezifisches Problem darstellen oder ob das eher etwas mit Depressionen oder einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung oder mit Ängsten zu tun haben könnte (vermutlich mit allem? :roll: Ich würde dennoch gerne eure Ansichten dazu und Erfahrungen damit erfahren).

      Bei mir stellt sich die Situation (was das Treffen von Entscheidungen betrifft) so dar:
      • wenn ich Alternativen rationell bewerten kann, so dass ein 'Endergebnis' dabei herauskommt kann ich mich halbwegs gut entscheiden, wenn das Produkt diesen Abwägungsvorgang 'rechtfertigt'.
        • Beispiel: wenn ich nach einem technischen Gerät suche, überlege ich mir vorher, was das Gerät alles für Kennwerte einhalten muss bzw. Funktionen haben soll und entweder gibt es dann ein Gerät (oder mehrere), das diesen Kriterien entspricht --> dann kaufe ich eins davon (das günstigste das alle Vorgaben erfüllt). Wenn das Gerät die Vorgaben nicht erfüllt, kaufe ich es nicht. Das führt im Endergebnis dazu, dass ich meistens mehrere Monate brauche, bis ich mir ein technisches Gerät kaufe (was ich dann auch so lange nutze bis es defekt ist und sich nicht mehr reparieren lässt) und dass ich aus dem Grund z. B. viele technische Geräte nicht besitze, weil ich nicht einsehe, für bestimmte Modeerscheinungen so viel Geld hinzulegen (RW). Damit kann ich aber gut leben.
      • wenn ich Alternativen zu bewerten habe und die Bewertung sehr viel Aufwand bedeutet im Vergleich zum Produkt, bin ich vollkommen überfordert
        • Bsp.: Ich möchte im Supermarkt einen Joghurt kaufen, weil das auf meiner Einkaufsliste steht. Nun gibts da aber meistens zwischen 30 und 200 (?) Sorten und ich bin sehr oft komplett überfordert, wie ich da eine Auswahl treffen soll. Bisher habe ich das so gelöst, dass ich einfach immer das billigste kaufte oder manchmal kaufe ich das, was ich schon kenne. Wie handhabt ihr so etwas? Oder kennt ihr dieses Problem nicht? Ich habe oft das Gefühl, ich müsste von allen (!) Sorten die Inhaltsstoffe lesen, den Preis anschauen und zuletzt überlegen, ob ich Appetit auf so etwas hätte. Erst dann kann ich ja eine Auswahl treffen, die auf einer vernünftigen Grundlage basiert. Aber ich habe weder die Zeit noch die Nerven z. B. von 200 Joghurts die Inhaltsangaben zu lesen. Es fällt mir auch extrem schwer, mir im Geschäft vorzustellen, auf welchen Joghurt ich Appetit hätte. Oft bin ich nach dem Einkaufen komplett fertig und denke mir, wie man von etwas, das andere Leute mit links erledigen, so kaputt sein kann
      • wenn ich Alternativen zu bewerten habe, deren einzelne Merkmale nicht vergleichbar sind, bin ich erst recht überfordert
        • Bsp.: Ich suche nach einem alternativen Beruf. Seit Monaten (bzw. Jahren) suche ich in Berufsregistern usw. nach Ausbildungsberufen bzw. Studienrichtungen. Ich führe endlos Listen über Vor- und Nachteile jedes Berufs der mich interessiert. Aber ich scheitere daran, dann eine Auswahl zu treffen. Beruf A hat z. B. den Vorteil 'wenig Kundenkontakt' und den Nachteil 'zu viel Routine'. Beruf B hat z. B. den Vorteil 'abwechslungsreich' aber den Nachteil 'viel Kundenkontakt'. In diesem Fall (und meine Berufslisten sind wesentlich umfangreicher mit vielen Vor- und Nachteilen) scheitere ich an der Lösung des Problems. Ich habe auch schon versucht, die einzelnen Merkmale zu sammeln und zu gewichten (kann ich nicht so gut beschreiben). Das habe ich gemacht, um am Ende ein Endergebnis für jede Alternative zu haben. Beruf C erfüllt die Anforderungen meinetwegen zu 55%, Beruf D zu 58%. Ich fühle mich dann aber trotzdem nicht in der Lage, Beruf D zu wählen (der würde meine Anforderungen ja zu 3%-Punkten 'besser' erfüllen). Das liegt vermutlich daran, weil ich die Merkmale ja auch ganz anders gewichten könnte und ich nicht weiß, was 'richtig' und 'falsch' ist. Nun kann man sagen, "es gibt kein richtig und falsch", und genau das ist mein Problem. Ich habe dann ganz extreme Entscheidungsschwierigkeiten, die mich lähmen, aktiv und tätig zu werden.


      Manchmal habe ich auch große Probleme damit, mich für EINE Sache zu entscheiden, weil ich am liebsten mehrere Dinge machen möchte, ich sehe nicht ein, mich auf eine Sache zu beschränken. Beim Beispiel mit den Joghurts ist das relativ einfach, dann kaufe ich eben für jeden Wochentag eine andere Sorte. Bei den Berufen ist es wesentlich schwieriger. ;( Ich bin jetzt dazu übergegangen, mir zu überlegen, dass ich erst Beruf 1, danach Beruf 2, danach Beruf 3 abschließen werde. Aber wer absolviert vier Berufsausbildungen, vor allem in meinem Alter? Ich werde wohl in den Berufen gar nicht arbeiten bzw. habe überhaupt kein Interesse daran. Mich interessiert es mehr, die Inhalte kennenzulernen und leider auch, Prüfungen abzulegen und ein Zeugnis zu bekommen.
      Kennt ihr das auch, dass ihr so viele verschiedene Interessen habt, dass ihr euch dann am Ende für NICHTS entscheidet oder wie bekommt ihr das in Einklang? Mich lähmt dieses breite Interessensspektrum das ich habe, ungemein und ich finde das sehr traurig, weil ich eigentlich ein sehr begabter und wissbegieriger und kreativer Mensch bin. Aber durch diese Entscheidungsschwierigkeiten bekomme ich fast nichts zustande.

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    • Ich bin mir ziemlich sicher, das auch Nicht-autisten damit probleme haben können. Vielleicht ist es bei Autisten aber häufiger. Im Verhältniss zur Masse an Nicht-autisten, bezogen auf die eher kleine Menge an Autisten unter allen menschen, kommt es vielleicht vermehrt vor, oder sie sind sich dessen eher bewusst als andere, die sich generell weniger mit sich selbst beschäftigen und infrage stellen.

      Ich habe auch oft probleme mich zu entscheiden, jedoch nur, wenn kein klarer Vorteil zu ersehen ist. Wenn beides die gleiche Auswirkung hat, habe ich es lieber, wenn jemand anderes die entscheidung trifft.
    • FruchtigBunt schrieb:

      Das führt im Endergebnis dazu, dass ich meistens mehrere Monate brauche, bis ich mir ein technisches Gerät kaufe
      Ich zitiere mal aus meinen "Memoiren". :d

      "Manchmal will ich mir etwas kaufen, dann muss sich Anna stundenlang die Vor- und Nachteile anhören, die für eine Kaufentscheidung relevant sind. Auch, wenn es Themen betrifft, die sie nicht interessieren. Kamera-Objektive zum Beispiel. Oder etwas so banales wie der Kauf einer kurze Hose. Ich lege dann in allen Einzelheiten dar, warum Objekt A besser ist als Objekt B, viel Zeit nimmt auch immer die Erklärung in Anspruch, warum Objekt C überhaupt nicht der Rede wert ist. Das Ganze mache ich immer mehrmals. Erst in einem Selbstgespräch, dann mit Anna und zum Schluss noch einmal mit mir. Meistens stimmen mir beide zu (Ich2 meistens deutlich genervter, Anna dafür deutlich öfter), so dass einem Klick auf den „Kaufen“-Button eigentlich nichts mehr im Wege steht. Eigentlich. Denn nachdem ich mich für Objekt B entschieden habe frage ich mich, ob Objekt A nicht doch mehr Vorteile hat. Manchmal passiert es, dass während der Recherche ein Objekt D in den Fokus rückt und das Spiel geht wieder von vorne los. Wobei „Spiel“ zu harmlos ausgedrückt ist. Das grenzt schon an echte Arbeit. Fragt Anna mal, wie lange der Kauf meines ersten Tablet-Computers gedauert hat. In der Zeit haben andere ein Haus gebaut. Und wieder abgerissen."
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • Ich erkenne mich in deiner Beschreibung auch zu 100% wieder. Von meinem Therapeuten habe ich letztens gehört, dass ich (genauso wie viele Aspies) nunmal viel und gerne denke, vermutlich hängt es schlicht und einfach damit zusammen. Ich neige dazu, alles in Frage zu stellen, mir jedes für und wider zu überlegen und alle Gedankenwege mindestens drei Schritte weiter zu verfolgen bevor ich zu einer Entscheidung fähig bin. Daher wirke ich allerdings auch manchmal recht langsam und mir entgehen dadurch oft andere Dinge, welche vielleicht ebenfalls wichtig wären (da ich mich in all diesen Details verliere).
      Diese Detailliebe wird ja auch oft als Eigenheit autistischer Personen angeführt. Die Entscheidungsunfreudigkeit ist meiner Meinung nach ein Resultat aus dieser spezielleren Art und Weise zu denken, zumindest in meinem Fall.

      Wobei ich auch NTs kenne, welche sich mit Entscheidungen schwer tun, was in den mir bekannten Fällen aber mit genereller Unsicherheit zu tun hat.
    • Eismensch schrieb:

      Manchmal passiert es, dass während der Recherche ein Objekt D in den Fokus rückt und das Spiel geht wieder von vorne los. Wobei „Spiel“ zu harmlos ausgedrückt ist. Das grenzt schon an echte Arbeit.
      Das Problem habe ich auch. Wenn ich anfange etwas zu recherchieren, finde ich tausend andere Richtungen, Gedanken, Ideen wo es hingehen könnte bzw. was man noch beachten könnte und ich komme sprichwörtlich "vom Hölzchen aufs Stöckchen" (verstehe diese RW zwar nicht, aber vielleicht könnt ihr euch irgendwas darunter vorstellen, es ist jedenfalls ein Verhalten, dass man immer kleinteiliger denkt und sich immer mehr in irgendwas reingräbt oder reinwuselt und am Ende blickt man überhaupt nicht mehr durch).
      Bei mir ist auch "grenzt an echte Arbeit" vollkommen untertrieben. Ich bin mit solchen Dingen (wenn denn mal ein Kauf von einem Produkt ansteht, ich bin froh, wenn alles noch heil ist und funktioniert und ich nichts kaufen muss) dann wirklich mehrere Wochen bzw. Monate vollständig ausgelastet. Das hat an Zeitaufwand, den ich reinstecke wirklich die Ausmaße eines Jobs (nur eben nicht Vollzeit, weil ich schon ziemlich schnell dabei ermüde, aber es kann mir passieren, dass ich fünf Stunden dasitze, um mich im Internet darüber zu informieren, welche Sonnencremes es in Deutschland gibt und worauf man da achten sollte). Es belastet mich extremst. Wenn ich mal ein Produkt gefunden habe, mit dem ich zufrieden bin (und sich nicht wieder die Rezeptur ändert oder es eingestampft (RW) wird) bleibe ich dann meist auch dabei, nur wenn es mir schlecht geht, fange ich teilweise wieder an und denke, ich müsste das auserkorene Produkt wieder mit allen anderen auf dem Markt abgleichen. Es ist eine Tortur. :(


      Ginkgo schrieb:

      Von meinem Therapeuten habe ich letztens gehört, dass ich (genauso wie viele Aspies) nunmal viel und gerne denke, vermutlich hängt es schlicht und einfach damit zusammen. Ich neige dazu, alles in Frage zu stellen, mir jedes für und wider zu überlegen und alle Gedankenwege mindestens drei Schritte weiter zu verfolgen bevor ich zu einer Entscheidung fähig bin.
      Ja, ich neige auch dazu, alles in Frage zu stellen. Die meisten Menschen überlegen sich nicht stunden- und tagelang welches Deo sie benutzen sollen, sondern greifen im Supermarkt einfach zu. Da ich aber viele Hintergründe kenne bzw. zumindest schonmal etwas davon gehört habe, prüfe ich immer sehr vieles ab, von dem manche Menschen gar nichts wissen oder sie wollen einfach nichts davon wissen, weil es ihnen egal ist. Neulich sagte mir jemand "das wird doch in den Geschäften verkauft, das wird schon in Ordnung sein, sonst würd es doch gar nicht verkauft werden". Ja, so blauäugig (RW) und naiv bin ich dann nicht. Ich kenne die Tricks der Hersteller und gesetzlichen Lücken zu Inhaltsangaben etc. und ich weiß auch über die Unverfrorenheit mancher Hersteller selbst Gifte in Produkte zu entsorgen und das noch als 'gesund' zu verkaufen. Wenn man das weiß (und nicht verdrängen kann), dann kann man doch nicht einfach irgendetwas kaufen?!?!

      Ich möchte eigentlich auch gar nicht so naiv sein und alles glauben, aber diese ganze Denkerei kostet mich so unglaublich viel Energie und raubt mir immer mehr meiner Lebensenergie. Habt ihr nicht eine Idee, wie man davon loskommen kann? Sollte man sich vielleicht lieber mit etwas Sinnvollerem beschäftigen und hört dieser Zwang dann auf? Aber was ist schon sinnvoll? Vielleicht etwas, was mir auch Spaß machen würde und mich nicht so zermürben würde. Bei mir ist es besonders schlimm geworden, seit ich nicht mehr arbeite. Davor hat sich dieses Entscheidungsproblem nicht auf einfache Entscheidungen ausgewirkt sondern nur auf Entscheidungen mit weitreichenderen Folgen bzw. höhere finanzielle Investitionen. Mittlerweile bin ich ein paar Tage in Geschäften unterwegs wenn ich mir ein Paar neue Socken oder einen Regenschirm kaufen muss. Das könnte jemand, der arbeitet, schon zeitmäßig überhaupt nicht machen.
      Kann es sein, dass ich mir diesen MIst antue, weil mein Kopf nicht ausgelastet ist?
      Ich würde aber auch einfach mal gerne entspannen. (sorry, geht jetzt Off-Topic, vielleicht muss ich noch nen Thread aufmachen zum Thema "nicht-entspannen-können").

      Mich frustriert es gerade, dass ich unter dieser Art zu denken so leide. :(
      Noch eine Frage dazu: Leidet ihr auch so sehr darunter bzw. belastet euch dieses Verhalten von euch, sofern ihr es habt, auch so sehr? (oder eher nur eure Partner/innen? ;) )

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    • FruchtigBunt schrieb:

      aber es kann mir passieren, dass ich fünf Stunden dasitze, um mich im Internet darüber zu informieren, welche Sonnencremes es in Deutschland gibt
      Ich wollte mir vor kurzem ein neues Gas-Sturmfeuerzeug kaufen. Frag nicht... :m(:

      FruchtigBunt schrieb:

      Leidet ihr auch so sehr darunter
      Naja, "leiden" ist das falsche Wort. Grundsätzlich überwiegt bei den meisten Artikeln die Freude, dass ich mir das kaufen kann, was selten genug vorkommt. Aber bis es soweit ist, vergeht eine wirklich anstrengende und nervtötende Zeit. Ich glaube schon, dass es meine Frau belastet. Das Problem dabei ist ja noch nicht einmal, dass ich von ihr hören will, was ich mir kaufen SOLL, sondern vielmehr brauche ich ein Gegenüber, welches meine Monologe über Sinn oder Unsinn des einen oder anderen Artikels erträgt. Es ist eine Gedankenartikulierung. Ich muss mir und anderen laut erklären können, wie meine Gedankengänge sind. Das ist sicher für den Zuhörer sehr anstrengend. :?
      What doesn't kill me makes me stranger.
    • FruchtigBunt schrieb:

      <<<<<<---------------- Anmerkung: In der Überschrift fehlt ein Fragezeichen (?) hinter dem Text. Sorry.
      Ich habe das mal geändert, da ich das zufällig gesehen habe. :d
      Bei solchen Anfragen an die Moderation kannst du zukünftig besser die Meldefunktion nutzen, die rechts unten als Dreieck mit Ausrufezeichen-Symbol im Beitragsfeld zu finden ist, dann ist auch sichergestellt, dass die Moderation solche "Wünsche" auch mitbekommt. :)
      ~Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.~
    • FruchtigBunt schrieb:

      Kennt ihr das auch, dass ihr so viele verschiedene Interessen habt, dass ihr euch dann am Ende für NICHTS entscheidet oder wie bekommt ihr das in Einklang?
      Ich bin vermutlich eher jemand, der sehr viele Desinteressen hat - aber die Interessen, die ich habe, die werden exzessiv zelebriert.
      Das mit dem Joghurt kenne ich so nicht, weil ich eher "arschig" durch den Supermarkt gehe und gefühlt 90 Prozent der Waren nicht meine Welt sind. Im Grunde kaufe ich eh immer nur dieselben Dinge, die dann phasenweise lang anhalten, irgendwann vielleicht einmal verdrängt werden. Es gibt aber auch Dinge, mit denen ich quasi in "Symbiose" lebe. Ein Beispiel wäre Lakritz. Da fällt mir ein... es wäre mal Zeit für eine "Schaufel" Salmiakpastillen. :d

      Aber ich bin bei technischen Geräten, vor allem bei Dingen, die mir WIRKLICH wichtig sind sehr extrem. Um das Bild zu "zeichnen": Zu Zeiten, wo die Eltern noch die Begleiter waren gab es immer wieder die Szene, dass ich SEHR lange brauchte... und irgendwann dann diese "Nun entscheide dich!"-Szenen. Ich hab damals mein erstes selbstverdientes Geld direkt in gute Videorekorder investiert. Es gab z. B. von Panasonic diesen "101er". In irgend so einem Laden meinte der Verkäufer warum ich denn unbedingt, den nicht vorrätigen 101er Panasonic haben möchte. Tja, das konnte ich dem ziemlich gut erklären. Also ich bin KEIN Kunde, der in den Laden geht und dann den Verkäufer sucht so nach dem Motto "Entschuldigen Sie, Sir... könnten Sie mich mal beraten, Sir?". NEE! Wenn ich mir eine Kamera oder so wie damals einen guten Videorekorder gekauft habe, dann geht es eigentlich nur darum "Rein in den Laden und das Teil finden.". Ich denke mich kann man auch nicht wirklich gut beraten, weil ich vermutlich zu asynchron zum Mainstream-Publikum gepolt bin. Das hat insgesamt Vor- und Nachteile. :roll:

      Zur konkreten Frage im obigen Zitat nochmal... also ich habe überlegt warum ich immer so unendlich da so stand (→ "Kann mich nicht entscheiden!"). Ich denke, dass ich nicht spontan entscheiden möchte, denn es waren eigentlich IMMER bei Dingen, die mich interessieren und so, große Vorbereitungen im Spiel. Aber im Laden wird man dann zuweilen überrascht. Vermutlich überfordert, irritiert dann die "Programmänderung". Ich kann mich dann wohl nicht entscheiden, weil ich im Grunde erst einmal den Überblick bräuchte. Im Laden geht alles so schnell. Das geht dann einfach auch nicht gut.

      Ich muss an dieser Stelle allerdings sagen, dass es bestimmte Bereiche sind, die mir sehr wichtig sind. Es gibt so verdammt viele Dinge im Alltag, über die ich nie so recht nachgedacht habe... wohl weil die Priorität zu low ist. Vermutlich sind da sogenannte SIs auch ein Stück weit schädlich, denn sie sind wie das Herkuleskraut, dass einfach alles überwuchert. :roll:
      In letters of gold on a snow white kite I will write "I love you"
      And send it soaring high above you for all to read
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      FruchtigBunt schrieb:

      Mich frustriert es gerade, dass ich unter dieser Art zu denken so leide.
      Wenn du drunter leidest, wäre es vielleicht gut einen Therapeuten daraufhin anzusprechen, da es dich ja auch im täglichen Leben sehr einschränkt.
      Ich war auch mal auf diesen "Gesundheitstripp" und habe alles genauestens überprüft und recherchiert aber letztendlich hat es eben auch einfach nur viel Zeit "gefressen" und ich habe dann gedacht, ich könnte mich mit sinnvolleren Dingen beschäftigen. Du bräuchtest wohl ein anderes Hobby, wie du schon sagst, etwas was dir auch Spaß macht. Vielleicht gelingt es dir dann, immer wenn du wieder in das alte Muster zurückfällst "stopp!" zu sagen und dich bewusst für eine andere Tätgkeit entscheidest; oder wenn du Socken brauchst, nimmst du dir dafür nur einen Tag Zeit, findest du keine kannst du dir vielleicht sagen, "ok jetzt habe ich keine gefunden, dann ist es nicht so wichtig" und gehst erst in einer Woche wieder ins Geschäft und nicht am nächsten Tag, um Abstand von der Grübelei zu kriegen. (Wie gesagt nur Vorschläge, ob es für dich passt weiß ich nicht.)

    • Neu

      FruchtigBunt schrieb:

      ich wollte mal fragen, ob ihr glaubt, dass Entscheidungsschwierigkeiten ein ASS-spezifisches Problem darstellen oder ob das eher etwas mit Depressionen oder einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung oder mit Ängsten zu tun haben könnte (vermutlich mit allem?
      Entscheidungsprobleme hängen erstrangig mit Depressionen zusammen. Nicht mit Autismus.

      Bei Autisten ist es eher so, dass sie im Normalzustand sich eh immer für das Gleiche entscheiden. :d Und mit Depressionen fällt einem eben jede Entscheidung schwer.
      Wieder hier
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      neuer Computer, neue Kamera, neues Handy, neues Fahrrad. ich hab da jedes Mal das gleiche Problem, mich nicht entscheiden zu können. Aus genannten Gründen. Also verschiebe ich das Problem, bis etwas hin ist. Andere um ihre Meinung zu bitten macht es eher schwieriger. "Bloß X nicht, nimm Y", und der nächste sagt das Gegenteil.
    • Neu

      Das Problem kenne ich gut.

      Meine Kaufentscheidungen dauern meistens auch ewig, um die Vor- und Nachteile abzuwägen.
      Und gibt es ja auch noch das Problem, ob man bei seiner Auswahl alle relevanten Alternativen berücksichtigt hat oder ob man etwas übersehen hat.
      Meine Kollegen machen sich schon darüber lustig.

      Sehr selten treffe ich aber auch ganz spontan eine Entscheidung aus dem Bauch heraus, wenn ich auf Anhieb von einer Sache überzeugt bin.
    • Neu

      Febry2 schrieb:

      FruchtigBunt schrieb:

      ich wollte mal fragen, ob ihr glaubt, dass Entscheidungsschwierigkeiten ein ASS-spezifisches Problem darstellen oder ob das eher etwas mit Depressionen oder einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung oder mit Ängsten zu tun haben könnte (vermutlich mit allem?
      Entscheidungsprobleme hängen erstrangig mit Depressionen zusammen. Nicht mit Autismus.
      Bei Autisten ist es eher so, dass sie im Normalzustand sich eh immer für das Gleiche entscheiden. :d Und mit Depressionen fällt einem eben jede Entscheidung schwer.

      Dass die Exekutivfunktionen betroffen sind, ist ja nichts Neues. "Troubles with Decision-making" ist mW sogar Forschungsgegenstand im Bereich Autismus. Ich meine diesbzgl schon was gelesen zu haben. @mnesis hat dazu auch mal was geschrieben.

      journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1362361311415876

      Das stützt die These, dass mit begleitenden Depressionen und Angsterkrankungen die Entscheidungsfindung erschwert wird.

      Allerdings kommt auch noch was hinzu, was wiederum durch soziale Phobie gefördert wird. Ich traue mir z.B. selten, im Geschäft einen Verkäufer anzureden oder jemanden offen zu bitten mitzugehen (ich wüsste auch keinen). Gerade wenn es um Entscheidungen geht, wo ich mich schwer auskenne. Ob das mit Depressionen zusammenhängt, wenn man sich nicht für eine Joghurtsorte entscheiden kann, bezweifle ich aber
      Eher denke ich hier an ein simples "too much information".
    • Neu

      Ich habe die Entscheidungsschwierigkeiten (auch), jedoch keine der erwähnten Komorbiditäten. Ich führe es bei mir also (nur) auf den Autismus zurück. Bei technischen Geräten ist jetzt meine Lösung, dass ich Bekannte frage, die "vom Fach" sind. Bei manchen Verbrauchsartikeln habe ich mich nun nach einigen Jahrzehnten dran gewöhnt, dass es "wurst" ist.
      Ich habe allerdings auch schon mal von einer Studie gelesen, nach der mehr als 6 Marmeladesorten zu geringeren Umsätzen führen, weil die (Durchschnitts-)Leute von zu viel Auswahl überfordert sind.
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      Auch ich finde mich in deinen Beschreibungen zu 100% wieder. Leider habe ich bis jetzt noch nichts gefunden, was mir da helfen könnte. Aber es ist für mich schon einmal gut zu wissen, dass es auch noch andere Menschen
      gibt, die damit Probleme haben. Dachte zuerst nur ich hätte damit solche Probleme.
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      Wüstenblume schrieb:


      Ich habe das mal geändert, da ich das zufällig gesehen habe.
      Bei solchen Anfragen an die Moderation kannst du zukünftig besser die Meldefunktion nutzen, die rechts unten als Dreieck mit
      Ausrufezeichen-Symbol im Beitragsfeld zu finden ist, dann ist auch sichergestellt, dass die Moderation solche "Wünsche" auch mitbekommt.
      Vielen lieben Dank fürs Ändern und den Hinweis mit dem Ausrufezeichen! (das wusste ich noch nicht bzw. dachte, das Ausrufezeichen soll man nur bei "strafrechtlich-relevanten Dingen" oder ähnlich Schwerwiegendem drücken)


      Hyperakusis schrieb:

      Es gibt so verdammt viele Dinge im Alltag, über die ich nie so recht nachgedacht habe... wohl weil die Priorität zu low ist.
      Das würde ich in meinem Fall als Vorteil betrachten, wenn es so wäre. Bei mir ist die Priorität von allem fast immer sehr hoch. Jede Information die auf mich einströmt, will ich irgendwie 'verarbeiten'. Ich kann kaum etwas einfach mal so nur sein lassen. Es ist schrecklich, da so anstrengend.


      Gluon schrieb:

      FruchtigBunt schrieb:

      Mich frustriert es gerade, dass ich unter dieser Art zu denken so leide.
      Wenn du drunter leidest, wäre es vielleicht gut einen Therapeuten daraufhin anzusprechen, da es dich ja auch im täglichen Leben sehr einschränkt.Ich war auch mal auf diesen "Gesundheitstripp" und habe alles genauestens überprüft und recherchiert aber letztendlich hat es eben auch einfach nur viel Zeit "gefressen" und ich habe dann gedacht, ich könnte mich mit sinnvolleren Dingen beschäftigen. Du bräuchtest wohl ein anderes Hobby, wie du schon sagst, etwas was dir auch Spaß macht. Vielleicht gelingt es dir dann, immer wenn du wieder in das alte Muster zurückfällst "stopp!" zu sagen und dich bewusst für eine andere Tätgkeit entscheidest; oder wenn du Socken brauchst, nimmst du dir dafür nur einen Tag Zeit, findest du keine kannst du dir vielleicht sagen, "ok jetzt habe ich keine gefunden, dann ist es nicht so wichtig" und gehst erst in einer Woche wieder ins Geschäft und nicht am nächsten Tag, um Abstand von der Grübelei zu kriegen. (Wie gesagt nur Vorschläge, ob es für dich passt weiß ich nicht.)
      Ich denke auch, dass es Sinnvollere Beschäftigungen gibt, als das, was ich tue wenn ich unwichtige Dinge vergleiche, aber mein Kopf kann dann davon nicht loslassen. Mit einem "Stop" schaffe ich das nicht. Es hört meistens erst auf, wenn ich nach mehreren Stunden Recherche oder 10mal vor dem Regal im Supermarkt hin-und-Herrennen nervlich so am Ende bin, dass ich nicht mehr denken kann und vollkommen entkräftet bin. Dann breche ich irgendwie innerlich zusammen. Erst dann hört das auf. Ich werde es gezielt in der Therapie ansprechen.
      Ich denke halt oft, ich MUSS etwas hinbekommen. Ich MUSS jetzt das beste, günstigste und schönste Paar Socken finden, wenn ich das nicht schaffe, bin ich gescheitert. Und diesen Anspruch setze ich mir bei allem. :(


      Pompeji schrieb:

      Dass die Exekutivfunktionen betroffen sind, ist ja nichts Neues. "Troubles with Decision-making" ist mW sogar Forschungsgegenstand im Bereich Autismus. Ich meine diesbzgl schon was gelesen zu haben. @mnesis hat dazu auch mal was geschrieben.
      Vielen Dank!! ICh werde nach dem Fachausdruck suchen und mich weiter informieren.


      shnoing schrieb:

      Ich habe die Entscheidungsschwierigkeiten (auch), jedoch keine der erwähnten Komorbiditäten. Ich führe es bei mir also (nur) auf den Autismus zurück.
      Beziehen sich die Entscheidungsschwierigkeiten bei dir auch auf solche Lappalien wie den Einkauf von Lebensmitteln?


      Vulkan schrieb:

      Leider habe ich bis jetzt noch nichts gefunden, was mir da helfen könnte.
      Ja, das geht mir auch ähnlich. Ich werde den Thread nochmal sacken lassen (RW) und dann evtl. für mich irgendeine Struktur reinbringen und gezielt überlegen, was helfen könnte. Wenn es wirklich um ein 'zuviel an Informationen' geht, könnte man da ja z. B. gut gegensteuern. (z. B. auf dem Wochenmarkt einkaufen, wo es nicht so eine Riesenauswahl gibt wie in einem Supermarkt, also die Auswahlmöglichkeiten dezimieren)
    • Neu

      Erkenne mich in dem meisten Geschriebenen auch sehr wieder. Bei Dingen, die mich nicht interessieren, die ich als lästig empfinde vermeide ich meistens die Beschäftigung, schiebe Entscheidungen auf. Im Supermarkt kaufe ich meistens mehr oder weniger das gleiche. Aber bei Themen meines Interesses, Kaufentscheidungen im Bereich meiner Interessen lege ich häufig eigene Tabellenserien mit Vor- und Nachteilen von Produkten an, die die Tabellen von Fachzeitschriften an für mich relevantem Informationsgehalt übertreffen. In denen ich genau die in Frage kommenden Produkte vergleiche. Das kann ein unendliches Kategorisieren und Auflisten von Eigenschaften sein, was letztlich dazu geführt hat, dass eigentlich all die kleinen Investitionen meines Lebens in Bereichen, die mich interessieren sehr lange gehalten haben, von guter Qualität sind (zb. Die Schnorchelausrüstung, die ich mir als Kind vor 20 Jahren gekauft habe ist immer noch hervorragend).

      Ich mache Pläne, welche Produkte sich wie kombinieren ließen, habe in meiner Jugend Monate damit verbracht mir auszudenken welche Geräte ich für ein Musikproduktionsstudio bräuchte und wie kombinieren müsste, inkl. aller Klinkenverbindungen, Kabellängen, Qualitäten, Preise, Gesamtsumme, dazu habe ich entsprechende Pläne gezeichnet, wie man die Geräte verkabelt. Und halt obwohl ich wusste, dass ich mir nie auch nur einen Bruchteil davon würde leisten können. Mit optischen Geräten war es ähnlich. Oder als Kind mit Feuerwerksartikeln. Ich habe Kataloge gehortet und in aufwändigen Plänen Kombinationen von Produkten und Zubehörteilen erdacht, obwohl ich mir die Dinge meist nie auch nur ansatzweise leisten konnte, trotzdem habe ich damit unendlich viel Zeit verbracht.

      Mein genereller Hang zum Planen und Konstruieren (jetzt nicht auf Kaufentscheidungen bezogen), der vielleicht so eine Art ‚systematisches Träumen‘ ist, beinhaltet ja immer unendliche Folgen von Entscheidungen, das Planen/Konstruieren besteht quasi aus nichts anderem als aus ganz vielen Stück für Stück getroffenen Entscheidungen. Mittlerweile konstruiere ich mir meine Möbel selber, weil ich bei Ikea/sonstwo niemals die genau für meine Bedürfnisse optimal passenden Dinge finde, so kann ich die optimale Entscheidung für mich treffen, indem ich nicht mehr etwas vorgefertigtes kaufe, sondern das für meine Bedürfnisse Optimale selber mache.

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